Neues Thema schreiben   Antworten     zurück Suche   Druckansicht  
Thema: (?) (311) Postverhältnisse Bayern - Österreich
Das Thema hat 314 Beiträge:
Gehe zu Seite: 1 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12   13  oder alle Beiträge zeigen
 
bayern klassisch Am: 09.07.2018 18:36:51 Gelesen: 13753# 290 @  
@ bignell [#289]

Hallo Harald,

ich danke dir - hatte mich auch schon gewundert, dass alles so schnell gegangen sein soll.

Aber egal - netter Brief für wenig Geld und poste restante ist ja auch nicht ganz ohne.

Schön, dass du mir helfen konntest!

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 18.07.2018 14:34:16 Gelesen: 12627# 291 @  
Liebe Freunde,

aus dieser Korrespondenz kenne ich eine Handvoll Briefe und 2 davon gehör(t)en mir. Heute zeige ich einen des Generalkonsulats des Königreichs beider Sizilien in Amsterdam vom 17.12.1843 an "A Sua Ecellenza Il Sig. Sig. Principe Di Scilla Duca di S. Crestina Primo Segretario di Stato, e Ministro degli affari esteri - Napoli", also ein Dienstbrief an die Oberbehörde in der Heimat.







Der Absender frankierte siegelseitig 15 Stuiver, die bis "Franco Füssen" reichten (Preussen 12 Kreuzer via Arnhem - Köln und Koblenz, Taxis 6 Kreuzer (via Frankfurt am Main) und Bayern 12 Kreuzer), also transitierte der Brief Preussen und taxisches Lehenspostgebiet, ehe er über Aschaffenburg bis Füssen auf bayerischem Terrain berührte (im geschlossenen Transit!). Wegen des österreichischen Grenzfrankozwanges konnte er bei der Leitung über Deutschland (Alternative: Via Frankreich) nur bis zur österreichischen Eingangsgrenze frankiert werden. Ab da griff der Postvertrag Österreichs mit dem Kirchenstaat, der hier als Transitleister diente (ebenfalls in geschlossenen Briefpaketen) und dem Königreich beider Sizilien, wo der Brief mit 46 Grana belastet wurde.

Der Stempel "Transito per l´Austria" (van der Linden Nr 2820, nur aus 1843 bekannt und immerhin 9 Punkte wertend) wurde in Mantua ("Mantova") abgeschlagen, wo es von Österreich in den Kirchenstaat ging.

Der Stempel "DI R(eal) SERVIZIO" kam in Neapel auf den Brief und dokumentierte den dienstlichen Charakter des Schreibens, so dass er im Kgr. Sizilien portofrei befördert wurde, so meine Vermutung, auch wenn ich diesen Stempel noch nie vorher gesehen habe.

Im Inhalt informierte der Konsul in Amsterdam über den Tod des 3 Tage zuvor in Berlin verstorbenen Guglielmo I Federico d´Orange, Graf von Nassau und König der Niederlande.

Ich denke, man kann über Sophy und Postgeschichte denken, wie man will, aber wenn das keine Granate ist, dann weiß ich es auch nicht mehr.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 18.07.2018 19:25:12 Gelesen: 12591# 292 @  
@ bayern klassisch [#291]

Hallo Ralph,

was soll man da noch sagen, ein tolles Stück Postgeschichte - ich bin hoch begeistert. Der Stempel "Transito per l´Austria" sehr schön und genau wie der Stempel "Franco Füssen" sehr sauber abgeschlagen. Den Stempel "Franco Füssen" gab es ab 1833 in blau, davor war seine Farbe rot.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 18.07.2018 19:59:24 Gelesen: 12582# 293 @  
@ Gernesammler [#292]

Hallo Rainer,

vielen Dank - die Stempel "Franco Grenzen", "Franco Coblentz", "Franco Aschaffenburg" und "Franco Füssen" wurden von den niederländischen Aufgabeposten abgeschlagen - war der jeweilige Aufgabestempel in Amsterdam, Rotterdam, Maastricht usw. grün, war dieser Vertragsstempel grün; war der Aufgabestempel rot, war dieser Vertragsstempel auch rot - war der Aufgabestempel blau, war auch der Nebenstempel blau, weil man nur ein Stempelkissen hatte und daher immer die Farben der Aufgabestempel mit den Vertragsstempeln korrespondieren.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 31.07.2018 13:02:33 Gelesen: 11307# 294 @  
Liebe Freunde,

einen Brief von Bayern aus Australien bekommt man nicht jeden Tag - zumal einen solchen, von dem man gar nicht glauben kann, dass es ihn genau so gibt.



Aber der Reihe nach: Verfasst in Nürnberg am 29.3.1867 von der Firma Heim & Heller war er gerichtet an Ferdinand von Wertheim in Ranshofen bei Simbach am Inn. Am 29.3. musste der Brief aber schleunigst auf die Post gebracht werden, so dass man ihn erst gar nicht in der Stadt, oder am Bahnhof, sondern gleich in den Briefschlitz am Zug einwarf.

Die Frankatur von 3 Kreuzern wäre ja auch für einen innerbayerischen Brief korrekt gewesen und schließlich las man im Waggon der Strecke Nürnberg - Passau "bei Simbach am Inn", also war der Brief mit 3 Kreuzern korrekt frankiert. Aber man hat nur perfekt abgestempelt, nicht perfekt recherchiert, sonst hätte man bemerkt, dass Ranshofen in Österreich liegt, aber wenn es tatsächlich nicht weit weg von Simbach am Inn lag, aber von Nürnberg aus waren es nach Braunau, der für Ranshofen zuständigen österreichischen Postexpedition, doch stattliche 196 km = über 26 Meilen, so dass der Absender dieses Postvereinsbriefes hätte 9 Kreuzer frankieren müssen.

Die deutliche Unterfrankatur fiel keinem auf und die Post in Braunau am Inn (bekannt ja aus etwas anderen Gründen, als reinen Postgeschichtlichen) sah sich auch nicht veranlaßt, ein Nachporto für ihren Kunden anzuschreiben, zumal dieses ja eh allein Bayern zugekommen wäre. Korrekt wäre folgende Rechnung gewesen: Portobrief nach Österreich: 20 Neukreuzer, abzüglich der frankierten Marke von 3 Kreuzer = 5 Neukreuzer noch 15 Neukreuzer Nachporto.

Da auch der Bahnpoststempel perfekt abgeschlagen wurde, der Inhalt komplett ist und Braunau sich schön hinten verewigte, habe ich großzügig über den Markenschnitt hinweg gesehen (und überlicherweise müssen wir bei dergleichen Angeboten ja die schwachsinnige Formulierung "dreiseitig breitrandig" schon oft genug lesen).

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.09.2018 13:43:06 Gelesen: 8359# 295 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Brief mit interessantem Laufweg, den zu belegen mir lange nicht geglückt ist - jetzt schon.



Die Postaufgabe erfolgte am 19.4.1862 in Oberleutensdorf, unter Leutensdorf leichter zu finden, welches sich ca. 20 km westlich von Teplitz befand. Da der Brief nach Waldkirchen, ca. 15 km nordöstlich von Passau gelegen, gerichtet war, könnte man annehmen, dass er fast ganz Böhmen durchmessen sollte, um an der Grenzstadt Passau ausgetauscht zu werden. Aber das ist nicht passiert!

Tatsächlich wurde er nicht südwestlich Richtung Passau, sondern nordöstlich nach Teplitz (20.4.) und dann weiter nordöstlich Richtung Bodenbach (20.4.) geschickt, wo er auf sächsischen Boden kam und über Dresden, Plauen, Lichtenfels, Bamberg, Nürnberg, Schwandorf, Regensburg, Straubing nach Passau lief, von wo aus er wieder reexpediert werden musste in das 15 km entfernte Waldkirchen.

Aber es war immerhin in 3 Tagen alles geschehen und ob ein direkter Transfer unter Zuhilfenahme von Kutschen und der Eisenbahn über österreichische Land schneller gewesen wäre, darf bezweifelt werden.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 05.09.2018 10:24:07 Gelesen: 8279# 296 @  
Liebe Freunde,

heute kann ich den Kartenschluß Bregenz - Köln mit einem blauen Damenbriefchen aus Feldkirch vom 22.7.1862 belegen, der adressiert war an:

Preußen. Westfalen
Herrn Oekonomie Eleven Chr. Winkelmann
Carthaus - Weddern
bei Dülmen
via Cöln a(m) R(hein)



Siegelseitig sehen wir den Bregenzer Stempel vom selben Tag und einen preussischen Ausgabestempel unbekanntem Datums.

Der Laufweg war: Bregenz - Lindau - Kempten - Augsburg - Ulm - Stuttgart - Heidelberg - Darmstadt - Frankfurt am Main - Gießen - Wetzlar nach Köln.

Involviert waren somit neben Österreich und Preussen noch Bayern, Württemberg, Baden und Thurn und Taxis - ein 6-Länder-Brief, könnte man auch sagen, aber Thurn und Taxis war natürlich kein Land.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 13.10.2018 11:55:15 Gelesen: 5275# 297 @  
Liebe Freunde,

zu den zahlreichen Fehlleistungen Passaus, wenn es um Briefe nach Österreich ging, passt der hier sehr gut:





Portobrief am 14.4.1844 in Passau taxiert mit 6 Kreuzern Conventionsmünze für einfache Briefe bis 10 Meilen - die Entfernung Passau - Möderbrugg betrug aber 163 km, also über 22 Meilen. Die österreichische Post, welche wissen wir nicht, ignorierte die falschen 6 von Bayern und notierten statt dessen 12 Kreuzer Conventionsmünze, die natürlich richtig waren. Es gab ja nur 2 Entfernungsrayons.

Dass zu alledem noch der vorgeschriebene B.O.C. - Stempel Passaus vergessen wurde, passt zu dem Bild dort.

Interessant auch, dass der Brief erst am 22.4. dort ankam (?) und der Empfänger Prandstetter siegelseitig notierte: "Erhalten am 25. April 1844".

Es ist kaum zu glauben, dass er seine Geschäftspost hat 3 Tage liegen lassen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 16.10.2018 20:17:33 Gelesen: 5015# 298 @  
Hallo Sammlerfreunde,

Charge Brief als aus Würzburg vom 19.11.1834 an den K.K Stadt Magistrat Wien, seitens Bayern wurden rückseitig 12 Kreuzer notiert, die Österreichischen Postbeamten notierten 28 Kreuzer.

Was hat es jetzt mit der 14 in Rötel auf der Vorderseite und der 21 auf der Rückseite zu tun, gehören diese mit zur Taxierung?

Für die Recomsndations Gebühr hatte der Absender ja nochmals 4 Kreuzer zu zahlen.

Gestempelt mit Halbkreisstempel von Würzburg (Winkler 11a) und auf der Rückseite der Ankunftsstempel von Wien am 24.11.

Gruß Rainer




 
bayern klassisch Am: 16.10.2018 20:22:59 Gelesen: 5014# 299 @  
@ Gernesammler [#298]

Hallo Rainer,

ein schöner Brief aus einer Riesenkorrespondenz.

Hinten hat der Absender 21 Kreuzer (nicht 12 Kreuzer) bis zur Grenze bei Passau frankiert. Ab da kostete er 28 Kreuzer Conventionsmünze bis Wien.

Mittig oben steht "1 Loth", was Österreich notiert hatte, denn es war ein Brief in der 2. Gewichtsstufe (über 1/2 bis 1 Loth).

Bayern also 14+7 = 21 Kreuzer und Österreich 14+14 = 28 Kreuzer (Bayern gab also 50% je Gewichtsstufe dazu, Österreich verdoppelte sein Porto, so unterschiedlich waren die internen Regulative).

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 20.10.2018 11:32:35 Gelesen: 4656# 300 @  
Liebe Freunde,

hoch war er in der Bucht (eBay) angesetzt und doch habe ich ihn günstig bekommen - die eierlegende Wollmilchsau aus Lindau nach Wien vom 19.4.1955, dessen Anschrift lautete:

Herrn Carl von Seutter
mit Briefen d(es) Herrn L. E. Smekal
Wien



Was macht den Brief so besonders?

1. Unten rechts neben der kleinen 9 eine Beschädigung der mittigen Randlinie.

2. Leitung von Lindau im Bodensee aus nach Wien via Sachsen und Bodenbach belegt durch Transitstempel von Bodenbach vom 21.4.1855 und Ankunftsstempel vom 23.4.1855, also innerhalb von 4 Tagen.

3. Brief mit Briefen, also der Einlage von Briefen des Herrn Smekal aus Wien, nach Wien, was ich so kaum einmal gesehen habe.

4. Frankovermerk in Bayern vorgeschrieben - hier aber vergessen.

Darüber hinaus ist der Brief sehr nett anzusehen und hat noch den Brief zum Inhalt, der der eigentliche Grund der Absendung war, wohingegen die Briefe von Herrn Smekal heute mangeln. Briefe mit Briefen sind sehr selten.

Der Brief beweist, dass Bayern wegen der fehlenden Eisenbahnverbindung 1855 nach Wien im direkten Austausch sogar von dem sehr weit entfernten Lindau im Bodensee sein Briefepaket auf Bodenbach fertigte ("encartirte"), wo es dekartiert wurde und weiter nach Wien ging. Bisher hatte ich nur Augsburg und Würzburg als entfernteste Aufgaben via Bodenbach nachweisen können, jetzt kam als "ultima ratio" der causa Bodenbach Lindau dazu, womit ich unterstelle, dass man aus ganz Bayern und der Pfalz alles in den frühen 1850er Jahren via Bodenbach nach Böhmen, Wien und Ungarn leitete, auch wenn das nicht immer so leicht und schön bewiesen werden kann, wie an diesem Brief.

Liebe Grüsse von bayern klassisch, sehr glücklich diese Granate zu besitzen :-)
 
bayern klassisch Am: 28.11.2018 15:49:37 Gelesen: 1302# 301 @  
Liebe Freunde,

heute ein simpler Brief mit 1 bis unter 2 Loth vom 20.12.1862 aus Rosenheim an das k. k. Bezirksamt Kitzbichl (heute: Kitzbühel) Brixenthal Tirol, der treffend mit 6 Kreuzern frankiert wurde.



Hinten sehe ich Kufstein und Kitzbichl, aber auch einen Stempel, den ich nicht deuten kann. Kann es einer von euch?

Der Inhalt ist interessant: Zur Conkursmasse des Sebastian Ruedorfer Lebzelte (= Lebkuchner) in Kitzbichl - Rechnung der Kunstmühle in Rosenheim.

Benutzt wurde bayerisches Stempelpapier mit der Nominale von 3 Kreuzern, aber darunter klebt eine 15 Neukreuzer Stempelmarke Österreichs und etwas rötlich 12 (Neu-?)Kreuzer leicht angedruckt. Wer kennt sich hier aus?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.12.2018 11:09:54 Gelesen: 974# 302 @  
Liebe Freunde,

wir lieben ja alle diese ganz besonderen Briefe, von denen man i. d. R. ein Leben lang träumt und von denen, wenn man großes Glück hat, ab und zu einer seine Aufwartung in der eigenen Sammlung macht.

Heute ist so einer hier eingeflogen und ich möchte ihn euch gerne vorstellen, zeigt er doch 3 Besonderheiten, wovon jede Einzelne schon einen Beitrag wert wäre.



Der Absender, die Gebrüder Kindervater aus Wien, hatten einen einfachen Brief unter 1 Loth zu versenden an die Firma Müller & Lapp nach Kitzingen in Bayern. Doch wollten sie diesem Brief noch ein paar Anlagen spendieren in Form von Mustern ohne Wert(h), die sie ihm angehängt hatten. Das treffende Franko hatten sie sicher selbst ausgerechnet, denn Firmen wussten oft besser über die Besonderheiten von Versendungen Bescheid, als Postler, deren Fehlerquote bei allem, was nicht gerade alltäglich war, oft nur zu dramatisch anstieg.

Weil man aber demjenigen, der den Brief zur Post tragen sollte, vlt. nicht 100%ig traute, überstempelte man die 3 benötigten 9 Kreuzer Conventionsmünze (CM) mit dem großen, blauen Firmenstempel, so dass ein Ablösen durch den Überbringen (oft der Stift des Betriebes) sinnlos gewesen wäre. Auch eine Art der Vorausentwertung.

Man ververmerkte auch "Kitzingen a(m) M(ain) via Leipzig"a n diesem 19.6.1858, weil man nicht den langsameren, direkten Weg nach Unterfranken präferierte, sondern den schnellen via Prag - Bodenbach - Leipzig - Hof - Nürnberg und Würzburg, wie wir siegelseitig an dem Kitzinger Ankunftsstempel vom 21.6.1858 sehen. Luftlinie waren es ab Wien 485 km, bei direkter Postversendung wohl ca. 600 km und hier knapp 1.000 km.

Da die Postaufgabe um 17.00 Uhr erfolgte und der Brief von Würzburg aus erst reexpediert nach Kitzingen werden musste, ist die Leistung aller Beteiligter nicht hoch genug einzuschätzen.

Die Aufgabepost verwog ihn mit 4 1/4 Loth, so dass sich das Franko wie folgte berechnete: Brief unter 15,625 g mit Muster bis 2 Loth über 20 Meilen = 9 Kreuzer, bis 4 Loth = 18 Kr. und wie hier über 4 bis 6 Loth = 27 Kr. CM.

Sind schon Briefe im 1. Gewicht als Muster ohne Wert(h) anhängend nicht gerade häufig, so sind jene über 4 bis 6 Loth m. E. große Seltenheiten.

Briefe aus Österreich nach Bayern mit Firmenstempel - Vorausentwertung kannte ich bisher gar nicht.

Leitungen via Bodenbach habe ich Dutzende - schneller als dieser hier war aber bisher kein nachgewiesener Brief, zumal innen der Empfänger den Erhalt am 21.6. bestätigte und hinzu fügte, dass er den Brief sogar noch am selben Tag beantwortete (also noch zur Post brachte). Das war dann vor 19 Uhr in Kitzingen der Fall.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.12.2018 11:19:05 Gelesen: 973# 303 @  
Liebe Freunde,

gerade bei Dienstbriefen galt das Hauptinteresse hinsichtlich der postalischen Behandlung bayerischer Briefe in Österreich der Befreiung von Porti. Da es den Grenzfrankozwang gab, war die bayerische Strecke uninteressant und interessierte die österreichische Post gar nicht.



Sollte aber ein bayer. Dienstbrief in Österreich auch gebührenfrei bleiben, bedurfte es schon einiger Arbeit, um dies zu erreichen und oft verfehlte dieser Aufwand sein Ziel.

Hier schrieb das Kreis- und Stadtgericht Regensburg an den Magistrat von Wien am 17.2.1842 - und zahlte bis zur Grenze nichts. Weil dies aber keine Garantie war, dass Österreich auch auf eigenem Territorium eine wie auch immer geartete Postportofreiheit akzeptiert hätte, fügte man in Regensburg hinzu: "Ex Officio in Dienstsachen portofreyer Justizgegenstand" und erhoffte sich so auch die Portofreiheit bis Wien, welche hier auch gewährt wurde.

Bei allem Eifer - eine in Bayern vorgeschriebene Franchise wurde dadurch aber unterlassen.



Siegelseitig habe ich den Brief gedreht, so dass man lesen kann, was der Absender für die Post notiert hatte: "Am Siebenzehnten Februar 1842 Postübergabe, Welter". Das war ein Insinuationsvermerk, mit dem das Gericht in Regensburg in Rechtsdingen gerichtsverwertbar die Zustellung an die Post notiert hatte. Auf Auslandsbriefen sind diese Insinuationsvermerke selten und von Insidern gesucht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.12.2018 11:27:45 Gelesen: 972# 304 @  
Liebe Freunde,

das halbe Jahr der bayerischen Kreuzerzeit, also der 1.7.1875 bis zum 31.12.1875, als beide Länder im Weltpostverein waren, ist in der Darstellung trotz sehr hohen Postaufkomemns, schwierig. Sind schon Drucksachen, Rekobriefe oder ähnliche Kleinstbesonderheiten hüben wie drüben kaum einmal zu finden, sind die Besonderheiten, die es schon Jahrzehnte vorher gab, kaum einmal für diesen engen Zeitraum zu finden.



Eine glückliche Fügung (eBay) ergab hier aber eine Linderung meiner Pein, konnte ich doch einen Brief aus Lindau vom 15.7.1875 nach Wien schießen, dessen Adresse lautet:

"Hochwohlgeboren Herrn Carl Seutter von Loetzen mit Briefen d. Herrn Seutter u. Comp(agnie) Wien".

Das mit 3 Kreuzern frankierte Kuvert war mit den es beinhaltenden Briefen nur maximal 15g schwer, da eine Unterfrankatur nicht ersichtlich ist. Am 17.7. kam es in Wien an.

Ausweislich des Empfänger - Rötelvermerks wurde es aber erst am 21.8.1875 beantwortet.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.12.2018 11:44:55 Gelesen: 971# 305 @  
Liebe Freunde,

Briefe entgegen des Postzwanges sind immer Highlights einer jeden Sammlung, so auch hier. Therese, die Schwester des Empfängers, war eine sehr umtriebige Frau und sie hatte nur wenig Zeit, diesen Brief an den Baron von Malsen in Marzoll bei Bad Reichenhall aufzugeben. Auf die Post zu gehen, oder jemanden nach dorthin zu schicken, war ihr auch zu viel, daher notierte sie unten: "durch eigenen Bothen" und gab für einen unbekannten Betrag jemandem diesen Brief verschlossen mit.



Die Strecke Salzburg, wo sie gerade war, bis Marzoll, betrug gut 18 Kilometer und so hätte der Brief vom 2.6.1845 nach dem Postvertrag Österreichs mit Bayern vom 1.10.1842 ein Franko von 6 Kreuzern Conventionsmünze bzw. ein Porto beim Empfänger von 7 Kreuzern rheinisch gekostet. Ob es der uns leider heute unbekannte Expresse = eigener Bote günstiger machte?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Magdeburger Am: 01.12.2018 14:03:20 Gelesen: 952# 306 @  
Liebe Sammelfreunde

nachdem Bayern Klassisch wunderbare Belege zeigte, vor allem den super Muster ohne Wert in der 3. Gewichtsstufe, etwas recht einfaches:



Am 23.05.1863 in Vilsbiburg aufgeben ging es nach Neusiedl am See komplett portofrei. Wie die Siegelseite zeigt, lief er über Passau - Kettsee - Wien - zu Ziel.

Ob er von Passau erst nach Wien dann nach Kettsee retour Wien lief, kann ich nicht sicher sagen.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 01.12.2018 14:51:44 Gelesen: 941# 307 @  
@ Magdeburger [#306]

Lieber Magdeburger,

auch simple Dienstbriefe können schön sein - deiner ist der Beweis dafür.

Bei den vielen, gleich- oder ähnlichnamigen Orten in der k. u. k. Monarchie wage ich keine Leitwegsprognosen zu geben.

Ein schöner Brief, den ich auch gerne hätte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bignell Am: 01.12.2018 16:12:40 Gelesen: 929# 308 @  
@ Magdeburger [#306]

Hallo Ulf,

Kittsee, nicht Kettsee.

Lg, harald
 
Magdeburger Am: 01.12.2018 16:29:59 Gelesen: 925# 309 @  
@ bignell [#308]

Hallo Harald,

danke - hatte ich auch zuerst, aber doch falsch geschrieben.

Was meinst du zum Laufweg?

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bignell Am: 01.12.2018 17:08:08 Gelesen: 918# 310 @  
@ Magdeburger [#309]

Hallo Ulf,

Vilsbiburg - Passau - Wien - Kittsee - Wien - Neusiedl würde ich sagen, warum die Fehlleitung nach Kittsee ist mir aber nicht klar.

Lg, harald
 
Magdeburger Am: 01.12.2018 17:50:07 Gelesen: 904# 311 @  
@ bignell [#310]

Hallo Harald,

ist ja auch meine Vermutung. Ist in den Wien-Stempeln unten 8 F die Uhrzeit 8 Uhr früh?

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 02.12.2018 10:31:59 Gelesen: 822# 312 @  
Lieber Magdeburger,

ja F = Früh und A = Abend.

Liebe Freunde,

manchmal bekommt man Briefe, die man "abbusseln" möchte, so schön und lieblich sind sie. Das hier ist einer davon und wie so oft stammt er aus dem wundervollen Österreich.



In Neumarkt (am Wallersee) am 9.3.1843 aufgegeben als Frankobrief (hinten: 6 Kreuzer Conventionsmünze für einfache Briefe bis 10 Meilen) nach Marzoll bei Bad Reichenhall, stempelte die Aufgabepost artig "FRANCO" und brachte noch das "X" als Zeichen der Frankatur an. Allerdings nahm eine andere Post die Stempelung mit O.B.C. vor, da man in Neumarkt kaum 2 Stempelkissen parallel geführt haben dürfte (Salzburg?).

Aber wunderschön wird es erst, wenn man die Rückseite betrachtet, wo zwei farblich verschiedene, gummierte Siegelwäppchen den guten Verschluss zeigen - herzallerliebst sage ich da nur.

Absender war übrigens Peter Paul Krämmerer, Zolloberbeamter in Neumarkt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 02.12.2018 10:38:43 Gelesen: 819# 313 @  
Liebe Freunde,

am 2.10.1835 sandte man von Salzburg aus ein Briefchen "fco Grze" also franco Grenze nach Klebing bei Mühldorf an den Freiherrn (Baron) Erasmus von Malsen. Zur Dokumentation, es gab ja den Frankozwang, schlug man den Stempel "Salzburg Franco" in rot ab, der Farbe des Bezahltseins.



Allerdings lässt sich keine Frankotaxe auf dem Brief finden - statt dessen sehen wir den Grenzübergangsstempel von Burghausen vom Folgetag und die Taxe von 4 Kreuzern rheinisch für die bayerische Strecke.

Natürlich ging es Bayern nichts an, ob jemand in Österreich seine Briefe bezahlte, oder nicht, aber Transitstempel waren niemals auf der Frontseite der Briefe abzuschlagen, da dieses ja dokumentiert hätte, dass sie auch dort aufgegeben worden waren, was nicht der Fall war. Ein Ankunftstempel, damals nicht vorgeschrieben, mangelt daher zurecht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.12.2018 20:56:23 Gelesen: 645# 314 @  
Liebe Freunde,

poste restante gestellte Belege sind nicht häufig, auch nicht im bilateralen Verkehr zweier Staaten bzw. Postgebiete. Jedoch darf man unterstellen, dass sich sicher 99% davon auf Briefe bzw. Postkarten bezogen, wo es sie denn schon gab.



Heute kann ich aber eine Drucksache aus Triest nach Landshut zeigen, die auch Poste restante gestellt wurde und eine zweite zwischen diesen Ländern dürfte schwer zu finden sein (wer eine aus Bayern nach Österreich abzugeben hat, melde sich jetzt, oder schweige ein Leben lang). :-)

Diese datiert vom 12.3.1872 und kam am Folgetag schon an - Glückwunsch an 2 perfekt arbeitende Posten. Heute kann man davon nicht mal träumen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 

Das Thema hat 314 Beiträge:
Gehe zu Seite: 1 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12   13  oder alle Beiträge zeigen
 
  Antworten    zurück Suche    Druckansicht  
 
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.