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Thema: (?) (1) Jugoslawien: Belege bestimmen
philapit Am: 12.09.2012 15:46:16 Gelesen: 9966# 1 @  
Jugoslawien Spezialist gesucht - Brief aus Osijek

Hallo Sammlerfreunde!

Habe in einer Briefesammlung einen Beleg gefunden wo ich nicht weiter komme. Der Beleg ist von 1921. Einschreiber laut Aufkleber. Die Marken sind nicht im Jugo-Katalog. Handelt es sich um Vignetten zu einer Briefmarkenausstellung? Rote ovale Sonderstempel sind mit aufgestempelt + Tagesstempel Datum schlecht erkennbar. Wer kann helfen?


 
DL8AAM Am: 12.09.2012 17:19:42 Gelesen: 9947# 2 @  
@ philapit [#1]

Kann es sein, dass die "innere" (echte?) Briefmarken des "Königsreichs der Serben, Kroaten und Slowenen" [=Kraljevina Srba, Hrvata i Slovenaca] (alias "SHS-Staat") auf einem (privaten?) "Vignetten-Rahmen" aufgeklebt sind?

Wenn ich die Beschriftung des Rahmens versuche richtig zu deuten, handelt sich aber um das "II. Provinztreffen der jugoslawischen Sokol-("Falken")-Föderation (Sokolskog Saveza) in Osijek, am Vidovdan [=Sankt-Veits-Tag] 1921", also ein Treffen der nationalischen Bewegung für die großjugoslawische Einheit. Die Falken war eine Art jugoslawischer SA, Parole "Ein Volk, ein Staat, ein Sokol", siehe "Dalmatien zwischen den Weltkriegen" von Aleksandar Jakir (1999) in Auszügen auf Googlebooks nachzulesen [1].

Deine Kombination "Marke auf Vignettenrahmen" wird übrigens gerade bei [2] unter "Doplatne marke Jugoslavije 1918-1941", d.h. Spendenmarken ("Charity stamps"), zu je 2-4 € angeboten:

Gruß
Thomas

[1]: http://books.google.de/books?id=k_T-WpQWPCcC&pg=PA374&lpg=PA374&dq=sokolskog+saveza&source=bl&ots=Ex30GL_LBD&sig=iMQgzLW9i2grVrhsAruEGq6tXF0&hl=de&sa=X&ei=FatQUOKlHuLZ0QXhnIHYAQ&ved=0CDMQ6AEwAA#v=onepage&q=sokolskog%20saveza&f=false
[2] http://www.ephila-stamps.com/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=38&Itemid=54
 
philapit Am: 12.09.2012 17:47:52 Gelesen: 9937# 3 @  
Hallo Thomas!

Danke für Deine sehr schnelle Antwort. Die Marken sind original nichts auf den Rahmen geklebt. Mich hat nur gewundert, dass wenn es sich um Vignetten handelt der Brief als Einschreiber gelaufen ist. Der Poststempel ist ja vorhanden, allerdings kein Ankunftstempel. Vielen Dank für die schnelle Hilfe.

Philapit
 
DL8AAM Am: 12.09.2012 17:55:07 Gelesen: 9932# 4 @  
@ philapit [#3]

Es sah nur aus, dass die Briefmarken auf den ebenfalls gezackten Rahmen geklebt wurden, auch weil sie ungleichmäßig und oft nicht zentriert im Rahmen sitzen. In der Beschreibung des obigen Angebots heisst es wörtlich "naljepljene su na podlogu redovne marke od", gemäß Googleübersetzer kommt da heraus "are adhered to the surface of regular stamps", etwas verkehrt formuliert bedeutet es, "dass die regulären Briefmarken ("Na naljepnicama", d.h. auf den Vignetten "Sticker") aufgeklebt sind".

So etwas gab es häufiger, habe aber leider Beispiel scannbereit zur Hand, dass Händler-/Veranstaltungsmacher einen gezackten Werberahmen gedruckt haben, in dem dann die reguläre Briefmarke aufgeklebt wurde, d.h. es entsteht eine Art Hybrid zwischen einer Vignette und der (frankierenden) Briefmarke.

Gruß
Thomas
 
Marcel Am: 12.09.2012 18:29:48 Gelesen: 9919# 5 @  
Osijek heute Kroatien (auf deutsch: Esseg) - liegt in der Gespannschaft Osijek-Baranja (Esseg-Branau) ging nach Maribor (Marburg an der Drau) im heutigen Slowenien.

Der rote Stempel besagt: Vidovdan (St.Veits-Tag) - ein Gedenktag des heiligen Veit. Er wird nach dem Julianischen Kalender am 15. Juni und nach dem Gregorianischen Kalender am 28. Juni gefeiert. Das könnte auch Dein Datumsstempel besagen (28. lipnja 1921).

Info: Nach dem Ende des 1. WK wurde die Verabschiedung der "Vidovdan-Verfassung" feierlich auf den 28. Juni 1921 gelegt - hervorgerufen durch die Ermordung des öst.-ung. Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajewo am 28. Juni 1914 durch den bosnischen Serben Gavrilo Princip (Auslöser des 1. WK).

Doplatne marke heißt wörtl. übersetzt "Zuschlagmarke".

Gruß Marcel
 
doktorstamp Am: 12.09.2012 18:47:25 Gelesen: 9914# 6 @  
@ philapit [#3]

Ich bin auch der Meinung die Marken auf Vignetten verklebt sind. Indizien hierzu sind die Zähnung, oft unregelmässig, und die leichte Denzentrierung der Marken was leicht bei ungeübter Handhabung hätte passieren können.

http://de.wikipedia.org/wiki/Jugoslawien

Zu der Entstehung des Staates ist obiger Link angegeben. Zu der Entstehung hatte auch das Auswärtige Amt Grossbritanniens die Hände voll im Spiel, deren Auswirkungen erst in den 90er Jahren öffentlich entpuppten. Fehden an den "Kulturgrenzen" waren Gang und Gebe, die sehr schnell nach 1990 zu einem Bürgerkrieg entwickelten.

Aber zurück zum Beleg, hinten müßte eigentlich ein Eingangsstempel sein, was die Beförderung beweisen würde.

mfG

Nigel
 
DL8AAM Am: 12.09.2012 18:49:52 Gelesen: 9914# 7 @  
@ Marcel [#5]

Marcel, der Brief wird doch nicht etwa in diesem Postamt abgestempelt worden sein ? Alt genug sieht das Gebäude aus. ;-)



Foto (vom 18. Mai 2011) des Osijeker Postamts in der Franje Markoviæa 2 im Bereich der alten Festung "Tvrða". Wie gut das man inzwischen digital fotografiert und man jedes und auch wirklich jedes Motiv [1], nach dem Motto " man weiss ja nie, wofür das mal gut sein könnte" einfachst mitnehmen kann. ;-)

Gruß Thomas
 
Marcel Am: 12.09.2012 19:58:55 Gelesen: 9894# 8 @  
@ DL8AAM [#7]

Hallo Thomas,

möglich ist alles. Ich denke aber bei der Größe von Osijek wird es nicht das Einzige sein. Hier mal ein Stempel (leider nicht vollständig) von Osijek 2.



Schöne Grüße
Marcel
 
drmoeller_neuss Am: 13.09.2012 22:38:56 Gelesen: 9805# 9 @  
Hier ist ein moderner Brief aus Osijek vom 14. April 1981 - wohl portogerecht frankiert.


 
DL8AAM Am: 14.09.2012 20:24:59 Gelesen: 9759# 10 @  
@ Marcel [#8]

wird es nicht das Einzige sein.

Sehr wahrscheinlich Marcel, das ist aber das Postamt direkt am Hauptplatz der alten Festung, einem der wichtigstens Zentren Osijeks. Leider gibt es nirgends eine Aufstellung der historische osijeker Stempel mit zugehörigen Postämtern.

Und wenn wir schon bei Osijek sind. ;-)



Internationaler Antwortschein (IRC) aus 54000 Osijek (neue PLZ 31000) vom 02.11.1976, Tagesstempel "OSIJEK / n / 54000" (gerade auch in die Stempeldatenbank gestellt, hi), urspünglich zu 3,50 Dinar und rückseitig aufgetackert mit Briefmarken um 3,70 auf den neuen Verkaufspreis 7,20 Dinar.

Gruß
Thomas
 
Marcel Am: 14.09.2012 22:32:34 Gelesen: 9746# 11 @  
@ DL8AAM [#10]

Hallo Thomas,

habe da etwas gefunden.

Die Straße in der sich die Post befand, wurde Ende des 19. Jahrhunderts Poštanska Gasse (Postgasse) genannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie in Franjo Markoviæ Gasse umbenannt.

Die alte Post

Die älteste Post in Osijek befand sich in Tvrða. In der heutigen Kuhaèeva Gasse Nr. 31 befanden sich das Postgebäude und die Wohnung des Postleiters. Regulärer Postverkehr wurde in Osijek schon im Jahre 1692 hergestellt und der erste Postleiter war Johann Gaspar Hann. An der Ecke der heutigen Kuhaèeva und Markoviæeva Gasse Nr. 2 befindet sich das Haus, das im Jahre 1774 von der Fortifikationsverwaltung gekauft wurde. Sie hat ein Stockwerk dazugebaut und dorthin das Postamt hingerichtet. 1949 ist hier der Sitz des Post- und Telegrammamtes, das als dritter solcher Ämter in Kroatien war.


nachzulesen hier: http://www.aoot.hr/?o=db&izb=9&jez=de&str=2

Diese Adresse liegt außerhalb der Festung, aber nicht weit weg davon. Vielleicht die Hauptverwaltung?

HP-HRVATSKA POŠTA d.d. SP Osijek
Kardinala Alojzija Stepinca 17
31000 Osijek
Dostava pošiljaka

Die Stadt hat mehrere einst eigenständige Zentren: Die Altstadt (Festung - kr. Tvrða), die Oberstadt (Gornji grad - heute das Zentrum), und die Unterstadt (Donji grad). Daher gehe ich auch von mind. 3 Postämtern aus - die 1921 bestanden haben könnten. Ist aber letztendlich auch nur Vermutung - höchstens man wendet sich ans Stadtarchiv, sofern man sich verständigen kann.

mfG Marcel
 
DL8AAM Am: 17.09.2012 22:28:03 Gelesen: 9672# 12 @  
@ DL8AAM [#2]

Richard schrieb mir, dass die Verlinkung des Bildes [#2] von http://www.ephila-stamps.com scheinbar nicht mehr sauber klappt, deshalb hier als direkter Upload:



Gruß
Thomas
 
epem7081 Am: 14.08.2019 00:31:02 Gelesen: 132# 13 @  
Hallo zusammen,

ich bin gespannt, ob dieser Thread noch Leben hat und ich zu meinem Beleg noch eine Aufklärung erfahren kann.



Bei diesem Einschreibebrief aus dem ehemaligen Jugoslawien ist mir einiges unklar. Der Brief stammt vom 7.10.1980. Im Stempel lese ich POLA (Pula). Kann hier die 21480 eine damalige Postleitzahl sein?. Dann ist mir hier unklar ob Wertstempel, Tagesstempel und R-Stempel eine Einheit bilden oder einzeln aufgebracht nur in dieser Konstellation zufällig zusammen gekommen sind.



Bevor ich diesen Beleg unter Einschreiben-Stempel, weltweit einstelle, hoffe ich auf Klärung meiner Fragen.

Mit gespannter Erwartung und nächtlichem Gruß
Edwin
 
DL8AAM Am: 14.08.2019 05:10:24 Gelesen: 128# 14 @  
@ epem7081 [#13]

Dann ist mir hier unklar ob Wertstempel, Tagesstempel und R-Stempel eine Einheit bilden oder einzeln aufgebracht nur in dieser Konstellation zufällig zusammen gekommen sind.

Das ist eine Einheit. Hier ein Ausschnitt aus dem "International Postage Meter Stamp Catalog: Yugoslavia" [1], der eine ähnliche Konstellation zeigt:



Zur genauen Gerätebestimmung kannst (musst) Du Dich dort aber etwas tiefer eingraben. ;-)

Gruß
Thomas

[1] https://en.wikibooks.org/wiki/International_Postage_Meter_Stamp_Catalog/Yugoslavia
 
epem7081 Am: 14.08.2019 07:31:21 Gelesen: 122# 15 @  
@ DL8AAM [#14]

Hallo Thomas,

vielen Dank für die postwendend übermittelten zielführenden Hinweise. Hier kommt ganz klar die Stempelmaschine der Firma Hasler zum Einsatz. Ich bin immer wieder beeindruckt wie die philaseiten bei Tag und bei Nacht ständig auf Draht sind.

Mit freundlichen Grüßen
Edwin
 
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