Thema: Deutsches Reich: Feldpostkarte / Spottkarte
filunski Am: 20.05.2010 16:27:41 Gelesen: 15204# 1 @  
Wer kennt diese "Feldpostkarte" ?

Sehr verehrte Sammlergemeinde,

wer kann mir irgendwelche Informationen zu dieser aus der Zeit des Dritten Reichs stammenden "Feldpostkarte" machen. Handelt es sich hierbei um Propaganda, Ulk oder beides?

Der Stempel scheint ein original Feldpoststempel zu sein. Hat diese Karte einen philatelistischen Wert?

Herzlichen Dank schon jetzt für alle Beiträge.

Mit philatelistischen Grüßen,
filunski


 
Lacplesis Am: 20.05.2010 16:36:23 Gelesen: 15199# 2 @  
Philatelistischer Wert geht gegen null.

Gut das es auch andere Bewertungskriterien gibt als philatelistische.

Einfach mal Wiki fragen?

http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Fehling
 
filunski Am: 20.05.2010 16:48:56 Gelesen: 15192# 3 @  
@Lacplesis

Danke für den interessanten Link!

Was den Wert angeht hatte wohl Heinz Fehling damals schon Recht, es steht ja bereits auf der Karte "Wert keinen Pfennig"!

Aber trotzdem ein interessanter Beleg, es gibt ja durchaus noch andere als nur philatelistische Kriterien. Aber dies muß natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Schönen Gruß
 
Postgeschichte Am: 20.05.2010 16:51:13 Gelesen: 15190# 4 @  
@ filunski [#1]

Es handelt sich um eine nicht-amtliche Spottkarte, die von privater Seite hergestellt und in den Wehrmachtskantinen, sowie in Papierwarengeschäften zum Preis von 5 Rpf. verkauft wurde.

Die Spottkarten konnten portofrei als Feldpostkarte, die ja mit privaten Aufdrucken versehen werden konnten, versandt werden. Auch Feldpostbriefe wurden mit gleichem Motiv hergestellt. Die Karten und Briefe sind im Michel Handbuch-Katalog Deutsche Feldpost 1937-1945 aufgeführt. Für die als Feldpostkarte verwendete Karte werden 80 Euro angegeben. Da die Voraussetzung für eine echt verwendete Feldpostkarte für Deinen Beleg fehlt (Dienstsiegel), ist der Wert erheblich geringer einzuschätzen. Ungebrauchte Exemplare werten 20 Euro.

Die Spottkarten wurden in verschiedenen Auflagen gedruckt. Nach dem Michel-Handbuch ist Deine Karte die III. Auflage.

Gruß
Manfred
 
Siegbert Am: 17.12.2011 17:57:05 Gelesen: 13522# 5 @  
Habe zu dieser Karte meine eigene Meinung entwickelt. Nehme an, dass diese Karten immer noch hergestellt und mit Feldpoststempel gestempelt werden. Hatte vor einigen Jahren ein Angebot von 200 Karten im Ringtausch. Es sind ja auch fast immer die selben Stempeldaten. Diese Karten durften meines Wissens als Feldpostkarten nicht verwendet werden. Mich würde es freuen wenn jemand zu diesem Thema wieder was schreibt.
 
Helmut-Stelle Am: 17.12.2011 18:20:00 Gelesen: 13511# 6 @  
@ filunski [#1]

Der reale Wert lässt sich ja schnell feststellen, 1 x bei Ebay rein und ich bin mir sicher in der richtigen Kategorie eingestellt, bringt die Karte einige Euro !

Könntest Du mal die Rückseite zeigen ?

Gruss
Helmut
 
filunski Am: 17.12.2011 18:58:41 Gelesen: 13503# 7 @  
@ Helmut-Stelle [#6]

Die Rückseite gibt leider nicht viel her, bitte:



@ Siegbert [#5]

Interessante Theorie! Nicht von der Hand zu weisen. Mein Exemplar ist auch in einem für das Alter auffällig guten Zustand!
Wenn ich mein Exemplar mit den folgenden Karten aus Auktionen vergleiche wird die Theorie mit dem "Nachdruck" auch noch erhärtet.
http://www.felzmann.de/de/katalog-auktion-130/briefmarken-luxemburg-einzellose-21712/
http://schwerdt-auktion.de/katalog/index.phtml?dt=3833&p=83289&i=150

Mein Exemplar weicht farblich erheblich ab (kann natürlich auch scanbedingt sein?).

Hier noch ein link zu den Karten mit Abbildungen:
http://bamsv-feldkirch.8m.com/info/Infoblatt/2001/hermannspottkarten.htm

Gruß,
Peter
 
Siegbert Am: 18.12.2011 19:19:46 Gelesen: 13447# 8 @  
Lieber Peter ! Die mir vorgelegenen Karten sind mir immer zu gut erhalten. Wenn ich heute eine Postkarte in den Briefkasten werfe, und die Karte mit der Post befördert, sind irgendwelche Beförderungsspuren erkennbar. Dann sind ja die auf den Karten angegebenen Absender auch sehr eigenartig, wie zum Bsp.Oberzollmeister Kern, in Leipzig oder Sanitäter Mischer in Hof, alles keine Adressen mit Strassen und Hausnummer. Rückseitig keine Mitteilung. Die Käufer dieser Karten hatten 80 Euro dafür bezahlt. Es kann eben jeder kaufen und sammeln, was er will. Ich könnte noch mehr darüber schreiben, aber ich denke es reicht.

mit Gruß Siegbert
 
Wachauer Am: 19.12.2011 19:47:40 Gelesen: 13395# 9 @  
Ich wurde durch diesen Thread an eine Karte aus meiner Heimatsammlung Krems erinnert.
Die Karte hatte mir zwar gut gefallen, besondere Beachtung hatte ich ihr aber nicht geschenkt.



An der Echtheit besteht m.E. kein Zweifel.
Danke für die Information. Ich weiß nun, dass es sich hier um eine als Feldpostkarte Bedarfsverwendete Fehling-Chamerlain Spottkarte handelt. Jetzt wird die Karte eine größere Wertschätzung meinerseits erhalten.

Herzliche Sammlergrüße
Gerhard
 
Siegbert Am: 19.12.2011 21:37:25 Gelesen: 13377# 10 @  
Bitte auch die Rückseite. Danke.
 
Wachauer Am: 20.12.2011 00:30:01 Gelesen: 13361# 11 @  
@ Siegbert [10]



Hier die Rückseite der Karte.
Die Karte stammt aus einer verlässlichen Quelle, der Briefschreiber ist zwar schon verstorben, war mir aber persönlich bekannt.

Herzliche Sammlergrüße
Gerhard
 
Siegbert Am: 20.12.2011 12:45:13 Gelesen: 13335# 12 @  
Lieber Gerhard!

An dieser Karte ist wohl alles echt, es die erste Karte, wo ich das sagen kann, vielen Dank.

mit Grüssen Siegbert
 
doc Am: 17.01.2012 18:08:04 Gelesen: 12864# 13 @  
Hallo,

beim Lesen dieses Themas sind mir zwei Karten in den Sinn gekommen, die sicherlich hierher passen. Allerdings sind diese Karten ungebraucht und ohne Marken. Seht selbst.



 
Feldpost-Admin Am: 07.07.2012 18:14:14 Gelesen: 11678# 14 @  
Hallo zusammen,

auch zu diesem Beitrag möchte ich euch noch ein paar Zeilen schreiben.

Nicht - amtliche Spottkarten und Spottbrief

Um auch die Feldpost in den Dienst der Propaganda zu stellen, wurden Spott - Karikaturen auf Feldpostkarten und Feldpost - Faltbriefen von privaten Firmen hergestellt und in den Wehrmachts - Kantinen und in Papierwarengeschäften zum Preis von 5 Rpf. verkauft.

Der Erstverkauf der Churchill- und Chamberlain - Spottkarten ist der 1.Mai 1940. Die Stalin - Spottkarte wurde erst nach Kriegsbeginn mit Russland herausgegeben.

Die Spottkarten waren keine postalischen Ganzsachen und konnten portofrei nur bei der Feldpsot versandt werden. Spottkarten oder Spottbriefe mit zusätzlicher 6- bzw. 12 Rpf. Frankatur von privaten Absendern wurden befördert.

Es wurden mehrere Auflagen gedruckt. Die Unterscheidungen der Auflage kann man am Wort "Feldpost" feststellen (siehe Bildanhang).

IV. Auflage hat am linken Rand einen zusätzlichen Druckvermerk: 0/1023

Diverse Farbunterschiede im Papier und Druck sowie unterschiedliche Kartonstärken müssen unberücksichtigt bleiben, da die Herstellung kriegsbedingt war.

Die Spottkarten gab es mit folgenden Druckvermerken:

a.) Churchill-Spottkarte - Druckvermerk: Ashelm 3503 25
b.) Churchill-Spottkarte - Druckvermerk: Ashelm 5503 25
c.) Churchill-Spottkarte - Druckvermerk: Ed. Gerst 4503

d.) Chamberlain-Spottkarte - Druckvermerk: Ashelm 3503 25
e.) Chamberlain-Spottkarte - Druckvermerk: Ashelm 5503 25
f.) Chamberlain-Spottkarte - Druckvermerk: Ed. Gerst 4505
g.) Chamberlain-Spottkarte - Druckvermerk: Nachdruck verboten G. 4505

h.) Stalin-Spottkarte - Druckvermerk: Ed. Gerst 4503

Spott-Faltbriefe

a.) Churchill-Spottfaltbrief - Druckvermerk: Ashelm 5110 20
b.) Chamberlain-Spottfaltbrief - Druckvermerk: Ashelm 5110 20

Gruß

Feldpost-Admin


 
rostigeschiene Am: 07.07.2012 20:04:54 Gelesen: 11656# 15 @  
Zu diesem Thema, der Spott und Propagandakarten, kann ich wenig beitragen. Doch sollte festgehalten werden, dass es Spottkarten auch aus dem WK II gibt. Eine Feldpostkarte aus dem Jahr 1914 kann ich hier beisteuern, die zwar keine Illustration, so doch einen Spruch, aufzuweisen hat.



Dieser Spruch ist ein schönes Beispiel für den Zeitgeist in diesen Tagen, als der erste Weltkrieg ausbrach. Obendrein zeigt diese Karte einen weiterverwendeten Stempel einer Universal Maschine, aus der zweiten Erprobungsphase, aus Bielefeld.

Viele Grüße

Werner
 
GSFreak Am: 26.11.2018 07:47:39 Gelesen: 2020# 16 @  
Hier eine Chamberlain-Spottkarte (2. Auflage) mit Ortswerbestempel BOPPARD 26.10.1940 per Feldpost zum Fliegerhorst Fritzlar. Ein älterer Bopparder hat mir gestern bestätigt, dass der Empfänger in der Tat auf diesem Fliegerhorst stationiert war.

Meine private Stempeldatenbank Boppard belegt diesen Ortswerbestempel im Zeitraum vom 24.03.1938 bis 12.08.1941 auf insgesamt bisher 36 Belegen.



Gruß Ulrich

[Redaktionell kopiert aus dem Thema "Meine angehende Heimatsammlung Hunsrück"]