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Thema: Philatelie: Sind Sie Sammler oder Philatelist ?
Das Thema hat 115 Beiträge:
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filunski Am: 17.10.2014 18:23:01 Gelesen: 5664# 91 @  
Liebe Briefmarkenfreunde, -sammler und Philatelisten,

ich denke die von Lothar angeführten Definitionen sind schon sehr zielführend und richtungweisend.

Meiner Meinung nach wird der Begriff "Philatelist" leider viel zu oft von bestimmten sich sehr "elitär" vorkommenden Sammlern missbraucht, um damit eben eine gewisse Elitebezeichnung zu schaffen. In meinen Augen ist JEDER ein Philatelist, der sich irgendwie mit Philatelie beschäftigt, ganz egal, ob er nun nur blaue Briefmarken mit Königsköpfen sammelt oder sich mit der Postgeschichte Hessens vor dem Ersten Weltkrieg befasst. ;-)

Sicher würde mich jetzt so manch ein "alteingesessener Philatelist" für diese Aussage gerne steinigen, aber das kann ich ab! :-)

Mit den allerbesten philatelistischen Grüßen,
Peter
 
briefefan Am: 17.10.2014 19:01:41 Gelesen: 5641# 92 @  
@ Richard [#87]
@ LOGO58 (# 3)

Hi Richard und alle anderen, die sich hier meldeten.

Ich habe mal in zwei Lexika der Philatelie nachgesehen.

1. Häger, Großes Lexikon der Philatelie, Bertelsmann Lexikon-Verlag, 1978 (auszugsweise):

Philatelie, Begriff für die Beschäftigung mit Briefmarken. In Bezug auf die Art der Sammeltätigkeit wird häufig ein Unterschied gemacht und von Sammler und Philatelist gesprochen, was z.T. als gerechtfertigt erscheint. Der Sammler begnügt sich mit dem Zusammentragen einer Katalogsammlung oder Motivsammlung, der Philatelist beschäftigt sich darüber hinaus mehr oder weniger intensiv z. B. mit Abarten und Typen, Stempelformen und deren Verwndungszeiten, u. U. auch mit der Postgeschichte eines Landes u. a., wozu umfangreiches Literaturstudim notwendig ist. Hierfür hat sich in Deutschland auch der Begriff Briefmarkenkunde eingebürgert.

2. Wolfram Grallert, Lexikon der Philatelie, Phil*Creativ GmbH, Verlag und Agentur, 41366 Schwalmtal, o. J., 2000 (auszugsweise). Die Erstausgabe dieses Lexikons erschien 1971 in der DDR und 1973 in der Bundesrepublik.

Philatelie, Postwertzeichenkunde: das systematische Sammeln, Erforschen und Auswerten von Postwertzeichen und anderen postalischen Belegen, Formblättern und Dokumenten aller Art.

Grallert schildert ausführlich die geschichtliche Entwicklung der verschiedenen Bereiche der Philatelie seit 1860.

Neuere Lexika der Philatelie sind in Deutschland nicht schienen.

Aus beiden Lexika ergibt sich, dass Philatelie auf klassische und moderne Zeiten gleichermaßen anwendbar ist.

Beide Definitionen sind verbesserungswürdig. Deshalb finde ich die Diskussion in diesem Forum interessant.

Die Wikipedia-Defintion finde ich nicht schlecht.

Grüße von briefefan.
 
Holzinger Am: 17.10.2014 19:04:28 Gelesen: 5639# 93 @  
@ filunski [#91]

Danke für die klaren Worte !

Allerdings mit einer kleinen Einschränkung:

Die Dauerbezieher und "wegstecker", die aus den verschiedensten Gründen (für die Enkel, als "Wertanlage" usw.) nur beziehen ohne sich mit der Materie zu beschäftigen (egal wie tiefgründig), die würde ich so nicht einmal als "Sammler", geschweige denn als "Philatelist" bezeichnen wollen.
 
Hornblower Am: 20.10.2014 14:13:03 Gelesen: 5467# 94 @  
@ 22028 [#88]

Dann bin ich kein Philatelist. Ich sammle nämlich nur Briefmarken/Ganzsachen und antworte seit mittlerweile rund 45 Jahren auf die Frage nach meinem Hobby auch immer nur "Ich sammle Briefmarken". Ich finde Briefmarken spannend genug, ich brauche keine zusätzlichen postgeschichtlichen Studien. Mir ist es offen gestanden egal, wie der Kapitän des Schiffes hieß, der 1865 meinen Brief von Amerika nach Europa transportierte, und ob das Schiff die "Möwe" oder der "Adler" war und statt vier sechs Wochen gebraucht hat, lässt mich ehrlich gesagt auch kalt. Wenn mir heute unser Postbote ein Paket bringt, wollte ich auch noch nie seinen Namen erfahren, auch das Kennzeichen oder die Erstzulassung seines Transporters sind mir schnuppe.

Trotzdem habe ich schon mit Erfolg ausgestellt, bin im Verein aktiv, schreibe Fachartikel und besitze eine Bibliothek, obwohl ich mich "nur" für Briefmarken interessiere. Und das weltweit und aus allen Epochen. Der Satz, dass die ungebrauchte Marke schweigt, die gestempelte flüstert und ein Brief spricht (weiß eigentlich jemand, wem diese Aussage zugeschrieben wird? Ich habe noch nie einen Urheber gefunden) kann ich für mich nicht gelten lassen. Jede Marke hat etwas zu erzählen - man muss nur zuhören.

Beste Grüße
Michael Ullrich
 
0nickyet Am: 20.10.2014 17:18:20 Gelesen: 5395# 95 @  
Ich denke, der Unterschied zwischen "Philatelie" und "Briefmarkensammeln" ist doch ein anderer, genau genommen sind es zwei verschiedene Tätigkeiten.

"Briefmarkensammeln", das erklärt sich von selbst, bezeichnet das Sammeln und Aufbewahren von Briefmarken, meist auch das Ordnen und Kategorisieren. "Philatelie" beschäftigt sich mit der Postbeförderung, in der Postwertzeichen benutzt werden - und deren bekannteste sind Briefmarken.

Man kann sich mit Philatelie beschäftigen, ohne eine einzige Marke zu besitzen. Und natürlich muss sich kein Briefmarkensammler mit Philatelie beschäftigen. Tatsächlich werden die meisten beides tun, sei es dass der Philatelist etwas "belegen" will, sei es, dass der Briefmarkensammler etwas mehr über den Ursprung der Marke wissen will.

Was hier immer wieder anklingt, ist eine Wertung zwischen "einfachem Briefmarkensammeln" und "edler Philatelie". Dahinter versteckt sich meines Erachtens ein drittes Gebiet, nämlich "Briefmarken als Wertanlage". Wer in seltene und teure Marken investiert - und das hat mit Sammeln erst einmal nichts zu tun - wird sich über Echtheit und Seltenheit vergewissern wollen. Dazu braucht man Philatelie - es ist für Investoren wertvolles Wissen. Vor diesem Hintergrund entsteht eine oftmals abschätzige Geringachtung von Personen, die "nur Briefmarken sammeln" - und vielleicht dennoch sehr gute Philatelie betreiben, die sich aber nicht zur Investition eignet.

Die Konflikte liegen auf der Hand:

Berufsphilatelisten - also Händler, Prüfer, Katalogherausgeber etc. - haben ein massives Interesse an den Investoren, obwohl diese mit dem Briefmarkensammeln eigentlich nichts am Hut haben. Die Hobbysammler fühlen sich immer wieder von den Berufsphilatelisten gering geschätzt, allerdings orientieren sich viele von ihnen auch heimlich an der "Wertanlage", in der Hoffnung, auch ihre Sammlung enthielte einen "Schatz".

Das beste Mittel zur Gelassenheit ist Abstand zu den Preisen in Katalogen zu gewinnen. Vermutlich lassen sich viele Sammler zur Jagd auf geldwerte Schätze verführen, obwohl sie mehr Spaß empfinden, wenn sie sich auf die Komplettierung eines Sammelgebiets oder den Zuwachs philatelistischer Kenntnisse beschränken würden. Weder Briefmarkensammeln noch Philatelie müssen teuer sein.
 
uli Am: 20.10.2014 17:35:29 Gelesen: 5381# 96 @  
Ich halte von diesen Kategorisierungen sehr wenig. Manchmal kann diese Grüppchenbildung als Vereinfachung in Erläuterungen ganz hilfreich sein, ich nutze das auch ab und an. Aber "im wirklichen Leben" überwiegen unter'm Strich gesehen die negativen Punkte deutlich und für alle wirklich passende Schubladen zu finden ist sowieso unmöglich.

Gruß
Uli
 
Wim Ehlers Am: 20.10.2014 17:46:06 Gelesen: 5370# 97 @  
@ Hornblower [#94]

Hallo Michael,

Deinem Kommentar kann ich mich voll und ganz anschließen! Jede Marke hat etwas zu erzählen - man muss nur zuhören.

Immer wieder geht es mir so, dass ich "hinter die Kulissen" einer Briefmarke, eines Satzes schaue. Das unterstütze ich regelmäßig auch in meinen Beiträgen hier im Forum durch entsprechende Link-Verweise.

@ 0nickyet [#95]

Hallo Jürgen,

Deine Feingliederung gefällt mir ebenfalls ganz gut! Das beste Mittel zur Gelassenheit ist Abstand zu den Preisen in Katalogen zu gewinnen. Die Gefahr des "sich reich Rechnens" besteht auch bei Briefmarkensammlern permanent. Persönlich benutze ich Michel-Kataloge zum Sortieren und Einordnen. Allerdings ist mir dabei auch wichtig, Informationen über den Wert einzelner Marken oder Sätze zu gewinnen, die dadurch Seltenheit dokumentieren und nicht gleich in ein 100er Tauschpaket landen.

Beste Sammlergrüße
Wim
 
lueckel2010 Am: 01.09.2020 22:19:12 Gelesen: 1377# 98 @  
@ 10Parale

Einerseits sind Philatelisten sind ja glücklicherweise in der Regel ziemlich tolerante Zeitgenossen. Daher kann ja auch ein Philatelist irgend etwas als Schnapszahl bezeichnen, wie es ihm gerade einfällt.

Andererseits sollten Philatelisten sich aber schon bemühen, Sammelstücke korrekt zu beschreiben (z. B. auf -selbstgestalteten- Albumblättern oder in Ausstellungssammlungen). Ansonsten besteht für sie eventuell die Gefahr, sich lächerlich zu machen!

Moin aus Ostfriesland, "lueckel2010"
 
10Parale Am: 01.09.2020 22:48:22 Gelesen: 1370# 99 @  
@ lueckel2010 [#98]

ganz ehrlich: ich habe mich schon lange von dem Gedanken gelöst, ein Philatelist zu sein. Wer einen dicken Geldbeutel hat, ist ein erfolgreicher Philatelist. Das ist meine zugegeben traurige Vereinserfahrung.

Ich fröne das Hobby aus reiner Plaisir. Und meine Briefmarken werde ich einmal armen Kindern und Alleinerziehenden Müttern schenken. Sollen sie dann wie der Phönix aus der Asche zu höheren Welten aufsteigen.

Grüße aus Südbaden nach Ostfriesland

10Parale
 
lueckel2010 Am: 03.09.2020 16:17:03 Gelesen: 1302# 100 @  
@ 10Parale [#99]

Leider besteht auch bei dieser sicherlich philatelistisch interessanten Thematik wieder einmal die Gefahr, dass sie ins "Nonsens-Nirwana" ("blahblahblah") abdriftet. Ich habe daher keine Lust mehr, mich weiterhin damit zu beschäftigen.
Allerdings möchte ich Sie abschließend bitten, mir einmal die Kausalität zwischen einem Philatelisten und einem "dicken" Geldbeutel plausibel zu erläutern.

Bei meinen mittlerweile gut 50jährigen Vereinsmitgliedschaften und jahrelangen Mitgliedschaften in zwei BDPh-Arbeitsgemeinschaften habe ich nie die Bekanntschaft mit solchen, ich bezeichne sie einmal als "Spezies", gemacht.
Allerdings habe ich im Laufe der Zeit auch Sammlerfreunde kennen (und schätzen) gelernt, die sich trotz "kleinem" (oder "normalem") Geldbeutel philatelistische hohe und höchste Ehren "erarbeitet" haben.

In allen mir bekannten Fällen war allerdings nie das für ein Hobby zur Verfügung stehende Geld maßgebend, sondern

- ein profundes Fachwissen für "sein" Sammelgebiet, das jahrelang erarbeitet werden mußte und immer wieder durch neue Erkenntnisse auf einem aktuellen Stand gehalten werden muß,
- Geduld und Ausdauer (nie daran zweifeln, das "Richtige" zu sammeln),
- möglichst frühzeitig "kommende" Trends zu erkennen!

Moin aus Ostfriesland, "lueckel2010"

[Beiträge [#98] bis [#100] redaktionell verschoben aus dem Thema "Schnapszahl - Belege", damit im "!richtigen" Thema die nächsten 100 Beiträge zur Unterscheidung der beiden sammelnden Gruppen geschrieben werden können]
 
olli0816 Am: 03.09.2020 20:18:24 Gelesen: 1263# 101 @  
Hallo,

ich bin nun auf dieses Thema gestoßen, weil Richard es wiederbelebt hat. Ich habe mir die letzten 10 Beiträge durchgelesen und habe etwas lachen müssen. Solche Diskussionen habe ich nur bei Briefmarkensammlern erlebt. Anscheinend neigt unsere Spezies zur Korinthenkackerei.

Seien wir mal ehrlich: Ob man sich als Philatelist oder Briefmarkensammler einschätzt, interessiert noch nicht mal die berühmte Eiche, an der sich die Sau reibt. Schaut man sich die Vielfalt der Themen und den Stil der Schreibenden an, wie sie ihr Hobby betreiben, ist das höchst individuell. Jeder interessiert sich für unterschiedliche Themen mit zufälligen Übereinstimmungen bei anderen Sammlern. Die Intensität ist höchst unterschiedlich, aber eigentlich machen doch alle das gleiche: Jagd nach Altpapier, dass irgendwie interessant aussieht und mit Glück einem gefällt. Für das Vorankommen unserer Welt völlig unerheblich und von der Wichtigkeit/Sinnhaftigkeit ähnlich wie das Sammeln von Steinen. Nichts besonderes also und ob man da ein tolles Fremdwort wie Philatelist dahinter legt oder ganz profan Briefmarkensammler ist völlig einerlei.

Ich sammle Briefmarken, Briefe und andere schöne Poststücke. Das tue ich und das sage ich zu Außenstehenden, die es interessiert (das sind inzwischen recht wenige geworden). Es ist reines Freizeitvergnügen, ich habe keinerlei Ziele (die habe ich in anderen Bereichen mehr als ausreichend) und ich habe auch keinerlei Konkurrenzdenken oder möchte irgend etwas ach so wichtiges dokumentieren. Es ist lediglich Kontrastprogramm zu meinen restlichen Dingen in meinem Leben wie das Bergsteigen und hebt sich von der Hektik des Alltags wohltuend ab.

Ich finde, diese Art der Diskussion was man nun sei ziemliche Zeitverschwendung. Man sollte doch seine Zeit bestmöglichst nutzen und wie kann man das erreichen: Man beschäftigt sich direkt mit seinem Hobby. Das ist besser, als über nutzlose Definitionen zu sinieren.

Grüße Oliver

[Redaktionelle Anmerkung: Richard hat es nicht wiederbelebt, sondern nur heutige Beiträge an das bestehende Thema angehängt]
 
bayern klassisch Am: 03.09.2020 20:35:01 Gelesen: 1244# 102 @  
Ist doch ganz einfach: Philatelist ist der, der Ahnung hat.

Sammler kann jeder sein.

Mit Geld, Geldbeutel und Größe/Volumen der Sammlung hat das gar nichts zu tun.

Ich kann mich bombig mit kleinen Philatelisten glänzend austauschen. Mit "großen Sammlern" aber kaum.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
10Parale Am: 03.09.2020 22:43:49 Gelesen: 1176# 103 @  
@ lueckel2010 [#100]

"Allerdings möchte ich Sie abschließend bitten, mir einmal die Kausalität zwischen einem Philatelisten und einem "dicken" Geldbeutel plausibel zu erläutern."

Die Kausalität liegt im Auges des Betrachters.

Ich habe leider keine sehr guten Erfahrungen gemacht. Ich habe großartige Philatelisten in meinem Leben kennen lernen dürfen und dafür bin ich dankbar. Ich habe bei meinem ersten Vortrag in einem Briefmarkensammlerverein Kritik einstecken müssen: der Vortrag war zu lang, sie haben zu viel reingepackt (Thema war die ersten Marken der Vereinigten Fürstentümer (Michel Nr. 8 - 10 Rumänien). Mein bester Philatelisten-Freund war damals leider nicht beim Vortrag anwesend, ich bin sicher, er hätte mich gelobt.

Eine nette Bekannte sammelt alles, was mit Schafen zu tun hat. Ich schenkte ihr vor nicht allzu langer Zeit ein Satz postfrischer Marken aus Rumänien mit dem Motiv Schaf. Sie freute sich ungemein. Es geht keine Woche, ohne dass wir nicht ein Gespräch über "Philatelie" führen. Die Marken waren nicht sehr teuer.

Ich bin der festen Überzeugung, es ist ähnlich wie im Kunstmarkt. Wer etwas Anspruchsvolles und Echtes haben will, muss tief in die Tasche greifen bei diesem schönen Hobby. Philatelie ist ein großer Begriff, der nicht alles umfasst, was er beinhalten kann. Da freue ich mich, dass Olli0816 in [#101] Gründe anbringt, was alles zum Sammeln anregen kann. Deshalb gibt es auch eine Zukunft für die Philatelie. Es wäre doch traurig, wenn es anders wäre.

Liebe Grüße

10Parale
 
saeckingen Am: 04.09.2020 12:29:48 Gelesen: 1073# 104 @  
Wenn man die Begriffe unterscheiden möchte, dann würde ich sagen, jeder der Briefmarken für sich aufbewahrt ist ein Sammler.

Ein Philatelist unterscheidet sich dann dadurch, dass er sich intensiver mit seinem Material auseinandersetzt und dazu gehört für mich alles, was über das chronologische ordnen der Marken in Steckbücher und das Abhaken der Hauptnummern im Katalog herausgeht.

Geld spielt dabei keine besondere Rolle. Man kann sich auch mit billigsten Marken intensiver beschäftigen und Philatelist sein oder für zig Tausend Euro bessere Standardware kaufen ohne irgendetwas intensiveres Wissen darüber zu haben.

Grüße
Harald
 
doktorstamp Am: 05.09.2020 09:58:03 Gelesen: 936# 105 @  
Neulich wurde ich hierzulande mit dieser Frage konfrontiert, sogar habe ich diesbezüglich einen Aufsatz verfasst. Worin liegen denn die Unterschiede?

Der Sammler richtet sich nach dem Katalog, es dient zum Abhaken und Reichrechnen.
Es wird nicht oder kaum gelesen. Geachtet werden nur die Bewertungen.

Der Philatelist verwendet ein Katalog eher als Richtlinie, oder Gerüst, um seine Sammlung aufzubauen. Gelesen wird es von vorne nach hinten, und dies mehrmals.

Der Sammler stellt sich keine Fragen, warum, wofür, weswegen etc.
Der Philatelist dagegen stellt sich und andere mit Fragen, und geht ihnen nach, bis er eine Antwort hat, bzw. er unternimmt die Forschung selbst, bis er das Ergebnis hat.
Der Sammler ergattert oft nur Einzelmarken (denn sie passen am besten in das Vordruckalbum)
Der Philatelist hat zwecks Forschung und Studium mehrere Marken derselben Ausgabe.
Der Sammler, erfahrungsgemäß, achtet selten auf einen Stempelabschlag.
Für den Philatelisten sind sie Grund Stempelkunde nachzugehen. Er will einfach mehr wissen.
Bei einem Sammler werden seine Schatze kaum von anderen gesehen.
Dagegen stellt der Philatelist aus, und hält Vorträge u.a.
Der Philatelist schreibt Artikel, Aufsätze, Monographien, und Bücher, im Gegenteil hat hier der Sammler wenig anzubieten.
Es wird nicht bestritten, dass beide ihren Spaß daran haben. Dass der Sammler so sammelt ist sein Recht, und auch seine Wahl. Etwas was man erkennen soll, und nicht verachten oder verpönen oder gar verhöhnen. Jeder nach seiner Fasson.
Literatur; hierfür habe ich bekanntlich mehrfach eine Lanze gebrochen, und noch heute gelte ich als -Verfechter der Literatur.
Das Hobby ist stark akademisch geneigt, man sollte sich hier mit den Worten Dr. Joachim Helbigs vertraut machen. Und in unseren Reihen sind haufenweise Akademiker vertreten, mal mit Betitelung, mal ohne. Aber ohne sie wäre das Hobby viel ärmer.
Um noch etwas zu betonen, Deutschland zu sammeln, vor allem in gewissen Gebieten, kann ein kostspieliges Unterfangen sein, wovon die Erben ein Lied singen können.

Aber nochmals jedem das Seine, und sammeln wie es einem Spaß macht.

mfG

Nigel
 
sammler-ralph Am: 05.09.2020 11:49:22 Gelesen: 879# 106 @  
@ doktorstamp [#105]

Gute Beschreibung.

Nehmen wir einmal an, es gelänge uns, eine eindeutige Definition zu finden. Ich frage mich jedoch, wozu diese Einordnung dienen soll. Welchen praktischen Nutzen hat sie?

Polemik-Modus AN:
Wenn ich 3 Sammelgebiete habe, und bin in einem "Philatelist" und in den beiden anderen nur "Sammler" - bin ich dann in der Summe "Philatelist" oder doch nur "Sammler"?
Dürfen "Philatelisten" mit "Sammlern" tauschen oder ist dies nur noch innerhalb der eigenen Kaste erlaubt?
Darf ich als "Philatelist" weiterhin Mitglied im Briefmarken-Sammlerklub Spandau bleiben?
Dürfen "Sammler" Mitglied in BDPh (Bund Deutscher "Philatelisten") sein?
Polemik-Modus AUS

Ich halte eine Abgrenzung für unnötig.

Gruß
Ralph
 
doktorstamp Am: 05.09.2020 13:55:27 Gelesen: 825# 107 @  
@ sammler-ralph [#106]

Hallo Ralph,

eine Abgrenzung ist analog schwarz/weiß nicht gemeint, eher eine Einstufung, nach gesammelten Erfahrungen, die ich im Laufe der Jahren gemacht habe.

Ein Problem (oben bereits tangiert) ist die Bedeutung des Worts Philatelist. Denn es umschließt Sammeln und Forschung. Hier wird mit Sinn und Bedeutung [1] einiges vertauscht. Und schon kommt es zu Ungereimtheiten. Ich gebe freilich zu, das Wort an sich hat etwas elitäres angenommen. Was aber gilt, oder maßgebend ist, ist die Anerkennung der Zeitgenossen, und nicht das von sich protzend auszugeben.

Und so zu dem Polemik;

1. Ist man bei einer seiner Sammlungen Philatelist, bleibt er doch Philatelist.

2. Tauschen kann jeder mit jedem, nur ist der Sammler hier mangels Wissen benachteiligt.

3. Ich gehe davon aus, der Klub hat gewillt den Namen so gewählt, um nicht als elitär betrachtet zu werden.

4. Interessenten dürfen jederzeit als Mitglieder in einem Interessengemeinschaft eintreten. In jedem Hobby gibt es "die da oben" und "die da unten".

Es gibt keine Abgrenzung, eher eine graue Übergangszone, wenn man sich die Mühe macht, oder machen möchte, sie zu überqueren.

mfG

Nigel

[1]https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_Sinn_und_Bedeutung
 
lueckel2010 Am: 05.09.2020 13:58:23 Gelesen: 824# 108 @  
@ sammler-ralph [#106]

Guten Tag, Ralph,

dieses "Problem" ist ursprünglich in einem vollkommen anderen Thema aufgekommen, in dem von einem offensichtlich ziemlich frustierten Schreiber (#99) die These "Philatelist + dicker Geldbeutel = erfolgreicher Philatelist" augestellt wurde. Diese These konnte bis heute, trotz konkreter Nachfrage, nicht plausibel nachvollziebar "untermauert" werden!

Kurz danach wurde die Diskussion dann in dieses Thema verlagert. Ein Thema, dessen Überschrift ich nur als "hirnrissig" bezeichnen kann!

Ich war gut 40 Jahre Mitglied (teilweise in Vorstandsfunktionen) im Briefmarken-Sammlerverein und bin nach meinem Umzug nun "normales" Mitglied beim Briefmarkenverein. Beide Vereine sind dem BDPh angeschlossen. Daher beziehe ich monatlich die "Philatelie", und zwar schon so lange, wie diese Zeitschrift diesen Namen trägt.

Bin ich nun Briefmarkensammler (weil ich die Postwertzeichen meines Sammelgebietes zusammentrage) oder aber Philatelist (weil ich mich z. B. auch für Poststempel, postgeschichtlich relevante Belege, zu meinem Sammelgebiet "passende" Literatur und, und, und interessiere). Mir ist es -ehrlich gesagt- "piepegal", wie man mich bezeichnet!

"Böse Zungen" könnten mich nun als "Schmalspur"-Philatelisten (weil ich nur ein Sammelgebiet intensiv "beackere") bezeichnen (in diesem Forum bereits geschehen). Diesen sei gesagt, dass mich grundsätzlich alles "rund um die Briefmarke" interessiert.

Wünsche ein schönes Wochenende und auch weiterhin viel Spaß am gemeinsamen Hobby!

Moin aus Ostfriesland, Gerd Lückert
 
Martin de Matin Am: 05.09.2020 17:41:43 Gelesen: 750# 109 @  
Ich finde es sehr interessant wie man über die Begriffe "Sammler" und "Philatelist" diskutieren kann. Vielleicht sollte man sich erst einmal im Klaren sein was diese Begriffe bedeuten.

Philatelist Erklärung aus Wiktionary.
"Bedeutungen:
[1] Person, die sich beruflich oder als Hobby mit Briefmarken befasst"
https://de.wiktionary.org/wiki/Philatelist

Sammler Erklärung aus Wikipedia.
" Sammler steht für:
eine Person, die etwas sammelt, siehe Sammeln"
https://de.wikipedia.org/wiki/Sammler

Dazu noch die Erklärung für Sammeln aus Wikipedia.
"Sammeln bezeichnet die systematische Suche, Beschaffung und Aufbewahrung von Dingen oder Informationen."
https://de.wikipedia.org/wiki/Sammeln

Zusammengefasst kann man sagen:

Der Philatelist ist immer ein Sammler, da er Briefmarken oder Informationen über Briefmarken und deren Verwendung verschafft.

Der Sammler kann Briefmarken sammeln aber kann sich auch mit dem Sammeln von Kronkorken oder Bierdeckeln beschäftigen.

Diese ganze Diskussion kommt einem vor als würde man den Unterschied zwischen Quadrat und Rechteck erklären wollen, um am Ende festzustellen, dass das Quadrat nur eine Sonderform des Rechtecks ist.

Gruss
Martin
 
bovi11 Am: 05.09.2020 17:47:11 Gelesen: 746# 110 @  
@ Martin de Matin [#109]

Genau so ist es!
 
Holzinger Am: 05.09.2020 19:52:29 Gelesen: 932# 111 @  
@Richard

Können wir nicht diese unsägliche Diskussion beenden?

Ein einfacher Sammler (mit div. Spezialkatalogen), der sich ab und an auch einmal mit den "Hintergründen" beschäftigt - ansonstig aber im hohen Alter (bei wenig finanziellem Einsatz - wegen der finanziellen "Realisierungssquote beim Abgang mit den Erben" mit Investitionen zurück hält) - dies aber mit viel Einsatz und Freude (incl. "Gehirntraining") betreibt.

Grundaussage: ICH BIN SAMMLER.

Ich könnte mit der gleichen Intensität auch weltweit Milchdeckelverschlüsse sammeln :).
 
10Parale Am: 06.09.2020 22:44:06 Gelesen: 621# 112 @  
@ Holzinger [#111]

Können wir nicht diese unsägliche Diskussion beenden?

Lassen wir doch mal unsere philatelistischen Vorfahren sprechen und bringen etwas Farbe und Belege in die Diskussion, die ich mit Interesse verfolge:

Diese Ganzsache zu 12 Pfennig mit Zusatzfrankatur aus der II. Kontrollratsausgabe (Alliierte Besetzung) wurde in Königslutter (Niedersachsen) am 29.4.48 verfasst.

Man lehne sich zurück und lese den Text auf der Rückseite: - Briefmarkensammeln ist Sport! Nun wissen wir es.

Nein, Spaß bei Seite, ich denke, Sprache und Höflichkeitsformeln ändern sich ständig, was man an diesem Brief sehr gut studieren kann. Niemand benutzt mehr das Wort "ergebenst", es "zeichnet" auch niemand mehr seine Unterschrift oder schreibt "Ihrer baldigen Nachricht entgegen sehend".

Die Adressenverlage, die wohl damals schon Ihr Geld mit der zielgerichteten Weitergabe von Adressen (Datenschutz?) verdienten, fanden in den Sammlern wohl auch eine wohltätige Kundschaft. Die Stilepochen ändern sich andauernd.

Liebe Grüße

10Parale


 
bovi11 Am: 06.09.2020 22:58:15 Gelesen: 613# 113 @  
Ich beteilige mich an der Diskussion nur mit einem Beleg:





Die Philatelie ist das Sportgebiet des geistig Hochstehenden
 
StefanM Am: 07.09.2020 08:01:02 Gelesen: 568# 114 @  
@ 10Parale [#112]
@ bovi11 [#113]

Endlich wird die Diskussion in die richtige Richtung gelenkt, ich danke euch!

Nehmt unser Hobby sportlich und ja nicht verbissen ...

... und zum "Trainieren" empfehle ich die Philaseiten!

:) Stefan
 
johanneshoffner Am: 07.09.2020 08:48:47 Gelesen: 553# 115 @  
Neben den bekannten Sportvereinen wie den FC Basel oder den EHC Basel gibt es in der Rheinstadt noch den Verein Briefmarkensport Columbia.


 

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