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Thema: Postminister Christian Schwarz-Schilling verstorben
drmoeller_neuss Am: 07.04.2026 23:48:09 Gelesen: 269# 1 @  
Im Kreise seiner Familie ist am Ostermontag der frühere Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling (CDU) im hessischen Büdingen im Alter von 95 Jahren gestorben.

Seine politische Laufbahn begann im Hessischen Landtages, dem er von 1966 bis 1976 angehörte. Danach war er bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Bundeskanzler Helmut Kohl berief im Jahre 1982 Schwarz-Schilling als Bundesminister für Post und Fernmeldewesen. In dieser Zeit trieb er die Privatisierung des bis dahin staatlich geprägten Sektors voran. Er hat das Kabelfernsehen, das Privatfernsehen und den Mobilfunk in Deutschland eingeführt. Mit der Privatisierung des Telefonnetzes wurde der Name des Ministeriums in "Bundesministerium für Post und Telekommunikation" geändert.

Ein markanter Einschnitt in der politischen Karriere von Schwarz-Schilling war der Rücktritt im Jahr 1992. Aus Protest gegen die damalige Politik im Bosnienkrieg legte er sein Ministeramt nieder, was als Ausdruck persönlicher Integrität gewertet wurde.

Auch später hat sich Schwarz-Schilling für die Belange des Balkans eingesetzt. 2003 gründete er die Schwarz-Schilling-Stiftung zur Förderung von Völkerverständigung und den Dialog der Kulturen und setzte sich für Bürgerkriegsflüchtlinge aus den Jugoslawien-Nachfolgestaaten ein.

Seine Ernennung zum Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina im Januar 2006 war nur von kurzer Dauer. Dieses Amt trat er am 31. Januar 2006 an. Kaum ein Jahr später kündigte seinen Rücktritt nach wiederholter Kritik aus Bosnien-Herzegowina zum 30. Juni 2007 an.

Der "Spiegel" schrieb von "Helmut Kohls affärenreichstem Minister". In die Schlagzeilen geriet der Minister mit seiner Büdinger »Sonnenschein«-Accumulatorenfabrik nicht nur einmal. Im Juni 1985 wurde das Berliner Zweigwerk von den Behörden stillgelegt. Die Firma geriet wegen einiger Zwischenfälle bei der Verarbeitung von Blei in das Visier der Behörden, die Presse sprach von "Giftschleuder" und "organisierter Wirtschaftskriminalität" und Schwarz-Schilling hatte den Spitznamen "Bundesbleiminister" weg. Auch die Beteiligung an anderen Firmen im Bereich der Telekommunikation brachten dem Minister den Vorwurf der Verfilzung ein. [2]

Für die Philatelie blieb Schwarz-Schilling ein unauffälliger Minister. Er ist nicht als aktiver Briefmarkensammler in Erscheinung getreten.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Schwarz-Schilling
[2] https://www.spiegel.de/politik/der-bundesbleiminister-a-2806c6c3-0002-0001-0000-000013515434?context=issue
 
JanClauss Am: 08.04.2026 00:17:54 Gelesen: 258# 2 @  
CSS war schon eine besondere Figur.

Ich lernte ihn in der 1970er Jahren auf der Frankfurter Buchmesse am Stand des Harrassowitz-Fachverlages für Altertumskunde kennen, in dem er seine Dissertation über Ostasien publiziert hatte. Er war dort mit seiner Tochter, die mich mindestens so in Bann zog wie der Alte mit seinem schlohweißen Schopf. CSS passte eigentlich nie so richtig in die Regierungsarbeit, er war immer ein intellektueller Querdenker und übrigens ein ausgezeichneter Rhetoriker - bis auf die Tatsache, dass er vor Selbstbewusstsein strotzend keinerlei Redezeiten einhielt. Das hatte ich einmal im Bonner Königshof erlebt, als er die Festansprache der Europäischen Journalistenunion VEJ hielt und spätestens nach 2 Stunden alle fest schliefen, wenn sie nicht vorher den Raum fluchtartig verlassen hatten. Aber gelabert hat er nie, das war alles schon erstklassig, aber eben viel viel zu lang. Seinen Einsatz für die Geschehnisse im damals zerfallenden Jugoslawien (Stichwort Srebrenitza) habe ich immer bewundert, auch seine Gradlinigkeit, die nun gar nicht zu einem Politiker passte. Ruhe er in Frieden!

Dr. Jan Ulrich Clauss
seit 2014 Vors.ArGe Südost-Philatelie SOPhia (vormals ArGe-YU)
 
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