Neues Thema schreiben   Antworten     zurück Suche   Druckansicht  
Thema: Die Magdeburger Packkammer bis 1875
Magdeburger Am: 01.05.2015 17:35:19 Gelesen: 9951# 1 @  
Liebe Sammelfreunde,

mein Hauptbeschäftigungsfeld ist die Paketbearbeitung in Magdeburg. Ich möchte versuchen, das ein wenig schwierige Thema zeitlich darzustellen. Weiterhin gebe ich Informationen zu Personen und Orten, welche das eine oder andere zeigen.

Magdeburg wurde erstmals 805 urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich aus Magd und Burg ab. Das Stadtwappen erinnert noch heute an die Namensgebung. Eine Marke aus der DDR vom Jahre 1984 zeigt dieses.



Bis zum Ende des 30jährigen Krieges gab es maximal eine städtische Botenpost. Der erste überlieferte Name ist Peter Schütz im Jahre 1644. Als erstes Posthaus wird das Brauhaus "Zum Lindwurm", Breiter Weg 141, genannt. Bekannt ist, dass der Kämmerer Ebeling Alemann Mitte des 16 Jdh. den Buchdrucker Michael Lotther von Wittenberg nach Magdeburg holte. Wahrscheinlich wurde es während des 30jähren Krieges zerstört, da es laut Aktenlage, 1648 eine wüste Stelle war. 1654 wurde das Haus an den zweiten kurbrandenburgischen Postmeister Jobst Böckmann (ab 02.01.1858) vermietet. Er war auch der letzte städtische Postmeister.

Der Buchhändler Jacob Fricke mietete im Eckladen im gleichen Hauses. Post und Buchladen führten 1664 zur Gründung der "Magdeburgischen Zeitung" und somit zu einen Erstarken des Postwesen.

Der erste kurbrandenburgische Postmeister war Hans Ohage ab 1651.

1666 kam es zur Zwangsvereinigung beider Postämter.

Ehe es jetzt zur Zeitüberschreitung kommt, erst mal ins Forum.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 01.05.2015 17:39:22 Gelesen: 9949# 2 @  
Liebe Sammelfreunde,

ich bitte Fragen zum zeitlichen Rahmen zu stellen, da sonst die angestrebte Chronologie verloren geht. Eventuell könnte man zum Thema auch einen entsprechendes Frage-Thema aufmachen.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 04.05.2015 17:43:12 Gelesen: 9892# 3 @  
Liebe Sammelfreunde,

heute mal etwas längeres:

Jobst Böckmann war bis zum 22.11.1666 Postmeister. Sein Nachfolger war Justus Bulcke. So schreibt er u.a. in einem Brief

an "Dem HohlEdlen Vest= und Hochbenambten Herrn Michael M a t h i a ß e n , Churfürstl. Dhl. Zu Brandenburg pp Hochbestalten AmtsCammerRath und HoffRenthmeister pp. Meinen großgeneigten Herrn und mächtigen Patron"

"wohnte ich in einem großen Gasthoff, genöße Wirthschaft und außspannung, tractirte die Paßagire, schenkte Bier, darauff billig zu andworten habe, daß zu der Zeit daß große Haus, weil ich am Breiten Wege kein anderes bekommen kont wieder meinen willen conduciren, und davor 120 Rtlr miethe versprechen müßen, welche ich doch mit großem Schaden abtrage"

Über seine (und vorallen postalischen) Situation schreibt er noch:
"Die Clevisch als reitende bringet keine (Passagiere - von mir jetzt eingefügt) mitsich, die Halbersteder und Helmsteder, wenn mit solchen ja noch etzliche komen und künfftig mit der Berlinischen Post fortreysen sollen, auch hingegen so von Berlin mit der Post ankommen und nach Halberstadt wollen, von einen Wagen ab= und den anderen aufsteigen, und also keine Zeit haben zu speisen. Der Leipziger und Hamburger Bothe clagen nicht geringe über unsere Gutzscher, daß wegen Sie ganz leer fahren müßen, und conseqventer ich meine darauff zugerichtete Speise nicht bezahlt bekomme. Der Wittenbergsche Gutzscher und Bothe, welcher die meisten Paßagire bringet und mit wegnimmt, legt in güldenen Arm ab, davon habe ich gar keinen genus "

Ein wichtiges Jahr ist dann 1668, wo in der Nähe des Domes ein kurbrandenburgisches Posthaus für die Summe vom 743 Thaler 18 Gute Groschen 10 Pfenninge gekauft wurde.

(Für die, die es interessiert, mal die komplett Vertragsanschrift):

Wir Friderich Wilhelm, von Gottes Gnaden Marggraff zu Brandenburg, des Heyligen Römischen Reichs ErtzCämmerer und Churfürst, in Preußen, zu Magdeburg, Jülich, Cleve, Berge, Stettin, Pommern, der Caßuben und Wenden, auch in Schlesien, zu Croßen und Jägerndorff Hertzog, Burggraff zu Nürnberg, Fürst zu Halberstadt, Minden und Cammin, Graff zu der Margk undt Ravensberg, Herr zu Rabenstein und der Lande Lauenburg undt Bütow thun kund:
Nachdem auff Unsern gnädigsten Befehl mit Frantz Ernst von Mynsicht zu Uhrendorff, Senioren Unseres Collegiat Stiffts Nicolai zu Magdeburg, wegen der von Ihm mit Consens Unseres Capituls daselbsten auff gewiße maaß erbauten Wohnung zu behufs eines Posthaußes, ein gewißer Contract auff Unsere gndste Ratification, abgehandelt undt beschloßen worden, welcher von Wort zu Wort lautet, wie folget:
Zu wißen, Demnach der Durchlauchtigste Fürst undt Herr, Herr Friderich Wilhelm Marggraff zu Brandenburg, des Heyligen Römischen Reichs ErtzCämmerer und Churfürst, in Preußen, zu Magdeburg, Jülich, Cleve, Berge, Stettin, Pommern, der Caßuben und Wenden, auch in Schlesien, zu Croßen und Jägerndorff Hertzog, Burggraff zu Nürnberg, Fürst zu Halberstadt, Minden und Cammin, Graff zu der Marck undt Ravensberg, Herr zu Rabenstein und der Lande Lauenburg undt Bütow, Unser gnädigster Herr, gnädigst entschloßen, zu beßerer auffnahme des Postwesens ein gewißes Posthauß in Magdeburg zu bebestetigen, undt aber alsoforth keine andere gelegenheit sich ereignen wollen, außer des (:Tit:) Herrn Frantz Ernst von Mynsichts uff Uhrendorff Erbgeseßen, undt Senioren des Collegiat Stiffts St. Nicolai, nach erbärmlichen Übergang der Stadt Magdeburg, mit Consens E. Wohlehrw. Capituls, de dato Magdeburg, den 19. July ao 1653 erbauete Wohnung, wann dann (:Tit:) Herrn Dechant und Capitularen nach genommenem augenschein, abgelegter undt justificirter Rechnung der Baukosten, 743 Thlr 18 gr. 10 Pf. vermöge schriftlicher Vergewilligung vom 2. November (October?) anno 1668 paßiren = auch nachmahls dem Herrn Seniori seiner dießfals habenden jura an jemandt anders zu cediren, anderwerts freygelaßen, Alß hat wohlgemelter Herr Seniori der von Mynsicht vor sich, seine Erben undt Erbnehmer an Sr. Churfürstl. Durchl. Post=Ambt zu Magdeburg, alles solch sein davon erlangt= undt habendes Recht hinwiederumb überlaßen undt übereignet, auch demselben Kraft dieses solhanes sein Hauß undt Hoff, sambt aller pertinentien, Recht undt Gerechtigkeiten in bester Form des rechtens. Solches alles gleich Er alß Cedens befugt gewesen, hinfort nach gefallen zu bewohnen, zu genießen, anzurichten undt zu gebrauchen, wie Er dann alsofort bey außzahlung des geldes daß Hauß sambt allen dem waß Nieth= undt Nagelfest darin zu befinden, zu räumen undt die gemelte originalia sambt denen Baurechnungen außzuandtworten, auch mehrgedacht sein hinwieder cedirtes Recht vor ansprach zu gewehren, sich anheischig gemacht. Dahingegen hat Sr. Churfürstl. Durchl. PostAmbt versprochen, Sobald Sr. Churfürstl. Durchl. ratifiction hierüber einkommen wirdt, die in Rechnung justificirte undt passirte SiebenhundertDrey und Viertzig Thlr acht gr. zehn Pf. dem Herrn Cedenten bey der Übergabe, in einer unzertrennten Summa, zu deßen eignen händen alhier baar zu entrichten undt gegen genugsahmer seiner quitung zu bezahlen, Alles getreulich sonder gefärde.
Zu UhrKundt deßen ist dieser Vergleich sowohl von dem Churfürstl. Brandenburgischen Postmeister alhier, Herrn Gusto Bulcken wie auch mehr wohlnambten Herrn Seniore als Cedenten eigenhändigst unterschrieben undt mit deren Petschaften bekräftiget, Actum Magdeburg, den 20. Febr. ao 1669

Frantz Ernst von
Mynsicht, Senior(..............)Justus Bulcke
undt Cellarius des(............)Postmeister
Stiffts St. Nicolai(...........)(L.S.)
hierselbst
(L.S.)

Alß thun Wir hiermit undt Krafft dieses, obinserirteten Vergleich undt Contract, nicht allein in allen puncti und clauseln in gnaden ratificiren undt confirmiren, Sondern befehlen auch hiermit Unserem AmbtsCammerRath und HoffRenthmeister Michael Matthaißen in Gnaden, die versprochene Summa der Siebenhundert Drey undt viertzig Thlr 18 gr. 10 Pf. Baukosten dem von Mynsicht bey der Übergabe alsofort baar undt gegen genugsahme quitung zu bezahlen, dergestalt dan auch Unser Gouverner daselbst solch Unser Posthauß in gebührenden schutz zu nehmen undt dahin zu sehen hat, damit obigem Contract in allem gebührent nachgelebt werden möge, Uhrkundtlich haben Wir diese Unsere Gnädigste ratification undt confirmation eigenhändig unterschrieben undt mit Unserm Churfürstl. Insiegel wollwißentlich bekräftigen laßen,
So geschehen undt gegeben in unserer Residentz Königsberg in Preußen, den 25./15. Marty ao 1669
Friderich Wilhelm
(L.S.)

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 04.05.2015 18:41:11 Gelesen: 9878# 4 @  
Liebe Sammelfreunde,

das neue Posthaus lag nun am Ortsrand, in der Nähe des Domes. Insbesondere bei den Kaufleuten fand dies keine Gegenliebe.

So gab es noch nachfolgende Eingabe der Kaufmannschaft Magdeburgs an den Kurfürsten wegen Verlegung des Postamts:

Duchlauchtigster Großmächtigster Churfürst, Gnädigster Herr!
Es ist Dero Stadt Magdeburg, und sonderlich der daselbstigen Kauffmannschaft, bißhero sehr beschwer= und hinderlich gefallen, daß das PostHauß aus der Stadt uff den Neumarkt verlegt, und sie also bey Bestell= und Abforderung ihrer Briefe und Sachen, soweit schicken und laufen müßen. Dahero den (denn?) bey Io Churfürstl. Durchl. Hochseel. Herrn Vater die Stadt im Monat Martio jüngsthin unterthänigst angehalten, daß doch das Post-Hauß in die Stadt, worinn es vor diesen iederzeit gewesen, wieder verleget werden möchte, welches den (=denn) auch der seeligste und glorwürdigeste Herr, also, wie Mann nicht anders weiß, gnädigst soll beliebet haben; Wann aber, Gnädigster Churfürst und Herr, die Bewerckstellung deßen wegen des sobald erfolgten Todesfals behindert worden und die gute Stadt ihr hierunterführendes unterthänigstes Verlangen doch gerne erfüllet sehe; Alß ersuchet und bittet Ew. Churfürstl. Durchl. sie dieses ihres unterthänigsten petiti umb solvirt und de.. eher und mehr fehig zu werden, weil Ew. Churfürstl. Durchl. zu der desiderirten Verlegung Dero Post-Hauses in die Stadt gar leicht und ohne sonderbahre große Kosten gelangen können, maaßen hierzu mitten, am Marckte ein bequemes, von des Raths Jurisdiction und allen Bürgerlichen Oneribus gantz excimirtes Hauß sich findet, so da umb die 1200 – ia wohl gar umb die 1000 Thlr zu erhalten stehet, und dargegen daß alte PostHauß am Neumarckte wieder verkauffet werden kann; Ew. Churfürstl- durchl. erhören demnach Dero getreue Stadt auch in diesem ihren demüthigsten desir gnädigst, es bleibet dieselbe dafür in schuldigster devotion iederzeit dankbahr und auch wir verbleiben allewege
Ewr Churfürstl. Durchl.
(...............................)unterthänigst gehrsombste Dero
Magdeburg den 20. Juli 1688(....)Stadt Magdeburg Abgeordnete Friedrich
Andreas (...............................)Eggeling Henn. Wesche, Martin Richter

Bis zum nächsten Mal

Ulf
 
Magdeburger Am: 09.05.2015 17:30:36 Gelesen: 9825# 5 @  
Liebe Sammelfreunde,

nachdem das Posthaus gekauft wurde, wohnte der Postmeister dort auch "unentgeltlich". Letzteres ist deshalb in Anführungsstrichen gesetzt worden, weil er für die Reparaturen des Hauses aufkommen mußte, was leider nicht immer einfach war. (Falls es interessiert, könnte ich ein Beispeil bringen - die Acten geben es auch her!) Das Haus sollte einem königlichen Posthaus gerecht werden.

Eine recht frühe Posthausbeschreibung möchte ich nun folgen lassen:

Beschreibung des Königl. Posthauses in Magdeburg, verfertiget anno 1733

Actum Magdeburg den 27ten July 1733


Nachdem bey jetztiger Untersuchung des Post=Amts zu Magdeburg unter anderem der Punct vorgekommen, welchergestalt das Post=Hauß, so Sr. Königl. Majestät zugehöret, von dem Postmeister bewohnet, und in baulichen Würden unterhalten werden, und dahero bey denen hiesigen Post=Actis nachgesehen worden, ob sich kein Inventarium und Beschreibung vom Post=Hause, welchergestalt es dem jetztigen Postmeister Conradt bey seinem Antrit übergeben, und in was für Zustande es danach befunden worden, finden möchte, sich aber selbiges so wenig hier als bey der General Post=Amts Registratur in Berlin finden wollen, sondern vielmehr der Postmeister Conradt bezeuget, daß Er niemahlen dergleichen Inventarium und Beschreibung des PostHauses gesehen, noch dergleichen bey seinem Antrit wäre verfertiget worden, vielmehr das PostHauß in schlechtem Zustande gefunden, und dahero verschiedene Reparationes und Änderungen hatte darinnen vornehmen müßen, so daß es sich jetzo in weit beßeren Zustande als vormahls befinde.

Als ist vor nöthig erachtet worden, eine ordentliche Untersuchung des Post=Hauses vorzunehmen und eine Beschreibung davon zu verfertigen: Zu dem Ende der hiesige Königl. Land Baumeister des Hertzogthumes Magdeburg H. Fiedler von mir dem Geheimen Rath Selig ersuchet worden, diese Untersuchung mit beyzuwohnen, und zu examiniren, in welchen Würden dieses Königl. Post.Hauß sich anitzo befinde, und etwa für Reparationen vonnöthen habe.
Es ist demnach dato von mir dem Geheimen Rath Selig und dem Herrn Land Baumeister Fiedler diese Sache in Beysein des Herrn Postmeister Conradt vorgenommen und folgendergestalt befunden worden:

Das Königl. Post=Hauß ist am Dohm=Platz, nahe am Stifft St. Nicolai, hinter des Obrist von Walraven Hause, zwischen des Kauffmann Brauns und der neuen Post=Straße, so vor zwey Jahren westlich angeleget und dagegen ein stück von der Curie, so anitzt dem Herrn Obrist=Lieutenant v. Münehau zugehöret, weggebrochen worden, belegen, hat 24 Fuß in der Vorder Fronte, in der Länge am Hoffe und Garten herunter 110 Fuß: An der Straße, ingleichender gantzen Seite nach dem Hoffe und Garten, wie auch am Giebel gegen Mitternacht, so an des Cammer=Bothen Hasen Hauß anstoßet, ist das Hauß gantz maßiv, die Seite an der neuen Post=Straße aber ist nur 56 Fuß gantz maßiv, und das übige Stück an 48 Fuß ist nur unten Mauer= und oben Fachwerk. Daß Hauß ist sccessive angebauet worden: Das erste Gebäude von der Straße an, bis zu Ende der Paßagirs=Stube ist das älteste, und von da bis zu Ende das Gebäude, so zu Zeit des p. von Stillen gebauet worden. Von der Straße gehet der Thorweg zum Hoffe auf der Ecke vom Post=Hause nahe an das Kauffmann Braun Hause, ist von Dannen=Brettern mit Haften, Haken, 2 Riegeln versehen. Vom Hoffe kommt der Eingang zum Post=Hause mit einer Einfaßung von gehauenem Sandsteine, die gebrochenen Thüre davor ist von einfachen Dannen=Brettern, mit ein Paar Heften und Haken, 4 Bändern zur gebrochenen Thüre, 2 Riegeln und Klinke beschlagen. Der Vor=Fluhr ist 13 fuß breit 20 Fuß lang mit Platten von SandSteinen beleget, so doch ziemlich ausgetreten, nach dem Hoffe zu ein Fenster von 2 fachen. Der boden über den Haus=Fluhr ist nicht ausgewunden, allein mit Brettern überleget, solchen auswinden und die Balken überziehen zu laßen, würde wohl nöthig seyn.

Zur Rechten ist die Thüre zur Post=Stube mit Heften, Haken, Schloße und Riegel versehen. Beym Eingange zur Linken Hand ist ein eiserner mit schwarzten Kacheln besetzter Ofen, so in gutem Zustande, und vom Fluhr geheitzet wird; Die Post=stube ist 22 Fuß lang, 20 Fuß breit, nach dem Hoffe zu ein Fenster von 4 Fachen, nachder Straße zu ein Fenster vier und eines von sechs Fachen; Nach dem Hoffe ist ein Fenster=Laden aus einem Stück mit Heften, Haken und Schraube und vor die Fenster nach der Straße gebrochene Laden, mit Heften, Haken und Schrauben. Der Fußboden ist mit Brettern beleget und vom langen Gebrauch sehr abgetreten; Aus der Post=Stube gehet eine kleine mit Brettern verschlagene Treppe zur Wohn=Stube hinauf. Zur linken Hand auf der Seite von der neuen Gaße (Poststraße), hat, als dieselbe geöffnet nur das dagegen gestandene Gebäude wegnommen worden, zur Sicherheit unter dem dritten Balken eine Säule gesetzet werden müßen. In der Ecke am Fenster vorgedachter Seite äußern sich einige Riße an der Mauer, welches wohlnäher examiniret, und allenfalls mit anderen verwahret werden müße. Zur linken Hand des Hauß=Fluhrs ist die Paßagir=Stube 16 Fuß lang, 12 Fuß breit, davor ist eine eingefaßte Dannen=Thüre, mit Futter und doppelter Bekleidung, Heften, Haken, Schloße, Handgriffe und Überwurffe; die Wand durch welche vorgeschriebene Thüre gehet ist Bleichwerk. In der Paßagir=Stube, sind nach den Hoffe zu drey Fenster, jedes mit vier Flügeln und Gewänden von Sand=Steinen, die Fenster Rahmen von Sand=Steinen mit gehörigen Beschlägen. Zur Rechten ist ein Fenster von vier Flügeln zur Küche, in der Stube ein eiserner mit schwarzten Kacheln übersetzter Offen, so noch gut. Der Fuß=Boden ist mit Gips begoßen am Eingange aber ziemlich ausgetreten. Neben der Paßagir=Stube ist die Küche, vor derselben eine schlechte Dannen=Thüre mit Heften, Haken und Schloße versehen, Sechs Fuß breit vom Eingange sind nicht gewölbet. Hienachst hängt sich der gewölbte Schornstein an, so 14 Fuß in der Länge und 9 Fuß breit. In der Mitte der Küche ist der Feuer=Heerd. Das Pflaster von Mauersteinen, in der Küche ein BogenFenster mit zwey langen und neun kurtzen eisernen Stäben. Sodann folget die ScheuerCammer davor eine schlechte Dannen=Thüre mit Heften und Haken, in derselben ist ein Fenster mit zwey eisernen Stäben und darunter ein ausgehauener Goßen=Stein. Ferner komt alhier die Speise=Cammer, davor eine schlechte Dannen=Thüre mit Heften, Haken, Handgriffe und Schloße. In derselben ein kleines Fenster mit sechs Stäben. als drey stück in die Länge und drey Stück in die Quere. Der Fußboden ist von Mauersteinen, die Wand zwischen der Scheuer= und Speise=Cammer sowohl als die zur Ende der letzten, ist Fachwerk. Aus der Paßagir=Stube ist der Eingang in die so genannte Grüne Stube, die Thüre ist von DannenHoltze, mit Heften, Haken, Schoße und Handgriffe, inwendig in zwey Fächern gemahlet; die Stube hat drey große und an der Vorlage ein klein Fenster, die großen Fenster sind mit vier Flügeln von EichenRahmen und dergleichen Futter nebst gehörigen Beschläge, das kleine Fenster ist von zwey Fachen, in der Stube ein großer eiserner mit schwarzten Kacheln besetzter Offen, in gutem Stande. Der FußBoden von guten Dannen=Brettern, die Länge der Stube ist 21 Fuß die Breite 17 Fuß. Die Wand zwischen der Paßagirs= und der grünen Stube ist maßiv, die andere aber nach dem kleinen Fluhr von Fachwerk. Die Thüre aus der grünen Stube nach den kleinen Fluhr ist von DannenHoltze mit Futter und doppelter Bekleidung mit Heften, Haken, Schoße und Handgriffe versehen, inwendig an der Thüre 2 flache grün bemahlet. Der Kleine Fluhr ist 22 Fuß lang, 6 ½ Fuß breit, der Ausgang zum Hoffe, mit einer gebrochenen Dannen=Thüre mit 2 starken Heften und Haken, Riegel, Klinke und Speerhaken versehen, über der Thüre ein kleines rundes Fenster. Der Hoff=Thüren entgegen ist eine gebrochene Dannen=Treppe mit Geländer zum obern Cammern. Der Fußboden ist mit Mauersteinen gepflastert. Der Grünen Stübe gegenüber sind zwey Tühren zur Garthen=Stube von Dannen=Holtze, mit doppelter Bekleidung, Heften, Haken, Schlößern und Handgriff. In der Garten=Stube zwey Fenster jedes mit vier Flügeln, Eichen=Rahmen und dergl. Futter auch Beschlägen. In der Mitte zwischen beyden Fenstern eine gebrochene Thüre in einem EichenFutter mit 2 Fachen oben und so viel unten. Der Fußboden ist von Dannen=Brettern und noch ziemlich gut. Die Seitenwand nach den kleinen Fluhr ist Fachwerk, die drey anderen Wände aber maßiv. Die Garten=Stube ist 22 Fuß lang und hinterwerts 14 Fuß breit.

Hiernechst ein kleiner Gärthgen 30 Fuß lang, 28 Fuß breit; die Wand gegen des Krieges=Rath Schraders Garthen ist maßiv und gehöret zum Post=Hauße, die Wand gegen den Herrn von Alvensleben ist gleichfalls maßiv, gehöret halb zum Garthen und auf der anderen Hälfte stehet das Lust=Haus des Herrn von Alvensleben. Nach dem Hoffe zu ist der Garthen mit einem kleinen Stacket geschlossen.

Continatum den 28 July:

Vom HaußFluhr gehet eine gebrochene Treppe zur zweyten Etage.

Unter derselben ist die Keller=Treppe mit Brettern verschlagen. Die Treppe zur zweyten Etage ist sehr schlecht.

Zur linken des oberen Fluhrs ist die Thüre zur Wohn=Stube von DannenHoltze mit den Futter, Heften, Haken und Schlße auch Handgriffe. Auf der Stube sind 5 Fenster von eichen Rahmen und mit gehörigen Beschlägen davon 3 Stück nach der Straße (*Kreutzgangstraße) Einfaßungen von SandSteinen haben. Der eiserne Offen ist mit schwartzen Kacheln übersetzt und wird durch einen Camin vom oberen Fluhr geheitzet. Die Wohn=Stube ist eben so groß als die darunter befindliche Post=Stube und dergestalt an der Seite der neuen Straße mit einer Säule und Unterzuge verwehret. Der Fußboden ist von Dannen=Brettern und gut.

Der oberste Vor=Fluhr ist 10 Fuß breit, 20 Fuß lang darauff ist nach dem Hoffe ein Fenster mit 2 Flügeln.

Zur rechten Hand gehet der Gang zu den neuen Gebäude. Zur linken Hand dieses Ganges ist eine kleine Stube nach dem Hoffe 12 Fuß lang, 9 Fuß breit, die Thüre davon ist von Dannen=Holtze mit doppelter Bekleidung und Futter, Heften, Haken, Schloße und Hangriffe. Auf der Stube ein klein und ein groß Fenster nach dem Hoffe ein töpferner Offen von großen Kacheln und der Fußboden mit Brettern beleget.

Dieser Stube gegenüber ist ein Cabinet nach der neuen Straße, 12 Fuß lang 7 Fuß breit. Die Thüre davor von Dannen=Holtze mit Futter, Bekleidung, Heften, Haken und Schloße. Nach der neuen Straße ein Fenster von Eichen=Holtze mit gehörigen Beschlägen, und der Fußboden mit Brettern beleget.

Weiter zur linken auf dem Gange wieder eine kleine Stube mit einem töpfernen Offen von großen Kacheln. Davor eine schlechte Thüre mit Futter, doppelter Bekleidung, Heften, Haken, Schloße und Handgriffe. Auf der Stube zwey Fenster in gewänden von Sand=Stein stehend. Der Fußboden ist mit Brettern beleget.
Dieser Stube gegenüber ist eine Rauch=Cammer, durch welche der Küchen=Schornstein mitten durchgehet. Vor derselben eine schlechte Dannen=Thüre mit Heften, Haken und Überwürffe.

Zu Ende des Ganges hänget sich das neuere Stück des Gebäudes an, und gehet man über vier Stuffen zu einen kleinen Fluhr, darauff der Fußboden mit Brettern beleget. Nach der neuen Straße ist ein Fenster von vier Flügeln

Dem Gange gegenüber ist eine Stube, von welche eine Thüre von Dannen=Holtze, Futter, doppelter Bekleidung, Heften, Haken, Schloße und Handgriffe. Auf der Stube zwey Fenster nahe beyeinander nach der neuen Straße mit Eichen=Rahmen, Futter und Bekleidung und gehörigen Beschlägen! Der Fußboden von Brettern. Die Stube ist 20 Fuß lang an einem Ende 12 Fuß am anderen 9 Fuß breit. Auf der Stube ein töpferner Offen von schwartzen Kacheln.

Zur linken Hand ist der Fluhr mit Brettern abgeschlagen, die Thüre darum mit Heften und Schloße.

Auf der anderen Hälfte des kleinen Fluhrs ein klein und ein groß Fenster nach dem Hoffe, den Fußboden von Dannen=Brettern. Zur Rechten ist eine Stube über der sogenannten Grünen und von ebenderselben Größe. Die Thüre ist von Dannen=Holtze mit Futter, doppelter Bekleidung, Heften, Haken, Schloße und Handgriffe. In der Stube sind drey Fenster mit Eichen=Rahmen und dergleichen Futter auch gehörigen Beschläge. Der Fußboden ist mit Bretter beleget und gut.
Hinter dieser Stube ist eine Cammer, worauf ein eiserner Offen ohne Aufsatz und gehet die Cammer über den unteren Fluhr und Garthen=Stube bis am Giebel. Die Thüre von Dannen=Holtze mit Futter, doppelter Bekleidung, Heften, Haken, Schloße und Handgriffe. Auf der Cammer sind nach den Garten zu drey Fenster mit Eichen=Rahmen und dergleichen Futter, davon anitzo eines verschlagen ist. Der Fußboden ist von Brettern und gut.

Aus dieser Cammer gehet eine Dannen=Thüre mit Futter, doppelter Bekleidung, Heften und Haken zu einem Fluhr auf welchen zwey Camine zum einheitzen, Fenster nach der neuen Straße und der Treppe zur unteren Etage.

Von den Fluhr übern Hause gehet eine gerade dannene Treppe zum Boden, auf demselben mit einem Geländer versehen.

Auf dem Boden sind zwey Cammern abgewirkt (?) auf deren einen im Giebel. Nach der Straße zu zwey Fenster sind.

Von diesen Boden über den neuen Gebäude gehet man vermittelst einer kleinen Treppe auf welchem alles ziemlich gut außer einigen Stellen am Dache so gleich repariret werden sollen, wie dann sonst überhaupt die Dächer ziemlich dicht befunden, diejenigen Stellen aber, so schadhaft angezeiget, und daß solches ohne Zeitverlust repariret werden müßte, verordnet werden.

Unter den gantzen alten Gebäude gehet ein tieffer, räumlicher und guter gewölbter Keller durch, welcher in der Mitte durch eine Mauer getheilet ist.
Die Kellertreppe ist zur Hälfte mit Brettern an den Stuffen beleget, zur Hälfte sind die Stuffen von Stein und gut.

Der Hoff ist gepflastert. Ohnweit der Einfahrt ist ein Brunnen. Dem Wohnhause gegenüber stehet ein Gebäude von 10 Gebind, von Fachwerk, mit Ziegeln gedecket, darin ein Stall auf 4 Pferde, Remise zu drey Wagen und ein WaschHauß, über denselben gehet ein Heu=Futter=Boden durch.

Hinter des Kauffmann Brauns Hause ist der Hoff mit einer Mauer geschloßen.

actum ut supra
Selig Conradt Fiedler

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 15.05.2015 17:29:05 Gelesen: 9772# 6 @  
Liebe Sammelfreunde,

heute mal wieder etwas von mir. Bisher waren es nur allgemeine Informationen.

Nach der Posthausbeschreibung wurde auch eine Zeichnung angefertig - hier jetzt nur das Erdgeschoß:



Bei der Inventaraufnahme vom 6. April 1771 sind einige Veränderungen vorhanden. In der Passagierstube wurde inzwischen eine Packkammer eingerichtet. Der eiserne Ofen mit dem schwarzen Kachelaufsatz ist aus der Packkammer verschwunden. Über seinen Verbleib kann selbst der vorherige Postmeister, Christian Wilhelm Pape, welcher ab 1750 Postmeister war, nichts aussagen. Pape wurde im August 1770 zum Generalpostamt nach Berlin versetzt. Weiterhin ist die Tür zwischen der jetztigen Packkammer und der sogenannten, zur Wohnung des Postmeisters gehörenden „grünen Stube“ zugemauert worden.

In der Beschreibung des Posthauses von 1733 wurde die Passagierstube noch so beschrieben:

„...Zur linken Hand des Hauß=Fluhrs ist die Paßagir=Stube 16 Fuß lang, 12 Fuß breit, davor ist eine eingefaßte Dannen=Thüre, mit Futter und doppelter Bekleidung, Heften, Haken, Schloße, Handgriffe und Überwurffe; die Wand durch welche vorgeschriebene Thüre gehet ist Bleichwerk. In der Paßagir=Stube, sind nach den Hoffe zu drey Fenster, jedes mit vier Flügeln und Gewänden von Sand=Steinen, die Fenster Rahmen von Sand=Steinen mit gehörigen Beschlägen. Zur Rechten ist ein Fenster von vier Flügeln zur Küche, in der Stube ein eiserner mit schwarzten Kacheln übersetzter Offen, so noch gut. Der Fuß=Boden ist mit Gips begoßen am Eingange aber ziemlich ausgetreten... Aus der Paßagir=Stube ist der Eingang in die so genannte Grüne Stube, die Thüre ist von DannenHoltze, mit Heften, Haken, Schoße und Handgriffe, inwendig in zwey Fächern gemahlet...“

Herr Berghauer beschrieb 1800 das Posthaus so:

„... ein altes Gebäude von zwey Etagen. In der untern Etage ist das Post-Comptoir, wo an dem vordern Eckfenster Briefe ausgegeben, an dem innern Fenster auf dem Hofe aber Briefe zur Besorgung eingereicht werden. Hinter dem Comptoir ist die Packkammer, wo die Pakete und Poststücke gewogen werden. Gegenüber auf dem Hofe ist die Accise für Sachen, welche mit der Post ankommen. Hinten in der untern Etage ist die Wohnung eines Postsecretärs. In der oberen Etage wohnt der Post-Direktor.“

Somit kann davon ausgegangen werden, dass eine Packkammer zwischen der Posthausbeschreibung 1733 bis 1750 eingerichtet wurde.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 17.05.2015 16:20:58 Gelesen: 9716# 7 @  
Liebe Sammelfreunde,

mein frühster Beleg ist am 09. Februar 1775 geschrieben worden und ging „An ein Königliches Hochlöbliches Consistorium zu Stettin"



Paket von 11 Pfund 28 Loth mit 43 Reichsthaler 22 Gutegroschen 2 Pfennige “signiert C.Z.K.W." mit handschriftlicher Ortsaufgabe „de Magdeburg“. Das Paket mußte die gleiche Signierung „C.Z.K.W.“ und Siegel aufweisen wie der begleitende Brief.



Wie zu erkennen, ist der Brief erst am 28.02.1775 presentiert worden, wie oben notiert wurde. Die Unterschrift dürfte von Johann Friedrich v. Alvensleben (1712-1783) sein, der seit 1763 Regierungspräsident in Magdeburg war. Er stammte aus Zichtau (Altmark), wo er auch begraben ist - dies habe ich von der Familie v.Alvensleben erfahren.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 24.05.2015 17:24:55 Gelesen: 9659# 8 @  
Liebe Sammelfreunde,

einen weiteren Beleg - leider nur eine Hülle:



Um 1799 (mit Bleistift war innen die Notierung 29.9.1799) wurde „An Einen Wohledlen Rath zu Glauche an Halle“ ein 39 Pfund schwerer „Beutel mit 329 Reichsthaler 6 Gute Groschen 1 Pfennig signiert M.G.“ als portofreie „Herrschaftliche Waßer Schäden Gelder“ Sache aufgegeben. Wie beim oberen Beleg wurde die Ortsaufgabe handschriftlich angebracht.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 02.06.2015 14:06:42 Gelesen: 9601# 9 @  
Liebe Sammelfreunde,

heute noch ein Posteinlieferungsschein:



Er ist von 23. Dezember 1790 für die Aufgabe eines Paketes, worin sich 5 Reichsthaler 10 Gutegroschen befanden. Gesendet wurde es an das Post-Amt in Tangermünde. Der amtierenden Postmeister Pauli, in der Zeit von 1779 – 1810, unterschrieb ihn hier selbst.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 07.06.2015 18:21:11 Gelesen: 9558# 10 @  
Liebe Sammelfreunde,

neben Paketen wurden auch alle anderen Fahrpostsendungen, wie Postvorschüße und Geldsendungen in Briefform höchstwahrscheinlich in der Packkammer mit bearbeitet. Eine "echte Fahrpost-Expedition" gab es noch gar nicht.

Als erstes mal eine Postvorschußsendung:



Adressiert an "Dem Vesten, Unserm lieben Getreuen, dem N. N. von Trotha zu Krosigk" (N. N. = Nomen nescit, also den genauen Namen kenne ich nicht) wurde ein Postvorschuß von insgesamt 1 Thaler 10 Ggr, welche sich aus 17 Gutegroschen per Resolution / 17 Gutegroschen per Resolution d. 30. Oktobris wegen Trauer Geläute, zusammensetzte.

Oben rechts wurde der Postvorschuß von 34 Ggr, darunter 2 1/4 Ggr Procura (die 75%) = 36 1/4 Ggr Zwischensumme notiert. Als nächstes sind 41 1/2 notiert worden, also eine Differenz von 5 1/4 Ggr. Davon werden 3/4 Ggr Restprocura abgezogen, so sind noch 4 1/2 Ggr zu klären. Laut Berghauer (1800) finde ich eine Taxe nach Halle bzw. Bernburg von 1 1/2 Ggr. Die dafür abgehenden Posten wäre die Bernburger bzw. Mansfelder und die Hallische bzw. Leipziger Post.

Jetzt müßte ich spekulieren:

Ich denke, dass er über Bernburg lief, wofür für einen Brief von 1 bis 4 Loth die doppelte Taxe anfielen, von dort weiter nach Halle vielleicht für einen weiteren Ggr. Der restliche halbe war der Zuschlug für eine unfrankierte Sendung. Schlußendlich wurden jedoch 43 Ggr fällig, also nochmals 1 1/2 Ggr dazu, was für Boten denkbar wäre.



Geschrieben wurde es am 2. November 1780 auf Stempelpapier von 4 Gute Groschen.

Dann noch einen Wertbrief:



Gelaufen ist er "An Einen Wohledlen Rath der Stadt Halle" und wie unten notiert war "Einliegend Eine Oblig(ation) über 400 ß (Reichsthaler) (als portofreie) H(errschaftliche) B(anco) S(ache)" aufgegeben worden.



Wie aus dem Inhalt hervorgeht, stammt sie vom 24ten October 1774 und war laut Präsentationsvermerk schon ein Tag später am Ziel.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 07.06.2015 19:36:45 Gelesen: 9545# 11 @  
@ Magdeburger [#10]

Lieber Magdeburger,

famoses Stück - eine Herrschafftliche - Banco - Sache habe ich zuvor noch nie gesehen. Klasse!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Magdeburger Am: 21.06.2015 14:24:18 Gelesen: 9436# 12 @  
Liebe Sammelfreunde,

in die Zeit des Postdirektors Pauli, fiel die fast kampflose französische Besetzung der Stadt am 08.November 1806. Per Dekret vom 18.August 1807 wurde das Königreich Westphalen von Napoléon Bonaparte für seinen jüngeren Bruder Jérôme (Hieronymus) mit der Hauptstadt Kassel geschaffen. Am 1. Oktober 1813 wurde Kassel unter Alexander Tschernyschow eingenommen und das Königreich für aufgelöst erklärt. Magdeburg selbst blieb bis zum 14. Mai 1814 besetzt.

Am Anfang der Besetzung blieben die preussischen Bestimmungen erhalten. Jedoch erfolgte ein Umstrukturierung, was auch zur Einführung von Poststempel führte.
Magdeburg wurde Hauptort des Departements Elbe und das Postamt wurde dem Generaldirektor des Postwesen in Kassel unterstellt.

Das Posthaus war immer noch an der Ecke Kreuzgangstrasse - Poststrasse, am Rande der Stadt. Insbesondere die Kaufleute sahen jetzt ihre Chance das Posthaus in die Mitte der Stadt zu legen, da in Frankreich die Vorschrift bestand, dass das Posthaus in der Mitte der Stadt liegen sollte. Um es vorweg zu nehmen, daraus wurde nichts.

Allerdings kam es doch noch zur Verlegung des Postamtes, jedoch nicht weit weg - noch heute befindet sich es nach einigen Grundzukäufen incl. Umbauten in der Zukunft an gleicher Stelle.

Nach einigen Hin und Her wurde die sogenannte Buschesche Kurie (Breiter Weg 205) als neues Posthaus auserkoren. Der damalige Postdirektor Faure wartet auch garnicht auf die Zuweisung von hoher Stelle ab, sonderm nahm ohne Genehmigung in Abwesenheit der Madame Moisez (die derzeitige Bewohnerin) am 16. Juni 1812 um 9.00 Uhr mit einem Mitarbeiter der Domänenkammer das Inventar der Kurie auf. Nach ihrer Rückkehr ließ Madame Moisez am 17. Juni 1812 vom Notar Nitze folgendes Protokoll anfertigen:

„....
Ihr bis jetzt abwesender Ehemann habe die v. Buschsche Curie besage Contracts mit dem Herrn Dom-Capitular von dem Busche vom Funfzehnten März des Jahres Achtzehnhundert Eilf an, auf drey nach einander folgenden Jahren gemiethet. Nachdem das Domstift aufgehoben, die Domcapitularen ihrer Rechte auf die Curien verlustig gegangen und auch die von Buschsche Curie dem Königl. Westphälischen Gouvernement anheimgefallen, so habe sich ihr Herr Ehegemahl von selbst beschieden, die Curie zu räumen, sobald das Gouvernement darüber disponirt und ihnen davon Anzeige gemacht haben würde. Am verwichenen Freytag mithin am Zwölften Juny dieses Jahres sey sie von dem Herrn Domainen Director Voigtel benachrichtigt worden, daß die von Buschsche Curie dem Post=Director Herrn Faure zum Post Bureau überlassen worden, und sie ersucht, die Einrichtung zu treffen, daß am nächstfolgenden Montag, als den Funfzehnten Juny die Zimmer des Hauses geöffnet würden, um das Inventarium des Hauses aufnehmen zu können. In dieser Absicht sey sie am Montag Morgen um Neun Uhr hierher nach Magdeburg gekommen, habe den Herrn Domainen Director Voigtel von ihrer Ankunft, und daß sie die Aufnahme des Inventarii erwarte, sofort benachrichtigt. Herr DomainenDirector Voigtel habe ihr sagen lassen, daß er sogleich zu dem Herrn Ingenier Stegemann, welcher mit der Aufnahme des Inventarii beauftragt sey, senden und ihn die Ankunft der Madame Moisez wißen lassen werde. Nachdem sie zwey Stunden vergebens gewartet, sey der Herr Post Director Faure zu ihr gekommen, habe ihr angezeigt, daß der Herr Ingenieur Stegemann sich nicht in der Stadt befinde und mithin mit der Aufnahme des Inventarii nicht werde verfahren werden können. Bey der Gelegenheit habe er sie im Laufe des Gesprächs gefragt, wenn eher sie das Haus räumen werde, und sie habe darauf nichts weiter erwidern können, als daß sie dies thun werde, sobald das Inventarium aufgenommen und sie wegen Räumung des Hauses von der Domainen Direction aufgefordert worden, indem sie hoffe, daß man ihr die nöthige Zeit gestatten werde, die im Hause habenden Meublen nach einem anderen Local zu bringen. Um ein Uhr Mittags sey sie wieder zurück nach Rothensee gefahren, habe jedoch die Schlüßeln des Hauses in den Händen des Herrn Bachelet, Employè im Bureau des Herrn Maillard mit dem Auftrag zurückgelassen, sobald sich Herr Stegemann oder jemandanders an seine Stelle zur Aufnahme des Inventarii finden würde, die Zimmer zu öffnen.

Nach der Anzeige des Herrn Bachelet, welcher ebenfalls mit gegenwärtig war, hat sich gestern Vormittag um Neun Uhr der Herr Post=Director Faure mit einem Mann, der sich für einen Abgeordneten des Herrn Stegemann ausgab, eingefunden. Beyde hätten die Öffnung der Zimmer verlangt, und nachdem er sofort diesem Verlangen genügt, hätten sie das Inventarium in seiner Gegenwart aufgenommen. Nach Beendigung desselben hätten sie die Schlüßel des Hauses verlangt, auch von ihm gefordert, daß er sofort die Zimmer räumen solle. Er habe in Rücksicht der Abwesenheit der Madame Moisez, und da sie zur Räumung des Hauses von Seiten der Domainen Direction bis jetzt nicht aufgefordert worden, solches verweigert, dabey aber wiederholt, daß Madame Moisez sich den Verfügungen des Gouvernements auf keinen Fall entgegensetzen würde, auch den Abend, als gestern zur Stadt komme, und mit dem Herrn DomainenDirector Voigtel die erforderliche Vereinigung darunter gewiß treffen werde. Bey dieser seiner Erklärung, welche in den Protocoll über das Inventarium mit aufgenommen worden hat der Herr PostDirector Faure sofort erklärt, daß er Besitz vom Hause nähme, und hat ohne allen Umständen durch sämtliche im Haus gegenwärtigen Postillions alle der Madame Moisez zugehörige in den Zimmern befindlich gewesene Meublen fort, und in den oberen Saal bringen lassen, wo sich solche bey der Ankunft des unterzeichneten Notar sämtlich durcheinandergeworfen befanden."



Hier mal auf einem Stadtplan von 1910 habe ich die Umrisse der Altstadt, oder besser gesagt der Festungsamlagen eingezeichnet. Dort wo der kleine grüne Punkt ist, lag das "alte" Posthaus. Etwas weiter oben in blau das "neue" Posthaus gegenüber dem neuen Markt.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 21.03.2016 12:05:35 Gelesen: 8336# 13 @  
Liebe Sammelfreunde,

die westphälische Zeit ist bei mir leider recht dünn besetzt, etwas zu finden gestaltet sich recht schwierig.

Nach im alten Posthaus wurde dies hier bearbeitet:



Laut der Bleistiftnotiz soll der Beleg vom 10.01.1810 stammen, was auch in etwa stimmen könnte.

Paket von 3 Pfund 9 Loth mit 53 Reichsthaler Courant signiert H.P.B. ging An den Herrn Pastor Braune hochwohlehrwürden in Voelpke".

Die 53 Reichsthaler (1 Reichsthaler = 3 Franc 65,25 Centimen) wurden zunächst in 193 Franc 58 Centimen reduziert. Das Gesamtporto von 1 Franc 75 Centimen = 11 Gutegroschen und 1 Pfennige ergibt sich nach der Taxverordung vom 31.10.1808. Danach ergibt sich, 33 Centimen für das Paket + 50 Centimen für den Wert + 17 Centimen Aufschlag, was zusammen = 100 Centimen sind. Dazu kommt noch
1 Gutegroschen Agio und 1 1/2 Conventions Geld sowie 2 Gutegroschen Botenlohn, wie notiert wurde um die Gesamtsumme zu erreichen.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 26.03.2016 19:29:51 Gelesen: 8209# 14 @  
Liebe Sammelfreunde,

ebenfalls noch im "alten" Postamt bearbeitet:



Ein Paket von 7 Pfund mit einem Wert von 5 Reichsthaler, wurde am 15.Juli 1811 in Berlin geschrieben und gezeichnet mit C:D:B: an "Madame la Comtesse de Borcke nu de Gaza nach Disseldorff" (Düsseldorf) gesendet. Sehr schwach wurde in Magdeburg der Grenzpost-Eingangs-Stempel „prusse p. m.“ abgeschlagen.

95 Centimen, was 6 Gutegroschen entsprechen, waren bis Magdeburg angefallen. Dazu kommen weitere 168 Centimen (7 Pfund * 24 Centimen) wie siegelseitig notiert, ergeben in Summe aufgerundet 270 Centimen. Insgesamt wurden bei der Empfängerin jedoch 6 Franc 30 Centimen Porto fällig, was auf mehrere Sendungen hinweist.

Der vorhandene Stempel "Ei", welcher dem Packwaagemeister Ernst Eisfeld zugeordnet werden kann, wird nach Herr Freye als Formstempel bezeichnet. Er gibt mehrere an, was möglicherweise sich als einer herausstellen könnte.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 11.12.2016 15:03:05 Gelesen: 7190# 15 @  
Liebe Sammelfreunde,

der Packwaagemeister Ernst Eisfeld war bis Anfang 1824 nach der westphälischen Zeit weiterhin im Postamt tätig, nur jetzt preussisch.

Die Abstempelung von Paketsendungen bliebt erhalten, jedoch nur dann, wenn keine Wertangabe vorhanden war. Jedoch kommen bis 1824 immer mal Belege vor, welche einen Stempel aufweisen sollten. Warum dies nicht erfolgte wird erstmal im Dunkeln bleiben müssen.

Der verwendete Stempel ist ein Schreibschriftstempel des Buchstaben "E", also dem Anfangsbuchstaben des Nachnamens des Packwaagemeisters.

Als erstes wurde ein kleiner Stempel mit einer Höhe von 12,5 mm angewendet. Hier auf einem Beleg aus Juli 1816



Weniger bekannt ist ein Stempel von 14 mm Höhe, hier auf zwei Belegen, welcher auch die Abnutzung zeigt. Verwendet wurde er mindestens bis Januar 1821



Der letzte bekannte, Höhe 19 mm, ist mindestens seit Mai 1821 bekannt und bis Anfang 1824 verwendet wurden. Der erste Beleg zeigt die frühste bekannte Verwendung und der zweite auch den Eingang in der Packkammer, datiert aus dem Jahre 1823.



Völlig verdutzt war ich, als ich den Beleg sah:



Der Stempel, diesmal kein Schreibschriftstempel tanzt völlig aus der Reihe. Das er in Magdeburg verwendet wurde, ist recht naheliegend. Laut vorhandener Bleistiftnotierung soll er aus 1822 sein, die Höhe entspricht etwa der des ersten Stempels.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
trubel60 Am: 02.06.2017 09:31:54 Gelesen: 6235# 16 @  
Hallo Ulf,

soweit ich das aus meiner begrenzten Sicht beurteilen darf, Respekt, da hast du viel Zeit und Mühe investiert. Eine saubere Arbeit!

Erstaunlich fand ich, dass du mit der altdeutschen Schrift zurecht kommst und die Gebührenvermerke deuten kannst! Stellst du deine Aufzeichnungen mir als Datei zur Verfügung? Nehme alles an Wissen von dir, was du mir geben kannst. Würde es mir gerne in Ruhe auf Papier durchlesen.

Habe meine kleine Stempelsammlung Magdeburg gegliedert nach:

Vorphilatelie, Norddeutscher Postbezirk, Deutsches Reich, SBZ, DDR, Bundespost.

In all den Jahren habe ich einige Belege zusammentragen können.

Vielleicht sollten wir mal einen Treff vereinbaren, wo ich dir meine Belege zeige.

Was meinst du?

Mit besten Sammlergrüßen aus Magdeburg
Karsten Reinhardt
 
Magdeburger Am: 04.06.2017 17:19:22 Gelesen: 6160# 17 @  
Liebe Sammelfreunde,

der späteste mir bekannte Beleg mit den Stempel des Packwaagemeister Ernst Eisfeld, laut Adressbuch von 1823 jedoch schon als Packmeister geführt, stammt vom 11.03.1824 und ging an den Landrath von Kroechern nach Gardelegen.



Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 10.06.2017 18:34:45 Gelesen: 6038# 18 @  
Liebe Sammelfreunde,

ich mache mit 4 Stempel weiter, wo es immer wieder zu Diskussionen kommt.



Als erstes ein Beleg vom 08.07.1824 nach Berlin an die dortige Gold- und Silberwaren-Manufaktur. Versendet wurde eine Schachtel von 1 Pfund 20 1/2 Loth wofür 8 gute Groschen Porto anfielen. Sehr schön ist der Einkreisstempel mit einem "H" zu sehen, welcher auch die frühste bekannten Verwendung ist. Siegelseitig sind nur Kartierungsnummern.



Dieser Beleg ist vom 26.03.1829 und lief als portofreie Herrschaftliche Schulsache an den Rector Schober nach Schleusingen. Das Paket wog 24 Loth der Einkreiser mit dem "H" in einer neuen Type ist einer der schönsten Abschläge.



Weiter geht es mit dem Beleg vom 21.11.1832, welcher barfrankiert wurde. Ein Korb von 18 Pfund 12 Loth, signiert H.B. an den „Herrn J. G. Boltze in Salzmünde bei Halle“ wurde aufgegeben. Jetzt wurde der K1 "L + Posthorn" - bisher der schönste mir bekannt Abschlag, verwendet - siegelseitig Ausgabestempel
Taxierung:

18 Pfund * 3 Pfennige * 2 Entfernungsstufe = 108 Pfennige = 9 Sgr.

Das Paket wurde in Halle/Saale ausgegeben und dies ist mit dem Zahlenstempel 3 vorderseitig bestätigt worden.



Und der letze Beleg ist vom 03.01.1835 für ein 25 Loth schweres Paket an den Magistrat zu Osterburg, diesmal als portofreie Herrschaftliche Steuer Sache. Jetzt ist es der Einkreiser "L" + Keile.

Allgemein wird immer wieder zu den 4 Stempel geschrieben. Laut den Angaben von Herrn Freye ordnet er die beiden "H"-Stempel dem Ober-Postsekretär Carl Hichtel, die beiden "L"-Stempel dem Ober-Postdirektor Johann Daniel Adolph Lewecke zu. Leider gabt er keine Quellenangaben an.

Der letzte "E"-Stempel wird dem Packmeister Ernst Eisfeld zugeordnet und m.E. spricht auch einiges dafür, dass weiterhin Packmeister diese Stempel führten. Dazu geben Adressbücher Auskunft. Zur Zeit der beiden "H"-Stempel war es Adam Hagemann, beim "L"-Stempel ein Herr Lohse.

Weiterhin ist zu erwähnen, dass ab 01.01.1822 Magdeburg auch Oberpostamt war und somit auch die Kontrollen in den unterordneten Postämtern durchführen mußte. Dazu wurden sicherlich auch die Ober-Postsekretäre eingesetzt.

Gegen den Oberpostdirektor Herrn Lewecke spricht vorallem, dass zur Zeit der Verwendungszeit der "L"-Stempel, die Planung und Durchführung des Um- bzw. Neubau des Postamtes stattfand.

Auch gibt es Diskussionen ob noch ein "K"-Stempel vorhanden gewesen sein soll und dieser wurde dem Ober-Postsekretär Kalbeck zugeordnet. Soweit ich es bisher beurteilen kann, sind es alles Abschläge des 1. H-Stempels in starker Abnutzung.

Herr Kalbeck ist auch besonderer Herr, denn er ist spätestens ab 1826 als Oberpostcommissär und Kassierer tätig. Er ist sowas wie der Haupt-Buchhalter auch später als Magdeburg Operpostdirektion wurde, ist er in dieser Position angestellt.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 09.09.2017 16:06:22 Gelesen: 5283# 19 @  
Liebe Sammelfreunde,

mit dem Umbau des Postamtes bzw. kurz danach wurden die "personalisierten" Stempel abgeschafft. Dies läßt sich auf Anfang 1836 festlegen. Es ist jetzt ein "neutraler" Stempel, welcher auch nur in diesem Jahr bei der Paketaufgabe genutzt wurde. Als Packmeister ist immer noch Herr Lohse im Postamt tätig.





Beide Belege liefen 1836 jeweils als portofrei. Der neue Stempel ist nun ein Einkreistempel A mit darunter liegendem kleinem Posthorn. Er wird uns wieder begegnen, jedoch dann in einer anderen Funktion.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 10.09.2017 14:34:17 Gelesen: 5253# 20 @  
Liebe Sammelfreunde,

heute mal nur Text, welcher sicher recht interessant ist.

Dazu erstmal ein Ausschnitte eines Bericht des damaligen Oberpostdirektors Daniel Lewecke vom 10.09.1836 an das Generalpostamt in Berlin:

„...
Es bleibt daher nichts übrig, als die neue Packkammer, mit neuen Utensilien und Behältnissen zu versehen, welche die Sicherheit herbeiführen und den erforderlichen Anstande genügen.

Die Packkammer hat die Bestimmung, alle Gegenstände zu erfassen, welche mit den Posten versandt werden, und mit diesen ankommen und hier distributirt werden. Sie muß daher für die Aufbewahrung dieser Postgüther, abgesonderte Behältnisse erhalten, und zum ungehinderten Bewegen der Personale. Behufs der Manipulierung der Päckereien, Räume nachweisen, ohne welche die geregelte Handhabung des Dienstes unmöglich wird.

Sie muß ferner für das unbefugte Eindringen des Publicums geschützt sein, und es müssen alle zum Lagern der Päckereien bestimmten Behältnisse unter Verschluß gelegt werden können, damit der Verwalter dieses Dienstzweiges nicht allein gesichert ist, sondern auch in vorkommenden Fällen verantwortlich gemacht werden kann.

Wie ich nun zur Erreichung dieser Zwecke die Packkammer einzurichten beabsichtige, weist die gehorsamst angelegene Zeichnung nach.
Ich erlaube mir nun, das Detail der Einrichtung zu berühren, und sende nur voran, daß die gegenwärtige Geschäftseintheilung während des Dienstbetriebs in dem Interims-Locale, durchaus nicht geändert wird, daß die nöthig werdenden Veränderungen, wohin aus, das Bedürfniß einer besonderen Packkammer-Expedition gehöret, bis zur Herstellung und Beziehung des neuen Locale ausgesetzt bleiben.
...
Die dieser Expedition gegenüberliegende Thüre zur Packkammer, giebt dem Publico Zutritt zur Packkammer. Damit dasselbe nicht in das Innere dringen kann, ist in diesem eine barriere gezogen, welche in der linken Seite eine Thür enthält. Ist die Auflieferung und die abholung stark, was periodisch vorkommt, und entsteht auf dem Flur und außerhalb der barriere ein Drängen, so kann das abgefertigte Publicum durch diese Barrieren-Thür zu der ihr gegenüberliegenden Hausthüre gelangen, und dadurch diese abtreten.

Die Thüren in der Fronte, sind zum Vorfahren der Wagen, Behufs des Ab- und Beladens bestimmt. Die beiden zwischen den Thüren vor den Fenstern bezeichneten Tische, sind zur Aufstellung der kleinen Waagen und als Schreibtische für den Packmeister und seine Gehilfen bestimmt. Unter jedem Tische kommen 2 zum Verschluß eingerichtete Behältnisse, bestimmt zum Lagern des Gepäcks der Schnellpostreisenden, welche dadurch unter Controlle gestellt wird. 4 solcher Behältnisse sind erforderlich, damit dieses Gepäck coursweise gelagert werden kann, und Irrsendungen vermieden werden.

An 2 Tagen der Wochen gehen 2 und an 6 Tagen der Wochen gehen 3 und am 7ten so dreitage, gehen 4 Schnellposten in kurzen Zwischenräumen von ½ und 1 Stunde ab, von denen besonders die nach Berlin und Leipzig welche an 5 Tagen in der Woche gleichzeitig abgehen, stets mit mehreren hier zugehenden Personen besetzt sind.
Zwei große Waagen sind dringend nöthig. Diese habe ich zwischen den Pfeilern so angebracht, daß sie den Raum nicht beengen und den bequemen Durchgang zu den Packeträumen nicht behindert. Die Packeträume zur Lagerung nach den verschiedenen Coursen, mit Rücksicht auf die nach den Richtungen vorkommenden Sendungen abgetheilt, und diese dem Lauf der Posten angemessen so gereihet, daß die gleichzeitig abgehenden Posten, nicht von einer und ebenderselben Thüre aus beladen werden dürfen, sondern daß jeder Wagen vor einer besonderen Thür vorfahren kann.

Diese Packeträume haben 8 Fuß Tiefe und 6 Fuß Höhe.

Sie reichen:

No 1 Cours nach Berlin, 8 Fuß Breite, abgehend Sonntag, Dienstag, Donnerstag, Sonnabend Abends 7, Mittoch Nachmittags 4 Uhr
No 2 Cours nach Torgau und Erfurt, 5 Fuß Breite, abgehend nach Torgau Dienstag, Sonnabend Mittag, nach Erfurt Sonntag, Dienstag Abend.
No 3 Cours nach Emmerich und Nordhausen, 6 Fuß Breite, abgehend nach Emmerich Sonntag und Mittwoch Abend, nach Nordhausen Montag und Donnerstag Abend
No 4 Cours nach Halberstadt und Braunschweig, 4 Fuß Breite, abgehend nach Halberstadt Dienstag und Sonnabend Morgen, nach Braunschweig Montag und Freitag Morgen.
No 5 Cours nach Hamburg, 5 Fuß Breite, abgehend Dienstag, Freitag Abend
No 6 Cours nach Leipzig per Halle
Leipzig per Cöthen 6 Fuß Breite,
Calbe
abgehend nach Leipzig per Halle Nachts zum Montage und Freitage, nach Leipzig per Cöthen Dienstag und Sonnabend Mittag, nach Calbe Mittwoch und Freitag Abend.
No 7 Cours nach der Altmark, 6 Fuß Breite,
abgehend nach Salzwedel per Stendal Mittwoch und Sonnabend früh, nach Salzwedel per Gardelegen Montag und Donnerstag Morgens, nach Stendal Montag, Mittwoch, nach Neuhaldensleben Mittwoch und Sonnabend Abend.

Bei dieser Eintheilung werden Versehen, in Irrsendungen und Liegenbleiben bestehend, nicht gut möglich sein, da nach der Beladung jeder Post, der Raum gereinigt sein muß, wenigstens kann das übersehene Eintragen eines Packets im Frachtzettel gleich entdeckt und die Recherche angestellt werden. Zur genauen Übersicht werden aber 7 Stempel mit dem Buchstaben C und der Nummer eines dieser Behältnisse erforderlich und mit diesem die Adressen zu den Packeten, mit der Nummer des Raumes zu bestempeln auf den das Packet gelagert ist, der Expedient kennt die Nummer der Räume und kann durch den Stempel, bei der Eintragung der Adresse in die Karten, gleich Kenntniß nehmen, ob das Packet in den bestimmten Raum gelegt ist, das etwa vorkommende Versehen gleich redressiren laßen, und dadurch jeden aufenthalt vorbeugen, der durch das Heraussuchen aus anderen Räumen beim Verlesen der Poststücke, Behufs der Übergabe an den Schirrmeister und des Verladens hervorgebracht wird, welcher nicht selten den prompten Abgang der Posten behindert.

Die Räume werden durch feste aber nicht plumpes Gitterwerk abgetheilt, dadurch erhalten sie im Innern Halle, und von Außen zu übersehen. Jeder Raum muß verschließbar sein. Dadurch wird der Verwalter dieses Geschäftszweiges in den Stand gesetzt, sich sicher zu stellen daß, während er das Local verlassen hat, Niemand zu den Packen gelangen kann. Es würde zu weit gehen, wenn jeder Verschluß mit besonderem Schlüssel geschlossen werden sollte, es genügt, wenn ein Schlüssel zu allen Schlössern paßt. Werden diese Behältnisse auf ebener Erde angebracht, so gestatte es der Raum der Packkammer nicht, daß auch die Räume zur Lagerung der mit den Posten ankommenden, und hier distribuirt werdenden Packete zur ebenen Erde beschafft werden können.

Zur Beschleunigung der Manipulation ist deren Lagerung in besondere Behältnisse Coursweise so wünschenswerth als erforderlich. Bei Ankunft der Posten werden die Packete zwar nach den Frachtzetteln verlesen. Zur genauen überzeugung der übereinstimmung mit den Adressen, müssen sie mit diesen verglichen werden, bevor sie in die Aufbewahrungs-Räume gelangen, jede Adresse wird, wie bei der Auflieferung mit einem Stempel bedruckt, welcher das Behältnis bezeichnet, in welchem das Packet gelagert ist, als welches bei der Abholung des Packets das Auffinden desselben ungemein erleichert. Es treffen aus einem Orte Packete mit verschiedenen Posten ein, wodurch dieselben auch in verschiedenen Behältnissen gelagert werden. Zur Unterscheidung des Stempels für die colligirten Packete, welcher den Buchstaben C (Cours nach) hat, würde ich den Stempel für die distribuirten Packete den Buchstaben P (Post nach) oder A (Ausgabe) geben.
Die Packeträume müssen nun über die bereits erwähnten für die Colligirung bestimmen Räume angebracht werden. Sie werden ebenfalls aus Gitterwerk gebildet, damit die inneren Behältnisse übersehen werden können. Die einzelnen Behältnisse werden ebenfalls zum Verschluß eingerichtet, verschieden von dem für die colligirten Packete, wobei es wie bei jenen genügend ist, wenn sämtliche Verschlüsse nur einen Schlüssel angepaßt werden.

Da es schwierig bleibt, große Ballen in diese Packeträume zu bringen, so bleibt für diese zur ebenen Erde, zwischen dem Behältnis No 1, und den hieran stoßenden Theil der Seitenwand, in dem sich zugleich das zur Übersicht der Packkammer von der Steuer-Expedition aus, angebrachte Fenster befindet ein leerer Raum.
Der Boden dieser Behältnisse welcher zugleich die Decke der, für die Colligirung bestimmten Behältnisse bildet, erhält eine schräge Richtung, hinten Höher, vorne niedriger, wodurch das Innere der Behältnisse, leichter zu übersehen ist.
Der Zugang zu ihnen wird durch Ansetzen von Treppenleitern erleichert.
Die Behältnisse erhalten eine Tiefe von 5 Fuß 6 Zoll und es bleibt von den Schlüssen ein 2 Fuß 6 Zoll breiter Gang, der zum Bewegen von einem Behältnis zum anderen nötig sein wird. Wenn nur ein einzelnes Subject die Annahme und Ausgabe besorgen müßte, so würde für dasselbe, die vorbemerkte Einrichtung allerdings Schwierigkeiten darbieten; allein der Packmeister hat einen Gehilfen ununterbrochen, demnächst werden die Passagierbotem, und die hier lagernden Schirrmeister zu dieser Dienstleisteung mit herangezogen und es höret bei dem mehreren dienstthuenden Personal alle und jede Schwierigkeit auf. Mit Rücksicht auf den Lauf und den Umfang der ankommenden Posten, wird die Eintheilung des Packetraumes in verschiedene Behältnisse sich folgend am vorteilhaftesten gestalten:

No 1 Posten von Berlin, 8 Fuß Breite, ankommend Sonntag, Montag, Mittwoch, donnerstag und Freitag Abend
No 2 Posten von Torgau und Erfurt, 5 Fuß Breite, ankommend von Torgau Nachts zum Montage und Donnerstage, von Erfurt Dienstag und Sonnabend Vormittags
No 3 Posten von Emmerich und Nordhausen, 6 Fuß Breite, ankommend von Emmerich Sonntag und Donnerstag Abend, von Nordhausen Dienstag und Sonnabend Vormittag
No 4 Posten von Halberstadt und Braunschweig, 4 Fuß Breite, ankommend von Halberstadt Dienstag und Sonnabend Nachmittags, von Braunschweig Sonntag, Donnerstag Morgens
No 5 Posten von Hamburg, 5 Fuß Breite, abkommend Nachts zum Montage und Freitage
No 6 Posten aus Leipzig und Calbe, 5 Fuß Breite, ankommend aus Leipzig per Halle Dienstag und Freitag Vormittags, aus Leipzig per Cöthen Montag und Donnerstag Morgens, aus Atzendorf Freitag und Mittwoch Nachmittags, aus Calbe Mittwoch und Freitag Morgens
No 7 Posten aus der Altmark, 6 Fuß Breite, ankommend aus Salzwedel per Stendal Sonntag, Donnerstag Abends, von Salzwedel per Gardelegen Nachtss zum Dienstage und Sonnabende, von Stendal Dienstag Nachmittags, von Neuhaldensleben Mittwoch und Sonnabend Morgens.

Durch die Eintheilung wird es möglich, die Räume vor Ankunft der folgenden Lagerung zu leeren, und das anhäufen der Päckereien in den Behältnissen zu vermeiden.

Die Erhellung der Packkammer in den Dunklen Stunden und bei nächtlicher Ankunft der Posten, muß so geschehen, daß nicht allein das Innere durchaus erhellet wird, daß viel mehr auch die Behältnisse der Packeträume Erhellung erhalten.
Hierzu werden mehrere größere oder kleinere feststehende Lampen erforderlich, die zweckmäßig angebracht werden müssen, was bei dem Anfange der Benutzung geprüft werden muß. Licht müssen der nicht zu minderden Zugluft, und auch der Feuersgefahr wegen, so viel als möglich vermieden werden.

Was außer diesen Einrichthungen noch nöthig ist, wird sich bei dem Anfange der Benutzung ergeben. Dieses kann nur in Kleinigkeiten bestehen, es werden hierzu die alten Utensilien zweckmäßig umgeformt und benutzt werden können, wodurch sich die Anschlagekosten nicht erhöhen werden, wenn diese nachträglichen Bedürfnisse in die Verdingung mit inbegriffen werden.

Indem Euer Excellenz und Ein hoher General-Post-Amt ich gehorsamst bitte:
die projektirten Einrichtungen als dem Local anpassend und dem Bedürfnis entsprechend hochgeneigtest genehmigen, und die Ausführung verfügen wollen,
füge ich gehorsamste Bitte hinzu:

1. Für dieses neue Local auch 2 neue große Waagen mit Ketten und 1 Satz Gewichte verabreichen zu lassen, die Rücklieferung der alten Waage genehmigen zu wollen.
2. Für die Colligirung 7 Stempel mit dem Buchstaben C und No 1 bis 7.
3. Für die Distribuirung 7 Stempel mit dem Buchstaben P oder A und der No 1 bis 7
4. 1 Stempelapparat und
5. 2 Kästchen mit 7 Abtheilungen, zur Aufstellung dieser Stempel, verabreichen zu lassen.
Höchst denen selben übereiche ich gehorsamst den Anschlag der Einrichtungskosten, und die, die Einrichtung nachweisende Zeichnung. Die Ausführung der Arbeiten dürfte mit mehreren Vortheil durch vorangehende Verdingung zu erreichen sein, deßhalb ich auch in dieser Beziehung der Bestimmung entgegen sehe, und nur um möglichste Beschleunigung der Verfügung ehrerbietigst bitte.
Lewecke“


Laut den Ausführungen gingen die Zeichnungen des Herrn Leweckes verloren.
Dieser Bericht ist in Zusammenhang mit dem Posthaus-Neubau zu sehen, welcher im Februar 1836 begann. Die Schwierigkeit bestand darin, dass der Postbetrieb aufrecht erhalten bleiben musste. Vor dem Neubau war das Postgebäude im Breiten Weg 205 untergebracht. Durch den Zukauf des Nachbargebäudes, der Nr. 204, wurden zuerst die Hof- und Hintergebäude abgerissen und neu errichtet. Dies wurde am 1. November gleichen Jahres inklusive der behelfsmäßigen Diensträume abgeschlossen, so dass im Folgejahr der Abriss und danach der Bau des eigentlichen Hauptgebäudes begonnen werden konnte. Das gesamte Bauprojekt konnte erst Ende 1838 mit Verzögerungen beendet werden, soweit hierin erkennbar.

Verwirklicht wurden die Stempel „C“ mit der Ziffer 1 bis 7 und „A“ mit den gleichen Ziffern. Das „A“ wird jedoch für Ankunft stehen und nicht für Ausgabe, da hierfür andere Stempel genutzt wurden.
Die zweite Serie besteht aus Rahmenstempel A.No bzw. C.No jeweils mit Ziffer und wurde anschliessend bis etwa Anfang 1854 genutzt.
Bei den Stempel mit "C" beginnend sind die Ziffern 1 bis 7, bei den mit "A" beginnend nur die Ziffern 1 bis 4 in Verwendung.
Alle "C" beginnenden Stempel sind neben der Aufgabe auch im Transit verwendet wurde, die mit "A" beginnend nur bei der Ankunft.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 10.09.2017 14:39:30 Gelesen: 5252# 21 @  
@ Magdeburger [#20]

Lieber Magdeburger,

hervorragender Bericht, in dem unschätzbares Wissen vermittelt wird, ohne das wir alle nur Laien bleiben würden, wüssten wir es nicht!

Sensationell und vielen Dank fürs Einstellen - Bilder braucht es dazu nicht, so gut ist alles beschrieben.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Magdeburger Am: 20.10.2018 17:54:01 Gelesen: 1158# 22 @  
Liebe Sammelfreunde,

demnächst habe ich endlich Urlaub und hoffe doch endlich hier weiter fortsetzen zu können. Entgegen meiner Absicht die Chronologie einzuhalten, möchte ich einen Brief noch einsetzen. Er paßt zeitlich noch zu [#18].



Adressiert ist er an S(eine)r Durchlaucht dem regierenden Herzogs und Herrn p.p. Wilhehm zu Braunschweig te te te (in) Braunschweig

Deklaration: Nebst einem Paquet Bücher in grauer Leinwand gez(eichnet) BL #126 Wert 11 R(eichs)th(aler) Fortsetzung von A. Asher's Buchhandlung

Aufgegeben wurde das Paket von 4 Pfund 20 Loth am 29.11.1834 in Berlin. Dort wurde auch siegelseitig die 6 1/2 Sgr. preussische Forderung notiert.

Die Besonderheit liegt hier darin, obwohl ein Wert deklariert wurde, wurde er nicht berücksichtigt, da hier Bücher und kein Geld, Silber, Gold usw. versendet wurde. Man spricht von ein ungezwungenen also freiwilligen Declaration. In diesem Falle, wurde das Paket nach Gewicht taxiert.

So finden wir auch einen Stempel der Magdeburger Packkammer und zwar den Einkreiser L + Posthorn. Hier noch der Stempel in besserer Auflösung und der Inhalt:



Insgesamt sind also Porto 8 Gute Groschen in Braunschweig taxiert worden. Der Herzog wird dies persönlich höchstwahrscheinlich nicht bezahlt haben, sondern die dortige Staatskasse.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 31.10.2018 10:06:43 Gelesen: 1039# 23 @  
Liebe Sammelfreunde,

heute geht wieder mal weiter.

Eingesetzt wurden die neuen Stempel ab 1837, die erste Serie, bestehend aus „C“ für Colligiert und „A“ für Ankunft sowie der Cursziffer 1 bis 7 kann bis 1844 nachgewiesen werden. Die zweite Serie ist nun ein Rahmenstempel, C.No X bzw. A.No X. Allerdings kann nur für die „C“ Serie die Nummer 1 bis 7 nachgewiesen werden, bei „A“ hört die Nummerierung bei 4 auf. Allen C-Stempel ist gemeinsam, dass sie sowohl bei der Aufgabe, als auch im Transit vorkommen.

Dabei ist zu bemerken, dass mit der Paketbeförderung durch die Eisenbahn ab Ende 1840 sich grundlegende Änderungen der Kurse sukzessive bemerkbar machten. Je nach Ausbau der Eisenlinien und deren Inbetriebnahme lassen sich die Kurse nur bis etwa 1848 nachweisen. Es ist jetzt höchstwahrscheinlich so, dass nun eine freie Kammer für einen Curs diente ohne einen Bezug zur frühen Idee hatte.

Weiterhin blieb es dabei, dass eine Abstempelung bei Pakete mit deklariertem Wert weitestgehend unterblieb. Erst nach der regulären Verwendung ab 1855 finden sich wieder Belege mit den Stempeln C.No 5 bzw. A.No 5 ausschliesslich bei Wertpaketbegleitungen.

Heute geht um die Kurse von und aus der Altmark, als ein Beispiel für deren Einsatz. Dazu jetzt eine Karte mit den eingezeichneten Routen, sowie den Zeiten:



Cours nach der Altmark, 6 Fuß Breite,
(1) abgehend nach Salzwedel per Stendal Mittwoch und Sonnabend früh,
(2) nach Salzwedel per Gardelegen Montag und Donnerstag Morgens,
(3) nach Stendal Montag, Mittwoch,
(4) nach Neuhaldensleben Mittwoch und Sonnabend Abend

Cours aus der Altmark, 6 Fuß Breite,
(1) ankommend aus Salzwedel per Stendal Sonntag, Donnerstag Abends,
(2) von Salzwedel per Gardelegen Nachts zum Dienstage und Sonnabende,
(3) von Stendal Dienstag Nachmittags,
(4) von Neuhaldensleben Mittwoch und Sonnabend Morgens

Wie zuerkennen gab es vier Kurse in beide Richtungen, wobei der 3. nur eine Teilstrecke der Nummer 1 und Nummer 4 nur eine Teilstrecke der Nummer 2 darstellt.

Als erstes die Aufgabe und die entsprechenden Curse bis 1844:



Paket von 5 Pfund 22 Loth wurde am Donnerstag, den 21.Dezember 1837 incl. Postvorschuß von 7 Sgr. 6 Pfennige nach Salzwedel aufgegeben. Am 24. war die Ausgabe und er lief am 23. in aller frühe über Wolmirstedt - Stendal - Osterburg nach Salzwedel (1).

Taxierung: 7 ½ Sgr. Postvorschuß + ¾ Sgr. ProCura = 8 ¼ Sgr. + Schrifttaxe 12 Sgr. + 3 Sgr. Geldporto + ¼ Sgr ProCura = 23 ½ Sgr. Gesamt



Am 2.November 1840 wurde ein Paket mit einem Gewicht von 2 Pfund 30 Loth nach Gardelegen aufgegeben, was über Neuhaldensleben nach Gardelegen (2) ist.



Am Sonntag den 1.Januar 1837 nach Vinzelberg“ als portofreie Herrschaftliche Polizei Sache aufgegebenes Paket von 26 Loth. Am Montag ging es über Wolmirstedt - Burgstall nach Stendal (3), von wo es am Dienstag weiter in Richtung nach Gardelegen nur bis Vinzelberg ging.

Es ist die frühste nachgewiesene reguläre Verwendung der Curs- bzw. Lagerplatz-Stempel.



Am Freitag den 26. Januar 1838 nach Neuhaldensleben (4) gesendetes Gartenbuch von 2 Pfund 24 Loth aufgegeben und am Folgetag um 6 Uhr Abends befördert. Taxiert ist er mit dem Mindestfahr-Posttarif von 3 Sgr.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 31.10.2018 10:20:08 Gelesen: 1034# 24 @  
Liebe Sammelfreunde,

so nun gleich weiter:

Die Ankunft und Ausgabe bis 1844:

Erwähnenswert ist hier noch, dass er ursprüngliche Paketaufgabestempel nun für die Paketausgabe eine neue Bestimmung gefunden hat.



Am 9.Juli 1841 in der im Herzogtum Braunschweig liegende preußischen Exklave Wolfsburg aufgegebenes portofreies Acten-Paket von 5 Pfund 2 Loth, welches als Herrsch(aftliche) Dröml(inger)-Meli(orations) Sache deklariert wurde. In Oebisfelde war das Grenzpostort Preußens zu Braunschweig, wo es am Sonntag den 11.Juli eingegangen ist. Einzig der Kurs über Gardelegen - Neuhaldensleben - Magdeburg läßt sich mit den Daten in Verbindung bringen. Die beiden oberen Zahlen "65" und "17" sind Kartierungsnummer.



Actenpaket von 2 Pfund 26 Loth von Wolmirstedt 07. Dezember 1837 nach Magdeburg. Porto von
4 Sgr. = 4fachen Brieftaxe. Vorderseitig die beiden Stempel A1, gestrichen (Kurs aus Berlin) und A7 (Kurs aus der Altmark). Richtig ist der Stempel A7, gelaufen auf dem Kurs von Salzwedel per Stendal.

Aufgabe ab 1845 – Kurse lassen sich nur noch schwer nachweisen!



Am Mittwoch den 2.Oktober 1844 als portofreie Herrschaftliche Polizeisache aufgegebenes Paket von 6 Pfund 20 Loth nach Isenschnibbe.

Am Folgetag ging es über Neuhaldensleben nach Gardelegen. Isenschnibbe, auch als Burg Gardelegen bezeichnet, wurde von Gardelegen aus versorgt.



Am Dienstag den 1.Dezember 1846 versendetes barfrankiertes Paket und einer Rolle, gewogen 1 Pfund 10 Loth sowie 2 Pfund 1 Loth an das 1,5 nach Wolmirstedt.
Taxierung ist ab 2 Paketen mindestens die dreifache Brieftaxe, was hier zur Anwendung kam.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
  Antworten    zurück Suche    Druckansicht  
 
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.