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Thema: Die unterschiedlichen Kalender
Das Thema hat 185 Beiträge:
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volkimal Am: 09.11.2018 14:20:21 Gelesen: 24993# 161 @  
@ mausbach1 [#160]

Hallo Claus,

es ist leichter, wenn du den Stempel zeigst. Wahrscheinlich steht die 3 links. Dann dürfte der Stempel aus dem Jahr Heisei 3 stammen. Damit wäre er vom 12.03.1991 AD.

Siehe https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=98953

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 13.11.2018 20:58:48 Gelesen: 24490# 162 @  
Hallo zusammen,

Zauditu, die älteste Tochter von König Menelik II. wurde am 27. September 1916 zur äthiopischen Kaiserin erklärt. Ihr Cousin Tafari Makonnen wurde gleichzeitig der Kronprinz. Aus Anlass der Krönung der Kaiserin am 11. Februar 1917 gab es zwei Sätze mit einem entsprechenden Aufdruck.



Beim Aufdruck stehen oben der Name der Kaiserin Zauditu = ዘውዲቱ oder des Kronprinzen Tafari = ተፈሪ. In der Mitte ist das äthiopische Datum ፬ : የካቲት : ፲ ፱ ፻ ፱ und unten das Datum nach unserer Zeitrechnung, also der 11.2.1917 AD. Wie ist das äthiopische Datum zu lesen?

Die Jahreszahl ist so aufgebaut wie schon beschrieben: ፲ ፱ ፻ ፱ = (10+9)x100+9 = 1909 CE. የካቲት = Yäkatit = der 6-te Monat im Äthiopischen Kalender. Links steht eine ፬ = 4 für den Tag.

Beim äthiopischen Kalender gibt es 13 Monate. Die ersten 12 Monate haben jeweils 30 Tage, der 13. Monat hat 5 Tage bzw. im Schaltjahr 6 Tage.



Der Begriff „Beginn im Schaltjahr“ bezieht sich auf unsere Schaltjahre, also 1904 AD, 1908 AD, 1912 AD, 1916 AD usw. Die äthiopischen Schaltjahre sind 1903 CE, 1907 CE, 1911 CE, 1915 CE usw.

Entsprechen dieser Tabelle beginnt der Yäkatit am 8. Februar. Der 4. Yäkatit 1909 CE ist also der 11. Februar 1917 AD.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 23.11.2018 09:21:46 Gelesen: 23285# 163 @  
Hallo zusammen,

zum Abschluss des Äthiopischen Kalenders komme ich noch zu einigen ungewöhnlichen Jahreszahlen. Die Schreibweise der Zahlen mit der Äthiopischen Schrift scheint auch im Land selbst nicht mehr sehr geläufig zu sein, denn in der Zeit von 2008 bis 2010 trugen die Briefmarken falsche äthiopische Jahreszahlen.





Die Übersetzung der äthiopischen Jahreszahlen ergibt:

፲ ፱ ፻ ፺ ፱ = (10 + 9) x 100 + 90 + 0 = 1999 CE
፪ ፻፻ = 2 x 10.000 = 20.000 CE
፪ ፻፻ ፩ = 2 x 10.000 + 1 = 20.001 CE



፪ ፻፻ ፪ = 2 x 10.000 + 2 = 20.002 CE
፳ ፻ ፪ = 20 x 100 + 2 = 2002 CE

Bei der Ausgabe vom 06.04.2010 AD war noch die falsche Jahreszahl. Dann hat man den Fehler wohl bemerkt, dann die nächste Ausgabe vom 06.10.2010 AD hatte die richtige Jahreszahl. Eine umfangreiche Zahlentabelle findet man auf der Seite https://eotcmk.org/a/የግእዝ-ቁጥሮች-አጻጻፍ/

Einen Datumsumrechner für den Äthiopischen Kalender findet man auf der Seite https://calendar.zoznam.sk/ethiopian_calendar-en.php?ly=1917&x=0&y=0

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 08.12.2018 17:31:45 Gelesen: 21906# 164 @  
Hallo zusammen,

heute komme ich zu einem sehr ungewöhnlichen Kalender. Bei Wikipedia steht er auf der Seite "Kalendersysteme" unter der Überschrift "Neuzeitliche Kalenderentwürfe". Es ist aber ein eindeutiger Solarkalender, denn das Jahr hat 365 Tage und es gibt Schalttage zur Anpassung an das Sonnenjahr.

Der französische Revolutionskalender


Einen Tag nach Erstürmung der Bastille am 15. Juli 1789 wurde in Frankreich das „Jahr Eins der Freiheit“ (An 1 de la liberté) ausgerufen. Da der gregorianische Kalender beibehalten wurde, dauerte das Jahr 1 nur 5½ Monate.



Am 22. September 1792 schaffte der Nationalkonvent die Monarchie ab; zugleich beschloss er, mit diesem Stichtag das „Jahr 1 der Republik“ (An 1 de la République) beginnen zu lassen. Die staatlichen Institutionen waren verpflichtet, die neue, geänderte Jahreszahl zu verwenden.

Diese Ganzsache mit dem Sonderstempel erschien am 200-ten Geburtstag der Einführung des Französischen Revolutionskalenders (auch Republikanischer Kalender genannt) [1]. Oben im Stempel steht dementsprechend „An 1 de la République“.



Beim gregorianischen Kalender hat ein Tag 24 Stunden, eine Stunde 60 Minuten und eine Minute 60 Sekunden. Dieses geht auf die Babylonier zurück. Die Babylonier benutzten die Zahl 60 als Basis ihres sogenannten Sexagesimalsystems.

Am 5. Oktober 1793 entschied der Nationalkonvent, auch die Zählung der Tage und Monate zu erneuern. Der Französische Revolutionskalender basiert auf dem Dezimalsystem. Jeder Tag hatte 10 Stunden. Außerdem sollte jede Stunde 100 Minuten und jede Minute 100 Sekunden haben.

Die Umsetzung dieses Vorhabens hätte alle vorhandenen Uhren unbrauchbar gemacht. Neue Uhren waren jedoch sehr teuer. Daher beschloss der Konvent, das Gesetz zur dezimalen Tageseinteilung auszusetzen; es trat nie in Kraft.

Soviel fürs Erste, viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sischer_Revolutionskalender
 
volkimal Am: 22.12.2018 12:52:51 Gelesen: 19998# 165 @  
Hallo zusammen,

auch die Jahreseinteilung wurde im Französischen Revolutionskalender neu geregelt. Das Jahr hatte 12 Monate mit jeweils 3 Wochen von 10 Tagen. Dies sind insgesamt nur 360 Tage. Zur Anpassung an das Sonnenjahr folgten am Ende des Jahres 5 bzw. in Schaltjahren 6 Übergangstage (Feiertage), die sogenannten „jour complémentaire“.

Durch die Zehntagewoche gab es nur noch alle zehn Tage einen freien Tag. Mit den Feiertagen am Jahresende waren es insgesamt nur noch 41 freie Tage im Jahr, was den Kalender nicht beliebt machte.

Der Jahresbeginn war während der gesamten Gültigkeitsdauer des Revolutionskalenders auf den Tag der Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst festgelegt. Dieser Tag konnte nicht berechnet werden sondern musste durch Himmelsbeobachtung bestimmt werden. In der Zeit des Französischen Revolutionskalenders war das des 22. bzw. der 23. September. Das Jahr 12 begann am 24. September.

Die 12 Monate des Revolutionskalenders wurden in vier jahreszeitliche Gruppen eingeteilt:



In der damaligen Zeit waren in Frankreich als Aufgabestempel die sogenannten Département-Stempel üblich. Diese hatten kein Datum. Brief aus Nizza im Département 85 Alpes-Maritimes nach Agde. Adge liegt ca. 4 km von der Küste des Mittelmeers entfernt.



Der Brief wurde am 29. Brumaire an 9 geschrieben. Für die Umrechnung findet man bei Wikipedia entsprechende Tabellen:



Der Brief ist also am 20.November 1800 geschrieben worden.

Viele Grüße
Volkmar

Quelle:
Auf den entsprechenden Monat klicken: https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sischer_Revolutionskalender
oder direkt auf https://de.wikipedia.org/wiki/Brumaire
 
volkimal Am: 05.01.2019 14:09:27 Gelesen: 18957# 166 @  
Hallo zusammen,

nach einer etwas verlängerten Weihnachtspause soll es heute mit dem französischen Revolutionskalender weitergehen.

Mitte der 1790-er Jahre kamen die ersten Monatsstempel als Ankunftsstempel auf. Später hat man auch Datumsstempel eingeführt.







Brief aus Bordeaux im Département 32 (Gironde) nach Nantes mit dem Datum 9 Brumaire an 11. Auf der Rückseite ist der Ankunftsstempel aus Nantes. Auf „re“-endend ist es ist einer der Herbstmonate. Der Stempel wurde also am 12 Brumaire an 11 abgeschlagen. Entsprechend der Tabelle im letzten Beitrag entspricht das Datum dem 3. November 1802.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 15.01.2019 17:10:17 Gelesen: 18049# 167 @  
Hallo zusammen,

in meiner Kalendersammlung habe ich noch einen zweiten Ankunftsstempel aus Nantes. Auf „re“-endend ist es ebenfalls einer der Herbstmonate - in diesem Fall der Frimaire.





Der Brief aus Libourne kam entsprechen des Brieftextes am 24 Frimaire an 11 in Nantes an. Der Tabelle ist zu entnehmen, dass dieses der 15. Dezember 1802 ist.



Die Daten im Stempel waren nicht verstellbar. Wäre beides (Tag und Monat) zusammenhängend hätte man für jeden Tag des Jahres einen eigenen Stempel benötigt - insgesamt also 365 Stück. Wenn man die beiden Ankunftsstempel vergleicht, so fällt auf, dass dort mit zwei einzelnen Stempeln der Tag und der Monat nacheinander abgeschlagen wurden. Dadurch waren insgesamt nur 12 Stempel für die Monate und 31 Stempel für die Tage erforderlich.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 03.02.2019 15:04:29 Gelesen: 15965# 168 @  
Hallo zusammen,

am bekanntesten sind die Pariser Ankunftsstempel (Kreisstempel) zur Kontrolle der Laufzeiten. Diese gibt es seit September 1802. Auch die Pariser Stempel haben Daten nach dem Französischen Revolutionskalender.







Brief aus Orléans nach Paris mit dem Départementstempel „P 43 P“ (Département 43 = Loiret). P.P bedeutet „port payé“. Das Porto ist also bei der Aufgabe des Briefes bezahlt worden.

Im Ankunftsstempel ist oben der Monat. Der Brief kam also am 22. Frimaire an 14 in Paris an. Entsprechend der Tabelle [1] ist es der 13. Dezember 1805. Was der Achteckstempel T.4.E bedeutet weiß ich bisher noch nicht.

Viele Grüße
Volkmar

[1]: Tabelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Frimaire
 
volkimal Am: 17.02.2019 10:47:51 Gelesen: 14475# 169 @  
Hallo zusammen,

alle Frühlingsmonate endeten auf "-al". Es waren die Monate Germinal (Keim, Spross), Floréal (Blume) und Prairial (Wiese).Demt entsprechend endeten die abgekürzten Monatsnamen oben im Stempel auf "al":





Brief von Calais im Département 61 = Pas-de-Calais nach Paris. Heute hat Pas-de-Calais die Nummer 62. Entsprechend des Ankunftsstempels war der Brief am 23 Floréal an 12 in Paris. Dank Lulu kenne ich eine weitere Internetseite zum Umrechnen der Daten des Französischen Revolutionskalenders. Der Brief kam dementsprechend am 13.05.1804 in Paris an. Der Link ist:

http://archivesenligne.pasdecalais.fr/cg62v2/outils/calendrier/calendrier_rev_greg.php?annee=I

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 03.03.2019 12:44:15 Gelesen: 13289# 170 @  
Hallo zusammen,

ich merke gerade, dass ich mit der Reihenfolge der Monate durcheinandergekommen bin. Nach dem Herbstmonat Frimaire habe ich einen Stempel aus dem Frühlingsmonat Floréal vorgestellt. Die Wintermonate (auf -se endent) habe ich versehentlich überschlagen. Das hole ich jetzt nach:





Ortsbrief aus Paris, geschrieben und angekommen am 26 Nivôse an 13. Laut Umrechner entspricht dieses Datum dem 16.01.1805. Neben dem Zweikreisstempel befindet sich auf der Rückseite noch ein Achteckstempel "H.1.E". Dank Lulu (zockerpeppi) weiß ich, dass es sich dabei um einen Stempel des Bureaux des quartier handelt.





Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 16.03.2019 10:37:49 Gelesen: 12099# 171 @  
Hallo zusammen,

es fehlen als letztes noch die Sommermonate, die alle auf "-re" enden:





Der Brief kommt aus Châtellerault im Département 80 (Vienne). Der Département-Stempel oben auf dem Brief ist allerdings kaum zu erkennen. Der Brief kam am 25 Messidor an 12 in Paris an. Dieses Datum entspricht dem 14. Juli 1804.

Viele Grüße
Volkmar
 
Heinrich3 Am: 01.04.2019 11:20:20 Gelesen: 11116# 172 @  


Hallo Volkmar,

liege ich richtig, wenn ich diesen Stempel auf das Jahr 1906 datiere?

Ich gehe auf Grund der Briefmarke davon aus, daß der Stempel nicht aus 1939 sein kann.

Korrektur erbeten, wenn nötig!

Danke
Heinrich
 
volkimal Am: 01.04.2019 14:25:05 Gelesen: 11096# 173 @  
@ Heinrich3 [#172]

Hallo Heinrich,

du hast das Datum richtig bestimmt. Die Jahreszahl 39 gibt es nur als Meiji 39 = 1906 oder als Showa 39 = 1964.

Von der Marke her kann es nur der 30.10.1906 sein.

Viele Grüße
Volkmar
 
ragiko Am: 01.04.2019 15:09:53 Gelesen: 11089# 174 @  
@ volkimal [#173]

Hallo Volkmar,

heute wurde der Name für die Amtszeit der kommenden Tennogeneration verkündet. Der alte Herr will ja nicht mehr und soll noch in diesem Jahr durch seinen Ältesten abgelöst werden, weshalb die derzeitige Ära, die auf Amtsblättern noch existiert, mit dem Jahr 31 zu Ende geht. Für die Fans der japanischen Royals beginnt noch in diesem Jahr, sobald der neue Tenno sich auf seinem Thron niederlässt, alles wieder bei eins, Jahr 1 der Ära Reiwa.

Da die Inlands-Stempeltype und -farbe gleich ist wie beim letzten Jahr 1 (1989), kann jetzt, wem danach der Sinn steht, alle verpassten Ersttagsstempel der Ausgaben ab 1989 ff nachholen. :-)))

Grüßchen aus Tokyo,

ragiko
 
volkimal Am: 01.04.2019 15:10:31 Gelesen: 11089# 175 @  
Hallo zusammen,

wie im Beitrag [#165] beschrieben, gab es am Ende des Jahres 5 „jour complémentaire“. Bis auf wenige Ausnahmen kann man diese Tage nur am Datum des Briefes erkennen.





Brief von Montpellier nach Agde vom 1 jour complémentaire an 8. Der letzte Tag im letzten Monat (fructidor) des Jahres an 8 ist der 17.09.1800. Der Brief wurde also einen Tag später am 18.09.1800 geschrieben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.04.2019 18:42:51 Gelesen: 10158# 176 @  
Hallo zusammen,

auch von den "jour complémentaire" gibt es die entsprechenden Pariser Ankunftsstempel. Diese Stempel sind natürlich deutlich seltener als die Stempel der anderen Tage.



Brief von Metz nach Paris, geschrieben am 3 jour complémentaire an 11. Entsprechend des Ankunftsstempels kam der Brief zwei Tage später, am 5 jour complémentaire an 11 in Paris an.



Das Jahr 11 = XI war ein Schaltjahr und hatte 6 jours complementaire. Schade, dass der Brief nicht einen Tag später angekommen ist. Ich weiß nicht, ob es den Stempel vom "6 jour complémentaire an 11" überhaupt gegeben hat. An 11 = 1803 ist das einzige Jahr, in dem der Stempel vorgekommen sein könnte.



Dieses sind die letzten Tage des Jahres 11:

30 fructidor an 11 = 17.09.1803
1 jours complémentaire an 11 = 18.09.1803
2 jours complémentaire an 11 = 19.09.1803
3 jours complémentaire an 11 = 20.09.1803
4 jours complémentaire an 11 = 21.09.1803
5 jours complémentaire an 11 = 22.09.1803
6 jours complémentaire an 11 = 23.09.1803
1 vendémiaire an 12 = 24.09.1803
 

Der Brief aus Metz ist also am 22. September 1803 in Paris eingetroffen. 

Viele Grüße
Volkmar
 

volkimal Am: 30.04.2019 14:43:05 Gelesen: 8804# 177 @  
Hallo zusammen,

der republikanische Kalender galt bis zum 31. Dezember 1805. Napoleon I. führte 1806 den gregorianischen Kalender wieder ein. 1871 kam er nochmals während der linksradikalen Pariser Kommune zum Einsatz.





Ab 1806 wird in den Stempeln wieder unser Kalender verwendet. Roter Ankunftsstempel auf einem Brief von Abbeville nach Paris vom 29. Mai 1806.





Schwarzer Ankunftsstempel auf einem Ortsbrief aus Paris vom 20. September 1814.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 19.05.2019 09:05:08 Gelesen: 7173# 178 @  
Hallo zusammen,

auch bei modernen Stempeln sieht man gelegentlich Daten nach dem französischen Revolutionskalender. Dieses sind Stempel, deren Ausgabeanlass im Zusammenhang mit der französischen Revolution stehen. Ein erstes Beispiel:



Der Stempel kommt aus La Roche-sur-Yon, einer französischen Stadt mit 53.578 Einwohnern (Stand 1. Januar 2015) im Département Vendée.



Die Stadt La Roche-sur-Yon in ihrer heutigen Gestalt wurde unter Napoleon erbaut. 1804 verlegte er den Sitz der Präfektur von Fontenay-le-Comte in die neu erstandene Stadt. Dementsprechend steht auf dem Stempel das Datum 25. Mai 1804 = 5 Prairial an XII.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 30.05.2019 11:37:01 Gelesen: 6098# 179 @  
Hallo zusammen,

zur Feier des 200jährigen Jubiläums der Französischen Revoltion gab es in Frankreich zahlreiche Briefmarken und Sonderstempel. Auf den Stempeln und den Marken steht dementsprechend bicentenaire = Zweihundertjahrfeier.





Zu den Briefmarken:

1. Marke: 25.02.1989, Bedeutende Persönlichkeiten der Französischen Revolution
2. Marke: 01.01.1989, 200. Jahrestag der Französischen Revolution
3. Marke: 27.05.1989, Verkündung der Menschen- und Bürgerrechte

Bei diesen drei Stempeln ist auch das Stempeldatum nach dem französischen Revolutionskalender angegeben. Die Stempel sind vom:

1. Stempel: 11.11.1989 = 21 brumaire an 198
2. Stempel: 12.11.1989 = 22 brumaire an 198
3. Stempel: 25.06.1989 = 7 messodor an 201

Wie man sieht, weicht die Jahreszahl beim dritten Stempel von den beiden anderen ab. Beim letzten Stempel ist man bei der Jahreszählung fälschlicherweise vom Datum der Französischen Revolution, also von 1789, ausgegangen. Die Jahreszahl „201“ ist falsch. Der Grund: Am 22. September 1792 schaffte der Nationalkonvent die Monarchie ab; zugleich beschloss er, mit diesem Stichtag das „Jahr 1 der Republik“ (An 1 de la République) beginnen zu lassen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 08.06.2019 12:19:14 Gelesen: 5382# 180 @  
Hallo zusammen,

diesen Stempel habe ich gerade gefunden:



Hier ist nur ein Datum nach dem französischen Revolutionskalender angegeben: "22 frimaire an VIII". Entsprechend der Umrechnungstabelle [1] findet man das Datum 13. Dezember 1799.

Wenn man dann noch bei Wikipedia unter "Conseil d’État" nachliest [2] erfährt man:

Der Conseil d’État (deutsch: Staatsrat) ist eine französische Institution mit Sitz im Palais Royal in Paris...

Der Conseil d’État geht auf Napoleon zurück. Er wurde am 13. Dezember 1799 unmittelbar nach dem Staatsstreich durch den Ersten Konsul und späteren Kaiser gegründet.


Wie man sieht, ist das Datum im Stempel korrekt angegeben.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Frimaire
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Conseil_d%E2%80%99%C3%89tat_(Frankreich)
 
volkimal Am: 26.06.2019 19:30:29 Gelesen: 4107# 181 @  
Hallo zusammen,

mit dem letzten Beitrag hatte ich den Französischen Revolutionskalender beendet. Es folge ein Kalender, der aber auch etwas mit der Französischen Revolution zu tun hat.

Der Positivisten-Kalender [1]

Der Positivisten-Kalender (auch Comte-Kalender genannt) ist ein Solarkalender, der von Auguste Comte im Jahr 1849 zur Reform des Gregorianischen Kalenders vorgeschlagen wurde. Er erreichte jedoch, wie auch andere Entwürfe von Comte, niemals weitere Verbreitung.



Isidore Marie Auguste François Xavier Comte (1798 - 1857) war ein französischer Mathematiker, Philosoph und Religionskritiker. Vor allem ist er jedoch als Begründer des Positivismus und Mitbegründer der Soziologie bekannt - deren Benennung auf Comte zurückgeht.



Das System des Positivisten-Kalenders:

Der Kalender hat 13 Monate zu je 28 Tagen plus einen Festtag zu Ehren der Toten zum Jahresende. Dieser Extratag wird weder einem Monat noch einem Wochentag zugeordnet. Auf diese Weise können Woche und Monat synchronisiert werden, das heißt, jeder Monat beginnt grundsätzlich mit einem Montag.



Neben dem Gemeinjahr mit 365 Tagen sieht der Kalender ein Schaltjahr mit einem zusätzlichen Extratag am Jahresende vor, der dem Andenken an weibliche Heilige gewidmet sein soll. Die Jahresanfänge und die Schaltregel stimmen mit jenen des Gregorianischen Kalenders überein.

Allerdings sollte die christliche Jahreszählung durch eine positivistische ersetzt werden: Als Jahr 1 (Epoche) sollte das christliche Jahr 1789 gelten, in dem die Französische Revolution ihren Anfang nahm.

Die Monate des Positivisten-Kalenders wurden nach berühmten Persönlichkeiten benannt und gehen jährlich die Weltgeschichte unter fortlaufenden Themensetzungen durch – eine Weltgeschichte, die zur Verwissenschaftlichung führt:



Die Gegner des Kalenderentwurfs bemängeln u. a. seine ideologische Grundlage, die in den Monatsnamen zum Ausdruck kommt, und die Unteilbarkeit der Monatsanzahl 13. Dadurch ist es nicht möglich, das Jahr in statistisch sinnvolle Abschnitte wie Halbjahre oder Quartale aufzuteilen. Auch eine Integration der traditionellen Jahreszeiten in den Kalender ist schwierig.

Da der Positivisten-Kalender niemals weitere Verbreitung gefunden hat, gibt es natürlich auch keine Stempel mit dem Datum nach dem Positivisten-Kalender.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Positivisten-Kalender
 
volkimal Am: 15.07.2019 11:16:58 Gelesen: 2787# 182 @  
Hallo zusammen!

Internationaler ewiger Kalender [1]

Außer in positivistischen Kreisen wurde der Kalender in der Praxis nie verwendet. In den 1930er Jahren erlebte er als leicht modifizierter Internationaler ewiger Kalender e vorübergehend größere Aufmerksamkeit. Damals wuchs weltweit die Forderung nach einem reformierten modernen Kalender, der den als zu kompliziert empfundenen gregorianischen Kalender ersetzen sollte.

Als Internationaler ewiger Kalender (engl. International Fixed Calendar, abgekürzt IFC) wird ein Kalenderentwurf von Moses Cotsworth (1859–1943) bezeichnet, den dieser 1923 vorgestellt hat.



Dieser Kalender teilte das Jahr in 13 Monate zu je 28 Tagen plus einen Extratag am Jahresende (im englischen auch als „a year and a day“ bezeichnet, für ein Mondjahr und einen Tag). Dieser Extratag wird weder einem Monat noch einem Wochentag zugeordnet. Auf diese Weise können Woche und Monat synchronisiert werden, das heißt jeder Monat beginnt grundsätzlich mit einem Sonntag und besteht jeweils aus vier vollständigen Wochen.

Die Monatsbezeichnungen entsprechen jenen des Gregorianischen Kalenders. Der zusätzliche dreizehnte Monat wird in die Jahresmitte zwischen Juni und Juli gelegt und erhält den Namen Sol („Sonne“) oder Midi („Mitte“).


* In Schaltjahren liegen diese Daten einen Tag früher. Der Schalttag wird als Extratag zwischen Samstag, den 28. Juni und Sonntag, den 1. Sol eingefügt. Genau wie der Extratag am Jahresende liegt er außerhalb des Wochenzyklus und gehört zu keinem Monat.

Ein wesentlicher Vorteil des Kalenders liegt darin, dass alle Monate gleich aufgebaut sind, sowohl was ihre Länge angeht, als auch die Zuordnung der Wochentage. Woche und Monat sind also in Phase. Der Kalender ist damit äußerst übersichtlich strukturiert. Darüber hinaus könnten monatliche Ereignisse – zum Beispiel die Auszahlung des Gehaltes – regelmäßig stattfinden.

Die Gegner des Kalenderentwurfs von Cotsworth bemängeln u. a. die Unteilbarkeit der Zahl 13. Dadurch ist es nicht möglich, das Jahr in statistisch sinnvolle Abschnitte wie Halbjahre oder Quartale aufzuteilen. Auch eine Integration der traditionellen Jahreszeiten in den Kalender ist schwierig. Die Unterbrechung des Wochenzyklus ist für Judentum, Christentum und Islam nicht akzeptabel.



Wie man im Michel lesen kann, handelt es sich bei dieser Darstellung um ein Detail des ewigen Kalenders. Diese Briefmarke hat allerdings nichts mit dem Internationalen ewigen Kalender zu tun. Diese Erklärung zur Briefmarke fand ich auf einem Ersttagsbrief:



Frei übersetzt steht dort:

Bild einer 200 Jahre alten Planke eines Ameland-Kapitäns, die im Fries-Museum in Leeuwarden aufbewahrt und als ewiger Kalender verwendet wird… Beim Kalender wird das Datum jeweils mit losen Holzklötzen angegeben. Diese Holzklötze werden auf der Briefmarke für die Jahre verwendet.

Das „ewig“ bezieht sich also nur darauf, dass das Datum mit Hilfe der losen Klötze für alle Zeit angegeben werden kann.

Viele Grüße
Volkmar

[1]: https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Ewiger_Kalender
 
volkimal Am: 28.07.2019 14:58:15 Gelesen: 1714# 183 @  
Hallo zusammen!

Julianischer und gregorianischer Kalender

bei den ersten Beiträgen zu diesem Thema [#1] bis Beitrag 12 ging es um den Unterschied zwischen dem julianischen und gregorianischen Kalender. Damals habe ich nur sehr wenige Beispiele gezeigt. Daher möchte ich noch einmal auf diese Kalender eingehen.

Der julianische Kalender wurde in Ägypten entwickelt und von Julius Caesar im Jahre 45 v. Chr. im Römischen Reich eingeführt. Der julianische Kalender an sich war im gesamten Römischen Reich anerkannt, die Jahresanfänge jedoch wurden von Region zu Region verschieden gehandhabt. Auch die Jahreszählung war in den verschiedenen Teilen des Römischen Reiches verschieden. Details dazu siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Julianischer_Kalender . Es gab mehrere Reformen des julianischen Kalenders. Eine davon kann ich philatelistisch belegen.



Aus https://de.wikipedia.org/wiki/Edikt_von_Roussillon :
Das Edikt von Roussillon aus dem Jahr 1564 legte den Jahresbeginn in Frankreich auf den 1. Januar fest.
Auf einer seiner Reisen durch das Land stellte König Karl IX. fest, dass der Jahresbeginn in Frankreich je nach Diözese unterschiedlich festgelegt war: im Erzbistum Lyon war es Weihnachten, im Erzbistum Vienne – wenige Kilometer weiter – der 25. März. Andere Daten waren der bereits im Römischen Reich übliche 1. März und Ostern. Die abweichenden Regelungen erzeugten nicht nur in der damaligen Zeit Verwirrung; sie wirken als Unsicherheit zu historischen Jahreszahlen bis heute fort.
Nachdem er den Jahresbeginn für das gesamte Land vereinheitlicht hatte, fügte er einem Edikt, das er Anfang Januar 1563 in Paris erlassen hatte, vier Artikel (Nr. 39 bis 42) hinzu, die er am 9. August 1564 in Roussillon verkündete: der Jahresbeginn wurde im Artikel 39 nun auf den 1. Januar festgesetzt


Die Abbildung im Stempel zeigt das alte Schloss, in dem Karl IX. 1564 das Edikt unterzeichnete, das den 1. Januar Anfang des Jahres festlegte.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 04.08.2019 12:24:38 Gelesen: 1267# 184 @  
Hallo zusammen,

das julianische Jahr ist gegenüber dem Sonnenjahr um 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang. Dies führte zu einer zunehmenden Abweichung vom Sonnenlauf, die im 14. Jahrhundert schon mehr als sieben Tage betrug. Papst Gregor XIII. führte im Jahre 1582 den gregorianischen Kalender mit einer verbesserten Schaltregel ein.
Für den Übergang bestimmte Gregor XIII. weiterhin, dass auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582 (julianisch) direkt Freitag, der 15. Oktober 1582 (gregorianisch) zu folgen hatte, womit 10 Tage übersprungen wurden (unter Beibehaltung der Wochentagfolge).



Da der neue Kalender vom Papst eingeführt wurde, benutzten ihn zunächst überwiegend die römisch-katholischen Staaten. Die meisten protestantischen Staaten behielten den julianischen Kalender bis ins 18. Jahrhundert bei, was vor allem in konfessionell gemischten Gebieten Deutschlands zu einem umständlichen Nebeneinander von „altem Stil“ neben „neuem Stil“ führte.

Zum Beispiel änderte das Herzogtum Preußen am 02.09.1612 (jul.) das Datum zum 23.08.1612 (greg.).

Die orthodoxen Länder Osteuropas, behielten den julianischen Kalender noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts bei. Hier muss der Philatelist aufpassen, wenn er das Datum eines Beleges angeben will. Dazu mehr in den nächsten Beiträgen.

Wann in den einzelnen Ländern der Übergang vom julianischen zum gregorianischen Kalender erfolgte ist bei Wikipedia nachzulesen [1]

Viele Grüße
Volkmar

https://de.wikipedia.org/wiki/Gregorianischer_Kalender#%C3%9Cbernahme_des_gregorianischen_Kalenders
 
volkimal Am: 13.08.2019 20:55:34 Gelesen: 408# 185 @  
Hallo zusammen,

beim julianischen Kalender gilt: Alle Jahre, bei denen die Jahreszahl durch 4 teilbar ist, sind Schaltjahre. Das julianische Jahr ist damit um etwa 11 Minuten länger als das tatsächliche Jahr.

Die von Papst Gregor eingeführte Schaltregelung war dagegen genauer. Beim gregorianischen Kalender gilt: Alle durch vier teilbaren Jahre sind Schaltjahre. Alle Jahreszahlen, die durch 100 teilbar sind, sind keine Schaltjahre. Ausnahme: Die durch 400 teilbaren Jahreszahlen sind Schaltjahre. Daraus folgt: 1600 und 2000 sind Schaltjahre, 1700, 1800, 1900, 2100 sind keine Schaltjahre.

Der 29. Februar 1900 (greg.), ein Tag den es bei uns nicht gibt:





Diese Postkarte wurde am 12.03.1900 (greg.) = 28.02.1900 (jul.) geschrieben und einen Tag später aufgegeben. Der Poststempel ist also vom 29.02.1900 (jul) = 13.03.1900 (greg.). Diesen Schalttag, den 29.02.1900, gab es bei unserem gregorianischen Kalender nicht. Es war gar nicht so einfach, einen Beleg von diesem besonderen Tag zu finden. Durch diesen Tag ergibt sich Folgendes:

Umrechnung vom julianischen zum gregorianischen Kalender:

18.02.1800 (jul.) = 01.03.1800 (greg) bis zum 16.02.1900 (jul.) = 28.02.1900 (greg):
julianisches Datum + 12 Tage = gregorianisches Datum
(1800 und 1900 ist der 29. Februar dabei mitzuzählen.)
Seit dem 17.02.1900 (jul.) = 01.03.1900 (greg.):
julianisches Datum + 13 Tage = gregorianisches Datum



Noch einmal zurück zum Stempel und der Postkarte. Interessant finde ich den Aufgabeort und den französischen Text der Karte. Im Stempel steht:
ШАБО БЕССАР. Г. = Шабо Бессар. г. = Шабо Бессарабская губе́рния = Schabo Gouvernement Bessarabien
ПОЧТ ТЕЛ.ОТД. = ПОЧТЫ И ТЕЛЕГРАФА ОТДЕЛ = Почты и телеграфа отдел = Post- und Telegraphenabteilung

Auf der Karte hat der Absender J.A. Grigorieff als Anschrift angegeben: „Chabag prés de Akkerman gouvern Beßarabie“.

Die Kolonie Chabag ist eine Kolonie, die 1822 von Schweizern aus dem Kanton Waadt am Ufer des Schwarzen Meeres gegründet wurde. Zar Alexander I. von Russland förderte zu dieser Zeit die Kolonialisierung der Region. Die Schweizer Siedler widmeten sich fortan hauptsächlich dem Weinbau. Alexanders Lehrer Frédéric-César de la Harpe stammte selbst aus dem Waadt und bewog den Zaren dazu, Schweizer Auswanderer als Kolonisten in die neu eroberten russischen Gebiete ziehen zu lassen.

Der Name der Siedlung geht auf die türkische Bezeichnung Ascha Abag (wörtl. „untere Gärten“, das heißt unterhalb der Festung Akkerman liegende Weinbau-Gebiete) zurück, wobei die Zusammenziehung Schabag später von den französisch-schweizerischen Siedlern zu Schabo umgeformt wurde, um französischer zu klingen.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Schabo
[2] https://fr.wikipedia.org/wiki/Colonie_de_Chabag
 

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