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Thema: Postverhältnisse Bayern - Österreich
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gabriele Am: 29.05.2018 19:53:58 Gelesen: 15052# 276 @  
@ bayern klassisch [#275]

Hallo Ralph,

wie kommt Innsbruck jetzt ins Spiel, gehörte das auch zur Fahrstrecke (Leitweg ?)

Meine Vermutungen, warum der Brief in Deine Sammlung passt:

- Spielen dabei das Kronland Herzogtum Salzburg [1] [2] und dessen Bahnlinien München <-> Salzburg <-> Wien eine Rolle (ab 1860 ?) Tyrol gehörte zeitweise zu Bayern.
- Oder die Herrschergeschichte: Erzherzog Franz Joseph Karl [3] war der älteste Sohn des Erzherzogs Franz Karl von Österreich und dessen Gemahlin Prinzessin Sophie Friederike von Bayern und wurde am 18. August 1830 auf Schloss Schönbrunn geboren.

Die (15) war das Gesamtporto, die (3) gehörten vielleicht dem Hzgt. Salzburg (?)

Die Geschichte von Bayern/Österreich verlangt wirklich ein echtes Studium, ich bleibe lieber bei Württemberg.

Schöne Grüße, Gabi

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Stadt_Salzburg#Salzburg_als_Hauptstadt_des_Kronlandes_Salzburg
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Landes_Salzburg#Salzburg_zwischen_%C3%96sterreich_und_Bayern
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Joseph_I.#Fr%C3%BChe_Jahre
 
bayern klassisch Am: 29.05.2018 21:14:41 Gelesen: 15012# 277 @  
@ gabriele [#276]

Hallo Gabi,

du denkst viel zu kompliziert und zu geschichtlich (auch wenn der hier Postgeschichte pur ist).

Österreich hatte ab 1851 angefangen (Gründung des DÖPV zum 1.7.1850 und Eröffnung der Bahnlinie Wien - Prag - Dresden - Berlin April 1851), seine Sendungen vom Ostteil der k. und k. Monarchie entweder via Bodenbach (Sachsen - Leizpig - Hof - Nürnberg - Augsburg - Vorarlberg) und damit über Bayern zu leiten, oder, wie hier, bis Salzburg auf eigenem Territorium, dann über das bayerische Berchtesgadener Land (ab 1819 vertraglich kostenlos im geschlossenen Postwagen dank Bayerns Güte) nach Innsbruck (s. Stempel!) zu führen.

Der Lechtalbote war in Reutte vom Empfänger angestellt worden, damit er ihm die ankommenden Briefe nach Häselgehr trägt. Hierfür bekam er 3 rheinische Kreuzer (das sind dieselben, die auch Württemberg und Baden hatten!) pro Poststück (also Brief oder Drucksache).

An dem Tag, als dieser hier in Reutte ankam (7.6.), kamen noch 4 weitere Poststücke an, so dass er am 8.6.1861 diese 5 Poststücke bündelte und auf den oberen Brief, nämlich diesen hier, die Summe notierte, die er vom Emfpänger zu bekommen hatte: 5 mal 3 Kreuzer rheinisch = 15 Kreuzer.

Dass das Franko in Wien auch 15 Neukreuzer betragen hatte, hatte damit nichts zu tun, denn innerösterreichische Briefe bis 1 Loth über 20 Meilen kosteten halt nun mal 15 Neukreuzer.

So, jetzt lasse ich dich aber in Ruhe mit der Postgeschichte Österreichs und Bayerns, weil das alles nicht sooo einfach ist. Aber wenn du Lust hast, dir diesen Thread mal anzutun, dann wirst du auch Briefe aus Österreich via Bayern nach Württemberg finden, wenn ich mich nicht irre. Und die könnten dich wieder sammlerisch weiter bringen, könnte ich mir vorstellen.

Liebe Grüsse und danke fürs Mitmachen,
Ralph (du warst mutiger, als alle Kerle hier zusammen!) :-)
 
bayern klassisch Am: 06.06.2018 16:14:35 Gelesen: 12958# 278 @  
Liebe Freunde,



ich zeige hier einen Brief aus Vigevano nach Kempten vom 16.9.1822. Der Absender zahlte 12 Soldi = ca. 16 Kreuzer bis zur österreichischen Grenze. Ab dort fielen 20 Kreuzer Conventionsmünze Transit für Österreich an (Postvertrag von 1819), die Bayern in 24 Kreuzer rheinisch reduzierte. Mit 3 weiteren Kreuzer rheinisch für das bayerische Inlandsporto ergab sich ein Teilporto von 27 Kreuzer für den Empfänger. Gesamtkosten des ca. 6 g wiegenden Briefes demnach 43 Kreuzer oder 10 Mal Mittagstisch. Mahlzeit!

Wer besser Italienisch lesen kann als ich, darf sich gerne am Inhalt beweisen.
Vielen Dank dafür!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 16.06.2018 11:01:06 Gelesen: 12223# 279 @  
Liebe Freunde,

für den Krieg entscheidend war das Datum 9.6.1866, weil an diesem Tag Preussen in Holstein einmarschierte und in Folge dessen Österreich die Mobilisierung der Bundestruppen anregte.



An diesem Tag wurde der Brief in Eger (heute: Cheb) nach Hof geschrieben wurde. Zur Post ging er aber am Folgetag, dem 10.6.1866 - an diesem Tag sollte die Bundesreform geplant werden, mit der Österreich ins Abseits gedrängt werden sollte.

Über den Bahnhof von Eger (10.6.) lief er am 11.6.1866 nach Hof in Bayern, wo er ausgetragen wurde.

Ich habe lange nach einem Brief Bayern - Österreich bzw. vice versa vom 8.6.1866 gesucht und wenn dieser hier auch keine Schönheit darstellt, bin ich doch sehr froh, ihn zu besitzen, auch wenn er heute keinen Inhalt mehr hat und vom später folgenden Krieg natürlich nicht betroffen war.

Als Postvereinsbrief unter 1 Loth bis 10 Meilen war er mit 5 Neukreuzern treffend frankiert.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.07.2018 11:54:22 Gelesen: 9594# 280 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Brief des erzbischöflichen Ordinariates von München und Freising vom 22.8.1851 an "Das Hochwürdigste Fürst - Erzbischöfliche Consistorium in Olmütz", dunnemals Österreich/Mähren.



Man notierte R.S. und "In Strictissime Officiosis" um die mährischen Glaubensfreunde deutlich darauf hin zu weisen, dass es sich hier nicht um eine Parteisache, sondern einen offiziösen Dienstbrief handelte, der auch dort portofrei zu belassen war.

Schön zu sehen und für mich fast neu ist das Trockensiegel mit dem Bischof nebst Mitra auf seinem Sitz, wodurch sich mir wieder die Frage stellt, ob so etwas nicht auch unter die weit gefächerte Rubrik "Bischofsbriefe" bei Bayern fallen würde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.07.2018 12:16:00 Gelesen: 9590# 281 @  
Liebe Freunde,

auch wenn der Preis jenseits von Gut und Böse war, attracirte mich dieses herrliche Kärtchen in zweisprachigem Druck so sehr, dass ich es unbedingt kaufen musste. Verfasst in Stein (Krain) am 19.7.1872 sandte man es "An das löbl Eisenwerk Kaiserslautern Rheinpfalz in Kaiserslautern", wofür die 2 Neukreuzer tarifgerecht waren Über Wien (21.7.) lief sie, ohne einen bayerischen Stempeleindruck zu hinterlassen, nach Kaiserslautern ein.



Text: "Ersuche höflichst mir ein preisblatt über die Dos Maidingerschen & Dos Wolpertschen Öffen gütigst einsenden zu wollen. Achtungsvollst Anton Rudolf in Stein Krain".

Dies wurde wohl auch prompt erledigt, schrieb doch eine andere Hand "3x Probe", was blau unterstrichen wurde.

Wie gerne hätte ich diese Probe für 3 Kreuzer nach Kärnten auch gezeigt - aber ich habe sie nicht, leider! Bis dahin muss mir dieses feine Kärtchen in die Pfalz genügen und das tut sie vollauf.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.07.2018 12:51:50 Gelesen: 9586# 282 @  
Liebe Freunde,

ein weiterer Ort in Bayern kam dazu, der die Leitung heimischer Korrespondenz nach Österreich/Böhmen/Mähren via Sachsen und Bodenbach dokumentieren kann, auch wenn ihm der traditionelle Bodenbacher fehlt.



Aufgabe in Bad Kissingen am 18.7.1855 oder 1856 (wegen der Tönung der 9 Kreuzer Marke) nach Boskowitz (heute: Boskovice) in Mähren mit Absendervermerk: "über Dresden u. Prag", womit nur Bodenbach - Prag - Wien gemeint sein konnte.

Siegelseitig erfreut uns der Bahnpoststempel Leipzig - Breslau vom 20.7. und der Ankunftsstempel von Boskowitz vom Folgetag. Recht zügig für eine zu bewältigende Strecke von ca. 800 km.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 07.07.2018 13:04:28 Gelesen: 9510# 283 @  
Liebe Freunde,

den folgenden Brief zeige ich für diejenigen, die beim Anblick einer "Ruine" gleich weiterblättern. Er passt aber in mehrere Sammlungen von mir, daher konnte ich nicht an ihm vorbei gehen.



1. Aufgabe in Wien am 29.7.1867

Jetzt war das Franko zu berechnen: Österreich nach Postverein vom 1.11.1852 mit der Schweiz 15 Neukreuzer (Nkr.) bei über 20 Meilen von den Grenztaxpunkten je Loth und die Schweiz 5 Neukreuzer für den 1. Rayon (weil Solothurn in der Liste der begünstigten Orte aufgeführt war zu allen AD - Ländern ab dem 1.9.1859).

Demnach ergaben sich je Loth folgende Gesamtfranki:

Bis 1 Loth: 20 Nkr.. Bis 2 Loth: 40 Nkr.. Bis 3 Loth: 60 Nkr.. Bis 4 Loth: 80 Nkr.. Bis 5 Loth: 100 Nkr..

Dazu kam noch jeweils die gewichtsunabhängige Recogebühr von 10 Nkr., zu verkleben siegelseitig.

Es war auszuweisen das Weiterfranko für die Schweiz in Neukreuzern und das erste, was wir hierüber sehen ist eine (später) gestrichene 25. Bei 25 Nkr. Weiterfranko hätten wir also eine 5. Gewichtsstufe vor uns mit einem Gesamtfranko von 100 Nkr.

Doch nach Streichung der "25" schrieb man "15" Nkr. als offenbar korrektes Weiterfranko auf, was immer noch einem Brief der 3. Gewichtsstufe gerecht wurde. Demnach wäre das Gesamtfranko 60 Nkr. gewesen, die auch auf dem Brief heute kleben.

Doch einst klebten oben noch weitaus mehr Marken, als heute. Diese wurden von der Post komplett abgenommen und nach Neuberechnung neben die bereits frankierten 10 Nkr. Marken geklebt, wobei nun natürlich die Stempelübergänge überklebt wurden bzw. es keine geben konnte.

Möglich wäre, weil alle Marken vorne und hinten den 29.7. 5 - 7 Uhr zeigen, dass der Brief schon aufgegeben worden war und dann vor der Abspedierung etwas entnommen werden musste, wie das bei Bankbriefen schon mal vorkommen konnte. So wären immerhin ca. 2 Loth (ca. 33g!) weniger plausibel - einen Verwiegefehler von 2 Loth bei einem Recobrief kann man fast ausschließen, jedenfalls in Wien, wo die Elite der Postler residierte.

Über den Bodensee (via Bayern und Württemberg) ging es nach Romanshorn (Bahnpost Romanshorn - Zürich 31.7.) und dann mit der Bahnpost Zürich - Olten weiter (31.7.) Richtung Solothurn, so dass der Brief ab Wien komplett mit der österreichischen, bayerischen, württembergischen (Friedrichshafen - Romanshorn) und Schweizerischen Bahnpost transportiert wurde.

Der Ankunftsstempel von Solothurn mangelt - aber man kann nicht alles haben. Jedenfalls war er poste restante gestellt worden und gerade hierfür war es doch unabdingbar, einen Ankunftsstempel abzuschlagen, weil der Brief 3 Monate lang vorrätig zu halten war und erst nach Ablauf dieser Frist wieder mit dem Vermerk: "Geschah keine Nachfrage" der Aufgabepost zu remittieren war.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bignell Am: 07.07.2018 13:13:02 Gelesen: 9508# 284 @  
@ bayern klassisch [#283]

Hallo Ralph,

in schönem Zustand wäre der Brief eine Granate. Allerdings sieht es für mich eher danach aus als seien die Marken später abgenommen worden und zu einem Pseudo-6er-Block zusammengeklebt worden. Die rechte obere Marke würde gut zu dem Teilkreis oberhalb von "Carl" passen (Adlerkopf nach unten).

Lg, harald
 
bayern klassisch Am: 07.07.2018 13:32:39 Gelesen: 9505# 285 @  
@ bignell [#284]

Hallo Harald,

so hat wohl jeder gedacht, auch ich. Aber die untere rechte Marke jetzt hat einen übergehenden Stempel.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bignell Am: 07.07.2018 14:18:49 Gelesen: 9499# 286 @  
@ bayern klassisch [#285]

Hallo Ralph,

die unteren zwei (vielleicht das ganze L) klebt eventuell am originalen Platz, rechts oben und rechts mittig wurden sicher versetzt.

Lg, harald
 
bayern klassisch Am: 07.07.2018 14:41:30 Gelesen: 9496# 287 @  
@ bignell [#286]

Hallo Harald,

so ist es! Da es ein Leinenkuvert ist und diese eigentlich ausschließlich zum Versand von Wertbriefen hergestellt und eingesetzt wurden, ist ja auch ein Brief mit 3 Siegeln, die das vermuten lassen, könnte, als er noch weit schwerer war, Banknoten oder Bargeld darin gewesen sein, ehe man sich entschloß, es doch nicht so zu verschicken. Dann Brief geöffnet, 2 Loth Inhalt wieder ausgepackt und Brief wieder verschlossen.

Neu nachgewogen - jetzt nur noch 3. Gewichtsstufe, also mussten etliche Marken weichen (oben waren mal 5 Marken frankiert, wenn ich es recht sehe). Davon waren 2 offensichtlich auch 10 Nkr. Marken, so dass man die nur noch zu den 4 anderen, vorher schon klebenden dazupappen musste und man hatte, was man wollte: 60 Nkr.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 09.07.2018 15:32:41 Gelesen: 9315# 288 @  
Liebe Freunde,

der folgende Brief aus Ried (Vorarlberg) vom 28.7.1860 lief ausweislich seiner Siegelseite über Linz (28.7.) und Budweis (29.7.) nach Pilsen poste restante. Das Ankunftsdatum könnte auch der 29.7.1860 sein, aber das spekuliere ich nur.



Interessant für mich ist, dass er am selben Tag vom Vorarlberg nach Linz in Oberösterreich gelaufen sein könnte, was nur quer durch Bayern ging. Bis Budweis mit der Bahn, ab dort mit der Kutsche nach Pilsen innerhalb von 48 Stunden, wenn ich es recht sehe. Das ist schon sehr erstaunlich.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bignell Am: 09.07.2018 17:23:17 Gelesen: 9295# 289 @  
@ bayern klassisch [#288]

Hallo Ralph,

der Stempel ist aus Ried im Innkreis (Oberösterreich). Das Ried das Du meinst hat den Stempel "RIED | IN TIROL" bzw "RIED in TIROL".

Lg, harald
 
bayern klassisch Am: 09.07.2018 18:36:51 Gelesen: 9280# 290 @  
@ bignell [#289]

Hallo Harald,

ich danke dir - hatte mich auch schon gewundert, dass alles so schnell gegangen sein soll.

Aber egal - netter Brief für wenig Geld und poste restante ist ja auch nicht ganz ohne.

Schön, dass du mir helfen konntest!

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 18.07.2018 14:34:16 Gelesen: 8154# 291 @  
Liebe Freunde,

aus dieser Korrespondenz kenne ich eine Handvoll Briefe und 2 davon gehör(t)en mir. Heute zeige ich einen des Generalkonsulats des Königreichs beider Sizilien in Amsterdam vom 17.12.1843 an "A Sua Ecellenza Il Sig. Sig. Principe Di Scilla Duca di S. Crestina Primo Segretario di Stato, e Ministro degli affari esteri - Napoli", also ein Dienstbrief an die Oberbehörde in der Heimat.







Der Absender frankierte siegelseitig 15 Stuiver, die bis "Franco Füssen" reichten (Preussen 12 Kreuzer via Arnhem - Köln und Koblenz, Taxis 6 Kreuzer (via Frankfurt am Main) und Bayern 12 Kreuzer), also transitierte der Brief Preussen und taxisches Lehenspostgebiet, ehe er über Aschaffenburg bis Füssen auf bayerischem Terrain berührte (im geschlossenen Transit!). Wegen des österreichischen Grenzfrankozwanges konnte er bei der Leitung über Deutschland (Alternative: Via Frankreich) nur bis zur österreichischen Eingangsgrenze frankiert werden. Ab da griff der Postvertrag Österreichs mit dem Kirchenstaat, der hier als Transitleister diente (ebenfalls in geschlossenen Briefpaketen) und dem Königreich beider Sizilien, wo der Brief mit 46 Grana belastet wurde.

Der Stempel "Transito per l´Austria" (van der Linden Nr 2820, nur aus 1843 bekannt und immerhin 9 Punkte wertend) wurde in Mantua ("Mantova") abgeschlagen, wo es von Österreich in den Kirchenstaat ging.

Der Stempel "DI R(eal) SERVIZIO" kam in Neapel auf den Brief und dokumentierte den dienstlichen Charakter des Schreibens, so dass er im Kgr. Sizilien portofrei befördert wurde, so meine Vermutung, auch wenn ich diesen Stempel noch nie vorher gesehen habe.

Im Inhalt informierte der Konsul in Amsterdam über den Tod des 3 Tage zuvor in Berlin verstorbenen Guglielmo I Federico d´Orange, Graf von Nassau und König der Niederlande.

Ich denke, man kann über Sophy und Postgeschichte denken, wie man will, aber wenn das keine Granate ist, dann weiß ich es auch nicht mehr.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 18.07.2018 19:25:12 Gelesen: 8118# 292 @  
@ bayern klassisch [#291]

Hallo Ralph,

was soll man da noch sagen, ein tolles Stück Postgeschichte - ich bin hoch begeistert. Der Stempel "Transito per l´Austria" sehr schön und genau wie der Stempel "Franco Füssen" sehr sauber abgeschlagen. Den Stempel "Franco Füssen" gab es ab 1833 in blau, davor war seine Farbe rot.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 18.07.2018 19:59:24 Gelesen: 8109# 293 @  
@ Gernesammler [#292]

Hallo Rainer,

vielen Dank - die Stempel "Franco Grenzen", "Franco Coblentz", "Franco Aschaffenburg" und "Franco Füssen" wurden von den niederländischen Aufgabeposten abgeschlagen - war der jeweilige Aufgabestempel in Amsterdam, Rotterdam, Maastricht usw. grün, war dieser Vertragsstempel grün; war der Aufgabestempel rot, war dieser Vertragsstempel auch rot - war der Aufgabestempel blau, war auch der Nebenstempel blau, weil man nur ein Stempelkissen hatte und daher immer die Farben der Aufgabestempel mit den Vertragsstempeln korrespondieren.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 31.07.2018 13:02:33 Gelesen: 6834# 294 @  
Liebe Freunde,

einen Brief von Bayern aus Australien bekommt man nicht jeden Tag - zumal einen solchen, von dem man gar nicht glauben kann, dass es ihn genau so gibt.



Aber der Reihe nach: Verfasst in Nürnberg am 29.3.1867 von der Firma Heim & Heller war er gerichtet an Ferdinand von Wertheim in Ranshofen bei Simbach am Inn. Am 29.3. musste der Brief aber schleunigst auf die Post gebracht werden, so dass man ihn erst gar nicht in der Stadt, oder am Bahnhof, sondern gleich in den Briefschlitz am Zug einwarf.

Die Frankatur von 3 Kreuzern wäre ja auch für einen innerbayerischen Brief korrekt gewesen und schließlich las man im Waggon der Strecke Nürnberg - Passau "bei Simbach am Inn", also war der Brief mit 3 Kreuzern korrekt frankiert. Aber man hat nur perfekt abgestempelt, nicht perfekt recherchiert, sonst hätte man bemerkt, dass Ranshofen in Österreich liegt, aber wenn es tatsächlich nicht weit weg von Simbach am Inn lag, aber von Nürnberg aus waren es nach Braunau, der für Ranshofen zuständigen österreichischen Postexpedition, doch stattliche 196 km = über 26 Meilen, so dass der Absender dieses Postvereinsbriefes hätte 9 Kreuzer frankieren müssen.

Die deutliche Unterfrankatur fiel keinem auf und die Post in Braunau am Inn (bekannt ja aus etwas anderen Gründen, als reinen Postgeschichtlichen) sah sich auch nicht veranlaßt, ein Nachporto für ihren Kunden anzuschreiben, zumal dieses ja eh allein Bayern zugekommen wäre. Korrekt wäre folgende Rechnung gewesen: Portobrief nach Österreich: 20 Neukreuzer, abzüglich der frankierten Marke von 3 Kreuzer = 5 Neukreuzer noch 15 Neukreuzer Nachporto.

Da auch der Bahnpoststempel perfekt abgeschlagen wurde, der Inhalt komplett ist und Braunau sich schön hinten verewigte, habe ich großzügig über den Markenschnitt hinweg gesehen (und überlicherweise müssen wir bei dergleichen Angeboten ja die schwachsinnige Formulierung "dreiseitig breitrandig" schon oft genug lesen).

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.09.2018 13:43:06 Gelesen: 3886# 295 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Brief mit interessantem Laufweg, den zu belegen mir lange nicht geglückt ist - jetzt schon.



Die Postaufgabe erfolgte am 19.4.1862 in Oberleutensdorf, unter Leutensdorf leichter zu finden, welches sich ca. 20 km westlich von Teplitz befand. Da der Brief nach Waldkirchen, ca. 15 km nordöstlich von Passau gelegen, gerichtet war, könnte man annehmen, dass er fast ganz Böhmen durchmessen sollte, um an der Grenzstadt Passau ausgetauscht zu werden. Aber das ist nicht passiert!

Tatsächlich wurde er nicht südwestlich Richtung Passau, sondern nordöstlich nach Teplitz (20.4.) und dann weiter nordöstlich Richtung Bodenbach (20.4.) geschickt, wo er auf sächsischen Boden kam und über Dresden, Plauen, Lichtenfels, Bamberg, Nürnberg, Schwandorf, Regensburg, Straubing nach Passau lief, von wo aus er wieder reexpediert werden musste in das 15 km entfernte Waldkirchen.

Aber es war immerhin in 3 Tagen alles geschehen und ob ein direkter Transfer unter Zuhilfenahme von Kutschen und der Eisenbahn über österreichische Land schneller gewesen wäre, darf bezweifelt werden.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 05.09.2018 10:24:07 Gelesen: 3806# 296 @  
Liebe Freunde,

heute kann ich den Kartenschluß Bregenz - Köln mit einem blauen Damenbriefchen aus Feldkirch vom 22.7.1862 belegen, der adressiert war an:

Preußen. Westfalen
Herrn Oekonomie Eleven Chr. Winkelmann
Carthaus - Weddern
bei Dülmen
via Cöln a(m) R(hein)



Siegelseitig sehen wir den Bregenzer Stempel vom selben Tag und einen preussischen Ausgabestempel unbekanntem Datums.

Der Laufweg war: Bregenz - Lindau - Kempten - Augsburg - Ulm - Stuttgart - Heidelberg - Darmstadt - Frankfurt am Main - Gießen - Wetzlar nach Köln.

Involviert waren somit neben Österreich und Preussen noch Bayern, Württemberg, Baden und Thurn und Taxis - ein 6-Länder-Brief, könnte man auch sagen, aber Thurn und Taxis war natürlich kein Land.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 13.10.2018 11:55:15 Gelesen: 802# 297 @  
Liebe Freunde,

zu den zahlreichen Fehlleistungen Passaus, wenn es um Briefe nach Österreich ging, passt der hier sehr gut:





Portobrief am 14.4.1844 in Passau taxiert mit 6 Kreuzern Conventionsmünze für einfache Briefe bis 10 Meilen - die Entfernung Passau - Möderbrugg betrug aber 163 km, also über 22 Meilen. Die österreichische Post, welche wissen wir nicht, ignorierte die falschen 6 von Bayern und notierten statt dessen 12 Kreuzer Conventionsmünze, die natürlich richtig waren. Es gab ja nur 2 Entfernungsrayons.

Dass zu alledem noch der vorgeschriebene B.O.C. - Stempel Passaus vergessen wurde, passt zu dem Bild dort.

Interessant auch, dass der Brief erst am 22.4. dort ankam (?) und der Empfänger Prandstetter siegelseitig notierte: "Erhalten am 25. April 1844".

Es ist kaum zu glauben, dass er seine Geschäftspost hat 3 Tage liegen lassen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 16.10.2018 20:17:33 Gelesen: 542# 298 @  
Hallo Sammlerfreunde,

Charge Brief als aus Würzburg vom 19.11.1834 an den K.K Stadt Magistrat Wien, seitens Bayern wurden rückseitig 12 Kreuzer notiert, die Österreichischen Postbeamten notierten 28 Kreuzer.

Was hat es jetzt mit der 14 in Rötel auf der Vorderseite und der 21 auf der Rückseite zu tun, gehören diese mit zur Taxierung?

Für die Recomsndations Gebühr hatte der Absender ja nochmals 4 Kreuzer zu zahlen.

Gestempelt mit Halbkreisstempel von Würzburg (Winkler 11a) und auf der Rückseite der Ankunftsstempel von Wien am 24.11.

Gruß Rainer




 
bayern klassisch Am: 16.10.2018 20:22:59 Gelesen: 541# 299 @  
@ Gernesammler [#298]

Hallo Rainer,

ein schöner Brief aus einer Riesenkorrespondenz.

Hinten hat der Absender 21 Kreuzer (nicht 12 Kreuzer) bis zur Grenze bei Passau frankiert. Ab da kostete er 28 Kreuzer Conventionsmünze bis Wien.

Mittig oben steht "1 Loth", was Österreich notiert hatte, denn es war ein Brief in der 2. Gewichtsstufe (über 1/2 bis 1 Loth).

Bayern also 14+7 = 21 Kreuzer und Österreich 14+14 = 28 Kreuzer (Bayern gab also 50% je Gewichtsstufe dazu, Österreich verdoppelte sein Porto, so unterschiedlich waren die internen Regulative).

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 20.10.2018 11:32:35 Gelesen: 183# 300 @  
Liebe Freunde,

hoch war er in der Bucht (eBay) angesetzt und doch habe ich ihn günstig bekommen - die eierlegende Wollmilchsau aus Lindau nach Wien vom 19.4.1955, dessen Anschrift lautete:

Herrn Carl von Seutter
mit Briefen d(es) Herrn L. E. Smekal
Wien



Was macht den Brief so besonders?

1. Unten rechts neben der kleinen 9 eine Beschädigung der mittigen Randlinie.

2. Leitung von Lindau im Bodensee aus nach Wien via Sachsen und Bodenbach belegt durch Transitstempel von Bodenbach vom 21.4.1855 und Ankunftsstempel vom 23.4.1855, also innerhalb von 4 Tagen.

3. Brief mit Briefen, also der Einlage von Briefen des Herrn Smekal aus Wien, nach Wien, was ich so kaum einmal gesehen habe.

4. Frankovermerk in Bayern vorgeschrieben - hier aber vergessen.

Darüber hinaus ist der Brief sehr nett anzusehen und hat noch den Brief zum Inhalt, der der eigentliche Grund der Absendung war, wohingegen die Briefe von Herrn Smekal heute mangeln. Briefe mit Briefen sind sehr selten.

Der Brief beweist, dass Bayern wegen der fehlenden Eisenbahnverbindung 1855 nach Wien im direkten Austausch sogar von dem sehr weit entfernten Lindau im Bodensee sein Briefepaket auf Bodenbach fertigte ("encartirte"), wo es dekartiert wurde und weiter nach Wien ging. Bisher hatte ich nur Augsburg und Würzburg als entfernteste Aufgaben via Bodenbach nachweisen können, jetzt kam als "ultima ratio" der causa Bodenbach Lindau dazu, womit ich unterstelle, dass man aus ganz Bayern und der Pfalz alles in den frühen 1850er Jahren via Bodenbach nach Böhmen, Wien und Ungarn leitete, auch wenn das nicht immer so leicht und schön bewiesen werden kann, wie an diesem Brief.

Liebe Grüsse von bayern klassisch, sehr glücklich diese Granate zu besitzen :-)
 

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