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Thema: Lateinische Urkunden: Übersetzungshilfe
roteratte48 Am: 22.11.2012 13:39:15 Gelesen: 4463# 1 @  
Mein Lieblingsgebiet innerhalb der Vorphilatelie sind, wie einige hier wissen, die frühen (16. - 18. Jahrhundert) Schnörkelbriefe - aus naheliegenden Gründen zumeist adeligen resp. kirchlichen Ursprungs. Vieles dazu kann man sich anlesen und lernen, Kanzleischrift, politische Zusammenhänge etc. - was auf die Schnelle nicht geht, ist das Nachholen des großen Latinums. Immer wieder aber stoße ich auf dekorative und inhaltlich interessante Briefe aus den Bistumskanzleien, die ausschließlich in lateinischer Sprache abgefasst sind und ich wüßte zu gerne, was darin steht. Gibt es im Kreis der Sammlerfreunde jemanden, der dank humanistischer Bildung da helfen kann? Zwei Beispiele habe ich unten abgebildet - es geht mir nicht um komplette Übersetzungen, sondern lediglich um grobe Inhaltsbestimmungen! Danke fürs Lesen und Anschauen!

Gruß ins Forum - Rolf


 
bayern klassisch Am: 22.11.2012 16:58:33 Gelesen: 4429# 2 @  
Hallo roteratte48,

es ging um Dispense bei der Heirat. Nichts weltbewegendes, weil es damals ohne diesen nicht zum Traualtar gehen konnte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
roteratte48 Am: 22.11.2012 19:03:07 Gelesen: 4402# 3 @  
@ bayern klassisch [#2]

Lieber Ralph,

klar, daß Du da in die Bresche springst - Dankeschön! Aber ich war bissle zu ungenau. Das mit der Heirat war mir einigermaßen klar. Mich interessiert der jeweilige Grund des Dispenses - im Schreiben Karl-Philipps z.B. zitiert man einen Erlaß des Papstes Benedikt XIV. - welches Ehehindernis wurde hier ausgeräumt? Gleiches gilt für das zweite Schreiben, in dem Bezug genommen wird auf eine Verlautbarung des Papstes Pius VI.

Nochmal Danke - und sorry für meine ungenaue Formulierung!

Liebe Grüße - Rolf
 
bayern klassisch Am: 22.11.2012 20:23:05 Gelesen: 4386# 4 @  
Soweit ich es sehe, geht es um Armut, Mischehen und Vergewaltigung (rapta).

Aber mein fundamentum latinum liegt schon ein paar Dekaden zurück. Vielleicht kann jemand mit frischerem Gedächtnis mehr helfen, als ich es kann.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
doktorstamp Am: 23.11.2012 10:00:31 Gelesen: 4343# 5 @  
@ roteratte48 [#3]

Wie ich es da verstehe sind keine Hindernisse beiseite geräumt, nur Bestimmungen die man zu erfüllen hat. Der größte Unterschied zwischen den beiden liegt daran, dass im Schreiben von Karl-Philipp Heretiker (ein allumfassender Begriff für Nichtgläubiger) werden erwähnt. Diese haben vor der Hochzeit sich zum wahren Glauben (Katholizismus ist wohl gemeint) zu bekehren.

mfG

Nigel
 
roteratte48 Am: 23.11.2012 12:01:14 Gelesen: 4332# 6 @  
Lieber Ralph, lieber Nigel,

wie immer - ihr opfert Zeit und Mühen - ganz herzlichen Dank! Mit den von euch gelieferten Grundlagen und meinem, als Neusprachler, lange zurückliegendem kleinen Latinum kann ich mir jetzt einiges zusammenreimen - ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer vorwärts für einen neugierigen Sammler *gg*.

Habt ein schönes Wochenende - und liebe Grüße vom Oberrhein!

Rolf
 
Marcel Am: 23.11.2012 14:15:01 Gelesen: 4308# 7 @  
@ roteratte48 [#1]

Hallo Rolf,

es ist ein Erlass anlässlich der Beziehung zu einem protestantischen Konvertierten. Wenn ich richtig gelesen habe, steht im linken Brief handschriftlich:

... Frances und Jeanne Barbara Samhaber geboren in der Diözese Paroesica Herolzhofen ... nach der Einnahme von Informationen von ihren Pastor, ist das ein Hindernis für ... Blutsverwandtschaft mit Fertio und Luasto Prada.
und im rechten:

... Valentino Gernert und Kunigunde Modelin ... Würzburg Pfarrei Oberschwarza bewertet ... nach der Einnahme von Informationen von ihren Pastor, ist das ein Hindernis für ... Blutsverwandtschaft der im vierten Grades auferlegt wird.

Ich bin jetzt kein Latein-Experte aber in den Dokumenten geht es ungefähr darum:

Von der Fakultät der göttlichen Vorsehung Papst .... den....am ....im Jahr .... gewährte fünfjährige folgende Wirkung: Aufteilung der 3. & 4. einfache und gemischte, nur dann wenn Arm im Vertrag, konzentrieren sich auf die Verträge mit den protestantischen Konvertierten, auch bei 2. die einfache und gemischte, vorausgesetzt, dass in keiner Weise korrelierten ersten Schrittes, wird durchgeführt, in diesen Fällen wird das Kind und seinesgleichen andes für legitim erklärt. Verzicht des Hindernis öffentlichen Anstandes aus Gerechtigkeit der Paarung. Verzicht des Hindernis der spirituelle Beziehung, außer Aufzügen (Schauspielerei) und aufgewachsen als ... nach der Einnahme von Informationen von ihren Pastor, ist das ein Hindernis für ... Ungeachtet dessen, vorausgesetzt, dass die Braut nicht vergewaltigt wurde, und im Falle eines Diebstahls es sei der Vergewaltiger in Kraft existiert nicht, die Ehe öffentlich, die Einhaltung der Form durch das Konzil von Trient geschriebenen Vertrages, ein Punkt im Gesicht der Kirche vollzogen, und darin anschließend bleiben, frei und rechtsgültig, ohne Verzicht, legitime Unterstützung der Nachkommen in allen Entscheidungen.

Gegenwärtiger Schriftführer und eigenhändliche kirchliche Unterzeichnung durch den Präsidenten (Dekan) und das Siegel ...

Beide Dokumente stammen aus Würzburg. Interessant hierbei die zwei unterschiedlichen lateinischen Begriffe für Würzburg: Wirceburgi und Herbipoli !

Das linke Dokument bezieht sich auf Bischof Carl (1749 - 1754) im Namen Papst Benedikt XIV. - Carl Philipp Reichsfreiherr v. Greiffenclau zu Vollraths, * am 1. Dez. 1690 auf Schloss Vollraths im Allgäu. Seit 1705 Kanoniker in Würzburg. Nach dem Studium in Mainz 1715 Priesterweihe. Rektor der Universität in Mainz (1739-1749). Wahl am 14. April 1749 zum Fürstbischof in Würzburg u. Herzogs v. Franken. Bischofsweihe am 21. Juli 1749. Letzte Hexenverbrennung 1749. † am 25. Nov. 1754 in Würzburg, best. im Dom zu Würzburg.

Das rechte Dokument bezieht sich auf Bischof Franz Ludwig (1779 - 1795) im Namen Papst Pius VI. - Franz Ludwig Freiherr v. Erthal, * am 16. Sept. 1730 in Lohr a. Main. Studierte Jura u. Theol. in Mainz, Würzburg, Wien u. Rom. Danach Kanoniker in Würzburg u. Bamberg. 1768 Geheimer Reichsrat u. Visitator am Reichskammergericht in Wetzlar. Kaiserlicher Kommissar auf dem Reichstag zu Regensburg 1776. Fürstbischof in Würzburg u. Herzogs v. Franken. Fürstbischof in Bamberg seit 1779. Ende einer glanzvollen Hofhaltung. † am 14. Febr. 1795 in Würzburg, best. im Dom zu Würzburg.

Deshalb steht bei ihm im Kopf: Franciscus Ludovicus Fürstbischof des Bamberg-Würzburgischen Apostostolischen Stuhls

Vielleicht konnte ich Dir damit ein wenig helfen!

schöne Grüße
Marcel
 
roteratte48 Am: 23.11.2012 17:20:07 Gelesen: 4285# 8 @  
@ Marcel [#7]

Auch Dir, Marcel, herzlichen Dank für Deine Unterstützung und die Mühe, die Du Dir gemacht hast!

Liebe Grüße - Rolf
 
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