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Thema: (?) (1106) Rohrpostbelege
Das Thema hat 1121 Beiträge:
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juni-1848 Am: 26.04.2021 06:28:25 Gelesen: 67264# 1097 @  
@ blaujacke [#1075]

So manche Frage erübrigt sich mit der passenden Suche (in Wikipedia):

[https://de.wikipedia.org/wiki/Huta_Hoch-_und_Tiefbau#Vor_dem_Zweiten_Weltkrieg]

In der zweiten Hälfte des Jahres 1942 war die Huta über seine Filiale in Kattowitz unter anderem an Baumaßnahmen in Auschwitz, so zur Errichtung der Krematorien beteiligt.{...} In dieser Zeit befand sie sich unter maßgeblichem Einfluss der Dresdner Bank, die 26 Prozent der Aktien hielt und den Aufsichtsratsvorsitz über den stellvertretenden Leiter der Filiale in Breslau innehatte. Der Wirtschaftshistoriker Johannes Bähr, der die Geschichte der Dresdner Bank und ihrer Beteiligungen untersuchte, kommt daher zum Urteil: Kaum ein Unternehmen sei „dem Zentrum des Holocausts so nah“ gewesen wie die Huta.{...} In Berlin beschäftigte die Huta bei der BEHALA im Osthafen in Berlin-Friedrichshain und in Berlin-Charlottenburg Zwangsarbeiter...
 
zeus25971 Am: 08.05.2021 11:55:34 Gelesen: 63110# 1098 @  
Lieber Michael,

im Anhang zeige ich Ihnen eine Postkarte, die am 1.11.1923 verschickt wurde. Dies ist das einzige Stück, das ich in diesem Zeitraum von 4 Tagen gesehen habe (sogar in Fachbüchern). Wussten (oder hatten) Sie andere?

Es ist immer schön, Infla Rohrpost-Stücke zu sehen, so dass Sie einen FAN haben, wenn Sie diese schönen Stücke weiterhin zeigen.

Freundliche Grüße

Luis


 
HWS-NRW Am: 08.05.2021 12:08:17 Gelesen: 63103# 1099 @  
@ zeus25971 [#1098]

Gratulation zu diesem herrlichen Beleg.

mit Sammlergruß

Werner
 
inflamicha Am: 08.05.2021 17:22:30 Gelesen: 63021# 1100 @  
@ zeus25971 [#1098]

Hallo Luis,

vor längerem habe ich diesen Rohrpostbrief vom 2.11.1923 unter der Thematik "Deutsches Reich Inflationsbelege" gezeigt, wie ich überhaupt hauptsächlich dort Belege zeige (hier erfolgt meist nur eine "redaktionelle Zweitverwertung"):



Der Brief ist mit 180 Milliarden Mark leider um 20 Mrd. Mark überfrankiert, wenn man ein Gewicht von über 20 Gramm voraussetzt. Immerhin mit 3 verschiedenen Zustellversuchen, wie die 3 unterschiedlichen Zustellerstempel auf der Rückseite zeigen (4, 7 und 9.).

Dies ist bisher mein einziger Rohrpostbeleg aus der kürzesten Portoperiode. Dein Brief hat eine tolle Optik, meinen Glückwunsch dazu. Vielleicht kannst Du noch die Rückseite zeigen, falls dort etwas interessantes zu sehen ist.

Gruß Michael
 
inflamicha Am: 08.05.2021 18:44:01 Gelesen: 64538# 1101 @  
Guten Abend,

ein Rohrpostbrief aus der Portoperiode 20:



Der Brief an Fräulein Cläre in der Städtischen Sparkasse am Mühlendamm vom 13.10.1923 ist mit 7 Exemplaren der Mi 312 A frankiert. Dies entspricht der geforderten Rohrpostbriefgebühr in Höhe von 14 Millionen Mark. Genutzt wurde die Rohrpostlinie von Berlin W 9 nach Berlin W 38.

Gruß Michael

[Redaktionell kopiert aus dem Thema "Deutsches Reich Inflationsbelege"]
 
zeus25971 Am: 09.05.2021 15:52:35 Gelesen: 62528# 1102 @  
Lieber Michael,

vielen Dank, dass du dein großartiges Stück gezeigt hast, herzlichen Glückwunsch. Es ist eine sehr knappe Zeit und es ist immer gut, die vorhandenen Stücke zu kennen. Anbei die Rückseite meiner Karte, aus Sicht der Postgeschichte nichts allzu Interessantes.



Gruß
Luis
 
zeus25971 Am: 09.05.2021 15:56:50 Gelesen: 62523# 1103 @  
I have another nice items in my collection for the hiperinflation period. Like this brief with the correct porto of 56 T ( 24.8.1923 / 1.9.1923) with one of the 8T with the inverted 8 Plattenfehler.



Hoffe dir gefällt.

Gruß
Luis
 
inflamicha Am: 11.05.2021 21:20:55 Gelesen: 61443# 1104 @  
@ zeus25971 [#1102]

Hallo Luis,

danke für das Zeigen der Rückseite. Stimmt, postalisch ist dort nichts weiter zu sehen.

Hier noch ein Rohrpostbrief aus der Hochinflation, genauer aus der PP 23:



Für die Strecke von Berlin W 15 nach Berlin W 8 waren am 8.11.1923 immerhin schon 3 Milliarden Mark zu zahlen.

Gruß Michael
 
philast Am: 18.10.2021 19:53:54 Gelesen: 13539# 1105 @  
@ DerLu [#759]

Hallo,

zu dem in diesem Beitrag gezeigten Telegramm via Rohrpost kann ich eine Fortsetzung der Korrespondenz bieten. Auch wenn der Beitrag nun schon fast 10 Jahre zurückliegt ist es hinreichend interessant, dass seitens der Post auch damals schon recht weite Dienstreisen unternommen wurden um bzgl. der Betriebsabläufe mal über den Tellerrand zu schauen. Diese Dienstreise dürfte min. ein Monat gedauert haben, nachdem der Herr mit dem Schiff gereist ist. Der M.Feuerhahn war dienstlich u.a. in Washington unterwegs, um die bei der US-Post benutzte Technik zu besichtigen, wie der Brief des Executive Assistant to the Postmaster General zeigt. Untergekommen war er in dem sehr noblen Hotel Mayflower in Washington DC. Die Ankunft des Beleges wurde mit dem Hoteleigenen Stempel minutengenau dokumentiert.





Zum Mayflower Hotel hier ein paar Informationen [1].

Grüße
philast

[1] https://www.themayflowerhotel.com/history/
https://en.wikipedia.org/wiki/Mayflower_Hotel
 
zeus25971 Am: 03.11.2021 02:20:27 Gelesen: 10105# 1106 @  
Hallo zusammen,

mal sehen, ob ihr mir bei diesem Stück helfen könnt. Laut dem Buch von Linden Charlottenburg gehörte es bis 1881 der OPD Potsdam, daher hätte dieses Stück bei der Rücksendung begutachtet werden müssen. Weiß jemand, warum es ohne Preis weitergeleitet wurde?



Jeder Beitrag ist willkommen,

vielen Dank im Voraus
 
kauli Am: 03.11.2021 20:24:04 Gelesen: 9843# 1107 @  
@ zeus25971 [#1106]

Hallo zeus,

ich sehe das so: Die Karte ist zwar eine Rohrpost GA, auch der Stempel von C1 ist ein Rohrpoststempel das wars aber schon zum Thema Rohrpost.

Mit Rohrpost nach Moabit ohne Angabe der Straße ist auch schwierig. Rohrpost ist auch durchgestrichen. Auf der linken Seite der Karte steht auch das die Firma sich in Charlottenburg befindet. Da hat man die Karte ohne Umwege gleich nach Charlottenburg geschickt. Man hat sich zu der Zeit noch richtig Mühe gemacht den Adressaten ausfindig zu machen und hat ihn in Charlottenburg gefunden.

Viele Grüße
Dieter
 
philast Am: 04.11.2021 18:32:01 Gelesen: 9417# 1108 @  
Hallo,

anbei eine Eilboten Postkarte von Berlin SW 19 6.4.23 nach Hamburg. Portogerecht freigemacht mit 40 Mk Postkarte und 120 Mk Eilboten = 160 Mk.

In Hamburg 1 am 7.4.23 6:50 im Postpavillon eingegangen und von dort höchstwahrscheinlich via Rohrpost zum Telegraphenamt und dann in Hamburg 11 am 7.4.23 7-8V angekommen.

Die tägliche Beförderung mit der Strassenbahn startete um 7:00.

Rückseitig sind noch die in Bleistift ausgeführten postalischen Vermerke

8:40 Empfänger verzogen, 7/4 23 Adresse unbekannt, Hamburg 36 Revier 9,
Unterschrift

zu sehen. Das Postamt Hamburg 36 lag in der Nähe des Telegraphenamtes.



Grüße
philast
 
zeus25971 Am: 24.11.2021 11:38:33 Gelesen: 3978# 1109 @  
Hallo,

ich habe diese beiden Teile, die ich versuche zu verstehen. In beiden Fällen wurde angegeben, dass es durch Eilboten gesendet werden sollte, und es gab auch ungewöhnliche Bleistiftmarkierungen. Der erste zirkulierte durch Rohrpost, der zweite nicht. Weiß jemand mehr darüber? Jede Hilfe wäre wirklich dankbar.

@ philast

Auch wenn der Hamburger Stempel einen Minutenstempel hat, ist nicht garantiert, dass er durch die Rohrpost gereist ist. Bleistiftanmerkungen ( R9) und der Telegraphenstempel sind jedoch Hinweise darauf, dass das Stück durch Rohr gereist ist.

Interessantes Stück! Herzlichen Glückwunsch.


 
philast Am: 24.11.2021 20:36:02 Gelesen: 3835# 1110 @  
@ zeus25971 [#1109]

Hallo,

zunächst ein Danke für die Blumen zu dem Hamburger Beleg.

Zu dem rechten Beleg aus deinem Beitrag sehe ich die Sache so: Das Postamt N60 Schwedenstrasse 5 hatte keinen Rohrpostanschluss. Das nächstgelegene Postamt mit Rohrpostanschluss war N20 in der Stettiner Strasse. Von dort ist die Karte per Rohrpost nach W9 (handschriftliche rote 9) gelaufen, leider kein Durchgangsstempel abgeschlagen.

In W9 ist die Karte wahrscheinlich per Bahn (Potsdamer Bahnhof) nach Lichterfelde gelaufen und dort per Eilboten zugestellt worden. Lichterfelde lag außerhalb des Rohrpostnetzes Berlin. Von daher war es eleganter und für den Absender auch günstiger das Porto für eine 'normale' Eilbotenkarte zu zahlen statt nur per Rohrpost zu versenden, da man Rohrpost nach außerhalb per Eilboten mit zusätzlichen 25Pf zu frankieren hatte, also hier mit 55Pf (25Pf Rohrpostkarte + 5 Pf für außerhalb + 25Pf Eilbote außerhalb).

Fazit also: Teilweise ist der Beleg auch mit Rohrpost gelaufen, es war in diesem Falle von der Logistik her passend. Weshalb die Frankatur rot und blau eingerahmt wurde erschließt sich mir nicht.

Ähnliches gilt auch für den linken Beleg, nur meine ich hier, dass dieser nicht über die Rohrpost gelaufen ist. Ich vermisse hier einen Minuten-Stempel vom Postamt 30 (hatte Rohrpost, Neue Winterfeldtstrasse 14) und links oben einen handschriftlichen Zielvermerk für das Zielpostamt. Hier war es mutmaßlich günstiger ca. 800 m weiter zum S-Bahn Halt Yorckstrasse zu gehen und die Karte von dort weiterzuleiten nach Steglitz, das auch außerhalb des Rohrpostbezirks lag. D.h. hier gilt vom Prinzip her her das gleiche wie für den rechten Beleg. Es war preisgünstiger nur als Eilbotenkarte zu versenden als per Rohrpost nach außerhalb und Eilbote. Jedenfalls in dieser Zeit.

Ich hoffe dass ich das hinreichend korrekt beschrieben habe, das ist meine Meinung dazu.

Grüsse
philast
 
philast Am: 25.11.2021 18:45:51 Gelesen: 3494# 1111 @  
Hallo,

nochmals zum Thema [#1109], außerhalb des Rohrpostbezirks. Folgenden Beleg habe ich kürzlich erworben:



Ausgabe National Versammlung Mi 107-109 als Satzfrankatur von Berlin C2 3.7.19 9:40V nach Berlin Teltowerstr. 56, Ankunftsstempel Berlin SW 61 3.7.19 10:30V. Nach den üblichen Sätzen sind da 35 Pf Portosoll fällig, Porto Ist 50 Pf. Da liegt der Schluss nahe, dass hier ein überfrankierter Sammlerbrief vorliegt. Ich habe das Teil nicht achtlos beiseite gelegt, sondern mal genauer recherchiert.

Im Buch 'Illustriertes Post- und Telegraphenhandbuch, Ausgabe 1906/1907 von Rechnunsrat Heymer' findet sich auf den Seiten 90-96 das Strassenverzeichnis von Berlin nebst der vorgesehenen Zustellpostämter. Für die Teltowerstrasse ist das Postamt SW 61 vorgesehen (also hier das Postamt mit dem Ankunftsstempel). Das Postamt SW 61 hatte die Adresse Tempelhofer Ufer 1. Anhand eines Berliner Stadtplans von 1913 kann man die die Teltowerstrasse in Zehlendorf finden. Heute heißt die Strasse übrigens Teltower Damm.



Ausschnitt aus dem Stadtplan.

Großberlin ist erst im Oktober 1920 gebildet worden, davor war Zehlendorf aus Sicht von Berlin Mitte Fernverkehr und lag außerhalb der Rohrpostbezirks. Deshalb waren zusätzlich noch 15 Pf Fernverkehrsporto hinzuzufügen und damit ist der Beleg portogerecht (aber weiterhin ein Sammlerbeleg) frankiert mit 35 Pf Rohrpostbrief) +15 Pf (Fernverkehrporto) = 50 Pf.



Wenn ich die Rohrpostordnung korrekt verstanden habe, wären die 15 Pf nicht erhoben worden, wenn die Adresse beispielsweise in der Nachbarschaft des Postamtes 61 gewesen wäre und man dort festgestellt hätte dass der Adressat nun in Zehlendorf wohnt. Dann wäre der Brief ohne weiteres Porto nachgesendet worden jedoch nicht per Boten zugestellt worden.

Grüße
philast
 
zeus25971 Am: 26.11.2021 12:23:11 Gelesen: 3309# 1112 @  
Interessanter Umschlag, ja Zehlendorf lag außerhalb des Rohrnetzes bis zur großberliner Gründung. Hier ist eine aktualisierte Postkarte, die von dort gesendet wurde.



Auch hier ist ein weiteres großes Rätsel, ein kurzes mit 35 pf bewertet. statt 30 pf. (beachten Sie die "2" im blauen Stift). Irgendwelche Ideen?



Übrigens: Es ist toll, jemanden zu haben, der über dieses Thema spricht.
 
philast Am: 26.11.2021 18:20:22 Gelesen: 3173# 1113 @  
@ zeus25971 [#1112]

Hallo,

bei dem Brief denke ich, dass er zu groß für die Rohrpostbeförderung (Rohrpostganzsachen Briefeumschläge 140*90, max. 10g) war und er deshalb als Ortseilboten Brief gelaufen ist. In Berlin war das Ortsporto für Briefe zu jener Zeit 10Pf, sofern es bei Auflieferungen größerer Briefmengen nicht 'moderiert' sprich reduziert wurde. So kommen dann die 10 Pf + 25 Pf = 35 Pf Frankatur zustande. Auch der Vermerk 'Eilbote nicht bei Nacht' deutet darauf hin.

Vom PA W8 Französische Str. ging es wohl zunächst zum Haupttelegrafenamt ebenfalls Französische Strasse, wo der Beleg wie ein eingehender Rohrpostbrief behandelt wurde, jedoch aufgrund der Größe der 'normalen' Eilpost übergeben wurde unter Anbringung des Zielpostamtes SW46 in der Halleschen Strasse.

Die Blaue 2 kann ich nicht deuten.

Grüße
philast
 
DerLu Am: 27.11.2021 08:57:26 Gelesen: 2976# 1114 @  
@ philast [#1111]

Hallo philast,

m.M. nach ist der von dir gezeigte Brief überfrankiert. Die Rohrpost bildete in Berlin einen eigenen Taxbezirk, der ab 1901 aus der "Gesamtheit der Rohrpostzustellbezirke" bestand. Dieser Taxbezirk bestand neben den Taxbezirken (Orts-, Nachbarorts- bzw. Fernverkehr) der normalen Post, und war von seiner Definition her auch dynamisch! Dies wurde erst zum 1.7.1922 geändert.

Laut Postbuch für Berlin aus dem Jahre 1913 (ein neueres habe ich leider nicht) lag die Teltowerstrasse, wie du ja selber geschrieben hast, im Zustellbezirk des Berliner Postamtes SW 61. Da das Postamt SW 61 eine Rohrpostbetriebstelle hatte, lag daher die Teltowerstrasse auch im Rohrpostbezirk. Somit hätte die Rohrpostgebühr von 35 Pf. völlig ausgereicht.

Gruß DerLu
 
philast Am: 27.11.2021 16:55:36 Gelesen: 2885# 1115 @  
@ DerLu [#1114]

Hallo,

folgenden Ausschnitt aus dem Beitrag [#299] bringe ich dazu in Erinnerung:

. Damit keinerlei Informationslücken entstehen, hier die letztmalig genannten Post- und Bestellorte im Rohrpostbezirk vor dem 1.10.1920:

. "(...) Er umfasst die Bestellbezirke der Postämter in Berlin, Charlottenburg mit Westend, Friedenau, Grunewald, Pankow, Plötzensee, Schöneberg, Steglitz, Wilmersdorf, sowie
. a) vom Bestellbezirk Berlin-Rummelsburg, jedoch nur der Teil innerhalb der Ringbahn,
. b) vom Bestellbezirk Berlin-Treptow die Grundstücke Treptower Chaussee 1-18, 45 bis Ende, am Treptower Park (SO 33) 1-18, 45 bis Ende und Treptower Str. 1-23, 21-77, 78 bis Ende."


Da Zehlendorf hier nicht aufgeführt ist, lag dieser Ort außerhalb des Rohrpostbezirks, dennoch war das Postamt 61 zuständig für die Zustellung nach Zehlendorf. Und somit war auch zusätzlich noch das Fernporto zu zahlen. Auch einige hier im Forum gezeigte Belege nach Vororten zeigen vor dem 1.10.20 entsprechende Zusatzfrankturen.

Ich finde das Thema des Rohrpostbezirkes auch durchaus spannend. Wo endete der jeweils im Umkreis um das jeweilige Postamt? Wie veränderte sich das im Laufe der Zeit von 1876-1920 mit der Eröffnung neuer Postämter mit Rohrpostanschluss, bzw. Aufhebung eines Rohrpostamtes?

Grüße
philast
 
DerLu Am: 28.11.2021 10:11:33 Gelesen: 2610# 1116 @  
@ philast [#1115]

Hallo philast,

das für eine Rohrpostsendung die nach Zehlendorf ging, das Zusatzporto bezahlt werden musste, bestreite ich ja nicht. Der entscheidende Punkt ist, dass die Adresse für die Post eben nicht zu Zehlendorf gehörte, sondern zu Berlin. Der Postort muss nicht unbedingt gleich dem politischen Ort sein. Dieses Problem, meistens in der Peripherie der sich bildenden Großstädte, kennt man auch bei der Bestimmung des Nachbarortverkehrs.

Aus dem Postbuch für Berlin 1913 :

Verzeichnis der Nachbarorte im Bezirk Berlin, für die die Ortsbrieftaxe ... gilt: Anmerkung. Für den Begriff "Postort" ist nicht die Zugehörigkeit zu einem Gemeindeverband entscheidend, der Begriff umfaßt vielmehr die durch die postalische Abgrenzung geschaffene und einheitlich benannte Gemeinschaft, also den Orts- und Landbestellbezirk einer Postanstalt.

Hier siehe auch die Diskussionen in Romberg-Riemer: Der Nachbarortsverkehr der Deutschen Reichspost.

Dieser Grundsatz wurde natürlich auch bei der Rohrpost angewendet. Ein Beispiel ist z.B. Lichtenberg: Dort lag nur ein Teil des (politischen) Ortes im Rohrpostbezirk, der übrige nicht. Denn nur eine Postanstalt (Lichtenberg 1) hat eine Rohrpostbestriebsstelle und damit einen Rohrpostbestellbezirk, der aber nicht den gesamten (politischen) Ort Lichtenberg umfasste. Für die damaligen Rohrpostbenutzer natürlich eine ziemlich ärgerliche Stolperfalle.

Gruß DerLu
 
philast Am: 28.11.2021 16:55:26 Gelesen: 2539# 1117 @  
@ DerLu [#1116]

Hallo,

ich versuche mal das in eine Systematik zu bringen.

Ein Postamt, das Zustellaufgaben zu erfüllen hatte,

--> hat für die Briefpost, Paketpost, Eilpost, Telegramme --> einen Ortszustellbereich, i.d.R. gekennzeichnet dadurch, dass er baulich zusammenhängt, bei großen Orten mit mehreren Zustellpostämtern musste das strassenmäßig genauer zugeordnet werden, welches PA bis wohin zuständig ist.

--> hat für die Briefpost, Paketpost, Eilpost, Telegramme --> kann einen Landzustellbereich haben, gekennzeichnet dadurch, dass der Zielort kein eigenes Postamt hat, nicht im Ortsbereich liegt, meist erkennbar durch die Adressangabe <Kleiner Ort>, Post <Ort mit Zustellpostamt>

--> Für Berlin kommt der Rohrpostbezirk hinzu --> in dem der Rohrpostbote die empfangenen Rohrpostbelege sofort abgetragen hat, also wie ein Eilbote. Das müsste hier weitgehend identisch mit Ortszustellbereich sein. Praktisch gedacht der Adressat sollte zu fußläufig in einer überschaubaren Zeit erreichbar sein. ;-)

--> Weiterhin konnte ein Zustellpostamt (wie im Beispiel SW61) auch für weitere Orte die Zustellaufgaben übernehmen (wie hier für Zehlendorf), auch wenn diese Orte über ein eigenes Aufgabepostamt verfügten.

Für die Rohrpost wäre dann je nachdem wie Aufgabepostamt zum Zielort (nicht Zustellpostamt) stand und dieser Zielort außerhalb des 'Ortsbereichs/Rohrpostbereichs' lag, dann kam zusätzlich noch das Nachbarortsporto oder Fernporto hinzu. Die Zustellung dieser außerhalb gelegenen Ortschaften erfolgte dann mit der 'normalen' Post, es sei denn zusätzlich ist die Eilbotenbestellung verlangt/frankiert.

Klingt alles recht theoretisch, praktisch würde ich bei einem Rohrpostbeleg der über dem normalen Satz frankiert oder mit Nachgebühren belegt ist prüfen, ob Absende-/Empfangsort hinreichend plausibel außerhalb des Rohrpostbezirks liegt und der Beleg mit Rohrpost transportierbar war und die höhere Frankatur/Nachgebühr passt mit einer Versendung von/nach außerhalb.
Rohrpostbelege die plausibel von/nach außerhalb gesendet wurden findet man (leider) nicht allzu häufig, wenn überhaupt sind vielleicht 1% der Belege so einzustufen.

Grüße
philast
 
DerLu Am: 29.11.2021 18:04:15 Gelesen: 2175# 1118 @  
@ philast [#1117]

Hallo philast,

ich glaube die Lösung des Problems mit deinem Brief ist viel simpler als wir es hier bisher diskutiert haben. Ich hatte zunächst deine Zuordnung der "Teltower Strasse" kritiklos übernommen, mich dann aber auch in die alten Stadtpläne von Berlin vertieft. Ich bin mittlerweile der Überzeugung, das die Briefadresse "Teltower Strasse" in der heutigen Oberntrautstrasse zu lokalisieren ist. Diese Strasse hieß bis 1936 "Teltower Strasse". Im Kissling-Plan von 1919 kannst du sie unter diesem Namen finden. Und da sie eine Parallelstrasse des Tempelhofer Ufers ist, liegt sie quasi ums Eck vom Postamt SW 61 (Tempelhofer Ufer 1). Und damit ist der Brief auch 'nur' innerhalb des Rohrpostbezirkes gelaufen.

Dies ändert natürlich nichts an den Aussagen Postort ungleich politischer Ort, spielt dann hier aber auch keine Rolle.

Gruß DerLu
 
philast Am: 29.11.2021 18:49:07 Gelesen: 2128# 1119 @  
@ DerLu [#1118]

Hallo,

du hast recht. Die Obentrautstrasse hieß wirklich mal Teltowerstrasse [1].

Das macht auch die Adressangabe Berlin auf dem Brief plausibler. Also leider überfrankiert und nicht nach außerhalb gelaufen.

Grüße
philast

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Pharus_Gro%C3%9Fe_Ausgabe_Berlin_1928.jpg
 
DerLu Am: 02.12.2021 06:35:38 Gelesen: 868# 1120 @  
@ zeus25971 [#1112]

Hallo zeuss25971,

zu deinem Brief mit der bleuen 2. Ich glaube nicht, das die blaue 2 ein Taxvermerk der Post ist. In Beitrag [#753] wird auch ein Brief an ein Berliner Gericht gezeigt, der eine blaue Zahl auf der rechten Seite zeigt. Ggf. waren es Markierungen, die innerhalb der Gerichte angebracht wurden. Kannst du feststellen, ob die 2 unter den Stempel oder oberhalb angebracht wurde?

Zum Porto hat philast alles gesagt. Obwohl 'nur' als Eilbrief deklariert und freigemacht, wurde der Brief auch mit der Rohrpost befördert, quasi als Gratisleistung. Auf der Rückseite befindet sich sicherlich ein Rohrpoststempel des Postamtes 46, als Ankunftsstempel ?

Gruß DerLu
 
zeus25971 Am: 02.12.2021 11:59:59 Gelesen: 718# 1121 @  
Ja du hast recht, es hat einen Rohrpost-Empfangsstempel auf der Rückseite von PA 46. Bei der Nummer 2 hast du wahrscheinlich recht, auch wenn ich mir nicht 100% sicher bin, scheint das Blau über dem Schwarz zu liegen. Es wird also wahrscheinlich ein "Nicht-Mail"-Zeichen sein.
 

Das Thema hat 1121 Beiträge:
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