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Thema: (?) (12) Deutsches Reich Feldpost 2. Weltkrieg: Kurland
Brigitte Am: 12.02.2012 12:44:12 Gelesen: 10087# 1 @  
In der Philaseiten Auktion wurde ein vermeintlich wertvoller Feldpostbrief zu einem sehr hohen Startpreis angeboten.

Richard hat darauf unser Mitglied 'Feldpost-Admin' nach seiner kurzen Meinung gefragt und eine ausführliche Antwort erhalten, die es wert ist, hier im Forum veröffentlicht zu werden. Selbstverständlich mit Erlaubnis aller Beteiligten.



Hallo Richard,

danke für die Zusendung des Links.

Nachdem ich mir den Umschlag angeschaut und die Daten überprüft habe, habe ich folgende Informationen für Dich. Hierzu schlüssle ich erst einmal den Beleg an Hand der Feldpostnummer auf:

Feldpostnummer: 44764 C
Stempeldatum: 9.3.45
Einheit: 3. Abteilung der schweren Panzer - Abteilung 510
Unterstellt: Heeres Truppe/18. Armee
Einsatzort: Kurland

Als Bewertungsgrundlage wurde das Handbuch Michel Katalog "Deutsche Feldpost 1937 - 1945", 5. vollständig überarbeitet Ausgabe verwendet.

Beschreibung des Beleges:

Auf dem Bild sehen wir einen Feldpost Faltbrief der von der Front in die Heimat versendet wurde.

Auf der Brief Vorderseite haben wir den Ankunftsstempel von Hohenbooka mit dem Datum 9.3.45.

Laut Bewertung des Michl Kataloges "Deutsche Feldpost 1937 - 1945", Katalogseite 391, Nr. 2, unter der "Feldpost-Belege (ohne Zulassungsmarke) aus Kurland (ab 10.10.1944) haben wir einen Katalogwert von 50,00 Euro.

Würde auf der Brief Vorderseite ein Feldpost Normhandstempel - Kreisstempel 28 mm - Form 01 mit dem gleichen Datum abgeschlagen sein, käme noch ein Zuschlag von 100% hin, aber das ist nicht der Fall.

Somit hat der Beleg einen Katalogwert von 50,00 Euro.

Solltest Du noch Fragen haben, stehe ich Dir gerne weiter zur Verfügung. Sollte diese Aufschlüsslung nicht genügen, könnten wir noch einen Prüfer für Kurland zu rate ziehen den ich gut kenne.

Mit freundlichem Gruß

Markus
 
Carolina Pegleg Am: 12.02.2012 17:56:23 Gelesen: 10051# 2 @  
Markus, bist Du dir sicher, dass es sich hierbei um Feldpost aus Kurland handelt?

Ankunftsstempel auf normalen Briefen sind aus dieser Zeitperiode wohl eher selten, da Ankunftsstempel dafür schlicht nicht vorgesehen waren. Ich glaube eher, dass es sich bei dem Stempel von Hohenbooka um den Aufgabestempel handelt. Dafür spricht auch sehr stark die Positionierung des Stempels -- auf der Vorderseite rechts oben. In diesem Fall würde der Brief dann eventuell von einem Heimaturlauber oder aus einem Lazarett etc. stammen, wobei der Schreiber schlicht seine Feldpostnummer als Absender abgegeben hat: Sonst wäre die Portofreiheit auch nicht zu erkennen.

Da es sich um einen Faltbrief handelt, müsste sich das auch aus dem Briefinhalt beantworten lassen. Wenn ein Absendeort nicht angegeben ist, sollte das Briefdatum Aufschluss geben. Wenn der Brief vom selben (oder vorherigen) Tag des Stempeldatums datiert, dann ist es wohl eher keine Felpost aus Kurland, da so schnell die Post von dort wohl nicht mehr lief.

Also, so ganz überzeugt bin ich nicht. Ausser vielleicht wenn Feldpost aus Kurland in der Regel keinen Aufgabestempel aufweisen würde.

In jedem Fall vielen Dank für die Recherche. Ich hatte den Brief als 0.50 EUR Beleg angesehen, als ich ihn in der Auktion gesehen habe, aber vielleicht ist er ja doch interessanter als ich dachte.

Arno
 
Siegbert Am: 14.02.2012 17:15:42 Gelesen: 10000# 3 @  
Leider kann ich mir aus den Bildern keine Schlüsse ziehen, der Stempel ist jedenfalls nicht von der Feldpost und zivile Stempel aus dieser Zeit sehr selten. Vielleicht ein besserer Scann. Was aus Kurland noch raus kam, kam nicht weit, die Russen und auch dann die Polen haben auch alles abgefangen. Man sollte auch mit Briefen, die Datumstempel der Feldpost haben vorsichtig sein, denn es befinden sich viele Stempel in Privathand, die auch noch heute benutzt werden, und nicht nur im Ausland. Ein grosser Teil der Feldpost wurde gar nicht gestempelt und wenn der Brief Glück hatte kam er zu seinem Bestimmungsort. Natürlich sind solche Briefe postalisch nicht nachweisbar.
 
Feldpost-Admin Am: 15.02.2012 15:08:46 Gelesen: 9936# 4 @  
@ Carolina Pegleg

laut meinem Programm für die Feldpsotnummern bin ich mir absolut sicher dass dieser Brief aus Kurland ist. Ich hab mich auch nochmal rückversichert und mit einem Prüfer der nur Kurlandbelege prüft besprochen, auch sagt dass dieser Brief ein Kurlandbeleg sei.

Gruß
Markus
 
Feldpost-Admin Am: 15.02.2012 15:29:16 Gelesen: 9931# 5 @  
Hier habe ich noch ein Beleg der KEINEN Feldpoststempel hat und aus Kurland stammt.


 
Carolina Pegleg Am: 15.02.2012 21:49:47 Gelesen: 9897# 6 @  
@ Feldpost-Admin [#5]

Wirklich interessant. Und wieder etwas dazugelernt. Vielen Dank, Markus!
 
Feldpost-Admin Am: 16.02.2012 01:30:27 Gelesen: 9886# 7 @  
Nichts zu danken, stehe gerne für weitere Fragen zur Verfügung.

Wäre auf der Vorderseite des Feldpost Faltbriefes ein Feldpost Normhandstempel 28mm I Form 01 abgeschlagen, wäre der Ankunfststempel auf der Rückseite des Briefes abgeschlagen worden was aber nur sehr selten vorkam. Beim Einschreiben, Wertbrief, Kurierbrief und Geldanweisungen wurde immer ein Ankunftsstempel abgeschlagen.

Gruß Markus
 
Baldersbrynd Am: 31.10.2019 16:22:19 Gelesen: 431# 8 @  
Hallo

Ein Sammlerfreund von mir hat diese Briefvorderseite.

Er fragt kann sieecht sein, oder ist es eine Fälschung?

Ich glaube das es ein Einschreibebrief ist in der 2. Gewichtklasse.

In Michel steht: "Keine echten Bedarfsbriefe bekannt"

Kanne jemand er helfen?

Viele Grüße
Jørgen


 
hajo22 Am: 31.10.2019 18:46:36 Gelesen: 400# 9 @  
@ Baldersbrynd [#8]

Hasenpoth, sieht meines Erachtens nicht schlecht aus. Aber für eine kompetente Stellungnahme empfehle ich beim sachverständigen Prüfer Wilhelm van Loo (Spezialgebiet Kurland-Halbierungen/Feldpost) anzufragen.

hajo22
 
Baldersbrynd Am: 01.11.2019 15:43:45 Gelesen: 359# 10 @  
@ hajo22 [#9]

Hallo hajo22,

danke für Deine Antwort, ich habe Deine Information weitergegeben zu meinem Sammlerfreund.

Viele Grüße
Jørgen
 
WvanLoo Am: 07.11.2019 19:51:46 Gelesen: 213# 11 @  
Die Briefvorderseite ist eine Fälschung.

Diese Art Briefe sind Nachkriegsprodukte. Die Briefmarken sind echt, der Stempel ist zumindest falsch gebraucht. Einschreiben ohne jede postalische Information, zB. der registrierte Einschreibezettel fehlt. Das hat der Fälscher offensichtlich ganz vergessen und dafür auch keinen Platz gelassen. Für ein Einschreiben wäre die Rückseite mit dem Ankunftsstempel notwendig gewesen. Echte Briefe mit den Überdruckmarken KURLAND sind in den letzten Tagen vor Kriegsende nicht mehr gefertigt worden.

Wilhelm
 
hajo22 Am: 07.11.2019 19:58:41 Gelesen: 205# 12 @  
@ WvanLoo [#11]

Die Briefmarken sind echt, der Stempel ist zumindest falsch gebraucht.

Verstehe ich das richtig: Der Stempel ist echt, ein Gebrauch Ende April 45 jedoch nicht mehr möglich?

Können Sie einen zeitgenössischen R-Zettel von Hasenpoth zeigen?

Herzliche Grüße und danke für die Stellungnahme.

hajo22
 
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