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Thema: (?) (219) Belege aus der eigenen Familiengeschichte
Das Thema hat 226 Beiträge:
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volkimal Am: 28.05.2018 18:53:20 Gelesen: 48573# 202 @  
Hallo zusammen,

endlich komme ich wieder einmal dazu, einen Beitrag zu meinem Lieblingsthema zu schreiben.

Nach einem Jahr in Kamerun war Steffi wieder in Deutschland zurück war. Bei uns zu Hause hatte sie oft Heimweh nach Kamerun. Sehr oft hörten wir von ihr: „Ich will zurück nach Kamerun“. Steffi wollte in Bayreuth studieren, denn diese Universität hat das Spezialgebiet Afrika. Sie bewarb sich um einen Studienplatz für das Fach „Kultur und Gesellschaft Afrikas“. Für das Bewerbungsgespräch fuhr ich mit ihr nach Bayreuth.



Als ich im Internet nachsah, wo die Universität Bayreuth lag, las ich auf der Landkarte durch Zufall den Namen „Kamerun“. Neugierig geworden las ich sofort nach, was das war. Es handelte sich um ein früheres Forsthaus, dass dort 1848 erbaut wurde. Es war an einem Sommertage des Jahres 1884, als zwei junge Männer auf Hochrädern die Straße nach Neuenreuth hinausfuhren. Sie kamen durch Zufall zum Forsthaus.

Die Frau des Waldaufsehers trat aus der Tür und lud sie ein, am Tisch im Freien Platz zu nehmen; sie werde ihnen gerne eine Erfrischung bringen. Ganz dem Frieden und Zauber der Umgebung verfallen ließen sie sich nieder. „Eine richtige Entdeckung haben wir da gemacht“ rief Brandt aus. „Ja, wie der Nachtigall in Afrika!“ vollendete Kranich. Und mit diesen Worten schilderten sie auch abends nach der Rückkehr ihr Erlebnis. Und da gerade alle Zeitungen von der Hissung der deutschen Flagge in Kamerun berichteten, nannten die beiden Entdecker ihr Forsthaus „Neu-Kamerun“, - und diesen Namen hat es bis auf den heutigen Tag behalten.

Quelle des Textes, weitere Bilder und Informationen: https://www.restaurant-kamerun-bayreuth.de/forsthaus.php



2006 und auch heute noch ist in dem Forsthaus Kamerun ein italienisches Restaurant. Ich erzählte unserer Tochter schon unterwegs, dass ich sie abends zum Essen einladen würde und auch schon wüsste in welches Restaurant. Ihr könnt euch vorstellen, wie erstaunt Steffi war, als wir dann an diesem Verkehrsschild vorbei kamen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 07.07.2018 13:32:27 Gelesen: 35692# 203 @  
Hallo zusammen!

In Bayreuth wohnte Steffi im Internationalen Studentenwohnheim im Bussardweg 39. Sehr schnell hatte sie dort die Aufgabe des Tutors. In Studentenwohnheimen sind Tutoren in der Regel Studenten, die selbst im Wohnheim wohnen und die Interessen der Bewohner gegenüber dem Studentenwerk vertreten.



Als Ausländer-Tutor organisierte sie unter anderem Freizeitangebote z.B. internationale Kochabende und Ausflüge in die Umgebung. Durch ihre Aufgabe hatte sie sehr viele Kontakte zu Studenten aus aller Welt.

Im Rahmen des Studiums „Kultur und Gesellschaft Afrikas“ musste Steffi eine Afrikanische Sprache erlernen. Sie entschied sich für Swahili auch Suaheli oder Kisuaheli genannt. Diese Sprache hatte unter den zur Auswahl stehenden Sprachen den Vorteil, dass sie die am weitesten verbreitete Verkehrssprache Ostafrikas ist.

Im Rahmen des Studiums und zum erlernen der Sprache reiste Steffi mehrmals nach Kenia bzw. Tansania. Dazu waren natürlich die entsprechenden Impfungen und Malaria Prophylaxe erforderlich.



Da es in Bayreuth viele Studenten gab, die nach Afrika reisten, hat sich der Arzt, von dem dieser Brief an Steffi stammt, unter anderem auf Tropen-, Arbeits-, Tauch- und Flugmedizin spezialisiert. Beim ersten Versuch konnte der Brief des privaten Briefdienstes „courissima“ nicht zugestellt werden, da die Hausnummer nicht richtig war. Im Bussardweg 43 stand zwar auch eines der Gebäude des Internationalen Studentenwohnheimes, aber nicht das Haus, in dem Steffi wohnte.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 18.08.2018 09:31:44 Gelesen: 28869# 204 @  
Hallo zusammen,

nach dem Wintersemester 2007/2008 fuhr Steffi in den Semesterferien nach Tansania. Wie man dem Text dieser Klappkarte entnehmen kann, lebte sie bei einer Gastfamilie in Daressalam. Die meisten anderen Studenten aus Bayreuth zogen stattdessen ein Camp vor, wo sie die Sprache Swahili aber nicht so gut lernen konnten.

In Tansania machte Steffi ein Praktikum bei einer Mikrokreditorganisation. Diese Organisation vergab vor allem an Frauen Kleinkredite, damit sie sich eine Lebensgrundlage z.B. ein kleines Geschäft schaffen konnten.

Zu den Mikrokrediten: 1976 gab es in Bangladesch ein derartiges Programm, das von Muhammad Yunus initiiert wurde, und aus dem 1983 die Grameen Bank hervorging. Im Jahr 2006 erhielten Yunus und die Grameen Bank für diese Bemühungen um die „wirtschaftliche und soziale Entwicklung von unten“ den Friedensnobelpreis [1].





Wie Steffi auf der Vorderseite schreibt, hat sie keinen passenden Briefumschlag für die selbstgestaltete Klappkarte gefunden. So hat sie die Karte einfach zusammengeklammert und ohne Umschlag aufgegeben. Die Löcher der Klammer sind beim Original gut zu erkennen.

Aufgegeben hat sie die Karte am 2. April in Moshi (deutsch Moschi). Damit kam sie garantiert nicht mehr rechtzeitig zum Geburtstag meiner Tante an. Wie Steffi schreibt hat sie in Tansania verschiedene Reisen gemacht um das Land besser kennenzulernen und gleichzeitig die Sprache zu erlernen. 10 Tag nachdem sie die Karte aufgegeben hat ist sie wieder zurückgeflogen.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Mikrokredit
 
volkimal Am: 13.09.2018 17:11:10 Gelesen: 25377# 205 @  
Hallo zusammen,

dieser Geburtstagsglückwunsch konnte nicht rechtzeitig bei mir ankommen. Stefanie hat ihn erst am Tag meines Geburtstags geschrieben und einen Tag später eingesteckt.



Am Ende schreibt sie „Vielleicht findet diese Karte noch einen Platz in Deiner Sammlung.“ Natürlich hat sie dort Platz.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 28.09.2018 18:45:23 Gelesen: 22172# 206 @  
Hallo zusammen,

die Ansichtskarten von Steffis erster Sprachreise im Jahr 2007 hatte ich verlegt. Ich hole diese Fahrt hiermit nach. Steffis Swahili-Lehrer kam aus Kenia. Daher führte sie ihre erste Sprachreise nach Kenia, obwohl die Sprache in mehreren Ländern Ostafrikas gesprochen wird. Die erste Zeit lebte sie in der Nähe der Küste des Indischen Ozeans in Malindi. Diese Ansichtskarten schickte sie an ihre Großeltern bzw. an uns nach Olfen. Sie beschreibt, was sie bisher so alles erlebt hat.





Am Ende des Aufenthalts in Kenia war sie im Kühlen Hochland und in Nairobi. In Molo gab sie diese Karte an uns auf. Sie ist gleichzeitig ein Geburtstagsglückwunsch an meine Frau: „Sherehe ya kuzaliwa kwa mama“. Wie sie schreibt, zeigt das selbst gezeichnete Bild ein Motiv von der Insel Lamu. Auch einige andere Zeilen sind in Swahili geschrieben. Zum Glück lässt sich so etwas heute durchs Internet übersetzen.





Die vierte Karte geht an meinen Vater. Sie ist ebenfalls ein Geburtstagsglückwunsch: „Sherehe ya kuzaliwa kwa babu“. Das Wort „babu“ bedeutet Großvater. Wie sie schreibt, sendet sie die Glückwünsche zusammen mit vielen Bewohnern Kenias. Auch diese hat sie selbst gezeichnet. So weit Steffis erste Reise nach Kenia.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 07.10.2018 14:39:11 Gelesen: 21354# 207 @  
Hallo zusammen,

nach dem Wintersemester 2008/2009 hat Steffi zur Abwechslung einmal eine Reise in den Norden Indiens unternommen. An Tag meines 55-ten Geburtstages schrieb sie diesen Geburtstagsgruß an mich:





Sie hatte diese alte Karte aus dem Jahr 1959 als Geburtstagsgeschenk gefunden. Die Karte ist zum Teil übermalt worden und wurde so als Souvenir verkauft. Steffi hat die alte Karte mit Tesafilm auf eine weiße Karte geklebt und wollte sie mir so zuschicken. Nachdem sie die Briefmarke aufgeklebt hatte, bekam sie wohl bedenken, ob die Karte den Transport nach Deutschland übersteht. Sie hat einfach einen Briefumschlag genommen und die Ecke oben rechts ausgeschnitten, damit die Marke sichtbar wurde. So hat sie den Brief dann beim Postamt Dashashwamedh in der Stadt Varanasi aufgegeben.



Varanasi (= Benares oder Kashi) liegt am Ganges und hat rund 1,2 Millionen Einwohner. Es ist eine der ältesten Städte Indiens und gilt als heiligste Stadt des Hinduismus.

Die alte Karte trägt einen Ankunftsstempel aus der Stadt Sardarshahar. Dieses ist eine Stadt im indischen Bundesstaat Rajasthan im Nordwesten Indiens.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 17.10.2018 11:30:49 Gelesen: 19970# 208 @  
Hallo zusammen,

in den Sommerferien 2018 leitete ich zusammen mit meinen Kindern Steffi und Thomas zum 19-ten Mal die Jugendfreizeit des Landesringes NRW der Deutschen Philatelisten Jugend. Die Freizeit wurde von Stefan Nolte, dem neuen Leiter des Jugendwaldheims betreut. So lernten sich Steffi und Stefan kennen.



Dieser Umschlag mit dem Sonderstempel erschien 1978, als Helmut Oeleker Leiter der Freizeit war. Das Jugendwaldheim Ringelstein ist das älteste von inzwischen fünf Jugendwaldheimen in Nordrhein-Westfalen und wurde 1953 eingeweiht.

Ringelstein gehört zu Ortschaft Harth und diese ist seit 1975 wiederum Stadtteil von Büren (Westfalen). Harth hat laut Wikipedia nur 919 Einwohner (Stand 2009) und davon gehören ca. 100 zu Ringelstein. Diesen Umschlag erhielt ich von Helmut Oeleker:



Er gehört zwar nicht zu meiner Familiensammlung, aber noch einen Ortsbrief aus Ringelstein zu finden dürfte ausgesprochen schwierig sein. Wie man sieht hatte Ringelstein damals noch eine eigene Poststelle. Als Drucksache ist der Faltbrief natürlich unterfrankiert, da zu viel Text hinzugefügt worden ist.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 04.11.2018 16:17:39 Gelesen: 17176# 209 @  
Hallo zusammen,

im letzten Beitrag habe ich einen Fehler gemacht. Wir haben die Freizeit natürlich in den Sommerferien 2009 geleitet. Ca. 3 Wochen nach der Jugendfreizeit flog Steffi nach Tansania. Sie wollte dort für ihre Bachelor-Arbeit über Mikro-Kredite forschen. Sie lebte zunächst einige Zeit in Sansibar-Stadt.



Dieser Brief vom 11.08.2009 ist der erste, den wir von ihr erhielten. im Absender hat sie das Postfach der Suza angegeben. Suza ist die Abkürzung der „State University of Zanzibar“. Dort gibt es das French Resource Center. Es bildet Französisch aus, und bietet Zeitschriften, Filme und Bücher für Interessierte innerhalb und außerhalb der Universität an. Steffi hat allerdings nicht auf dem Gelände der Universität gewohnt, sondern sie ist bei einer Familie privat untergekommen.



Diesen Brief schickte mein Vater am 27.08.2009 an Steffi. Der Brief ging per Luftpost über Daressalam nach Sansibar, wo er am 08.09.2009 eintraf.
Der Ankunftsstempel zeigt die neue Stempelform aus Tansania, die uns sehr vertraut ist. Lieferant dürfte die Firma Raab GmbH in Oberursel sein, die auch die Deutsche Post mit Stempeln beliefert. Weitere Informationen siehe [1].

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=112740.
 
volkimal Am: 18.11.2018 21:39:37 Gelesen: 15622# 210 @  
Hallo zusammen,



direkt nachdem der Brief meines Vaters auf Sansibar angekommen ist, hat Steffi diesen Brief am 11.09.2009 an meine Eltern geschickt. Sie hat dabei gleich zwei Blocks aufgeklebt. Insgesamt beträgt das Porto 5.000 Tansanische Schillinge (TZS). Steffi hat den Brief beim Postamt Shangani aufgegeben. Shangani ist der westlichste Zipfel von Sansibar-Stadt. Der Stempel auf der Rückseite ist gut erkennbar.



Gleichzeitig hat Steffi diese Ansichtskarte an meine Schwiegereltern aufgegeben. Sie schreibt, dass der Sprachkurs in zwei Wochen vorbei ist und dass sie dann mit der Forschung beginnt. Für ihre Bachelor-Arbeit wollte Steffi über Mikrokredite forschen. Insbesondere wollte sie die Frauen befragen, die einen Mikrokredit erhalten hatten und sich damit eine Existenz aufgebaut hatten. Bei dieser Aufgabe lebte sie auf Tumbatu, einer Insel vor der Nordwestküste Sansibars. Dazu beim nächsten Mal mehr.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 01.12.2018 16:10:54 Gelesen: 14401# 211 @  
Hallo zusammen,

wir haben es natürlich wieder einmal ausgenutzt, dass Steffi in Afrika war und haben sie in den Herbstferien 2009 in Tansania besucht. Der erste Teil der Fahrt war typisch touristisch. Steffi hatte alles super organisiert mit Busfahrt, Leihwagen mit Fahrer usw. Als erstes stand ein Besuch des Tarangire-Nationalparks im Programm.



Diese Karte haben wir dort gekauft. Kurz vor Ende der Fahrt haben wir die Karte an meine Eltern geschrieben. Steffi hat sie noch etwas später abgeschickt. 
Der Tarangire-Nationalpark ist vor allem für die vielen dort lebenden Elefanten bekannt. Als nächstes ging es zum Ngorongoro-Krater. In Lushoto, dem früheren deutschen Ort Wilhelmstal, starteten wir eine zweitägige Wanderung durch den Urwald der Usambara-Berge.



Von Daressalam aus ging es mit der Schnellfähre nach Sansibar. Dort stand unter anderem eine Spice Tour (Besichtigung einer Gewürzfarm) auf dem Programm. Diese Ansichtskarte hatte uns Steffi in einem Brief eingelegt.

Soviel für heute - viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 16.12.2018 12:07:31 Gelesen: 12610# 212 @  
Hallo zusammen,

etwas ganz besonderes war die Fahrt mit zwei Übernachtungen auf die Insel Tumbatu. Die Insel war für Touristen gesperrt. Da Steffi auf Tumbatu für ihre Bachelor-Arbeit forschte, durften auch wir auf der Insel übernachten. Die Fahrt dorthin war aber schon ein kleines Abenteuer. Mit dem Kleinbus ging es bis zu einem „Hafen“ im Norden Sansibars gegenüber von Tumbatu.



Zum Glück hatten wir nur sehr wenig Gepäck im Rucksack dabei. Um auf die Insel zu gelangen musste man erst einmal auf das Boot kommen. Es gab keinen Steg sondern man ging ins Wasser bis es ca. hüfthoch war. Dann konnte man ins Boot klettern. Vor Tumbatu angekommen war es umgekehrt – man stieg ins Wasser und ging zum Strand.

Auf Tumbatu war es selbstverständlich, sich bei der Kleidung anzupassen. Vor allem Steffi und meine Frau mussten ein Kopftuch tragen. Wir wohnten im Haus der Gasteltern von Steffi, die sich für uns vier sehr einschränken mussten. Die Wohnverhältnisse waren für uns relativ primitiv, für Tumbatu aber schon sehr gut.



Diese Ansichtskarte schickte Steffi am 10.11.2009 an meine Eltern. Über ihre Arbeit über die Mikrokredite schreibt sie: „Mir geht es gut und meine Forschung geht langsam vorwärts. Je mehr ich mich mit der Wirtschaft beschäftige, desto mehr beeindruckt mich die Überlebenskunst der Menschen und zugleich erschreckt mich die Armut. Viele wissen nicht, ob sie für den nächsten Tag das Essen für eine Mahlzeit aufbringen können und viele Familien leben von 3 – 7 € pro Tag (für ca. 8 Leute). Zugleich liegt das touristische Sansibar mit seinen Luxushotels und reichen Touristen in unmittelbarer Nähe – eine unwirklich scheinende Parallelwelt.“

Soviel für heute, viele Grüße
Volkmar
 
Manne Am: 16.12.2018 12:40:04 Gelesen: 12600# 213 @  
Hallo,

eine Feldpost-Karte mit Weihnachts-Grüßen an die Eltern meiner inzwischen verstorbenen Schwiegermutter vom 19.12.1939.

Gruß
Manne


 
volkimal Am: 22.01.2019 15:38:57 Gelesen: 10417# 214 @  
Hallo zusammen,

danke Manne, dass ich hier nicht Alleinunterhalter spiele. Bestimmt könnten auch noch andere von euch hier einiges zeigen.

Dieses ist die letzte Karte von Steffi aus Sansibar. Sie hat sie am 10.11.2009 an meine Schwiegereltern geschickt.



Steffi schreibt: „Als Urlaubserinnerung für meine Eltern sende ich Euch diese Postkarte mit der Chumbe Island, auf der wir einen traumhaften Schnorchelausflug hatten.“

Steffi bezieht sich damit auf unseren Besuch bei ihr. Nach dem Aufenthalt auf Tumbatu [#212] waren wir noch kurz in Sansibar-Town. Bevor wir zurückflogen verbrachten wir noch eine Nacht auf Chumbe Island. Dort konnten wir beim Schnorcheln wunderbar die Fische beobachten. Eine weitere Attraktion, die auf der Insel lebt, war der Kokosdieb. Das ist ein Krebs von bis zu 40 cm Größe und einem Gewicht von 3 bis 4 kg.



Steffi musste auf Sansibar und auch auf Chumbe Island als Besitzerin eine Langzeitvisums in Hotels deutlich weniger zahlen (wie auch die Einheimischen). Leider haben wir es nicht mehr geschafft einmal die Preise in einem Andenkenladen zu vergleichen. Eigentlich wollten wir uns einmal nach einem Preis bei einem vorher vereinbarten Stück erkundigen - zum einen Jutta und ich als Touristen (auf Englisch) und zum anderen Steffi (auf Swahili bzw. Suaheli).

Ganz zum Schluss schreibt Steffi auf der Karte noch „ich freue mich sehr auf zu Hause und die gem. Weihnachtszeit“. Nicht lange, nachdem sie diese Karte abgeschickt hat, kam Steffi wieder nach Deutschland zurück.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 01.02.2019 13:54:25 Gelesen: 9683# 215 @  
Hallo zusammen,

inzwischen wohnt Steffi in Ringelstein - siehe [#208]. 2014 haben Steffi und Stefan geheiratet. Traung, Mittagessen und Hochzeitsfeier fanden in verschiedenen Orten statt. Für den Transport wurde u.a. die Almetalbahn gemietet. Diese fuhr auf einer etwa 60 km langen, zumeist eingleisigen Eisenbahnnebenstrecke von Paderborn über Büren nach Brilon. Bis zur Einstellung des Verkehrs fuhr die Bahn nur noch im Museumsbahnbetrieb zwischen Büren und Thülen. Die Hochzeitsfahrt war eine der letzten Fahrten.





Mit dem Foto des Triebwagens der Almetalbahn und dem entsprechenden Bahnpoststempel möchte ich das Kapitel über unsere Tochter beenden.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 17.02.2019 10:26:13 Gelesen: 8109# 216 @  
Hallo zusammen,

wie beim Thema "Stempel heute vor 100, 150, 200 Jahren usw." angekündigt, will ich ab heute über Victor John berichten. Seinen Schwiegervater habe ich schon ausführlich vorgestellt. Es war der sehr aktive Philatelist Edmund Stein, über den ich ab dem Beitrag [#104] berichtete. Jetzt aber zu Victor John:



Anfang der 90er Jahre habe ich, Gertrud John (genannt Trude), die Tochter von Edmund und Helene Stein besucht. Sie hat mir vieles über ihren Mann Victor John und die damalige Zeit erzählt. Die kursiv angezeigten Texte stammen aus diesem Bericht von Trude John. Inzwischen habe ich einige sehr interessante Belege von Victor John bekommen. Dafür muss ich vor allem den beiden Enkeltöchtern von Victor John vielmals danken.

Victor John, ging von Heilbronn aus, wo seine Eltern lebten, im Jahre 1911 für die deutsche Firma Ferd. Bornemann & Co nach Hongkong und hatte dort ein interessantes, angenehmes Leben. 1914, als der 1. Weltkrieg ausbrach, machte er sich wie viele Deutsche sofort auf den Weg nach Tsingtau. Dort meldete er sich als Kriegsfreiwilliger.

Die Unteroffiziere in der Festung Tsingtau schliffen die Kriegsfreiwilligen tüchtig, so dass sich Victor sehr bald "auf Vorposten" meldete. Das war ein mit wenigen Soldaten besetzter Bunker, ein Blockhaus an der Küste unter einem Erdnussfeld. Die Japaner beschossen den Bunker zunächst vom Chinesischen Meer aus. Als die Japaner den Posten nach erbittertem Widerstand erobert hatten, wunderten sie sich, wie wenige Soldaten einen solchen Widerstand leisten konnten.


Das Foto zeigt Victor John in seiner Heimatstadt Heilbronn einige Zeit bevor er von dort aus nach Hongkong ging.



Diese Fotokarte der Besatzung des Schulschiffs SMS Hertha hat Lothar John an seinen Bruder Victor nach Hongkong geschickt. Lothar steht in der oberen Reihe als dritter von rechts. Leider war die Karte in ein Fotoalbum eingeklebt und ließ sich nicht unbeschädigt heraustrennen. Lothar John kam mit seiner Truppe Anfang 1915 an die Flandrische Küste, wo ihn am 18. Oktober 1917 als Oberleutnant und Batterieführer eine feindliche Granate bei Westende-Bad tödlich traf.

So weit für heute.
Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 03.03.2019 14:12:26 Gelesen: 7114# 217 @  
Hallo zusammen,

Victor John wurde nach der Gefangennahme nach Japan gebracht. Er kam zunächst nach Matsuyama, einem kleinen engen Lager, wo es ihnen nicht gut ging. In der damals 38.000 Einwohner zählenden Stadt Matsuyama befanden sich drei getrennte Lager mit zusammen ca. 400 Insassen. Sie wurden am 12.11.1914 eröffnet. Die Gefangenen bekamen die Nummern ab 2766. In welchem der drei Lager Victor John war, ist mir nicht bekannt. Er hatte die Gefangenen Nr. 2940.



Die Postkarte trägt oben rechts den kleinen roten Namensstempel „Motomiya“. Mit diesem Stempel übernimmt der Zensurbeamte die Verantwortung für deren unverfänglichen Inhalt. Auf der rechten Seite sind nebeneinander zwei orange Stempel abgeschlagen. Der Ellipsenstempel (links) ist ein Zensurstempel, der rechte Stempel bedeutet Kriegsgefangenenpost. Solche Einzelstempel gab es in allen schon 1914 gegründeten Lagern. Zusätzlich ist auf der Karte ein roter Stempel „Service des prisonniers de guerre“. Diesen Stempel erhielten fast alle ausgehenden Postsachen, soweit es keine amtlichen Vordrucke waren. Das handschriftliche Zeichen links von der Anschrift bedeutet Deutschland.
Victor John hat diese japanische Ansichtskarte an seine Schwester Anne-Marie John in Berlin geschickt.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 16.03.2019 10:02:47 Gelesen: 6013# 218 @  
Hallo zusammen,

der orange Namensstempel in der Mitte ist diesmal kaum zu erkennen. Ab August 1915 wurden die bis dahin gebräuchlichen handschriftlichen Postleitvermerke von einer Menge verschiedener Postleitstempel abgelöst. Der violette Rechteckstempel bedeutet „Deutschland“.





Der Ortsstempel aus Matsuyama (松山) trägt das Datum 4.12.5. Das Datum ist von rechts nach links zu lesen. Der Stempel zeigt die Jahreszahl "4" nach dem Gengō-System. In diesem Fall entspricht die 4 dem 4-ten Jahr der Taisho –Zeit (Tenno Yoshihito). Man muss zu der japanischen Jahreszahl 1911 Jahre addieren. Der Stempel kommt also aus dem Jahr 1915. Tag und Monat stimmen immer mit unserem Kalender überein.

Unten ist die Uhrzeitangabe 后 2 – 4. Das Zeichen 后 steht für nachmittags.

Viele Grüße
Volkmar
 
fogerty Am: 17.03.2019 18:16:18 Gelesen: 5975# 219 @  
Hoffe mal,ich bin hier richtig mit dieser Karte. Ich habe diesen Beleg im Nachlaß der vor einem Monat im Alter von 99 Jahren verstorbenen Tante meiner Frau gefunden. Tante Hilde lebte damals, 1942, in Marling bei Meran. Ihr jüngerer Bruder Luis besuchte in diesen Jahren, so wie ca 600 weitere Jungens aus Südtirol die Reichsschule für Volksdeutsche in Rouffach im Elsass. Der Absender dieser Karte ist mir leider unbekannt. Wäre dankbar, wenn mich jemand aufklären könnte über die damaligen Bestimmumgen im Postwesen, anscheinend war ein Versand von Ansichtskarten ins Ausland nicht zulässig. Seltsam hier allerdings, wenn man weiß, dass damals ja Deutschland und Italien noch Verbündete waren.



Grüße
Ivo
 
volkimal Am: 01.04.2019 15:02:08 Gelesen: 5145# 220 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit den Karten von Victor John aus japanischer Kriegsgefangenschaft:

Dieses ist die einzige erhaltene Foto-Ansichtskarte von Victor John. Er steht links und ist durch ein Kreuz gekennzeichnet. Die beiden Männer mit der Armbinde „G“ gehören zum japanischen Personal im Lager Matsuyama. Die Karte geht an Herrn Binder, den Chef von Victor John in Hongkong.



Das violette Dienstsiegel unter dem Ortsstempel aus Matsuyama ist leider kaum zu erkennen. Da die Postkarte nach Shanghai ging, trägt sie den Postleitstempel „China“.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.04.2019 18:24:52 Gelesen: 4259# 221 @  
Hallo zusammen,

am 09.04.1917 wurde das Lager Matsuyama aufgelöst. Die Gefangenen wurden in das große Lager Bando überführt. Victor John hatte damit Glück, denn in Bando war ein großes Lager, das auch neutralen Kommissionen vorgeführt wurde. Da die Firmen ihre Angestellten unterstützten, hatten diese auch Geld und konnten ihren Neigungen nachgehen. Manche legten Gärten an, andere kochten und luden ihre Freunde ein, Victor trieb Sprachen, manche machten Musik oder malten. Ich las einmal einen Artikel, wie Beethoven nach Japan gekommen ist. Da wurden die Konzerte in Bando aufgeführt. Obwohl es verboten war, gingen einige Gefangene im Meer schwimmen. Wenn sie erwischt wurden, kamen sie dafür einige Tage in den Bau. Im Lager hieß das immer "Er ist in den Süden verreist'. Aber bei allem hatten sie nicht die Freiheit und sehnten sich nach Hause. Nur wenige Karten waren erlaubt.



Neben dem Poststempel vom 02.02.1918 trägt diese Karte ein großes rotes Siegel (Ellipse) und den roten Leitstempel „Deutschland“ (rechts) der ursprünglich im Lager Tokushima eingesetzt wurde. Nach der Ankunft in Deutschland durchlief die Karte auch noch die Postüberwachungsstelle in Cöln-Deutz.

Berühmt wurde Bando durch zwei überaus leistungsfähige Lagerdruckereien, die Zeitungen, Bücher, Postkarten, Programme, die Lagerpostmarken, das Lagergeld und später die Bordzeitung auf dem Heimkehrerschiff „Hofuku Maru“ herstellte. Auch alle fünf Postkarten aus Bando, die ich hier zeigen kann stammen aus der Lagerdruckerei. Insgesamt gibt es aus den Lagerdruckereien in Bando 65 verschiedene Bild- und 10 Fotopostkarten.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 30.04.2019 14:39:55 Gelesen: 3043# 222 @  
Hallo zusammen,

vom 8. bis 18. März 1918 fand eine Ausstellung „Bildkunst und Handwerk“ im Lager Bando statt. Die Ausstellungsobjekte fanden bei den über 10.000 japanischen Besuchern reißenden Absatz.



Hierbei gelangten 7 verschiedene, in den Lagerdruckereien hergestellte farbige Bildpostkarten und ferner 6 verschiedene Fotopostkarten mit Festtagsstempel der Ausstellung zur Ausgabe. Dieses ist eine der Postkarten. Der Festtagsstempel (oben links) ist leider nicht sehr gut zu erkennen.



Die zweite Karte wurde bei Philasearch angeboten.

Viele Grüße
Volkmar
 
Wesi Am: 01.05.2019 23:36:12 Gelesen: 2952# 223 @  
Hallo,

Anfang dieses Jahres fand ich in dem Bestand eines anderen Sammlers, der sein ganzes Haus von unten bis oben voller Kisten mit Gewinnspielkarten hat, eine Postkarte abgesendet von meiner Oma 1984 an Auf Los gehts Los.

Ein großer Zufall, denn meine Großmutter hat selber nicht oft bei solchen Gewinnspielen teilgenommen und angesichts der Menge an eingehender Post bei Auf Los gehts Los, kommt die Wahrscheinlichkeit diese Postkarte zu finden einem Lotto Gewinn nahe.



Viele Grüße
Moritz
 
volkimal Am: 14.05.2019 15:15:54 Gelesen: 2274# 224 @  
@ Wesi [#223]

Hallo Moritz,

gratuliere! Da hast Du wirklich Glück gehabt.

Bei mir geht es weiter mit Victor John im Lager Bando (Japan):



Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges am 11.11.1918 mussten die Gefangenen das Weihnachtsfest 1918 weiterhin im Lager verbringen. Auch diese schöne Weihnachtskarte stammt aus der Steindruckerei im Lager Bando. Neben dem großen Siegel und dem Leitstempel trägt diese Karte an Victors Schwester den britischen oder amerikanischen Zensurstempel „P.C.“ im Kreis.



Für das Lager war das Postamt in Tokushima-Bando (徳島-坂東) zuständig. Die Zeichen sind im Stempel von rechts nach links zu lesen. Unten ist die Uhrzeitangabe 后 0 – 3. Das Zeichen 后 steht für nachmittags.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 26.05.2019 11:55:13 Gelesen: 1459# 225 @  
Hallo zusammen,

am 14.02.1919 schickte Victor John diesen Ostergruß an seine Schwester in Berlin.



Man sieht, dass ein Paket mit Ostereiern zerbrochen ist und die Ratten sich über den Inhalt hermachen. Einer der deutschen Gefangenen zeigt das Malheur dem japanischen Bewacher – erkennbar an der Armbinde.



Am selben Tag gab Victor auch noch eine Karte an seine Eltern auf - der Vater hieß ebenfalls Victor. Wie man an dem Motiv der Postkarte sieht, sitzen die Insassen des Lagers auf den gepackten Koffern und warten nur darauf entlassen zu werden.

Es hat aber noch 5 ½ Monate gedauert, bis das Schiff mit 944 Heimkehrern am 30.07.1919 von Kobe aus in See stach. Während der Fahrt gab die mitgereiste Druckerei 6 Bordzeitungen heraus. Am 24. Februar traf die Hofuku Maru (= Reichtum und Glück) schließlich in Wilhelmshaven ein.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 04.06.2019 13:18:46 Gelesen: 733# 226 @  
Hallo zusammen,

es folgen noch ein paar nichtphilatelistische Erinnerungsstücke an Victor John:



Am 26. Februar 1920 wird Victor John in Wilhelmshaven aus dem Militärdienst entlassen. Am 4. März meldet er sich in Berlin. Vom Hilfsausschuss für die Kriegsgefangenenheimkehrer erhält er am 23. März 300 Mark bar ausgezahlt. Schließlich heißt es am 3. April aus Berlin-Schöneberg „Anmeldung hat erfolgt“.



Am 16. September 1920 wird dem Seesoldaten im III Seebataillon in Tsingtau Victor John schließlich noch das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

Trude John erzählte weiter:

Bald war Victor in Berlin bei den Seinen; das ganze Haus in der Innsbruckerstraße hatte geflaggt. Unterwegs predigte Victor John seinen Kameraden immer: Die deutschen Mädels gefallen uns bestimmt sehr gut - fallt bloß nicht auf die erste Beste rein. Dennoch war Victor der erste der Heimkehrer, der verlobt war.

14 Tage nach der Rückkehr von Victor John heiratete in Berlin meine Cousine Anneliese John, eine der 4 bildhübschen Töchter des Malers Eugen John, der die jüngste Schwester meines Vaters zur Frau hatte. (Ein paar Generationen vorher hatte es schon einmal eine Hochzeit Stein/John gegeben.) Der Polterabend wurde groß am Sonnabend, den 18.3.20, in der geräumigen Atelierwohnung meines Onkels gefeiert. Jeder musste etwas zu Essen mitbringen, denn Lebensmittel gab es noch nicht ausreichend. Aber wir waren glücklich, dass der Krieg beendet war und feierten fröhlich. Ich war mit meiner Mutter dabei (mein Vater war verreist) und Victor mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern.

Die Hochzeit fand am Montag, den 20.3. statt, in kleinerem Kreise. Dazu war ich eingeladen, Victor und ein paar Freunde und Verwandte. Aber o Schreck! Am 20.3. fand der Kapp-Putsch statt, und nach Berlin fuhren keine Züge. Ich war verzweifelt, zu gerne wollte ich doch die Hochzeit mitfeiern. Da kam mir der rettende Gedanke: Mein kürzlich neubereiftes Fahrrad. Schließlich willigte meine Mutter ein, und ich radelte in Begleitung eines Angestellten von uns hurtig nach Berlin und kam sogar noch rechtzeitig zu der Haustrauung.

Noch auf der Hochzeit haben wir uns verlobt. (22 Wochen nach der Rückkehr Victors aus der Gefangenschaft bzw. 3 Tage nachdem wir uns kennengelernt hatten.) Wir haben eine so harmonische und glückliche Ehe in guten und in schweren Zeiten geführt, dass ich meinem Schicksal nur dankbar sein kann.




Nach der Hochzeit hat Victor John für seine Frau ein Album zusammengestellt: „Erinnerungen an unsere Hochzeitsfeier am 16. Oktober 1920“. Es ist unwahrscheinlich sauber geschrieben und zum Teil farbig illustriert. Victor und Trude John hatten zwei Kinder. 1921 kam die Tochter Ingeborg, genannt Inge, zur Welt, Drei Jahre später folgte der Sohn Lothar.

Soweit die Geschichte von Victor John.

Viele Grüße
Volkmar
 

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