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Thema: (?) (311) Postverhältnisse Bayern - Österreich
Das Thema hat 328 Beiträge:
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bayern klassisch Am: 01.12.2018 11:27:45 Gelesen: 9321# 304 @  
Liebe Freunde,

das halbe Jahr der bayerischen Kreuzerzeit, also der 1.7.1875 bis zum 31.12.1875, als beide Länder im Weltpostverein waren, ist in der Darstellung trotz sehr hohen Postaufkomemns, schwierig. Sind schon Drucksachen, Rekobriefe oder ähnliche Kleinstbesonderheiten hüben wie drüben kaum einmal zu finden, sind die Besonderheiten, die es schon Jahrzehnte vorher gab, kaum einmal für diesen engen Zeitraum zu finden.



Eine glückliche Fügung (eBay) ergab hier aber eine Linderung meiner Pein, konnte ich doch einen Brief aus Lindau vom 15.7.1875 nach Wien schießen, dessen Adresse lautet:

"Hochwohlgeboren Herrn Carl Seutter von Loetzen mit Briefen d. Herrn Seutter u. Comp(agnie) Wien".

Das mit 3 Kreuzern frankierte Kuvert war mit den es beinhaltenden Briefen nur maximal 15g schwer, da eine Unterfrankatur nicht ersichtlich ist. Am 17.7. kam es in Wien an.

Ausweislich des Empfänger - Rötelvermerks wurde es aber erst am 21.8.1875 beantwortet.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.12.2018 11:44:55 Gelesen: 9320# 305 @  
Liebe Freunde,

Briefe entgegen des Postzwanges sind immer Highlights einer jeden Sammlung, so auch hier. Therese, die Schwester des Empfängers, war eine sehr umtriebige Frau und sie hatte nur wenig Zeit, diesen Brief an den Baron von Malsen in Marzoll bei Bad Reichenhall aufzugeben. Auf die Post zu gehen, oder jemanden nach dorthin zu schicken, war ihr auch zu viel, daher notierte sie unten: "durch eigenen Bothen" und gab für einen unbekannten Betrag jemandem diesen Brief verschlossen mit.



Die Strecke Salzburg, wo sie gerade war, bis Marzoll, betrug gut 18 Kilometer und so hätte der Brief vom 2.6.1845 nach dem Postvertrag Österreichs mit Bayern vom 1.10.1842 ein Franko von 6 Kreuzern Conventionsmünze bzw. ein Porto beim Empfänger von 7 Kreuzern rheinisch gekostet. Ob es der uns leider heute unbekannte Expresse = eigener Bote günstiger machte?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Magdeburger Am: 01.12.2018 14:03:20 Gelesen: 9301# 306 @  
Liebe Sammelfreunde

nachdem Bayern Klassisch wunderbare Belege zeigte, vor allem den super Muster ohne Wert in der 3. Gewichtsstufe, etwas recht einfaches:



Am 23.05.1863 in Vilsbiburg aufgeben ging es nach Neusiedl am See komplett portofrei. Wie die Siegelseite zeigt, lief er über Passau - Kettsee - Wien - zu Ziel.

Ob er von Passau erst nach Wien dann nach Kettsee retour Wien lief, kann ich nicht sicher sagen.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 01.12.2018 14:51:44 Gelesen: 9290# 307 @  
@ Magdeburger [#306]

Lieber Magdeburger,

auch simple Dienstbriefe können schön sein - deiner ist der Beweis dafür.

Bei den vielen, gleich- oder ähnlichnamigen Orten in der k. u. k. Monarchie wage ich keine Leitwegsprognosen zu geben.

Ein schöner Brief, den ich auch gerne hätte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bignell Am: 01.12.2018 16:12:40 Gelesen: 9278# 308 @  
@ Magdeburger [#306]

Hallo Ulf,

Kittsee, nicht Kettsee.

Lg, harald
 
Magdeburger Am: 01.12.2018 16:29:59 Gelesen: 9274# 309 @  
@ bignell [#308]

Hallo Harald,

danke - hatte ich auch zuerst, aber doch falsch geschrieben.

Was meinst du zum Laufweg?

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bignell Am: 01.12.2018 17:08:08 Gelesen: 9267# 310 @  
@ Magdeburger [#309]

Hallo Ulf,

Vilsbiburg - Passau - Wien - Kittsee - Wien - Neusiedl würde ich sagen, warum die Fehlleitung nach Kittsee ist mir aber nicht klar.

Lg, harald
 
Magdeburger Am: 01.12.2018 17:50:07 Gelesen: 9253# 311 @  
@ bignell [#310]

Hallo Harald,

ist ja auch meine Vermutung. Ist in den Wien-Stempeln unten 8 F die Uhrzeit 8 Uhr früh?

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 02.12.2018 10:31:59 Gelesen: 9171# 312 @  
Lieber Magdeburger,

ja F = Früh und A = Abend.

Liebe Freunde,

manchmal bekommt man Briefe, die man "abbusseln" möchte, so schön und lieblich sind sie. Das hier ist einer davon und wie so oft stammt er aus dem wundervollen Österreich.



In Neumarkt (am Wallersee) am 9.3.1843 aufgegeben als Frankobrief (hinten: 6 Kreuzer Conventionsmünze für einfache Briefe bis 10 Meilen) nach Marzoll bei Bad Reichenhall, stempelte die Aufgabepost artig "FRANCO" und brachte noch das "X" als Zeichen der Frankatur an. Allerdings nahm eine andere Post die Stempelung mit O.B.C. vor, da man in Neumarkt kaum 2 Stempelkissen parallel geführt haben dürfte (Salzburg?).

Aber wunderschön wird es erst, wenn man die Rückseite betrachtet, wo zwei farblich verschiedene, gummierte Siegelwäppchen den guten Verschluss zeigen - herzallerliebst sage ich da nur.

Absender war übrigens Peter Paul Krämmerer, Zolloberbeamter in Neumarkt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 02.12.2018 10:38:43 Gelesen: 9168# 313 @  
Liebe Freunde,

am 2.10.1835 sandte man von Salzburg aus ein Briefchen "fco Grze" also franco Grenze nach Klebing bei Mühldorf an den Freiherrn (Baron) Erasmus von Malsen. Zur Dokumentation, es gab ja den Frankozwang, schlug man den Stempel "Salzburg Franco" in rot ab, der Farbe des Bezahltseins.



Allerdings lässt sich keine Frankotaxe auf dem Brief finden - statt dessen sehen wir den Grenzübergangsstempel von Burghausen vom Folgetag und die Taxe von 4 Kreuzern rheinisch für die bayerische Strecke.

Natürlich ging es Bayern nichts an, ob jemand in Österreich seine Briefe bezahlte, oder nicht, aber Transitstempel waren niemals auf der Frontseite der Briefe abzuschlagen, da dieses ja dokumentiert hätte, dass sie auch dort aufgegeben worden waren, was nicht der Fall war. Ein Ankunftstempel, damals nicht vorgeschrieben, mangelt daher zurecht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.12.2018 20:56:23 Gelesen: 8994# 314 @  
Liebe Freunde,

poste restante gestellte Belege sind nicht häufig, auch nicht im bilateralen Verkehr zweier Staaten bzw. Postgebiete. Jedoch darf man unterstellen, dass sich sicher 99% davon auf Briefe bzw. Postkarten bezogen, wo es sie denn schon gab.



Heute kann ich aber eine Drucksache aus Triest nach Landshut zeigen, die auch Poste restante gestellt wurde und eine zweite zwischen diesen Ländern dürfte schwer zu finden sein (wer eine aus Bayern nach Österreich abzugeben hat, melde sich jetzt, oder schweige ein Leben lang). :-)

Diese datiert vom 12.3.1872 und kam am Folgetag schon an - Glückwunsch an 2 perfekt arbeitende Posten. Heute kann man davon nicht mal träumen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 31.12.2018 12:58:17 Gelesen: 7077# 315 @  
Liebe Freunde,

ein verspätetes Weihnachtsgeschenk, das ich mir selbst gemacht habe, damit meine kleine 1851er Sammlung wieder einen kleinen Zulauf bekommt:



Passau, 2.8.1851, nach Unterzeyring bei Möderbrugg in Österreich, mit 9 Kreuzern treffend frankiert. 3 Tage später kam er an und der Ankunftsstempel ist mit seinen Zierstücken eine kleine Augenweide.

Liebe Grüsse und guten Rutsch von bayern klassisch
 
Magdeburger Am: 26.01.2019 15:45:37 Gelesen: 5720# 316 @  
Liebe Sammelfreunde,

von mir heute mal dies:



Der Brief lief am 31.08.1860 von Lindau über Bregenz nach Feldkirch. Unter 10 Meilen reichten die 3 Kreuzer Franco selbstverständlich aus.

Schaut man auf den Inhalt:



Wir sehen, dass es eine Rechnung aus Wien ist, welche am 27.08. geschrieben wurde. Auch vorderseitig sehen wir den Absenderstempel aus Wien.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 26.01.2019 15:50:43 Gelesen: 5719# 317 @  
@ Magdeburger [#316]

Lieber Magdeburger,

der Wiener Absender zeigt an, dass er gestern die Waren für den Empfänger an das Handelshaus Martin Spengelin in Lindau hat abgehen lassen. Prinzpiell war es also ein Begleitbrief. Als gewöhnlicher Brief von Wien hätte er 9 Kreuzer Conventionsmünze = 11 Kreuzer rheinisch gekostet.

So hat man ihn dem Paket beigefügt und jetzt kostete er bis Lindau im Bodensee gar nichts und ab da 3 Kr. rheinisch = 2,5 Kr. CM.

Aus dieser Korrespondenz gibt es einige Briefe, die genau so laufen - ich finde sie alle sehr interessant und postgeschichtlich sehr gut.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Magdeburger Am: 26.01.2019 15:55:14 Gelesen: 5717# 318 @  
@ bayern klassisch [#317]

Lieber Bayern Klassisch,

ein wenig hatte ich gehadert, den Beleg zu kaufen, weil die 3-Kreuzer Marke angeschnitten ist und auch der Stempel mehr als optimal ist. Wenn es noch mehr solcher Belege gibt, habe ich ja die Chance, einen besseren zu bekommen.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 26.01.2019 16:32:05 Gelesen: 5707# 319 @  
@ Magdeburger [#318]

Lieber Magdeburger,

ich habe einen oder maximal 2 aus dieser Korrespondenz und vielleicht total ein halbes Dutzend gesehen (alle mit Nr. 2 frankiert). Es mag aber noch mehr geben, davon bin ich felsenfest überzeugt.

Man zahlt dafür, wenn alles richtig eingeordnet und vom Anbieter erkannt wird, ca. 50 Euro bei guter Marke und Stempel. Darunter wird es manchmal zum Schnäppchen - und das gönne ich dir.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 27.01.2019 08:40:44 Gelesen: 5659# 320 @  
Liebe Freunde,



Dienstbrief des Landgerichts Wolfstein mit Postaufgabe in Freyung am 20.12.1844 nach Fünfhaus und Sechshaus in Wien (?). Die bayerische Behörde benutzte statt der üblichen Franchise R. S. "Ex officio" (in Österreich oft abgekürzt mit Ex offo) - und tatsächlich blieb der Brief portofrei, etwas, was man nicht bei allen Dienstbriefen Bayerns nach Österreich behaupten kann. Der Diagonalstrich zeigte ja nur die teilweise Frankaturfreiheit an, das liegende X sollte die gänziche Frankaturfreiheit symbolisieren, aber hier hat ein halbes X wohl ausgereicht. Siegelseitig der Ankunftsstempel von Wien vom 22.12.1844, sonst nichts.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.02.2019 16:24:37 Gelesen: 4857# 321 @  
Liebe Freunde,



heute ein Brief aus dem wunderschönen Wien vom 29.7.1853 über Prag und Bodenbach nach Haunsheim bei Gundelfingen. Der gegen 15.00 Uhr ("3 Uhr Abends") aufgegebene Brief kam mit der Bahnpost aus Sachsen am 31.7. schon in Bayern an und wurde am 1.8. in Gundelfingen Ankunft gestempelt. Der Empfänger war Freiherr von Goltz, der sicher ein Postfach in Gundelfingen hatte, so dass irgendwann ein Lakai daher kam und die Post für seinen Herrn abholte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 14.02.2019 15:01:36 Gelesen: 4087# 322 @  
Liebe Freunde,

es gibt Briefe, von denen träumt man nur, weil man nicht glauben kann, dass es sie tatsächlich geben könnte. Und doch gibt es sie.

Das folgende Stück ist eine wirkliche, eierlegende Wollmilchsau, wie ich nie glauben konnte, dass es das mal gegeben haben könnte.



Ein Brief vom 23.7.1850 mit einer 5aa (Erstauflage) zu 9 Kreuzer auf einem Brief "mit Briefen" der Herren Bianchi & Rotter nach Wien. Sind schon Briefe mit Juli - Stempeln große Seltenheiten, so kenne ich keinen Brief dergleichen als Brief mit Briefen.

Liest man den Inhalt, schrieb der Absender, dass er noch ein Muster von Vitriol ungarischer Art beifügte. Da die Entwertung erst am 24.7. erfolgte, las ich weiter und stellte fest, dass der Absender dem Brief später das angehängte Muster wieder entnahm und dafür Briefe mit Briefen beifügte, sonst hätten wir noch einen Muster-ohne-Werth - Brief dazu.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 14.02.2019 15:14:08 Gelesen: 4085# 323 @  
Liebe Freunde,



eine Schönheit sieht anders aus, aber eine 4. Gewichtsstufe frankiert sieht man auch nicht an jedem Tag - hier 24 Kreuzer (4 mal 6) aus München vom 20.2.1857 nach St. Martin an die Graf Arco´sche Rentenverwaltung (damals das Finanzamt) mit interessantem Leitvermerk "via Schärding". Der Leitvermerk war deshalb notwendig geworden, weil es zahlreiche St. Martin in Österreich gab und fast alle davon in der 3. Entfernungszone über 20 Meilen zu München lagen - da wollte man vermeiden, dass der Brief wegen vermeintlicher Unterfrankatur nachtaxiert werden würde und die Folgen unabsehbar waren.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 21.02.2019 09:46:58 Gelesen: 3582# 324 @  
Liebe Freunde,

manchmal klappt alles und dann kommt auch noch das Glück hinzu.





Wien, 16.11.1856, nach Vilseck in Bayern mit Laufwegsvorgabe "Baiern über Regensburg und Grünwald frei". Der Laufwegswunsch des Absenders konnte leider nicht eingehalten werden, weil man ihn über Prag (17.11.) und damit Bodenbach - Plauen - Nürnberg nach Vilseck verschickte (lag östlich von Nürnberg).

Vor dem April 1851, als es die Bahnstrecke Wien - Prag - Dresden - Berlin noch nicht gab, hätte man ihn sicher so geleitet, aber 1856 gab allein die Bahn vor, wie Briefe im DÖPV und darüber hinaus zu laufen hatten.

Der Ankunftsstempel mangelt, aber der Prager Transitstempel ohne den Bodenbacher Transitstempel belegen die Leitung eindeutig.

Als er bei mir ankam, öffnete und las ich ihn natürlich, wie alle meine Briefe (so ich sie lesen kann). Den letzten Absatz auf der linken Seite möchte ich hier wiedergeben (es schrieb der Sohn an die Eltern und wie es sich damals gehörte nannte man die Eltern noch "Sie"):

"Meine Adresse ist = An N. N. bei Herrn Franz Doll Pfeifenbeschläger wohnhaft Windmühle kleine Steingasse Nr. 82 oberer Erd Thür Nr. 11. Wen Sie vielleicht bald an Franz schreiben theilen Sie ihm meine Adresse mit. Beiligendes Briefchen übergeben Sie meiner Großmutter."

Aha - ein höchst präzise Adressangabe und einen geschmuggelten Brief an die liebe Großmutter hatte man beigegeben, ohne dass man ins 2. Gewicht kam - das finde ich außergewöhnlich. Wäre es ein bayerischer Postbetrug, käme das gute Stück in meine Contraventions - Sammlung, so darf er in die Sammlung Bayern - Österreich Einzug halten.

Wer mir einen Brief von Vilseck (oder Bayern) an die obige Adresse anbieten kann, wird reich belohnt werden! Da bezahle ich gerne den doppelten Sem - Katalogpreis.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 14.04.2019 09:35:49 Gelesen: 731# 325 @  
Liebe Freunde,

ein leckerer Brief aus Hofheim (Schönstempler von Gottes Gnaden!) vom 10.7.1856 an Seine Wohlgeboren, Herrn Peter Haßfurther Bürgerlicher Spengler Meister und Haus Inhaber in St. Ullrich N. 132 neue Schottengasse in Wien, kostete 9 Kreuzer Franko, da über 20 Meilen entfernt vom Zielort.



Siegelseitig sehen wir den Transitstempel von Bodenbach am 12.7. und den Ankunftsstempel von Wien am 14.7. 1E. Keine Rekordzeit für diese Leitung, aber immer noch sicher einen ganzen Tag schneller, als irgendwie anders spediert.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bignell Am: 14.04.2019 11:05:06 Gelesen: 725# 326 @  
@ bayern klassisch [#325]

Hallo Ralph,

ich finde es immer wieder erstaunlich, welche Bretter man vor den Augen haben kann. Ich hab versucht die Adresse zu entziffern ohne Deine Beschreibung zu lesen und bin bei der Berufsbezeichnung auf "Bürgerlicher Spengler Meister und Haus Juhaber" gekommen und der Groschen ist einfach nicht gefallen - dabei war es so leicht, das u gegen ein n zu tauschen.

Danke für das Sonntagmorgenrätsel,
harald
 
bayern klassisch Am: 14.04.2019 14:45:27 Gelesen: 713# 327 @  
@ bignell [#326]

Hallo Harald,

hätte ja eigentlich kein Rätsel sein sollen, aber du machst es richtig, wenn du ohne (meine) Transkriptionshilfe versuchst, die Anschrift selbst zu eruieren - wenn dann mal ein Buchstabe alternativ interpretiert wird, ist das sicher kein Beinbruch.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 21.04.2019 08:54:43 Gelesen: 215# 328 @  
Liebe Freunde,

nach langer Suche endlich einen gefunden, dazu sieht er noch ganz manierlich aus: Hofheim (nicht das im Taunus!) an Herrn Peter Haßfurther Spänglermeister in Wien wohnt zu N. Alrich inner Schottengasse No. 132.



Die Aufgabepost notierte 12 C. M. für 12 Kreuzer Conventions Münze, die 14,4 Kreuzern rheinisch entsprachen. Aber umrechnen musste Bayern nicht, denn die Post in Österreich vergütete Bayern später nach Quartalsende immer 12 Kreuzer in der Währung derjenigen Postverwaltung, die Ansprüche an die jeweils andere Postverwaltung hatte. Wien notierte nun groß in Rötel 12, damit auch klar war, was unser Spenglermeister zu zahlen hatte.

Zur Verrechnung innerhalb des DÖPV: Hatte Bayern z. B. in einem Quartal 500 Gulden Forderungen an Österreich (Portobriefe, Transite usw.), aber Österreich nur 300 Gulden Forderungen an Bayern, so war die Verrechnung der Differenz in rheinischer Währung durchzuführen.

Umgekehrt hatte Bayern z. B. 600 Gulden Forderungen an Österreich, aber Österreich 900 Gulden Forderungen an Bayern, so war die Differenz von 300 Gulden in Conventions - Münze zu begleichen, was für Bayern dann teuer wurde, weil 1 Kreuzer CM 1,2 Kreuzern rheinischer Währung entsprach und also 20% mehr wert war. Das war kein Pappenstiel, wie man sich leicht vorstellen kann und da im Prinzip jeder Hinbrief auch einen Herbrief generierte, dürfte das Hauptaugenmerk auf den Transiten gelegen haben, oder auf gut Deutsch: Schickte Österreich mehr Post via Bayern in den Postverein (Baden, Württemberg, TT, Preussen) und nach/über Frankreich (Strasbourg), als Bayern über Österreich in den DÖPV (Sachsen, Preussen), und davon kann man getrost ausgehen, dann hatte immer Bayern mehr von Österreich zu fordern, als umgekehrt und die Abrechnung erfolgte folglich in günstigeren rheinischen Kreuzern, was die österreichische Staatskasse um 20% schonte. Auch ein Grund, warum Preussen und Österreich diesen Vertrag wollten, auch wenn sein Zustandekommen natürlich allen Parteien und Postverwaltungen diente.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 

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