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Thema: Preisverfall bei Briefmarken ?
Das Thema hat 85 Beiträge:
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Christoph 1 Am: 05.12.2020 00:02:45 Gelesen: 10039# 61 @  
@ TeeKay [#60]

Gibts überhaupt ein Beispiel für Material, das vor 40 (oder beliebiger anderer Zeitraum) Jahren als minderwertig galt und heute wertvoll ist?

Nun ja, es kommt halt darauf an, was Du als wertvoll bezeichnest. Es gibt beispielsweise inzwischen eine recht rührige Gruppe von Sammlern, die sich für Handrollstempel interessieren. Gab es die vor 40 Jahren? Nein, im Gegenteil. Diese wurden als "Müll" disqualifiziert. Heute gilt hingegen: Je "profaner" desto seltener. Da werden durchaus auch Preise aufgerufen, die man sich vor Jahrzehnten nicht hätte träumen lassen. Ein weiteres Beispiel sind die millionenfach durch Abweichen von Massenware zerstörten Belege, teilweise mit seltenen Verwendungsformen, Portostufen und Destinationen. Damals ging es eben "nur" um die abgelöste Briefmarke im Album, ganze Belege wollte niemand sammeln. Heute genau umgekehrt. Insofern ist Dein etwas despektierlicher Kommentar hier aus meiner Sicht fehl am Platz.

Viele Grüße
Christoph
 
TeeKay Am: 05.12.2020 00:49:02 Gelesen: 10026# 62 @  
Wenn das niemand sammeln wollte, gäbe es die Belege heute nicht. Und wenn das niemand gesammelt hätte, gäbe es jetzt auch nicht ganz offensichtlich gemachte Belege mit z.B. HAN, während die Masse der Sammler die HAN vordruckalbengerecht abtrennte. Es gab also schon damals Sammler, denen durchaus bewusst war, dass das nicht Schrott ist. Was vor 40 Jahren Schrott war, ist auch heute noch Schrott und wird immer Schrott bleiben. Zu besichtigen auf jeder Auktion in den Kisten, die zu Spottpreisen verkauft werden und auch schon vor 40 Jahren zu Spottpreisen verkauft wurden. Gibt es übrigens auch in Belegeform - 2.000 Briefe für 40 Euro.

Es hat nichts mit Sammeln zu tun, sich jede Mistmarke ins Album zu stecken in der Hoffnung, dass irgendwann mal jemand vorbeikommen könnte, der sich mit blutenden Augen durch den Schrott wühlt und dann auf einmal die eine ultraselten kreuzgezähnte Wasserzeichenabart mit ultrabläulichrotgrünockertürkis-Fehlfarbe findet, die er dann natürlich mit Freuden für 5.000 Euro abkauft. Solche Tauschalben und Auktionsangebote sind eine Beleidigung für jeden potenziellen Interessenten und reine Zeitverschwendung für alle Parteien. Aber wenn die Marke einmal im Album steckte, dann wird sie auch für Generationen in immer neuen Wunderrestposten weitergereicht. Diejenigen, die dem Schrott endlich ein würdiges Ableben ermöglichen, verdienen eine Auszeichnung.
 
Christoph 1 Am: 05.12.2020 01:43:16 Gelesen: 10019# 63 @  
@ TeeKay [#62]

Durch die inflationäre Verwendung des Wortes "Schrott", garniert mit weiteren abwertenden Begriffen wie "Mistmarke" und "Zeitverschwendung" wird Deine Meinung für mich nicht wichtiger oder richtiger. ;-) Im Gegenteil! Du entlarvst Dich damit ja geradezu selbst.

Was ich damit sagen möchte: Der in Beitrag [#57] begonnene und von Dir nun fortgesetzte latent aggressive, krawallige Unterton und die Abwertung vermeintlicher "Massenware" sind hier in meinem Augen völlig deplatziert. Bleibt doch bitte sachlich.

Als EIN Beispiel, wie aus vermeintlichem "Schrott" richtige Raritäten werden können, weise ich auf das Thema "Handrollstempel" hier im Forum der Philaseiten hin. Zum Beispiel auf den Beitrag [1] (aber auch viele weitere in dem genannten Thema). Würdest Du eine solche Rarität in einer Kiste voller "Schrott" überhaupt nur ansatzweise erkennen? Nein, ist doch eh alles nur Schrott. Nun gut, OK.

Christoph

[1] https://www.philaseiten.de/beitrag/205415
 
bovi11 Am: 05.12.2020 08:17:49 Gelesen: 9978# 64 @  
@ TeeKay [#60]

"Gibts überhaupt ein Beispiel für Material, das vor 40 (oder beliebiger anderer Zeitraum) Jahren als minderwertig galt und heute wertvoll ist?"

Natürlich:

Notopfer- und Wohnungsbaumarken und entsprechende Belege sind so ein Beispiel.

Die haben beispielsweise an dem Boom der 1960er Jahre überhaupt nicht teilgenommen. Heute erzielen einzelne Marken und Belege Preise, für die man mehrfach komplette Bund- oder Berlinsammlungen erwerben kann. Ich habe einiges davon und trotz Aufträgen an den Kommissionär, die ein Mehrfaches der Katalog- bzw. Handbuchpreise betrugen, habe ich einige Sachen nicht bekommen.

Notopfer- und Wohnungsbaumarken waren auch nie Spekulationsobjekte, wie dies beispielsweise bei Bund und Berlinmarken der Fall war.

Gerade fällt mir noch ein: China-Marken wollte in den 1960er Jahren - anders als heute - niemand haben.
 
uli Am: 05.12.2020 11:04:04 Gelesen: 9928# 65 @  
@ TeeKay [#62]

"Es hat nichts mit Sammeln zu tun, sich jede Mistmarke ins Album zu stecken in der Hoffnung, dass irgendwann mal jemand vorbeikommen könnte, der sich mit blutenden Augen durch den Schrott wühlt und dann auf einmal die eine ultraselten kreuzgezähnte Wasserzeichenabart mit ultrabläulichrotgrünockertürkis-Fehlfarbe findet, die er dann natürlich mit Freuden für 5000 Euro abkauft. "

Volle Zustimmung. Auch ich halte aus Sicht eines potenziellen Verkäufers überhaupt nichts davon, wenn sich jemand 20mal und mehr dieselbe Marke mit Viertelstempel ins Album steckt und gleichzeitig seine "Sammlung" reich rechnet. Auch ich bin verwundert, wie oft "hochwertige Sammlungen" mit schon auf kleinen Fotos sichtbaren Fehlern für exorbitante Preise angeboten werden. Auch ich entsorge eindeutig beschädigte Marken, die ich zigfach habe / haben könnte.

"Solche Tauschalben und Auktionsangebote sind eine Beleidigung für jeden potenziellen Interessenten und reine Zeitverschwendung für alle Parteien. Aber wenn die Marke einmal im Album steckte, dann wird sie auch für Generationen in immer neuen Wunderrestposten weitergereicht. Diejenigen, die dem Schrott endlich ein würdiges Ableben ermöglichen, verdienen eine Auszeichnung."

Und das versteh ich überhaupt nicht. Was hat das mit dem Satz zuvor zu tun? Ich - ein potenzieller Käufer - gehöre zu denen, die mit Freuden Dublettenalben, Tütenposten und ähnliches durchsuchen. Natürlich nicht für 5000 Euro, sondern für einen für mich akzeptablen Preis. Was ist schlimm daran, dass ein 60seitiges, gut gefülltes Bund-Dublettenalben für 20 Euro den Besitzer wechselt? Ich habe dieses Jahr in einem Tütenposten für 15 Euro neben ein paar für mich interessanten Stücken drei Marken gefunden, für die ich einen Interessten kannte und die ich so gegen Marken für fast 100 Euro (nach Michel-Notierung) eintauschen konnte. Ich würde mich nicht wundern, wenn du diesen Tütenposten als Markendreck bezeichnet hättest.

Ich möchte nicht wissen, wie viele Marken mit Plattenfehlern entsorgt werden / wurden, nur weil der Stempel nicht so toll war. Es gibt Marken aus Dauerserien der 1970er-Jahre, die mit lesbarem Düsseldorf-Stempel schwieriger zu finden sind, als Höchstwerte aus der Serie Helfer der Menschheit. Die Liste mit Beispielen kann man beliebig weiterführen, wenn es um gestempelte Marken, (höchstwahrscheinlich) echt gelaufene Stücke und bestimmte Verwendungsformen geht. Deshalb habe ich ein Problem damit, wenn sog. "Massenware" und nach heutigen Maßstäben minderwertige Stücke pauschal als Abfall bezeichnet werden und deren Entsorgung propagiert wird.

Übertriebene Preisvorstellungen sind übrigens kein Philatelie-spezielles Problem, sondern finden sich überall. Auch mir ist nicht egal wieviel ich für einen Kauf ausgebe - der Wert meiner Sammlung ist mir aber völlig egal. Und mit dem Thema "Preisverfall" hat das alles nach meiner Meinung so gut wie nichts zu tun.

Gruß
Uli
 
Lars Boettger Am: 05.12.2020 13:09:35 Gelesen: 9879# 66 @  
@ uli [#65]

Was ist schlimm daran, dass ein 60seitiges, gut gefülltes Bund-Dublettenalben für 20 Euro den Besitzer wechselt? Ich habe dieses Jahr in einem Tütenposten für 15 Euro neben ein paar für mich interessanten Stücken drei Marken gefunden, für die ich einen Interessten kannte und die ich so gegen Marken für fast 100 Euro (nach Michel-Notierung) eintauschen konnte.

Ich kann das von Uli gesagte nur unterstreichen. Dublettenposten können (nicht müssen!) ein Eldorado für Stempel- und Plattenfehlersammler sein. Natürlich möchte man als Stempelsammler gut erhaltene Marken vorfinden, aber ich lasse keinen seltenen Stempel liegen, nur weil der Marke ein Zahn fehlt.

Wenn wir schon bei dem Thema "Briefmarkenmüll" sind - ich darf TeeKay [#62] daran erinnern, dass viele der modernen Bund-Raritäten (sog. "Gscheidle"-Marke) in Kiloware entdeckt wurden. Wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, dann gibt es viele Beispiele, wo Briefe und Briefmarken aus Altpapierbeständen gerettet wurden (Hawaii-Missionare: Dawson-Brief [mit angekokeltem Rand links], der schon im Ofen lag).



Wenn ein sachkundiger und erfahrener Sammler große Bestände an Marken durchsieht, dann findet er oft kleine und große Raritäten - je nachdem wieviel Zeit er investiert. Die andere Seite sehen wir im Forum fast jeden Tag: Eine Allerweltsmarke wird gezeigt und man hofft, dass es die große Zähnungs- oder Wasserzeichen- oder Papierrarität ist. Wenn man sehr verwegen ist, stellt man die Marke gleich als teuerste Variante bei Ebay ein (nur 10% vom Katalogwert!!!) und hofft auf einen Käufer. Und wir sind wieder bei dem Diskussionspunkt, dass viele Sammler meinen, dass man für eine gute Marke bzw. Abart kein Geld mehr ausgeben muss.

Beste Grüße!

Lars
 
nagel.d Am: 05.12.2020 13:17:07 Gelesen: 9868# 67 @  
@ uli [#65]

Da muss ich vollkommen zustimmen bei dieser Aussage.

Wie oft wurde unter vermeintlichem "Schrott" "Dreck" oder wie man es auch immer bezeichnen will Schätze gefunden nur weil sie für gewisse Sammler nicht sammlerwürdig sind.

Und derzeit hat man einfach ein Überangebot von Marken, die dazu führen, daß die Preise in den Keller purzeln, da nützt es auch nichts sich seine Sammlung nach Michel schön zu rechnen. Diese Michel-Preise sind realistisich gesehen, und das tue ich zumindest mal für meine Person, nicht zu erreichen. Und um weiter realistisch zu bleiben den errechneten Betrag nach Michel wird man, wenn man ganz dringend das Geld brauch, auch nicht erreichen, denn dann sind es nur schöne bedruckte bunte Papierschnipsel, weil es gerade mal keinen Abnehmer gibt.

Und um ehrlich zu sein habe ich in der Vergangenheit auch für Sammlungen sehr viel Geld hingelegt (Michelpreise) wo ich heute nur noch einen Bruchteil von dem zahlen müßte, aber nach Michel ein Vermögen darstellt. Verschiedene Sammlungen verfolge ich bei den einzelnen Onlinanbietern über Jahre, mit dem Ergebnis, dass diese auf Ihren Sammlungen sitzen und sie nicht losbekommen (weil sie an ihren schöngerechneten Preisvorstellungen festhalten) andere Anbieter haben dann in diesem Zeitraum bei moderaten Preisen mehrere hundert Verkäufe getätigt.
 
philaspass Am: 06.12.2020 13:24:50 Gelesen: 9758# 68 @  
Ein Hallo und einen schönen Sonntag an alle.

ich weiß nicht wer von euch schon die neuen Kataloge 2020/21 des Michel vorliegen hat. Mir liegt seit einigen Tagen der neue Russland/UdSSR vor. Dort hat man im Anhang einen wunderbaren Bericht zu den Bewertungen und Preisnotierungen eingefügt.

Man beschreibt dort ganz deutlich " Es gibt keine Festpreise im Briefmarkenhandel"

Anhand einiger Beispiele wird dort auch aufgezeigt und beschrieben wie es bei den Notierungen zu Preiserhöhungen aber auch zu Senkungen gekommen ist.
Für mich kann ich daraus resultierend nur sagen: Für den Tausch als 1:1 Basis ok, aber mit gewissen Einschränkungen. Ansonsten werde ich mich für mein Sammelgebiet verstärkt bei Auktionshäusern und Händlern im Internet informieren um günstige Angebote zu erhalten.

Noch einen schönen Sonntag wünschend
philaspass (Karl-Heinz)
 
TeeKay Am: 08.12.2020 23:33:51 Gelesen: 9584# 69 @  
@ bovi11 [#64]

" Notopfer- und Wohnungsbaumarken und entsprechende Belege sind so ein Beispiel."

Hier eine Postkarte vom 20. Februar 1949. Schon wenige Wochen nach der Erstausgabe gab es also Menschen, die durchaus spezialisiert nach Notopfermarken fragten. Das Wissen um das Besondere war also schon sehr früh vorhanden. Das spricht für mich dafür, dass der Masse der Sammler das Wissen fehlte, was zur Anhäufung von Masse (= Schrott) führte.



Mit Schrott meine ich offensichtlichen Schrott. Die angeblich postfrische Bund-Marke mit fehlendem Eckzahn oder dicken Fingerabdrücken, der gefaltete Brief mit 100 Pf Frauen, die Jahresgabe der Versandstelle - eben offensichtlichen Schrott, der von genügend Sammlern in erstaunlicher Vielfalt in erstaunlich teurem Zubehör aufbewahrt wird (letzter Sammlungskauf ergab Einkaufspreise von mehr als 200 Euro für Lindneralben, in denen besagte Jahresgaben u.ä. aufbewahrt wurden, die damals jeder Sammler in exakt der gleichen Form erhielt).

Es stimmt einfach nicht, dass man nur lang genug warten müsse, um aus einer Schrankwand voll Schrott Raritäten erwachsen zu lassen. Die simple Marktrealität ist, dass die Lebenswerke der meisten Sammler Schrott waren und bleiben. Und die gesuchten Handrollstempel und Zwangszuschlagsmarken existierten auch vor 70 Jahren nicht in rauen Mengen und wurden nur von ahnungslosen Sammlern zugunsten von Versandstellenjahresgaben aussortiert. Die waren auch schon im Jahr des Erscheinens selten, wenn sie heute einen hohen Preis erzielen.

Schon 1978 gab es übrigens einen Katalog über Handrollstempel von Böhmen/Mähren, gleich in drei Auflagen. So gering kann das Interesse an Handrollstempeln vor 40 Jahren also nicht gewesen sein. :)
 
philaspass Am: 11.03.2022 19:57:08 Gelesen: 4192# 70 @  
ein Hallo in die gesamte Runde.

Ich möchte dieses Thema wieder aufgreifen.

Gerade jetzt, bei der politischen Situation UdSSR/Ukraine stellt sich mir die Frage:

Wie wird es mit den Marken Russlands und der UdSSR weitergehen. Wird die in den letzten Jahren festzustellende Preissteigerung bei den Marken der UdSSR anhalten oder werden die Preise fallen?

Wie werden die Händler reagieren? ( siehe Thema "Delcampe")

Wie wird sich der Markt bei Auktionshäusern entwickeln?

Haben Sammler der Ausgaben von Russland/UdSSR noch eine Möglichkeit an Marken heranzukommen?

Es wird mit Sicherheit noch jede Menge weiterer Fragen geben, aber diese alle aufzulisten wäre zuviel. Mit Sicherheit wird es auch unterschiedlichste Meinungen zu diesem Thema geben. Es wäre schön diese zu erfahren.

Auch wenn ich den Tenor dieses Berichtes auf mein Sammelgebiet Russland/UdSSR gerichtet habe, will ich nicht vergessen, dass auch die Ukraine und deren Sammler in gleicher Weise betroffen sind.

Mit Gruß aus Hagen
philaspass (Karl-Heinz)
 
Briefmarkenburny62 Am: 12.03.2022 10:17:33 Gelesen: 4092# 71 @  
Vielleicht ist es richtiger zu sagen, das sich die Preise langsam der Realität anpassen. Wir haben ein schönes Hobby, welches einem auch in diesen Zeiten viel bieten kann. Letztens durfte ich bei einem in Rente gegangenen Kollegen seinen Bananenkistenkauf begutachten. 2 Kisten prallgefüllt mit Ware aus Europa. Für schlappe 400 Euro eine Riesenmenge Spaß. Viele gute postfrische Aboware der 1960ziger bis 1990ziger Jahre, inclusive Blocks. Zudem eine Berlinsammlung postfrisch mit Block 1 (das berühmte Eselsohr an der rechten oberen Seite) Zuhauf gestempelte Ware aus alle Ländern dicht gesteckt in runden 10-15 Steckalben. Auch hier war die Qualität durchweg akzeptabel. Wer also ohne die ganz großen Spitzen sammelt, hat hier durchaus die Möglichkeit recht preiswert seiner Sammelleidenschaft zu frönen. Wird sich das ändern? Ich denke nicht.

Auch in meinen Sammelgebieten muss gute Ware nicht unbedingt teuer sein, wobei wir dann aber bei der Frage angelangt sind: Was ist teuer? So leicht ist das nämlich nicht zu beantworten. Wenn zum Beispiel Vollstempel Berlin- Charlottenburg eklatant mehr einbringen, als vergleichsweise andere Vollstempel, ist so etwas eher dem Zeitgeist geschuldet? In 20 Jahren kann sich so etwas recht schnell ändern und der Sammler fährt obwohl Qualität gesammelt horrende Verluste ein.

Im allgemeinen ist ein Vollstempel alleine wegen der Komplettinformation des Stempels immer eine kluge Idee diese zu bevorzugen.

AD Oldenburg: Hier sind für Kabinettstücke durchaus mal 70-100% Michel drin, für seltene Stempel sogar ein vielfaches. Was ist da also teuer? Fallen dort die Preise? eher nicht.

Deutsches Reich im allgemeinen steht mächtig unter Preisdruck. Das wird sich auch fortsetzen. Hier kann man mit klugen Einkäufen durchaus rares Material an Land ziehen 20-30% Michel. Aber ist das billig oder teuer? Für Standardware garantiert zu teuer, aber auch Spitzenwerte kommen in diesem Bereich unter die Räder. Und da ist dann vieles dabei, was wirklich sehr selten ist und hier beginnen dann die Schnäppchen.

Grossbritannien konnte ich in den letzten Jahren wirklich viele gute Stücke erwerben. Was Stempelqualität anging war das wirklich eine recht günstige Zeit gewesen. Auch hier: Was ist billig, was ist teuer? Kaum zu beantworten. Beantworten lässt sich nur, das Sammler, welche GB von 2000 bis 2014 eingekauft haben, viel zu hohe Preise bezahlt haben, welche wohl sehr sehr lange nie wieder erreicht werden.

Zum Schluss noch ein allgemeiner Tipp: Liebhaberei sollte man sich vor hüten. Das endet in der Regel in Geld verbrennen. Briefmarkensammler wird es immer geben, nur eben nicht mehr so viele. Und für meinen Kollegen, der über Bananenkisten sammelt ist es wahrscheinlich sogar die beste Zeit seines Lebens.
 
22028 Am: 12.03.2022 11:42:40 Gelesen: 4048# 72 @  
Also von einem Preisverfall der Gebiete die ich sammle merke ich nichts.
 
Schwämmchen² Am: 12.03.2022 12:36:55 Gelesen: 4007# 73 @  
Auf den oft herbeigeredeten Preisverfall bei chinesischen Briefmarken warte ich schon seit Jahren.
 
ligneN Am: 12.03.2022 14:18:23 Gelesen: 3957# 74 @  
@ Schwämmchen² [#73]

Gewisse Händlers versuchen es in ihren Zeitungsanzeigen mit Panikmache.

Großzügig bieten sie Ankauf, bevor die Preise angeblich ins bodenlose Dunkel stürzen - wahre Menschenfreunde oder so.
 
nagel.d Am: 12.03.2022 14:33:02 Gelesen: 3948# 75 @  
Meiner Meinung nach gab es immer schon Preisschwankungen bei Ländersammlungen. Ob dies nun wie am Beispiel Rußland/Ukraine explizit mit dem dortigen "Krieg" in Verbindung gebracht wird bezweifle ich persönlich. Händler nutzen dieses Argument meines Erachtens sehr gerne.
 
dietbeck Am: 12.03.2022 17:15:24 Gelesen: 3876# 76 @  
Generell, und wirklich generell gibt es einen Preisverfall, da die Zahl der Sammler einfach zurückgeht. Das gilt mit Sicherheit für die Sammler in den meisten Länder der Welt.

Das heißt aber nicht, dass einzelne Sammelgebiete nicht doch beliebt sind bzw. zulegen. Und wie schon gesagt, auch eine Frage des Trends und was gefragt ist, das kann sich eben ändern.

Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass im höherpreisigen Bereich eben auch Anleger mitspielen, die in Sachwerte investieren. Das müssen dann keineswegs Briefmarkensammler sein. Erinnere nur an die immer mal wieder Din A4-große Werbung in Briefmarkenzeitschriften, wo ein Milliardär 10 Millionen seines Vermögens in Briefmarken anlegen will und über einen Mittler entsprechende Sammlungen sucht.

Der Trend geht ja generell auch vielfach zur Spezialisierung oder Richtung höherer und höchster Qualitätsansprüche. Letzteres ist ja auch klar, wenn das allgemeine Interesse an etwas abnimmt, dann will man das qualitativ Beste aus dem dann breiteren Angebot. Und das bezahlt man dann auch entsprechend.

Moderne Massenware ist aber einfach nicht mehr gefragt (und auch hier generalisiere ich mal), hier übersteigt das Angebot massiv die Nachfrage, was natürlich zu entsprechenden Schleuderpreisen führt, wenn man das überhaupt noch an den Mann bringt.

Aber, wie immer gilt, es sollte die Freude am Hobby im Vordergrund stehen und nicht ob etwas "wertvoll" ist oder nicht.

Wirklich Gewinn machen doch nur die, die viel Geld in die Hand nehmen um ausgesuchte Stücke, möglichst mit Provenienz, zu erwerben, auch ein immer wichtigerer Trend.
 
Richard Am: 13.03.2022 09:52:05 Gelesen: 3735# 77 @  
Liebe Sammler der "Aktien des Kleinen Mannes",

auf der Philaseiten Startseite sind unter dem dicken Balken mit der Beschriftung "Briefmarken-Kursliste - aktuelle Änderungen" die letzten Auswertungen aus mehr als 50.000 verkauften Losen der PPA Auktion zu sehen (Handel unter Sammlern ohne Kosten). Es handelt sich um sammlerübliche, in der Regel eher überdurchschnittliche Marken. Bessere Marken sind meistens BPP geprüft, zum Teil mit mit Attesten aus den letzten Jahren bis 2022.

In der vorletzten Spalte rechts ist der bezahlte aktuelle Michelwert zu sehen, in der letzten Spalte der derzeit bezahlte Preis im Verhältnis zum Michelwert. Die Durchschnittspreise sind grün gekennzeichnet bei zuletzt gestiegenen Preisen und rot bei zuletzt gesunkenen Preisen. Schwarz sind die neu aufgenommenen Notierungen.

Das rechteckige Kästchen mit den vier senkrechten Balken zeigt die grafische Auswertung einzelner Michel-Nummern an, oben in der Grafik die Michelwerte, darunter die Handelspreise unter Sammlern, die Zahlen auf den Grafiken links zeigen den aktuellen Wert im Verhältnis zum Michel an.

Die Informationen gibt es für derzeit über 1.400 Notierungen (Einzelwerte, Sätze, Jahrgänge, Blocks und vieles mehr, hier auf der Startseite links im gelben Balken anklickbar zu sehen. Berlin Marken haben die höchste Handelsfrequenz und sind besonders aussagekräftig.

Wer auf der Startseite im Bereich "Deutscher Briefmarken Index (Debrix)" den "Deutschland Debrix 100" anklickt, findet die Preistendenz der etwa letzten 10 Jahren als Index für Bund, Berlin, DDR, Saarland und Deutsches Reich, jeweils ** und o. Alle diese Bereiche können einzeln angesehen werden, ebenso viele weitere aus Deutschland, Europa und wenigen Übersee Gebieten.

Was sagen diese Daten jetzt aus, um auf die Frage "Preisverfall bei Briefmarken" zurückzukommen ? Ja, wir haben den Preisverfall bei fast allen Gebieten, jedoch verlangsamt er sich deutlich sichtbar und wird beim Debrix Deutschland 100 für 2021 nur noch rund 1,4 % betragen, der niedrigste Rückgang der letzten Jahre (es sind derzeit 97 % der Daten aus 2021 ausgewertet).

Und es gibt Gebiete mit Preisanstiegen, wie Altdeutsche Staaten o oder Generalgouvernement ** und o.

Konkrete (!) Fragen beantworte ich gerne im Forum, es kann aber einige Tage dauern.

Schöne Grüsse aus dem Allgäu, Richard
 
Jensen Am: 13.03.2022 15:35:29 Gelesen: 3611# 78 @  
Hallo,

also ich bin sicher, dass irgendwann in den nächsten Jahren ein dramatischer Preisverfall eintreten wird, was mich nicht am Sammeln hindert.

Die Preise von Briefmarken bzw. die Prinzipien der Preisentwicklung für Briefmarken sind ja eigentlich ein Paradebeispiel für ein Thema mit dem sich Wirtschaftswissenschaftler beschäftigen.

Und soweit ich weiß (nur als Interessent, ich bin da kein Experte) gibt es gerade in den Wirtschaftswissenschaften ganz merkwürdige zeitliche Verläufe von Prozessen: einem totalen Preisverfall (Crash) geht nicht zwangsläufig eine warnende Phase mit langsam fallenden Preisen voraus!

Im Gegenteil: Dem Crash kann eine längere Phase mit stabilen Preisen oder auch langsam und stetig steigenden Preisen vorausgehen. Und trotzdem kommt dann recht plötzlich der Crash. Das jetzt die Preise stabil sind und in einigen Gebieten sogar steigen hat nicht viel zu bedeuten.

Die Käufer von Briefmarken sind Sammler und vielleicht (falls es so etwas bei Briefmarken noch relevant gibt) selten irgendwelche Investoren. Wie ist die Altersstruktur der Käufer von Briefmarken? Wie sieht die Nachwuchsentwicklung aus?

Ich würde sagen vereinfacht sieht es so aus: Richtiger Nachwuchs so gut wie keiner. Die Käufer sind im Alter zwischen 40-50 Jahren und über 80 Jahren. Jünger als 40 Jahre: vernachlässigbar selten. Bei fehlendem Nachwuchs -ich sehe da keine Änderung in der Zukunft- kann sich jeder ausrechnen wie es mit den Käufern für Briefmarken (die richtig Geld dafür ausgeben würden) in 20, 30 oder 40 Jahren aussieht.

Was solls: Wenn ich noch lebe, wenn der Crash kommt leiste ich mir, was ich mir jetzt nicht leisten kann. ;)

Viele Grüße
Jensen
 
Briefmarkenburny62 Am: 13.03.2022 16:37:02 Gelesen: 3575# 79 @  
@ Richard

Für den Briefmarkenmarkt ist die jetzige Inflation natürlich ein Segen. Das wird den Preisverfall sogar gänzlich stoppen auf mittlerer Sicht.

@ dietbeck

Ich stimme Ihren Gedankengängen zu. Im Vordergrund steht bei uns das Sammeln und diesbezüglich ist diese Zeit nicht die schlechteste. Aber die Jagd nach Trophäen soll ja Spaß machen und das ist immer irgendwo mit Wertigkeit verbunden.

@ Jensen

Die Frage, was in 50 Jahren ist kann wohl keiner beantworten. Viele Menschen fangen auch erst mit 40-50 an zu sammeln und haben vorher noch nie daran gedacht. Entscheidend ist doch, wie groß die Basis an Briefmarkensammlern in 50 Jahren ist. Abosammler sind dann keine mehr da. Briefmarken auf Briefen ein Relikt der Vergangenheit. Aber wenn sich dann trotzdem 30-50.000 Sammler für Briefmarken interessieren, reicht das doch aus oder? Und wenn es nur 20.000 in Deutschland sind, wird das Hobby auch nicht sterben.

Wir wissen einfach nicht, wie zukünftige Generationen auf Briefmarken, welche im Alltag verschwunden sein werden reagieren. Aber eine Basis (Anzahl unbestimmt) wird es immer geben.
 
Koban Am: 13.03.2022 18:12:06 Gelesen: 3516# 80 @  
Eigentlich wollte ich mich ja zu dem Thema nicht groß äussern. Dennoch auch von mir dazu ein paar kurzen Bemerkungen.

Gemessen an vielen anderen Sammelgebieten, brauchen sich Briefmarkensammler nun wirklich nicht über vermeintlichen Preisverfall beklagen.

Der Preisentwicklung von Massenware (!), die als Beleg für einen vermeintlichen "Preisverfall von Briefmarken" immer wieder angeführt wird, steht die Marktentwicklung von besserem Material klar entgegen.

Ein Blick über den Tellerrand zeigt auf, dass in vielen Ländern das Sammeln von Briefmarken noch in den Kinderschuhen steckt.

Briefmarken sind Kulturgut, sie werden auch in Zukunft gesammelt werden.

meint,
Koban
 
Cantus Am: 13.03.2022 19:55:44 Gelesen: 3436# 81 @  
Eines sollte man bei der Diskussion nicht übersehen. Im Rahmen der Gesamtmenge der Sammler gibt es immer weniger reine Briefmarkensammler, dafür aber immer mehr, die die Belege aus dem Bedarf sammeln, seien es nun Briefmarkenfrankaturen oder markenlose Briefe mit interessanten Stempeln oder Ganzsachen. Das führt automatisch dazu, dass die Nachfrage nach Briefmarken und insbesondere solchen der letzten rund 60 Jahre stark nachgelassen hat, was sich natürlich auch auf die Preise auswirkt, während nach meinem Eindruck der Wert von Belegen zum Teil stark gestiegen ist. Natürlich ist trotzdem Manches viel preiswerter als früher zu haben, z.B. Frankaturen Bund aus den ersten zehn Jahren, einfach deshalb, weil davon viel angeboten wird, in meinen Hauptsammelgebieten ist aber das Material zum Teil sehr knapp, was sich leider immer wieder auf die Preise auswirkt.

Viele Grüße
Ingo
 
Detlev0405 Am: 13.03.2022 21:10:39 Gelesen: 3381# 82 @  
@ Cantus [#81]

Hallo Ingo,

ich kann Deine Beobachtung nur bestätigen. Ich sammle ja ausschliesslich Bedarfsbelege für meine Luftpost der Tschechoslowakei bis 1939, um sie hier im Forum zu besprechen. Mit meinen Einkäufen habe ich vor etwa 10 Jahren begonnen.
Um einen Vergleich hier zu ermöglichen, stelle ich nur mal die Preisrelationen dar. Während ich vor noch 4 Jahren einen Bedarfsbeleg einer Luftpoststrecke für etwa 200 Kc erworben habe, muss ich heute für vergleichbare Belege etwa zwischen 500 - 600 Kc aufwenden. Das sind realisierte Preise. Ich kann also beobachten, das ein Preisanstieg in den letzten 5 Jahren um etwa mindestens 100% real statt gefunden hat.

Dabei spielen noch 2 Faktoren eine Rolle - zum Ersten die Veröffentlichung des Threads hier im Forum und zum Zweiten die Übernahme des Beitrages in den Forschungsberichten der ARGE Tschechoslowakei. Offensichtlich hat die "Öffentlichkeitsarbeit" zur Steigerung des Interesse beigetragen.

Bei meinem Sammelgebiet ist leider kein Preisverfall zu beobachten.

Gruß
Detlev
 
Briefmarkenburny62 Am: 14.03.2022 09:21:53 Gelesen: 3294# 83 @  
@ Cantus
@ Detlev0405

Das in Nischenbereichen es zu Preiserhöhungen kommen kann ist eigentlich nicht verwunderlich. Die Schwankungen hängen hier ja auch von nur wenigen Zu- oder Abgängen von Sammlern ab.

Nehmen wir mal ein Beispiel vor etwa 3 Jahren. Da konnte ich eine Krone, Adler Pfennig/Pfennige Sammlung erwerben, welche alle nach Farben kompetent geprüft und mit sehr schönen Abstemplungen versehen waren. Erstaunlicherweise habe ich für dieses Los in etwa soviel bezahlt, was mich alleine die Prüfungen gekostet hätten. Die Marken gabs sozusagen gratis dazu.

Dasselbe dürfte in vielen Bereichen der Inflationszeit die Realität sein. Und das sind keine Nischengebiete, sondern da wo sich zigtausende Sammler tummeln.

Aber wie Richard schon erwähnte, ist wohl der Tiefpunkt irgendwie erreicht. Er belegt es ja auch mit Zahlen aus den hier laufenden Auktionen. Spannend bleibt das Thema allemal.
 
Heinz 7 Am: 14.03.2022 11:17:01 Gelesen: 3234# 84 @  
@ Briefmarkenburny62 [#71]

Ich stimme dir ganz zu.

Aber allgemeine Aussagen sind problematisch. Es gibt x verschiedene Sammelgebiete.

Wenn wir eine "Katalogsammlung Liechtenstein postfrisch 1945-2020" ansehen, wird wohl niemand einen "Preisverfall seit (z.B.) 2000" in Abrede stehen. Sofern wir aber einzelne Sammelgebiete herauspflücken, können wir durchaus auch Preissteigerungen feststellen, und zwar nicht nur bei Belegen.

vgl zB.
@ Detlev0405 [#82]
@ Cantus [#81]

Ein Sammler sieht Preisanstiege meistens mit "zwei Seelen": Einerseits freut man sich über den Wertzuwachs (der eigenen Bestände), andererseits beklagt man, dass die Einkäufe immer teurer werden. Ich rate aber den Sammlern, die mit steigenden Preisen konfrontiert sind,

@ 22028 [#72]
@ Schwämmchen² [#73]
@ Detlev0405 [#82]

diese Entwicklung als positiv zu werten, denn sie zeugen ja von akut vorhandenem Interesse. Andererseits sind in der Regel sinkende Preise kaum (mehr) aufzuhalten. Ein gutes Beispiel dafür ist "Schweiz postfrisch ab 1930", das seit 1982 kräftig an Wert verloren hat. Sieht man die abnehmende Zahl der aktiven Sammler, ist die Annahme, dass die "Talsohle" nun erreicht ist, wohl sehr optimistisch.

Gar nicht parallel dazu entwickelt sich aber der Gesamtmarkt Schweiz, wie z.B. die Beobachtungen von Gottfried Honegger ja seit vielen Jahren zeigen. Seine "Gedanken zur Marktlage" und seine Verkaufskataloge seit 1980 (!) zeigen, dass die hohen Preise für Schweiz Klassik sich offenbar weiter am Markt bestätigen.

Auch die Arbeit von Richard ist sehr wertvoll, wenngleich er natürlich nur einen kleinen Bereich (und eine spezifische Käuferschaft) abdeckt. Eine breit angelegte Studie über effektive Verkaufspreise ist aber eine Riesen-Aufgabe, die früher von einigen Sammlern geleistet wurde (siehe Briefmarken-Zeitschriften!), heute aber kaum mehr anzutreffen sind.

Ich denke, der Prozentsatz der (im Verkauf) praktisch "wertlosen" Briefmarken (auch Belege, z.B. Ansichtskarten, Flugpost-Belege) hat sich 2000-2020 stark gesteigert. Darum kann heute problemlos tonnenweise Briefmarken zu Schnäppchenpreisen kaufen. Wer daran Freude hat, und es sind einige, der hat goldene Zeiten. Wer aber bestimmte Raritäten sucht, muss heute (wie bereits früher) stark darauf achten, ob bei seinem Sammelgebiet gerade "Hausse oder Baisse" gilt. Oft genügt es, wenn zwei oder drei starke Käufer plötzlich ausfallen, und ein ganzes Preisgefüge kracht zusammen. Umgekehrt schaukeln sich oft wenige Marktteilnehmer ständig in die Höhe, und Gebiete steigen und steigen.

Es gibt keine allgemein gültigen Regeln!

Ein Wort noch zum Begriff: "Aktien des Kleinen Mannes"

@ Richard [#77]

Ich kenne diesen Ausdruck auch gut, aber bei mir sträuben sich hier die Nackenhaare. Wie oft habe ich den enttäuschten Witwen von Briefmarken-Sammlern schon schonend beibringen müssen, dass die vermeintliche "Geldanlage" des Briefmarken-Geldanlegers ein gewaltiges Verlustgeschäft war? Zudem - und das ist bedauerlich - stiegen die Transaktionskosten beträchtlich (Stichworte: gestiegene Aufgelder an Auktionen, Mehrwertsteuer). Eine "Marge" von 40% zwischen Ankauf und Verkauf ist heute nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Das hat dem Briefmarken-Handel sehr geschadet.

Andererseits, und das ist mir wichtig: Ich kenne Dutzende von Fällen, da hat der Verkauf der Briefmarken den Erben grosse Freude bereitet; die Erwartungen wurden weit übertroffen. Oft scheinen die Briefmarken die einzigen werthaltigen "Sachwerte" zu sein, während alles andere dramatisch an Wert verlor (Möbel, Silber, Bücher, auch Schmuck). Oft waren es die "stillen Sammler", die über eine längere Zeit gesammelt haben und die wertvolle Bestände zusammentragen konnten. Bei den "richtigen" Verkäufern erzielen solche Sammlungen dann oft erstaunlich hohe Verkaufspreise. Und alle staunen - bis auf wenige Kenner, die mit verfolgt haben, mit welchem Eifer (und oft auch: mit welchem finanziellen Aufwand) der verstorbene Sammler seine Sammlung aufgebaut hat.

"Preisverfall bei Briefmarken"?: Ja, oft, ABER. (!)

Heinz
 
Chemnitz Philatelie Am: 14.03.2022 11:40:07 Gelesen: 3213# 85 @  
@ Detlev0405

Vielleicht liegt die Preissteigerung der frühen tschechischen Luftpostbelege auch mit an Ihren eigenen Erwerbungen, mit denen Sie natürlich den Markt beeinflussen. Ich habe etwas ähnliches auf einem anderen frühen und seltenen Luftpostfeld bemerkt, für das ich am Anfang meiner Käufe vor ca. zwei Jahren teilweise Belege zu 20 Euro erwerben konnte. Leider sind jetzt Belege nicht mehr unter 100 Euro zu bekommen (vor ca. 15 Jahren lag das dortige Preisniveau bei ca. 200-400 Euro pro Beleg). In der Regel gibt es in solchen Sammelgebieten nur ein oder zwei Sammler, die ernsthaft kaufen, so dass ein weiterer Sammler zu deutlichen Preissteigerungen führen kann.

Auf der anderen Seite gibt es viele Sammelgebiete, die kaum beachtet werden und für die der Preisverfall exorbitant ist.

Aufgrund der Altersstruktur der Sammler in den meisten Sammelgebieten erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass man in fünf bis zehn Jahren viele sehr hochwertige Sammlungen sehr günstig wird erwerben können. Ein australischer Sammler hat meinem Sohn in Bezug auf frühe Ganzsachen der Kolonie Victoria den Rat gegeben, sich beim Erwerb der Raritäten (Essays, Proofs, etc.) dieses Sammelgebietes deshalb Zeit zu lassen.

Ich glaube dies stimmt in Bezug auf viele Sammelgebiete in der Philatelie.

Gruß
Jan
 

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