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Thema: Deutsches Reich Verschlussmarken
roteratte48 Am: 23.05.2010 12:58:13 Gelesen: 9732# 1 @  
Verschlusszettel kaiserl. Reichspost

Hallo und frohe Pfingsten an alle !

Ihr findet anhängend ein Bild einiger Vignetten, Signetten oder Verschlusszettel, von denen ich mengenweise in einer Tüte aufgefunden habe.

Wer kann mir etwas Aufschluss geben über Verwendungszeit und -art? Wurden sie ähnlich wie Rebutzettel (Wiederverschliessen postseitig geöffneter Briefe) verwendet? Danke im Voraus !

Gruss - Rolf


 
reichswolf Am: 23.05.2010 13:20:56 Gelesen: 9725# 2 @  
Hallo Rolf,

zur Verwendungszeit kann ich nichts sagen. Aber gebraucht wurden solche Verschlußstreifen zum Schließen beschädigter Sendungen. Aus kaiserlichen Zeiten kann ich leider kein Beispiel zeigen, aber ich kann dir immerhin zwei Links zu Postings geben, in denen ich Belege mit etwas neueren Varianten deiner Verschlüsse zeige:

http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=17950#M63
http://bdph.de/forum/showpost.php?p=78622&postcount=138

Ich hoffe, das hilft dir ein wenig weiter.

Beste Grüße,
Christoph
 
Postgeschichte Am: 24.05.2010 02:19:42 Gelesen: 9688# 3 @  
@ roteratte48 [#7]

Hallo Rolf,

Es gab bei der Post verschiedene Fälle, in denen Postbeamte Sendungen verschließen mußten.


1. Verschluß einer Sendung zur Ermittlung des Absenders
2. Verschluß einer Sendung nach Zensur bzw. Devisenkontrolle
3. Verschluß einer beschädigten Sendung
4. Verschluß einer Sendung mit Drucksachen, Geschäftpapieren, Warenproben oder Mischsendungen nach Prüfung auf Zulässigkeit der ermäßigten Gebühr.
 



In den meisten der genannten Fällen erfolgte der Verschluß der Gegenstände mittels eines gummierten Verschlußstreifen bzw. Etikett, mit dem Aufdruck eines stilisierten Stempels. Teilweise wurde dieser zusätzlich mit Angabe von Zeichen oder des Postamtes versehen.



Hier ein solcher Verschluß vom Postamt Frankfurt am Main, Höchst.

Dieses Verschlußetikett, so möchte ich es mal bezeichnen, entspricht den von Dir in Beitrag [#7] gezeigten Stücken. Sie alle wurden in der Regel nur zu dem von mir unter Punkt 3. aufgeführten "Verschluß einer beschädigten Sendung" verwendet. Die Verschlußetiketten zu den anderen Verschlußgründen sind bekannt bzw. weichen vom Muster her ab.



Hier ein Umschlag aus Dissen am Teutoburger Wald aus dem Jahr 1962, der beschädigt wurde und vorschriftsgemäß unter Zeuge amtlich verschlossen wurde. Der gewöhnliche Brief wurde mit drei neutralen (nur mit Stern) Verschlußetiketten verschlossen. Da es sich um einen Fensterumschlag handelt und kein Ankunftstempel vorhanden ist, ist der Empfangsort nicht ersichtlich.

Ein Beispiel für den Verschluß eines Briefes der gemäß 1. meiner Aufstellung nach Öffnung zur Ermittlung des Absenders wieder verschlossen wurde, zeigt der folgende Brief. Er weist eine Fülle postalischer Besonderheiten auf, die ich gerne mal vorstellen möchte.



Der Brief ist portogerecht mit 20 Pf frankiert gewesen. Da die Marke nicht abgestempelt war, erhielt sie einen Stempel "FRANKFURT AM MAIN / Nachträglich / entwertet" Unterscheidungsbuchstaben "a" vom 13.12.63. Der Empfänger war offensichtlich nicht zu emitteln, was dem Umschlag einen Stempelabdruck auf der Vorderseite einbrachte "Empfänger in Frankfurt (Main) / ohne nähere Angabe nicht zu ermitteln". Zum Zeichen der Nachforschung wurden die Kreisstempel (A 26) mit handschriftlichem Datum 16.12. und Rechteckstempel (24) ebenfalls auf der Vorderseite abgeschlagen. Da der Umschlag keinen Absender trug, wurde er der Rückbriefstelle bei der Oberpostdirektion Frankfurt am Main übergeben. Diese öffnete den Umschlag, ermittelte den Absender (vermutlich Savignystr. .. in Frankfurt am Main), verschloß diesen mit zwei Verschlußetiketten mit der Inschrift "Zur Ermittlung des / Absenders / amtlich geöffnet / durch die / Oberpostdirektion / Frankfurt am Main" und dem Dienstsiegel "RÜCKBRIEFSTELLE DER OBERPOSTDIREKTION FRANKFURT (MAIN)". Die Rückbriefstelle sandte den Brief am 17. Dez. 1963 an den Absender mit dem schönen Hinweisstempel "Wer den Absender auf der / Außenseite angibt, vermeidet / Öffnung der Sendung und / Verzögerung ihrer Rückleitung.".

Die Verschlußmarke (so die offizielle Bezeichnung) zur Ermittlung des Absenders haben alle diesen oder einen ähnlich lautenden Text, während die Verschlußetiketten für den Verschluß beschädigter Sendungen ohne Text oder mit einer Angabe des jeweiligen Postamtes hergestellt wurden. Ich spreche deswegen von einer Verschlußetikette, da hier im Gegensatz zur Verschlußmarke der Rückbriefstelle eine Vorschrift hinsichtlich Aussehen der Aufkleber fehlt und offensichtlich den OPDen oder Postämtern überlassen wurde. Ab wann die Verschlußetiketten verwendet wurden, kann ich nicht sagen. Die Verschlußmarken der Rückbriefstellen habe ich erstmals in den Dienstanweisungen vom 1.7.1877 festgestellt.

Vielleicht helfen Dir meine Ausführungen bei der Einordnung Deiner Errungenschaften. Die Beispiele aus den 60er Jahren habe ich wegen der schönen Dokumentation der beiden Verschlüsse gewählt. Ich hätte auch welche um die Jahrhundertwende zeigen können.

Gruß
Manfred
 

roteratte48 Am: 24.05.2010 09:18:44 Gelesen: 9679# 4 @  
Moin Christoph, moin Manfred.

Danke, dass Ihr euch beide die Zeit genommen habt und mit fundierten Aussagen wieder mal weitergeholfen habt. Es scheint tatsächlich so, als seien die Dinger ausschließlich zum Verschließen beschädigter Sendungen verwendet worden.

Liebe Grüsse - Rolf
 
Stephan Sanetra Am: 24.05.2010 11:16:43 Gelesen: 9670# 5 @  
Hallo,

hier noch ein beschädigt eingegangener Beleg mit Verschlusszettel aus der Berliner Nachkriegszeit.

Beste Grüße
Roedsand


 
Postgeschichte Am: 24.05.2010 13:41:54 Gelesen: 9656# 6 @  
@ roteratte48 [#4]

Hier die Verwendung der Verschlußetikette und der Verschlußmarke aus der Kaiserzeit.

1. Verschlußetikette vom Postamt Leipzig-Kleinzschocher auf einem Brief aus Leipzig-Lindenau 4.9.16. In diesem Fall wurde der Brief zurückgegeben, da der Empfänger angab, daß der Inhalt nicht ihn betreffe.



2. Verschlußmarke von der Oberpostdirektion (OPD) Dresden auf einem Brief von Dresden 21.8.1904 nach Hannover. Da der Empfänger nicht zu ermitteln war, sollte der Umschlag an den Absender zurückgegeben werden. Da auch dieser nicht angegeben war, wurde der Umschlag der Rückbriefstelle der OPD Dresden zur Öffnung und Ermittlung gegeben und mit 2 Verschlußmarken wieder verschlossen. Ob der Absender nach zwei vergeblichen Versuchen doch noch ermittelt werden konnte, ist nicht ersichtlich.



Gruß
Manfred
 
Zeitlos Am: 23.01.2017 23:20:19 Gelesen: 4263# 7 @  
Deutsche Reichspost Rotes Posthorn

Guten Abend an alle,

ich habe ein Briefstück / Amtsformular mit einer (Dienstmarke ?) der Deutschen Reichspost und Dienstellenstempel.

Es scheint ja nun keine geläufige Briefmarke zu sein, aber ein Poststück der Deutschen Reichspost eventuell für interne Zustellungen.

Hat jemand Infos dazu, wer sammelt von euch derartige Postgeschichte ?

freundliche Grüße
Helmut


 
Max78 Am: 23.01.2017 23:31:34 Gelesen: 4260# 8 @  
Servus Helmut,

das ist keine Briefmarke, sondern eine Verschlussmarke (ohne Nennwert) zum "Versiegeln" von Telegrammen. In der unteren Ecke des Papierstückchens befindet sich der Aufdruck für dienstliche Rückfragen, als Vergleich etwas ähnliches im Ganzen:



Reichspost hat nicht gleich zu bedeuten, dass das Stück bis 1945 befördert wurde, kann ggf. auch aus der Zeit der alliierten Besetzung stammen.

mit Grüßen Max
 
Zeitlos Am: 24.01.2017 18:49:04 Gelesen: 4184# 9 @  
Hallo Max,

danke für deine zügige ausführliche Erklärung.

mit Grüßen Helmut
 
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