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Thema: Altdeutschland: Auslagen- und Postvorschuß-Belege
Das Thema hat 62 Beiträge:
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Postgeschichte Am: 14.03.2011 21:25:03 Gelesen: 43864# 13 @  
@ Magdeburger [#11]

Hallo Ulf,

die Regelung stammt aus der "Erneuerte und erweiterte allgemeine Post-ordnung für sämmtliche Königliche Provinzen" vom 26.11.1782. Diese galt für Preußen. Daher dürfte auch Deine Kenntnis stammen.

Den Begriff "Postnachnahme" habe ich erstmals in einer Verordnung vom 4.5.1850 gesehen. Der Begriff "Postvorschuß" ist mir schon in einer Verordnung vom 21.7.1849 bekannt, dürfte also schon vor diesem Zeitpunkt eingeführt worden sein.

Mit philatelistischem Gruß
Manfred
 
Magdeburger Am: 14.03.2011 21:55:18 Gelesen: 43854# 14 @  
@ Postgeschichte [#13]

Hallo Manfred

recht herzlichen Dank für die Information. Dann werde ich mal schauen, ob ich die Verordnung irgendwo finde.

Hallo Zusammen,

dann zeige ich mal einen Brief vom 01.03.1841 aus Magdeburg in das knapp 30 Meilen entfernte Bielefeld.

Unten links wurde vermerkt "12 Sgr sind von dem Königlichen wohllöblichen Ober=Post=Amt zu Magdeburg ... Herrschaftliche Polizeiliche Sache"



Leider ist die Siegelseite nicht mehr komplett, so dass nicht erkennbar ist, warum die Sendung nicht angenommen wurde.



Hier noch der Inhalt:



und



Der Brief läßt sich nach dem Regulativ vom 18.12.1824 taxieren und versuche mal den Weg hier zu beschreiben:

Die zugrunde liegende Entfernung sind hier knapp 30 Meilen und der Brief wog 1 1/2 Loth. Der Postvorschuß betrug 12 Sgr. Folgende Taxierung ist in Reihenfolge zu sehen:

12 3/4 - 22 3/4 - 28 - 22 3/4 - jeweils notiert und bei nachfolgendem Wert gestrichen.

Nach §68 war hierfür das Postgeld und das Procura zu zahlen. Das Procura beträgt hierfür 1 Sgr, wovon 9 Pfennige der aufgebenden Post zustanden und der Rest von 3 Pfennigen der ausgebenden Post.

Notiert wurden erstmal 12 3/4, also der Postvorschuß + der Procuraanteil für die aufgebende Post.

Das Postgeld wird nach § 31 bestimmt und besteht aus 2 Teilen:

1. Dem Betrag nach der Entfernung und 2. dem Wertbetrages.

Der 1. Teil ist bei einem Brief nach §§ 4 und 5 geregelt. Der einfache Brief bis 3/4 Loth kostet bei 20 bis 30 Meilen 5 Sgr. Für einen Brief von 1 bis 1 1/2 Loth die doppelte Taxe. Danach war für den Brief 10 Sgr an Porto anzuwenden.

Die Summe aus 12 3/4 Sgr + 10 Sgr = 22 3/4 wurden ebenfalls nun notiert.

Der zweite Teil aus § 31 ist im § 32 geregelt. Danach galt bis 1 Reichsthaler als Wertbetrag die einfache Brieftaxe, also der Betrag, als wenn der Brief nur 3/4 Loth wog.

Zu den 22 3/4 kommen also nochmals 5 Sgr Werthtaxe + 1/4 Sgr Procura für die ausgebende Post hinzu, so dass nun die notierten 28 Sgr vom Empfänger zu zahlen war.

Nun kam es jedoch zu einer Retoursendung.

Dies ist im § 74 geregelt. Danach ist die Retoursendung für einen Brief bis 2 Loth portofrei.

In den Anmerkungen wird nun im auf §68 Lit E auf folgendes hingewiesen:
Dort heißt es, dass im Falle der Retoursendung die 25 % Procura für die ausgebende Post und das Porto für den Postvorschuß, also dem gedachten Werthporto entfällt.

Für den Brief ist also der oben beschriebene 2. Teil des Postgeldes von 5 Sgr und 1/4 Sgr Procura zu streichen.

In Magdeburg wieder angekommen also wieder 22 3/4 Sgr.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Postgeschichte Am: 14.03.2011 22:54:13 Gelesen: 43848# 15 @  
@ BD [#12]

Hallo Bernd,

der von mir gezeigte Ausschnitt stammt aus der "Postordnung", nicht aus einer Verordnung, während die von mir angeführten Begriffe "Postvorschuß" und "Postnachnahme" in Verordnungen aus den Jahren 1849 bzw. 1850 genannt werden. Nur damit nicht an einer falschen Stelle gesucht wird.

Gruß
Manfred
 
BD Am: 15.03.2011 20:08:41 Gelesen: 43824# 16 @  
Hallo Ulf,

besser kann man so einen herrlichen, aber komplizierten Brief nicht erklären. Super.

Nun habe ich ja die Postordnung mit dem § 36 @ BD [#8] von 1850, aber anscheinend hatte der Beamte 1853 in Leipzig sie nicht oder es hatte sich etwas geändert ( unwahrscheinlich). Paketbegleitbrief nach Oschatz mit Postvorschuß 1 Taler 27 Neugroschen 2 Pfennige = 57 Ngr. 4 Pf.

Aber der Beamte schrieb nur 1 Ngr. pro cura an und addierte sofort auf 58 4/10 Ngr. Da das Paket nur 24 Lot wog, kam als Mindesttaxe das 2 fache Briefporto ( 7 Meilen = 10 Pf. mal 2 = 20 Pf. = 2 Ngr.) dazu. Endtaxe ohne Zustellgebühr 60 4/10 Neugroschen.

Wenn ich die Postordnung und die geschriebenen 1 Ngr. sehe, möchte ich am liebsten Münzen oder BRD im Vordruckalbum nach Michel-Junior sammeln. Es ist zum verzweifeln.

Beste Grüsse Bernd


 
Magdeburger Am: 15.03.2011 20:43:01 Gelesen: 43816# 17 @  
@ BD [#16]

Hallo Bernd,

im DÖPV galt ab 01.04.1852 1/2 Sgr je 1 Thaler procura für den Postvorschuß, jedoch mindestens 1 Sgr. So kann es also durchaus sein, dass in Sachsen diese Gebühr schon so galt.

Hallo Zusammen,

Ein Kreuzband kann ich hier zeigen, welches mir ein wenig Kopfschmerzen bereitet. Abgesandt in Schleusingen, der L2 hiervon leider fast ohne sichtbares Datum, nach Blankenheim?

Oben links steht etwas unvollständig Postvorschuß R(eichsthaler) 2 (Thaler) 13 1/2 gute Groschen - denn nur dies würden die 61 1/2 gute Groschen entsprechen. Somit ist dieses Kreuzband vor dem 30.09.1821 gelaufen, da bis dahin 1 (Reichs)Thaler = 24 gute Groschen (gG) waren.

Weiterhin wurde 3 2/3 P(ro) C(ura) angeschrieben, welche somit die 65 1/6 gute Groschen ergeben.

Weitere 2 gG Taxe ? = 67 1/6 zzgl. 1 Bestellgeld ? ergeben die "rückseitigen" 68 1/6 gute Groschen.



die Rückseite:



Wer kann mir hier helfen ? Eine Postverordnung dieser Zeit habe ich leider nicht.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Postgeschichte Am: 15.03.2011 22:06:09 Gelesen: 43806# 18 @  
@ Magdeburger [#17]

Hallo Ulf,

ich lese als Ort "Blankenhain". Dieser liegt in Thüringen. Vielleicht ist diese Angabe zur Ermittlung des Portos noch wichtig.

Gruß
Manfred
 
Werner Steven Am: 16.03.2011 22:37:48 Gelesen: 43745# 19 @  
Hier eine kleine Übersicht für Preußen

1720 Kgl. Erlaß -- Versendung von Gerichtsakten künftig durch die Königliche Preußische Post - Entschädigung 8 bis 12 Groschen.

1782 Postordnung, -- Prokuragebühr: bis 1 Taler = 1 Guter Groschen, bis 5 Taler = 2 gGr, darüber 1 gGr je Taler. Annahmepostamt erhält ¾, Bestimmungsamt ¼.

1825 Portotaxregulativ, -- Es bleibt den Beamten überlassen Vorschüsse auf eigene Gefahr zu leisten. Prokuragebühr für die Beamten 5 bis 15 Sgr. = 1 Sgr. über 15 Sgr., von halben zu halben Taler bis 10 Taler 1 Sgr., dann weitere ½ Sgr. Teilung wie 1792.

1849 Amtsbl. Nr 46, -- Bis 50 Taler. Es gibt das Geld erst wenn der Empfänger gezahlt hat. Prokuragebühr und Porto zur Postkasse. Roter Stempel "Auslagen". Vorschußbetrag auf der Vorderseite, Gebühr auf der Rückseite.

1852 rev. Postvereinsvertrag: -- Bis 50 Taler bzw. 75 Gulden, im Vereinsgebiet (ohne Österreich) zugelassen. Mit Rückschein. Briefgebühr ½ Sgr. je Taler oder 1 Kr. je Gulden, mindestens 1 Sgr. oder 3 Kreuzer. Fahrpost.

August 1852: Preuß Reglement -- Unfrei und ohne Einschreibung. Prokuragebühr bis 5 Sgr nichts, über 5 bis 15 Sgr 1 Sgr. über 15 Sgr. bis 10 Taler für jeden Taler 1 Sgr., für jede weiteren halben Taler ½ Sgr.

1856 Reglement, -- Bis 50 Taler, 75 Gulden oder 87½ rheinländische Gulden.

1860 Postvereinsvertrag. -- Auf Frachtauslagen und Spesen auch mehr als 50 Taler etc. Prokuragebühr: außer der Briefgebühr für jeden Taler ½ Sgr., mindestens 1 Sgr. für jeden Gulden 1 Kreuzer, mindestens 3 Kreuzer. Briefgebühr und Prokuragebühr sind unteilbar.

1862 Amtsbl. Nr.106 -- Rückschein nicht mehr zwingend.

1868 Reglement der NDP -- Vorschußsendungen, Nachnahmesendungen, Postvorschüsse. Als Drucksache oder Warenprobe, Porto wie für Briefe.

1871 Amtsbl. Nr. 44 Bezeichnung Nachnahme ist weggelassen.

1874 ab 1.Januar -- Beförderungsgebühr bis 10 Meilen 2 Sgr. über 10 Meilen 4 Sgr.. Vorschussgebühr wie bisher. Kennzeichnung durch roten Auslagestempel, bei großen PAnst. durch Aufkleber ‟Postanstalt Auslagen”

1874 vom 18 Dezember Postordnung -- Meistbetrag 150 Mark, für jede Mark 2 Pf., mindestens 10 Pf. Aufrundung, durch 5 teilbar.

1878 7. September Amtsb. Nr. 110 Nachnahmeverfahren
 
Postgeschichte Am: 17.03.2011 01:18:29 Gelesen: 43730# 20 @  
@ Werner Steven [#19]

Vielen Dank für die Fundstellen und Informationen.

Gruß
Manfred
 
Magdeburger Am: 17.03.2011 07:00:16 Gelesen: 43723# 21 @  
@ Werner Steven [#19]

Ich schliesse mich dem Dank ebenfalls an und bitte die Zeile August 1852 folgendermaßen zu ändern:

"Prokuragebühr bis 5 Sgr nichts, über 5 bis 15 Sgr 1 Sgr."

Eventuell noch einfügen:

Laut Verordnung vom 28.12.1860 galt ab 01.01.1861 wie im Postverein 1/2 Sgr Procura je 1 Thaler, mindestens jedoch 1 Sgr, die Prokurabefreihung bis 5 Sgr entfiel.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Baldersbrynd Am: 17.03.2011 07:32:47 Gelesen: 43715# 22 @  
@ Werner Steven [#19]

Vielen Dank für diese Informationen.

@ alle

Ich zeige hier einen Vorschußbrief aus Berlin nach Coslin, gesendet am 14. März 1780.

Betrag zum erhoben 27½ Gutegroschen, hierin 1½ GGr Prokuragebühr. Sendungsgebühr 11 GGr. zusammen 38½ GGr erhoben.

Viele Grüße
Jørgen


 
Werner Steven Am: 17.03.2011 13:24:38 Gelesen: 43698# 23 @  
Hallo Magdeburger,

toller und unnötiger Fehler, nur falsch abgeschrieben. Lesen heißt hinsehen.

Ich würde den Text gerne ändern, aber wie? Kenne mich da nicht aus.

Erbitte Hilfe.

werner

[Jeder kann eigene Texte ändern, wenn noch keine 24 Stunden vergangen sind und keine Antwort gegeben wurde, danach nur die Redaktion, was inzwischen geschehen ist. Danke für Deine Beiträge !]
 
BD Am: 17.03.2011 20:20:32 Gelesen: 43672# 24 @  
@ Werner Steven [#19]

Hallo Werner,

danke für die Information. Dies gilt natürlich auch für die Literatur von dir, die mir und vielen anderen sehr geholfen hat, die etwas abseits des Michel-Briefe Portostufen, Besonderheiten, Destinationen u.s.w. sammeln.

Beste Grüsse Bernd

Anbei Vorschußbrief von Fraustadt nach Reisen vom 23. März 1820.

Das Erbe der Salomon Baertschen Erben muss sehr mager gewesen sein, den sie konnten den Vorschuß nicht bezahlen. Dies vermerkte das Postamt (kann von Armuth halber nicht einlösen), sendete den Beleg retour und das preußisch königl. Landgericht stundete den Betrag.

Was wollte es auch anderes machen.


 
Magdeburger Am: 18.03.2011 13:56:55 Gelesen: 43622# 25 @  
@ BD [#24]

Hallo Bernd,

interessanter Beleg. Ich habe mal ein wenig herum gesucht.

Beide Orte liegen etwa 22 Kilometer auseinander, und habe mal die Ortsnamen gesucht:

Fraustadt heute Wschowa nach Reisen heute Rydzyna

Naja, jedenfalls interessieren mich je immer die Zahlen auf solchen Belegen:

Der Postvorschuß vom 1 Reichsthaler 23 Gute Groschen 9 Pfennige was 47 3/4 guter Groschen sind.

Zumindestens erscheint es mir, dass die 50 3/4 neben dem PV die 75% Procura für die aufgebende Postanstalt enthalten (ab 01.01.1825 waren es 4 Sgr und könnte hier schon so gewesen sein).

Der nächste Wert von 54 3/4 sollten die rechtlichen 25% Procura enthalten + dem Porto (1 + 3).

Ob die Retoursendung kostenpflichtig war? Zumindest scheinen wieder 3 gute Groschen angefallen zu sein.

Hier liegen gerade auch bei mir die Schwierigkeiten, da die Zeit recht "chaotisch" war. Vielleicht finden sich irgendwann einmal die Taxen hierfür an.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 15.04.2011 16:48:39 Gelesen: 43058# 26 @  
Hallo Zusammen,

damit dieser Thread nicht wieder einschläft einen Beleg vom 09.05.1834 von Oschersleben in das ca 3 Meilen entfernte Quedlinburg mit einem Postvorschuß von 1 Thaler 27 Sgr 9 Pfennige möchte ich hier zeigen.



Der Inhalt, ein einzelnes Blatt, enthält die Begründung für die "Auslage".



Taxierung:

Postvorschuß 57 3/4 Sgr - darauf 4 Sgr Procura, aufgeteilt in 3 Sgr für das aufgebende Postamt, ergibt die notierten 60 3/4 Sgr. Der weitere Sgr Procura für das ausgebende Postamt = 61 3/4 Sgr + 1 1/2 Sgr Porto für den Brief zzgl. 3 Sgr = doppeltes Briefporto für den Geldbetrag sind in Summe die 66 1/4 Sgr, was der Empfänger zu zahlen hatte.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 24.04.2011 14:52:03 Gelesen: 42835# 27 @  
Liebe Sammelfreunde

Postvorschüsse waren des öfteren auch mit Paketbegleitungen kombiniert.

Eine solche Briefhülle von Quedlinburg nach Aschersleben kann ich hier zeigen - 22 Sgr Postvorschuß incl. einem Paket von 1 Pfund 16 Loth aufgegeben am 03.11.1857.

Das Jahresdatum entstammt dem Vermerk "ad nr. 9054/57", wobei ich letztes schon als Jahreszahl interpretieren würde und es auch zeitlich passend ist.

Die Procuragebühr betrug 2 Sgr - je 15 Sgr 1 Sgr.

Wie der Notierung hinter "Hiernei ein Packet" in blau "Acten" zu entnehmen ist, war hier die sogenannte Actentaxe anzuwenden.

In diesem Falle betrug sie mindestens die 6fache Briefgebühr eines einfachen Briefes der 1. Entfernungsstufe (beide Orte liegen ca 3 Meilen auseinander), also 6 Sgr.

Damit haben wir hier die Gesamttaxe vom 30 Sgr = 1 Thaler.

Die Paketausgabe wurde mit dem normalen Ortsstempel "bestätigt".



Siegelseitig ist nichts besonderes.



Schöne Ostern wünscht

Ulf
 
volkimal Am: 06.08.2011 11:30:46 Gelesen: 41683# 28 @  
Hallo zusammen,

ich habe gerade dieses Thema entdeckt. Mit meinem ältesten Auslagen-Brief (siehe Abbildung) kann ich bisher sehr wenig anfangen.

- Was für ein Zeichen steht hinter dem Wort "Auslage" oben links?
- Wer verbirgt sich hinter der Adresse "Vice President du Tribunal des Appellations de la Majte (?) de la Grande Bretagne?
- Was bedeuten die Rötelvermerke 2 (Vorderseite) und 4 (Rückseite)?
- Aus welcher Zeit stammt der Brief? (Ist es die napoleonische Zeit?)

Bisher kann ich nur sagen, dass der Brief von Duderstadt über Hannover nach Celle gehen sollte.

Im Siegel sieht man das Wappen der Familie von Gemmingen (im Wechsel 3 blaue und 2 gelbe Balken.

Mit Sammlergruß
Volkmar werdermann




 
Manne Am: 06.08.2011 15:12:34 Gelesen: 41669# 29 @  
Hallo zusammen,

hier ein Brief von New York nach Schwenningen von 1858.

Gruß
Manne


 
Stempelfreund Am: 13.02.2015 18:30:27 Gelesen: 30899# 30 @  
Hallo den Experten,

habe einen Postvorschußbrief aus Aurich im Hannoverschen nach Norden. Eine Datierung ist vom Brief her nicht möglich. Der Stempel ist nach Feuser ab 1835 in Gebrauch. Leider kann ich den Portobaum nicht deuten. Wer kann helfen?

Beste Grüße
Stempelfreund


 
Magdeburger Am: 13.02.2015 18:41:32 Gelesen: 30891# 31 @  
Hallo Stempelfreund,

der Postvorschuß betrug 4 Gute Groschen 1 Pfennige + 6 Pfennige ProCura ergeben die oben notierte Auslage von 4 7/12 Gute Groschen. Insgesamt sind noch 1 Guter Groschen 2 Pfennige angefallen, so dass sich 5 gute Groschen 9 Pfennige ergeben.

Die linke Notierung sieht mir wie eine gestrichene Gewichtsnotierung aus - zumindestens erscheint mir hinter der oberen 7/8 "Loth" zu stehen. Hannover ist leider nicht mein Gebiet - schaue am Wochenende nach, ob ich noch etwas bei mir finde.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 13.02.2015 19:01:26 Gelesen: 30883# 32 @  
@ volkimal [#28]

Hallo Volkmar,

eben erst gesehen ...

- Was für ein Zeichen steht hinter dem Wort "Auslage" oben links?

2 Gutegroschen.

- Wer verbirgt sich hinter der Adresse "Vice President du Tribunal des Appellations de la Majte (?) de la Grande Bretagne?

Majte = Majesté = Majestät. Hannover hatte mit Großbritannien Personalunion, daher Grande Bretagne = Großbritannien. Appellationsgericht ist ja klar, oder?

- Was bedeuten die Rötelvermerke 2 (Vorderseite) und 4 (Rückseite)?
Hinten heißt es nicht 4 sondern 4-; das hieß, dass der Absender 4 1/2 Batzen bezahlt hatte. Die entsprachen ca. 18 Kreuzer oder 4 1/2 Gutegroschen.

- Aus welcher Zeit stammt der Brief? (Ist es die napoleonische Zeit?)
Wenn ich mir den Duktus der Schrift, das "Franco Duderstadt" ansehe, die Währungen betrachte und die Art der Notation der Taxen, dann halte ich die späten 1790er Jahre bis ca. 1820 für höchst wahrscheinlich.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Magdeburger Am: 14.02.2015 14:41:16 Gelesen: 30841# 33 @  
@ Stempelfreund [#30]

Hallo Stempelfreund,

die Entfernung zwischen Aurich und Norden beträgt etwas über 3 Meilen. LAut der Postordnung vom 7. Juni 1834 kostete ein einfacher Brief 9 Pfennige. Er durfte nicht mehr als ein 3/4 Loth wiegen. Wie oben schon geschrieben, bin ich der Meinung dass links oben Gewichtsnotierungen stehen und bei 7/8 Loth ist die 1,5 fache Taxe zu erheben. Dies würde zum Differenzbetrag von 1 guter Groschen 2 Pfennige passen.

Diese Postordnung war auch noch 1849 gültig, wie aus dem Postvertrag zwischen Preussen und Braunschweig hervorgeht.

Verbürgen möchte ich mich nicht dafür, da Hannover nicht mein Gebiet ist.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
volkimal Am: 14.02.2015 15:30:14 Gelesen: 30827# 34 @  
@ bayern klassisch [#32]

Hallo bayern klassisch,

vielen Dank für die ausführlichen Informationen. Das war wirklich ausführlich - klasse!

Viele Grüße
Volkmar
 
Stempelfreund Am: 14.02.2015 15:34:56 Gelesen: 30825# 35 @  
@ Magdeburger [#33]

Lieber Magdeburger,

danke für die ausführliche Deutung. Dass die Rötelnotierung oben links eine Gewichtsangabe sein könnte, hatte ich nicht gedacht, aber es sieht wirklich so aus.

Mir hilft euer Wissen sehr und ich schätze die Foren dafür sehr.

Gruß
Christian
 
Magdeburger Am: 27.02.2015 11:31:31 Gelesen: 30713# 36 @  
Liebe Sammelfreunde,

hier habe ich einen Beleg, der einige Fragen aufwirft:



Um 1825 wurde dieser Postvorschußbeleg von Magdeburg nach Unseburg versendet. Laut Declaration betrug der Postschuß 5 Silbergroschen. Die darunter notierten 3/4 Sgr. sind das ProCura von 75% für die aufgebende Postanstalt. Insgesamt sind somit bisher die vorderseitigen 5 3/4 Sgr. geklärt.



Siegelseitig sind 8 Sgr. 9 Pfennige notiert worden. Die Differenz beträgt somit 3 Sgr. Die Entfernung beträgt rund 3 Meilen und dies hätte 1 1/2 Sgr. Porto sowie der gleiche Betrag an Geldporto und 1/4 Sgr. 25% ProCura für die ausgebende Postanstalt zur Folge. Insgesamt wären somit 3 1/4 Sgr. noch angefallen.

Ungewöhnlich ist die siegelseitige Notierung schon, da vorderseitig das Gesamtporto zu erwarten wäre und siegelseitig das Bestellgeld.

Eine Bestellung hätte möglicherweise von Stassfurt oder Egeln erfolgen können. Auch wäre eine Selbstabholung möglich. Theoretisch wäre auch denkbar, dass auf einen möglichen Weg von Egeln nach Calbe (dann über Wolmirsleben - Unseburg - Atzendorf - Calbe) die Post direkt von der Kutsche abgeholt wurde. Dann wäre es denkbar, das die 25% ProCura nicht anfielen, da ja die Kutsche keine ausgebende Postanstalt ist. Eine Kirche als Haltepunkt halte ich für möglich.

Auch gäbe es noch die Möglichkeit der Portofreiheiten - dann wäre ja ein Landbriefträger u.U. auf dem Wege gewesen.

Wer kann mir eventuell helfen? Gab es einen Kurs durch Unseburg? Von wo aus wurde Unseburg bestellt.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 03.03.2015 13:43:06 Gelesen: 30641# 37 @  
Liebe Sammelfreunde,

heute mal ein Beleg vom 03.11.1854:



Gesendet wurde von Magdeburg nach Barby, ca. 3,5 Meilen Entfernung, ein Postvorschuß von 15 Sgr. in einem 2 1/10 Loth schweren Brief.

Zu dem Postvorschuß kam 1 Sgr. ProCura und 3 Sgr. Briefporto, da 3fach schwer und unter 10 Meilen. Der Auslagen-Stempel ist sowohl in rot als auch schwarz abgeschlagen worden.



Die Siegelseite zeigt uns die Ankunft am Folgetag und dass insgesamt 19 Sgr. 6 Pf. erhoben wurden. Die Differenz von 6 Pfennigen ist das Bestellgeld.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 

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