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Thema: Rohrpostbelege
Das Thema hat 1127 Beiträge:
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cartaphilos Am: 05.12.2011 23:04:03 Gelesen: 1007742# 728 @  
Nun denn,

während Ihr alle die Stiefel putzt - meine sind schon sauber - stelle ich Euch hier einen ein:



Und dazu einen netten Rohrpostbeleg, wie ich ihn noch niemals gesehen habe:





Ein Teil des Portos ist mit den Propagandafälschungen der sogenannten Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit 'entrichtet' worden.

Der Brief weist einige bemerkenswerte Details auf, die der Erwähnung und des Nachdenkens wert sind. Er ist an eine Hausnummer adressiert, bei der der Zusteller nur noch feststellen konnte, daß es dieses Haus nicht - mehr - gibt. Rückseitig weist er alle typischen Merkmale einer Rohrpost- und Eilbotenbeförderung in den beiden Teilen Berlins auf. Hier finden wir den Stechuhrstempel von Berlin N4 im Ostteil der Stadt und die Stechuhrstempel des für die Eilzustellung oder die Weiterleitung im Westteil der Stadt zuständigen Fernamtes 1. Wie der Brief von diesem vergeblichen Zustellgang weiter tranportiert wurde, ist vollkommen unbekannt. Es gibt keinen "Zurück"-Vermerk, was ja bedeutet hätte, daß diese Sendung mit den Propaganda-Marken ein weiteres Mal durch das Ostberliner Postsystem hätte geschleust werden müssen.

Wohl aber ist bekannt, daß es in Westberlin zahlreiche Deckadressen gab, die von Korrespondenten in der DDR und in Ostberlin genutzt wurden, um Kontakt zu im Westen angesiedelten politischen Organisationen aufzunehmen, die üblicherweise allesamt politische, ökonomische und ideologische Subversionstätigkeit gegen das politische System der DDR ausführten. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie der RIAS-Berlin für Kontaktversuche aus Ostberlin und der DDR am Ende der Sendungen immer wechselnde Deckadressen angab, unter denen man Mitteilungen über die Verhältnisse in der 'Ostzone' abliefern konnte - durchaus auch verbunden mit Radio-Grüßen an die lieben Verwandten.

Postsendungen an diese Adressen wurden vom Zusteller des zuständigen Bezirks direkt 'in das Amtszimmer' des Vorstehers weitergegeben: Es war sogenannte Vorsteherpost, die von diesem dann an Geheimdienste, Kontaktleute des RIAS etc. etc. weitergereicht wurde. Wie konnte der Zusteller davon Kenntnis haben? Ganz einfach: in den Fächern seines Zustelltischs befand sich in den Fach der entsprechenden Hausnummer eine entsprechende, meist rosarote Karte, auf der genaue Anweisungen gegeben waren, was mit Post an bestimmte Adresse zu geschehen hatte.

Handelt es sich nun bei diesem Otto Schuricke um eine derartige Deckadresse? Denn eines ist unklar: Wie gelangte dieser Brief letztlich in Sammlerhand, obgleich er doch offensichtlich sowohl unzustellbar war als auch keinen "Zurück"-Vermerk aufweist?
 
DerLu Am: 07.12.2011 08:42:03 Gelesen: 1007361# 729 @  
@ telosgraphein007 [#728]

Unter Sammlern ist und war es verbreitet, Briefe an nicht existente Adresse zu schicken, um die dann "echt gelaufenen" Briefe wieder zurück zu bekommen.

ABER: Bist du dir sicher, dass es zur damaligen Zeit eine gute Idee war, das ausgerechnet mit Propaganda-Fälschungen der KgU zu machen? Die Gefahr der Entdeckung war damit ja mindestens doppelt so hoch und die Bezahlung des Fehlportos war dann wahrscheinlich noch die angenehmste Sache. Auch diese Marken auf Sendungen an geheimdienstlich genutzte Deckadresse zu benutzen, erscheint mir nicht sehr klever, da versucht man doch möglichst unauffällige Sendungen "mitschwimmen" zu lassen. Leider kann ich dir den fehlenden "Zurück"-Vermerk damit nicht erklären.
 
cartaphilos Am: 09.01.2012 00:55:23 Gelesen: 997769# 730 @  
Ein - wenn auch verspätetes - schönes neues Jahr noch allen Freunden der pneumatischen Postbeförderung.

Womit beginnen wir das neue Jahr? Mit einem Knaller natürlich!

Ihr habt es gesehen: Es war eine RP26 bei ebay im Angebot. Etwas mehr als 700 Euro hat sie gekostet, leicht unklarer Rohrpoststempel von Steglitz 1 drauf. Das ist nun schon der dritte mir bekannte Beleg der RP26 aus Steglitz. Eine bemerkenswerte Häufung.

Das schöne an der Karte: Sie ist pickepackevoll mit alltagsweltlichem Bedarfstext beschrieben. Ein Akademiker aus Berlin-Dahlem - nicht wirklich weit von Berlin-Steglitz, um nicht zu sagen: Im Einzugsbereich, sobald man über Steglitz nach Dahlem kommen will (hab da mal gewohnt: vom Nachtkino im Steglitz zu Fuß nach Dahlem etwa 15 Minuten, mit weiblicher Begleitung, vor allem im Sommer, natürlich erheblich länger wegen der zahlreichen Parkanlagen und Bänke ;-) - tut dort sein Erleben von der letzten Nacht und den Bombenangriffen seiner Verwandtschaft weiter westlich in Peine bei Hannover kund.

Hier nun einmal die Vorderseite:



und der Wertstempel in Vergrößerung:



und jetzt auch noch die sensationell vollgeschriebene Rückseite:



Der Wehrmachtsbericht wird dies vielleicht bestätigen oder die Aufzeichnungen der hier angesprochenen us-amerikanischen, brandbombeninwohngebietewerfenden Allierten: Es handelt sich um keinen fiktiven Text, zumal er sehr konkret ist.

Zum Postgeschichtlichen: Wir 'wissen' alle, daß die Eilzustellung seit 1941 'aufgehoben' und daher eine portorichtige und bestimmungegemäße Verwendung der RP26 nicht mehr möglich war. Wohl aber ist eine portorichtige Verwendung als Rohrpost-Luftpost-Einschreibkarte in die nicht gebührenreduzierten Länder Europas (p.ex. Schweden) möglich gewesen. Daß die Eilzustellung im Gänze aufgehoben war, ist jedoch eine Legende, die sich per MICHEL-Ganzsachenkatalog als 'Wahrheit' ausgebreitet hat und mit jeder Neuauflage dieses Werks nicht wahrer wird. Tatsächlich wurde im Jahre 1941 nur "der Anspruch auf Eilzustellung" aufgehoben, während die Eilzustellung als solche immer noch möglich war. Erst im Amtsblatt 77 vom 14. August 1944 wird die Eilzustellung tatsächlich vollkommen aufgehoben.

So besitze ich ein Telegramm von 1943 nach Berlin, auf dem extra per Stempel angewiesen ist: "mit Boten zuzustellen." (Scan kommt später) Dazu kommen noch einige nicht mit Eilporti beklebte Eilsendungen - zur Zahlung der Eilzustellungsgebühren durch den Empfänger - vor allem aus dem annektierten Österreich ('Ostmark') bis 1943.

Und noch konkreter, was unsere gemeinsame Leidenschaft für die RP 26 betrifft, hier ein interessanter Beleg aus der phantasiereichen philatelistischen Belege-Manufaktur Walter Prell in Chemnitz. Dieser teilweise geniale Belegefummler (wenn er doch nur nicht immer diese schrecklichen Stempeladressen verwendet hätte!) kam auf die Idee, eine RP26 mit 1 Pf zuzufrankieren und am 12.1.1943 aus Den Haag "Durch Deutsche Dienstpost Den Haag" portorichtig (6 Pf Postkarte, 50 Pf Auslands-Eilboten) als auf Inlandsporto reduzierte Auslands-Rück-Antwortkarte nach Chemnitz mit ausführlichem Bericht von einer philatelistischen Veranstaltung dort zurückschicken zu lassen:



und die reichlich beschriebene Rückseite:



Was hier in erster Linie interessiert, ist die Tatsache, daß die Karte bei ihrer Ankunft in Chemnitz am 13. Januar 1943 vor der Zustellung durch einen Eilzusteller am Fernamt Chemnitz ganz offensichtlich den Stempel der FA-Chemnitz aufgedrückt bekam. Und vor allem: Auch der Eilzusteller mit dem Kreisstempel (17) brachte die Spuren und Zeichen seiner Tätigkeit auf dieser Karte an. Ergo (mag diese Karte auch nur philatelistisch gefummelt sein oder nicht): Eilzustellung gab's also doch, und zwar dort, wo sie, wie im Jahre 1941 festgelegt, aus personellen Gründen noch durchgeführt werden konnte, was hier zu Beginn des Jahres 1943 dann wenigstens noch in Chemnitz der Fall war.

Nicht also das Glaubensbekenntnis des MICHEL-Ganzsachen-Kataloges (an dessen Zustandekommen ich als Mitglied des BGSV ja auch wenigstens virtuell beteiligt bin) hinsichtlich der 'Abschaffung der Eilzustellung im Jahre 1941' ist maßgeblich, sondern die Vorschriften und die postgeschichtliche und postpraktische Realität.

So weit meine Neujahrsmeldung
Allen nur Gutes
und seltene und die schönsten Belege
 
Siegbert Am: 09.01.2012 19:01:57 Gelesen: 997519# 731 @  
Prell hat massenweise Briefe und Karten verschickt. Er hat philatelistisch angerichtete Sachen auch noch nach dem Kriege angefertigt. Aus meiner Sicht sind diese Sachen nur Mache und haben für mich philatelistischen Wert.
 
duphil Am: 09.01.2012 19:23:41 Gelesen: 997512# 732 @  
@ Siegbert [#731]

"... und haben für mich philatelistischen Wert."

Dann ist doch alles in Ordnung, oder?

Mit freundlichen Gruß
Peter
 
cartaphilos Am: 09.01.2012 20:38:19 Gelesen: 997479# 733 @  
@ Siegbert [#731]

Ganz recht, aber Prell hin, Senf her, Krug leer, Henning satt: Hätten diese Philatelisten nicht an bestimmte postalische Möglichkeiten gedacht, sich für diese begeistert und dafür gesorgt, daß diese auch realisiert werden, könnten wir heute bestimmte postgeschichtliche Sachverhalte überhaupt nicht rekonstruieren. Wo wäre die Kolonialphilatelie heute ohne die Belege der Gebrüder Senf, die Berliner Postgeschichte ohne die Postschnelldienstbriefe von Fritz Krug und eben auch einige andere Bereiche ohne den Erfindungs- und Kombinationsgeist von Leuten wie Prell oder Hennig?

Immer werden wir den zweifelsfreien Bedarfsbeleg bevorzugen, doch bis dahin halten wir alles andere entweder für Käse oder nehmen es erst einmal als Beleg für einen postgeschichtlichen Sachverhalt, bis eben der zweifelsfreie Bedarfsbeleg kommt. Ob man die Prells, Hennings, Krugs oder Senfe e tutti quanti in seiner Sammlung haben will, ist letztlich Geschmackssache, und diese ist eben kein Glaubensbekenntnis, denn:

de gustibus non est disputandum.

In diesem Sinne

[Erklärung: http://de.wikipedia.org/wiki/De_gustibus_non_est_disputandum / redaktionell ergänzt]
 
DerLu Am: 10.01.2012 06:50:23 Gelesen: 997173# 734 @  
@ telosgraphein007 [#730]

Hast du mal das tatsächliche Porto der Karte nach Peine berechnet ? Ich komme auf 16 Pfennige: 6 Pf. für die Postkarte im Fernverkehr plus 10 Pf. für die Rohrpostbenutzung in Berlin. Oder rechne ich falsch ?

Gruß
DerLu
 
Siegbert Am: 10.01.2012 11:56:02 Gelesen: 997055# 735 @  
@ telosgraphein007 [#730]

Hallo!

Es gibt z.B. Briefe der Inflationszeit aus meiner Umgebung, die heute mit sehr viel Geld bezahlt werden müssen, sind aber alle rein philatelistisch. Ein Forstbeamter hat jeden Tag Briefe mit in den Nachbarort genommen, waren meist an sich selbst adressiert, sind aber als echt gelaufen heute sehr teuer, da man nicht unterscheiden kann, ob Bedarf oder nicht. Das wissen aber nur wenige.

mit Gruss Siegbert.
 
Postgeschichte Am: 10.01.2012 12:25:27 Gelesen: 997028# 736 @  
@ DerLu [#734]

Die Gebühr für Rohrpostsendungen setzt sich zusammen aus:

1. der Gebühr für eine gewöhnliche Sendung gleicher Art,
2. dem Zuschlag von 10 Rpf für die Beförderung mit der Rohrpost
3. der Eilzustellgebühr

Danach ist die Gebühr auch für den Inlandseinsatz (6 + 10 + 40) als Rohrpostkarte korrekt, ist aber nicht als Rohrpost gelaufen.

Gruß
Manfred
 
DerLu Am: 10.01.2012 12:50:01 Gelesen: 997012# 737 @  
@ Postgeschichte [#736]

Hallo Postgeschichte,

die Postkarte lief von Steglitz nach Peine, das ist für mich kein Ortsverkehr mehr. Ich habe also so gerechnet :

zu 1.) 6 Pfennige (Postkarte im Fernverkehr)
zu 2.) 10 Pfennige

optional 3.) 40 Pfennige, aber ab 1.4.1936(?) war diese Eilbestellgebühr bei der Rohrpostbeförderung nicht mehr obligatorisch! Man hatte also die Wahl zwischen entweder nur Rohrpost und Rohrpost und Eilbestellung (und natürlich auch nur Eilbestellung), aus diesem Grunde gab es ja auch die beiden Zettel "Rohrpost" und "Rohrpost und Eilbote", siehe z.B. den letzten Beleg in [#710].

Nach Adam Riese sind das entweder 56 Pfennige wenn die Eilbestellung mit bezahlt war, also 1 Pfennig zu wenig, oder aber 16 Pfennige wenn die Eilbestellung nicht bezahlt war, dann ist die Karte mit 39 Pfennige überfrankiert.

Die 55 Pfennige waren m.W. der Tarif für eine Postkarte im Ortsverkehr (5 Pf.) plus Rohrpostgebühr (10 Pf.) plus Eilzustellung (40 Pf.).

Gruß DerLu
 
Postgeschichte Am: 10.01.2012 13:21:41 Gelesen: 996998# 738 @  
@ DerLu [#737]

Hallo DerLu,

schön, daß wir beide rechnen können. Wenn man Berechnungen anstellt, sollte man den Beleg benennen, auf den sich die Berechnung bezieht. Nach Adam Riese habe ich die gleiche Berechnung angestellt wie Du (6 + 10 + 40). Sie bezog sich auf den zweiten Beleg. Also nichts mit Nachhilfeunterricht in Mathematik. :-)

optional 3.) 40 Pfennige, aber ab 1.4.1936(?) war diese Eilbestellgebühr bei der Rohrpostbeförderung nicht mehr obligatorisch!

Wo steht das? Nach meinen Unterlagen galten die Bestimmungen über die Rohrpostbeförderung nach der Rohrpostordnung vom 30.5.1923. Hat sich daran zwischenzeitlich etwas geändert?

Gruß
Postgeschichte
 
DerLu Am: 10.01.2012 13:49:33 Gelesen: 996986# 739 @  
Hallo Postgeschichte,

ich bitte um Entschuldigung, ich wollte mit der Rechnerei nicht oberlehrerhaft wirken. Ich hatte immer nur den ersten Beleg im Blick, siehe meinen Beitrag [#734] : "der Karte nach Peine", und suchte verzweifelt nach meinem Denkfehler.

Ich habe es aus dem Hueske-Band, wenn ich heute Abend zu Hause bin, kann ich dir die Stelle genau angeben.

Gruß

DerLu
 
Eiermann Am: 10.01.2012 16:36:58 Gelesen: 996921# 740 @  
Hallo zusammen,

ich habe einen blauen Rahmenstempel R.P.A. III. 15.3.91.

Es könnte ein Rohrpostamtsstempel, drum wollte ich nachfragen, ob jemand diesen Stempel zuordnen kann ?

Vielen Dank im voraus.

Grüße Jürgen


 
DerLu Am: 10.01.2012 18:06:08 Gelesen: 996880# 741 @  
@ Postgeschichte [#738]

So, ich habe "den Hueske" jetzt vor mir liegen:

"Bis zum 27.02.1935 konnten Rohrpostsendungen nur in Verbindung mit "Eilzustellung" versandt werden. Durch VfNr. 81 vom 01.03.1935 wurde diese Möglichkeit wieder aufgehoben. Ab sofort konnten gewöhnliche Briefsendungen mit dem Vermerk "In Berlin mit Rohrpost" verschickt werden."

Quelle: Hueske, Peter-Jürgen: Die Berliner Stadtrohrpost in der Zeit von 1933 bis 1945, Soest, 2006

Daher resultiert m.M. nach auch die beiden Formen der roten Aufklebezettel: "Rohrpost" und "Rohrpost und Eilbote" (C28b und 28C) die 1936 eingeführt wurden.

Das Datum, dass ich in meinem Beitrag [#738] angegeben habe, ist falsch und bezog sich auf die Klebezettel, sorry.

Einen schönen Abend noch
DerLu
 
Postgeschichte Am: 10.01.2012 20:20:24 Gelesen: 996763# 742 @  
@ DerLu [#741]

Die Verfügung spricht aber nur von Luftpostbriefsendungen und gewöhnlichen Briefen nach den Rohrpostbezirken Berlin und München. Hier ist schon etwas genauer zu differenzieren. Sieht man sich die Primärliteratur an, kann man folgendes lesen:

Nr. 81/1935. Rohrpostbeförderung von Luftpostbriefsendungen und gewöhnlichen Briefsendungen in Berlin und München

1. Luftpostbriefsendungen nach den Rohrpostbezirken Berlin und München, deren Eilzustellung (§8, II der Bestimmungen über den Luftpostverkehr) nicht verlangt wird, können mit dem zusätzlichen Vermerk "In Berlin (München) durch Rohrpost" versehen werden, wenn sie zur Rohrpostbeförderung geeignet sind. Sie werden dan mit Rohrpost von der Flughafen-PAnst oder der Eingangs-PAnst zur Zustell-PAnst befördert und von dieser auf dem nächsten planmäßig Zustellgang ausgetragen. Für solche Sendungen ist außer der gewöhnlichen Gebühr und dem Luftpostzuschlag nur der Rohrpostzuschlag von 10 Rpf zu entrichten.

2. Ebenso können fortan auch nach den Rohrpostbezirken Berlin und München gerichtete, außerhalb aufgelieferte gewöhnliche Briefsendungen, die sich zur Rohrpostbeförderung eignen, mit dem Vermerk "In Berlin (München) durch Rohrpost" versehen werden. Sie werden dann in Berlin und München mit Rohrpost von der Eingangs-PAnst zur Zustell-PAnst befördert und von dieser auf dem nächsten planmäßigen Zustellgang ausgetragen. Für solche Sendungen ist außer der gewöhnlichen Gebühr der Rohrpostzuschlag von 10 Rpf zu entrichten.


Anhand des Textes ergibt sich nicht, daß bis zum 27.2.1935 Rohrpostsendungen in Verbindung mit "Eilzustellung" versandt werden konnten und durch diese Verfügung aufgehoben wurde. Von einer Aufhebung kann ich nichts erkennen. Es wird darin lediglich eine zusätzliche Möglichkeit geschaffen, eingehende Luftpostbriefsendungen und eingehende gewöhnliche Briefsendungen mit Rohrpost versenden zu können.

Gruß
Postgeschichte
 
DerLu Am: 11.01.2012 17:29:05 Gelesen: 996309# 743 @  
@ Postgeschichte [#742]

Hallo Postgeschichte,

ich habe noch die RPO von 1923, darin ist die Rohrpost- und Eilbotengebühr (im Ortsbereich) noch untrennbar miteinander verbunden. In der Rohrpostdienstanweisung von 1933 steht leider nichts über Gebühren. Welche Verfügungen ab 1923 hast du? Vielleicht lässt sich die Frage ja damit klären.

Gruß
DerLu
 
Postgeschichte Am: 11.01.2012 17:44:03 Gelesen: 996306# 744 @  
@ DerLu [#743]

Hallo DerLu,

damit lässt sich Dein Problem vermutlich nicht klären. In der von Dir angeführten Fundstelle, die Verfügung Nr. 81 in dem Handbuch von Peter-Jürgen Hüske betreffend, ist eindeutig nicht von einer Aufhebung der Eilzustellung die Rede, wie ich in dem Beitrag [#742] bewiesen habe. Die von mir in Bezug auf die Gebührenerklärung zitierte Rohrpostordnung von 1923 galt auch noch 1942.

Die von Dir angeführte Rohrpostdienstanweisung von 1933 kann zur Klärung nicht herangezogen werden, da es sich um eine Dienstanweisung handelte. Sie bezieht sich außerdem noch immer auf die Rohrpostordnung von 1923. Für mich ist keine Änderung der Rohrpostordnung, zumindest nicht in der von Dir angezweifelten Berechnung der Eilbotengebühr, eingetreten. Hierzu fehlt der Nachweis.

Gruß
Postgeschichte
 
cartaphilos Am: 14.01.2012 08:12:35 Gelesen: 995202# 745 @  
@ DerLu [#734]

Moijn,

eigentlich war die RP 26 für den Ortsrohrpost-Eilbotenverkehr in Berlin, München und Wien konzipiert. Daher setzt sich das Porto zusammen aus

5 Pf Ortspostkarte
10 Pf Rohrpostgebühr
40 Pf Eilzustellung

Die ganze Problematik dieser Karte besteht nun darin, daß sie

1. erst an die Schalter kommen sollte, nachdem die Bestände von RP 25 aufgebraucht waren.

2. erst tatsächlich an die Schalter kam, als der Anspruch auf Eilbotenzustellung kriegs- und personalknappheitsmäßig bedingt bereits aufgehoben war, auch wenn die Eilzustellung als solche noch nicht abgeschafft war. Erst im Amtsblatt 77 vom 14. August 1944 wird die Eilzustellung tatsächlich vollkommen aufgehoben.

Somit kann davon ausgegangen werden, daß portorichtige und bestimmungsgemäße Verwendungen dieser Karte bis August 1944 noch möglich waren, auch wenn sie in den meisten Fällen wegen des weggefallenen Anspruchs auf Eilzustellung nicht mehr postalischerseits realisiert wurden.

Für die vorgestellte RP 26 nach Peine kann also die folgende Rechnung aufgestellt werden:

6 Pf Fernpostkarte
10 Pf Rohrpostzuschlag

ergo: 39 Pf zuviel auf dem Wertstempel.

Der zweite Beleg (die Prell-Karte) berechnet sich ganz anders:

6 Pf Auslandskarte im ermäßigten Europa-Tarif (nach dem Europäischen Postkongreß Wien)

50 Pf Auslands-Eilbotengebühr, denn die Niederlande waren Ausland, auch wenn dort die Deutsche Dienstpost arbeitete.

Ich werde mich einmal auf die Suche nach den Bestimmungen über die Aufhebung des Anspruchs auf Eilzustellung im Jahre 1941 begeben. Da muß Licht ins Dunkel gebracht werden.
 
cartaphilos Am: 14.01.2012 08:53:46 Gelesen: 995194# 746 @  
@ DerLu [#734]
@ Postgeschichte [#742]

Was die Aufsplittung der alten Einheit von Rohrpost- und Eilzustellgebühr betrifft, so scheinen wir noch nicht über alle postalischen Bestimmungen zu verfügen. Es mag auch sein, daß einiges hier mit Anordnungen geregelt wurde, die erst später in die entsprechenden Postordnungen eingearbeitet wurden.

Aus Berlin konnten Luftpostsendungen schon zu Beginn der 1930er Jahre mit Rohrpost auf den Weg gebracht werden, ohne daß die Eilbotengebühr zu entrichten war:





Dieser Rohrpost-Auslands-Luftpostbrief von Berlin-Charlottenburg 7 nach Zürich vom 14. Mai 1932 weist als Frankatur 25 Pf Auslandsbrief, 20 Pf Luftpost Europa und 10 Pf Rohrpost zum Flughafen auf. Hier liegt also schon die klare Vorstellung zugrunde, daß es eine Rohrpostgebühr von 10 Pf gibt. Mithin ist die Idee von einem unteilbaren Rohrpost-Eilboten-Tarif hier schon nicht mehr zutreffend.

Die Kombination mit Luftpost muß aber auch schon frühzeitig nicht mehr zwingend gewesen sein, wie dieser Auslandsbrief vom 1. Oktober 1934 ab Berlin W 15 mit der Wegevorschrift "Rohrpost Stettiner Bahnhof" zeigt:



Nachfolgender Auslandsbrief vom 16. März 1937 nach Schweden weist neben der 25 Pf Auslandsgebühr 10 Pf für die Beförderung zum zuständigen Bahnhof auf. Die Kombination mit Luftpost und/oder Eilboten spielt hier keine Rolle:



Diese Auslandskarte vom 23. August 1938 von Berlin NW 64 in die Schweiz entspricht völlig der bisherigen Praxis, die Rohrpostgebühr als separate postalische Leistung zu verstehen, die hier für die Beförderung zum Anhalter Bahnhof mit 10 Pf zu Buche schlug:



Entsprechendes galt nun auch für Sendungen des Inlands. Diese Fernkarte vom 19. August 1938 von Berlin-Wilmersdorf 2 nach Kassel weist 10 Pf Rohrpostgebühr für den Vermerk "Mit Rohrpost zum Zug" auf.



Für die Zeit nach der Aufhebung des Anspruchs auf Eilzustellung gibt einige bemerkenswerte Belege für die Kombination von Rohrpost und Eilboten:



Auf diesem Brief vom 9. März 1943 ab Berlin-Schmargendorf sind 12 Pf für den Fernbrief, 40 Pf für die Eilzustellung und offensichtlich 2 x 10 Pf für die Rohrpostbeförderung in Berlin und in München entrichtet worden. Während rückseitig der Rohrpoststempel von SW 11 abgeschlagen wurde, gibt es jedoch keinerlei Stempel von München, die darauf hindeuteten, daß dieser Brief dort nicht nur als ein gewöhnlicher Brief behandelt wurde.

So weit für heute.

Einen schönen Tag und viel Erfolg auf den diversen Trödelmärkten oder Tauschbörsen.
 
Postgeschichte Am: 14.01.2012 10:27:37 Gelesen: 995162# 747 @  
@ telosgraphein007 [#745]

Mir lag es daran aufmerksam zu machen, daß sich die Verfügung Nr. 81/1935 sich auf Luftpostbriefe und gewöhnliche Briefsendungen nach Berlin und München bezog.

Die Suche nach der Aufhebung der Eilzustellung kannst Du Dir sparen:



Mit postgeschichtlichem Gruß
Manfred
 
Baber Am: 14.01.2012 10:31:49 Gelesen: 995162# 748 @  
@ telosgraphein007 [#611]

Hallo telosgraphein007,

ich habe erst heute Deinen interessanten Beitrag über die Rohrpost in Wien gelesen. In Wien gab es ja noch eine Besonderheit, dass man auch Briefe und Postkarten mit der Rohrpost nur bis zum nächsten Auslieferungspostamt schicken konnte. Von dort wurden sie dann vom Briefträger mit der gewöhnlichen Post ausgetragen. Im Gegensatz zu Expresssendungen, die dann sofort ausgetragen wurden.

Die Zuschlag für nur Rohrpost war günstiger als für Express und betrug:

21.12.45 - 31.08.47 10g
01.09.47 - 31.08.51 30g
01.09.51 - 02.04.56 60g

Da ich die Expressgebühren Inland für Postkarten, Briefe und Geschäftsbriefe von 1945 bis zur Einstellung des Expressdienstes im Inland am 30.9.1999 dokumentieren möchte, bin ich an solchen "Nur Rohrpostbelegen" sehr interessiert. Hast Du so etwas abzugeben?

Gruß
Baber
 
cartaphilos Am: 15.01.2012 06:27:52 Gelesen: 994804# 749 @  
@ postgeschichte [#746]

Meinen allerbesten Dank für diesen Scan. Gibt es auch noch das Datum dazu?

@ baber [#747]

Danke für die Rückmeldung. Hatte schon gedacht, es würde niemanden interessieren, was in Österreich so pneumatisch passiert ist. Für die Zeit nach 1945 bin ich nicht allzu stark bestückt, doch von den wenigen Belegen, die ich habe, ist nur ein Beleg mit "nur Rohrpost" dabei. Nachfolgend dennoch eine kleine Galerie Wiener Rohrpost ab 1945:

1. Dieses Durcheinander von verschiedenen Zonenmarken und Portomarken macht mir Freude:



2. Besonders interessant finde ich die Aufbrauchsverwendung von alten Reichsmark-Ganzsachen der Sowjetischen Zone zu einer Zeit, als der Schilling schon wieder eingeführt war:



3. siehe oben



4. und zum Dritten:



5. Die Landschaftsausgabe ist dann der Nachkriegsklassiker, hier in allen Variationen. Viel Freude macht mir diese Karte in ihrer rotorangenen Schlichtheit:



6. Der 38-g-Klassiker in Einzelfrankatur:



7. Einschreiben per Eilboten und Rohrpost war schon möglich ... als man in Berlin noch weit davon entfernt war:



8. Orts-Eilbrief, man bemerke die alten Reichspostzettel, die noch jahrelang in Gebrauch waren:



9. und hier einmal ohne Rohrpost-Eilbotenzettel:



10. und hier einen Rohrpost-Eilbotenbrief per Einschreiben vom britischen Militärtattoo 1946:



11. und noch einen Einschreibbrief per Rohrpost und Eilboten:



12. und noch einen:



13. und jetzt zur Trachtenausgabe: Orts-Brief per Rohrpost und Eilboten:



14. diese Einzelfrankatur 1,40 S auf Fern-Eilbrief nach Wien, dort per Rohrpost gelaufen macht mir Spaß, und ich habe noch nie wieder etwas ähnliches gesehen:



15. Auslandseinschreiben per Rohrpost und Eilboten und dann auch noch ordentlich zensiert:



16. Ganzsachen mit Rohrpost- oder Eilbotenzusatzfrankatur sind immer schön. Von dieser Kombination habe ich nur eine:



17. von den nachfolgenden 70g-Karten mit Beifrankatur so viele, daß es wie Massenware aussieht ;-):



18. und noch eine:



19. und noch eine (hier als Fernkarte per Eilboten nach Salzburg mit der Wiener Rohrpost befördert):



20. und noch eine:



21. und noch eine (mit bemerkenswerten Zustellvermerken), zwar noch mit Rohrpost-Minutenstempel, aber schon keine 'echte' Rohrpost mehr, denn diese wurde ab 3. April 1956 abgeschafft und, anders als in Deutschland nach Abschaffung der Rohrpost, auch postintern nicht mehr benutzt:



22. und noch eine (die Bautenserie wirft ihre Schatten voraus) doch schon keien Rohrpost mehr, denn diese wurde ab 3. April 1956, siehe oben:



23. Trachtenserie auf Eilkarte, jedoch nur noch scheinbar per Rohrpost gelaufen. Diese wurde sechs Wochen zuvor abgeschafft:



24. hier kommen eigene österreichische Eilbotenzettel in den Umlauf:



25. mit Rohrpost zum Bahnhof und dann ins Ausland:



26. Schöne Mehrfachfrankatur mit deutsch-österreischischer 'Mischbezettelung' für Rohrpost (D) und Eilboten (A):



27. wenn dem Postamt Wien 69 die Postwertzeichen ausgehen, wird per Postsache und Einschreiben-Rohrpost-Eilboten nachbestellt:


 
Postgeschichte Am: 15.01.2012 10:26:08 Gelesen: 994729# 750 @  
@ telosgraphein007 [#749]

Meinen allerbesten Dank für diesen Scan. Gibt es auch noch das Datum dazu?

Kein Problem. Für die Einzelverfügungen gibt es allerdings kein Datum. Als Fundstelle und Datumsnachweis kann man nur das Amtsblatt zitieren. Die Verfügung Nr. 129/1941 ist im Amtsblatt des Reichspostministeriums Nr. 28 vom 21.3.1941 auf Seite 190 erschienen. Wie aus dem Aktenzeichen hervorgeht, handelt es sich um einen Ministeriellen Erlass.

Mit postgeschichtlichem Gruß
Manfred
 
Baber Am: 15.01.2012 11:30:38 Gelesen: 994694# 751 @  
@ telosgraphein007 [#749]

Vielen Dank für die Abbildungen. Das sind aber alles Expressbelege, eine reine Rohrpostfrankatur von Postamt- zum Abgangs oder Auslieferungspostamt ist aus meiner Sicht nicht dabei. Dann wäre zum jeweiligen Porto der Postkarte oder des Briefes bis 31.8 1947 nur 10g, bis zum 31.8.1951 nur 30g und bis zum 2.4.1865 nur 60g als Rohrpostgebühr notwendig gewesen.

Die Reichsmarkganzsachen zu 5 Pfg (Ortpostkarte) und 6 Pfg (Fernpostkarte) konnten ich glaube bis zur Währungsreform 1947) weiterverwendet werden, während die entsprechenden Briefmarken dieser Wappenserie am 31.12.1945 ungültig wurden.

Gruß
Baber
 
Baber Am: 15.01.2012 11:44:38 Gelesen: 994679# 752 @  
@ telosgraphein007 [#749]

Da habe ich nicht genau geschaut, der Beleg 25 ist so ein "nur Rohrpostbeleg". 2,40 S der Auslandsbrief und 60 g die Rohrpost. Gratuliere zu diesem Beleg.

Gruß
Baber
 

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