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Thema: (?) (19) Altdeutschland Bayern: Paketkarten
gründi Am: 02.11.2014 18:55:09 Gelesen: 3581# 1 @  
Hallo zusammen,

ich habe in einer - zugegeben etwas teureren Wunderkiste - diesen Beleg aus Bayern, eine Paketkarte gefunden.Sie lief von Regensburg nach Luzern in die Schweiz.

Auf der Rückseite der Karte steht mit Bleistift: "53yB", was wahrscheinlich die Michelnummer meint. Meiner Meinung nach ist die Paketkarte geprüft Helbig BPP.

Der Michelbriefekatalog wertet eine Bayern Mi.Nr. 53yb als Einzelfrankatur auf Paketkarte mit 550,-€.

Wer kann mehr zu diesem Beleg sagen? Verkaufen werde ich ihn wahrscheinlich nicht, dafür gefällt er mir doch zu sehr.

Vielleicht ist es der Start in eine Bayern-Belegesammlung?

Viele Grüße

gründi


 
gründi Am: 03.11.2014 22:36:28 Gelesen: 3525# 2 @  
Es würde mich sehr freuen, wenn Einige der dem Forum angehörigen Bayernexperten die von mir gezeigte Paketkarte kommentieren würden. Gern können auch weitere Paketkarten aus Bayern gezeigt werden.

Viele Grüße

gründi
 
bayern klassisch Am: 03.11.2014 23:00:11 Gelesen: 3516# 3 @  
@ gründi [#2]

Nicht meine Zeit - aber ich werde mal meine Literatur befragen, was die zu dem Stück her gibt.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 04.11.2014 15:25:16 Gelesen: 3458# 4 @  
@ gründi [#1]

In meinem alten Spezialkatalog von Peter Sem steht die 53yB als EF auf Paketkarte 300 Euro, wobei damals mehr Sammler auf das Material getroffen sind, als heute noch (1987).

Daher denke ich, dass 60 - 70 Euro ein realer Wert sein dürften, wenn die Marke mangelfrei und die Karte attraktiv ist.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 04.11.2014 16:21:13 Gelesen: 3444# 5 @  
@ gründi [#1]

Eine Auslands-Nachmahme-Paketkarte aus dieser Zeit (ich lese 1908) mit 1 Mark-Einzelfrankatur ist nicht häufig anzutreffen.

Dazu ist noch der Schweizer "Bordereau" (Abgaben-/Kostenzettel) erhalten geblieben.

Ein schönes Stück, das man nur in der Not verkauft.

Gruß
Jochen
 
bayern klassisch Am: 04.11.2014 16:25:52 Gelesen: 3439# 6 @  
@ hajo22 [#5]

Das ist natürlich alles richtig, aber der Markt für Paketkarten ist nach dem Verkauf der Riesensammlung von Dr. B. noch mehr in Bedrängnis geraten, als schon zuvor.

Von daher darf man Seltenheit nicht mit Hochpreisigkeit verwechseln.

Wer aber a la longue Bayern sammeln möchte (wozu ich nur gratulieren könnte!), der darf gerne solche diese kleinen Schätze an Land ziehen, denn bei Bayern ist es Gott-sei-Dank keine Geldsache, um eine feine Sammlung aufzubauen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 04.11.2014 16:52:13 Gelesen: 3432# 7 @  
@ bayern klassisch [#6]

Sorry, aber habe ich geschrieben "selten = teuer"? Das ist bekanntlich Quatsch.

Selbstverständlich auch bei Briefmarken sind die Marktgesetze von Angebot und Nachfrage zu berücksichtigen. Dazu tritt die Markttransparenz, die sich in Zeiten des Internets deutlich verbessert hat. Mode und Konjunktur sind weitere preisbildende, relevante Faktoren.

Ich könnte hier noch weiter ausführen. Wichtig ist nur: Selten bedeutet nicht unbedingt teuer. Das Gebiet muß auch gefragt/beliebt sein.

Bei Bayern-Sammlern kommt noch die Stimmungslage hinzu. :-))

Gruß
Jochen
 
gründi Am: 04.11.2014 19:23:06 Gelesen: 3397# 8 @  
Hallo bayern klassisch und Jochen,

ich danke Euch beiden für die hilfreiche Einschätzung der Paketkarte und für die Kommentare. Ich werde dieses besondere Stück aufheben. Es wird einen besonderen Platz in der Belegesammlung bekommen. Ich werde mich wohl tatsächlich mit dem Sammelgebiet "Bayern" näher beschäftigen, allerdings nur mit Belegen mit Briefmarken als Frankatur. Markenlose Briefe interessieren mich nicht so sehr.

Viele Grüße

gründi
 
bayern klassisch Am: 04.11.2014 19:36:07 Gelesen: 3388# 9 @  
@ gründi [#8]

Hallo gründi,

das ist die beste philatelistische Entscheidung deines Lebens - schöne Stücke kaufen, interessante, mit hübschen Marken und hier wird dir sicher auch geholfen. :-)

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bekaerr Am: 12.12.2018 18:02:28 Gelesen: 1023# 10 @  
Hallo,

ich denke, Paketkarten aus Bayern in die Türkei dürften nicht so häufig sein, zumal kurz vor Ende des 1. Weltkriegs.



Gelaufen von Fürth nach Hof, weiter mit der Bahnpost Leipzig-Hof nach Ratibor. Die restlichen Stempel sind leider nicht lesbar

Der rote Stempel "Beschaufrei" vorderseitg heißt wohl heute "zollfrei"?

Über die Firma "Ullmann & Engelmann" konnte ich bis jetzt nicht viel herausfinden. Anscheinend handelte es sich um ein jüdische Familienunternehmen, das Spielzeug herstellte und später irgendwie in der Firma Trix aufging. Über den Empfänger ist die Informationslage noch dürftiger. Der Vorname Salomon spricht aber auch für einen jüdischen Hintergrund.

Beste Grüße,
Bernd
 
bayern klassisch Am: 12.12.2018 18:19:11 Gelesen: 1016# 11 @  
@ bekaerr [#10]

Hallo Bernd,

eine schöne und interessante Paketkarte.

Paketkarten Bayerns in das Osmanische Reich in der Pfennigzeit gibt es sicher ein paar Tausend - ich selbst habe viele Hundert davon gesehen und halte das nicht für die Majorität an Belegen. Aber sie sind auch nicht an jeder Ecke im Dutzend zu finden.

Beschaufrei hat mit zollfrei nichts zu tun - die Beschau ist das von der Importzollstelle angeordnete Verbringen auf die Beschaufläche, wo die Ware(n) hinsichtlich vieler Dinge geprüft und begutachtet werden.

Im Rahmen einer Beschau kann eine beantragte Zollfreiheit festgestellt, oder auch nicht festgestellt werden, das hängt a) von der eingeführten Ware und b) von den sie betreffenden Vorschriften ab.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bekaerr Am: 15.12.2018 17:42:33 Gelesen: 989# 12 @  
@ bayern klassisch [#11]

Hallo Ralph,

herzlichen Dank für die schnelle und interessante Antwort. Vor allem die Erklärung des Begriffs "beschaufrei" - wieder mal etwas dazu gelernt.

Beste Grüße,
Bernd
 
felix Am: 08.02.2019 18:25:23 Gelesen: 705# 13 @  
Hallo,

hier ist eine Paketkarte aus Bayern zur Zeit des 1. Weltkrieges mit dem Vermerk "Soldatenpaket, eigene Angelegenheit des Empfängers". Gab es dafür ermäßigte Gebühren? 20 Pf. erscheint mir sehr wenig.

Gruss Felix


 
Franz88 Am: 12.02.2019 17:08:39 Gelesen: 641# 14 @  
Hallo Freunde,

in Österreich wurde mit jeder Fahrpostsendung ein Formular (Begleitadresse) mit versendet.

Ich zeige hier einen Beleg, der einer Begleitadresse ähnlich sieht. Ich vermute, dass es eine Paketkarte ist.

Gesendet von München nach Celerina (Schweiz). Aufgabedatum 20 Jänner 1909. Nachnahme-Paketkarte für ein Paket.

Nachnahmebetrag 5 Mark und 90 Pfennige. Porto 100 Pfennige.

Bitte um eure Bewertung.

Liebe Grüße
Franz


 
BD Am: 12.02.2019 20:16:22 Gelesen: 620# 15 @  
@ felix [#13]

Hallo Felix,

deine Paketkarte ging an einen Militärangehörigen in einem festen Standort in Deutschland, deshalb kam die Feldpostordnung nicht zur Anwendung.

Mindestens seit Beginn der Reichpost sowie auch in Bayern und Württemberg gab es aber Portovergünstigungen für Post an Militärangehörige niederer Dienstgrade.
Bedingung die Kennzeichnung: Eigene Angelegenheit des Empfänger. Für Pakete bis 3 kg. egal welche Entfernung = 20 Pf. Gebühr.

Siehe bitte Anhang.

Beste Grüße Bernd


 
BD Am: 20.02.2019 18:17:50 Gelesen: 480# 16 @  
@ Franz88 [#14]

Hallo Franz,

das Porto für das Paket betrug 80 Pf. und die Pflichteinschreibung bei Auslandsnachnahmen 20 Pf. Der Einziehungsbetrag und die Überweisungsgebühr wurde im Empfängerland vom Nachnahmebetrag abgezogen, somit erhielt der Absender in München einen kleineren Betrag als 5,90 Mark ausgezahlt. In der Schweiz wurden die Paketkarten dem Empfänger des Paketes überlassen. Somit sind sie Massenware, zumindest bis 5 kg Gewicht zum Weltpostvereinstarif.

Anbei eine Paketkarte vom 16.1.1920.

Eilbote mit so einer Adresse, da überlegt man sofort wie die Brieftasche bestückt ist.

Geiselhöring-Plattling ca 40 km.

Beste Grüße Bernd


 
Franz88 Am: 20.02.2019 21:47:19 Gelesen: 446# 17 @  
@ BD [#16]

Hallo Bernd,

herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort.

Liebe Grüße aus der Steiermark
Franz
 
BD Am: 21.02.2019 22:11:51 Gelesen: 363# 18 @  
@ Franz88 [#17]

Hallo Franz,

ich freue mich das ich helfen konnte.

@ BD [#16]

Enchendorf lag im Landzustellbereich von Plattling, richtigerweise wurde die Eilbotengebühr mit 1,50 Mark zur Transportgebühr bis 75 km. bis 5 kg. von 75 Pfennigen frankiert. Eilbote im Ortsbestellbezirk wären nur 75 Pf. gewesen.

Beste Grüße Bernd
 
Latzi Am: 16.03.2019 12:56:20 Gelesen: 120# 19 @  
Liebe Bayern,

ich muss mich mal auf Euer Gebiet verirren. In einem Post mit allerlei "Gedöns" habe ich diese Notpaketkarte gefunden und verstehe nicht ansatzweise was sie mir sagen soll, außer dass etwas unzustellbar war und der Versand von Schweinefleisch erfolgte, was wohl verboten war. Warum also die Not-Karte? Wo war das Original? Was ist mit dem Speck passiert?

Nebenbei tatsächlich auch die unschickliche Frage nach dem Wert einer solchen Karte, die bestimmt nicht häufig ist, aber wo auch die Frage geboten ist, wer so etwas sammelt? In meine Sammlung passt die Karte jedenfalls nicht wirklich.

Grüße
Lars


 
Wolf Becker Am: 19.03.2019 16:07:58 Gelesen: 87# 20 @  
Lieber Lars,

das Paket aus Hatvan 1 (50 km östlich von Budapest) an Herrn Josef Navatil in Regensburg kam am 14.04.1914 ohne Paketkarte beim Zollamt in Regensburg an, deshalb wurde dort eine Notpaketkarte ausgestellt (Normalerweise liefen die Paketkarten mit der Briefpost und kamen vor dem Paket, wenn vom Ausland im Zollamt an). Das Paket war unzustellbar, denn es enthielt: "gebrauchte Leibwäsche dem Adressaten zu eigenem Wiedergebrauch nachgesandt" aber auch 1 Stk Schweinespeck, 0,65 kg (vermutlich nicht deklariert !), daher Fleischbeschaugebühr: 0,50 M und Einfuhr nicht gestattet gem. Fleischbeschau, Gesetz vom 3,6.1900 §12 Abs. 2 Zif .2.

Daher, nachdem das Paket Restante Regensburg war, wurde es am 23.4.1914 zur Wiederausfuhr zurückgesandt nach Ungarn.

Vorderseite Postalische Handhabung, Rückseite Zollamtliche Begutachtung,

mit bestem Gruß
Wolf Becker
 
Latzi Am: 20.03.2019 10:32:43 Gelesen: 43# 21 @  
@ Wolf Becker [#20]

Zunächst einmal vielen Dank für die ausführliche Antwort, die mein Verständnis deutlich verbessert hat. Nachdem Richard im Einklang mit den Foren-Regeln Dein freundliches Angebot gelöscht hat, habe ich mir eine Philaseiten-Mail-Adresse angelegt, die im Profil hinterlegt ist und über die Du mich erreichen kannst, wenn Du die Karte haben möchtest.

Grüße
Lars
 
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