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Thema: Vorphilatelie Schweiz
Das Thema hat 75 Beiträge:
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SH-Sammler Am: 18.03.2018 03:56:16 Gelesen: 6466# 51 @  
@ bayern klassisch [#50]

Hallo Ralph, guten Tag,

vielen herzlichen Dank für Deine wie immer hieb- und stichfesten Auslegungen der aufgelaufenen Brieftaxen. Immer schön Schritt für Schritt dargestellt, halt so, wie der Brief gelaufen ist. Wenn ich ehrlich bin, habe ich den Taxeintrag von "1/2 Batzen fremdes Porto" nicht gesehen, so wässerig, wie der Eintrag ist. Aber es macht Sinn, eigentlich alles so logisch. Jedoch nur, sofern "man" die Kenntnis aller Gegebenheiten hat.

Für mich heisst das: Lernen, weiter lernen und dranbleiben. Aber interessant ist es doch allemal, einen alten Brief von allen Seiten zu betrachten und sich in die "alten Zeiten" zurück zu versetzen.

Vielen Dank nochmals und schönen Sonntag wünscht

Hanspeter
 
SH-Sammler Am: 22.05.2018 05:47:46 Gelesen: 5787# 52 @  
Hallo,

nachfolgend ein Brief ins Großherzogtum Würzburg, welcher unscheinbar daherkommt und doch einige Fragen aufwirft.

Der Brief wurde am 13/7/1811 von Ludwig Blösch in Bern geschrieben und gleichentags nach Schaffhausen abgeschickt. Dort wurde der Brief gestempelt mit dem Einzeiler SCHAFHAUSEN (Wi. 3482a) und „per Spleiss & Pfister zu Schafhausen“ weiterspediert an C.A. Venino in Würzburg.





Eine Taxe von Bern nach Schaffhausen ist rückseitig unscheinbar mit 14 xer notiert, zusammen mit einem Schnörkel fco? für ein Teilfranko bis Schaffhausen. Die Höhe des Teilfrankos für die Strecke von Bern bis Schaffhausen deutet auf einen Fahrpostbeleg resp. auf einen Begleitbrief für eine Warenlieferung hin, da das übliche Franko nur 4 Kreuzer betrug.

Was mich zürst verwundert hat, ist die Datumsangabe 11 8/8 beim rückseitigen Adresszusatz „zu Schaffhausen“. Hat der Brief so lange benötigt, um per Fahrpost von Bern ins ca. 400 km entfernte Würzburg zu gelangen? Da muss man bedenken, dass das Strassennetz zu jener Zeit noch nicht so gut ausgebaut war wie heute. Ab Schaffhausen wurde das Porto von 2 Kreuzern (für Schaffhausen, bis zum Austauschbüro mit dem GHzt. Baden) notiert. Die Weiterleitung durch badensisches und württembergisches Gebiet in das Großherzogtum Würzburg kostete nochmals 15 Kreuzer, zusammen also noch 17 Kreuzer für das Handelshaus Venino. Diese 17 Kreuzer sind, im Vergleich zum Teilfranko ab Bern, doch wieder relativ günstig gewesen

meint SH-Sammler
Hanspeter
 
bayern klassisch Am: 22.05.2018 07:12:28 Gelesen: 5772# 53 @  
@ SH-Sammler [#52]

Hallo Hanspeter,

ein interessanter Brief aus schwieriger Zeit - mit meiner Katze auf dem Schoß wird alles noch ein bisserl schwieriger, aber ich will es versuchen.

Der Brief wurde innerhalb der Schweiz von Bern nach Schaffhausen unter Umgehung der Post verbracht. 14 Kreuzer kann ich nicht erkennen und es wäre auch zu viel von Bern nach dorthin.

Die Angabe 11/8 11/8 deute ich so, dass etwas am gleichen Tag verschickt und angekommen ist in Schaffhausen, aber das muss nicht stimmen.

Ab Schaffhausen kostete er 2 Kreuzer bis zur Grenze Badens, wobei ich auf die Schnelle nur weiß, dass 1811, als das Jahr deines Briefes, noch Taxis die Post übernehmen durfte und eine badische Taxe kann ich nicht entdecken.

Demnach für die Taxispost 15 weitere Kreuzer bis zum Empfänger Venino in Würzburg, dort korrekt auf 17 Kreuzer addiert. Der Brief dürfte einfach gewesen sein und bis 1/2 Loth gewogen haben.

Schönes und seltenes Stück.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
SH-Sammler Am: 22.05.2018 09:48:59 Gelesen: 5754# 54 @  
@ bayern klassisch [#53]

Hallo Ralph,

danke für Deine Antwort. Danke auch, dass Du Dich mit diesem Brief beschäftigst.

Bei der ersten Abbildung der Rückseite steht das Datum 13 / 7 plus das Jahr 11. Direkt unter der Zahl 7 steht doch eine weitere Zahl, es könnte 14 oder auch 19 sein, und dahinter das Zeichen xer für Kreuzer. Daher meine Annahme, dass es sich um einen Teilfrankobrief handelt.

Ob der Brief nun mit Fahrpost oder inoffiziell nach Schaffhausen kam, kann ich nicht sagen. Das Datum 8 / 8 des Jahres 1811 ist das Eingangsdatum beim Handelshaus Venino. Die offizielle Post an Schaffhausen dürfte den Brief in 2 - 3 Tagen nach Würzburg spediert haben.

Siehst Du das nicht auch so ?

fragt sich

Hanspeter
 
bayern klassisch Am: 22.05.2018 12:41:44 Gelesen: 5742# 55 @  
@ SH-Sammler [#54]

Hallo Hanspeter,

ich lese 13.7.1811 und 19.7.1811. Das erste Datum wird für den Versandtag stehen, das zweite Datum für den Erhalt. Vermutlich hat man das Schreiben am 8.8.1811 erst beantwortet, wenn ich es mir genau ansehe.

Mit Fahrpost hat dein Brief gar nichts zu tun - bei einem geschätzten Gewicht von 8 g wäre das auch sinnlos gewesen und Wertangaben sind keine vorhanden.

Hinten kann ich keine 14 Kreuzer erkennen - die Postaufgabe erfolgte ja erst weit weg von Bern in Schaffhausen und was einer für den Transport von Bern nach Schaffhausen bekommen hat, steht nie auf der Briefrückseite drauf (vlt. innen, aber auch das nicht immer).

Liebe Grüsse,
Ralph
 
SH-Sammler Am: 22.05.2018 13:20:42 Gelesen: 5735# 56 @  
@ bayern klassisch [#55]

Hallo Ralph,

nochmals Dank für Deinen Input. Deine Version der Zahl 19 (von mir auch als 14 gedeutet) macht mehr Sinn.

Viele Grüsse

Hanspeter
 
SH-Sammler Am: 29.05.2018 10:35:44 Gelesen: 5364# 57 @  
Hallo,

hier ein weiterer Brief vom schweizerischen Zurzach nach Francomont (siehe auch Beitrag [#49]).

,

Teilfrankobrief vom 9. Dez. 1825, abgehend aus dem aargauischen ZURZACH über Schaffhausen nach Francomont, par Liege en Belgique mit bezahlter Teilgebühr „franco frontiere par Schaffouse“.

Leitweg:

Zurzach – Schaffhausen – im geschlossenen Transit bis zur Grenze Preussen/Niederlande – Francomont.

Stempel:

ZURZACH, Langstempel Wi. 2392, Stempellänge 32,5mm, rot. Dieser Stempel wurde ab 1823 eingesetzt.

Hinweise und Zahlen auf dem Brief:
Oben links in der Taxzahl 11 steht die Gewichtsangabe ½ (Loth) für einen einfachen Brief bis 7.8 g.

Taxierung:

Rückseitige Taxangaben sind angegeben mit 10 Kreuzern ab Zurzach bis Grenze Schaffhausen – GHZt. Baden (für „doppelten“ Brief), jedoch korrigiert zu 6 Kreuzern für 1-fachen Brief mit ½ Loth (7,8g) Gewicht. Der Grund der Korrektur könnte darin liegen, dass Baden mit einem leicht abweichenden Gewicht pro Loth rechnete.

Anscheinend lief der Brief im geschlossenen Transit bis zur niederländischen Grenze, da weder vom GHZt. Baden noch von der T&T-Post weitere Taxvermerke notiert sind. Erst beim Grenzbüro von der preussischen zur niederländischen Post wird in roter Tinte die Taxe 7½ (Gutegroschen) notiert und der Brief so der Niederländischen Post übergeben.

7½ Gutegroschen teilen sich auf in 3 Ggr = 12x-er für Preussen und 3 Ggr = 12x-er für T&T sowie 1½ Ggr = 6x-er für die Schweiz, Zwischentotal 30 Kreuzer.
Die Niederländische Post hat die 7½ gestrichen und setzte das Gesamtporto für den Empfänger in der holländischen Südprovinz auf 11 Décimes an, welche vom Empfänger eingezogen wurde.

Ich hoffe, dass ich mit der Erklärung der Brieftaxe nicht allzu weit daneben liege. :-) Ansonsten bitte ich um Hinweise und Korrekturen, welche wiederum allen Lesern zukommen.

Viele Grüsse

SH-Sammler
Hanspeter
 
bayern klassisch Am: 29.05.2018 14:25:33 Gelesen: 5336# 58 @  
@ SH-Sammler [#57]

Hallo Hanspeter,

gemeinsam sind wir stark!

Es gab oben links keine Gewichtsangabe, sondern nur eine "3" - wofür diese auch immer stand (3 Stuiver Inlandsporto?).

Ich weiß nicht, ob hier noch nach Gutengroschen, oder nicht schon nach Silbergroschen berechnet wurde; 7 1/2 Gutegroschen waren gut 30 Kreuzer, während 11 Decimes keine 32 Kreuzer waren. Von daher hätte die niederländische Post (Belgien gab es ja erst seit 1830/31) keine 2 Kreuzer netto für ihren Brief bekommen, was ich nicht glauben kann.

Rechnete man aber die 7 1/2 als Silbergroschen (Faktor 3,5 zum Kreuzer zum besseren Verständnis für uns süddeutsche bzw. schweizerische Sammler), dann kommen wir auf ca. 26 Kreuzer, womit für die Niederlande die Differenz von ca. 6 Kreuzer ein realistisches Porto darstellen würde. Ich denke aber, dass wenn das Jahr 1825 stimmt, es Stuiver waren und keine Decimes, die es erst nach der Gründung von Belgien dort gab. Noch 1829 gab es Stuiver und Gulden dort:

1 Gulden = 20 Stuiver = 100 Cents = 213,5 französische Centimes. Mit 11 Stuiver hätten wir also ca. 11 1/2 Decimes vor uns.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
SH-Sammler Am: 30.05.2018 08:47:30 Gelesen: 5261# 59 @  
@ bayern klassisch [#58]

Hallo Ralph, grüss Dich,
Hallo Freunde der Vorphilatelie, willkommen in diesem Beitrag.

Erstmals herzlichen Dank zum vorhergehenden Beitrag [#58]. An die neue Währung Silbergroschen habe ich nicht gedacht. Aber so geht die Rechnung doch eher auf.

Ich habe noch mehrere Briefe aus der Vorphilatelie, welche ich hier nach und nach zeigen möchte. Vorphilatelie hat immer auch mit Geschichte zu tun, mit dem Leben unserer Vorfahren, mit unseren Wurzeln. So auch der nachfolgende Brief.

,

Brief von Johann Jacob Im Thurn, Vogtherr zu Büsingen, an das Hochwohllöbliche Königl. Württembergische ???Land???-Amt zu Rottweil, datiert Schaffhausen, den 18. April 1807. Der Brief trägt vorderseitig einen schlechten Abschlag des Ovalstempels „Schweitzer Auslag von Schaffhausen“, welcher bisher nur in den Jahren 1806 bis 1808 registriert ist. Im Auslag – Stempel wurde das Porto eingetragen, welche die absendende Postverwaltung vom Empfänger zu Gute hatte. Hier wurden zürst 2 Kreuzer (bis Grenze), dann 4 Kreuzer im Stempel eingetragen.



Die Im Thurns waren eine der wichtigen Patrizierfamilien von Schaffhausen. Allerdings zerstritten sie sich mit anderen hochgestellten Familien der Stadt. Diese Streitigkeiten hatten Auswirkungen bis in die Neuzeit und sind mit ein Grund dafür, dass die Büsinger den Schaffhausern nicht trauten und unter der Obhut des Klosters zu Konstanz blieben. Anderseits wollten die Schaffhauser den Büsingern kein Geld geben, um sich vom verarmten Abt zu Konstanz freikaufen zu können. Da Konstanz jedoch zum Kaiserreich Deutschland gehörte, blieb auch Büsingen eine deutsche Ortschaft (und ist es heute noch), umgeben von Schaffhauser = Schweizer Gebiet.

Bitte: Kann mir jemand aus dem Kreis der Leser die Adresse ergänzen? Ich seh’s einfach nicht, welches Amt hier angeschrieben wurde. Noch interessanter wäre eine „Übersetzung“ des ganzen Textes, aber da will ich mal nicht übertreiben.

Vielen Dank

SH-Sammler
 
bayern klassisch Am: 30.05.2018 13:54:49 Gelesen: 5231# 60 @  
@ SH-Sammler [#59]

Hallo Hanspeter,

es war das Wirtembergische Kreis - Amt.

1807 darfst du nicht mehr von kaiserliche sprechen - der Kaiser hatte 1806 dank Napoleon abgedankt und kam erst 1871 wieder (allerdings in kleindeutscher Lösung).

Inhalt:

Hochlöbliches Kreis-Amt!

Beiliegend habe ich die Ehre die in der Signatur des 29. März eingeforderten tabellarischen Verzeichniße der reformirten Geistlichen Pfarr Dienste und der Schul-Lehrer-Stelle zu Bueßingen nach vorgeschriebener Form einzusenden, indem ich mich übrigens auf die schon unter dem 4. ?? in dieser Rücksicht ertheilten Auskunft beruffe.

Mit vollkommenster Hochachtung verharrend
Eines Hochlöblichen Kreis-Amtes
Schaffhausen, den 18ten April 1807
Dienstergebenster
Joh. Jcb. Jm Thurn Vorgtherr zu Bueßingen

praesentirt d. 21. April

d. 26. April berichtet u. eingeschikt

Liebe Grüsse,
Ralph
 
SH-Sammler Am: 30.05.2018 17:22:50 Gelesen: 5208# 61 @  
@ bayern klassisch [#60]

Hallo Ralph,

danke für Deine Übersetzung, sehr nett von Dir.

Ich habe zuerst an das Kriegs - Amt gedacht, aber dann verworfen, weil zwischen Schaffhausen und Rottweil diesbezüglich nichts mehr lief. Das war im Mittelalter noch anders, als Rottweil ein Verbündeter mit Schaffhausen war und mit Schaffhausern zusammen ins Feld (der Ehre) zog.

Anderseits merke ich, dass ich noch besser DEUTSCH lernen muss. :-)

Liebe Grüsse

Hanspeter
 
bayern klassisch Am: 30.05.2018 19:02:52 Gelesen: 5195# 62 @  
@ SH-Sammler [#61]

Hallo Hanspeter,

keiner kann alles in der Currentschrift lesen; vor kurzem war hier ein Link gepostet worden, der suggerierte, dass ein PC - Programm nach Anlernen das kann. Ich glaube es nicht, aber ich bin auch ein Computer - Trottel, der nichts kann und nichts weiß. Da verlasse ich mich lieber auf das händische Lesen zahlloser Briefe - das schult wirklich, aber halt einen selbst, nicht ein Computerprogramm, das eh keiner auf dem Tauschtag dabei hat.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Fips002 Am: 01.06.2018 11:34:41 Gelesen: 4985# 63 @  
Von mir ein Faltbrief von Fribourg, 22.November 1847 nach Landeron, Eingang 23.November 1847.

Zu den Postgebühren kann ich leider nichts sagen.





Gruß Dieter
 
SH-Sammler Am: 01.06.2018 15:54:09 Gelesen: 4948# 64 @  
@ Fips002 [#63]

Hallo Dieter,

dieser Brief ist viel interessanter, als er ausschaut. Er wurde nur 4 Tage vor dem Ende des letzten in der Schweiz ausgetragenen Krieges, des Sonderbundkrieges (3.11. bis 28.11.1847) geschrieben. Vor allem der Kanton Fribourg (Freiburg) war einer der treibenden, konservativen Kantone, die keine politischen Änderungen wollten. Die meisten Kantone sahen das jedoch anders. In den meisten Kantonen (auch in den konservativen Kantonen) wurde nach dem Ende des Sonderbundkrieges durch Abstimmungen eine neue Verfassung angenommen und daraufhin im Jahr 1848 der Bundesstaat, die Schweizerische Eidgenossenschaft ausgerufen.

Wegen dem Sonderbundkrieg wird im Brief denn auch von Soldaten geschrieben, welche „diesen Morgen abgereist“ sind. Genützt hat es den Konservativen zwar nichts mehr, dafür hast Du ein interessantes Zeitdokument.

Der zweite interessante Punkt ist der Stempel „Route de Payerne“. Diese Art von Stempel ist nur in der Schweiz anzutreffen. Sie dienen, wie die normalen Ortsstempel auch, als Herkunftsnachweis, da viele kleine Orte damals noch keine Postablage hatten.

Der Ovalstempel „Route de Payerne“ ist bei Winkler (Vorphilateliebuch) mit der Nummer 4045 registriert und kam ab 1843 bis 1850 vor. Er wird mit 8 von 13 Punkten als „ziemlich seltener Stempel“ aufgeführt. Er wird auf Briefen abgehend in Payerne in Richtung Bern aufgebracht.

Nun zum Brief selbst. Er wurde im kleinen Ort Montagny (südöstlich von Payerne) in der Nähe des Murtensees geschrieben und wurde nach Payerne gebracht, lief dann über die Städte Fribourg und Bern nach Le-Landeron am Bielersee.

Die Taxierung sieht folgendermassen aus:

Die Freiburger Post schrieb 4 Kreuzer an bis Bern. Das war die Taxe für 6 bis 12 Wegstunden ab Payerne. Bern schrieb für sich 2 weitere Kreuzer an. Da Le-Landeron jedoch im Kanton Neuenburg liegt, kam der Tarif Bern – Neuenburg zum tragen, der wiederum bei 4 Kreuzern lag. Zwei Mal je 4 Kreuzer = 8 Kreuzer, die 8x entsprachen 2 Batzen = 20 Rappen.

Gruss

SH-Sammler
Hanspeter
 
Fips002 Am: 03.06.2018 11:36:58 Gelesen: 4870# 65 @  
@ SH-Sammler [#64]

Hallo Hanspeter,

recht vielen Dank für Deine Erläuterungen zum Brief und zu den Taxierungen.

Gruß
Dieter
 
SH-Sammler Am: 13.06.2018 18:23:29 Gelesen: 4590# 66 @  
Hallo,

wie im Beitrag [#59] versprochen warte ich mit einem weiteren Brief aus der Vorphilatelie auf.

Der Porto-Brief wurde am 14. 8ber 1829 in Buchs (bei Aarau) geschrieben, in Aarau aufgegeben und via Brugg nach Schaffhausen spediert. Von dort wurde er mit dem Gesamtporto 9 Kreuzer in das kleine Landstädtchen NEUNKIRCH weitergeleitet.
Die Monatsangabe 8ber, aber auch 7ber wurde im französisch sprechenden Raum um 1800 oft verwendet und steht für Oktober resp. September. Die Zahlen 7, 8, (auch die 9 für November und 10 für Dezember) sind der lateinischen Sprache entnommen. Sie stehen für Sebt, Okto, Nove, Dieci = Deca. Bei den Monaten Januar bis August kenne ich allerdings keine entsprechenden Zahlen.

,

ARAU, Stempel 2002 bei Winkler, verwendet ab 1818 bis nach 1832.
Spezielle Hinweise: Die beiden A sind unterschiedlich ausgerichtet. Einige Stempel mit der alten Schreibweise Arau wurden bis ca. 1850 so verwendet.

Taxierung: 3 Kreuzer für einen Brief der Gewichtsklasse ½ - 1 Loth bis zum Austauschbüro mit der Schaffhauser Post in Brugg. Von dort weitere 3 Kreuzer bis Schaffhausen. Dort wurde die innerkantonale Taxe, erneut 3 Kreuzer dazugerechnet = Gesamttaxe 9 Kreuzer in blau vorderseitig notiert. Ein einfacher Brief bis ½ Loth hätte pro Teilstrecke nur jeweils 2 Kreuzer gekostet.

Gruss

SH-Sammler
Hanspeter
 
SH-Sammler Am: 19.08.2018 10:25:35 Gelesen: 2836# 67 @  
Hallo,

nachstehend wieder mal 2 Belege aus der Vormarkenzeit, beide im Jahr 1835 von Schaffhausen nach Cannstatt versandt.

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Interessant ist hier, dass der eine Brief ein Frankobrief, der andere dafür ein Portobrief war.

Beide Briefe sind an Carolin Neher, der Tochter eines Grossindustriellen der damaligen Zeit, gerichtet.

Taxierung des ersten Briefes: Rückseitig sind 10 (Kreuzer) angeschrieben, wovon 2x Schaffhausen zustand. Vorderseitig ist noch der Botenlohn mit 1 Kreuzer in rot geschrieben.

Taxierung des zweiten Briefes: Zu sehen ist die blaue 2, dem Anteil für Schaffhausen. Dann die rote 8, total 10 Kreuzer für "die Post". Auch hier wurde das Porto um einen Kreuzer erhöht, damit auch der Postbote seinen Lohn erhielt.

Im Weiteren ist rückseitig bei beiden Briefen der Zweizeiler Cannstatt als Ankunftstempel aufgebracht.

Gruss

SH-Sammler
Hanspeterä
 
SH-Sammler Am: 14.10.2018 15:58:46 Gelesen: 1657# 68 @  
Hallo,

ich habe hier einen Brief vor mir, bei welchem ich den Leitweg und die Taxierung nachvollziehen möchte. Dazu brauche ich jedoch Eure Hilfe und trete mit einer Frage zum Auslage Stempel an Euch heran.

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Portobrief von Schaffhausen nach Neukirchen bei Adorf, KR Sachsen vom 22. Febr. 1825.

Meine bisherigen Gedanken:

Der AUSLAGE – Stempel müsste meines Erachtens von Augsburg ??? sein, damit die eingetragene Taxe von 10 Kreuzern stimmen kann. Sicher bin ich jedoch nicht und bitte die Spezialisten unter Euch, mir das zu korrigieren resp. zu bestätigen. Eine Abbildung des Stempels finde ich weder in der Stempel Datenbank noch in meinen Büchern der Postgeschichte Schweiz – “Deutsche Staaten”.

Der Brief müsste ab Schaffhausen über Stockach – Augsburg – Nürnberg – Hof nach Neukirchen bei Adorf transportiert worden sein. Im Auslag – Stempel wurde die bevorschusste Taxe von 10 Kreuzern notiert. Davon gingen 2 Kreuzer an Schaffhausen und 8 Kreuzer an die badensische Staatspost.

Von Augsburg bis Hof (30 Meilen = 10 Kreuzer bayrischer Generaltarif ab 1.12.1810) kostete der Brief sicher nochmals 10 Kreuzer, zusammen 20 Kreuzer. Diese wurden umgerechnet zu 4½ GuteGroschen, notiert in rot. Bis Neukirchen zählte die sächsische Post noch 1 GuteGroschen dazu. Der Empfänger hatte also 5½ GuteGroschen zu bezahlen.

Ich hoffe, dass meine Annahmen stimmen, sonst bitte korrigieren.

Für Eure Mithilfe meinen herzlichen Dank.

SH-Sammler
Hanspeter
 
bayern klassisch Am: 14.10.2018 17:51:51 Gelesen: 1641# 69 @  
@ SH-Sammler [#68]

Lieber Hanspeter,

ein interessanter Brief, bei dem ich jedoch so einiges korrigieren muss:

Schaffhausen 2 Kreuzer
Baden 8 Kreuzer
........................
10 Kreuzer Auslage in Nürnberg, weil Baden ein Briefepaket gefertigt hat mit fremden und eigenen Briefen nach und über Nürnberg.

Nürnberg öffnete dieses Paket und notiert das Porto bis zur bayerischen Grenze von 10 Kreuzern in typischer blauer Tinte und schlug darauf den Auslagestempel ab.

Darunter notierte Nürnberg das Sonderporto von 8 Kreuzern für den Transit Schweiz - Sachsen via Bayern (dieses Sonderporto hatte mit Baden gar nichts zu tun!) von der badisch-bayerischen Grenze bis zur bayerisch-sächsischen Grenze.

Demnach ging der Brief Richtung Hof, wo er mit 18 Kreuzern total belastet der sächsischen Post überstellt wurde.

18 Kreuzer entsprachen den oben links notierten 4 1/2 Gutengroschen - dazu kam das sächsische Porto von einem Gutengroschen, so dass der Empfänger total 5 1/2 Gutegroschen zu zahlen hatte (nur Sachsen notierte hin und wieder grüne Porti).

Der Brief war in Schaffhausen, Baden, Bayern und Sachsen einfach (bis 8,75 g).

Liebe Grüsse,
Ralph
 
SH-Sammler Am: 15.10.2018 14:51:48 Gelesen: 1595# 70 @  
@ bayern klassisch [#69]

Lieber Ralph,

vielen Dank für Deine Erklärungen. Ich werde den Brief mit Deiner Beschreibung so ablegen.

In meinem Buch der Vorphilatelie Schweiz sind wohl die Postverbindungen nach Bayern erklärt, einen Hinweis zum Sondertarif bei transitierenden Briefen fand ich jedoch nicht. So habe ich die Postroute nach Distanzabschnitten aufgeteilt und versucht, die Taxen diesen Abschnitten zuzuordnen.

Was ich im ersten Beitrag bei der Briefbeschreibung noch vergessen hatte zu erwähnen: Auf der Brief-Rückseite sind keine Stempel aufgebracht. Dies deutet doch darauf hin, dass der Brief in einem Paket, wie von Dir beschrieben, spediert wurde.

Ich habe noch ein paar wenige Briefe aus der Vormarkenzeit, die ich Schritt für Schritt beschreiben möchte. Briefe mit komplizierten Leitungen sollten keine mehr dabei sein. Und sonst? Du weisst es selbst: Nicht verzagen, Ralph fragen!

Nochmals herzlichen Dank für Deine Hilfe.

Liebe Grüsse
Hanspeter
 
bayern klassisch Am: 15.10.2018 15:14:57 Gelesen: 1592# 71 @  
@ SH-Sammler [#70]

Lieber Hanspeter,

immer gerne - ich freue mich auf deine vormarkenzeitlichen Briefe und hoffe, wenn notwendig, auch dort weiterhelfen zu können.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
SH-Sammler Am: 06.11.2018 04:46:56 Gelesen: 1004# 72 @  
@ bayern klassisch [#71]
@ geschätzte Leserschaft

Hallo,

nachfolgend stelle ich einen eher unscheinbaren Brief aus Schaffhausen vor, der sich erst bei näherer Betrachtung als interessant erweist.

FORWARDED LETTER von STUTTGART mit Postaufgabe in Schaffhausen und Weiterleitung nach Fribourg (Schweiz) am 17. 4 1846.

Rundstempel Schaffhausen, Nachmittag plus PD im Oval, alle von Schaffhausen aus der Thurn und Taxis Zeit.





Francobrief mit Geldinhalt von “11 Ƚsse” / “7 Bz.” an den bekannten Apotheker Götz in Fribourg.

Rückseitig Distributionsstempel von Fribourg. Der Betrag von “11 Livre Suisse” / 2½ Batzen war vorgesehen für 25 “Sachar saturni” plus 4½ Batzen für eine Transportkiste.

Taxe: Rückseitig sind 2 Kreuzer in typisch blauer Tinte von Schaffhausen notiert plus 6 Kreuzer, ebenfalls durch die Schaffhauser Post, geschrieben.

Gemäss Vertrag zwischen Bern und T&T, gültig ab 1. 05. 1835 bis 14. Oktober 1852, kosteten lokale Briefe ab Schaffhausen 4 Kreuzer, bei Briefen bis 1 Loth plus 50% = 6 Kreuzer. Zu guter Letzt hat (wahrscheinlich) Fribourg noch 1 Sols in brauner Tinte für sich notiert.

Weiss jemand aus der geschätzten Leserschaft, was mit der Ware “Sachar saturni” gemeint ist? Oder lese ich das falsch?

Weder Wiki noch andere Übersetzungshilfen im Internet geben Aufschluss zu dieser Bezeichnung.

Ich bin gespannt auf Eure Antworten.

Grüsse

SH-Sammler
Hanspeter
 
volkimal Am: 06.11.2018 08:47:35 Gelesen: 987# 73 @  
@ SH-Sammler [#72]

Hallo Hanspeter,

du liest es nicht falsch. Insgesamt steht dort "Sachar. saturni albiss. opt.".

Ich kann zwar mit den Ausdrücken nichts anfangen, aber sie tauchen öfter in alten medizinischen Werken auf. Du findest verschiedene Werke dazu bei Google-Books. Zum Beispiel:



Auszug aus D. David Friedels:, Leipzig und Rostock : Fritsch, 1727:
Expediter Und Bewährter-Medicus Welcher Wieder alle, so wohl inn- als äusserliche Kranckheiten...

Am besten Du gehst einmal in eine Apotheke und fragst dort nach.

Viele Grüße
Volkmar
 
bignell Am: 06.11.2018 17:47:32 Gelesen: 956# 74 @  
@ SH-Sammler [#72]

Hallo Hanspeter,

Saccharum Saturni = Bleizucker [1]

Lg, harald

[1] https://www.textlog.de/medizin-bleizucker.html
 
SH-Sammler Am: 07.11.2018 02:53:59 Gelesen: 925# 75 @  
@ bignell [#74]
@ volkimal [73]

Hallo Harald, hallo Volkmar,

vielen Dank für Eure Erklärungen. Ich habe den Zucker (Sacharin) einfach nicht so einstufen können, dass man davon Kistenweise von Fribourg nach Stuttgart karren musste. Dass es eine "Medizin" war, welche man beim Apotheker bestellte, war mir hingegen klar.

Ich möchte in jenen Tagen nicht krank gewesen sein. Anderseits hoffe ich, dass es heute besser ist, wer weiss.

Liebe Grüsse

Hanspeter
 

Das Thema hat 75 Beiträge:
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