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Thema: Die Zukunft des BDPh und der Philatelie in Deutschland
Das Thema hat 38 Beiträge:
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Lars Boettger Am: 03.10.2011 16:11:29 Gelesen: 18828# 14 @  
@ filunski [#8]

Hallo Peter,

wie gesagt, hier in Luxemburg ist der Begriff "Preiss" (gerne auch "Hure-Preiss") sehr eng mit der Besetzung im 2. Weltkrieg verknüpft (und 1. Weltkrieg und der Bundesfestung). Darum auch die allergische Reaktion auf die Verwendung "Preusse". Mir ist klar, dass das nicht so gemeint war. Aber ich habe den Eindruck, dass er oft leichtfertig verwendet wird und ganz klar negativ besetzt ist.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
Lars Boettger Am: 03.10.2011 19:27:03 Gelesen: 18775# 15 @  
@ vozimmer [#10]

Hallo Volker,

die Situation in vielen Vereinen ist schwierig. Gar keine Frage. In vielen Vereinen funktioniert aber auch das Werben von Mitgliedern. Diese Vereine haben oft Tauschtage, Vorträge, eigene Zeitschriften etc. - wenn das Angebot stimmt, dann lebt der Verein.

Auch die Arbeitsgemeinschaften muss man differenziert sehen. Vielen Arbeitsgemeinschaften geht es nicht gut. Überalterung und sinkende Mitgliederzahlen sind dort zu spüren. Es gibt natürlich auch die ArGen, die wachsen und gedeihen. Hier gilt im gleichen Maße das oben gesagte: Wenn das Angebot (Literatur, Hefte, Treffen, Vorträge) stimmt, dann finden sich die Mitglieder (fast) von alleine.

Die Jugendarbeit des BDPh ist sehr erfolgreich. Hier arbeiten engagierte Sammler, die sehr viel neues bringen, seien es Spiele oder Broschüren oder Unterrichtsmaterial. Das einfach einstampfen? Die Jugend sammelt Briefmarken. Sie muss nur Anleitung und Information bekommen. Ob dann später weiter gesammelt wird, das bleibt abzuwarten. Da bin ich weniger pessimistisch.

Briefmarken sammeln und Philatelie ist ein altersloses Hobby. Ich kann mit 8 Jahren sammlen und noch mit 80 Jahren. Ich muss den Sammlern aber vermitteln, warum es Sinn macht, Mitglied im BDPh oder in einem BDPh-Verein zu sein. Wenn ich für meinen Beitrag etwas bekomme, was mir einen Mehrwert schafft, dann bin ich gerne Mitglied.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
Lars Boettger Am: 03.10.2011 19:43:38 Gelesen: 18761# 16 @  
@ Briefmarkensammler [#12]

Internet: Da tuten wir grundsätzlich in das gleiche Horn. Da ist aber nach wie vor viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Der Mitgliederbereich hat seinen Sinn - wenn ich Mitgliedsbeiträge dafür ausgebe, um etwas zu schaffen, was den Mitgliedern nützt, dann müssen nicht alle anderen davon profitieren. Sonst sind die BDPh-Mitglieder die Dummen. Die Gleichung Internet = Umsonst geht nicht auf.

Werbung in der "philatelie" + Onlineausgabe: Das Thema ist nicht neu, da sind wir dran. Ich gehe davon aus, dass es in den nächsten sechs Monaten eine befriedigende Lösung geben wird. Mehr kann und möchte ich dazu nicht sagen. Noch einmal, Werbung gehört dazu, viel Werbung ist hervorragend! Ein Problem weniger!

Preussen: Ich habe meine bayrischen Landsleute ins Herz geschlossen. Aber mir geht der leichtfertige Umgang mit dem Schimpfwort "Preussen" auf den Keks. Das mag im Freistaat "lustig" sein, kann aber über der Landesgrenze ein gerichtsfähiges Schimpfwort sein.

Herr Sieger: Das Haus Sieger wird gerne auf die Motivsammlungen reduziert. Übersehen wird, dass dort a) sehr viel hochwertige Markenware verkauft wird, b) nicht mehr ausschliesslich Briefmarken, c) die Länderabos teuer, aber vorbildlich dokumentiert sind und d) Herr Sieger ein Philantrop ist. Und wenn ich ein Gespräch am Rande des Philatelistentages richtig mitbekommen habe, dann sind Motivsammlungen durchaus wieder gesucht und werden deutlich besser bezahlt, als noch vor 10-15 Jahren...

Herr Maassen: Wenn ich etwas schreibe, dann dauert das ein paar Tage, wenn nicht Wochen. Ich gehe davon aus, dass Herr Maassen all das gesagte in der Oktober-Philatelie haben wollte. Und das musste dann extrem schnell gehen...

Beste Sammlergrüsse!

Lars

P.S. Ich habe auch drei Bilder von mir in der "philatelie" gefunden =D
 
drmoeller_neuss Am: 04.10.2011 18:36:44 Gelesen: 18653# 17 @  
Zur Philatelie:

Werbung: Ich habe nichts gegen Werbung in der "Philatelie", und jeder Sammler muss damit umgehen können. Manche Anbieter sind grenzwertig und die Werbung für Nachgummierungen in der "Philatelie" einfach nur ärgerlich (das hatte ich aber bereits schon in einem andereren Thread erfolglos diskutiert). Viel Werbung in der Philatelie bedeutet auch, dass dem BDPh die Mittel zur verfügung stehen, um gegen zwielichtige Anbieter vorgehen zu können.

Fälschungsbekämpfung: Der BDPh sieht sich wohl in der Funktion des Minenräumers bei ebay, damit man da gefahrlos einkaufen kann. Diese einseitige Bevorzugung von ebay finde ich bedenklich, zumal das Gebahren von ebay mich immer mehr von dieser Plattform abschreckt (Stichworte: Willkür, paypal-Zwang, seit neustem: Abtretung der Kaufpreisforderung an ebay). Versteht das bitte nicht falsch, ich fordere keinen Fälschungslöscher für delcampe. Der Schwerpunkt sollte auf "Aufklärung" liegen. Da könnte auch in der Philatelie durchaus mehr gemacht werden. Wie wäre es mit regelmässigen Rubrik zum heraustrennen und sammeln im Aktenordner?

Inhalt: ich lese die Philatelie gerne, und zwar in Papierform in öffentlichen Verkehrsmitteln. Bitte für mich weiterhin die Druckausgabe herstellen, damit ich von diesen neumodischen elektronischen Lesegeräten (Kindle, IPod) keine Augenschäden bekomme. Eine Jahreszusammenfassung als pdf auf CD fände ich gut. Die CD muss auch nicht umsonst sein, schliesslich erspart sie mir die Lagerung alter Heftestapel.
Inhaltlich kann man immer meckern, vor allem über die "nicht-philatelistischen" Artikel. Den Wachwechsel im "Consilium Philatelicum" hätte man in wenigen Sätzen erwähnen können. Mir sind es auch zu viel Gesichter im Artikel über die BDPH-Hauptversammlung und des Philatelietages. Statt unseren Vorsitzenden das dritte Mal abzubilden, würde mich viel mehr ein interessates Stück aus seiner Sammlung interessieren (und gleich das Vorurteil abbauen, die "Funktionäre" haben mit dem Briefmarkensammeln nichts mehr am Hut.) Gegenteilige Meinungen zu Wort kommen zu lassen, finde ich sehr gut, allerdings hätte ich in beiden Fällen die Autoren um eine erhebliche Kürzung ihres Betrages gebeten. Der Vorteil hätte auch darin bestanden, dass ein kürzerer Beitrag tatsächlich gelesen wird. Auch die Ankündigung der Messe Sindelfingen ist in diesem Umfang nicht sinnvoll, den Messeplan gibt es am Eingang für alle Besucher. Wer nicht hinfährt, dürfte sich kaum dafür interessieren, wo welche Arbeitsgemeinschaft untergebracht ist. Die philatelistischen Artikel sind wie immer lesenswert, und alleine die Mitgliedschaft im BDPh wert.

Allgemein:

Allgemein kann ich mich mit Volkers Beitrag am besten identifizieren. Allerdings gibt es eine Reihe Ortsvereine, die sehr aktiv sind und auch regelmässig neue Mitglieder begrüssen können. Es ist nicht alles schwarz-weiss. Kauze gibt es überall, und manchem Sammler würde regelmässige Körperpflege gut stehen. Die Ausdünstungen durch Alkoholkonsum oder Kettenrauchen zu kompensieren, halte ich für keine gute Idee, da dann auch die Ware danach riecht. An den vielzitierten "ungewaschenen Rentnern" ist schon etwas Wahres daran. :-)

Sicherlich ist der BDPh reformbedürftig, allein schon wegen der angespannten Haushaltslage. (Frage am Rande: warum sorgen der BDPh und die "Stiftung Philatelie" nicht im verstärkten Masse dafür, Sammlungen von verstorbenen Mitgliedern als Vermächtnis einzutreiben? Vielen Sammlern würden das nach ihrem Tod viel lieber sehen, als wenn ihre Schätze von desinteressierten Erben über drittklassische Auktionatoren verhökert werden. Der BDPh und die "Stiftung Philatelie" könnten zum Beispiel Mustertexte für Vermächtnisse zur Verfügung stellen).

Meine provokanten Fragen:

Brauchen wir (noch) die Landesverbände?

Wer ist die Zielgruppe? Ist es wirklich die "Jugend" (die besser Sport treiben sollte) oder alle Menschen 40+, die auf der Suche nach einen geruhsamen Hobby sind, und nicht auf jeden Cent schauen müssen?

Es gibt zwischen 2 und 3 Millionen Sammler, davon brauchen 97% den BDPh nicht. Warum liegt dieses Potential brach?
 
Lars Boettger Am: 04.10.2011 20:01:14 Gelesen: 18617# 18 @  
@ drmoeller_neuss [#17]

Ein paar Anmerkungen: Die "philatelie" gibt es von 2003 bis 2010 auf DVD, Bezug über PhilaPromotion: http://www.phila-promotion.de/xtcommerce/index.php?cat=c10_Neuheiten.html bzw. http://www.phila-promotion.de - wobei die "philatelie" bzw. die Bundesnachrichten von 1949 an digitalisiert werden und dann als DVD vorliegen wird.

Als Funktionär (der bin ich nämlich) kann ich Dir dieses Jahr meine Sammlung zur Besetzung 1. Weltkrieg in Luxemburg noch in Wiltz, Sindelfingen und Hannover zeigen und erklären. Davor waren zwei meiner Exponate bei der SAMOLUX zu sehen und eines in Schwäbisch Gmünd vor drei Wochen.

Fälschungslöschung bei Delcampe: Das hat lange Jahre funktioniert. Einige Sammler haben auch noch eingeschränkte Moderatorenrechte, aber meine umfassenden Moderatorenrechte wurden gelöscht bzw. deaktiviert. Weder persönlicher, noch brieflicher Kontakt haben daran etwas ändern können.

Wenn ich "nur" meine Briefmarken von der Post beziehe und nicht rückwärts sammle, dann benötige ich den BDPh nicht wirklich. Ein Großteil der Sammler dürfte in diese Kategorie fallen. Aber wer anfängt, Geld für seine Sammlung auszugeben und andere Gebiete als "Bund modern" sammeln möchte, für den lohnt es sich schon.

Ich entschuldige mich dafür, dass ich den Thread so zu spamme, aber mir liegt das Thema verständlicherweise am Herzen.

Beste Sammlergrüsse!

Lars
 
stephan.juergens Am: 02.04.2016 09:40:06 Gelesen: 13952# 19 @  
@ Hobbyphilatelist

Das wollen wohl eine Handvoll Personen. Aber was bringt es, wenn der BDPh zerstört wird? Ist ein solcher Wunsch noch normal?

Ja solch ein Wunsch ist normal.

Weil es keinen anderen Weg gibt, dass es in zwanzig/dreissig Jahren noch einen funktionierenden Bundesverband der Philatelisten gibt.

Der jetzige Verband ist m.E. strukturell bedingt nicht reformfähig. Eine Satzung, in der letztlich 5-6 Leute darüber abstimmen,wie die Verbandspolitik aussieht (und mehr Leute sind es nicht, welche auf den Bundestagen die Beschlüsse treffen - die anderen Landesverbände und die Einzelmitglieder werden zwar brav mit ausgezählt, aber auf die Entscheidung haben sie keinen Einfluss.)

Das wichtigste wäre m.E. ein Deligierten-System oder eine Beschränkung, dass eine Natürliche Person nicht mehr als sagen wie 200 oder 300 Stimmen vertreten darf. Klar heißt dass, dass dann mitgliederstarke Landesverbände mit vielen Personen anreisen müssen - aber dass kann nur gut sein - mehr Leute, die sich die parallele Ausstellung antun, die die Händlerstände beglücken, die Nachts ein Bier und ein Bett brauchen. Klar, das kostet alles - aber Demokratie und Verbandsarbeit kosten halt. Und wer sagt denn, dass der Verband die Reisekosten/Hotelkosten übernehmen muss - es muss einzig sichergestellt werden, dass die Zuschüsse für alle Teilnehmer gleich sind.

Kurz: Den BDPh JETZT töten, wo es noch eine signifikante Anzahl von Philatelisten gibt, die von Sinn und Wert einer bundesweiten Organisation überzeugt sind, ist sinnvoller als noch fünf bis zehn Jahre zuzuwarten. Jetzt ist die Chance noch da, dass aus der Asche was funktionierendes Neues entsteht. In zehn Jahren werden sich die verbleibenden Philatelisten in der Virtuellen Welt so weit vernetzt haben, dass viele den Sinn einer Vereinigung in der Realen Welt nicht mehr verstehen werden - schau Dir doch nur die Kommentare hier im Forum an. Hier tummeln sich doch schon viele, die ernsthafte Philatelisten sind, aber einer Vereins- oder Arge-Mitgliedschaft sehr kritisch gegenüberstehen, weil sie keinen Sinn einer Organisierung sehen. Klar - die sind es gewohnt, dass sie in den Foren ihre Infos umsonst (oder ist kostenlos das richtige Wort ?) bekommen.

Wolfgang Maassen schrieb in seiner jüngsten Phila Historica sinngemäß: "Die wichtigsten Verfechter des Digitalen Publizierens sind diejenigen, die selbst am wenigsten lesen". Dies mag so stimmen - aber mit einer Digitalen Publikation erreiche ich ohne großen Kostenaufwand innerhalb von 3-4 Monaten 500 Philatelisten als Neu-Abonementen für das Middle East Forum (Zahl ebenfalls aus der PhilaHistorica). Wenn eine Arge auf einem großen Event wie Sindelfingen oder Essen ein neues Mitglied gewinnt, wird gefeiert, bei zweien fliegen die Champagnerkorken. Sorry, der Weg ins 21. Jahrhundert ist nicht mehr aufzuhalten - die Strukturen und Techniken aus dem 19. Jahrhundert funktionieren nicht mehr (gut genug).

Ich hab jetzt nicht gesagt, dass ich den Wegfall von gedruckten Zeitschriften möchte oder gut finde - aber dies ist die unaufhaltsame Entwicklung. Klar, es ist sicherlich noch nie so preiswert möglich gewesen wie heute, eine 40-50 seitige Zeitschrift mit ansprechendem Äußeren in einer Auflage von 50-60 Exemplaren herzustellen - wenn ich mit einer Email an den Freundeskreis aber deutlich mehr Reaktionen erhalte als auf ein gedrucktes Rundschreiben einer Arge - fragt man sich aber doch, ob sich der Aufwand lohnt.

[Beitrag redaktionell verschoben aus dem Thema "Stiftung Philatelie: Peter Feusers Fragen an die Stiftungsaufsicht"]
 
olli0816 Am: 02.04.2016 11:27:53 Gelesen: 13906# 20 @  
Ich bin so jemand, der Anhänger der neuen Strukturen ist, sprich ich nutze sehr gerne Foren. Im Gegensatz zu der Behauptung von Herrn Maassen (ich beziehe mich hier auf meinen Vorschreiber) lese ich recht viel und habe sogar einiges an Büchern zu Briefmarkenthemen zu Hause. Eine Zeitschrift, die vielleicht zwei bis drei Themen im Jahr bringt, die mich interessieren finde ich persönlich mit den heutigen technischen Mitteln überflüssig. Trotzdem wird daran festgehalten. In jedem Forum gibt es unzählige Themen, davon für mich interessante und weniger interessante. Andere Sammler haben andere Interessen und sie werden sich die jeweiligen Themen anschauen, wo ich vielleicht nicht dabei bin. Das macht aber nichts, weil es in einem Forum kinderleicht ist, Themen zu suchen und sich - im Gegensatz zu einer Zeitschrift - daran aktiv zu beteiligen. Viele lesen sicher nur und tragen nichts zu den Themen bei. Das macht aber auch nichts, da es viele gibt, die sich einfach nur informieren möchten oder zu einem Thema zu wenig wissen, um etwas dazu zu schreiben. Letztendlich ist das wie in der richtigen Welt: Ein kleiner Teil ist aktiv, die Mehrheit passiv. Das sagt aber nichts über das Interesse aus.

Wenn ich mir so die Diskussionen über den BdPh durchlese sowie die Einlassungen, wer nun die Jahresgebühr bekommen sollte und weiterleitet, animiert das einem wahrlich nicht, dass man in so einer Organisation eintreten mnöchte. Ich sehe da keinen großen Mehrwert, mein Hobby kann ich auch ohne den Verbänden weitreichend nachgehen. Letztendlich bietet der Verband nur Gezänk (siehe Parallelkommenar) und für mich selber keinerlei Mehrwerte. Ich bin da ganz ehrlich: Da spende ich lieber für ein Patenkind als das ich einen sinnlosen Beitrag an eine Organisation überweise, die mir eine sinnlose Zeitschrift bietet. Ich habe mich schon über die alten Herren in alten Häusern beim Unterzeichnen von sinnlosen Dokumenten ausgelassen. Ne, da investiere ich weder Zeit noch Geld.

Was die neuen Medien betrifft: Auch wenn es das Internet schon über 20 Jahre gibt und es immer noch viele Leute gibt, die das Internet noch nicht gefunden haben, sind wir technologisch erst am Anfang. Das ist etwas, was ich aus erster Hand sagen kann, da ich für so ein Unternehmen arbeite, dass über 10 Jahre im voraus plant was kommen wird. Die Leute, die heute das Internet nicht gefunden haben, werden es auch in Zukunft zum größten Teil nicht mehr finden. Das sind aber - realistisch gesehen - nicht mehr diejenigen, die in 20 Jahren aktiv Briefmarken sammeln. Die Verbände/viele Vereine agieren aber gerade so, als wären diese Technologien in 20 Jahren immer noch nicht wichtig. Gerade die Veränderungen, die z.T. viel zu schnell kommen werden, bringen die Leute dazu, sich auch alten Dingen in ihrer Freizeit zu widmen, um einen Ausgleich zu finden. Das werden sie aber immer mehr durch neue Technologien realisieren. Menschen mit Wohnsitz in einer Stadt für das ganze Leben gibt es bei den Jungen heute schon immer weniger. Meine alte Abschlußklasse ist, wenn ich mir die letzte Excelliste anschaue, nicht nur in ganz Deutschland sondern in vielen Ländern verteilt. Das heißt, stationäre Ortsvereine werden unwichtiger und Argen wichtiger, weil ich auch auf dem Mars sitzen kann, um z.B. in der Griechenland-Arge Mitglied zu sein. Im Ortsverein muß ich Glück haben, einen Interessenten zu finden, der sich auch dafür begeistert. Der BdPh und viele andere Organisationen treten aber so auf, dass ich heute in meine Dorfkneipe gehe, wo ich in einem Briefmarkensammlerverein bin, dort zu dem alljährlichen Sommerfest gehe und schön brav die Philatelie lese, weil da so viele Sachen drinstehen, die mich interessieren. Ist ja schließlich Briefmarkensammeln, oder? Das klappt so heute nicht und deswegen machen immer mehr Vereine dicht und werden die Mitglieder im BdPh weniger. Dazu kommt natürlich, dass die Briefmarke im normalen Leben keinen Stellenwert hat, weil immer weniger geschrieben wird und die Briefe immer mehr uninterressant frankiert werden. Die Technik setzt sich durch und von daher gibt es viele Sachen bald nicht mehr oder nur, um an Leuten Geld zu verdienen. Das sieht man an der Ausgabepolitik.

Um mal einen Eindruck zu bekommen, wo wir uns hinbewegen, anbei ein Link:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Holoportation-Microsoft-zeigt-beeindruckende-3D-Videochats-mit-der-Hololens-3151946.html

Ich arbeite für diese Firma nicht, aber Virtual Reality, Augmented Reality oder Extra-Reality (Video) wird die Welt verändern. Das ist nur ein kleinerer Ausschnitt, da andere Sachen am Start sind, die eine ähnliche Änderung bewirken werden. Und das ist genau so wie bei den Foren: Der Nachwuchs tummelt sich dort, wo sich etwas bewegt. Und damit meine ich nicht nur die 16jährigen, sondern auch sehr viele, die im normalen Berufsleben stehen. Es gibt Mitmachseiten mit z.T. ernsthaften wissenschaftlichen Hintergrund, z.B. http://www.asteroidzoo.org und da ich in Aktien investiere, habe ich für eine amerikanische Gesellschaft bequem hier im Sessel über die wichtigsten Punkte abgestimmt. Hat keine 5 Minuten gedauert. Das nennt man Direktdemokratie und da müssen auch nicht zu sehr hohen Kosten x Leute für jede Abstimmung irgendwo hin fahren. Die Welt entwickelt sich weiter, aber wenn ich mir das über die Verbände und die Argumentationen (z.T. auch keine gute Streitkultur) durchlese, gibt es nichts, was ich sehe, dass ich dort in irgendeiner Weise aktiv werden möchte. Und ich schätze, da bin ich nicht alleine.
 
Francysk Skaryna Am: 02.04.2016 16:22:22 Gelesen: 13780# 21 @  
@ olli0816 [#20]

Moin,

Virtual Reality, Augmented Reality oder Extra-Reality (Video) wird die Welt verändern

Man sollte dabei aber nicht diejenigen ausgrenzen, die aus irgend einem Grund daran nicht teilnehmen können oder wollen. Und spätestens da stößt das ganze an seine Grenzen. Ein Verband, der Mitglieder nicht zu halten, geschweige denn zu gewinnen weiss, hat auch mit dieser Technik keine Chance.

Gruss
 
Cantus Am: 02.04.2016 16:43:54 Gelesen: 13767# 22 @  
@ olli0816 [#20]

Hallo,

ich gebe dir durchaus recht, dass sich das Freizeitverhalten vieler Menaschen immer mehr vom realen Leben weg und hin zu einer virtuellen Wahrnehmung bewegt, so jedenfalls verstehe ich deine Worte. Und es ist auch unübersehbar, dass der absolut überwiegende Teil der Menschen, die ich vor allem in Städten so um mich herum wahrnehme, kaum noch im realen Leben miteinander kommuniziert, sondern sich statt dessen fast pausenlos und in fast jeder nur denkbaren Situation dem Handy und den daraus bezogenen Informationen widmet. Alle diese Menschen sind für uns als potentielle Briefmarken- oder Ganzsachensammler unerreichbar. Es mag ja sein, dass sie sich auch ab und zu einmal auf phliatelistische Forenseiten oder Ähnliches verirren und den einen oder anderen Beitrag lesen, dadurch wird man aber nicht zum Sammler, sondern höchstens zum Informationskonsumenten.

Man kann im Internet oder ganz allgemein in der virtuellen Welt nicht tatsächlich sammeln, denn das philatelistische Sammelgut muss man schließlich auch in der Realität in Händen halten können. Man kann sich dort informieren, solange einzelne Menschen bereit sind, entsprechende Informationen im Netz öffentlich zu machen, wenn aber immer mehr "Sammler" nur noch konsumieren wollen und immer weniger bereit sind, sich in der realen Welt philatelistisches Wissen anzueignen und dieses kostenlos allgemein zur Verfügung zu stellen, wird es in wenigen Jahrzehnten zumindest im mitteleuropäischen Raum kaum noch Menschen geben, die die Bezeichnung "Sammler" verdienen. Daran kann auch eine Fortentwicklung von Technik nichts ändern.

Du gehörst - ebenso wie ich - zu den Sammlern, die eine ganze Reihe von Interessens- und Sammelgebieten pflegen, aber letztlich gehört alles, was uns so interessiert, der Vergangenheit an, besteht also aus Papier und nicht nur aus Abbildungen, die man sich irgendwie zusammenstellen kann. Mit unseren Sammelgebieten dürfte es schwer sein, innerhalb eines Ortsvereins geeignete Mitsammler in so reicher Auswahl zu finden, dass sich dort eine länger währende Mitgliedschaft lohnt, dafür bieten sich dann ARGEn oder überregionale Vereine oder meinetwegen auch eine Direktmitgliedschaft im BDPh an, letzteres würde allerdings den Materialumlauf zwischen Sammlern nicht fördern und ohne neues Material wird jedes Sammeln irgendwann langweilig.

Mir liegt eine wie auch immer geartete zukünftige Form der Philatelie und damit auch einer größeren Sammlerschaft außerordentlich am Herzen und ich opfere deshalb ausnahmslos jeden Tag mehrere Stunden Zeit, um mit abwechslungsreichen Beiträgen hier und in auch anderen Foren immer wieder Neues zeigen zu können in der Hoffnung, damit auch potentielle Neusammler so anzusprechen, dass sie sich nicht gleich wieder anderen Themen zuwenden, sondern sich zu echtern Sammlern in der realen Welt entwickeln.

Das ist meine persönliche Art der Philatelieförderung, andere gehen da andere Wege. Dem BDPh kommt dabei die übergeordnete Rolle zu, Philateliewerbung ganz allgemein und unabhängig von örtlichen Gegebenheiten so zu gestalten, dass eine bestmögliche Wirkung erzielt wird. Dabei sind organisierte Ausstellungen eher nicht so geeignet, auch Publikationen in Fachzeitschriften dürften potentielle Interessenten kaum erreichen, da wohl kaum jemand, der sich für die Philatelie erst einmal nicht interessiert, auf die Idee kommen würde, sich eine Briefmarkenzeitung zu kaufen oder eine Fachausstellung zu besuchen.

Ich sehe daher sehr wohl die zwingende Notwendigkeit, den heute existierenden BDPh oder eine anders geartete übergeordnete Organisationsform beizubehalten, damit unabhängig von örtlichen Gegebenheiten und regionalen Empfindlichkeiten die Philatelie insgesamt dauerhaft beworben und auf vielfaltige Art und Weise gefördert wird. Dazu bedarf es mit Sicherheit mehr Personen als nur sechs Vorstandsmitglieder im BDPh, aber viele von denen, die sich hier im Forum negativ zu diesen Strukturen geäußert haben, sollten sich reinen Gewissens einmal fragen, wieviel persönliche Freizeit und wieviel persönliches Einkommen sie denn dauerhaft zu opfern bereit sind, um unabhängig von eigenen Sammlerinteressen ganz allgemein das Fortbestehen der (organisierten) Philatelie zu fördern, in der realen oder der virtuellen Welt, denn auch da ist nichts wirklich umsonst.

Viele Grüße
Ingo
 
22028 Am: 03.04.2016 11:27:06 Gelesen: 13609# 23 @  
@ stephan.juergens [#19]

aber mit einer Digitalen Publikation erreiche ich ohne großen Kostenaufwand innerhalb von 3-4 Monaten 500 Philatelisten als Neu-Abonementen für das Middle East Forum (Zahl ebenfalls aus der PhilaHistorica).

Diese 500 Neuabonnenten sind auf der ganzen Welt verstreut, und wer kann abschätzen wie viel Arbeit sich Tobias Zywietz macht, der die Zeitschrift verlegt? Auch die kann nur erscheinen, weil zahlreiche hochkarätige Philatelisten aus der ganzen Welt sich mit Beiträgen daran beteiligen, und praktisch alle der Autoren sind Aussteller, ergo in der Verbänden, Vereinen, Arbeitsgemeinschaften Mitglied und dies oft auch in leitender Funktion. Und ja, auch ich bin Autor in der Zeitschrift und auch in der nächste Ausgabe, die kurz vor Vollendung steht ist ein Beitrag von mir drinnen.

Die Hintergründe aber welche zur Herausgabe dieser Zeitschrift führten waren ganz spezielle - nicht auf die allgemeinen Verbände übertragbar.
 
stephan.juergens Am: 03.04.2016 21:59:14 Gelesen: 13492# 24 @  
@ 22028 [#23]

Ich glaube schon, dass ich mir ungefähr vorstellen kann, welchen Arbeitsaufwand Tobias Zywietz mit seinem Middle East Forum hat.

Ich denke, dass sein Aufwand vergleichbar ist mit dem, den ein Arge-Redakteur hat (und dessen Aufwand kann ich aus eigener, mehrjähriger Erfahrung gut beurteilen). Und die 500 Abonnenten sind natürlich nicht vom Himmel gefallen und dürften genau wie die Autoren zu weiten Teilen in den Mitgliedsverbänden der FIP organisiert sein.

Darum ging es mir aber gar nicht: Das MEF ist ein Beispiel dafür, dass man mit relativ wenig Kostenaufwand - der Arbeitsaufwand wird auch in der "organisierten" Philatelie weitestgehend vernachlässigt - funktionierende Philatelistische Stukturen (= "Abonentenkreis einer Zeitschrift") aufbauen kann. Weitere Beispiele, die ohne den BDPh genausogut funktionieren wie mit sind z.B. die Webseiten von Jürgen Olschimke. Und da gibt es noch einige weitere private Homepages, die viel Philatelie bieten, ohne aber wirklich die Unterstützung des BDPh zu benötigen. Dass viele dieser Personen auch Mitglied im BDPh sind - gut. Aber Du glaubst doch nicht, dass Tobias Z. oder Jürgen O. ihre Webseiten dichtmachen, wenn es den BDPh nicht mehr geben wird? Und auch dieses Forum ist nicht von der Existenz des BDPh abhängig, obwohl Richard und viele des Philaseiten Teams Mitglied im BDPh sind.

Kurz: Die Philatelie im Internet ist m.E. nicht von der Existenz des BDPh betroffen. Und auch viele Argen und Ortsvereine werden ohne den BDPh weitermachen (können). Vermutlich werden die Ortsvereine einige Mitglieder einbüßen, weil eine zentrale Leistung (die Zeitschrift "philatelie") weg fällt. Aber: es ermäßigt sich auch der Mitgliedsbeitrag. Glücklicherweise hat der BDPh die finanziellen Förderungen für Argen und Ortsvereine ja soweit Richtung 0 gefahren, dass der Wegfall die Existenz nicht bedrohen sollte.

Kurz: Ein Ende des BDPh ist die Chance auf einen Neuanfang mit besseren Strukturen, und nicht ein Horroszenario, welches die Philatelie in Deutschland zerstören wird.
 
Cantus Am: 03.04.2016 22:47:49 Gelesen: 13466# 25 @  
@ stephan.juergens [#24]

Was hast du denn ständig mit den Mitgliedsbeiträgen? Das ist doch völlig uninteressant, es sei denn, der persönliche Geiz bestimmt alles übrige Handeln. Ich selber bin Rentner, habe kein Vermögen oder sonstige deutliche Finanzmittel in der Reserve, bin aber trotzdem in einem Verein, der bis Ende 2014 jährlich 400 Euro kostete. Dann wurde eine jährliche Beitragserhöhung auf 450 Euro beschlossen und in 2017 wird der Betrag dann voraussichtlich nochmals um 50 Euro auf 500 Euro jährlich angehoben, ganz einfach desbalb, weil der Verein das Geld braucht, um seinen Zielen gerecht werden zu können. Das kann ich auch nicht so aus dem Ärmel schütteln, also habe ich ein Sparbuch, um am Ende des Jahres auch diesen Beitrag zahlen zu können.

Was ich damit sagen will, ist doch ganz einfach. Entweder ist mir mein Verein wichtig, dann muss ich einfach entsprechende Dispositionen treffen, oder mir gehen auch bereits geringe Finanzveränderungen vor allem anderen, dann muss ich eben aus dem Verein austreten. Ich halte es schlicht und einfach für völlig unverantwortlich, mit einer so nebensächlichen Finanzkeule über Wohl und Wehe einer über Jahre gewachsenen und im Großen und Ganzen immer noch recht gut funktionierenden Organisation entscheiden zu wollen.

Viele Grüße
Ingo
 
Hobbyphilatelist Am: 03.04.2016 23:41:37 Gelesen: 13440# 26 @  
@ Cantus [#25]

Ich halte es schlicht und einfach für völlig unverantwortlich, mit einer so nebensächlichen Finanzkeule über Wohl und Wehe einer über Jahre gewachsenen und im Großen und Ganzen immer noch recht gut funktionierenden Organisation entscheiden zu wollen.

Da wollen vier oder fünf Leute über den BDPh bestimmen und weil sie dies nicht können, wollen sie ihn zerstören. So etwas ist in meinen Augen nicht normal.
 
Magdeburger Am: 04.04.2016 07:50:16 Gelesen: 13360# 27 @  
Einen BDPh wird es auch in Zukunft geben!

Aktuell finden jetzt etliche Landesverbandstagungen statt. Dort gibt es die Möglichkeit mal nachzufragen, wie die Zukunft den aussehen könnte. Dazu wichtige Entscheidungen werden von den einzelnen Landesverbände getroffen und nicht von BDPh-Vorstand.

Wie von vozimmer schon geschrieben, ist auch meine Meinung, dass nur die Argen und gut funktionierende, starke Ortsverbände überleben können. Abstrakt wird von den Argen i.d.R. die Literatur kommen, von den verbleibenden Ortsverbänden die Organisation von Ausstellungen, Werbeschauen usw.

Ortsvereine werden sich zu größeren Einheiten zusammen schliessen und Wege finden müssen, die Philatelie besser nach "außen" zu tragen. Bspw. denke ich da an Kooperationen mit Geschichts- und Heimatvereinen, Modelleisenbahner, oder mit Ansichtskartensammler usw. Ideen sind hier gefragt!

Ob es letztendlich nur noch Argen und Ortsvereine/-bände und einen Bundesvorstand gibt, vermag ich nicht zu sagen. Denkbar wäre es.

Allgemein wichtig dazu ist, dass man miteinander redet und zwar auf allen Ebenen. Dies ist m.E. eines der größten Probleme, wenn nicht gar das Größte. Denn nur miteinander wird es gehen und nicht gegeneinander.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
olli0816 Am: 04.04.2016 18:13:35 Gelesen: 13252# 28 @  
@ Francysk Skaryna [#21]

Es geht nicht um Ausgrenzung. Alte Strukturen werden nicht von heute auf morgen verschwinden. So lange sich genügend Leute einfinden, die ausschließlich so sammeln wie vor zwanzig Jahren und daran nichts ändern möchten, werden sie das weiterhin tun. Das Problem ist, dass jüngere Generationen, und da rede ich von 50 abwärts Technik ganz anders nutzen als ein heute 70jähriger, der seine jungen Jahre keine Handys oder Computer kannte und damit natürlich nicht nutzte.

Wir haben heute das Problem, dass gerade nachfolgende Generationen nicht mehr auf den alten Wegen erreicht werden. 20jährige nutzen Technologien noch ganz anders als ich knapp 50jähriger. Aber mir fällt bei den Briefmarkensammlern (vor allem die alten Mitglieder) eine Aversion gegen neue Arten der Kommunikation auf. Und genau das ist nicht zielführend, da die alte Generation zum größten Teil in 20 Jahren nicht mehr da ist. Die Gefahr ist ähnlich wie bei den Telefonkarten: Die waren, als sie jeder brauchte, eine zeitlang ganz beliebt. Heute bekomme ich sie im 1000 billiger und werde sie trotzdem nicht mehr los, weil sich eben kein Mensch dafür interessiert. In zehn oder zwanzig Jahren wird fast niemand mehr wissen, wofür man eine Telefonkarte überhaupt brauchte?

@ Cantus [#22]

Die Verschiebung ins virtuelle ist sehr gut beobachtet. Wenn man heute öffentlich fährt, schaut jeder zweite in sein Handy, Kindle, was auch immer. ich warte nur darauf, das der erste mit einer Virtual Reality Brille im Zug sitzt. Das dauert sicher noch was. Wo ich nicht mit dir übereinstimme: das alle unerreichbar sind. Sie werden nicht erreicht, weil sie nicht angesprochen werden. Ich bin sogar überzeugt, dass gerade wegen der immer größeren Zunahme der virtuellen Welt die Leute als Abwechslung Dinge suchen, die außerhalb dessen liegen. Vielleicht kann man in zehn Jahren (ziemlich sicher) Rio de Janeiro virtuell durchwandern inkl. der besten Plätze beim Karneval. Oder ein FC Bayern-Spiel mitten auf dem Spielfeld oder auf der Ehrentribüne virtuell neben Rummenigge oder Hoeness anschauen (Das mit dem Spielfeld ist schon angedacht). Oder virtuell die Eiger-Nordwand besteigen - es gibt heute tatsächlich schon ein Bergsteigprogramm, was ganz gut funktioniert. Trotz all dieser Möglichkeiten weiß der Mensch, dass das nicht real ist. Rio in Natur ist halt doch schöner und ein Bergsteig-Freak klettert den Eiger, wenn er gut genug ist, dann doch lieber real rauf.

Ich schaue mir z.B. ganz gerne Online-Sammlungen an, weil man sieht, was die Leute so treiben und wie sie sich vorstellen, ihre Sammlungen aufzuziehen. Philasearch ist mein Freund und auch die Auktionskataloge sowohl im Netz als auch als Papierkatalog genauso wie einige Foren. Aber es ist ein ganz anderes Gefühl, einen schönen alten Brief "live" in der Hand zu halten oder z.B. den Schwarzen Einser zu besitzen. Das kann einem die virtuelle Welt einfach nicht bieten. Sie ist nur Hilfsmittel und ich finde, ein sehr mächtiges Werkzeug, um gerade etwas so weit verzweigtes wie das Briefmarken sammeln und alles was drumherum ist gut zu dokumentieren und mit Gleichgesinnten sich auszutauschen. Es ist nur eine Erweiterung, wenn auch in meinen Augen eine sehr große.

Was das Vergangene betrifft: gerade das interessiert doch sehr viele. Wie war die Welt 1950 oder 1800? Wie haben die Leute gelebt, wie haben z.B. die Städte ausgeschaut. Fast alle mittel- und osteuropäischen Städte haben sich gerade wegen den beiden Kriegen sehr stark gewandelt. Hamburg, Berlin oder München im Jahre 1930 oder älter werden z.B. durch Postkarten und alten Büchern dokumentiert. Das wird die Leute immer interessieren. Wie sah z.B. der Potsdamer Platz 1935, 1960 und 1990 aus? Ich komme auf den, weil ich erst vor kurzem da war. Man kann das in Zukunft auch virtuell irgendwie darstellen, aber die alten schwarz-weiß Fotographien oder die kolorierten Karten sind nett anzusehen und haben einen gewissen Flair.

Mit einer Papierzeitschrift, wo ich nur ein paar Themen abbilden kann wie bei einer Giesskanne komme ich nicht weiter, weil gerade das Gebiet Briefmarkensammeln zu groß ist. Das wird der Sache aufgrund besserer Methoden nicht mehr gerecht. Da helfen auch nicht die Bildchen von irgendwelchen Vorständen weiter. Das interessiert den normalen Sammler einfach nicht. Warum sollte es das auch? Jeder hat im Berufsleben und mit Familie & Mobilität immer weniger Zeit und deshalb konzentriert man sich auf spannende Dinge. Und die Interessenten sind heute nicht mehr örtlich gebunden, das zeigt auch die Mitglieder in Portalen, die weltweit irgendwo leben. Das ist dann vielleicht mal ein guter Grund, in ein anderes Land zu reisen, wenn man dort schon jemanden kennt.

Wenn man denn so einen Dachverband haben möchte, fände ich es auch viel sinnvoller, wenn sich dieser direkt um seine Mitglieder kümmert, sprich ohne irgendwelche Zwangsmitgliedschaften bei Argen oder Vereinen. Die Mitglieder stimmen direkt über die Belange und Aufgaben des Verbandes ab und die Beteiligten müssen direkt ihren Mitgliedern Rechenschaft abgeben. Abstimmungen kann man in der heutigen Zeit auch über das Internet durchführen für die Leute, die nicht persönlich anwesend sein können. Im übrigen: Die Jahresbeiträge und die Erhöhungen sind gemessen an anderen Dingen, wofür wir Geld ausgeben ein Witz. Und man hätte so wirklich üble Diskussionen wie in dem Nachbarthread aus Stuttgart nicht an der Backe. Das ist wirklich Antiwerbung für unsere Hobby. Ist aber nur meine persönliche Meinung.

Jetzt ist mein Beitrag doch länger geworden, als ich wollte. Dafür zeige ich als Ausgleich drei Belege, warum ich als "virtueller" Mensch gerne Briefe & Briefmarken sammle:




 
Francysk Skaryna Am: 05.04.2016 10:53:13 Gelesen: 13149# 29 @  
@ olli0816 [#28]

Moin,

Das Problem ist, dass jüngere Generationen ... Technik ganz anders nutzen

Das war schon immer so, das die jeweils nächste Generation ihre Zeit anders strukturiert hat als die vorangegangene. Sicher ist das Internet für die meisten von uns eine genau so gute wie sinnvolle Ergänzung (wobei ich jetzt mal den Anteil daran außen vor lasse).

Es ist aber schon an anderer Stelle angeklungen, dass die jüngere Generation ihr Umfeld schon fast gar nicht mehr wahr nimmt. Hier wirkt sich die moderne Technik auch nicht nur positiv auf die Gesellschaft aus. An diesem Punkt sollte man vielleicht auch mal einen Moment inne halten und überlegen, ob man einem vermeintlichen Trend unreflektiert hinterher rennt.

Gruss
 
uli Am: 05.04.2016 12:04:42 Gelesen: 13107# 30 @  
@ Francysk Skaryna [#29]

Ich bin überzeugt, dass olli0816, ich und andere diesem vermeintlichen Trend nicht unreflektiert hinterher rennen. Zum einen ist es kein vermeintlicher Trend - er existiert. Zum anderen geht es nicht darum unser Hobby zu virtualisieren, sondern die Möglichkeiten der technischen Entwicklung zu nutzen, um auf "das Umfeld" - die Philatelie - aufmerksam zu machen . Um bei einem Beispiel aus dem Beitrag von olli zu bleiben: Wenn man Leute motivieren möchte nach Rio zu reisen und den Karneval mitzuerleben, dann hat man dazu

im Jahr 1880 einen einseitigen Zeitungsbericht (nur Text) veröffentlicht,
im Jahr 1930 eine Radioreportage von 15 Minuten gesendet,
im Jahr 1970 eine Hochglanzbroschüre mit vielen bunten Bildern gedruckt,
im Jahr 1990 eine 45minütige Farbfernsehsendung produziert,
im Jahr 2010 eine umfangreiche Website programmiert.

Im Jahr 2030 wird das am besten klappen, wenn man eine virtuelle Reise nach Rio als App zur Verfügung stellt.

Die Essenz des Beitrags von olli lautet "Unser Hobby hinkt bei Angebot und Nutzung den gegebenen Möglichkeiten der neuen Technologien stark hinterher.". Ich stimme dem zu.

Gruß
Uli
 
Cantus Am: 05.04.2016 18:40:49 Gelesen: 13016# 31 @  
Das Wesentlichste beim Kommentar von olli0816 scheint mir der letzte Absatz zu sein:

Wenn man denn so einen Dachverband haben möchte, fände ich es auch viel sinnvoller, wenn sich dieser direkt um seine Mitglieder kümmert, sprich ohne irgendwelche Zwangsmitgliedschaften bei Argen oder Vereinen. Die Mitglieder stimmen direkt über die Belange und Aufgaben des Verbandes ab und die Beteiligten müssen direkt ihren Mitgliedern Rechenschaft abgeben. Abstimmungen kann man in der heutigen Zeit auch über das Internet durchführen für die Leute, die nicht persönlich anwesend sein können.

Folgt man dem, wird aus dem bisherigen Dachverband BDPh auch wieder nur ein Verein, vielleicht anders organisiert als heute, aber wenn es denn eine direkte Mitbestimmung der Basis geben soll, dann kann das kein Dachverband mehr sein. Das mit den Abstimmungen sehe ich eher kritisch, denn schaue dir ganz allgemein die Wahlbeteiligung bei staatlichen Wahlen oder auch hier bei Richards regelmäßiger Umfrage an, da gibt es einfach zu wenige, die bereit sind, mindestens auf dem Wege ihre Meinung kundzutun, geschweige denn, ohne persönlichen Vorteil private Freizeit zu opfern oder sich offen und frei im Netz zu positionieren. Und wie sollte eine Abstimmung im Netz funktionieren, wenn sich die meisten nur hinter einem Kunstbegriff verstecken? Außerdem würde der Betrieb einer Website, auf der Wahlen stattfinden können, doch einiges an Programmierpotential erfordern, das sicherlich nicht umsonst zu haben ist und also auch von den Mitgliedern mitfinanziert werden müsste.

Ich kann mir auch nur wenige Themen vorstellen, über die in der Philatelie im Rahmen einer basisdemokratischen Abstimmung Meinungen eingeholt und in zukünftiges Handeln verwandelt werden könnten. Und wenn dabei zum Beispiel über Beitragserhöhungen abgestimmt werden sollte, besteht die große Gefahr, dass die Mehrheit dagegen ist, ohne sich möglicher Folgen bewusst zu sein oder überhaupt darüber nachdenken zu wollen. Und dann passiert - wegen fehlender Mittel - im Verein nur noch wenig - und dann braucht man vielleicht die Mitgliedschaft nicht mehr und tritt aus dem Verein aus. Das wäre dann das Ende der Basisdemokratie in der Philatelie.

Ich bin im Übrigen der Auffassung, dass ich für mein ganz persönliches Sammeln weder einen Landesverband noch den BDPh brauche, für die Vertretung der deutschen Philatelie insgesamt jedoch in aller Welt braucht es irgendeine Organisation, die unabhängig von Empfindlichkeiten an der Basis ihren Aufgaben nachgehen kann. Die Leute, die diese Aufgaben dann wahrnehmen sollen, werden sicherlich so wie auch gegenwärtig allerlei negativer Kritik ausgesetzt sein, aber unabhängig davon müssen sich diese Philatelievertreter erst einmal für das Amt zur Verfügung stellen (nur meckern reicht nicht) und dann für ihre Tätigkeit auch angemessen entlohnt werden.

Viele Grüße
Ingo
 
olli0816 Am: 06.04.2016 12:25:07 Gelesen: 12895# 32 @  
@ uli [#30]

Dank der geringen Resonanz bin ich froh, auch mal eine Zustimmung zu bekommen. Genau richtig beschrieben und das Problem erkannt. Für mich ein wesentlicher Punkt, um zukünftig mehr Menschen für Briefmarken zu interessieren. Ob etwas in dieser Richtung gemacht wird, wage ich aber zu bezweifeln.

@ Cantus [#31]

Nein, das ist nicht mein wesentlicher Absatz, obwohl ich den Weg logischer finde.

Nehmen wir mal die Abstimmung in diesem Forum für Mitglieder oder Auktionshäuser, die besonders beliebt sind. Ist das jetzt wirklich was wesentliches, über das man abstimmen müßte? Wenn sich ein Mitglied für eines meiner Gebiete interessiert, sich auskennt und das hier zeigt, werde ich das natürlich wahrnehmen. Wenn es aber ein Gebiet ist, wo nicht meine Interessen liegen, wird es schwierig, da ich ihn nicht wahrnehme. Das ist der Grund, warum ich z.B. nie an der Abstimmung teilnehme. Gleiches für die Auktionshäuser: Ich habe ein paar im Ausland, die ich gut finde, aber hier nicht vorkommen. Da ich z.B. Griechenland die alten Hermesköpfe sammle, ist Karamitsos natürlich eine erste Anlaufstelle. Gutes Auktionshaus, aber für bestimmt 99% nicht relevant, weil nicht ihr Sammelgebiet. Von den aufgelisteten in der Beliebtheitstabelle habe ich bestimmt schon bei zehn Häusern irgendetwas gekauft. Letztendlich bin ich mit den meisten zufrieden gewesen. Das wichtigste für mich ist, ob was angeboten wird, was ich brauche. der Service ist dann bei dem jeweiligen Auktionshaus meistens ähnlich gut, zumindest mein Eindruck.

Was die Wahlbeteiligung betrifft: Ist das heute anders? Die einzelnen Ortsverein oder Argenmitglieder in der Mehrheit sind die BdPh Versammlungen insgesamt nicht wichtig genug, dass sie irgendwohin fahren und einzeln abstimmen. Die Themen sind z.T. auch zu weit weg und man ist halt durch die Zwangsmitgliedschaft dabei. Wobei hier eine Tendenz besteht, das Ortsvereine ganz gerne austreten, da der Mehrwert nicht gesehen wird. Alles recht individuell. Wenn dann wie z.B. bei der Folienproblematik einer einen Antrag stellt und dann die Landesverbände, die sicher nicht jedes einzelne Mitglied nach ihrer Meinung gefragt haben, mit x Sammelstimmen so etwas entscheiden können, ist das auch nicht wirklich Demokratie. Es ist natürlich utopisch, jeden einzeln allein in des Masse zu befragen. Und seien wir ehrlich: Vielen gehts am Popo vorbei, weil das nicht Bestandteil ihres Lebens ist.

Ein Satz fällt mir besonders auf:

Da gibt es einfach zu wenige, die bereit sind, mindestens auf dem Wege ihre Meinung kundzutun, geschweige denn, ohne persönlichen Vorteil private Freizeit zu opfern oder sich offen und frei im Netz zu positionieren -> ist jetzt ein Teilsatz.

Ja, warum sollten sie es ohne persönlichen Vorteil tun? Der Mensch ist nicht uneigennützig. Warum schreibt hier jemand viele Kommentare zu Themen? Um als persönlichen Vorteil Spaß an der Sache zu haben, einige mögen die Anerkennung und andere neue Kontakte. Das ist eine Win-Win-Situation. Und warum soll man Mitglieder nicht motivieren? Ich habe in meinem Job auch einen "Club" von Resellern, die ich ständig motiviere, weil die nicht uneigennützig handeln. Bin ich ja auch nicht, nicht mal mit diesem Kommentar (ich möchte zum Nachdenken animieren). Ich finde das bei einer Freizeitbeschäftigung auch ein bisschen viel verlangt, das jemand ständig uneigennützig zu sein hat.

Was die virtuellen Wahlen betrifft, muß man nichts programmieren. So was gibts als Dienstleistung. Ich habe mal einen Dienstleister herausgesucht (bin weder verwandt, verschwägert, noch habe ich Kontakt zu dem Anbieter): https://www.polyas.de/faq. Es gibt noch einiges anderes.

Viele Sachen sind heutzutage schon über Plattformen realisiert und wahrlich kein Hexenwerk. Günstiger und zeitlich flexibler ist es für Einzelthemen allemal. Und jeden, den es interessiert, kann daran teilnehmen. Er bekommt ein Mail mit Zugangsdaten und loggt sich ein und sagt ja oder nein oder Vorschalg 1,2,3,x.

Dann die Beitragserhöhungen:

Die müssen eben verargumentiert werden, warum das der Fall ist. Wofür wird das Geld verwendet, warum möchte man dies & das finanzieren. Man kann unterschiedliche Arten der Mitgliedschaften machen. Der BdPh ist dann immer noch der Dachverband für alle Organisationen und unterstützt die viele Dinge, was Ortsvereine & Landesverbände so planen. Nur muß er dann präsenter sein und seinen Sinn darstellen. Da muß er aber auch mit seinen Mitgliedern mehr zusammen arbeiten und sich evtl. Themen annehmen, wo er momentan nicht oder nicht genug tätig ist.

Ich bin mir sicher, dass es nicht nur den armen Rentner mit micktiger Rente als Sammler gibt, der sich schwer tut, diesen Jahresbeitrag zu bezahlen. Und der muß ihn noch als Zwangsbeitrag bezahlen, weil sein Lieblingsverein im BdPh ist. Den sieht man aber sicher nicht auf einer Briefmarkenschau in Monaco und der bekommt als Gegenleistung die Zeitschrift zugesendet, damit er sieht, dass er im BdPh ist. Die Frage ist: Hat das für einen armen Rentner wirklich Priorität? Andererseits zeigen die Umsätze der Auktionshäuser, die in den letzten jahren so nebenbei ihre Gebühren stark erhöht haben, dass es viele Menschen gibt, die wirklich Geld ausgeben. Das heißt: hochpreisige Philatelie ist durchaus ein Thema. Und die könnten mit einem Sponsoring, wo sie bei einem Thema auch aktiv sich einbringen können, den Verband massiv unterstützen, wenn sie darin einen Sinn sehen. Beitragserhöhungen sind sicher nichts populäres, aber komischerweise sehen die Leute es ein, wenn dafür etwas gemacht wird, dass das Thema weiterbringt. Und hier haben wir das Problem: Viele sind mit der Arbeit des BdPh nicht einverstanden oder sehen es als negativ an (Offenlegung der Verträge der Philatelie-Zeitung, Transparenz, Folienproblematik, Kartonphilatelie BdPh, abrupte komplette Einstellung der Unterstützung der Bibliotheken, Kommunikation was weiß ich). Andererseits fehlt die Fortentwicklung, die ich bereits weiter oben geschrieben habe. Einer hatte geschrieben, das 97% der Sammler nicht im BdPh wären. Das ist ganz schön viel, finde ich und zeugt nicht von erfolgreicher Arbeit.

Du hast Recht damit, dass man keinen Dachverband zum sammeln benötigt. Brauche ich auch nicht. Aber ein Dachverband macht nur Sinn, wenn es eine große Basis gibt, die ihn als sinnvoll erachtet und wo durch Unterstützung, sei es finanziell, sei es bei Mitwirkung bei Projekten diesen stark macht. Es fehlt irgendwie eine positive Entwicklung/Vision und es wird zu sehr auf dem beharrt, was man die letzten 50 Jahre gemacht hat. Man schafft sich damit ab. Und damit kann man die Parallele ziehen zu den Telefonkarten, die heute keine Sammler mehr hat.

Wir sind davon nicht mehr ganz so weit weg. Ich war z.B. letztes Jahr in Lissabon am Sonntag in der alten Markthalle. War reiner Zufall dass es dort eine Briefmarken- und Münzenmesse gab. Das Verhältnis war 10 % Briefmarken mit wenig interessantem, 80 % Münzen und 10 % Rest. Das heutige System geht genau in diese Richtung und funktioniert immer schlechter. Die Leute werden nicht erreicht, weil bestehende moderne - und für ander Sparten heute schon selbstverständliche - Technologien nicht genutzt werden, um zu zeigen, das Briefmarken gerade wegen der schnellen Änderungen in unsere Gesellschaft eine gute Ablenkung und Entspannung sein kann. Bei den Chinesen gibt es Online-Börsen, die klassischen Auktionen werden immer unwichtiger genau wie Ladengeschäfte und die Marken werden ähnlich wie in der Börsen gehandelt. Das ist dort sehr populär, obwohl Chinesen viel lieber zocken als wir. Der chinesische Briefmarkenmarkt ist größer als wir hier in Deutschland. Man kann die Technik entweder nutzen oder man ist in 20 Jahren weg. So einfach ist das.
 
Cantus Am: 06.04.2016 13:56:45 Gelesen: 12840# 33 @  
@ olli0816 [#32]

Hallo Olli,

in vielem, was du schreibst, hast du durchaus recht, aber ich will da nicht mehr drauf eingehen, das kostet mich einfach zu viel Zeit und Kraft. Zwei Dinge aber möchte ich doch noch ansprechen, denn wir gehen wohl doch etwas unterschiedlich an das Thema heran.

Das eine betrifft die Beteiligung an Wahlen und insbesondere hier an der internen Umfrage. Für mich persönlich ist es völlig uninteressant, ob die Person, die mir positiv aufgefallen ist, ähnliche Sammelinteressen pflegt wie ich. Vielmehr ist von Bedeutung, ob das nur ein Schmalspursammler ist, der nur eigene Interessen verfolgt, oder aber z.B. jemand, der durch abwechslungsreichste bebilderte Beiträge Leben ins Forum bringt. Ob es jemand ist, der neu zum Sammeln gelangt ist und nun durch reges Mittun an vielen Stellen sein Wissen erweitert oder eigene besondere Kenntnisse weitergibt. Oder sogar jemand wie ich, der in der Vergangenheit nur deshalb irgendwelche Belege erworben hat, um die Abbildungen der Allgemeinheit im Forum oder z.B. der Stempeldatenbank zur Verfügung zu stellen. Es gibt viele Gründe, warum einzelne Personen eine besondere Erwähnung verdienen, das Schwierige ist nur, sich dann für nur fünf Personen entscheiden zu müssen. Ich persönlich rufe mir jeden einzelnen möglichen Kandidaten mit seinen letzten etwa zehn Beiträgen auf, um vergleichen zu können, und nur danach gebe ich meine Stimme ab. Das aber könnte auch jeder andere tun.

Ein anderer Punkt, der hier bisher noch gar nicht zur Sprache gekommen ist, der aber sehr wohl wichtig ist, ist das Alter der einzelnen Diskussionsteilnehmer. Ich selber bin jetzt 67 Jahre alt und nach letzten Statistiken bleiben mir noch etwa 7 Jahre, bis ich das durchschnittliche Sterbealter hier in der Gegend erreicht habe. Ich hoffe natürlich, noch ein paar Jahre länger zu leben, aber grundsätzlich ist es doch so, dass dieser Grundgedanke mit in meine Überlegungen einfließt, wenn es darum geht, wie mein privates Haupthobby, die Ganzsachen- und Stempelphilatelie, sich auch noch nach meinem Ableben fortentwickeln soll. Die meisten derer, die heute die Ortsvereine füllen, dürften ebenfalls im Rentenalter sein, und deshalb ist ihre Herangehensweise an dieses Problem eine ganz andere als bei Menschen, die vielleicht erst vierzig Jahre alt sind. Wenn nun in einer Form der basisdemokratischen Abstimmung über die Zukunft des BDPh abgestimmt werden soll, dürften wohl die Stimmen der Älteren den Ausschlag geben und der wird sicherlich nicht in Richtung moderne Technologien gehen. Ich weiß da auch keine alle Seiten befriedigende Lösung, aber so lange wir noch miteinander Reden, ist die Zukunft noch offen.

Viele Grüße
Ingo
 
Magdeburger Am: 06.04.2016 18:08:12 Gelesen: 12740# 34 @  
@ Cantus [#33]

Ich bin sicher, dass eben nicht miteinander geredet wird, bzw. viel zu wenig.

@ alle

Argen sind keine Mitglieder der BDPh, sondern Mitglied in einem LV oder dem Verband Philatelistischer Arbeitsgemeinschaften [1].

Gerade diese bieten ein "gutes" Beispiel (wie es eigentlich nicht sein sollte):
Meist mindestens 90% der Mitglieder wollen nur die regelmäßigen Publikationen und beteiligen sich aktiv nicht mit Beiträgen. Grob gilt dies auch für Foren. Die große Masse ist eher passiv im Hintergrund. Warum?

Das dies auch anders ist, zeigen die Verkäufe auf Onlineplattformen auch in Deutschland.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf

[1] http://www.vpha-online.de/index.php/arbeitsgemeinschaften-gesamt
 
10Parale Am: 06.04.2016 20:29:14 Gelesen: 12680# 35 @  
@ Cantus [#33]

Ein anderer Punkt, der hier bisher noch gar nicht zur Sprache gekommen ist, der aber sehr wohl wichtig ist, ist das Alter der einzelnen Diskussionsteilnehmer.

Ich stelle mir nur mal kurz vor, wir wären alles Whiskyflaschensammler und würden über einen Dachverband mit dem Namen "Bund deutscher Whiskyflaschensammler" diskutieren. Wir müssten uns eingestehen, dass wir Schottland, Irland und die USA nicht übersehen dürften.

Ich sehe durchaus die Chance, dass der Bund deutscher Philatelisten die Herausforderung der Globalisierung, angefacht durch die virtuelle Welt der modernen Computertechnik, meistern kann.

Was die Passivität der Mitglieder in Vereinen oder in der virtuellen Forenwelt betrifft, führe ich auch ich ein Zwitter-Dasein. Vielleicht ändert sich das mal in 10 Jahren in der Rente. Nicht jeder kann sein Hobby zum Beruf machen. Jedoch fühle ich mich manchmal wie ein kleiner Hobby-Wissenschaftler, der zu Hause hinter seinen verstaubten Büchern seiner Wissenschaft nachgeht und die Meriten verdient, die ihm das Leben nicht gönnen wollte.

Um beim Whisky zu bleiben, Cantus: je älter, je besser.

Liebe Grüße

10Parale
 
Cantus Am: 07.04.2016 00:36:02 Gelesen: 12598# 36 @  
@ 10Parale [#35]

Hallo 10Parale,

mit Whisky kann man mich jagen gehen, der Geschmack liegt mir überhaupt nicht, aber meine Frau ist einem wohltemperierten puren Maltwhisky gegenüber (also ohne Wasser oder Eis) nicht abgeneigt.

Viele Grüße
Ingo
 
Hangover Am: 07.04.2016 09:44:20 Gelesen: 12552# 37 @  
@ Magdeburger [#34]

"Meist mindestens 90% der Mitglieder wollen nur die regelmäßigen Publikationen und beteiligen sich aktiv nicht mit Beiträgen. Grob gilt dies auch für Foren. Die große Masse ist eher passiv im Hintergrund. Warum?"

Ich kann das zumindest aus der Perspektive einer Arbeitsgemeinschaft erläutern, in der ich für einige Jahre die Mitgliederkartei geführt habe:

- Ein beträchtlicher Anteil der Mitglieder sind Briefmarkenhändler oder Auktionatoren.
- Die Fraktion "unter 60/65" steht im Berufsleben und hat in der Regel nicht so viel Zeit zur Mitarbeit wie sie gerne hätte.
- Einige alte Mitglieder sind zwar noch dabei, haben aber ihre Sammlungen verkauft bzw. sind aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr aktiv, unterstützen aber mit ihren Mitgliedsbeiträgen und Spenden die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft.
- Dann gibt es die Neumitglieder, die noch lernen und sich meist nicht trauen etwas zu schreiben

Da bleiben dann schnell nur noch 10-20% Aktive übrig. Einen Artikel für den Rundbrief so zu schreiben, dass er druckfähig ist, braucht viel Zeit. Mal schnell etwas im Internet für die eigene Sammlung kaufen läuft nebenher.

Viele Grüße,
-Matthias
 
Erdinger Am: 07.04.2016 14:11:43 Gelesen: 12466# 38 @  
@ Hangover [#37]

Diese Zahlen kann ich als relativ frischer Rundbriefredakteur der ArGe Bayern (klassisch) nur bestätigen. Unser Mitglied bayern (klassisch) hat allerdings zahlreiche Neumitglieder durch unermüdliche Präsenz in Internetforen angeworben, darunter auch vor Jahren mich, ohne direkte Ansprache. Ralph hat schon vor Jahren erkannt, dass man Interessenten mit Inhalten "anfüttern" muss. Ohne solche Foren-Spezialbeiträge mit Lehr- und Lerncharakter wären viele der Jüngeren weder in die ArGe noch als Sammler dahin gekommen, wo sie jetzt sind. Jetzt schreiben mehrere davon für den Rundbrief, bis zu 20 Autoren pro Ausgabe können es schon werden. Meine Aufgabe ist es nun unter anderem, Mitglieder zur Mitarbeit zu animieren.

@ uli [#30]

"Unser Hobby hinkt bei Angebot und Nutzung den gegebenen Möglichkeiten der neuen Technologien stark hinterher."

Das zweite Wort im Satz sagt schon alles: Hobby. Das Ziel ist Entspannung, nicht die Suche nach einem zweiten Beruf. Wer die Möglichkeiten der neuen Medien aktiv ausschöpfen will, muss wissen, was er tut, technisch und inhaltlich. Für Faulheit in dieser Hinsicht habe ich durchaus Verständnis, denn ehrlich gesagt lege ich nach 10-12 Stunden selbstständiger Bildschirmarbeit kaum gesteigerten Wert darauf, abends noch eine philatelistische Homepage zu programmieren und regelmäßig mit Inhalten zu füllen.

Schön, dass es nun trotzdem kostenlose PDF-Zeitschriften mit Substanz wie PhilaHistorica oder das Middle East Philatelic Bulletin aus Deutschland gibt. Ich könnte mich jetzt darüber mokieren, dass Adobe Acrobat bereits seit 23 Jahren existiert, aber kaum jemand hat die Möglichkeiten dieses wirklich tollen Mediums jemals ausgeschöpft. ePubs und Liquid Layouts sägen zwar an diesem Ast, aber da muss erst genügend inhaltliche Substanz vorhanden sein, bis die Ablösung vollends gelingt.

Neue Medien funktionieren eben am besten, wenn sie mit interessanten Inhalten gekoppelt sind. Mein Weg ins Netz begann 1995 als Beatles-Sammler, nachdem ich in einem auf dem Kopierer vervielfältigten und per Post verbreiteten Fanzine (!) von den tollen Homepages und Foren vor allem aus den USA gelesen hatte. Etwas höher angesiedelt: Das iPod wäre ohne iTunes zum kapitalen Rohrkrepierer geworden.

Also: Beklagt keine Defizite, schafft Inhalte.

Und das bringt mich endlich zum eigentlichen Thema: "Die Zukunft des BDPh und der Philatelie". Für einen US-Bürger z.B. ist das Internet ein Segen, weil es die großen Distanzen überbrücken hilft. Anders als etwa in den USA ist unser Hobby in Deutschland räumlich dagegen (noch) sehr kleinteilig organisiert. Überleben könnten philatelistisches Vereinswesen und Dachverband meiner Meinung nach am ehesten, wenn die historisch gewachsene Struktur (1946/47 Neu-/Wiedergründung der Vereine, 1947 erste Landesverbände, 1949 Gesamtverband) teilweise aufgegeben wird.

Der Wegfall der Landesverbände käme manchen altgedienten Funktionär zwar hart an, hätte aber auch den Vorteil, erfahrenes Personal für einen Bundesverband freizusetzen. Dazu käme eine direkte persönliche oder korporative Mitgliedschaft der Vereinsmitglieder/der Vereine im Bundesverband, was die beklagten Demokratiedefizite verringern könnte. Ob der Bundesverband sich so als Dienstleister der Vereine und der Mitglieder positionieren könnte, wie es der WPhV fordert? Das würde in meinen Augen eine stärkere Professionalisierung voraussetzen. Überwiegend ehrenamtlich ist ein solches Aufgabenbündel wie Dienstleister/Fälschungsbekämpfer/Internationale Vertretung usw. meines Erachtens kaum zu stemmen.

Alternativ nimmt man schlicht und einfach eine Trennung vor: Es gibt Vereine (mit Landesverbänden) und außerdem den Bundesverband. Letzterem gehört nur an, wer will (als Direktmitglied). Dann bleibt langfristig vermutlich eine Art Royal Philatelic Society übrig, nur dass man keine Bürgen braucht, um beizutreten.

Was die von manchen propagierte "Internauten"-Lösung (man organisiert sein Leben und die Kontakte mit anderen vornehmlich über das Internet) betrifft, glaube ich, dass die Digitalisierung auch nicht in den Himmel wachsen wird, egal, was die Gurus sagen. Es gibt mittlerweile auch eine nicht zu unterschätzende Menge von Menschen, die ihr Leben zurückhaben wollen.

Viele der neuen Technologien überfordern nämlich selbst technik-affine Menschen (die Bedienungsanleitung einer Digitalisierungsbox Premium der Telekom - PDF! - zählt 344 Seiten, überwiegend in IT-Fachsprache abgefasst). Die Möglichkeiten einer Technologie werden - siehe oben: Acrobat - selten wirklich ausgelotet. Warum auch? Bis ich alles draufhabe, kommt das Update, und vieles sieht anders aus. Fragt mal den stolzen Besitzer eines Autos neueren Produktionsdatums, ob er sich gründlich mit den Assistenzsystemen beschäftigt hat. Oder Hände hoch: Wer kennt sich mit der Tabellenfunktion von Word gut aus?

Und die braucht man ganz sicher, wenn man ein philatelistisches eBook machen will.

Viele Grüße aus Erding!
 

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