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Thema: Deutsches Reich Hitler Portrait geschwärzt - Fälschungen oder echt ?
Martini Am: 03.06.2026 11:55:20 Gelesen: 823# 1 @  
Vor Jahren von einem alten Sammler mit vielen anderen sehr guten Marken aus dem Deutschen Reich gekauft. Diese Marken haben jetzt wieder mein Interesse geweckt. Sie sind postfrisch und wurden nachträglich geschwärzt. IdR spricht man von Fälschungen. Wie geht man mit dem Thema um und welchen Wert haben solche Marken?



Bin dankbar für eure Hilfe.
 
Lars Boettger Am: 03.06.2026 14:23:46 Gelesen: 772# 2 @  
@ Martini [#1]

Die ungebrauchten Marken mit den Schwärzungen werden nicht geprüft, weil sie sich nicht prüfen lassen. Es sind keine der "üblichen" Fantasieaufdrucke. Aber es kann Dir kein Mensch sagen, ob sie echt sind.

Beste Grüße!

Lars
 
Martini Am: 03.06.2026 16:15:50 Gelesen: 706# 3 @  
Danke Lars!
 
Attila Am: 04.06.2026 00:28:51 Gelesen: 597# 4 @  
@ Lars Boettger [#2]

Lieber Lars,

kürzlich haben wir in vielen Fällen Laserspektroskopie und Röntgenfluoreszenzspektroskopie für ungarische und österreichische Briefmarken eingeführt.

Ich bin überzeugt, dass eine hundertprozentig zuverlässige Prüfung dieser schwarzgestempelten Briefmarken mit Raman-Spektroskopie möglich wäre.

Ich weiß allerdings nicht, ob jemals ein Prüfer einen solchen Test durchgeführt hat, da dies bisher nicht dokumentiert ist.

Gruß,
Attila
 
angim Am: 04.06.2026 10:35:38 Gelesen: 535# 5 @  
@ Attila [#4]

Sächsische Schwärzungen sind ungebraucht nicht prüfbar.

Niemand kann ausschließen, daß der Aufdruck nicht erst nachträglich erfolgte (zum Beispiel 1946).

Da hilft dann auch keine Farbanalyse.

Viele Grüße
Thomas
 
Martini Am: 04.06.2026 11:08:06 Gelesen: 510# 6 @  
Selbst wenn eine Farbanalyse möglich wäre, kommt die Frage auf was es kosten würde und welche Vorteile man damit hätte.
 
Attila Am: 04.06.2026 14:54:21 Gelesen: 455# 7 @  
@ angim [#5]

Lieber Thomas,

mir ist bewusst, dass diese Proben im BPP nicht untersucht werden können. Dies liegt vermutlich daran, dass herkömmliche optische Instrumente (z. B. Lupen, Mikroskope, Farbregister) hierfür nicht ausreichen. Da Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) und Laserspektroskopie bei organischen Materialien nicht funktionieren, ist dieses einfache Verfahren bei schwarzer Stempelfarbe nicht immer anwendbar. Auch das UV-VIS-NIR-IR-System ist für diese Materialien nicht geeignet.

Es handelt sich hierbei nicht um eine Farbanalyse, sondern um eine Material- bzw. chemische Analyse.

Ich habe die Raman-Spektroskopie erwähnt. Diese Methode eignet sich für organische Materialien. Die notwendige Datenbank bestünde aus 100 % garantiert echten Überstempeln als Referenz.

Das Ergebnis der Raman-Untersuchung kann damit verglichen werden. Ich bin überzeugt, dass das Raman-Spektroskop Echtheit oder Fälschung mit über 90 % Sicherheit nachweisen kann. Zweifelhafte Proben können ohne Prüfzeichen verbleiben.

Es wäre sehr interessant zu erfahren, welche technische Ausrüstung, Beleuchtung und UV-VIS-NIR-IR-Geräte den einzelnen Prüfern im BPP zur Verfügung stehen. Dies hat gravierende Auswirkungen auf die Genauigkeit der Untersuchungen jedes einzelnen Prüfers.

Unter unseren ungarischen Prüfern stehen jedem Mitglied des MBSZ mindestens 12 bis 15 verschiedene Wellenlängen im Bereich von 180 bis 1050 nm zur Verfügung, die allein durch die verschiedenen LED-Beleuchtungslampen erzeugt werden.

Gruß,
Attila
 
Attila Am: 04.06.2026 14:59:47 Gelesen: 453# 8 @  
@ Martini [#6]

Lieber Martini,

Röntgenfluoreszenz- und Laserspektroskopie-Untersuchungen kosten etwa 50 Euro, während Raman-Spektroskopie jeweils 120-150 Euro kostet.

Sie werden häufig zur Untersuchung von Gemälden eingesetzt.

Gruß,
Attila
 
angim Am: 04.06.2026 15:37:26 Gelesen: 430# 9 @  
@ Attila [#8]

Diese Marken sind nicht prüfbar:

Ebenso zählen die sogenannten Aufbrauchprovisorien des Bundesland Sachsen zu den Briefmarkenausgaben der Sowjetischen Besatzungszone. Dabei handelt es sich um provisorische überdruckte bzw. geschwärzte Briefmarken des Deutschen Reichs. Der Umgang mit diesen Briefmarkenausgaben, den „Sächsischen Schwärzungen“, gestaltet sich schwierig. Ungebrauchte Marken sind nicht prüfbar, gebrauchte Briefmarken nur eingeschränkt. Grund dafür ist, dass es für die Unkenntlichmachung von meist Hitler- oder Hindenburgmarken keine festen Regeln bestanden, die Marken wurden kurz vor der Abgabe an den Kunden geschwärzt, auch konnte dies der Postkunde einfach selbst übernehmen. Zum Einsatz kamen dabei vielfältige Utensilien, aber auch ein einfacher Daumenabdruck war möglich.

Quelle:
https://sammeln-spezial.de/die-briefmarkenausgaben-der-sowjetischen-besatzungszone/

Viele Grüße
Thomas
 
Attila Am: 04.06.2026 16:12:26 Gelesen: 405# 10 @  
@ angim [#9]

Lieber Thomas,

Ich verstehe genau, was Sie schreiben. Ich habe die Lösung für das Problem formuliert, dass die Echtheit oder Fälschung anhand der Tintenanalyse festgestellt werden kann.

Dies bedeutet nicht, dass eine Organisation, z. B. ein Briefmarkensammlerverein oder eine Prüfervereinigung, gemäß den Regeln kennzeichnen darf oder nicht.

Ich habe ausschließlich die technische Lösung der Untersuchung beschrieben. Wenn die Tinte laut Raman-Analyse (Verwendungsdatum, Tintenzusammensetzung und Herstellungszeitpunkt) mit der garantierten Originaltinte identisch ist, besteht kein Zweifel an der Echtheit der Briefmarke. Dies kann durch eine C14- oder C15-Isotopenanalyse bestätigt werden, unabhängig davon, ob sie gekennzeichnet ist oder nicht.

Es handelt sich hier nicht um eine Frage der Blattfärbung, sondern um eine chemisch-technische.

Gruß,
Attila
 
Ben 11 Am: 04.06.2026 16:32:21 Gelesen: 393# 11 @  
@ attila [#10],

Ich habe die Lösung für das Problem formuliert, dass die Echtheit oder Fälschung anhand der Tintenanalyse festgestellt werden kann.

@ angim [#9],

... die Marken wurden kurz vor der Abgabe an den Kunden geschwärzt, auch konnte dies der Postkunde einfach selbst übernehmen.

und Thomas hat auch einen Weg aufgezeigt, wie man dabei vorgehen kann: Wenn die Kennlinien der Raman-Spektroskopie von der Schwärzung und dem Poststempel übereinstimmen, stammen beide vom selben Stempelkissen. Mit einer entsprechenden Datenbank im Hintergrund ließen sich so auch postfrische Schwärzungen egal in welcher geometrischen Form überprüfen.

Attila hat hier schon recht, die Technologie wäre geeignet, jetzt muss sich nur jemand finden, der mit der Forschung beginnt. :)

Viele Grüße
Ben.
 
Martini Am: 05.06.2026 08:47:05 Gelesen: 272# 12 @  
@ angim [#9]

Danke Atilla! Allerdings frage ich mich immer noch in welchem Verhältnis stehen Kosten für eine Analyse der Marken zum Verkaufswert. Nehmen wir als Beispiel mal die Marken, die ich in meiner Anzeige zu stehen habe. Die Frage lautet: Lohnt sich das überhaupt?
 
angim Am: 05.06.2026 09:04:22 Gelesen: 265# 13 @  
@ Martini [#12]

Ich halte die oben gezeigten Marken für durchaus authentisch.

Da sie aber nicht seriös geprüft werden können, ergibt sich auch kein Sammler- bzw. Handelswert.

Prinzipiell könnten es auch zeitnahe Nachstempelungen nach Ablauf der Gültigkeit sein, die von Händlern oder Sammlern produziert wurden.

Wer kann das sicher sagen?

Prüfbar sind Belege und in Einzelfällen auch gestempelte Marken.

Lose postfrische Marken sind immer eine Glaubenssache.

Viele Grüße
Thomas
 
mark94 Am: 05.06.2026 10:07:46 Gelesen: 238# 14 @  
Mal eine ganz naive Frage: Machen ungebrauchte Marken in diesem Kontext überhaupt Sinn?

Verkürzt würde ich sagen dass durch diese Maßnahme nicht mehr kursfähige Marken einer regulären und legalen Verwendung zugeführt wurden.

Wurden diese Marken im geschwärzten Zustand an Postkunden abgegeben? Wenn man das selber privat machen durfte wäre das sinnlos gewesen. Auch hätte man dann keine neuen Postwertzeichen im eigentlichen Sinne. Ich erinnere da auch an die Bezirkshandstempelaufdrucke wo nur die postseitig UND über den Schalter verkauften Marke katalogisiert werden. Hinterzimmerarbeiten die in den Postverkehr auf eigene Rechnung eingeschleust wurden egal ob aus amtlicher oder privater Quelle werden nicht anerkannt.
 
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