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Thema: Württemberg: Briefmarken zur Zahlung von Telegramm Gebühren
Pete Am: 07.01.2013 20:38:33 Gelesen: 5721# 1 @  
Bei der nachfolgenden Germania Mi-Nr. 77 musste ich bei der ersten Sichtung mich zwangsläufig gedanklich fragen, ob ab 1902 in Stuttgart (Württemberg) auch Briefmarken zur Begleichung Telegrammgebühren genutzt wurden. Weiß jemand mehr?



Stempelinschrift "STUTTGART TELEGRAPH" zusätzlich zur Federstrichentwertung

Gruß
Pete
 
germaniafreund Am: 07.01.2013 21:08:50 Gelesen: 5712# 2 @  
@ Pete [#1]

Hallo Pete,

Württenberg gehört zwar, wie die anderen ehemaligen altdeutschen Staaten zum Deutschem Reich, gibt aber im Gegensatz zu Ihnen bei der Reichsgründung sein Postregal nicht auf. Bis zum 31.03 1902 nimmt Württenberg sein Recht wahr, eigene Briefmarken auszugeben. Nach diesem Zeitpunkt werden zwar mit -Ausnahme der Behördenpost- die Germaniamarken des Deutschen Reiches verwendet, die "Generaldirektion der K. Württb. Posten und Telegrafen, bleibt jedoch als selbstständige Verwaltung bis zum 31.03.1920 bestehen. Mit der Einführung der Germania Marken in Würtenberg, werden somit die Stempel von derselben Postverwaltung weiter verwendet.

Quelle: 100 Jahre Germania, Jäschke Lantelme, Seite 229

Wenn der Telegrafenstempel keine Mache ist, kann es nur so sein, dass auch Briefmarken als Währung akzeptiert wurden. Mir stellt sich nur die Frage, nach der Federstrichentwertung. Ist der Stempel über dem Federstrich oder umgekehrt? Kann es am Scan leider nicht erkennen.

liebe Grüße Klaus
 
Pete Am: 09.01.2013 19:24:23 Gelesen: 5643# 3 @  
@ germaniafreund [#2]

Mir stellt sich nur die Frage, nach der Federstrichentwertung. Ist der Stempel über dem Federstrich oder umgekehrt?

Mir scheint, als läge die Strichentwertung unterhalb der Stempelentwertung - zumindest sieht dies so bei der Betrachtung unter schräg einfallendem Licht unter der Lupe aus.

Gruß
Pete
 
germaniafreund Am: 09.01.2013 19:43:24 Gelesen: 5638# 4 @  
@ Pete [#3]

Hallo Pete,

ich habe gestern Abend noch eine e-mail an Herrn Winkler (Prüfer für Württenbergische Telegraphenmarken) geschrieben - mit der Bitte um eine Telegraphengebührentabelle für den fraglichen Zeitraum. Leider bis jetzt keine Antwort. Wenn ein Kontakt erfolgt, melde ich mich umgehend.

Nach einem weiterem langem Telefonat mit Herrn Kroschel (Prüfer für das Sammelgebiet Germania Mi. 53 bis 97) ist der neueste Stand der "Erkenntnis" folgendes mögliches Szenario.

Eine möglicherweise Nachts zu erfolgende Eilzustellung. Da die Postämter, auch in den Großstädten nicht durchgehend personell besetzt waren, ist es möglich, dass die Weiterbeförderung einem Boten des Telegraphenamtes übertragen wurde. Der hat natürlich den, ihm zu Verfügung stehenden Telegraphenstempel zur Entwertung benutzt.

An Hand der einzelnen Marke nur eine Mutmaßung. Gänzlich werden wir es nicht aufbröseln können. Erklärt auch immer noch nicht die Federzugentwertung. Möglicherweise haben beide an der Zustellung beteiligten Beamte ihr möglichstes getan, um eine Wiederverwendung der Marke zu verhindern.

Jedenfalls eine hochinteressante Problemstellung, an deren Lösung ich dran bleiben werde.

liebe Grüße Klaus
 
Postgeschichte Am: 09.01.2013 20:26:14 Gelesen: 5626# 5 @  
@ Pete [#1]

Bei der nachfolgenden Germania Mi-Nr. 77 musste ich bei der ersten Sichtung mich zwangsläufig gedanklich fragen, ob ab 1902 in Stuttgart (Württemberg) auch Briefmarken zur Begleichung Telegrammgebühren genutzt wurden. Weiß jemand mehr?

Hallo Stefan,

ja, die Gebühren für Telegramme konnten nach den Bestimmungen für Württemberg bei den Telegraphenanstalten mittels Wertzeichen oder in bar entrichtet werden. Die Höhe der Worttaxe betrug 1913/14 je Wort 5 Pf, mindestens aber 50 Pf für ein Telegramm. Für Stadt-Telegramme betrug die Worttaxe 3 Pf., mindestens aber 30 Pf. Hinzu konnten noch Zuschläge für bestimmte Auflieferungen kommen. Eine Gesamtgebühr von 80 Pf und darüber, dürfte keine Seltenheit gewesen sein. Zur Entwertung der bei der Telegraphenanstalt mittels Briefmarken entrichteten Telegrammgebühren wurden, wie bei den Telegraphenanstalten im Deutschen Reich und den Besetzten Gebieten im 1. WK. auch, die ihr zur Verfügung stehenden Poststempel verwendet. Standen solche nicht zur Verfügung, wurden Innendienststempel der Telegraphenanstalt verwendet. Vielleicht kann ja noch jemand eine entsprechende Bestimmung der württembergischen Telegraphenanstalten benennen.

Eine Federzugentwertung kann ich hier nicht erkennen. Sie sieht m.E. anders aus und war auch nicht erforderlich. Die vorhandenen Striche können ein Registrierungszeichen oder Teile einer Beschriftung sein. Um weitere Diskussionen hierüber zu vermeiden: Wer es als Federzugentwertung ansehen will, soll es tun.

Mit postgeschichtlichem Gruß
Manfred
 
Pete Am: 09.01.2013 20:59:23 Gelesen: 5618# 6 @  
@ germaniafreund [#4] und
@ Postgeschichte [#5]

Danke für eure Hilfe! Damit wird der Sachverhalt deutlicher. Passend dazu habe ich auf der Suche nach anderen Stücken bei ebay zufällig ein Angebot gefunden, welches inhaltlich zu dem Exemplar aus dem Beitrag [#1] passt (auch wenn die Stempelentwertung eventuell etwas abweicht):



Laut Angebotstext handelt es sich hier um die Mi-Nr. 78Bb (b?), Signatur Dr. Hochstätter BPP

Quelle: http://www.ebay.de/itm/Nr-78-B-b-tiefst-signiert-Dr-Hochstatter-telegr-Stpl-Stuttgart-/230908829532?pt=Briefmarke&hash=item35c33d1f5c

@ Postgeschichte [#5]

Eine Federzugentwertung kann ich hier nicht erkennen.

Ja, eine Federzugentwertung schaut anders aus; ich hatte mich hier vertan.

Gruß
Pete
 
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