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Thema: Preisverfall bei Briefmarken ?
Das Thema hat 69 Beiträge:
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Baber Am: 27.11.2020 13:39:23 Gelesen: 2564# 45 @  
Wenn Marken mit Millionen-Auflagen ungültig werden, fällt der Preis für postfrisch in der Regel fast ins Uferlose, da die Unterstützungsgrenze "Aufkauf Portoware zu 50-70 % Nominale" wegfällt. Da gab es schon zu DM-Zeiten, als die Bund-Marken der 1960-iger Jahre ungültig wurden.

Das früher so beliebte und gesuchte Sammelgebiet "Liechtenstein" erleidete den schleichenden Tod, nachdem die vor 1996 ausgegebenen Marken für ungültig erklärt wurden.

Gruß
Bernd
 
H.G.W. Am: 27.11.2020 18:55:11 Gelesen: 2462# 46 @  
Hallo,

was ich beobachte, wenn ich bei ebay unterwegs bin, ist eine schier unendliche Reihe von Briefmarken, im Bereich von 1 € bis ca. 20 €, die angeboten werden und niemand interessiert sich dafür.

Warum machen sich diese Menschen die vergebliche Arbeit und Mühe um die Angebote einzustellen?

Gruß Horst
 
Baber Am: 27.11.2020 19:30:38 Gelesen: 2429# 47 @  
@ H.G.W. [#46]

Hallo Horst,

Ebay hat einen alten Wahlspruch: "Bei Ebay geht irgendwann alles weg". Aus meiner Erfahrung seit 1999 kann ich das nur bestätigen. Man muss nur Geduld haben und es es ja ganz einfach mit einem Schwung alle abgelaufenen Lose wieder einzustellen.

Gruß
Bernd
 
nagel.d Am: 27.11.2020 20:33:40 Gelesen: 2377# 48 @  
@ H.G.W. [#46]

Wie Baber bereits geschrieben hat irgendwann geht bei ebay halt alles. Ich biete auch bei Ebay für 1 Euro an, wenn ich die Kosten und Zeit für die Einstellung gegenrechne ist das eine 0-Nummer. Biete ich zu regulären Preisen an laufe ich Gefahr, daß das Material in der heutigen "Geiz-ist-Geil"-Zeit nicht mehr verkauft wird. Die Erträge nutze ich hingegen um meine Lücken zu füllen also habe ich beim Verkauf meiner Dubletten eine win-win-Situation.
 
Richard Am: 27.11.2020 21:26:15 Gelesen: 2345# 49 @  
@ H.G.W. [#46]
@ Baber [#47]
@ nagel.d [#48]
@ alle

Bitte beim Thema bleiben: Preisverfall bei Briefmarken ?

Schöne Grüsse, Richard
 
10Parale Am: 30.11.2020 22:49:26 Gelesen: 2064# 50 @  
@ gestu [#4]

Und dann das Verhalten der "älteren" Sammler: Wenn auf Tauschtagen wirklich mal ein Schüler etwas haben möchte. Da habe ich schon oft beobachten können, dass dann genau nach Katalogpreis taxiert und abgerechnet wird. Vielleicht sollte man da mal etwas weitsichtiger sein und einen "Sonderpreis" machen.

Es wäre doch viel schöner, würde man gar nicht taxieren und gar nicht genau abrechnen, sondern den Schülern einfach mal was in die Hände drücken, so nach dem Motto, könnte ja echt wertvoll sein, aber da musst du schon im Katalog schauen.

Hier mal ein Beispiel: Bei dem Preisausschreiben in einer deutschen Briefmarkenzeitschrift kann man diesen Monat ein "leeres" Münzalbum gewinnen. Wer macht da mit? Abgesehen davon, dass eine Briefmarkenzeitschrift dadurch die Aufmerksamkeit auf Münzen lenkt anstatt auf Briefmarken, wäre es doch angebracht, hier mal echt einen wirklich teuren Preis auszurufen.

Übrigens spreche ich aus eigener Erfahrung. Im Jahr 2008 habe ich mit dem Briefmarkensammeln begonnen. Jemand schenkte mir zuvor eine rumänische Marke, für die er vor meinen Augen 50 Euro hingeblättert hatte. Dann fing ich an Rumänien zusammenzutragen. Ok, ich war kein Schüler mehr, aber ich kann mir gut vorstellen, wie sehr einen jungen Menschen ein nicht ganz billiges Geschenk motivieren kann. Oder täusche ich mich?

Die Beiträge zeigen auch, wie sehr sich die Zeiten stetig ändern. Für mich ist ganz klar, dass die Spezialisierung fortschreiten wird und die Digitalisierung diese Entwicklung forcieren wird. Die Preise für seltene Marken werden weiter steigen, es wird Sammler geben, die nicht mehr so national ausgerichtet sammeln, sondern global und diversifiziert. Massenware ist out.

Liebe Grüße

10Parale
 
asmodeus Am: 01.12.2020 08:21:42 Gelesen: 1964# 51 @  
@ 10Parale [#50]

Und wie Du es beschrieben hast, habe ich es vor Jahren gemacht. Habe einem "Anfänger" eine Penny Black und ein paar Penny Reds in die Hand gedrückt und mit einem Augenzwinkern gesagt: "Mußt Du noch plattieren. Keine Ahnung ob Du eine bessere Platte hast". Das Virus des Sammelns war eingepflanzt.
 
philaspass Am: 01.12.2020 19:35:23 Gelesen: 1781# 52 @  
Gibt es einen Preisverfall?

Das mag in einigen Bereichen sehr gut möglich sein und betrifft nicht nur Briefmarken.

Dies kann ich für mein abgeschlossenes Sammelgebiet UdSSR, nicht so im Raum stehen lassen. Nach Erhalt des neuen Michel "Russland/UdSSR 2020/21" konnte ich bei oberflächlicher Durchsicht zu einigen der teureren Werte erhebliche Preissteigerungen feststellen. Es gab aber auch "Abrutscher" bei denen der Preis gefallen ist.

Alles in allem konnte ich aber im Vergleich der Jahreswerttabellen gegenüber dem Spezialkatalog von 2016/17 eine deutliche Preissteigerung im Gesamtwert feststellen die bei über 35% lag.

Da ich mich für mein Sammelgebiet auch viel mit Angeboten von Händlern und Auktionen beschäftige kann ich auch hier feststellen, das die Verkaufs- oder Ausrufpreise sehr stabil geblieben sind.

Es ist dann aber nicht verwunderlich, wenn Auktionatoren Marken mit 800,00€ Ausruf starten und darauf sitzenbleiben wenn diese mit nur 250,00 Michel im Katalog stehen. Zitat des Auktionshauses auf eine Anfrage: "Wir halten den Katalogpreis für nicht markgerecht!"

Ebenso ist festzustellen, das wie 10Parale schreibt, es eine deutliche Zunahme der Spezialisierung gibt. Lieber weniger und etwas teurer, als billiges Mittelmaß und volle Schränke.

Die Zeit(en) als man noch davon sprach "Briefmarken sind die Aktien des kleinen Mannes" sind vorbei. Auch ich werde mich etwas spezialisieren in der Hoffnung vielleicht doch noch meine Rente mit ein paar Euro zu verbessern.

In diesem Sinne noch viel Spaß bei unserem gemeinsamen Hobby
philaspass (Karl-Heinz)
 
WolfgangD Am: 01.12.2020 20:34:39 Gelesen: 1721# 53 @  
Hallo zusammen und guten Abend.

Zum Preisverfall als Beispiel:

Ich habe gekauft DDR-1972-1990 (also bis zum Schluß), kpl., zum Teil mehr als kpl. und alles im Vordruck Album.

Kosten inkl. Porto, 30,90 Euro.

Kann man hier von Preisverfall reden oder nicht ?

Gruß
Wolfgang
 
Thorn Am: 01.12.2020 20:56:16 Gelesen: 1692# 54 @  
Es gibt auch noch einen anderen Grund für fallende Preise: Überangebot selbst bei neuen Ausgaben. Gut zu beobachten bei den Neuausgaben von Japan. Dort werden p.a. Ca. 600 neue Marken verausgabt mit einem Nominalwert von mehreren hundert Euro und vielen extra teuren Sammlereditionen.

Die regulären Marken haben praktisch keinen „Sammleraufschlag“ und sind bestenfalls zum Nominalwert oder auch darunter zu verkaufen. Die privatisierte japanische Post trägt am Niedergang einen ganz erheblichen Anteil. Und da gibt es sicherlich noch andere Länder die ähnlich inflationär verausgaben. Ich kenne auch niemanden mehr der diese Marken ernsthaft sammelt. Bin mal gespannt wie lange das noch gutgeht in Japan.
 
TeeKay Am: 01.12.2020 23:38:42 Gelesen: 1610# 55 @  
Japan haben selbst die Vordruckalbenhersteller schon vor einem Jahrzehnt aufgegeben. Safe 1999, Schaubek reicht bis 2008, Lindner bis 2010 (damals brauchte es pro Jahr schon einen Ringbinder bei Lindner). Leuchtturm gab als letzter Hersteller selbst 2017 noch Nachträge raus, für günstige 205 Euro im letzten Jahrgang. Inzwischen ist Japan von deren Website gänzlich verschwunden.
 
Cantus Am: 02.12.2020 00:04:39 Gelesen: 1597# 56 @  
@ philaspass [#52]

Hallo Karl-Heinz,

ob nun Preisverfall oder nicht, ich kann dir nur sagen, auch als Rentner trennt man sich nur schwer von seinen Marken. Es ist eine Illusion zu glauben, dass in der Zeit nach der Berufstätigkeit alles ganz anders wird; das, was dann anders ist, ist die Mehrzeit, die man nun für seine Hobbys aufbringen kann.

Übrigens, das Gleiche, was für Briefmarken gilt, gilt grundsätzlich auch für Ganzsachen. Ich orientiere mich schon seit Jahren nur noch so ganz nebenbei an Katalogpreisen, die durchschnittlichen Preisvorstellungen so mancher Händler und meine jahrzehntelange Erfahrung bilden da eher eine Grundlage, wenn es in der heutigen Zeit überhaupt noch zu einem Tausch kommen kann.

Viele Grüße
Ingo
 
Schredder56 Am: 04.12.2020 00:27:14 Gelesen: 1442# 57 @  
Guten Abend,

auch ich erlaube mir,zu dem hier diskutierten Thema meinen "Senf" wie folgt beizusteuern:

Als eine der Hauptursachen für den beklagten Preisverfall bei Briefmarken, würde ich neben der Ausgabenpolitik der Deutschen Post,das tadelnswerte Sammelverhalten vieler "Philatelisten" in der Vergangenheit, als auch in der heutigen Zeit ausmachen, die einerseits - man kann es nicht anders nennen - in einer gewissen Gier begründet liegt. Da wurden Neuausgaben zig-mal, ohne Sinn und Verstand gekauft, um sie anschließend zu horten. Desweiteren wird jeder erdenkliche Mist gekauft, der einem in bunten Prospekten mit Erfolg schmackhaft gemacht wurde. Ich selbst hatte von einem alten Sammler, Bundespost, 1960er Jahre, postfrisch, geschenkt bekommen. Darin enthalten z.B. "Köpfe" in 4 er- Zusammendrucken x 8, desgleichen die Wohlfahrtsätze etc.. Ich könnte damit das WC tapezieren !

Dabei kann ich mich noch erinnern, wie dessen Ehefrau ihm vorwarf, soviel Geld für die Marken, anstatt für eine Rentenversicherung, auszugeben. Das ist der eine Aspekt.

Der andere Aspekt, ist der oftmals immer noch mangelhafte Sinn für Qualität. Da wird jeder Schrott im Glauben an eine Wertsteigerung aufgehoben, anstatt den "Markendreck" (Rittmeier) konsequent zu vernichten. Ich hatte einen Arbeitskollegen, der die Neuheiten aus Weiden bezog und zur Winterzeit (Wann sonst?) ins Album einzusortieren pflegte. Da ich seinerzeit die Neuheiten ebenfalls aus der Oberpfalz, für meinen ausländischen Tauschfreund bezog, wußte ich, daß in beinahe jeder Quartalssendung schlecht gerissene Marken waren, die ich konsequent reklamierte, wenn es sein mußte, auch zweimal. Der liebe Kollege und Sammlerfreund, störte sich nicht an dieser Tatsache.

Nun, ich bin der Meinung, auch das sich-Trennen von Minderwertigem, sollte zu unserer Sammelleidenschaft gehören. Nur Qualität ist Trumpf ! Wenn ein J e d e r sich an diesen einfachen Grundsatz hielte, so wäre schon einiges gewonnen. Alles klar?

Und noch eines: Sind es die Marken der Deutschen Post wert, gehortet zu werden, bei deren Anblick so manch ein kleines Kind mit Weinen anfangen würde und die man bei Postsendungen ins Ausland am liebsten mit der Vorderseite auf den Umschlag kleben müßte, um sich für deren abartige Ästhetik nicht zu schämen ?

Eine schöne Zeit wünscht

Thomas
 
Vernian Am: 04.12.2020 08:34:51 Gelesen: 1386# 58 @  
@ Schredder56 [#57]

Ästhetik, sprich Gefallen oder Nicht-Gefallen, des Markendesigns ist ja immer eine Geschmacksfrage und kann endlos diskutiert werden - auch wenn ich mit der gemachten Aussage übereinstimme.

Ich habe 1997 Bund Neuheiten komplett zu sammeln eingestellt - warum? Weil ich mich regelmässig über nach meinem Empfinden "hässliche" Marken (sei es Motiv, Markenthema oder gar beides zugleich gewesen) fürchterlich aufgeregt habe, und meine Frau dann mal ganz trocken meinte "Warum sammels tDu den Mist dann, wenn Du Dich darüber nur ärgerst?". Das war für mich der Anlaß vom Vollständigkeitswahn abzufallen und seither besorge ich mir nur noch die Neuheiten am Schalter, die mich erfreuen, und die ich dann neben dem Sammeln auch zur Frankatur benutze - so vermeide ich oben geschildertes Schamgefühle (soweit ich nicht irgendwelche übernommenen Altbestände verklebe).

Best

V.
 
uli Am: 04.12.2020 12:27:56 Gelesen: 1312# 59 @  
@ Schredder56 [#57]

Hallo Thomas,

nein, nicht alles klar.

Eigentlich - von meiner persönlichen, generellen Einstellung - bin ich weitgehend konform mit deinem Beitrag. Es gibt da bloß ein großes Problem: Wer weiß heute welche Kriterien in 40 Jahren und mehr eine gute Qualität ausmachen? Die Stücke, die du heute als Markendreck bezeichnest und vernichtest, könnten in der Zukunft als erstklassig angesehen werden - und umgekehrt.

Gruß
Uli
 
TeeKay Am: 04.12.2020 23:51:03 Gelesen: 1194# 60 @  
Bin mir sicher, die zu 20 hintereinander gesteckten Briefzentrums-Eckstempel werden in 40 Jahren mal richtig wertvoll. Wohl den 50.000 Sammlern, die sich jeweils 20 im Steckalbum aufhoben und nochmal 5000 pro Ausgabe gebündelt im Schuhkarton lagerten.

Gibt es überhaupt ein Beispiel für Material, das vor 40 (oder beliebiger anderer Zeitraum) Jahren als minderwertig galt und heute wertvoll ist?
 
Christoph 1 Am: 05.12.2020 00:02:45 Gelesen: 1189# 61 @  
@ TeeKay [#60]

Gibts überhaupt ein Beispiel für Material, das vor 40 (oder beliebiger anderer Zeitraum) Jahren als minderwertig galt und heute wertvoll ist?

Nun ja, es kommt halt darauf an, was Du als wertvoll bezeichnest. Es gibt beispielsweise inzwischen eine recht rührige Gruppe von Sammlern, die sich für Handrollstempel interessieren. Gab es die vor 40 Jahren? Nein, im Gegenteil. Diese wurden als "Müll" disqualifiziert. Heute gilt hingegen: Je "profaner" desto seltener. Da werden durchaus auch Preise aufgerufen, die man sich vor Jahrzehnten nicht hätte träumen lassen. Ein weiteres Beispiel sind die millionenfach durch Abweichen von Massenware zerstörten Belege, teilweise mit seltenen Verwendungsformen, Portostufen und Destinationen. Damals ging es eben "nur" um die abgelöste Briefmarke im Album, ganze Belege wollte niemand sammeln. Heute genau umgekehrt. Insofern ist Dein etwas despektierlicher Kommentar hier aus meiner Sicht fehl am Platz.

Viele Grüße
Christoph
 
TeeKay Am: 05.12.2020 00:49:02 Gelesen: 1176# 62 @  
Wenn das niemand sammeln wollte, gäbe es die Belege heute nicht. Und wenn das niemand gesammelt hätte, gäbe es jetzt auch nicht ganz offensichtlich gemachte Belege mit z.B. HAN, während die Masse der Sammler die HAN vordruckalbengerecht abtrennte. Es gab also schon damals Sammler, denen durchaus bewusst war, dass das nicht Schrott ist. Was vor 40 Jahren Schrott war, ist auch heute noch Schrott und wird immer Schrott bleiben. Zu besichtigen auf jeder Auktion in den Kisten, die zu Spottpreisen verkauft werden und auch schon vor 40 Jahren zu Spottpreisen verkauft wurden. Gibt es übrigens auch in Belegeform - 2.000 Briefe für 40 Euro.

Es hat nichts mit Sammeln zu tun, sich jede Mistmarke ins Album zu stecken in der Hoffnung, dass irgendwann mal jemand vorbeikommen könnte, der sich mit blutenden Augen durch den Schrott wühlt und dann auf einmal die eine ultraselten kreuzgezähnte Wasserzeichenabart mit ultrabläulichrotgrünockertürkis-Fehlfarbe findet, die er dann natürlich mit Freuden für 5.000 Euro abkauft. Solche Tauschalben und Auktionsangebote sind eine Beleidigung für jeden potenziellen Interessenten und reine Zeitverschwendung für alle Parteien. Aber wenn die Marke einmal im Album steckte, dann wird sie auch für Generationen in immer neuen Wunderrestposten weitergereicht. Diejenigen, die dem Schrott endlich ein würdiges Ableben ermöglichen, verdienen eine Auszeichnung.
 
Christoph 1 Am: 05.12.2020 01:43:16 Gelesen: 1169# 63 @  
@ TeeKay [#62]

Durch die inflationäre Verwendung des Wortes "Schrott", garniert mit weiteren abwertenden Begriffen wie "Mistmarke" und "Zeitverschwendung" wird Deine Meinung für mich nicht wichtiger oder richtiger. ;-) Im Gegenteil! Du entlarvst Dich damit ja geradezu selbst.

Was ich damit sagen möchte: Der in Beitrag [#57] begonnene und von Dir nun fortgesetzte latent aggressive, krawallige Unterton und die Abwertung vermeintlicher "Massenware" sind hier in meinem Augen völlig deplatziert. Bleibt doch bitte sachlich.

Als EIN Beispiel, wie aus vermeintlichem "Schrott" richtige Raritäten werden können, weise ich auf das Thema "Handrollstempel" hier im Forum der Philaseiten hin. Zum Beispiel auf den Beitrag [1] (aber auch viele weitere in dem genannten Thema). Würdest Du eine solche Rarität in einer Kiste voller "Schrott" überhaupt nur ansatzweise erkennen? Nein, ist doch eh alles nur Schrott. Nun gut, OK.

Christoph

[1] https://www.philaseiten.de/beitrag/205415
 
bovi11 Am: 05.12.2020 08:17:49 Gelesen: 1128# 64 @  
@ TeeKay [#60]

"Gibts überhaupt ein Beispiel für Material, das vor 40 (oder beliebiger anderer Zeitraum) Jahren als minderwertig galt und heute wertvoll ist?"

Natürlich:

Notopfer- und Wohnungsbaumarken und entsprechende Belege sind so ein Beispiel.

Die haben beispielsweise an dem Boom der 1960er Jahre überhaupt nicht teilgenommen. Heute erzielen einzelne Marken und Belege Preise, für die man mehrfach komplette Bund- oder Berlinsammlungen erwerben kann. Ich habe einiges davon und trotz Aufträgen an den Kommissionär, die ein Mehrfaches der Katalog- bzw. Handbuchpreise betrugen, habe ich einige Sachen nicht bekommen.

Notopfer- und Wohnungsbaumarken waren auch nie Spekulationsobjekte, wie dies beispielsweise bei Bund und Berlinmarken der Fall war.

Gerade fällt mir noch ein: China-Marken wollte in den 1960er Jahren - anders als heute - niemand haben.
 
uli Am: 05.12.2020 11:04:04 Gelesen: 1078# 65 @  
@ TeeKay [#62]

"Es hat nichts mit Sammeln zu tun, sich jede Mistmarke ins Album zu stecken in der Hoffnung, dass irgendwann mal jemand vorbeikommen könnte, der sich mit blutenden Augen durch den Schrott wühlt und dann auf einmal die eine ultraselten kreuzgezähnte Wasserzeichenabart mit ultrabläulichrotgrünockertürkis-Fehlfarbe findet, die er dann natürlich mit Freuden für 5000 Euro abkauft. "

Volle Zustimmung. Auch ich halte aus Sicht eines potenziellen Verkäufers überhaupt nichts davon, wenn sich jemand 20mal und mehr dieselbe Marke mit Viertelstempel ins Album steckt und gleichzeitig seine "Sammlung" reich rechnet. Auch ich bin verwundert, wie oft "hochwertige Sammlungen" mit schon auf kleinen Fotos sichtbaren Fehlern für exorbitante Preise angeboten werden. Auch ich entsorge eindeutig beschädigte Marken, die ich zigfach habe / haben könnte.

"Solche Tauschalben und Auktionsangebote sind eine Beleidigung für jeden potenziellen Interessenten und reine Zeitverschwendung für alle Parteien. Aber wenn die Marke einmal im Album steckte, dann wird sie auch für Generationen in immer neuen Wunderrestposten weitergereicht. Diejenigen, die dem Schrott endlich ein würdiges Ableben ermöglichen, verdienen eine Auszeichnung."

Und das versteh ich überhaupt nicht. Was hat das mit dem Satz zuvor zu tun? Ich - ein potenzieller Käufer - gehöre zu denen, die mit Freuden Dublettenalben, Tütenposten und ähnliches durchsuchen. Natürlich nicht für 5000 Euro, sondern für einen für mich akzeptablen Preis. Was ist schlimm daran, dass ein 60seitiges, gut gefülltes Bund-Dublettenalben für 20 Euro den Besitzer wechselt? Ich habe dieses Jahr in einem Tütenposten für 15 Euro neben ein paar für mich interessanten Stücken drei Marken gefunden, für die ich einen Interessten kannte und die ich so gegen Marken für fast 100 Euro (nach Michel-Notierung) eintauschen konnte. Ich würde mich nicht wundern, wenn du diesen Tütenposten als Markendreck bezeichnet hättest.

Ich möchte nicht wissen, wie viele Marken mit Plattenfehlern entsorgt werden / wurden, nur weil der Stempel nicht so toll war. Es gibt Marken aus Dauerserien der 1970er-Jahre, die mit lesbarem Düsseldorf-Stempel schwieriger zu finden sind, als Höchstwerte aus der Serie Helfer der Menschheit. Die Liste mit Beispielen kann man beliebig weiterführen, wenn es um gestempelte Marken, (höchstwahrscheinlich) echt gelaufene Stücke und bestimmte Verwendungsformen geht. Deshalb habe ich ein Problem damit, wenn sog. "Massenware" und nach heutigen Maßstäben minderwertige Stücke pauschal als Abfall bezeichnet werden und deren Entsorgung propagiert wird.

Übertriebene Preisvorstellungen sind übrigens kein Philatelie-spezielles Problem, sondern finden sich überall. Auch mir ist nicht egal wieviel ich für einen Kauf ausgebe - der Wert meiner Sammlung ist mir aber völlig egal. Und mit dem Thema "Preisverfall" hat das alles nach meiner Meinung so gut wie nichts zu tun.

Gruß
Uli
 
Lars Boettger Am: 05.12.2020 13:09:35 Gelesen: 1029# 66 @  
@ uli [#65]

Was ist schlimm daran, dass ein 60seitiges, gut gefülltes Bund-Dublettenalben für 20 Euro den Besitzer wechselt? Ich habe dieses Jahr in einem Tütenposten für 15 Euro neben ein paar für mich interessanten Stücken drei Marken gefunden, für die ich einen Interessten kannte und die ich so gegen Marken für fast 100 Euro (nach Michel-Notierung) eintauschen konnte.

Ich kann das von Uli gesagte nur unterstreichen. Dublettenposten können (nicht müssen!) ein Eldorado für Stempel- und Plattenfehlersammler sein. Natürlich möchte man als Stempelsammler gut erhaltene Marken vorfinden, aber ich lasse keinen seltenen Stempel liegen, nur weil der Marke ein Zahn fehlt.

Wenn wir schon bei dem Thema "Briefmarkenmüll" sind - ich darf TeeKay [#62] daran erinnern, dass viele der modernen Bund-Raritäten (sog. "Gscheidle"-Marke) in Kiloware entdeckt wurden. Wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, dann gibt es viele Beispiele, wo Briefe und Briefmarken aus Altpapierbeständen gerettet wurden (Hawaii-Missionare: Dawson-Brief [mit angekokeltem Rand links], der schon im Ofen lag).



Wenn ein sachkundiger und erfahrener Sammler große Bestände an Marken durchsieht, dann findet er oft kleine und große Raritäten - je nachdem wieviel Zeit er investiert. Die andere Seite sehen wir im Forum fast jeden Tag: Eine Allerweltsmarke wird gezeigt und man hofft, dass es die große Zähnungs- oder Wasserzeichen- oder Papierrarität ist. Wenn man sehr verwegen ist, stellt man die Marke gleich als teuerste Variante bei Ebay ein (nur 10% vom Katalogwert!!!) und hofft auf einen Käufer. Und wir sind wieder bei dem Diskussionspunkt, dass viele Sammler meinen, dass man für eine gute Marke bzw. Abart kein Geld mehr ausgeben muss.

Beste Grüße!

Lars
 
nagel.d Am: 05.12.2020 13:17:07 Gelesen: 1018# 67 @  
@ uli [#65]

Da muss ich vollkommen zustimmen bei dieser Aussage.

Wie oft wurde unter vermeintlichem "Schrott" "Dreck" oder wie man es auch immer bezeichnen will Schätze gefunden nur weil sie für gewisse Sammler nicht sammlerwürdig sind.

Und derzeit hat man einfach ein Überangebot von Marken, die dazu führen, daß die Preise in den Keller purzeln, da nützt es auch nichts sich seine Sammlung nach Michel schön zu rechnen. Diese Michel-Preise sind realistisich gesehen, und das tue ich zumindest mal für meine Person, nicht zu erreichen. Und um weiter realistisch zu bleiben den errechneten Betrag nach Michel wird man, wenn man ganz dringend das Geld brauch, auch nicht erreichen, denn dann sind es nur schöne bedruckte bunte Papierschnipsel, weil es gerade mal keinen Abnehmer gibt.

Und um ehrlich zu sein habe ich in der Vergangenheit auch für Sammlungen sehr viel Geld hingelegt (Michelpreise) wo ich heute nur noch einen Bruchteil von dem zahlen müßte, aber nach Michel ein Vermögen darstellt. Verschiedene Sammlungen verfolge ich bei den einzelnen Onlinanbietern über Jahre, mit dem Ergebnis, dass diese auf Ihren Sammlungen sitzen und sie nicht losbekommen (weil sie an ihren schöngerechneten Preisvorstellungen festhalten) andere Anbieter haben dann in diesem Zeitraum bei moderaten Preisen mehrere hundert Verkäufe getätigt.
 
philaspass Am: 06.12.2020 13:24:50 Gelesen: 908# 68 @  
Ein Hallo und einen schönen Sonntag an alle.

ich weiß nicht wer von euch schon die neuen Kataloge 2020/21 des Michel vorliegen hat. Mir liegt seit einigen Tagen der neue Russland/UdSSR vor. Dort hat man im Anhang einen wunderbaren Bericht zu den Bewertungen und Preisnotierungen eingefügt.

Man beschreibt dort ganz deutlich " Es gibt keine Festpreise im Briefmarkenhandel"

Anhand einiger Beispiele wird dort auch aufgezeigt und beschrieben wie es bei den Notierungen zu Preiserhöhungen aber auch zu Senkungen gekommen ist.
Für mich kann ich daraus resultierend nur sagen: Für den Tausch als 1:1 Basis ok, aber mit gewissen Einschränkungen. Ansonsten werde ich mich für mein Sammelgebiet verstärkt bei Auktionshäusern und Händlern im Internet informieren um günstige Angebote zu erhalten.

Noch einen schönen Sonntag wünschend
philaspass (Karl-Heinz)
 
TeeKay Am: 08.12.2020 23:33:51 Gelesen: 734# 69 @  
@ bovi11 [#64]

" Notopfer- und Wohnungsbaumarken und entsprechende Belege sind so ein Beispiel."

Hier eine Postkarte vom 20. Februar 1949. Schon wenige Wochen nach der Erstausgabe gab es also Menschen, die durchaus spezialisiert nach Notopfermarken fragten. Das Wissen um das Besondere war also schon sehr früh vorhanden. Das spricht für mich dafür, dass der Masse der Sammler das Wissen fehlte, was zur Anhäufung von Masse (= Schrott) führte.



Mit Schrott meine ich offensichtlichen Schrott. Die angeblich postfrische Bund-Marke mit fehlendem Eckzahn oder dicken Fingerabdrücken, der gefaltete Brief mit 100 Pf Frauen, die Jahresgabe der Versandstelle - eben offensichtlichen Schrott, der von genügend Sammlern in erstaunlicher Vielfalt in erstaunlich teurem Zubehör aufbewahrt wird (letzter Sammlungskauf ergab Einkaufspreise von mehr als 200 Euro für Lindneralben, in denen besagte Jahresgaben u.ä. aufbewahrt wurden, die damals jeder Sammler in exakt der gleichen Form erhielt).

Es stimmt einfach nicht, dass man nur lang genug warten müsse, um aus einer Schrankwand voll Schrott Raritäten erwachsen zu lassen. Die simple Marktrealität ist, dass die Lebenswerke der meisten Sammler Schrott waren und bleiben. Und die gesuchten Handrollstempel und Zwangszuschlagsmarken existierten auch vor 70 Jahren nicht in rauen Mengen und wurden nur von ahnungslosen Sammlern zugunsten von Versandstellenjahresgaben aussortiert. Die waren auch schon im Jahr des Erscheinens selten, wenn sie heute einen hohen Preis erzielen.

Schon 1978 gab es übrigens einen Katalog über Handrollstempel von Böhmen/Mähren, gleich in drei Auflagen. So gering kann das Interesse an Handrollstempeln vor 40 Jahren also nicht gewesen sein. :)
 

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