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Thema: Notstempel in Ostpreussen 1914
johanneshoffner Am: 09.04.2026 22:06:53 Gelesen: 1150# 1 @  
Im Rahmen meiner Sammlung zum Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik, zeige ich, dass während des I. Weltkriegs nur im Sundgau (Oberelsass), Teilen von Lothringen und in Ostpreussen Kampfhandlungen auf dem Gebiet des Deutschen Reichs stattfanden. Somit kam die deutsche Bevölkerung mit Kampfhandlungen im Wesentlichen nicht in Kontakt.

Ich möchte einige Belege und die wenige Literatur vorstellen, die ich habe. Es wäre schön, wenn sich Interessierte an diesem Thema beteiligen würden, Tipps zur Literatur geben könnten, Belege zeigen und diskutieren.

Mein Aufänger war die Seite 545 im Stempelhandbuch der Deutschen Feldpost im Ersten Weltkrieg von Horst Borlinghaus.



Die Beschreibung in meinem Exponat:

Im Osten griff Russland auf Drängen der Alliierten das Deutsche Reich in Ostpreussen an. Nach dem Angriff russischer Truppen am 19./20.8.1914 wurden zwei Dritteln Ostpreußens kurzzeitig besetzt. Mit der Schlacht bei Tannenberg (6.–14. 9. 1914) wurde die Besetzung beendet. Ostpreußen war neben dem Oberelsass und Lothringen die einzigen Gebiete des Deutschen Kaiserreichs, die von direkten Kampfhandlungen betroffen waren.

Tilsit war vom 25.8. – 12.9.1914 von der russischen Armee besetzt. Nach der «Schlacht von Tannenberg» zog sich das russische Militär aus Tilsit zurück. Die regulären Poststempel waren in Sicherheit gebracht worden und so standen nach der Rückeroberung bis Ende September 1914 nur Formularstempel als Notstempel zur Verfügung.


Den Stempel Tilsit kann ich vom 15.9. und 17.9.1914 zeigen



Post aus dem Reich nach Ostpreussen war nicht zustellbar, das kann ich mit einem Brief der Reichsbankstelle Cöln nach Insterburg vom 18.8.1914 zeigen:


 
wuerttemberger Am: 09.04.2026 22:32:42 Gelesen: 1139# 2 @  
@ johanneshoffner [#1]

Teile Ostpreussens waren noch bis Februar 1915 russisch besetzt: https://de.wikipedia.org/wiki/Winterschlacht_in_Masuren#

Der Stempel "Zurück / Keine Verbindung" wurde in Königsberg verwendet. Von diesen zurück-Vermerken gibt es einige Varianten, die bis Februar 1915 belegt sind.
 
johanneshoffner Am: 11.04.2026 15:10:03 Gelesen: 1041# 3 @  
@ wuerttemberger [#2]

Besten Dank für den Hinweis.

Von Herrn Köhn aus der ARGE deutsche Ostgebiete (https://www.arge-ost.de/ ) habe ich noch Artikel erhalten, die ich nach und nach einbauen möchte.



Dabei geht es hauptsächlich um Stempel aus Tilsit.
 
johanneshoffner Am: 11.04.2026 15:22:12 Gelesen: 1038# 4 @  
Hier habe ich eine Feldpostkarte mit einem Notstempel Tilsit.



Der Text lautet
Tilsit, den 13/9/14

Von der Stadt Tilsit, die wir gesten im Sturm von den Russen befreit haben, sende ich ein (***) und recht schöne Grüsse

Artur Nitz


Zu der Karte gibt es einen Kurzbefund von Herrn Haspel (BPP, 26.12.2020)

"vom 26.8.-12.9.1914 war Tilsit von russichen Truppen besetzt. Nach der Befreiung kam der Postbetrieb sofort wieder in Gang. Da die Tagesstempel nach Königsberg mitgenommen worden waren, wurden vorhandene Formularstempel für die Abstempelung verwendet. Spätestens Ende September standen die Tilsiter Tagesstempel wieder zur Verfügung."
 
johanneshoffner Am: 12.04.2026 15:41:08 Gelesen: 994# 5 @  
Eine weitere Karte vom 13.9.1914



der Text lautet:

13/9 Liebe Schwester!
hier bei Tilsit heute die Russen in einer grossen Schlacht geschlagen viele Beute. Bin sehr müde.
Grüsse an alle Dein Bruder
 
johanneshoffner Am: 13.04.2026 11:21:53 Gelesen: 927# 6 @  
Es gibt auch einen Stempel mit Serifen




Es handelt sich um eine hektografierte Karte an einen Herrn Leisser in Berlin.

Die Datumsangabe lautet Tilsit, Dat. Poststempel

Der handschriftliche Vermerk (25/9/14) vorderseitig dürfte wohl bei der Ankunft angebracht worden sein.
 
bernhard Am: 14.04.2026 13:49:31 Gelesen: 810# 7 @  
@ johanneshoffner [#3]

Im Rundbrief 93/1982 der ArGe Ostgebiete gibt es einen längeren Artikel zu den Tilsiter Behelfsstempeln. Im Rb. 92/1981 werden ein paar Belege gezeigt.

Falls die Rundbriefe nicht vorliegen, einfach melden.

Viele Grüße
Bernhard
 
johanneshoffner Am: 14.04.2026 22:18:10 Gelesen: 758# 8 @  
Hier zeige ich den letzten Bekleg aus meiner Sammlung aus Tilsit: Es ist nochmals der Rahmenstempel vom 17.9.1914.



Der Text lautet:

Tilsit um Sturm und Strassenkampf wieder erobert, eine Stunde später sollte die Stadt von den Russen verwüstet werden. ...
 
wuerttemberger Am: 15.04.2026 07:38:22 Gelesen: 720# 9 @  
@ bernhard [#7]

Hat sich die Arge Ostgebiete auch mit den Zensurstellen in Ostpreussen beschäftigt?

Gruß
wuerttemberger
 
bernhard Am: 15.04.2026 14:12:54 Gelesen: 692# 10 @  
@ wuerttemberger [#9]

Hallo wuerttemberger,

in der ArGe Ostgebiete werden auch Zensurthemen verschiedener Gebiete und Zeiträume behandelt. Ein Spezieller Artikel zu den Zensurstellen zu Ostpreußen ist mir nicht in Erinnerung bzw. kann ich auch nicht dem Stichwortverzeichnis entnehmen. Meist werden eben Zensurbelege vorgestellt und ggfs. darüber diskutiert.

Unter dem Link findest du ein Stichwortverzeichnis und zwei Inhaltsverzeichnisse. Vielleicht findest du da etwas.

Ich habe die Rundbriefe ab Nr. 91/1981 vorliegen, kannst dich gerne melden.

https://www.arge-ost.de/argewebsite/index.php/arge-rundschreiben.html

Viele Grüße
Bernhard
 
johanneshoffner Am: 16.04.2026 18:12:55 Gelesen: 619# 11 @  
@ bernhard [#7]

Besten Dank für die Unterlagen.

Der Autor Peter Joost führte eine systematische Untersuchung der Notstempel durch (1982).

Er beschreibt 6 Notstempel und wieviele Belege er jeweils davon gesehen hat.

Vier dieser Stempel stammen aus Tisit.



Man findet
Notstempel 1 im Beitrag 1 und 8 er entspricht dem Stempel 2876 aus dem Feldposthandbuch
Notstempel 3 im Beitrag 6 er entspricht dem Stempel 2877 aus dem Feldposthandbuch
Notstmepel 4 im Beitrag 4 und 5
Notstempel 5 ist mir noch nicht untergekommen.

Die anderen Orte folgen.


 
johanneshoffner Am: 17.04.2026 16:38:03 Gelesen: 538# 12 @  
Bei einer der letzten Schlegel Auktionen wurde dieses Stück angeboten: Es handelt sich um eine Feldpostkarte mit dem Stempel Tilsit 15.9.1914 (Notstempel 1).

Interessant ist, dass es sich um eine Karte mit kyrillischer Inschrift handelt.

Sie wird im Angebot als "Beutekarte" beschrieben.


 
angim Am: 17.04.2026 20:29:37 Gelesen: 515# 13 @  
@ johanneshoffner [#12]

Ja, das ist ein Postkartenformular, welches vom Vordruck her den damaligen Ganzsachen des Zarenreiches entspricht. Solche Formulare waren auch schon vor 1914 in Gebrauch und es gibt sie auch mit den entsprechenden Marken frankiert.

Wahrscheinlich wurden diese Formulare 1914 auch für die russische Feldpost verwendet und wurden dann erbeutet.

Viele Grüße
Thomas
 
johanneshoffner Am: 22.04.2026 22:02:08 Gelesen: 374# 14 @  
Aus Ragnit kann ich noch eine Feldpostkarte vom 19.9.1914 zeigen. Sie ist mit einem Formularstempel entwertet.

Der Absender schreibt "jetzt gehen wir nach Russland".
(Ich denke mir dann, hoffentlich kam er auch wieder heil zurück.)

Ragnit ist ca. 12 km von Tilsit entfernt und liegt am Fluss Memel. Die historische Grenze zwischen dem Deutschen Reich und Russland lag ca. 10 km weiter nördlich.


 
johanneshoffner Am: 01.05.2026 15:43:36 Gelesen: 235# 15 @  
Aus Kaukehmen, das ca. 30 km nordwestlich von Tilsit liegt kann ich eine Postkarte zeigen.

Sie ist mit einem alten preussischen Stabstempel entwertet. Leider ist auf der Postkarte kein Datum angegeben.

Kaukehmen hatte 1914 ca. 2200 Einwohner


 
johanneshoffner Am: 04.05.2026 22:25:49 Gelesen: 144# 16 @  
Während der Zeit der Kampfhandlungen mussten viele Zivilisten aus den ostpreussischen Grenzgebieten nach Richtung Westen fliehen.

Es gab eine grosse Hilfsbereitschaft, viele Flüchtlinge konnten nach Norddithmarschen ausweichen.

In diesem Artikel wird das sehr schön beschrieben:

https://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_14/Demokratische_Geschichte_Band_14_Essay_6.pdf

Nun zur Philatelie: Eine Postkarte vom 8.12.1914 mit eingedrucktem Spendenvermerk Fürsorge für Ostpreuss. Flüchtlinge Preis 10 Pf. Sie ist gelaufen als Feldpostkarte aus Berlin nach Bernau.


 
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