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Thema: Von Nachprüfungen und Schnäppchenjägern
Egi-Berlin Am: 23.11.2007 12:37:45 Gelesen: 8554# 1 @  
Liebe Sammler, Händler und Schnäppchenjäger,

Diesen Brief versende ich derzeit an diverse Ebaykunden in Sachen Nachprüfungen.

In Zukunft werde ich die Bedingungen ändern.

Diese ganze Prüferei ist aus dem Ruder gelaufen. Ich habe Aufdruckwerte zurückbekommen, die bereits von 2 Prüfern als echt geprüft waren, der Dritte meint nun, sie seien falsch. Gleiches passiert bei Stempeln. Das bedeutet im Klartext nichts anderes als das ältere Prüfungen grundsätzlich offensichtlich nichts taugen, dafür aber viel Geld bezahlt wurde. Wenn ich aber die heutigen Gebaren der Prüfer sehe, die meinen, dass ein Aufdruck sich in 30 oder 40 Jahren demnach verändert haben muss, kann ich einige Prüfungen von heute auch nicht mehr nachvollziehen.

Von einigen Prüfern erhalte ich handgeschriebene Rechnungen mit derart zittriger Schrift, dass ich die Fähigkeit dieser Prüfer schlicht anzweifeln muss. Wer nicht in der Lage ist einen Kugelschreiber zu halten, kann meines Erachtens keine Marken prüfen. Andere Prüfer sind am Telefon derart borniert, dass ich auch da meine Zweifel habe, ob hier immer wertfrei geprüft wird.

Noch ein Beispiel: Marken werden als "nicht prüfbar" abgelehnt, 8 Wochen später tauchen diese bei Ebay eben von diesem Prüfer geprüft wieder auf, nachdem sie als nicht prüfbar für kleines Geld verkauft wurden. Die Liste läßt sich beliebig fortsetzen.

Erschwerend kommt nun hinzu, dass für die meisten deutschen Marken, bereits doppelt geprüft, noch zwischen 10 und 20% vom Katalog gezahlt wird, teilweise sogar darunter. Jede „Gurke“ von 10 Michel-Euro wird dann noch zum dritten mal zum prüfen geschickt. Andere mit offensichtlichen Mängeln ebenfalls. Das kann sich nicht mehr rechnen. Unter diesen Bedingungen kann niemand mehr gute Ware anbieten, nur noch falsches, in der Hoffnung, dass der Käufer das nicht merkt.

Andere haben sich die Taktik zugelegt billig Marken zu ersteigern, die sie für echt halten, diese dann mit dem Hinweis aufs Rückgaberecht prüfen zu lassen, zahlen aber grundsätzlich nicht mehr als 5% Michel.

Ist die Marke falsch, wird sie zurückgegeben, ist sie echt, hat man einen Fisch gezogen - z.B. bei Altdeutschland.

Ich werde das in Zukunft wie folgt regeln: Geprüfte Marken werden von mir in dem Zustand angeboten, wie ich sie erhalten habe. Die Marken werden von vorn und hinten in Übergröße abgebildet. Ich traue ziemlich jedem Sammler zu selbst zu entscheiden, was er von den Prüfzeichen und der Marke selbst zu halten hat. Eine Rückgabe innerhalb eines Monats kann jederzeit in dem Zustand erfolgen, wie die Marke versandt wurde. Risiken einer Nachprüfung übernehme ich nur noch bei einem Warenwert über 50 Euro, bzw. bei einem Kaufpreis 25% des Michelwertes.

Beispiel: Inflamarke doppelt geprüft Infla Berlin, Peschl - Mi 400 Euro - Nachprüfgarantie zu meinen Lasten ab Kaufpreis 100 Euro.

Beispiel: Bayern Quadratkreuzer, geprüft Pfenniger - Mi 120 Euro - Kaufpreis 18 Euro - bei mir keine Kostenübernahme für Nachprüfungen.

Marken welche ich als postfrisch einstelle, wie z.B. Ihre 72/73, sind nach meiner Überzeugung auch postfrisch. Zähnungen und Stempel sind klar erkennbar. In solchen Fällen werde ich Prüfungen nur übernehmen, wenn der Kaufpreis 20% des Michelwertes erreicht hat. Darunter geht das, für meine Begriffe geringe Restrisiko, an den Käufer des Schnäppchens.

Da die Firma Schlegel jetzt mehr mit Auktionen als Prüfungen beschäftigt ist (auch hier sehe ich einen erheblichen Interessenkonflikt) ist von Prüfungen von Marken unter 100 Euro Katalogwert ohnehin abzuraten. Die Laufzeiten liegen im Extremfall bei 6 Monaten.

Ich denke, dass die ganzen Praktiken, angefangen von der Nichtakzeptanz Deutscher Sammler von Falzmarken (was zu der leidlichen Flut von "Neugummiware" führt) bis zu den Massen verfälschter Marken und Prüfstempel das Sammelgebiet Deutschland weiter in den Keller treiben wird. Mit der derzeitigen Praxis tut sich niemand ein Gefallen. Händler, speziell im Ebay, haben unter den derzeitigen Bedingungen und Preisniveau kaum eine Chance. Bei Ankäufen gilt man dann aber als Betrüger, wenn man unter "30% Michel" zahlen will.

Ich hoffe, ich habe ihnen die Problematik etwas nahe gebracht.

Gruß aus Berlin
Gunther
BBA-Auktionshaus
 
AfriKiwi Am: 24.11.2007 07:01:22 Gelesen: 8535# 2 @  
@ BBA-Berlin [#1]

Hallo Gunther,

>>Diesen Brief versende ich derzeit an diverse Ebaykunden in Sachen Nachprüfungen.<<

Warum nur Ebaykunden ? Ich fand Deinen Beitrag sehr interessant und schiebe ihn wieder mal hoch.

Erich
 
Egi-Berlin Am: 26.11.2007 14:23:47 Gelesen: 8509# 3 @  
Hallo Erich,

na sicher geht das auch alle anderen an. Ich hatte halt aktuell diverse Anfragen bezüglich der Nachprüfungen. Ich weiß auch nicht, ob es Sinn macht, Marken mit 50 Euro Katalogwert, erstanden für siebeneurofuffzig zum Prüfer zu schicken, zumal wenn sie schon doppelt geprüft sind. Aktuell schrieb mir ein Sammler, er halte alle angebotenen Werte für ??? - auch die Prüfungen. Sage mir mal einer, wo das hinführen soll.

Ich denke, das Thema muss mal wirklich wieder an die große Glocke.

Zur Marke 92IIc - gepr. Jäschke-Infla - alles falsch oder was?

Gruss Gunther
BBA


 
AfriKiwi Am: 26.11.2007 23:22:24 Gelesen: 8492# 4 @  
@ BBA-Berlin [#3]

Hallo Gunther,

>>Ich weiß auch nicht, ob es Sinn macht, Marken mit 50 Euro Katalogwert, erstanden für siebeneurofuffzig zum Prüfer zu schicken, zumal wenn sie schon doppelt geprüft sind.<<

Wenn ich es auch richtig verstanden habe in anderen Foren, können Farben schwanken mit Zeit wegen diesem und jenem. Nun werden alte Atteste dadurch auch 'ungültig' und dann kommen auch davon Fälschungen vor - ein Labyrinth.

Ich kann mir schon vorstellen daß ein Händler solche alten Atteste von gerade diesem Gebiet gar nicht beachtet wenn es zum Ankauf kommt. Der Sammler hat gehofft auf seine Beweisstücke - die Atteste.

Bei altem Material wird es ja eine Sammlung Atteste nicht nur Briefmarken. Also als Laie würde ich mehrfach Atteste besorgen von generell teueren Marken wo Zweifel enstehen kann, nicht anders.

Ich denke jeder Sammler der Wert hält eines Tages wieder seine Riskantgebiete zu verkaufen, muß sich halt erneut informieren und neue Atteste bekommen. Unglücklicherweise sind es auch die Erben die Atteste Händlern vorlegen und nicht gestehen für Ihr Pfund Fleisch. Warum muß man ein VW Preis nehmen für ein Mercedes wenn ich Unterlagen habe ?

>>Aktuell schrieb mir ein Sammler, er halte alle angebotenen Werte für ??? - auch die Prüfungen.<<

Genau wird der Verkäufer hoffen seinen Preis zu bekommen, aber in der Tat genauer was der dritte Händler ihm anbietet.

Erich
 
Mophila Am: 28.11.2007 17:02:09 Gelesen: 8476# 5 @  
Hallo BBA Berlin,

<<"Diese ganze Prüferei ist aus dem Ruder gelaufen. Ich habe Aufdruckwerte zurückbekommen, die bereits von 2 Prüfern als echt geprüft waren, der Dritte meint nun, sie seien falsch.">>

Hierzu möchte ich anmerken, dass ich mir vorstellen kann, dass es durchaus möglich ist, dass ältere Prüfungen eine Fälschung nicht erkennen konnten. Der neue Prüfer hat nun bessere Möglichkeiten die Marke zu untersuchen und kann die Fälschung oder Teilfälschung erkennen. Ich denke, dass das aber die Ausnahme ist. Oder passiert Ihnen das öfter?


<<"Von einigen Prüfern erhalte ich handgeschriebene Rechnungen mit derart zittriger Schrift, dass ich die Fähigkeit dieser Prüfer schlicht anzweifeln muss. Wer nicht in der Lage ist einen Kugelschreiber zu halten, kann meines Erachtens keine Marken prüfen.">>

Ich denke, dass man diesbezüglich nicht die Kompetenz des Prüfers anzweifeln kann. Wenn jemand eine krackelige Handschrift hat und eventuell seine Schreiben nicht modern per Computer und Drucker fertigt oder eventuell unsaubere Schreiben hat, dann kann er trotzdem eine hohe philatelistische Kompetenz beim Prüfen von Briefmarken haben.

Mit besten Sammlergrüßen
Achim
 
22028 Am: 28.11.2007 17:38:32 Gelesen: 8473# 6 @  
Wer einmal einen handgeschriebenen Brief des leider verstorbene Bundesprüfer für Tibet, Kurt H. Dahke in den Händen hielt könnte auch annehmen dass der Mann nicht in der Lage sein würde was fachgerecht zu prüfen. Er war aber sehr kompetent. Wenn ich meine Handschrift einem Graphologen vorlegen würde dann würde sicher sich dieser auch am Kopf kratzen.

Im Ernst, aus der Handschrift die Kompetenz herauszulesen halte ich für sehr weit hergeholt.
 
ugak Am: 28.11.2007 18:08:59 Gelesen: 8469# 7 @  
Nun mal die Meinung eines Neuen hier. Das ganze Prüf(un)wesen hat natürlich überhand genommen. Der Wert einer Marke steckt ja zunehmend in den Prüfkosten. Und wenn die Prüfer genug geprüft haben, steigen sie halt noch ins Auktionsgeschäft ein.

Also die Konsequenz: "moderne" hochwertige, nicht fälschungsgefährdete Ausgaben, Motive und Länder sammeln. Mache ich seit ca 15 Jahren so und habe und werde keinen Experten sponsern. Dafür kann ich mir Kataloge, Literatur, Neuheiten für ausländische Tauschpartner usw. leisten.

Sammlergrüße, Bernd
 
AfriKiwi Am: 29.11.2007 00:19:29 Gelesen: 8451# 8 @  
>> Das ganze Prüf(un)wesen hat natürlich überhand genommen. Der Wert einer Marke steckt ja zunehmend in den Prüfkosten. Und wenn die Prüfer genug geprüft haben, steigen sie halt noch ins Auktionsgeschäft ein.<<

Das eine folgt ja auf das andere.

Was ich wohl bemerke daß andere die sich mit Ihrer Sammlung bemühen auch die Einsicht haben sich mit Literatur usw. zu bewaffnen. So wie ich es auch feststelle, Sammler schon länger dran auf Ihren Gebiet.

Es ist kein Wunder daß es auch anders denkende gibt über 'Prüfen' und was soll der Einsteiger machen wenn er im Michel gewarnt wird Marken 'über € ?' prüfen zu lassen usw., usw.

Das 'Auktiongeschäft' wird sich auch regulieren wie ein Auktionshaus, denn nur mit hochwertigem Material ist dort der Handel möglich. Siehe es so, es kann auch als Barriere gegen Fälschungen dienen.

Viel liest man Vorschläge von Sammlern an Neulinge - 'verkaufe auf ebay' und dann sieht man Kommentare weil es einer als 'falsch' erkennt. Wird dann weiter verkauft und es fängt wieder von vorne an, statt die Marke oder der Beleg einmal und für immer als Falsch gekennzeichnet wird.

Sicher ist es so daß wenn man eine Sammlung gerade 'geerbt' und ernst ist es weiter zu führen eine Antwort via Foren nicht immer überzeugend ist und daher ist Erfahrung viel mehr Wert. Der Nichtsammler-Erbe ist interessiert um es in einige Euros umzusetzen und es aus dem Weg zu räumen dann ist ebay sicher auch gut für Schnäppchenjäger.

Erich
 
Mophila Am: 29.11.2007 07:56:06 Gelesen: 8445# 9 @  
@ BBA - Berlin

"<<Da die Firma Schlegel jetzt mehr mit Auktionen als Prüfungen beschäftigt ist (auch hier sehe ich einen erheblichen Interessenkonflikt)">>

Dieses sehe ich ähnlich. Sicherlich geht alles mit rechten Dingen zu. Aber einen säuerlichen Beigeschmack hat das schon, wenn ein Prüfer ins Auktionsgeschäft einsteigt. Zum Beispiel hat er einen Vorteil durch seinen guten Namen, den er sich als Prüfer gemacht hat. Zudem fragt man sich, ob nicht einige Marken noch schnell vor der Auktion geprüft werden. Und wer trägt dann die Prüfkosten?

Achim
 
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