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Thema: Die unterschiedlichen Kalender
Das Thema hat 225 Beiträge:
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volkimal Am: 29.10.2019 09:42:47 Gelesen: 29531# 201 @  
Hallo zusammen,

der julianische Kalender galt natürlich auch in den anderen orthodoxen Ländern des Balkans. Als nächstes zeige ich ein paar Beispiele aus Griechenland.





Diese Postkarte wurde laut Poststempel am 11.10.1889 (jul.) = 23.10.1889 (greg.) in ΠΕΙΡΑΙΕΥΣ = Πειραιευς = Piräus aufgegeben. Der Unterschied der beiden Kalender betrug bis 1900 genau 12 Tage. Auf der Rückseite hat der deutsche Absender das Datum 21.10.89 nach dem gregorianischen Kalender vermerkt.



Entsprechend des Stempels auf der Rückseite ging die Karte vermutlich über Patras nach Brindisi (Italien). Dort war sie nach drei Tagen. Am 28.10.1889 (greg.) kam die Karte in Worms an. Insgesamt war die Karte somit 5 Tage und nicht 17 Tage unterwegs (wie man ohne Kenntnis der Kalender denken könnte).

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 10.11.2019 14:02:24 Gelesen: 28221# 202 @  
Hallo zusammen,

heute zwei griechische Postkarten aus Athen aus der Zeit nach dem 17.02.1900 (jul.) = 01.03.1900 (greg.). Seit diesem Tag unterscheiden sich die beiden Kalender um 13 Tage. Siehe auch Beitrag [#185].





Die Karte geht an Hrn. Emil Breseins, Inh. Dr. G Wolfram – Fabrik f. chem. Pr. (= Fabrik für chemische Produkte) in Rödelheim bei Frankfurt. Der Absender ist ein Arzt an einer orthopädischen Klinik in Athen. Zum Glück konnte er deutsch, so dass ich den Text lesen kann. Es geht um die Einrichtung einer orthopädischen Werkstatt – eine Einrichtung zum Polieren und Vernickeln von Teilen von orthopädischen Apparaten sowie zum Schleifen aller möglichen chirurgischen Instrumente.

Im Aufgabestempel steht: ΑΘΗΝΑΙ 29 ΜΑΡΤ 1905 11 Π
ΑΘΗΝΑΙ = Αθηναι = Athen. Vom 29.02.1905 (jul.) muss man 13 Tage vorwärts gehen => Der Stempel ist vom 11.04.1905 (greg.). Die Karte kam nach vier Tagen am 15.04.1905 in Rödelheim an.





Der Absender war Anton Ritter von Premerstein, ein österreichischer Althistoriker, Epigraphiker und Papyrologe [1]. Der Empfänger war Wilhelm Kubitschek, ein österreichischer Althistoriker, klassischer Archäologe und Numismatiker [2]. Den Text der Karte von Herrn Premirstein finde ich ganz interessant. Es geht um Münzen und seine Hochzeit.

Der Absender hat die Karte am 22.10.1911 (greg.) geschrieben und einen Tag später am 10.10.1911 (jul.) = 23.10.1911 (greg.) aufgegeben. Unten im Stempel steht ΑΠΟΣΤΟΛΗ = Αποστολη = Aufgabe/Versand. Da 1911 keine Ankunftsstempel mehr abgeschlagen wurden, kann ich die Beförderungszeiot nicht feststellen.



Eine Frage habe ich noch zu den Uhrzeitangaben. Dort werden die Zeichen "Π" und "Ε" verwendet. Das "Π" könnte ΠΡΩΙ = πρωί = morgens bedeuten. Für das "Ε" habe ich keine passende Bedeutung gefunden. Wer kann etwas dazu sagen? Gibt es weitere Zeitangaben?

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_von_Premerstein
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Kubitschek
 
KaraBenNemsi Am: 15.11.2019 13:01:42 Gelesen: 27555# 203 @  
Kalender der Azteken

Hier verewigt als Aztekischer Kalenderstein auf einem Stempel vom 25.10.1992 aus 1000 Berlin 12.


 
volkimal Am: 16.11.2019 13:03:30 Gelesen: 27401# 204 @  
@ KaraBenNemsi [#203]

Hallo Carsten,

die historischen Kalender habe ich bisher noch nicht gezeigt. Da gibt es auch noch einige andere.

Irgenwann werde ich das Thema aber bearbeiten.

Danke fürs Zeigen
Volkmar
 
volkimal Am: 30.11.2019 14:49:23 Gelesen: 26175# 205 @  
Hallo zusammen,

endlich komme ich wieder dazu, einen Beitrag zu den Kalendern zu schreiben. Heute ein weitere Postkarte aus Griechenland aus dem Jahr 1911:



Bei der Karte finde ich den Text sehr interessant. Es ist eine Korrespondenz zwischen den Briefmarkensammlerinnen Berta Foerg(?) aus Syros in Griechenland und Luise Sannemann in Weißenfels (Sachsen).

Berta schreibt:

Syra 7.6.11
Liebes Fräulein!
Von Ihren Marken konnte ich leider sehr wenig behalten. Im ganzen macht es 36 Pf. Deutschland fehlen mir nur noch die selteneren und die Groschenmarken. Ich schicke Ihnen diesmal auch nur für 46 Pf. Wenn Sie mir nächstesmal vielleicht Deutsche Kolonien oder überhaupt bessere Marken schicken wollen, so sende ich Ihnen auch wertvolleres. Für die Adressen besten Dank. Welche von den jungen Mädchen sind am weitesten fortgeschritten?
Mit besten Grüßen
Berta Foerg(?)




Als Deutsche benutzt die Absenderin unseren Kalender. Die Karte ist datiert vom 7.6.1911. Sie hat die Karte am selben Tag aufgegeben, denn der Stempel ist vom 25.05.1911 (jul.) + 13 Tage = 07.06.1911 (greg.).

Syros (griechisch Σύρος, auch Syra oder Siros) ist eine griechische Insel der Kykladen, fast mitten im Archipel gelegen, 84 km² groß. Die Hafenstadt Ermoupoli (griechisch Ερμούπολη) ist wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Insel. Im Stempel ist also der Name der Insel und nicht der Name des Ortes angegeben.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 08.12.2019 12:24:37 Gelesen: 25445# 206 @  
Hallo zusammen,

heute ein ungewöhnlicher Brief aus Griechenland:



Auf der Rückseite steht, dass er aus dem Balkan-Krieg 1912 stammt. Dank dieses Forums habe ich von Nicepm erfahren, dass der Brief von der Direktion des Etappendienstes hinter der Front stammt. Griechisch: "ΔΙΕΎΘΥΝΣΙΣ ΤΗΣ ΥΠΗΡΕΣΊΑΣ ΜΕΤΌΠΙΣΘΕΝ" bzw. "Διεύθυνσις τής Υπηρεσίας Μετόπισθεν", wobei der Artikel "ΤΗΣ" nicht auf dem Stempel abgedruckt werden musste.

Das Stempeldatum bei einem Brief innerhalb Griechenlands ist natürlich nach dem julianischen Kalender. 4. ΝΟΈΜΒΡΙΟΣ 1912 = 4. November 1912 (jul) = 17.11.1912 (greg.)

Die Anschrift in lateinischen Buchstaben ist: Stamos Delaporta / Argostolion / Kephallenia.

Naturgemäß sind bei Feldpostschreiben keine Hinweise über den Absendeort vorhanden. Angesichts des Datums 04.11.1912 kann jedoch der Absender entweder in Epirus (bei Ioannina) oder in Makedonien (bei Amindeo, Giannitsa, Thessaloniki oder Chalkidiki) gewesen sein. Es gab auch einen Hauptmann Spiridon G. Delaportas, welcher am 24.10.1912 in der Nähe von Amindeo fiel. Es könnte also ein Brief von ihm (Verzögerungen im Briefversand der Soldaten kam vor) oder über ihn gewesen sein. Aber das sind nur Vermutungen. Der Name Delaportas ist populär auf den ionischen Inseln und besonders auf der Insel Kefalonia, wohin dieser Brief verschickt wurde.

Viele Grüße
Volkmar
 
Martin de Matin Am: 14.12.2019 09:58:12 Gelesen: 25032# 207 @  
Ich zeige eine Postkarte aus St. Petersburg nach Neapel aus dem Jahr 1892 mit Nummernstempel 1 von St. Petersburg. Der St. Petersburger Aufgabestempel datiert vom 9.6.1892 (julianischer Kalender) und der Ankunkunftsstempel von Neapel vom 25. (Gregoranischer Kalender). Interessant finde ich das auf der Rückseite der Absender im Text die beiden unterschiedlichen Kalendertage 8/20 April vermerkt hatte.



Gruss
Martin
 
volkimal Am: 22.12.2019 09:59:36 Gelesen: 24142# 208 @  
@ Martin de Matin [#207]

Hallo Martin,

eine schöne Karte! Das doppelte Datum im Text von Briefen oder Karten finde ich auch immer nett, da dadurch die unterschiedlichen Kalender besonders gut zu erkennen sind. Ein anderes Beispiel ist z.B. im Beitrag [#189] zu sehen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 22.12.2019 11:00:45 Gelesen: 24134# 209 @  
Hallo zusammen,

meine letzte Karte aus Griechenland kommt aus dem Jahr 1914:





Die deutsche Absenderin hat die Ostergrüße an ihre Schwester am 06.04.1914 (greg.) geschrieben und am selben Tag aufgegeben. Der Stempel ist dementsprechend vom 24.03.1914 (jul.). Sie schreibt unter anderem: „Die griech. Ostern sind eine Woche nach unseren“:



Wie man an diesem Satz sieht ist nicht nur das Datum der beiden Kalender unterschiedlich, auch die christlichen Feiertage sind anders. Die orthodoxen Weihnachten sind genau wie der Kalender um 13 Tage verschoben – in der orthodoxen Kirche wird Weihnachten am 6./7. Januar gefeiert.

Man könnte annehmen, dass oben im Stempel die griechische und unten die lateinische Schrift verwendet wurde. Das stimmt aber nicht. In diesem Fall gibt es dieselben Großbuchstaben bei beiden Schriften. Erst bei Groß- und Kleinschreibung sieht man den Unterschied:

Lateinische Schrift: KENTPIKON = Kentpikon
Griechische Schrift: ΚΕΝΤΡΙΚΟΝ = Κεντρικον

Κεντρικον bedeutet nichts anderes als „Zentral“. Es ist also ein Stempel vom Postamt Athen-Zentrum.

In Griechenland hat man den julianischen Kalender am längsten beibehalten. Erst am 16. Februar 1923 (jul.) = 01.03.1923 (greg.) erfolgte die Umstellung auf unseren Kalender. Einen Beleg aus dem Jahr 1922/23 suche ich noch. Seit 2008 gibt es Briefmarken der griechischen Mönchsrepublik Athos. Welcher Kalender dort im Stempel verwendet wird weiß ich noch nicht sicher.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 11.01.2020 11:30:38 Gelesen: 21767# 210 @  
Hallo zusammen,

in Rumänien galt bis zum 31. März 1919 (jul.) = 13. April 1919 (greg.) der julianische Kalender. In der Zeit davor habe ich bei Auslandspost bisher nur unser Datum bei den Poststempeln registriert. Hier ein Beispiel:





Der deutsche Absender der Karte hat zum Glück das Datum nach beiden Kalendern angegeben. Er hat die Karte am 14.09.1911 (jul.) = 27.11.1911 (greg.) geschrieben. Abgestempelt wurde sie einen Tag später mit dem Datum nach unserem Kalender, also am 28.11.1911 (greg.). Der Absender arbeitet am Knabenpensionat der evangelischen Gemeinde in Bukarest. Der Text ist ganz interessant. Er schreibt:

Am 14. September wurde die Schule eröffnet. 80 Kinder waren im Internat von überall her eingetroffen. Am Vormittage wurden die Stundenpläne diktiert – und am Nachmittage kam der Befehl aus dem Ministerium, dass alle Schulen des Landes wegen der Choleragefahr noch weitere 14 Tage geschlossen bleiben müssten. Bei den Kindern große Freude, bei uns desto mehr Ärger. Nur wenige reisten ab, gegen 65 blieben im Internate, deren Beschäftigung und Beaufsichtigung in diesen 2 Wochen sehr schwierig war.


Das Datum im Text (14. September) kann nur unser Kalender sein. Er beschreibt die 2 Wochen danach und hat die Karte am 14. September (jul.) geschrieben.

Viele Grüße
Volkmar
 
filunski Am: 12.01.2020 11:33:31 Gelesen: 21678# 211 @  
Hallo Volkmar, hallo zusammen,

kürzlich bekam ich ein kleines Brieflein, welches mich hauptsächlich wegen des mir völlig geheimnisvollen und nicht entzifferbaren Stempels faszinierte. Der Brief stammt aus Nepal und ist wohl innerhalb des Landes gelaufen:



Die nepalesische Herkunft erschloss sich mir nur durch die Briefmarken, das Jahr könnte 1956 oder etwas später sein (Briefmarke oben). Weder die Inschrift, Orts-, Landesangabe kann ich lesen (es ist wohl nicht Kathmandu?) und schon gar nicht das Datum. Mit Volkmars Buch bekam ich nur einzelne Ziffern heraus, aber weit entfernt davon ein bestimmtes Datum zu ermitteln. :-(



Volkmar kann da sicher weiter helfen! ;-)

Viele Grüße,
Peter
 
volkimal Am: 12.01.2020 14:55:03 Gelesen: 21617# 212 @  
@ filunski [#211]

Hallo Peter,

ein sehr schöner klarer Stempel - zumindest was das Datum betrifft. Es ist ein Datumsformat, das ich bisher nicht gesehen habe. Jahr, Monat und Tag sind mit Ziffern angegeben und durch einen senkrechten Strich getrennt. Im Stempel steht:

०१३ / ५ / ३० = 013 / 5 / 30 = 30.05.2013 VS = 14.09.1956 AD mit Hilfe das Datumsumrechners [1]

Besonders die Ziffer १ = 1 kann sehr unterschiedlich aussehen. Siehe dazu die Tabelle auf Seite 121 im Band 196.

Inzwischen kann ich mit Hilfe das Unicodes [2] so einige Zeichen erzeugen. Den Ort kann ich dennoch leider nicht herausbekommen, da der Stempel dort zu sehr verschmiert ist.

Das erste Zeichen ist eine Kombination aus drei Unicodes: त + े + ो = तेो - das müsste stimmen.

Beim zweiten Zeichen habe ich verschiedenes probiert. Das Ergebnis sind (zusammen mit dem ersten Zeichen) diese Möglichkeiten: तेोलो, तेोऌो, तेोलॊ, तेोऌॊ, तेोलौ, तेोऌौ. Wenn ich sie bei Google eingebe finde ich aber nichts.

Das letzte Zeichen ist so verschmiert, dass ich gar nichts machen kann.

Unten im Stempel steht हुलाक = Postamt.

Viele Grüße
Volkmar

[1] http://www.ashesh.com.np/nepali-date-converter.php
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Devanagari#Devanagari_in_Unicode
 
volkimal Am: 20.01.2020 21:35:03 Gelesen: 20363# 213 @  
Hallo zusammen,

zu meiner Frage, welcher Kalender innerhalb Rumäniens benutzt wurde erhielt ich von 10parale den entscheidenden Tipp. Die Antwort findet sich im Beitrag 273 beim Thema „Rumänien für Sammler“ https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ME=96699#M273

Heinz 7 schreibt dort: „In Rumänien galt weitherum noch bis 1919 der julianische Kalender, aber die Post verwendete ab 1.1.1865 den gregorianischen Kalender“. Auf der Suche nach einem entsprechenden Beleg fand ich bei Delcampe die folgende Karte. Den Preis von 6,- € halte ich aber bei der Erhaltung für übertrieben [1].





Die Postkarte wurde am 17. Oktober 1888 (jul.) in R. Sarat geschrieben und am selben Tag bei der Post aufgegeben. Der Unterschied der beiden Kalender betrug damals 12 Tage. Der Stempel entsprechend vom 29. Oktober 1888 (greg.).

Viele Grüße
Volkmar

[1] delcampe.net Suchwort: R.Sarat
 
volkimal Am: 08.02.2020 14:38:36 Gelesen: 18142# 214 @  
Hallo zusammen,

das Großfürstentum Finnland war seit 1809 ein mit einer weitgehenden inneren Autonomie ausgestatteter Teil des Russischen Reiches. Es entstand, nachdem das seit Jahrhunderten zu Schweden gehörende Finnland infolge mehrerer russisch-schwedischer Kriege an Russland abgetreten werden musste, und endete 1917 infolge der russischen Revolutionen in der Unabhängigkeit Finnlands.



Da Finnland zum russischen Reich gehörte stellt sich mir natürlich die Frage, welcher Kalender in Finnland galt. Bis 1980 gehörten über 90 % der Bevölkerung Finnlands der Evangelisch-Lutherischen Kirche an. Zur orthodoxen Kirche Finnlands zählten nur 1-2 % der Bevölkerung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in Finnland schon 1753 der gregorianische Kalender eingeführt wurde.

Diese Postkarte wurde am 28.12.1896 in Wyborg aufgegeben und erreichte das Ziel Helsinki am selben Tag. Das Datum ist natürlich nach dem gregorianischen Kalender, man kann es aber bei einer Inlandskarte nicht beweisen.



Wie man an der Postkarte sieht, gab es in Finnland drei offizielle Sprachen: Schwedisch (links), Finnisch (rechts) und Russisch (unten). Auch die Stempel aus der Zeit um 1900 waren dreisprachig. Die drei Ortsnamen beim Stempel sind in derselben Reihenfolge angegeben. 

Weitere Informationen zu den Stempeln siehe [1].

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=170605
 
Journalist Am: 16.02.2020 16:28:02 Gelesen: 17169# 215 @  
Hallo an alle,

ich bin mir nicht ganz sicher ob der folgende Scan hier am besten hinpasst, interessant ist aber die Schreibweise des Monats.



Dieser Stempelabschlag war auf einer Einschreibenpostsache aus Kirgisistan.

Viele Grüße Jürgen
 
volkimal Am: 16.02.2020 16:38:31 Gelesen: 17168# 216 @  
@ Journalist [#215]

Hallo Jürgen,

natürlich passt der Stempel hierhin. Es ist zwar kein fremder Kalender sondern unser gregorianischer Kalender. Der gehört natürlich auch zu diesem Thema.

Die Monatsangabe ist in der kirgisischen Sprache angegeben aber abgekürzt. Der Stempel ist vom 01. НОЯБРДАН 2019 = 01. November 2019.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 26.02.2020 20:59:46 Gelesen: 16027# 217 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit dem Kalender in Finnland:



Auf dieser Karte aus Finnland erkennt man gut, dass beim Stempel das Datum nach dem gregorianischen Kalender eingestellt ist. Die Postkarte wurde in Helsingfors aufgegeben und über St. Petersburg = С. Петербург nach Berlin geleitet. Helsingfors ist der schwedische Name von Helsinki.



Helsingfors = Helsinki, 10.02.92 (greg.)



С. Петербургъ = St. Petersburg, 30.01.92 (jul.), 5 Зксп. = 5 Экспед = 5. Expedition



Berlin Bestellt vom Postamte 64, 13.02.92 (greg.)

Die beiden Stempel aus Helsingfors und Berlin haben ein Datum nach dem gregorianischen Kalender. Der Stempel aus St. Petersburg zeigt das Datum nach dem julianischen Kalender. Man musste 1892 um 12 Tage von dem julianischen Kalender aus weiterzählen, um das Datum nach unserem Kalender zu erhalten: 30.01.92 (jul.) = 11.01.92 (greg.)

In Russland verwendete man 1892 den julianischen Kalender. Finnland gehörte damals zwar zum russischen Kaiserreich, man benutzte aber dennoch den gregorianischen Kalender.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 07.03.2020 16:48:49 Gelesen: 14971# 218 @  
Hallo zusammen,

2014 habe ich mit den unterschiedlichen Kalendern auf Philaseiten begonnen. Im Schaltjahr 2016 hat es nicht geklappt. Dieses Jahr habe ich zum Glück daran gedacht, mir am 29. Februar einen Brief zu schicken:



Gut, dass ich die Marken so aufgeklebt habe, dass 3 Stempel abgeschlagen werden mussten. So ist das Datum zumindest beim mittleren Stempel relativ gut zu erkennen.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 15.03.2020 11:12:14 Gelesen: 14354# 219 @  
Hallo zusammen,

leider habe ich diese Karte von Delcampe nicht bekommen.



Es ist eine Postkarte aus С. Петербург = St. Petersburg nach Turku (finnisch) = Abo (schwedisch) vom 2. November 1896.

Der Absender wollte das Datum nach beiden Kalendern angegeben. Er schrieb 2./13. November 1896. Dabei hat er aber nicht aufgepasst, denn der Unterschied der beiden Kalender betrug 1896 genau 12 Tage. Richtig wäre gewesen 2.11. (jul.) = 13.11. (greg.).

An diesen beiden Daten kann man gut erkennen, dass das Datum des Ankunftsstempels aus Turku vom 5.XI.96 nach dem julianischen Kalender sein muss. Die Karte kam also am 05.11.1896 (jul.) = 17.11.1896 (greg.) an.

Dieses ist bisher der einzige finnische Stempel nach dem julianischen Kalender den ich gesehen habe.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 05.04.2020 13:54:23 Gelesen: 12371# 220 @  
Hallo zusammen,

den julianischen Kalender beende ich vorerst einmal. Er galt zwar auch noch in anderen Gebieten z.B. in Serbien. Von dort habe ich aber bisher keine Belege. Heute möchte ich mit Folgendem beginnen:

Chinesische Gebiete unter japanischem Einfluss



Während des 2. Japanisch-Chinesischen Kriegs (1937 – 1945) besetzte Japan große Teile im Nordosten Chinas. Schon vorher kam es 1932 zur Bildung des japanischen Marionettenstaates Mandschukuo. Seit 1941 galt Mengjiang formal als autonomes Gebiet. In Mandschukuo und in Mengjiang gab es eigene Kalender. In den anderen besetzten chinesischen Gebieten wurde weiterhin der Minguo-Kalender benutzt. Bei Briefen ins Ausland kommt auch unser Kalender vor.



In den japanisch besetzten Gebieten wurden zunächst die chinesischen Marken weiterverwendet. Zum Beispiel bei dieser Postkarte aus Tsingtau (heute Qingdao) an Großvater von seiner Schwester Dora Matzat, die in Tsingtau als Missionarin arbeitete. Die Postkarte wurde mit der transsibirischen Eisenbahn transportiert und trägt einen Zensurstempel aus Berlin.



Der Stempel zeigt in diesem Fall das Datum nach dem Minguo-Kalender. Links vom Strich steht die Uhrzeit. Dann folgen Tag, Monat und Jahr. Man muss zur Jahreszahl nach dem Minguo-Kalender die Zahl 1911 addieren um unsere Jahreszahl zu erhalten. Der Stempel ist also vom 24.9.29 ROC = 24.09.1940 AD.
Zwischen dem Ortsnamen 青島 = Tsingtau in chinesischer Schrift steht oben noch das Zeichen „丁“ (ding). Es ist der vierte von zehn Himmelsstämmen und entspricht damit dem Unterscheidungsbuchstaben "d".



Erst 1941 gab es eigene Marken der japanischen Besatzer. Die linke Marke von 1941 hat den Aufdruck 山東 = Schantung (heute Shandong). Das ist die Provinz, in der Tsingtau liegt. Im Juni 1942 gab es dann gemeinsame Ausgaben für alle 5 japanisch besetzte Provinzen in China. Die rechte Marke hat dementsprechend den Aufdruck 華北 = Nordchina. Die Zeichen sind jeweils von rechts nach links zu lesen.

Nächstes Mal beginne ich dann mit einem schwierigen Kapitel: Die Kalender in Mandschukuo".

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 12.05.2020 21:34:16 Gelesen: 8831# 221 @  
Hallo zusammen,

wie beim letzten Mal angekündigt beginne ich heute mit den Stempeln in Mandschukuo. Es ist schwierig und zum Teil unmöglich, die verschiedenen Kalender in Mandschukuo richtig zuzuordnen. Zur Erklärung eine Übersicht über die verschiedenen Kalender in Mandschukuo:



Es gibt zwei verschiedene Kalender aus Mandschukuo. Bei beiden gibt es die Jahreszahlen von 1 bis 3. Zumindest bei Sonderstempeln aus Mandschukuo wurde zusätzlich das japanische Gengō-System benutzt. Bei den Sonderstempeln kommen die Jahreszahlen 7 bis 12 doppelt vor. Sie gibt es beim Kalender aus Mandschukuo und beim Gengō-System. Zusätzlich wurde vor allem bei Post ins Ausland auch noch unser Kalender benutzt.

Eine sehr gute Übersicht über die Marken und Stempel aus Mandschukuo findet ihr hier [1]. Dadurch ist es zumindest möglich, den Kalender bei den Sonderstempeln eindeutig zu bestimmen [2]. Eine eindeutige Zuordnung des Kalenders bei Stempeln mit den Jahreszahlen 1 bis 3 nach den Kalendern aus Mandschukuo ist häufig nicht möglich. Hier ein Beispiel:



Am Anfang hatten die Stempel meistens noch chinesische Ziffern wie bei diesem Exemplar. Der Stempel ist vom 11.1.3 (mand.). Tag und Monat stimmen mit unserem Kalender überein. Entsprechend der Tabelle kann der Stempel vom 11.1.1934 AD oder vom 11.1.1936 AD sein.

Manchmal hilft die Briefmarke weiter. Diese Marke ist auf normalem Papier ohne Wasserzeichen gedruckt. Sie stammt vom 26.07.1932 AD. Daher hilft sie bei der exakten Bestimmung des Jahres nicht weiter. In diesem Fall kann ich das Jahr nicht genau bestimmen.

Um Stempel aus den Jahren 1 bis 3 der Republik Mandschukuo (1932 bis 1934) eindeutig zu bestimmen muss entweder z.B. unser Datum auf einer Postkarte notiert sein oder der Beleg geht ins Ausland und hat einen weiteren eindeutigen Stempel. Solch ein eindeutiger Beleg fehlt mir bisher.

Viele Grüße
Volkmar

[1] allgemein: http://manchukuostamps.com/Postmarks.htm
[2] Sonderstempel: http://manchukuostamps.com/CommemorativeCancellations.htm
 
volkimal Am: 30.05.2020 11:25:18 Gelesen: 6922# 222 @  
Hallo zusammen,

am 01.03.1934 AD wurde der bisherige Staatspräsident Puyi zum „Kaiser von Mandschukuo“ gekrönt. Aus diesem Anlass erschienen in Mandschukuo vier Briefmarken. Sie zeigen den Kaiserpalast bzw. zwei Fenghuangs (Hôô-Vögel) vor Glückswolken. Der Fenghuang ist ein mythologischer Vogel und ein Glückssymbol in der chinesischen Kultur, das den südlichen Teil des Kaiser-Palastes beschützt. Unten auf der Marke sind zwei Sorghumhirsen abgebildet.

Das Zeichen in der Mitte des Ersttagsstempels steht für ein langes Leben. Rechts und links davon sind wieder zwei Fenghuangs zu sehen. Diesen Stempel gibt es aus ca. 180 Orten. Mein Exemplar kommt aus 哈爾濱 = Harbin. Oben im Stempel steht 登極紀念. Man kann es mit Gedenkfeier übersetzen. Sowohl dieser Text als auch der Ortsname sind von rechts nach links zu lesen.



Gleichzeitig mit der Kaiserkrönung begann in Mandschukuo eine neue Zeitrechnung. Als japanischer Marionettenstab hat man dieses typische japanische Prinzip auch in Mandschukuo übernommen. Als Stempeldatum ist angegeben „1.3.1.“. Links steht die Jahreszahl, in der Mitte der Monat und rechts der Tag. Die Tagesziffer war auswechselbar. Der Stempel kommt mit den Tagen 1, 2 und 3 vor.

Am Datum 1.3.1 (mand.) = 01.03.1934 AD erkennt man, dass sich das mandschurische Datum nur in der Jahreszahl von unserem Kalender unterscheidet. Tag und Monat stimmen mit unserem Kalender überein.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 08.06.2020 18:12:26 Gelesen: 5803# 223 @  
Hallo zusammen,

die ersten Freimarken aus Mandschukuo haben als Motiv eine Pagode bzw. das Bildnis vom dem Präsidenten und späterem Kaiser Henry Puyi. Insgesamt gibt es drei verschiedene Ausgaben dieser Freimarken:



1. Ausgabe, 26 Juni 1932, normales Papier ohne Wasserzeichen



2. Ausgabe, Januar 1934, Faserpapier mit Wasserzeichen



3. Ausgabe, November 1934, Faserpapier mit Wasserzeichen

Die 1./2. Ausgabe bzw. die 3. Ausgabe haben einen unterschiedlichen Text oben in der Marke.
1./2. Ausgabe: 滿洲國郵政 (5 Zeichen) = Postverwaltung von Mandschukuo
3. Ausgabe: 滿洲帝國郵政 (6 Zeichen) = Kaiserliche Postverwaltung von Mandschukuo
Die Bestimmung der Briefmarke kann bei Stempeln mit den Jahreszahlen 1 bis 3 weiterhelfen.





Dieses Pärchen wurde am 26.3 im ersten Jahr (Mand.) in einem Ort in der Provinz Fengtian abgestempelt. Der Name der Provinz Fengtian = 奉天省ist dabei von rechts nach links zu lesen. Als Stempeldatum kommen der 26.03.1932 (Republik Mandschukuo) oder der 26.03.1934 (Kaiserreich Mandschukuo) in Frage.
Die Marken haben normales Papier ohne Wasserzeichen, sie stammen also von der ersten Ausgabe vom 26. Juni 1932. Der Stempel ist aber schon vom März. Damit scheidet die Republik Mandschukuo aus und der Stempel muss aus dem Kaiserreich und vom 26.06.1934 AD sein.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 28.06.2020 10:20:13 Gelesen: 4379# 224 @  
Hallo zusammen,

es geht weiter mit zwei Beispielen aus Mandschukuo. Bei beiden Stempeln ist das Datum in chinesischen Ziffern angegeben.





Der Stempel auf dieser Briefmarke ist vom 九日.三月.二年= 9 Tag 3 Monat 2 Jahr = 9.3.2. (mand.). Das Datum kann entsprechend der Tabelle im Beitrag [#221] dem 09.03.1933 AD (Republik Mandschukuo) oder dem 09.03.1935 AD (Kaiserreich Mandschukuo) entsprechen. Die Briefmarke ist auf weißem Papier und hat oben 5 Zeichen. Damit gehört sie zur 1. Ausgabe vom 26.06.1932.

Das Stempeldatum ist nicht eindeutig zu bestimmen. Aufgrund des weißen Papiers ist es wahrscheinlicher, dass die Briefmarke am 09.03.1933 AD abgestempelt worden ist. Sie war aber auch noch am 09.03.1935 AD gültig.



Dieser Stempel kommt vom 五日.一月.三年 = 5 Tag 1 Monat 3 Jahr = 5.1.3. (mand.). Die Briefmarke ist auf Faserpapier und hat oben 6 Zeichen. Damit gehört sie zur 3. Ausgabe vom November 1934. Der 03.01.1934 (Republik Mandschukuo) scheidet also aus. Der Stempel muss vom 03.01.1936 AD = 3.1.3 (Kaiserreich Mandschukuo) sein.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 04.07.2020 12:46:26 Gelesen: 4069# 225 @  
Hallo zusammen,

spätere Stempel aus Mandschukuo sind häufig im japanischen Typ. Der Ortsname wird in chinesischen Zeichen angegeben. Für das Datum und die Uhrzeit werden unsere Ziffern verwendet. Beim Datum steht die Jahreszahl links. In der Regel wird dabei der mandschurische Kalender verwendet.



Stempel vom 30.1.4 (Kaiserreich Mandschukuo) = 30.01.1937 AD. Vor der Uhrzeit 8 – 12 steht das Zeichen „前“. Es ist das Zeichen für „vor“, „后“ das Zeichen für „nach“. Dieses entspricht dem „V“ für „vormittags“ bzw. „N“ für Nachmittags in deutschen Stempeln.



Postkarte mit eingedruckter Marke zu 2 Fen. Diese Karten erschienen in verschiedenen Ausführungen 1937/38. Der Text der Karte ist senkrecht geschrieben. Ich bin mir nicht sicher, ob es die chinesische, die mandschurische Schrift oder eine Mischung aus beiden ist. Die mandschurische Schrift gehört zur mongolischen Schrift.



Der Stempel ist vom 25.11.5 (Kaiserreich Mandschukuo) = 25.11.1938 AD. Leider ist der Ortsname nicht erkennbar.



Stempel vom 19.1.6 (Kaiserreich Mandschukuo) = 19.01.1939 AD.

Viele Grüße
Volkmar
 

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