Neues Thema schreiben   Antworten     zurück Suche   Druckansicht  
Thema: Ehrliche Rezensionen
Sammlerfreund Christian Am: 21.06.2026 11:16:44 Gelesen: 2535# 1 @  
Liebe Sammlerfreunde,

schon seit Jahren fließt ein großer Teil meines Briefmarkenbudgets in den Erwerb philatelistischer Literatur. Es waren einige hervorragende Werke dabei, aber leider auch einige richtig schlechte und vor allem Dingen sehr viele, bei denen es einer differenzierenden Betrachtung bedarf.

Ich finde es bedauerlich, dass diese Werke in Rezensionen – beispielsweise in der „philatelie“, aber auch andernorts – häufig unterschiedslos in den Himmel gelobt werden. Das ist nicht nur für die Leser ärgerlich, die erst stattliche Beträge bezahlen und dann ggfs. enttäuscht werden, sondern es schadet letztlich auch den Autoren, die sich der Verbesserungsmöglichkeiten vielleicht gar nicht bewusst sind. Fairness gebührt m.E. nicht nur dem Autor, sondern auch den Käufern und Lesern.

An dieser Stelle möchte ich daher „ehrliche Rezensionen“ veröffentlichen.

Maßstab meiner Rezensionen soll dabei konsequent die Nützlichkeit für die Sammler sein, vor allem solchen, die sich – wie ich – für Informationen interessieren, die über den Michel Deutschland-Spezial und ähnliche Werke hinausgehen. Es soll zudem beurteilt werden, ob das, was vom Autor bzw. Herausgeber bzw. Rezensenten versprochen wurde, auch eingehalten wurde. Ein Werk, das hochtrabend als „Handbuch und Spezialkatalog“ angekündigt wird, dann aber nur eine Auswahl von Bildchen ohne jegliche Erläuterung enthält, erfüllt die geweckten Erwartungen nicht.

Ich werde mich bemühen, Kritik stets sachlich und fair zu formulieren und würde mich freuen, wenn auch Ihr in Euren Beiträgen von Pauschalurteilen, Diffamierungen usw. absehen könntet. Zweck soll es wie gesagt nicht sein, einzelne Autoren, deren Einsatz ja generell zu honorieren ist, schlecht zu machen, sondern sowohl den Autoren als auch den Sammlern eine nützliche Hilfe zu sein.

Die Auswahl der Titel erfolgt ausschließlich nach eigenem Ermessen und immer dann, wenn es Zeit und Beruf zulassen. Die Beiträge beschränken sich nicht nur auf Neuveröffentlichungen, sondern ich werde auch zu Werken schreiben, die schon vor einigen Jahren veröffentlicht wurden. Ein Schwerpunkt werden sicherlich Veröffentlichungen zu deutschen Gebieten sein, weil hier auch mein Sammlungsschwerpunkt liegt. Wer eine „ehrliche Rezension“ zu einem anderen Gebiet (konkret: die griechischen Hermesköpfe) lesen will, findet sie hier:

https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=897&CP=0&F=1 – dort Beitrag 77.

Eine kleine Vorausschau erlaube ich mir an dieser Stelle – die Rezensionen zu folgenden Werken sind bereits fertig bzw. in Arbeit:

- Jürgen Herbst: Handbuch der sächsischen Francomarken sowie deren Entwertungen (2022)
- Bodo Ströh: Handbuch und Katalog – Postwertzeichen der SBZ Thüringen 1945-1946 (2023)
- Walter Trösch, Mario Kolbe, Christoph Schäfer: Plattenfehler der Urmarken und Aufdruckfehler der Mi-Nr. 98-276 (Band 1, 2024) bzw. Mi-Nr. 277-337 (Band 2, 2025)
- Dieter Wolf: Spezial-Katalog Druckvermerke vom Fünfjahrplan Ausgaben I – VIII (2018)

Abschließend erlaube ich mir noch den eigentlich selbstverständlichen Hinweis, dass es sich stets um meine höchst subjektive Meinung handeln wird - Ihr könnt gern anderer Meinung sein und seid eingeladen, diese hier zu teilen.

Herzliche Grüße
Sammlerfreund Christian
 
Sammlerfreund Christian Am: 21.06.2026 11:22:37 Gelesen: 2527# 2 @  
@ Sammlerfreund Christian [#1]

Jürgen Herbst: Handbuch der sächsischen Francomarken sowie deren Entwertungen (2022)

Beginnen möchte ich mit einem aus meiner Sicht gelungenen Werk, nämlich dem „Handbuch der sächsischen Francomarken sowie deren Entwertungen“ von Jürgen Herbst.

Ich habe mit dem Erwerb lange gerungen, weil das Werk vergleichsweise teuer ist (damals 280 Euro plus Versand). Für mich hat es sich die Investition jedoch ausgezahlt.

Ganz unabhängig vom Inhalt ist das Buch auf hochwertigem Papier und mit festem, hochwertigem Einband hergestellt. Die Druckqualität lässt nichts zu wünschen übrig. Der Autor beschreibt auf satten 1098 Seiten nahezu jede Facette des Sammelgebiets, und zwar in einer stilistisch sehr angenehmen und anschaulichen Art und Weise. Ich habe das Buch seit dem Erwerb oftmals zur Hand genommen, auch wenn ich nicht auf der Suche nach einer bestimmten Information war, sondern einfach aus Freude an gut geschriebenen philatelistischen Texten. Etwas umständlich ist allenfalls die Orientierung in diesem Mammutwerk – es gibt zwar eine grobe Inhaltsübersicht, die aber nur eine erste Orientierung bietet und die meisten Gliederungsebenen und -punkte nicht aufführt. Konsequenz: man blättert die ganze Zeit hin- und her statt direkt zur passenden Seite gehen zu können. Hier wäre ein vollumfängliches Inhaltsverzeichnis enorm hilfreich gewesen, auch wenn sich dieses über mehrere weitere Seiten erstreckt hätte.

Nun zum Inhalt:

Dem interessierten Sammler, der den Michel Deutschland-Spezial durchblättert, stellen sich beim Sammelgebiet Sachsen typischerweise die folgenden Fragen:

• Wie lassen sich die verschiedenen Farbvarianten und Typen auseinanderhalten? Der Michel bietet hierzu nur rudimentäre oder gar keine Hinweise.
• Welche Stempel gibt es und wie sind diese zu bewerten?
• Wie unterscheiden sich Originale von Fälschungen?
• Wie sind Belege zu bewerten? Hierzu bietet der Michel immerhin einige Angaben zu besonderen Verwendungsformen, allerdings hat man direkt den Eindruck, dass dies noch lange nicht alles sein kann.

Mit den Leerstellen im Michel korrespondiert auch die Erwartungshaltung an ein „Handbuch“: dieses möge bitte möglichst viele der Leerstellen füllen. Mein Fazit: dies ist dem Autor weitestgehend gelungen, wobei ich mir gerade beim Thema „Farbvarianten“ doch noch einiges mehr gewünscht hätte.

Ich möchte vier vorgenannten Fragen näher beschreiben:

1. Farbvarianten und Typen:

Der Autor setzt sich im Rahmen des Fließtexts eingehend mit den Farbvarianten und ihrer Entstehung auseinander. Nicht zu übersehen ist dabei ein kritischer Blick des Autors in einigen Fällen etwa hinsichtlich der Abgrenzbarkeit der Farbvarianten, aber auch hinsichtlich der Möglichkeit, Farbvarianten originalgetreu abzubilden. Das lässt sich alles sehr gut nachvollziehen, allerdings bringt es in der Konsequenz für den Sammler einen Nachteil mit sich, der an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben soll: es gibt nicht durchgängig Abbildungen der verschiedenen Farbvarianten. Beginnend schon mit der Mi-Nr. 1, also dem Sachsen-Dreier, den der Michel in drei Farbvarianten listet, fehlen jegliche Abbildungen. Der Autor weist ausführlich auf die Abgrenzungsproblematik hin, untergliedert nach Bühler in acht verschiedene Farbgruppen, macht auch Angaben zur prozentualen Verteilung und bewertet sie im anschließenden Katalogteil. Aber er zeigt sie nicht. Das ist wirklich sehr bedauerlich und kann mich letztlich nicht überzeugen – natürlich stellen sich stets Abgrenzungsfragen sowie die Frage, wie originalgetreu die Wiedergabe einer Farbe in Kopie gelingen kann, allerdings ist es auch anderen Autoren gelungen, dieser Problematik Herr zu werden und so den Sammlern einen Mehrwert zu stiften. Man schaue nur auf die Farbtafeln von Jäschke-Lantelme in „Pfennige, Pfennig und Krone/Adler“ und „100 Jahre Germania“ – Werke, die den Sammlern seit Jahrzehnten bei der Farbvorsortierung große Dienste leisten. Man würde dem Autor wünschen, dass er hier bei einer etwaigen Neuauflage „über seinen Schatten springt“. Wichtig ist mir allerdings festzuhalten, dass dieser „Mangel“ in dieser ausgeprägten Form nur bei Mi-Nr. 1 besteht. Schon bei Nr. 2 gibt es einige nach Farben differenzierende Abbildungen (S. 67). Auch gelingt es dem Leser leider nicht, auf den ersten Blick zu erkennen, zu welchen katalogisierten Typen/Farben die Abbildungen eigentlich gehören. Im Weiteren ist die Aussagekraft der Abbildungen sodann zufriedenstellend bis gut, wobei von jedem „Farbtopf“ leider in der Regel nur ein Exemplar abgebildet wird. Zu erwähnen ist, dass es gerade bei den Mi-Nr. 14-19 dem Leser recht schwer gemacht wir zu erkennen, wie sich die vom Autor vorgenommene Farbeinteilung und -katalogisierung zur Einteilung und Katalogisierung gemäß Michel verhält. Auch wenn die Spezialisten vom Michel nicht so viel halten, so ist er doch immer noch eine nicht wegzudiskutierende Autorität und letztlich marktentscheidend, so dass ich mir an dieser Stelle mehr „Service“ gewünscht hätte.

2. Stempel

Die Fragen, welche Stempel es gibt und wie diese zu bewerten sind, wird aus meiner Sicht sehr gut beantwortet, und zwar gleich in vierfacher Weise: zunächst wird bei der Beschreibung der einzelnen Marken dargelegt, welche Stempeltypen auf diesen Marken zu finden sind. Sodann gibt es einen 164-seitigen generischen Abschnitt zu „Stempeln, Entwertungsarten, Bearbeitungsvermerken“. Im Anschluss erfolgt im Marken-Katalogteil eine sehr ausführliche Bewertung nach verschiedenen Stempeltypen und zu guter Letzt wird im Stempel-Katalogteil zu jeder Stempelform aufgeführt, in welchen Orten dieser vorkommt und wie dieser zu bewerten ist. Viele Stempel sind auch abgebildet. Alle abzubilden hätte wahrscheinlich den Umfang des Werks gesprengt. Der Umgang mit dem Stempelthema ist m.E. sehr zufriedenstellend. Einzige Einschränkung: es werden v.a. bei den Stempeltypen sehr viele Abkürzungen verwendet, deren Bedeutung sich nicht ohne Weiteres erschließt und bei denen man wohl weitere Schriften zu Rate ziehen muss. Das ist schade und hätte sich m.E. mit nur geringem Zusatzaufwand verhindern lassen. Das Abkürzungsverzeichnis führt diese Abkürzungen jedenfalls nicht auf.

3. Originale/Fälschungen

Der Autor widmet diese Frage ein eigenes Kapitel mit immerhin 30 Seiten. Zunächst werden allgemeine Überlegungen angestellt und sodann wird auf die bekannten Fälschungen bei den einzelnen Ausgaben eingegangen. Das ist einerseits lobenswert, wenn man bedenkt, dass viele Autoren das Thema lieber ganz ausklammern. Andererseits wird auch der Autor letztlich wenig konkret. Gerade bei Mi-Nr. 1 wären konkrete Abbildungen mit Pfeilen zur Herausarbeitung der Fälschungsmerkmale begrüßenswert geblieben. So bleibt einem nur, dem Hinweis des Autors auf das Werk von Bühler aus dem Jahre 1978 zu folgen.

4. Belege

Der Autor widmet dem Thema „Verwendungsformen und Taxbestimmungen“ allein etwas mehr als 500 Seiten. Hier bleibt nach meinem Eindruck wirklich keine Frage mehr offen. Im Katalogteil gibt es zudem einen eigenen Abschnitt zu „Destinationen“.

Das Handbuch bietet natürlich noch viel mehr, so werden besonders ausführlich Probedrucke zu jeder Ausgabe behandelt, es gibt Informationen zu „bedeutenden Stücken“, also beispielsweise besonders großen Einheiten und besonders schönen Stücken.

Zusammenfassend bin ich von diesem Werk sehr angetan. Für den Gelegenheitssammler von Sachsen lohnt es sich m.E. allerdings nur, wenn man zugleich auch eine ausgeprägte bibliophile Ader hat, also Freude an hochwertigen philatelistischen Werken an sich hat.

Herzliche Grüße
Sammlerfreund Christian
 
JanClauss Am: 21.06.2026 12:02:52 Gelesen: 2468# 3 @  
Das Hauptproblem bei Buchrezensionen ist, dass sich die meisten Rezensenten an die sogenannten Waschzettel der Verlage halten und diese Texte mehr oder minder blind kopieren. Bei philatelistischer Literatur ist dies am ausgesprägtesten bei MICHEL-Produkten: Unsere Fachpresse jubilierte in der Vergangenheit stets arienhaft, weil die Rezensenten bisher ein kostenloses Belegexemplar des Verlages erhielten. Bei MICHEL ist jetzt Schluss damit; die Schwanebergers versenden keine Rezensionsexemplare mehr. Das wird zwei Auswirkungen haben:

1. wird es künftig von MICHEL-Produkten wesentlich weniger Rezensionen als bisher geben und
2. werden die wenigen Rezensionen von MICHEL-Produkt-Neukäufern wesentlich kritischer sein als die bisherigen Hofberichterstattungen.

Ob sich MICHEL damit einen Gefallen tut, kann ich nicht beurteilen. Fest steht jedenfalls, dass der "normale" Katalogbenutzer mittlerweile längst herausfand, dass es sich bei Neuprodukten lohnt, ein wenig abzuwarten, bis die Schwanebergers das gewünschte Katalogprodukt aus der Preisbindung rausnehmen und stark verbilligt anbieten. Wer braucht schon (außer den Auktionshäusern, die seitens ihrer Einlieferer zu aktuellen Bewertungsgrundlagen quasi "gezwungen" sind), einen brandneuen 16-bändigen Europakatalog (ohne Deutschland, versteht sich). Die Marktpreise haben sich bei europäischen Ländern die letzten Jahre kaum verändert, und so ist man denn auch genauso glücklich mit den anderthalb Metern Europakatalogen aus dem Jahre 2023. Und dafür benötigt man auch keine Rezension.

Wo ich dem Sammlerfreund Christian absolut zustimme, ist, dass man bei philatelistischen Handbüchern "ehrliche" Rezensionen fertigen sollte. Die kann aber nicht ein philatelistischer Alle-Welt-Redakteur, sondern eigentlich nur ein Fachmann dieses Gebietes leisten. Seit 2025 beispielsweise gibt es einen ganz tollen Ganzsachenkatalog (für 29,95 € !!!) der francophonen Kolonialwelt von Alexandria bis Zanzibar und natürlich Neukaledonien - in gediegener Farbausführung, bester Bindung und auf gutem Papier. Aber wie zum Beispiel soll ich als Britischer Kolonialspezialist dieses Prachtbuch rezensieren? Ich habe doch keine Ahnung von den Überdrucken und Plattenfehlern von Niger oder Senegambia, geschweige denn von Neukaledonien!

Was wiederum dazu führt - und Rainer von Scharpen hat es in der philatelie 2025 gezeigt - dass eine gelungene und ehrliche Rezension nur gelingt, wenn man Fachmann dieser Gebiete ist (und RvS ist es!).

Das ist der eigentlich kritische Punkt bei philatelistischen Buchrezensionen!
 
Altsax Am: 21.06.2026 14:08:00 Gelesen: 2366# 4 @  
@ Sammlerfreund Christian [#1]

Wenn sich jemand die Mühe macht, eine ausführliche und "ehrliche" Rezension zu schreiben, sollte man als Autor auch auf die kritisch gesehenen Punkte eingehen. Das möchte ich im Folgenden tun:

1. Farbvarianten und Typen
Die sächsischen Markenausgaben weisen, soweit sie nicht auf farbigem Papier gedruckt sind, eine große Variantenzahl bei den Druckfarben auf. Während der Michel-Katalog als Kriterium für deren getrennte Katalogisierung Auflagenzuordnung oder Seltenheitsunterschiede, die sich im Marktpreis niederschlagen, fordert, führen die Handbücher traditionell alle visuell unterscheidbaren Varianten auf. Dazu sollten im Handbuch die typischen Farben abgebildet werden. In der endgültigen Manuskriptfassung war das auch bei der Mi 1 der Fall. Warum diese Abbildungen in der von der Druckerei verwendeten pdf-Datei fehlten, hat sich nicht klären lassen. Der Kritikpunkt ist selbstverständlich berechtigt.

2. Stempel
Die Bezeichnungen und Abkürzungen sind zur Vermeidung von Irritationen vom Handbuch "Die alte Sachsenpost" von Milde/Schmidt übernommen worden. Hier war der Autor "betriebsblind", hatte also nicht bedacht, daß mit diesem Handbuch nicht vertraute Leser einer Erklärung bedurft hätten. Diese Kritik ist ebenfalls berechtigt.

3. Originale/Fälschungen
Das Kapitel hatte zum Ziel, grundsätzlich auf die Problemfelder hinzuweisen, um vor den Gefahren von Fälschungen, Briefmanipulationen und Falschbezeichnungen zu warnen. Dabei wurde bewußt darauf verzichtet, Fälschungs- oder Echtheitsmerkmale darzustellen. Grund dafür ist die Erfahrung, daß sich viele Sammler daran unmittelbar orientieren, also beispielsweise eine Marke mit allen "Echtheitsmerkmalen" ebenso für echt wie eine solche ohne die gezeigten Fälschungsmerkmale halten. Beides reicht aber für eine sichere Beurteilung nicht zwingend aus. Deshalb halte ich den verwendeten "Aufklärungsansatz" für besser.

Dem Rezensenten sei gedankt für seine Offenheit und kritische Betrachtung. Eine Zweitauflage wird es allerdings aus wirtschaftlichen Gründen nicht geben können.

Beste Grüße
Altsax
 
Vernian Am: 21.06.2026 14:18:20 Gelesen: 2347# 5 @  
Hallo,

ich glaube, hier ist die Frage von Rezensionen nach tatsächlicher Fach- und Sekundärliteratur gemeint und weniger wie gut oder schlecht eine Katalog-Neuausgabe eines Katalogherstellers ist.

Natürlich lässt sich auch dazu eine Rezension schreiben, da sich aber die Inhalte in reinen Katalogen meist nur in Gestaltung, Aufbau und ggf. erläuternden Bestandteilen ändern dürften Rezensionen zu Katalog-Neuausgaben mager ausfallen, insbesondere wenn sich im Gesamtkonzept, wie die enthaltenen Informationen aufgebaut und dargestellt werden, nicht verändern.

Im Grunde ist hier eigentlich eher der allgemeine Vergleich zwischen den einzelnen Katalogwerken von Interesse als eine Rezension einer Neuauflage eines bestimmten Katalogs.

Ich selber arbeite bspw. hauptsächlich mit MICHEL und mit Yvert & Tellier (Y&T)- Katalogen, gelegentlich auch mit Scott. Da gibt es das ein- und andere schon im Vergleich zu sagen.
So hat Y&T vor einigen Jahren (zumindest für seinen Frankreich-Katalog) seine äußere Erscheinungsform komplett geändert, die Kataloge sind fast doppelt so groß in den Abmessungen wie zuvor (als würde man aus A5 jetzt in A4 produzieren). Auch wurden in den letzten Jahren immer mehr "Spezialisierungs-Untersparten" erstellt, die bestimmte Kategorien von Ausgaben entweder zusätzlich separat zusammengefasst darstellen oder aus der bisherigen Katalogisierung herausnehmen und separat listen - beispielsweise Blockausgaben. Das macht für den typisch deutschen chronologisch nach Ausgabedatum vollständig Sammelnden eher wenig Sinn, scheint aber der zunehmenden Spezialisierung und Differenzierung von Ausgaben in Frankreich gut anzukommen. Die Folge ist dabei, dass die Y&T - Kataloge im Laufe der Zeit doch recht kontinuierlich ihr Aussehen und ihren inhaltlichen Aufbau verändern, ggf. sogar verbessern, in jedem Fall "Auffrischen", was bei MICHEL nicht wirklich der Fall ist.

Was auffällt ist, dass im Grunde kein Kataloghersteller an der grundlegenden Darstellungs-Systematik der dargestellten Markenausgaben etwas ändert, sei es MICHEL, Y&T oder auch Scott ...

In der Ausführlichkeit der Informationen zu jeder Markenausgabe ist hier MICHEL absolut und unangefochten der Topp-Katalog:

Neue Jahrgangsausgaben / Jahrgangswechsel werden hervorgehoben, Ausgabedaten werden (selbst wenn falsch) angegeben soweit bekannt, Druckart, Zähnung, bei deutschen Marken oft auch die Künstler hinter den Marken, Kürzestbeschreibung des Markenmotivs, Auflagezahlen, signifikante Unterscheidungsmerkmale eigentlich identischer Ausgaben wie unterschiedliche Druckverfahren, Zähnung, Gummierung, Papierart usw. erkennbar beschrieben und dargestellt.
Dies ist in manchen Dingen etwas, was man bei Y&T (oder bspw. auch Scott) vergeblich sucht. Bei Y&T muss man genau hinschauen, ob eine Marke in diesem oder schon im nächsten Jahr erschienen ist, weil die Jahrgangswechsel nicht hervorgehoben werden. Ausgabedaten gibt Y&T i.d.R. auch nicht (nur in den FDC- und ETB - Übersichten irgendwo im Anhang). Durch die gesonderte Darstellung von Luftpostmarken, vorausentwerteten Marken, Blockausgaben u.a.m. ist eine zusammengehörige Jahres-Ausgabendarstellung nicht gegeben. Gut, das hat etwas mit den jeweiligen nationalen Sammelgewohnheiten zu tun. Bzw. wie eben Kataloghersteller und Vordruckalbenproduzenten die Dinge darstellen im jeweiligen Land.

Während sowohl Luftpostausgaben, Blockausgaben und sogar die vorabentwerteten Markenausgaben bei MICHEL chronologisch nach Erscheinen in der Katalogisierung notiert sind, sind sie es in Frankreich / bei Y&T nicht. Bei den vorausentwerteten Marken (die es inzwischen als Neuausgaben nicht mehr gibt) ist das m.E. sehr sinnvoll, denn dies sind wie etwa Dienstmarken / Timbres Taxe) Marken, die zwar oftmals (auf den Postämtern) frei käuflich waren, aber vom normalen Postkunden kaum verwendet werden konnten. Warum MICHEL diese als reguläre Ausgaben katalogisiert hat und nicht wie Dienstmarken und andere Besonderheiten separat gelistet hat (so wie Y&T das tut), ist nicht nachvollziehbar.

Das Y&T Luftpostausgaben separat listet, obgleich diese Marken auch für ganz normale Frankatur verwendet werden können (wie umgekehrt), erschließt sich den deutschen Sammlergewohnheiten nicht, ist aber in Frankreich "normal". Eine Erklärung dafür dürfte sein, dass spezielle Luftpostmarken fast immer deutlich und signifikant höherpreisige Portowerte sind, weshalb vermutlich viele (französische) Sammler diese Ausgaben aus ihren Sammlungen ausschlossen um "preisgünstig" vollständig zu sein. Mutmaßlich das gleiche Argument dürfte für die gesonderte Listung von Blockausgaben gelten, wobei es hier eher wenig Sinn macht, sofern die in einer Blockausgabe enthaltenen Marken nicht auch zusätzlich einzeln aus Bögen verkauft wurden - denn dann benötigt der Sammler trotzdem den ganzen Block, um die Einzelmarken zu haben.

In der Frage der Blockausgaben ist aber auch die Ausgabepolitik der verausgabenden Postanstalten zu Grunde liegend: Während die deutschen Posten (das gilt auch zurückgehend für Deutsches Reich, DDR usw.) nur selten in Block enthaltene Marken auch parallel aus dem Bogen anboten, war es in Frankreich eher üblich, bestimmte Markenausgaben durch erneuten Druck im Block als eben besondere Blockausgabe anzubieten - früher oftmals sogar dann mit Unterschieden in Zähnung oder Druckverfahren (wobei letzteres in Frankreich bei Y&T nicht unbedingt berücksichtigt wird). Inzwischen ist man auch in Frankreich bei vielen Blockausgaben hiervon abgekommen, trotzdem wird natürlich die traditionelle Trennung "Einzelmarke" versus identische "Blockmarke" im Katalog fortgeführt. Was natürlich bei moderneren Ausgaben, bei denen keine separate Bogenmarke zur Blockmarke mehr angeboten wird, zunehmend absurd wird.

Darüber hinaus produziert Frankreich ja seit 2003 neben den regulären Bogenmarken, den regulären Blöcken oftmals auch noch die sogenannten "Souvenir-Blöcke", die i.d.R. nur höher als zum Nennwert verkauft werden und natürlich auch nur auf Bestellung über den Versandservice erhältlich sind. Während MICHEL auch diese Blockausgaben (die es ja sind) ganz normal verzeichnet, werden diese bei Y&T folgerichtig (weil nicht frei am Schalter erwerblich) separat katalogisiert (wobei diese "Blocs Souvenirs" bis 2005, als für die ersten 5 Ausgaben dieser Art, ebenfalls unter den normalen Blockausgaben geführt werden und je nach Kategorie also sogar zwei Katalognummern haben So ist der erste dieser Ausgabeform unter Blocks mit der Nummer 65 und unter Blocs Souvenirs eben mit der Nr. 1 gelistet - übrigens MiNr. 3763 IIx aus Block Nr. 35).

So, das war jetzt auch eine Form von Rezension, Entschuldigung, wenn nicht ganz passend an dieser Stelle.

Schönen Sonntag

Vernian
 
Sammlerfreund Christian Am: 21.06.2026 16:05:35 Gelesen: 2278# 6 @  
@ JanClauss [#3]

Wo ich dem Sammlerfreund Christian absolut zustimme, ist, dass man bei philatelistischen Handbüchern "ehrliche" Rezensionen fertigen sollte. Die kann aber nicht ein philatelistischer Alle-Welt-Redakteur, sondern eigentlich nur ein Fachmann dieses Gebietes leisten.

Vielen Dank für Deine Einschätzung, JanClauss. Diese Ansicht erscheint mir ein wenig apodiktisch, und m.E. auch recht einseitig auf fachliche Aspekte beschränkt. Derartige Publikationen richten sich nicht nur an die drei weiteren Experten, die fachlich mithalten können, sondern an eine breitere Leserschaft. Warum soll man jenseits des Fachlichen ein Handbuch nicht auch danach beurteilen können, ob es ordentlich hergestellt ist, gut geschrieben ist und der Leserschaft einen Mehrwert bietet, der den Preis rechtfertigt, also z.B. Informationen enthält, die der Michel nicht bietet? Das sind - wie oben beschrieben - für mich die Kernkriterien für den Erwerb eines solchen Werks. Denn ich will ja etwas daraus lernen und das in einer möglichst zugänglichen Art und Weise. Das Werk dann auch noch fachlich beurteilen zu können, maße ich mir nicht an. Aber wer dies kann, ist eingeladen, dies gern an dieser Stelle zu tun.

Herzliche Grüße & schönen Sonntag
Christian
 
Sammlerfreund Christian Am: 21.06.2026 16:08:26 Gelesen: 2273# 7 @  
@ Altsax [#4]

Vielen Dank gleichfalls für die Hintergrundinformationen, die natürlich zur Einordnung sehr hilfreich sind. Vielleicht kommt es ja doch noch einmal zu einer zweiten Auflage (wenn auch nur als PDF) - ich fände es famos.

Herzliche Grüße & schönen Sonntag
Christian
 
JanClauss Am: 22.06.2026 09:22:43 Gelesen: 2041# 8 @  
Sfrd. Christian [#6] "...ob es ordentlich hergestellt ist, gut geschrieben ist und der Leserschaft einen Mehrwert bietet, der den Preis rechtfertigt, also z.B. Informationen enthält, die der Michel nicht bietet? Das sind - wie oben beschrieben - für mich die Kernkriterien für den Erwerb eines solchen Werks."

In DEM Falle hast Du natürlich recht. Als Vielfachbuchschreiber würde ich mir das sogar bei einem Werk in Kyrillisch oder notfalls auch Armenisch zutrauen. Aber genau da liegt ja das Problem: Viele Rezensenten reden/schreiben dann aus der Not, weil sie den Inhalt nicht beurteilen können, genau nur über jene Aspekte, die Du gerade schildertest.

Diese Diskussion erinnert mich an meinen seit 52 Jahren in Köln stattfindenden Jugo-Stammtisch (jetzt CCPh-Kölner Expertenrunde), auf dem doch ein FIP-Juror und mittlerweile BPP 2025 ernsthaft behauptete, auch eine Altbulgariensammlung jurieren zu können, ohne Ahnung von BG zu haben. Der betroffene BG-Sammler, immerhin jahrzehntelang ein gestandener Philatelist und promovierter General bei der NATO in Belgien, provozierte dann den FIP-BPP mit den Worten: "Dann könnte ich Ihnen ja ein BG-Exponat voller Fälschungen vorlegen, und Sie würden das nicht bemerken". - "Nein", sagte der Angesprochene, "würd ich auch nicht!".

Da haben wir den (Ausstellungs-)Salat!!!

Und genau so ist es bei Rezensenten, die vom Fach keine Ahnung haben. Beispielsweise war die Erstauflage von MICHELs "Britische Kolonien" inhaltlich ein Desaster (manche Gebiete fand man nicht bzw. waren falsch zugeordnet). Aber nach Deinen Rezensionskriterien handelte es sich um ein wunderbares Buch, welches absolut seinen Ladenpreis rechtfertigte. War es aber nicht: Die zwei Bände waren eher für die ...!
 
Sammlerfreund Christian Am: 22.06.2026 10:00:31 Gelesen: 2006# 9 @  
@ JanClauss [#8]

Vielen Dank für Deine weiteren Anschauungen, JanClauss. Um es ganz offen zu sagen, ich kann Dir kaum noch folgen. Was hat das alles mit meinem Thema zu tun? Ich habe die Kriterien meiner Rezensionen direkt im ersten Post klar benannt und sehe in derartigen Rezensionen auch einen Mehrwert, weil in der philatelie und andernorts ehrliche Rezensionen eben rar sind. Der Aufforderung, mich als vermeintlicher Laie demütigst in die Ecke zu verziehen und fortan zu schweigen, kann ich daher nicht nachkommen. Für alle, die dieses Thema für entbehrlich halten: oben rechts findet Ihr ein "x" - bitte klicken.

Im Übrigen sei wie schon gesagt jeder eingeladen, sich hier auch inhaltlich einzubringen und meine Posts zu ergänzen bzw. zu korrigieren.

Beste Grüße und nichts für ungut

Christian
 
KHV Am: 22.06.2026 10:56:47 Gelesen: 1972# 10 @  
@ Sammlerfreund Christian [#1]

Finde Dein Thema gut und lese hier mit Interesse mit. Es ist nicht einfach, wenn man selber Dinge publiziert, vor der Veröffentlichung Meinungen einzuholen. Bei mir haben mehrere Leute mitgelesen und ich habe vorab mit meinem Co-Autoren einen Vortrag zu einem Jahrestreffen gehalten. Das dort erhaltene Feedback eines Fachpublikums war sehr wichtig.

Bei mir war es die Erkenntnis, dass Besitzer von Schalterbögen anders vorgehen, als Besitzer einzelner Marken. Das hat sich letztlich auf die Publikation ausgewirkt.

Ob nun ein Spezialist nur ein Fachbuch beurteilen kann oder ob es auch ein „Laie“ können darf, ist eine spezielle Frage. Denn es wäre ja sehr gut, wenn der „Laie“, der aus Interesse das Buch erwirbt, sich einliest und so zum Spezialisten wird. Also ist seine Meinung auf dem Weg dahin oder warum er abgebrochen hat, doch ebenso eine ehrliche Rezension.

Bin auf Deine nächsten Rezensionen sehr gespannt.

KHV
 
drmoeller_neuss Am: 22.06.2026 12:23:10 Gelesen: 1920# 11 @  
@ Sammlerfreund Christian [#9]

Dr. Jan Clauss ist doch vollkommen auf Deiner Seite.

@ JanClauss [#3]

Das Hauptproblem bei Buchrezensionen ist, dass sich die meisten Rezensenten an die sogenannten Waschzettel der Verlage halten und diese Texte mehr oder minder blind kopieren.

Ich muss aber eingestehen, ich war selbst in einer Redaktion einer Studentenzeitung, und man hat nicht immer für alle Neuerscheinungen fachkundige Rezensenten gefunden. Da musste in der Not schon einmal der Chefredakteur den Waschzettel selbst zusammenfassen. Manchmal musste auch eine halbe Seite im Heft gefüllt werden.

Was ich für vollkommen überflüssig halte, sind die Rezensionen von Standardkatalogen. Hier herrschte wohl das Prinzip, gedruckter Katalog gegen redaktionelle Werbung.

Jedenfalls sind mir nie Telefonbücher und die Kursbücher der Deutschen Bahn zur Rezension angetragen worden, obwohl sie jährlich in einer Massenauflage neu erschienen sind. Mich hätten sicher die vielen Darsteller im Telefonbuch gestört, die die Handlung zerstören, während die Fahrpläne der Bahn die besten Fantansia-Produkte des Jahres waren.

Vielleicht kann Richard das Thema trennen. Die eigentlichen Rezensionen von Sammlerfreund Christian und die direkten Antworten der Autoren in ein eigenes moderiertes Thema und die allgemeine Diskussion über den Sinn und Unsinn von Rezensionen hier weiterführen.

Ich freue mich auf weitere Rezensionen von Sammlerfreund Christian (und die Autoren hoffentlich auch).
 
Altsax Am: 22.06.2026 15:57:12 Gelesen: 1837# 12 @  
@ Sammlerfreund Christian [#9]

"Im Übrigen sei wie schon gesagt jeder eingeladen, sich hier auch inhaltlich einzubringen und meine Posts zu ergänzen..."

Als potentieller Interessent eines Fachbuches ist für mich kaufentscheidend, in welchem Umfange neue Erkenntnisse resp. Korrekturen bisheriger Auffassungen darin enthalten sind. Dazu gehört vor allem die Angabe von und Auseinandersetzung mit entsprechenden Quellen. Gerade in der philatelistischen Literatur existierte über lange Zeit die Unsitte, auf Quellenangaben völlig zu verzichten. Das führte nicht selten dazu, daß sich Fehler als "gesicherte Erkenntnisse" in der einschlägigen Literatur verbreiteten.

Zu einer Rezension gehört nach meiner Überzeugung deshalb eine Angabe zu Vorhandensein und Umfang der Quellenanalyse. Eine stichprobenartige Überprüfung angegebener Quellen wäre zwar wünschenswert, übersteigt aber die allgemein zu stellenden Anforderungen.


Beste Grüße
Altsax
 
Richard Am: 22.06.2026 23:45:34 Gelesen: 1724# 13 @  
@ drmoeller_neuss [#11]

Vielleicht kann Richard das Thema trennen. Die eigentlichen Rezensionen von Sammlerfreund Christian und die direkten Antworten der Autoren in ein eigenes moderiertes Thema und die allgemeine Diskussion über den Sinn und Unsinn von Rezensionen hier weiterführen.

Nicht ohne den ausdrücklichen Auftrag von Sammlerfreund Christian. Und nur wenn er selbst angibt, welche Beiträge in welches der beiden Themen gehören. Bitte dabei beachten dass Text und die Verbindung zum vorherigen thematisch zugehörigen und zum thematisch folgenden Thema passen sollten.

---

In diesem Forum sind zu viele, die ohne Disziplin schreiben, wie zuletzt Uli Möller. Wen interessiert die Studentenzeitung aus seiner Jugendzeit, zu der er immer wieder schreibt ? Besser ein eigenes Thema, dann passt alles.

Schöne Grüsse, Richard
 
Sammlerfreund Christian Am: 23.06.2026 00:41:43 Gelesen: 1707# 14 @  
@ Richard [#13]

Vielen Dank, lieber Richard. Manches ist in der Tat arg off-topic, aber es hat noch nicht überhand genommen. Aus meiner Sicht besteht kein Handlungsbedarf. Interessant, dass die lieben Sammlerfreunde sich hier zu allem Möglichen äußern, nur nicht zum besprochenen Werk. Ich hätte schon gedacht, dass es außer mir (und dem Autor) noch jemand gelesen und sich eine Meinung gebildet hat. Dem Werk wären jedenfalls mehr Leser zu wünschen.

@ Altsax [#12]

Als potentieller Interessent eines Fachbuches ist für mich kaufentscheidend, in welchem Umfange neue Erkenntnisse resp. Korrekturen bisheriger Auffassungen darin enthalten sind. Dazu gehört vor allem die Angabe von und Auseinandersetzung mit entsprechenden Quellen. Gerade in der philatelistischen Literatur existierte über lange Zeit die Unsitte, auf Quellenangaben völlig zu verzichten.

Völlige Zustimmung meinerseits. Du wirst es mir nachsehen, dass meine Rezension zu Deinem Werk, die ohnehin schon recht lang ausgefallen ist, nicht auf alle Facetten eingehen konnte. Dass mir dieses Thema wichtig ist, werden die Leser hier anhand der nächsten Rezensionen sicherlich erkennen.

@ Alle: die nächste Rezension ist bereits fertig - ich werde sie voraussichtlich am Wochenende einstellen.

Gute Nacht
Christian
 
Sammlerfreund Christian Am: 26.06.2026 22:17:15 Gelesen: 1396# 15 @  
@ Sammlerfreund Christian [#1]

Bodo Ströh: Handbuch und Katalog – Postwertzeichen der SBZ Thüringen 1945-1946 (2023)

Wenn man als Sammler den Michel-Spezial zum genannten Sammelgebiet durchsieht, ggfs. auch den Markt hierzu beobachtet, bleiben gleich mehrere ganz essenzielle Fragen offen.

An allererster Stelle ist steht aus meiner Sicht definitiv das Thema „Papiere, Farben, Gummierungen“, sowohl bei den Mi-Nr. 92-99 als auch bei den nachfolgenden Blockausgaben. Die Beschreibung erfolgt im Michel auf einem derart hohen Abstraktionsniveau, dass dem Sammler hiermit nicht geholfen ist. Die damit korrespondierende Erwartung an ein Werk, das sich „Handbuch und Katalog“ nennt, ist ganz eindeutig: hier bedarf es eingehender Hilfestellung des Autors, der ja auch ehemaliger Prüfer dieses Gebiets ist.

Ein weiteres ganz enorm wichtiges Thema sind die echten und falschen Stempel, die gerade in Thüringen eine zentrale Rolle spielen.

Ein bei den Sammlern besonders beliebtes Thema sind schließlich die Plattenfehler in Thüringen.

Ich kann das Handbuch für diese drei Zwecke leider nur sehr eingeschränkt empfehlen, gerade auch angesichts des stattlichen Preises von EUR 89,90 plus Versandkosten.

1. Papiere, Farben, Gummierungen

Bei der textlichen Beschreibung der Varianten wird zunächst einfach nur der Michelwortlaut wiederholt. Dass es hierzu sehr viel mehr zu sagen gibt, insbesondere dass die verschiedenen Varianten nicht so homogen sind, wie der Michel es nahelegt, wissen die Forummitglieder aus den sehr nützlichen Beiträgen von Thilo Nagler zu diesem Thema. Aus diesen Beiträgen wissen wir auch, dass bei der visuellen Darstellung der Eigenarten und Unterschiede der Papiere und Gummierungen heutzutage technisch sehr viel mehr möglich ist, als Marken einfach nur 1:1 von vorn oder hinten abzubilden: Schräglichtbilder, Durchsichtaufnahmen, dies alles in beliebiger Größe, digitale optische Hilfsmittel wie Pfeile und Linien, sind schon seit langer Zeit möglich.

All dies bietet das Handbuch von Herrn Ströh leider nicht, was für mich eine große Enttäuschung war. Es gibt zu jeder Papier- bzw. Gummierungssorte eine rückseitige Ansicht sowie eine Durchsicht, jeweils im Format 1:1, ohne Hinweise auf die jeweiligen Charakteristika, und zudem oft verschwommen. Die Abbildungen sind aus meiner Sicht im Sinne eines treffsicheren Unterscheidungsmittels weitestgehend unbrauchbar. Man hat den Eindruck, dass der Autor hier weit hinter den technischen Möglichkeiten des Jahres 2023 zurückgeblieben ist, und man fragt sich unwillkürlich, ob dies ein Versehen ist, oder ob es eher darum ging, nicht zu viel „Geheimwissen“ zu offenbaren. Jedenfalls bietet das Werk insoweit keinerlei Mehrwert gegenüber dem Michel-Spezial.

Ähnlich verhält es sich bei den Farbvarianten, von denen zwar jeweils ein Exemplar abgebildet wird. Es wird aber nicht beschrieben, worauf es ankommt (bspw. auf unterschiedliche Blauanteile, unterschiedliche UV-Reaktionen), und es gibt zu jeder Farbe eben nur eine einzige Abbildung. Schöner wären wirklich aussagekräftige Farbreihen gewesen, um dieses Kernthema des Gebiets adäquat zu adressieren. Ohnehin fragt man sich, ob der Ansatz, die Papiere und die Farbvarianten quasi als voneinander unabhängige Phänomene zu behandeln, überzeugen kann. Jeder Sammler mit ein paar geprüften Vergleichsstücken erkennt sofort, dass der Farbeindruck ganz erheblich vom verwendeten Papier abhängt. Auch Hinweise zu Vergilbungen und Verfärbungen, die gerade bei Thüringen häufig in die Irre führen, fehlen.

Schließlich wäre auch eine kritische Diskussion wünschenswert gewesen, ob die herkömmliche Unterteilung der Varianten gemäß Michel überhaupt noch angemessen ist und wenn nein, welchen Änderungsbedarf der Autor sieht. Hier hätte ich mir mehr Mut gewünscht, etwa wie ihn die Herren Burkhardt/Podien bei den Köpfe-Ausgaben gezeigt haben.

2. Stempel

Das Thema „Stempel“ spielt in dem Handbuch leider überhaupt keine Rolle. Das Minimum für ein Werk, das sich Handbuch nennt, wäre m.E. gewesen, die wesentlichen Falschstempel und missbräuchlich verwendeten Stempel aufzulisten und auch abzubilden. Nichts dergleichen ist hier zu finden. Von weitergehenden Informationen, etwa zur Frage, welche Stempel ggfs. besonders selten oder häufig sind, kann man leider auch nur träumen. Es gibt auch keine Verweise auf anderweitige weiterführende Literatur wie z.B. das schöne Werk von Volkmar Seifert zu den thüringischen „Tages-, Werbe- und Maschinenstempeln“.

Was dieses Thema angeht, ist das Handbuch – man kann es leider nicht anders sagen und es schmerzt mich wirklich das tun zu müssen – eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Auch hier drängt sich der fatale Eindruck auf, dass „Stempelwissen“ zugleich „Geheimwissen“ ist. Das Buch wirkt auch insoweit merkwürdig aus der Zeit gefallen – man denke nur an gleich zwei hervorragende Stempeldatenbanken, die für jedermann frei zugänglich sind. Auch das frei erhältliche Buch von Herrn Seifert widmet sich diesem Thema eingehend und natürlich noch zahlreiche weitere Quellen.

3. Plattenfehler

Der Michel bildet leider nur einen kleinen Teil der katalogisierten Plattenfehler ab. Wo, wenn nicht in einem Handbuch zu diesem Gebiet, wäre ein guter Ort gewesen, um dieses Thema anzusprechen und reich zu bebildern? Man findet hierzu aber nichts. Von Zeit zu Zeit findet sich bei den Abbildungen der Seltenheiten auch ein Exemplar, das angabegemäß zusätzlich auch noch einen Plattenfehler aufweist, doch häufig ohne diesen zu benennen („Posthorntrichter links gebrochen“ usw.) oder mit Pfeilen kenntlich zu machen.

Weitere, über den Michel hinausgehende Ausführungen, etwa zu bisher nicht berücksichtigten Plattenfehlern oder umgekehrt zur Frage, ob jeder Plattenfehler auch wirklich katalogwürdig ist, sucht man gleichfalls vergeblich. Wirklich sehr schön und nützlich für die Spezialsammler wäre auch die Beleuchtung der Frage gewesen, ob alle Plattenfehler auch bei allen Typen vorkommen und ob dies zu einer unterschiedlichen Bewertung führt.

4. Weitere Aspekte

So weit zu den drei genannten Themen, die mich als Sammler besonders interessiert hätten, weil sie einen deutlichen Mehrwert gegenüber dem Michel-Spezialkatalog bedeutet hätten.

Ohnehin darf man sich vom Versprechen eines „Katalogs“ nicht zu viel erwarten. Es werden v.a. Seltenheiten bewertet, und zwar nur solche, die dem Autor abbildenswert erschienen – die Basismarken und Plattenfehler bleiben unbewertet. Wer zudem beispielsweise wissen möchte, welchen der „Katalogwert“ die Mi-Nr. 94AY b yy hat, erfährt dies für einen postfrischen Viererblock, ansonsten (Einzelmarken, gestempelte Werte, Belege) nicht – und diese Willkür ist keine Ausnahme, sondern der Regelfall. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage, ob die gegenwärtigen (Michel-)Katalogpreise überhaupt angemessen sind, unterbleibt komplett.

Womit das Werk glänzt, ist die Vielzahl der Abbildungen großer Seltenheiten. Beispielsweise wird Block 1 in allein 58 Varianten abgebildet. Die seitenweisen Abbildungen thematisch ähnlicher Stücke sind für mein Empfinden allerdings viel zu viel des Guten – so werden allein auf 17 Seiten 33 verschiedene „Wertzeichenverschiebungen“ bei Block 2 abgebildet. Auch bei den Zähnungsabarten hört der Reigen nicht auf. Dies sind ja alles Abarten, die man sich auch sehr gut ohne Abbildungen vorstellen kann bzw. bei denen es genug Bildmaterial bei philasearch gibt (dort dann auch in Vergrößerung, mit den Rückseiten und Attesten). Ohnehin ermüdet der Bilderreigen rein kognitiv schnell, denn es werden die Unterschiede z.B. bei den Papieren und Wasserzeichen nicht hervorgehoben, so dass man optisch „immer dasselbe“ gezeigt bekommt.

Der Käufer muss den Bilderreigen mitbezahlen und hätte sich vom Schwerpunkt doch wohl eher eine vergleichbare Fülle an Informationen oder an Bildmaterial zu den o.g. diffizileren Themen gewünscht – hier wäre für den Leser ein definitiver Mehrwert zu erzielen gewesen. Bei all den abgebildeten Seltenheiten erfährt man auch gar nichts darüber, wie selten die Stücke eigentlich sind. So wäre beispielsweise interessant gewesen, wie viele der jeweiligen Block-Abarten dem Autor jeweils bekannt sind.

Schließlich, finde ich, darf das Folgende nicht unerwähnt bleiben: bei einem Handbuch würde ich mir eine umfangreiche Bibliographie erwarten. Diese gibt es leider nicht. Auch eine Auseinandersetzung mit der Entstehungsgeschichte der Marken (Wieso wurden die Marken überhaupt ausgegeben? Wer war verantwortlich? Wer hat Entwürfe erstellt und wie sehen diese aus? Welchen Hintergrund hat die Motivauswahl? Etc. Etc.), oder eine Darstellung der Philatelie-, Forschungs- und Prüfungsgeschichte sowie Hinweise auf kontroverse oder ungelöste Fragen wäre nicht schlecht gewesen. Beispiel: ist es eigentlich angemessen, dieser Fülle an Abarten so viel Geld und Aufmerksamkeit zuzuwenden oder handelt es sich nicht in vielen Fällen um Makulatur/Mache, wie sie in anderen Gebieten schlicht und einfach aussortiert wird? Gerade bei den Blocks erscheinen mir diese Fragen nicht abwegig. Doch das ist vielleicht zu sehr geträumt, da es auch am einfachen Ende hapert: selbst ein alphabetisches Register fehlt.

Positiv hervorheben könnte man den letzten Teil „Belege und Portostufen“, der einen kleinen Mehrwert gegenüber den Angaben im Michel darstellt, wenngleich auch hier keine Systematik zu erkennen ist, sondern letztlich einfach schöne Belege mit Preisen vorgestellt werden.

In Summe ist insbesondere die Bezeichnung „Handbuch“ aus meiner Sicht unglücklich gewählt, weil sie nahezu zwangsläufig eine zu hohe Erwartungshaltung und damit Enttäuschungen provoziert. Vielleicht wäre die Veröffentlichung beispielsweise im Rahmen der „Edition d’Or“ oder unter einem unverbindlicheren Titel wie „Mein Thüringen – Bilderreise durch ein Sammelgebiet“ treffender gewesen.

Vielleicht ist meine Analyse zu kritisch, und es steht mir auch nicht zu, einen so erfahrenen Philatelisten zu kritisieren. Fairness gebührt allerdings auch den Sammlern und Käufern: für sie wäre es wünschenswert gewesen, wenn das Buch mehr auf ihre Bedürfnisse eingegangen wäre (vielleicht in der zweiten Auflage?). Wie man hört, arbeitet Herr Ströh bereits an einem Handbuch zu weiteren OPD-Ausgaben. Ich als Sammler würde mir wünschen, dass das neue Handbuch mehr auf die Bedürfnisse der Sammler, die einen Mehrwert gegenüber dem Michel suchen, eingeht.

Einen schönen Abend
Sammlerfreund Christian
 
Sammlerfreund Christian Am: 05.07.2026 10:04:48 Gelesen: 1022# 16 @  
@ Sammlerfreund Christian [#1]

Walter Trösch, Mario Kolbe, Christoph Schäfer: Plattenfehler der Urmarken und Aufdruckfehler der Mi-Nr. 98-276 (Band 1, 2024) bzw. Mi-Nr. 277-337 (Band 2, 2025)

Heute einmal eine eher kurze Rezension. Zusammenfassend erscheint mir das Werk empfehlenswert, da es einen echten Mehrwert bietet und zudem keine Erwartungshaltung schürt, die es dann nicht einhält (anders als das zuvor rezensierte Werk).

Das Thema „Plattenfehler“ ist stets mit einem Dilemma verbunden: je eingehender man es beleuchtet, desto größer ist die Gefahr, das Thema durch das Eingehen auf jeden „Fliegendreck“ „totzureiten“. Man kann das Dilemma m.E. nicht auflösen, sondern nur versuchen, einen möglichst guten Mittelweg zu finden. Dies ist den Autoren hier aus meiner Sicht sehr gut gelungen. Es werden sämtliche Plattenfehler abgebildet, die im Michel-Spezial, aber auch im Schantl und in weiteren Publikationen katalogisiert sind, angereichert um einige weitere bisher nicht katalogisierte Plattenfehler. Ich kann keinem der abgebildeten Fehler das „Fliegendreck“-Prädikat verleihen, was das Werk für mich als Sammler sehr interessant und relevant macht.

Wichtig ist für mich nicht nur die Qualität der Abbildungen (durchwegs sehr gut mit vielfacher Vergrößerung). Einen wichtigen Mehrwert stellen für mich die Angaben dar, auf welchen Bögen (z.B. bei welchen Hausauftragsnummern) und auf welchen Feldern die Fehler zu finden sind. Das ist zumindest im Michel nicht durchgängig angegeben. Besonders lobenswert sind die Feldangaben beim bei mehreren Marken auftretenden Aufdruckfehler „Strichleisten mit 20 statt 21 Strichen“ – das ist deshalb ein richtiger Mehrwert, weil der Fehler visuell nicht ohne weiteres ins Auge fällt, man also sonst immer nachzählen müsste, wofür zumindest mir die Motivation oftmals fehlt. Merkwürdigerweise wird dies beim „Schwesterplattenfehler“ „Strichleisten mit 22 statt 21 Strichen“ nicht der Fall – hier wird nur „diverse Fehler, Teilauflage“ angegeben.

Vor diesem Hintergrund haben beide Teilwerke meine Erwartungen voll erfüllt. Ich hoffe, dass es einen weiteren Band auch noch zu den Dienstmarken geben wird. Wenn ich eine Anregung mitgeben darf: Besonders schön wäre eine Differenzierung nach Farben/Typen gewesen bzw. generell eine Analyse, ob ein Plattenfehler bei allen Farben/Typen bekannt ist oder nicht.

Beste Grüße & schönen Sonntag
Sammlerfreund Christian
 
Bessie Am: 05.07.2026 18:01:55 Gelesen: 895# 17 @  
Anzeige - Besprechung (Rezension) - Kritik

Die Anzeige eines Buches soll den Käufer über den Inhalt informieren, mehr nicht. Im Buchhandel heißt so etwas „Waschzettel“ und dient der Werbung.

Anders die Besprechung oder Rezension. Hier werden Inhalt, Vorzüge und Kritik von einem Kenner des betroffenen Gebietes dargelegt, sachliche Irrtümer und Fehler, aber auch Vorzüge aufgeführt. Wenn möglich, werden weiterführende Gedanken vorgetragen. Eine Rezension kann auch mit einem Verriss enden.

In geisteswissenschaftlichen Zeitschriften ist ein solcher Besprechungsteil üblich. Berühmt sind die seit 1739 bis heute erscheinenden „Göttinger Gelehrte Anzeigen“, abgekürzt GGA, die ausschließlich sehr umfangreiche Besprechungen drucken.

Bessie/Sentawau
 
Gauss Am: 05.07.2026 18:11:39 Gelesen: 884# 18 @  
@ Bessie [#17]

Etwas antiquiert klingend heißen sie genau Göttingische Gelehrte Anzeigen.
 
KHV Am: 11.07.2026 07:30:51 Gelesen: 630# 19 @  
@ Sammlerfreund Christian [#16]

Guten Morgen,

könntest Du bitte bei Deinen Einschätzungen immer die Preise benennen? Ebenso wäre es nett, etwas zum Format, wie DIN A4 oder DIN A5, zur Papierqualität, zur Art des Einbandes und die Seitenzahl zu erfahren. Weiterhin könnte auch benannt werden, ob es ein Impressum, ein Inhaltsverzeichnis und/oder ein Schlagwortverzeichnis (Index) gibt. Letzter Punkt, der bei Rezensionen immer interessant ist: Wurden Quellen benannt?

Beste Grüße

KHV
 
Sammlerfreund Christian Am: 12.07.2026 19:14:01 Gelesen: 449# 20 @  
@ KHV [#19]

Lieber KHV,

die gesuchten Angaben sind zumeist in meinen (zugegebenermaßen teils langen) Rezensionen enthalten, aber ich fasse Sie gern noch einmal zusammen.

1. Jürgen Herbst: Handbuch der sächsischen Francomarken sowie deren Entwertungen (2022):

Preis 280 Euro (plus Versand), Format Din A5, sehr hochwertiges Papier, das ich laienhaft als satiniertes, matt-glänzendes Papier bezeichnen wurde, hochwertiger Festeinband. Seitenzahl 1097. Auch ein Inhaltsverzeichnis gibt es, allerdings werden nicht alle Gliederungebenen aufgeführt. Es gibt zahlreiche Quellen, sowohl offizielle Quellen als auch Verweise auf die Literatur, inkl. Literaturverzeichnis am Ende.

2. Bodo Ströh: Handbuch und Katalog – Postwertzeichen der SBZ Thüringen 1945-1946 (2023)

Preis 89,90 Euro (plus Versand), Format Din A4, (zu) stark glänzendes Papier, Festeinband. Seitenzahl 303. Inhaltsverzeichnis vorhanden. Quellenangaben fehlen völlig (abgesehen von einem zitierten historischen Abriss Herrn Seiferts gleich zu Beginn), dementsprechend auch kein Literaturverzeichnis.

3. Walter Trösch, Mario Kolbe, Christoph Schäfer: Plattenfehler der Urmarken und Aufdruckfehler der Mi-Nr. 98-276 (Band 1, 2024) bzw. Mi-Nr. 277-337 (Band 2, 2025)

Preis 49 Euro je Band (plus Versand), Format Din A5, recht stark glänzendes Papier, Festeinband. Seitenzahl 576 bzw. 596, Inhalts- und Literaturverzeichnis vorhanden, diese aber eigentlich egal, denn es handelt sich konzeptionell nicht um "Handbücher", sondern um eine der Michel-Chronologie folgende Abbildungssammlung der Plattenfehler.

Viele Grüße
Christian
 
Sammlerfreund Christian Am: 12.07.2026 19:35:55 Gelesen: 439# 21 @  
@ Sammlerfreund Christian [#1]

Dieter Wolf: Spezial-Katalog Druckvermerke vom Fünfjahrplan Ausgaben I – VIII (2018)

Die Rezension zu diesem schon etwas älteren Werk lässt sich recht kurz halten, weil der Inhalt sich weitestgehend auf Abbildungen beschränkt.

Das Werk, das sich als „Spezial-Katalog“ bezeichnet, hat meine Erwartungen seinerzeit leider nicht erfüllt, und zwar aus verschiedenen Gründen:

1. Das entscheidende Merkmal eines „Katalogs“ sind aus meiner Sicht Preisangaben bzw. Bewertungen. Diese sucht man allerdings vergeblich. Es gibt auch keine Alternativen (wie etwa Punkte), noch nicht einmal Angaben zu Häufigkeitsrelationen.

2. Genau genommen gibt es auch sonst keine Angaben, sondern nur Abbildungen. Ich hätte Ausführungen beispielsweise zur Frage, warum es überhaupt Druckvermerke gibt, welche Funktion diese haben und warum sie in verschiedenen Stellungen vorkommen, sehr begrüßt.

Es gibt drei Gründe, warum ich mir erlaube, dieses ältere und offensichtlich nicht mehr verfügbare Werk zu beschreiben:

A: Über die Internetseite „DDR-Spezial“ sind zahlreiche weitere Werke des Autors erhältlich, die auch allesamt als „Spezial-Katalog“ bezeichnet werden. Wer mit dem Gedanken spielt, ein solches zu erwerben, sollte sich m.E. vorher ein paar Ansichtsseiten zeigen lassen oder sich sonst über den Inhalt informieren, um Enttäuschungen zu vermeiden.

B: Generell ist das Buch ein Paradebeispiel dafür, warum es sich für Autoren nicht lohnt, zu "bombastische" Bezeichnungen für ihre Werke zu wählen. Natürlich schmeichelt es einem selbst, wenn man einen „Spezialkatalog“ oder ein „Handbuch“ anstelle einer „Abbildungssammlung“ zu seinen Veröffentlichungen zählen darf. Mit Blick auf die Sammler (die ja die Käufer sind) kann man eine besondere Kundenzufriedenheit damit allerdings nicht erzielen. Ich würde daher allen Autoren empfehlen, stets eine passende Bezeichnung für ihre Werke zu wählen.

C: Das Werk ist ein Paradebeispiel für irreführende Rezensionen in der philatelie. Ich habe mir das Werk eigentlich nur zugelegt, weil es seinerzeit in der philatelie geradezu euphorisch besprochen wurde. Umso größer fiel dann die Enttäuschung aus, als ich das Werk in den Händen hielt. Scheinbar fehlt den Rezensenten, die sich – wahrscheinlich in bester Absicht – jegliche kritische Bemerkung verkneifen, manchmal die Vorausschau, dass mit diesem Vorgehen zugleich auch die Enttäuschungen bei den Käufern vorprogrammiert sind. Ich finde, Fairness gebührt nicht nur den Autoren, sondern auch den Käufern/Sammlern.

Den Preis konnte ich nicht mehr herausfinden, ich fand es damals definitiv zu teuer. Format Din A5, Ringbindung (Metall), ohne Festeinband, normales Druckerpapier. Das Werk wurde offensichtlich in Heimarbeit hergestellt. Seitenzahl 181. Ein Inhaltsverzeichnis ist vorhanden, Quellenangaben jedoch nicht.

Viele Grüße und einen schönen Abend
Christian
 
Altsax Am: 13.07.2026 07:51:43 Gelesen: 322# 22 @  
@ Sammlerfreund Christian [#20]

Das Handbuch der sächsischen Francomarken hat kein DIN A5-Format, sondern das Format 165x240 mm. DIN A5 hat 148x210 mm.

Beste Grüße
Altsax
 
KHV Am: 13.07.2026 11:36:46 Gelesen: 238# 23 @  
@ Sammlerfreund Christian [#20]

Ich bedanke mich bei Dir für das Zusammenfassen. Denn es schon wichtig, wie das Drumherum eines "Buches" so aussieht. Manches zeigt die Sorgfalt des Autors, manches die Geldmittel. Also 120-g-Papier, Fadenheftung, Klebebindung, Rückstichbroschur, oft mit Einblendungen einer Werbung gesponsert.

Ich hatte z. B. mit Walter Trötsch Kontakt, als wir unser Wissen über die Staatsdruckerei Berlin geteilt haben. Habe hier die Inflahefte 73 und 75. Beide mit einer Teilübernahme der Druckkosten durch eine Stiftung. Es ist dort alles dabei: Impressum, mit ISBN-Nr., Inhaltsverzeichnis, Geleit- und Vorwort und ein Literaturverzeichnis. Es ist gut gemacht.

Beste Grüße

KHV
 
  Antworten    zurück Suche    Druckansicht  
 
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.