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Thema: Niederlande: Fälschungen zum Schaden der Post
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:25:48 Gelesen: 16475# 1 @  
Niederländische Briefmarken gefälscht - Oder wie beseitigen wir den Handel mit unter Nennwert verkauften Briefmarken!

In seiner Pressemitteilung berichtet PostNL:

Haag, 27. Dezember 2011 - PostNL hat eine große Reihe von gefälschten Briefmarken verkauft durch öffentliche Websites abgefangen. Diese wurden zu einem Preis weit unter dem Nominalwert der Briefmarken angeboten. Der mögliche Schaden wäre mehrere Millionen Euro für PostNL.

Die spezielle Authentizität Systeme der PostNL erkannten die falsche Briefmarken wonach das Senden der Briefe oder der Pakete wird gestoppt. Nach Artikel 216 des Strafgesetzbuches verhängt wer Briefmarken oder gebrauchte Briefmarken als echte benutzt eine Höchststrafe von sechs Jahren Gefängnis.

Die gefälschte Briefmarken sind erkennbar, weil man sie immer auf einem Blatt von Aufklebern bekommt. Die Website worauf diese angeboten werden sind hier unten beschrieben. Diese falschen Briefmarken sind fast nicht von den echten zu unterscheiden. Nur durch Experten können die falsche Briefnmarken identifiziert werden, weil einige PostNL-spezifischen Sicherheits-Merkmale fehlen, wie eine Phosphorschicht. Der Aufkleber Blätter sind vor allem auf Einschreibe Sendungen und Pakete gefunden. Auch die gefälschten Briefmarken für das internationales Verkehr verwendet.

Ein Beispiel für einen Beitrag mit gefälschten Briefmarken finden Sie hier:

http://www.postnl.nl/voorthuis/postzegels/valse-postzegels/

http://translate.google.de/translate?hl=de&sl=nl&u=http://www.postnl.nl/voorthuis/postzegels/valse-postzegels/&ei=GoXLT87HC4Go4gSvgukv&sa=X&oi=translate&ct=result&resnum=1&ved=0CF8Q7gEwAA&prev=/search%3Fq%3Dvoorthuis/postzegels/valse-postzegels%26hl%3Dde%26biw%3D1237%26bih%3D933%26prmd%3Dimvns

[Der untere Link wurde als Google Übersetzung redaktionell hinzu gefügt]
 
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:26:54 Gelesen: 16473# 2 @  
Dieser Eintrag wurde am Postzegelblog veröffentlicht!



Es würde danach sehr viel geschrieben! Vor allem, da es einige Dinge völlig falsch waren und Sammler irregeführt worden waren. Briefmarken aus dem Jahre 1977 [und damalige langfristige Briefmarken] sind weiterhin gültig und können - der Wert ins Euro konvertiert - erfolgreich eingesetzt werden für Frankierung.

Es gab in Händen der Sammler eine enorme Menge an Briefmarken welche jetzt in der Philatelie wertmäßig unverkäuflich geworden sind. Seit Jahren waren diese Briefmarken zu einem Bruchteil des Nennwerts eingekauft worden und wieder verkauft an Unternehmer oder Verbänden. Das ist NICHT illegal! Dass es vorgefertigte Etiketten auf Bögen gibt welche von Unternehmen über das Internet verkaufen werden, ist auch legal. Dass man dann diese für Einschreibesendungen oder Pakete auf diesen bereits fertige Aufklebern benutzt ist OK! Die Verwendung von Phosphor in der Beschichtung einer Briefmarke wurde damals im Rahmen des Post-Mechanisierung eingeführt und ist völlig getrennt von Sicherheitsmerkmalen.

Es ist wahr, dass jetzt alle Briefmarken versehen sind mit Phosphor, so dass Briefmarken ohne Phosphor jetzt verdächtig sind, aber die Gulden Werte Juliana Regina waren in den Zeitraum 1969-1981 niemals mit Phosphor versehen! In 1981, wenn es Probleme gab beim Papiereinzug, wurde das Papier für die niedrigen Werte genutzt - mit Phosphor von Harrison & Sons - auch in Betrieb gesetzt für die Gulden Werte! Dies hatte nichts mit Postmechanisierung oder Falschheitbekämpfung zu tun!
 
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:27:30 Gelesen: 16472# 3 @  
Der Schrei eines Authentizität System hört sich toll an, aber jeder Sammler weiß, wie einfach es ist, jede beliebige "Marke" als Briefmarke zu benutzen und durchrutschen zu lassen ! Natürlich sind gefälschte Briefmarken mit einigen Schwierigkeiten zu erkennen, aber wer glaubt dass PostNL eines solches System hat? Später komme ich wieder auf eine Reihe von Aspekten, die hilfreich bei der Bestimmung der Fälschungen sind!


 
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:28:16 Gelesen: 16471# 4 @  
Abgesehen von Erwähnen einer Phosphorschicht hat PostNL - bis zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels keine konkrete Anhaltspunkte herauskommen lassen. Alle Verkäufe von Briefmarken - sowohl durch den regulären Handel im Niederländischen Verein Briefmarken Handler (NVPH) organisiert als auch die über den im Internet aktiven "Großhandel" - wurde stark diskreditiert. In einem Flyer auf allen Verkaufpunkten PostNL's verteilt wurde öffentlich gewarnt vor der Verwendung von Aufkleber mit Briefmarken, da es wohl um gefälschte Briefmarken geht.


 
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:29:16 Gelesen: 16470# 5 @  
Was ist so zur Verfügung?

Es ist klar, dass die Verwendung der Gulden Werte, für denen es kein weiteres Interesse bei Sammlern mehr gab, eine Reihe von Möglichkeiten hat. Pakete und Einschreiben innerhalb des Landes, sondern auch Sendungen ins Ausland lag auf der Hand!

Dennoch werden die Kleber meistens für den Innenlandesgebrauch benutzt und PostNL gab die Beispiele bereits: € 0,46, € 0,92, € 1,38, € 1,84 (unterschiedliches Gewichtsschritte eines Briefes) € 6,75 (Paket bis 20kg), € 7,00 ( Einschreiben).

Für das Ausland (Europa) braucht man € 6,32 (Brief bis 500g), 9,48 € (Einschreiben), € 14,30 (eingetragenes Paket bis 2 kg)

Die Aufkleber hatten meistens eine echte Briefmarke mit Phosphor zumindest für Briefe! Um durch die Maschinen der Postmechanisierung zu geraten. Für alles andere - Pakete, eingeschriebene Briefe und auch Sendungen ins Ausland ist eine Briefmarke mit Phosphor irrelevant.
 
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:29:43 Gelesen: 16468# 6 @  
Und doch gab es gefälschte Briefmarken!

Sammler sind nicht leicht zu täuschen und in diesem Fall war jeder daran interessiert, die Hände auf Materialien zu erhalten und zu bestimmen, ob es falsche Briefmarken gab und wie man sie erkennen würde.

Die ersten Vermutungen dass es doch um falsche Exemplare geht, wurde schnell in Postzegelblog angehoben! Besonders die schöne "Perforation", den Glanz und eigentlich zu gut für den verdächtigen Marken - sie sind schöner als meine eigenen!

Aber auch ein Verdacht durch den Mangel an Phosphor in einer Reihe von Briefmarken [Königin Beatrix] oder eine abnormale Reaktion des Phosphors [44 Cent].

In der Zwischenzeit habe ich auch mit etwas Material der Aufkleber meine Einsichten bekommen und damit wäre eine Publikation in Monatsschrift "Philatelie" - vorzugsweise in der Februar-Ausgabe - wichtig.

Leider, wird es diese Publikation nicht geben! Warum! Weil der Vorstand zu viel Bären auf den Weg sieht! ;)
 
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:30:29 Gelesen: 16467# 7 @  
Die auf dem Internet Site des PostNL gezeigten Beispiele der Aufkleber Blätter decken die folgenden langfristigen Briefmarken:

Kon. Juliana 5g und 10g aus Bogen
Kon. Beatrix 1g50, 2g, 2g50, 6g50, 7g aus Rollen
Kon. Beatrix 3G-und 4G aus Bogen
Kon. Beatrix 1 € und 3 € aus Bogen
0,44 € aus Rollen
0,02 € und 0,05 € in Blöcken von 10.

Diese letztere Zuklebemarken sind nicht gefälscht - nicht der Mühe wert scheint mir - und die verschiedene zufällig hinzugefügte früheren Gelegenheitsbriefmarken wie Jamboree 1995, Leyden Universität 45c, usw. sind nicht gefälscht worden. Auch die Beatrix 3G und 4g vermütlich nicht!



Die Kon. Juliana 5g und 10g, wie bereits erwähnt ohne Phosphorschicht, sind vermutlich auch nicht gefälscht worden.

Aber, die andere - die 44c Ziffern und Kon. Beatrix Briefmarken sind definitiv gefälscht!
 
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:31:29 Gelesen: 16466# 8 @  
Die Aufkleber welche ich gesehen habe mit 10 x 22g + € 0,88 (= 10,80 €) oder 24 x 1,38 € (drittes Gewichtsklasse = 3x € 0,46). Auch gab es eine separate Aufkleber mit 6,78 € 6,75 € Portion. Und sie haben überwiegend gefälschte Briefmarken, die meisten losen Aufkleber gar NUR gefälschte Briefmarken!



Wie kam es dazu und warum hat es so lange gedauert, bevor PostNL reagiert hat? Gerüchte sagen, dass dieses Material seit über ein halbes Jahr in Umlauf war! Es ist doch nicht schwer festzustellen, ob die Briefmarken falsch sind?
 
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:32:03 Gelesen: 16464# 9 @  
Wie die fälschen Briefmarken zu identifizieren?

- Phosphor auf einem Briefmarken ist für die niederländische Briefmarken ganz üblich, wenn dies auch durch die Post zunehmend sparsamer benutzt wird. Erstmal in die volle Beschichtung, aber dann nur noch in eine L-Form. Und wenn bevor letztlich PostNL pleite geht reicht nur noch eine schwarz gedruckte L aus und gibt es gar kein Phosphor mehr.

- Der Druck - vor allem Stahlstichtiefdruck und Rakeltiefdruck - stoppt gewiss die Fälscher, aber jede Kopieranstalt um die Ecke kennt sich mit Offsetdruck gut aus und mit Sicherheit jede Anstalt ziemlich weit weg in der großen, bösen Welt!

- Die scheinbar endlose Reihe von neuen Briefmarken lädt nicht ein um Fälschungen zu veranlassen, was zumindest ein wenig Trost ist. Auch, dass heute die Fälscher desto mehr selektiver scheinen!

Nein, die hier gemachten Fälschungen umfassen nur eine begrenzte Anzahl von hohen Werten, wovon die echte in zwei Farben Rakeltiefdruck produziert waren.

Die falsche Briefmarken in Offsetdruck sind gute Fälschungen. Die Briefmarken in drei Farben Rakeltiefdruck deren Linien nicht mehr wie Rakeltiefdruck aussehen sollten mit ein  schönes grünes Netz waren letztlich auch kein großes Problem.
 
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:32:45 Gelesen: 16463# 10 @  
Die angebliche Rollenmarken [1g50, 2g, 2g50, 6g50, und 7g] haben alle einen guten Hintergrund, ohne Netz kopiert - das Original hat ein bestimmtes Raster, das nicht immer sichtbar war!

Und die Rosette der 6g50 ist weit besser als beim Original! Die originelle Briefmarken haben keine vertikale Perforation; die horizontale Perforation ist bei die gefälschte Briefmarken nur eine Schlitz und die Kurven der "Zähne" viel zu schön.

Das Original hat sie nur auseinander gerissen. Der linke Zahn ist breiter als der am weitesten rechte Zahn wie manchmal beim Original. Das Papier ist sehr glänzend und enthält keinen Phosphor.


 
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:33:23 Gelesen: 16461# 11 @  


Die 1 € und 3 € sind 4-seitig geschlitzt, aber die Kurven zu gut sind. Echte Briefmarken haben immer Spuren des auseinander ziehen, ausgenommen wenn es geschnitten wird.


 
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:34:15 Gelesen: 16460# 12 @  
Hier sind die Kurven nicht immer so glatt. Auf 4 Punkten - der zweiter Zahn oder der vorletzte Zahn auf der langen Seite zeigt Spuren von auseinander ziehen. Es scheint, dass hier die Briefmarken zusammen stecken! Und auch die Ecken selbst sind nicht wahrheitsgetreu! Sie brauchen einer bogenförmigen Nische zu haben und nicht eine sparsame, leichte Kerbe! Das Papier ist sehr glänzend und enthält keinen Phosphor.




 
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:34:36 Gelesen: 16459# 13 @  
Die 44 Cent ist genau wie die beiden Euro Briefmarken 4-seitig geschlitzt. Und auch sieht man wieder auf die gleichen vier Punkte wo die Marken zusammen stecken.

Die vier Ecken sind wie sie sein sollten: bogenförmig! Die graue Linien und die Ziffern in grün mit einem Raster sehen wirklich toll aus!

Man hat versucht eines phosphoreszierenden L zu produzieren, aber leider ist es nicht gelungen und hat man nur eine Lachs-farbigen Balken und der Hintergrund sieht ziemlich lila aus unter UV!

Bei die Originalen ist der L-Balke gelb und der Hintergrund ist etwas heiter unter UV!

Das wichtigste ist wieder - wie bei Kon. Beatrix Briefmarken in Euro-Währung - der Schlitz-Perforation mit 4 Punkten!






 
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:35:05 Gelesen: 16457# 14 @  
Was ist schiefgelaufen?

Die Fälschungen waren schon längst im Verdacht. Warum wurde nicht früher eingegriffen?

Und warum jetzt eine Aktion mit für Insidern als Hauptziel nicht die Bekämpfung von Nachahmungen, sondern der Kampf gegen den massiven Verkauf von Briefmarken weit unter Nennwert.

Kurz gesagt, PostNL wollte die Einnahmen aus Dienstleistungen nicht verlieren, obwohl diese schon Jahre früher bezahlt worden waren. Sicherlich eine Qual in einem rückläufigen Markt!

Mit mehr als 100.000 Sammlern - jeder mit einem Überschuss von Briefmarken über 1000 € pro Person (20 Jahre lang, 50 Euro pro Jahr Abonnement) ist 100.000.000 € übertrieben?

Wer hat hier den grössten Verlust? OK, große Ausbeutung ist eigene Schuld, man sollte es als Sammler besser hätte wissen müssen.
 
ReinierCornelis Am: 28.05.2012 16:35:45 Gelesen: 16456# 15 @  
Auf die einen Seite hat PostNL viel verloren weil sie nicht die Strichkode Briefmarken für inländische eingeschriebene Briefe und Pakete im Inland zwingend benutzt lassen hat!

Diese Briefmarken welche mit Strichkode bereits im Jahr 1995 (Pakete) und 2000 (Einschreiben) eingeführt worden waren, sollten eine obligatorische Verwendung gehabt haben.

Eigentlich habe ich immer gedacht dass das auch so war! Es hatte eine Menge Ärger für PostNL erspart!



Ein Verlust für PostNL, weil es gefälschte Briefmarken in Umlauf gab, wofür PostNL Dienstleistungen auch getan hat. Auch so viel wie man es jetzt sagt?

Auch ein grosser Verlust für Sammler, weil der einzige Weg, um etwas finanzielles zurück zu bekommen für den vielen Briefmarken, die sie nicht mehr loswerden können, der Einsatz für Porto war. Und das ist nun völlig diskreditiert worden durch PostNL und wohl gnadenlos!

Und so erfahrt das die rechtmäßigen Handel in Briefmarken!

Bleibt abzuwarten, was PostNL über die Fakten und die Herkunft der gefälschten Briefmarken erzählen wird. Und ob die rechtmäßige Nutzung der Briefmarken in Gulden Währung wieder kommen kann.

R.C. Bakhuizen van den Brink
Leiden  2012.01.05
 
Pete Am: 16.08.2015 15:41:55 Gelesen: 13048# 16 @  
@ ReinierCornelis [#15]

Vor einigen Wochen liefen mir in einer Kiloware Niederlande von etwas mehr als 2 kg (hauptsächlich Dauerserien mit Euronominale diverser Ausgaben bis 2013) die beiden nachfolgenden Briefstücke mit einer Dauerserienmarke zu 0,44 Euro über den Weg und mir fielen die Beiträge über Fälschungen zum Schaden der Post auf philaseiten.de und in anderen Foren wieder ein.



Dem Markenmotiv nach konnte es sich lediglich um die Mi-Nrn. 2480 (von Ende 2006) oder 2483 (von Anfang 2007) handeln.

Diese beiden Hauptnummern unterscheiden sich neben der Zähnung gestanzt 14,25 bzw. 13,5) auch im Druckverfahren (Rastertiefdruck bzw. Offsetdruck). Die oben gezeigten Briefstücke weisen allerdings die Zähnung 14,25 und eine Herstellung im Offsetdruck – also eine Mischung der beiden Hauptnummern 2480 und 2483 - auf. Bei einer näheren Betrachtung der Scans im Beitrag [#12] wurde ein entscheidendes Merkmal der Fälschungen anhand der Zahnspitzen deutlich. Während im Fall der Mi-Nr. 2480 (Original) die Zahnspitzen an den auslaufenden Enden rechts und links spitz zulaufen, sind die Zackenenden der Fälschungen abgerundet (Abrundungen siehe Beitrag [#12]).



das Original links und die Fälschung zum Schaden der Post rechts

Unter UV-Licht zeigen die beiden Fälschungen der Mi-Nr. 2480 im Vergleich zu ca. 250 überprüften Originalen im Bereich der Phosphoreszenz (phosphoreszierender Balken geformt wie der Großbuchstabe „L“) Abweichungen in der Farbe und Intensität. Die Phosphoreszenz scheint bei der Fälschung eher angedeutet und durch eine Farbe gedruckt worden sein. Auf den Originalen ist im Schräglicht eine Schicht auf der Briefmarkenoberfläche zu erkennen, welche unter ultraviolettem Licht entsprechend aufleuchtet.



die Fälschung oben und das Original unten



die Fälschung links und das Original rechts

Gruß
Pete
 
Pete Am: 21.08.2015 20:02:45 Gelesen: 12890# 17 @  
@ alle

Als Ergänzung zum vorherigen Beitrag [#16]:

Aufgrund der Recherchen von ReinierCornelis (Stand 2012) und eigener Recherchen ergibt sich das nachfolgende Gesamtbild:

Am 27.12.2011 veröffentlichte die niederländische Post (PostNL) eine Pressemeldung, wonach gefälschte Briefmarken ( „valse postzegels“ bzw. „Sticker“) aufgefallen waren. Diese klebten auf Etiketten und wurden zur Frankatur von Sendungen (Briefe bzw. Pakete) verwendet. Derartige Etiketten wurden bis dato von verschiedenen Händlern im Internet zum Kauf angeboten (1). In der Meldung der niederländischen Post wurden konkret 12 Internetseiten (Händler) gelistet, welche Fälschungen vertrieben.

In den Niederlanden waren bis dato niederländische Briefmarken und Guldenwährung (Ausgabe bis 2001) und Eurowährung (Ausgabe ab 2001) gültig und es war üblich, alte Briefmarken in Guldenwährung auch nach der Einführung des Euro als Zahlungsmittel (Bargeld) zum 01.01.2002 zur Frankatur zu verwenden. Die Nominale der Guldenwährung wurde entsprechend dem offiziellen Wechselkurs 2,20371 niederländischer Gulden = 1,00 Euro umgerechnet. Zur Erleichterung des Absatzes (Verkaufs) alter Briefmarken in Guldenwährung und um den Käufern das Umrechnen der Nominale zu ersparen, wurden die zu verkaufenden Briefmarken entsprechend der als Verwendung angedachten Portostufe auf Etiketten geklebt, wobei hier Mischfrankaturen zwischen Gulden- und Euronominale gängig waren. Diese Etiketten wurden unter Nominalwert im Internet angeboten und auch verkauft. In einem Beitrag (1a) wird ein Screenshot von einer Internetseite einer der betroffenen Anbieter mit Stand von Januar 2012 gezeigt. Darin ist ersichtlich, dass die Marken ab dem 01.10.2010 für 70% der Nominale angeboten wurden.

Laut der Pressemeldung der niederländischen Post ist dieser durch die Verwendung falscher Briefmarken ein Schaden in Millionenhöhe entstanden. Demnach kann davon ausgegangenen werden, dass mehrere 100.000 (eventuell auch mehr als eine Mio.) Stück gefälschte Briefmarken verkauft wurden. Die gefälschten Briefmarken wurden neben echten Briefmarken auf Etiketten geklebt und postalisch verwendet. Seitens der Fälscher wurden sowohl Briefmarken in Guldenwährung als auch in Euro illegal nachgedruckt. Die Höchstwerte der Nominalen liegen bei minimum 7,00 Gulden (= umgerechnet 3,18 Euro) bzw. 3,00 Euro pro Einzelmarke. Laut ReinierCornelis (Beitrag [#7]) sind auch Briefmarken mit deutlich niedrigeren Nominalen (Bsp. zu 0,44 Euro) betroffen. Die höheren Nominalen werden vermutlich eher auf teureren Sendungen wie Einschreiben und Paket (jeweils Versand im Inland und Ausland) verwendet worden sein; die kleineren Nominalen (Bsp. zu 0,44 Euro) können auch als Teil eines Etiketts auf normalen Sendungen vorkommen (Beispiel siehe oben als Briefstück aus einer Postkarte).

Das Mitglied ReinierCornelis stellte Anfang bzw. Mitte 2012 seine Forschungsergebnisse zu den Fälschungen auf seiner eigenen Internetseite (2) bzw. in mehreren Foren (u.a. die vorherigen Beiträge in diesem Thema auf philaseiten.de) in verschiedenen Sprachen (niederländisch, englisch, deutsch) vor, Beispiel aus den USA mit weiteren Informationen siehe (3). In der niederländischen Briefmarkenzeitschrift „Filatelie“ sollte 2012 ebenfalls ein mehrere Seiten umfassender Artikel des Autors Rein Bakhuizen van den Brink erscheinen und wurde in zwei weiteren Fachzeitschriften veröffentlicht.

Als Konsequenz aus diesem größten Skandal über gefälschte Briefmarken in den Niederlanden verbot die niederländische Post zum 01.11.2013 die Verwendung alter Briefmarken in Guldenwährung (4).

Nach (5) wurden zwei Männer aus Maastricht (Provinz Limburg) als Produzenten der gefälschten Briefmarken ermittelt, in den Niederlanden vor Gericht gestellt und zivilrechtlich zur Zahlung eines Schadensersatzes von 2.600.000 Euro an die niederländische Post verurteilt (5). Eine strafrechtliche Verurteilung ist derzeit noch nicht erfolgt; seitens des Staates wird gegen die beiden zivilrechtlich verurteilten Täter sowie sechs weiteren Verdächtigen ermittelt (6).

Nach (6) begann der Verkauf von Briefmarken (Guldenwährung) durch die beiden Angeklagten im Jahr 2010. Der Verkauf lief so gut, dass man sich entschloss, selbst Briefmarken zu drucken. Die Fälschungen flogen nach (6) durch einen Hinweis an die niederländische Post auf und es erfolgte am 27.12.2011 eine Mitteilung der PostNL an die Öffentlichkeit, welche auch in der Presse kommuniziert wurde (Beispiel siehe (7)). Nach Mitteilung der PostNL wurden die Fälschungen durch eigene Überprüfungen festgestellt (1).

Betroffene Ausgaben laut Beitrag [#7]:

1. Dauerserie „Koningin Beatrix“, Originale nassklebend:
- Mi-Nr. 1300C (1,50 Gulden aus Rolle, senkrecht ungezähnt), Scan siehe Beitrag [#10]
- Mi-Nr. 1214C (2 Gulden aus Rolle, senkrecht ungezähnt), Scan siehe Beitrag [#10]
- Mi-Nr. 1304C (2,50 Gulden aus Rolle, senkrecht ungezähnt), Scan siehe Beitrag [#10]
- Mi-Nr. 1202C (6,50 Gulden aus Rolle, senkrecht ungezähnt), Scan siehe Beitrag [#11]
- Mi-Nr. 1298C (7 Gulden aus Rolle, senkrecht ungezähnt), Scan siehe Beitrag [#11]

2. Dauerserie „Koningin Beatrix“, Originale selbstklebend:
- Mi-Nr. 1966 (1 Euro), Scan siehe Beitrag [#11]
- Mi-Nr. 1967 (3 Euro), Scan siehe Beitrag [#11]

3. Dauerserie ohne Namen, Originale selbstklebend
- Mi-Nr. 2480 (bildgleich zu 2483), Nominale zu 0,44 Euro, Scan siehe Beitrag [#13]

vermutlich nicht gefälscht: Dauerserie „Koningin Beatrix“, Originale nassklebend:
- Mi-Nr. 1215A (3 Gulden aus Bogen, vierseitig gezähnt), Scan siehe Beitrag [#7]
- Mi-Nr. 1216A (4 Gulden aus Bogen, vierseitig gezähnt), Scan siehe Beitrag [#7]

ebenfalls Status unklar: Dauerserie „Koningin Juliana“, Originale nassklebend:
- Mi-Nr. 944 und 945 (Nominale zu 5 und 10 Gulden), siehe Scans Beitrag [#3] und [#7]

Ende 2012 vermeldete der Schwaneberger Verlag in einer Meldung (8) auf der eigenen Internetseite, dass von den Mi-Nrn. 944; 945; 1202; 1215; 1216; 1298; 1300; 1455; 1966; 1967 und 2480 Fälschungen bekannt geworden sind. ReinierCornelies belegt per Scan zusätzlich die Mi-Nr. 1214C und 1304C. Michel dagegen führt im Vergleich zur Liste von ReinierCornelis zusätzlich die Mi-Nrn. 944 und 945 auf, welche aus Sicht von ReinierCornelies im Mai 2012 noch nicht belegt waren. Weiterhin führt die Michel-Redaktion als zusätzliche Fälschung die Mi-Nr. 1455 an (Nominale zu 2 Gulden in der Zeichnung der gefälschten Ausgaben zu 1 und 3 Euro).

Es ist auffällig, dass bisher lediglich Meldungen über gefälschte Briefmarken vorliegen, welche eine konkrete Nominale (Bsp. 2 Gulden oder 0,44 Euro) aufweisen. Seit Mitte 2010 gibt die niederländische Post vielfach Briefmarken heraus, welche ausschließlich eine Ziffer (Bsp. „1“ oder „2“) als Nominale aufweisen und für die Verwendung auf bestimmten Produktklassen vorgesehen ist. Zu diesen Marken liegen bisher keine Meldungen über Fälschungen vor, obwohl diese theoretisch vorkommen könnten. In der der eingangs erwähnten Kiloware wurden ca. 1700 Stück der Mi-Nrn. 2753 und 2771 (Ausgabejahr 2010) überprüft und keine Fälschungen gefunden.

Allgemeine Merkmale der Fälschungen:

- bei im Original nassklebenden Marken (Gulden- und Euronominale) mit üblicher unregelmäßiger Zähnung (aus Bogen bzw. Rolle) weist die Fälschung regelmäßige Zahnspitzen auf
- Fälschungen generell einzeln auf Etiketten klebend
- vermutlich alle Fälschungen im Offsetdruck (Odr.) produziert, während die Originale allesamt im Rastertiefdruck (RaTdr.) hergestellt wurden
- vermutlich alle Fälschungen selbstklebend
- vermutlich alle Marken mit identischer, gestanzter Zähnung (abgerundete Zahnspitzen)

Merkmale der Fälschung von Mi-Nr. 2480:

- abweichendes Druckverfahren (Offsetdruck anstelle Rastertiefdruck)
- abweichende Zahnspitzen
- abweichende „Phosphoreszenz“ (sehr blasses grün)
- abweichende Druckfarbe unter UV-Licht im Bereich außerhalb der „Phosphoreszenz“ (hellrosa anstelle dunkelviolett)

Wenn sich Sammler anhand von Briefstücken (Kiloware) bzw. Belegen auf die Suche begeben, empfiehlt es sich, generell alle Briefmarken näher zu betrachten, welche auf Etiketten (und die Etiketten auf dem Briefstück bzw. Beleg) kleben. Die niederländische Post hat zwar Ende 2011 eine Meldung über die Fälschungen veröffentlicht und die Verwendung von Etiketten als Trägermaterial für Frankaturware verboten, allerdings ist damit zu rechnen, dass auch im Einzelfall nach Ende 2011 gefälschte Briefmarken zur Frankatur verwendet wurden. Der in Beitrag [#16] gezeigte Postkartenausriss stammt aus einer Kiloware, dem auch mehrere 100 weitere Postkartenausrisse der gleichen Art beilagen (vermutlich Antwortkarte an einen Verband oder einer Zeitschrift) und allesamt von Juni 2013 datieren. Zu diesem Zeitpunkt war die Verwendung von Etiketten auf Sendungen bereits untersagt.

Gruß
Pete

(1) http://www.postzegelblog.nl/2011/12/27/grote-serie-valse-postzegels-afkomstig-van-websites-onderschept-door-postnl/ (niederländisch)
(1a) http://www.stampboards.com/viewtopic.php?f=13&t=33419&start=50 (Beitrag vom 09.01.2012, englisch)
(2) http://www.galeoptix.nl/fila/ned/nl_2011_fraude.htm (niederländisch und englisch)
(3) http://www.stampboards.com/viewtopic.php?f=13&t=33419 (englisch)
(4) http://nos.nl/artikel/2032347-guldenpostzegel-werd-ongeldig-verklaard-na-grote-fraudezaak.html (niederländisch)
(5) http://www.volkskrant.nl/binnenland/guldenpostzegel-werd-gestopt-om-miljoenenfraude~a3979567/ (niederländisch)
(6) http://www.volkskrant.nl/binnenland/hoe-twee-jeugdvrienden-miljoenen-verdienden-met-valse-postzegels~a3980048/ (niederländisch)
(7) http://www.volkskrant.nl/dossier-archief/fraude-met-postzegels-kost-postnl-miljoenen~a3096074/ (niederländisch)
(8) http://www.briefmarken.de/news?start=1135 bzw. http://www.briefmarken.de/news/286-faelschungen-zum-schaden-der-post (deutsch)
 
klinhopf Am: 19.09.2016 23:55:29 Gelesen: 10861# 18 @  
@ Pete [#17]

Wow, Pete, ganz herzlichen Dank für diese umfangreiche Darstellung - bleibt letztlich die Frage, wie der einfache Sammler bei Bedarfspost erkennen kann, ob es sich um eine Marken-Fälschung handelt - dem "Stempelsammler" müßte es eigentlich egel sein.

meint mit phil. Gruß
Ingo Pfennig
 
Pete Am: 20.09.2016 20:05:57 Gelesen: 10800# 19 @  
@ klinhopf [#18]

bleibt letztlich die Frage, wie der einfache Sammler bei Bedarfspost erkennen kann, ob es sich um eine Marken-Fälschung handelt

Bei Marken auf Beleg bzw. auf (größerem) Briefstück könnte dies evtl. recht einfach sein: Die gefälschte Briefmarke (Währung in niederländischen Gulden bzw. in Euro) sollte auf einem Etikett kleben. Da mir seither keine weiteren Fälschungen begegnet sind, kann ich nicht sagen, ob sich die Fälschungen auch ablösen lassen oder generell lediglich auf Etikett geklebt vorkommen, wobei dann das Etikett auf der Sendung selbst klebt. Seither überprüfte Belege bzw. Briefstücke waren allesamt Originale.

Die mir vorliegenden Fälschungen weisen auch Unterschiede unter UV-Licht auf, siehe Fotos in Beitrag [#16]. Zusätzlich sollten diese auch an den abgerundeten Zahnspitzen (quasi wellenlinienartig, d.h. ohne Ecken in den Zahnspitzen) erkennbar sein, Bilder siehe Beitrag [#12] von ReinierCornelis. Die Zähnung scheint mir ein durchaus probates Mittel, um Marken bzw. Belege auf Tauschtagen einer ersten Prüfung zu unterziehen.

Das Datum des Tagesstempels kann u.U. als ein weiteres Kriterium zur Einschränkung genutzt werden. Soweit bekannt, wurden die Fälschungen in den Jahren 2010 und 2011 zum Kauf angeboten (siehe Quelle (6) in Beitrag [#17]). Es ist nicht auszuschließen, dass im Einzelfall Fälschungen auch nach 2011 von Absendern postalisch verwendet wurden.

Gruß
Pete
 
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