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Thema: Vorphilatelie: Schnörkelbriefe und andere Belege aus der Vorphilazeit
Das Thema hat 255 Beiträge:
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roteratte48 Am: 12.07.2012 20:45:30 Gelesen: 209547# 131 @  
@ Hawoklei [#128]

Ein bißchen liegt Marcel mit seiner Transkription daneben - aber das passiert immer mal, vor allem, wenn der Scan nicht ausreichend klar lesbar ist. Daß er sich solcher Fragen annimmt - dafür "chapeau"!

Es handelt sich um einen Brief des Landgerichtes zu Michelstadt "in Sachen der hanöverischen (?) Stiftungskasse zu Fränkisch-Crumbach contra Schuldner zu Niederkainsbach wird Kläger benachrichtiget, daß sämtlichen Beklagten Mahnbefehle mit 14-tägiger Frist zugefertiget worden sind / Michelstadt 6. Mai 1841 / Gr. (für großherzoglich-Hessisches) Landgericht / Signatur"

Fränkisch-Crumbach liegt südöstlich von Darmstadt und ist ca. 20 km von Michelstadt entfernt - es handelt sich nicht(!) um KULMBACH!

Lieben Gruß - Rolf
 
Marcel Am: 13.07.2012 06:31:14 Gelesen: 209494# 132 @  
@ roteratte48 [#131]

Manchmal verrennt man sich eben, je länger man drauf schaut, um so schlimmer wirds. Nichts für ungut - die Hauptsache ist, dass Hans seinen Brief jetzt lesen kann. Es ist gut, wenn sich mehrere dieser Sache annehmen, um Fehler zu revidieren.

Schönen Gruß zurück
Marcel
 
Hawoklei Am: 13.07.2012 12:48:52 Gelesen: 209471# 133 @  
An alle in dieser Runde,

als nächstes zeige ich einige "Rechnungen", die als Faltbriefe in der Zeit der "Hufeisenstempel" versandt wurden!

Zuerst eine Rechnung der "Gebrüder Lantz" aus Mülhausen im Elsass (Kunstgewerbe) an die Firma "Leon u. Leopold Lehmann" in Saargemünd.

Zeit: Februar 1874

Beste Grüsse Hans


 
Hawoklei Am: 13.07.2012 13:25:21 Gelesen: 209462# 134 @  
Die nächste Rechnung ging am 20. Juli 1874 von Mülhausen/Elsass nach Oderen/Wesserling, mehr kann ich leider nicht übersetzen.

Beste Grüsse Hans


 
Hawoklei Am: 13.07.2012 14:09:42 Gelesen: 209458# 135 @  
Als dritter Beleg hier eine Rechnung von Leipzig nach Bozen, datiert vom 28. Januar 1868. Es stand der Name des Absenders "Hermann Samson" in Leipzig eng in Verbindung mit der dortigen "israelitischen Religionsgemeinde". Ebenso führte Hermann Samson in Leipzig einen sehr bekannten "Textilgroßhandel", womit wohl auch diese Rechnung zu tun hat. Sie ist auf Herrn "Anton Oberrauch in Bozen" ausgestellt, der sehr bekannt dort war/ist und bereits 1846 ein Geschäft für Tuche und Stoffe und einen Textilgroßhandel geschaffen hat, das/der heute noch fortgeführt wird.

Beste Grüsse Hans


 
Hawoklei Am: 16.07.2012 08:57:45 Gelesen: 209236# 136 @  
Dieser Brief war zusammen mit einer Rechnung Inhalt in einem Faltbrief von 1870. Worte kann ich zwar einzeln lesen, aber der Sinn des ganzen Briefes würde mich schon interessieren. Der Empfänger war "Bäcker und Colon", was immer das damals auch geheißen hat. Kann jemand helfen?

Beste Grüsse Hans


 
bayern klassisch Am: 16.07.2012 12:19:30 Gelesen: 209206# 137 @  
Hallo Hans,

das Wort "Colon" lese ich nicht und es hätte auch keinen Sinn gemacht 1870. Es war ein Geschäftsbrief, in dem es um Eisenwaren ging. Der Empfänger bedankt sich für die netten Worte seines Geschäftspartners bzgl. des Todes seines Sohnes; evtl. hatte das etwas mit dem Krieg 1870/71 zu tun, was es wieder interessant machen würde (wenn gleich sehr traurig auch).

Vlt. liest du "Cöln" als Colon?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Hawoklei Am: 16.07.2012 12:57:49 Gelesen: 209202# 138 @  
@ bayern klassisch [#137]

Hallo Ralph, danke für deine Erklärungen.

Der Brief ging an Heinrich Wilhelm Francks in Exten. Nach dessen Beruf habe ich dann bei Google gesucht und diesen Link gefunden: http://brands-ahnen.brand-heinrich.de/p969.htm

Meine weitere Suche ergab, dass "Colon" etwas mit "Darm"(?) zu tun hat. Da wußte ich natürlich nicht mehr weiter und dachte, dass der Text des Briefes dazu etwas Näheres aussagen würde.

Es war ein Geschäftsbrief, in dem es um Eisenwaren ging.

Da kann ich mir dann doch vorstellen, dass ein Bäcker in der Backstube z.B. ein Messer-Set" gebrauchen konnte und es mit dieser Rechnung geliefert bekommen hat. Ich stelle hier mal den ganzen Vorgang ein! Vielleicht kriegen wir dann etwas Licht in´s Dunkel!

Beste Grüsse Hans


 
bayern klassisch Am: 16.07.2012 16:06:46 Gelesen: 209185# 139 @  
Hallo Hans,

ausweislich der Rechnung wurden 7 Börden mit 700 Pfund raffinierten Messerstahl versandt bzw. verkauft. Ich glaube, der Empfänger war kein Kleinunternehmer, denn das ist ja schon eine ganze Ladung.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Hawoklei Am: 16.07.2012 17:34:51 Gelesen: 209176# 140 @  
@ bayern klassisch [#139]

Hallo Ralph,

danke für Deine Hilfe. Ich denke der ehemalige "Bäcker" hat einen anderen Beruf ergriffen, bzw. der angegebene Beruf ist eine "Fehlinformation"!

Beste Grüsse Hans
 
Lothar Schrapp Am: 16.07.2012 17:57:46 Gelesen: 209169# 141 @  
Falls es noch von Interesse ist:

Mit Colon hat man im 19. Jahrhundert den "Ackersmann", also Landwirt, bezeichnet.

Freundliche Grüße
Lothar Schrapp
 
Hawoklei Am: 17.07.2012 12:13:50 Gelesen: 209103# 142 @  
@ Lothar Schrapp [#141]

Hallo Lothar,

das ist für mich sehr wohl noch von Interesse! Dann wäre das Berufsbild "Landwirt und Bäcker" ja durchaus denkbar gewesen, der Betreffende muss ja nicht alles selbst gemacht haben, sondern er war eben der "Boss"! Danke noch einmal!

Beste Grüsse Hans
 
philapit Am: 30.09.2012 11:46:29 Gelesen: 205537# 143 @  
Schnörkelbrief Vorphila von 1792

Hallo Philafreunde!

Wer kann helfen und evtl. dieses Dokument lesen? Um was handelt es sich? Da das Wort Infanterie, geloben, schwören u.s.w. vorkommt, ist es evtl. eine militärische Botenpost.

Stempel über 1 Groschen ist auf 2 Seiten oben links. Weiterer Name: Leopold des Zweiten! General-Inspector?

Bei einem Sammlertreff wurde von einem "Experten" festgestellt, es würde sich um einen Taufbrief handeln. Ich sage schon mal Danke für eventuelle Hilfe.

Philapit


 
Marcel Am: 01.10.2012 08:46:09 Gelesen: 205471# 144 @  
@ philapit [#143]

Hallo philapit,

was es genau ist, kann ich auch nur vermuten, aber ich kann Dir eventuell helfen, Dein Dokument etwas zu entschlüsseln.

Der Stempel mit "Ein Groschen" ist das Wappen der Reichserzmarschälle und Kurfürsten von Sachsen.



Was Deine Siegelmarke betrifft so ist es ein Notar Christian Ambroisus Mi(....). Initialien im Stempel: C A M.

Leider kann ich den Nachnamen nicht richtig lesen, aber auf der Siegelmarke könntest Du noch Glück haben.

Das Siegel zeigt einen Kranich - im Wappen steht er als Symbol der Wachsamkeit.

Häufig ist der Kranich auch in Ost-Thüringen und im Vogtland auf Wappen anzutreffen. Grund hierfür ist, dass er das Wappentier der Vögte von Weida und später des Fürstenhauses Reuß war. Üblicherweise wird der Kranich im Wappen der Reuß jüngerer Linie schreitend dargestellt, hier hat er den rechten Fuß hochgezogen und hält darin einen Stein, eine in der Heraldik typische Darstellungsweise für einen Kranich, wie sie die Reuß älterer Linie auch in Siegeln verwenden (Herrschaft Kranichfeld).

In Kranichfeld waren lange Zeit auch Wappen gebräuchlich, die nur den Kranich mit Stein zeigten.



Hierzu habe ich im Netz auch etwas gefunden - nämlich ein Petschaft eines sächsischen Notars - fast gleich außer den Initialien und den fehlenden Stein.

http://www.saxonia.com/galerie/od.htm



Bürgerliches Familienwappen, "Schreitender Kranich"

Das Adelsgeschlecht Krahn führte ebenso den Kranich in seinem Wappen, sowie viele andere Ortschaften, polnischer Adel ect. ect.

An einer Villa in Gdansk ist dieses hier zu sehen:

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gdansk_Pawlowskiego_willa_detal.jpg?uselang=de



Was Leopold II. angeht, so fällt mir nur dieser hier ein. Leopold II. (* 5. Mai 1747 in Wien; † 1. März 1792 ebenda) war Erzherzog von Österreich aus dem Haus Habsburg-Lothringen, von 1765 bis 1790 (als Peter Leopold) Großherzog der Toskana sowie von 1790 bis 1792 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König von Böhmen, Kroatien und Ungarn.

Ein weiterer Name ist Hauptmann der kurfürstlichen sächsischen Infanterie Carl Friedrich August von Germar.

Germar ist der Name eines alten thüringischen, reichsritterlichen Adelsgeschlechts mit dem Stammhaus Germar (jetzt Görmar bei Mühlhausen/Thüringen). Die Familie gehörte zu den Schwarzburgern und Stolberger Ministerialen und Vasallen. Im 18. Jahrhundert (Mediatisierung) mussten sich die reichsunmittelbaren Grafen zu Stolberg-Wernigerode dem Königreich Preußen und die Grafen zu Stolberg-Stolberg sowie die Grafen zu Stolberg-Roßla dem Kurfürstentum Sachsen unterordnen. Mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation 1806 verloren die Stolberger ihre Reichsgrafenwürde und wurden 1815 endgültig preußische Standesherren.

Bei dem Siegel auf der Seite steht ungefähr: "vom Notar signiert und beraten in dieser Form der Genehmigung (Anerkennung) ausgefertigt und so geschehen.
Rittergut Mensdorf Jahr des Indiktion-Regimes im Monat ... ausgewählt und spezifiziert."

Rittergut Mensdorf liegt in Nordsachsen in der Nähe von Eilenburg.

Auf der von Dir gezeigten Doppelseite stehen viele Ortschaften, die sich über Frankreich bis hin nach Norditalien erstrecken. Es ist für mich eine notariell beglaubigte Genehmigung - einen Taufbrief halte ich hier für unwahrscheinlich.

Gruß Marcel
 
philapit Am: 01.10.2012 09:10:46 Gelesen: 205459# 145 @  
Hallo Marcel!

Ich kann nur schreiben - vielen Dank für Deine Mühe und die tollen Ausführungen. Hat mir sehr geholfen. Nun kann man die Urkunde zumindest einordnen. Nochmals vielen Dank!

philapit
 
roteratte48 Am: 02.10.2012 17:18:35 Gelesen: 205402# 146 @  
@ philapit [#143]

Glückwunsch zu diesem wunderhübschen Dokument, bei dem es sich nicht um Post handelt, sondern um eine (wie Marcel bereits schreibt) notarielle Urkunde. Der Zustand scheint fast makellos; und die kalligraphische Gestaltung geht über "übliche" Notariatsurkunden deutlich hinaus. Zudem ist sie sehr deutlich und leserlich - wenn Du eine Transkription brauchst, dann schick mir die Seiten als Scan per mail in etwa 300 dpi Auflösung. Hier schon mal die erste Seite:

"Im Nahmen der heyligen hochgelobten Dreyeinigkeit - Kund und zu wissen sey hiermit daß im Jahr nach Christi Geburth Eintausend Siebenhundertzweyundneunzig, Indictione Romana X [das ist das sogenannte Induktionsjahr, berechnet in einem 15-jährigen Zyklus, der mit dem Jahre 3 vor Christi Geburt beginnt - eine sehr häufige Datierung in mittel- und spätmittelalterlichen Dokumenten, mehr dazu zusammen mit der evtl. Transkription] bey Herrsch- und Regierung des allerdurchlauchtigsten, großmächtigsten und unüberwindlichsten Fürsten und Herrn, Herrn Leopolds des Zweyten, erwählten Römischen"

Ausgefertigt wurde das Dokument auf dem Rittergut MENSDORF bei Eilenburg; ca. 20 km nordöstlich von Leipzig.

Daß es Sammler gibt, die an diesen Dingen Freude haben, dies wiederum freut die alte

roteratte48

Gruß ins Forum - Rolf
 
Pommes Am: 02.10.2012 21:44:04 Gelesen: 205349# 147 @  
Ein wunderschönes Stück in sehr guter Erhaltung! Da macht es Spaß genauer hinzusehen.

Kann irgendwer zu dem Stempel oben links etwas mehr sagen? Er wird ja zweifelsohne für die Fiskalphilatelie interessant sein. Marcel in [#144] hat ja schon aus heraldischer Sicht einiges berichtet, mich würde auch die philatelistische Seite interessieren.

Mit den besten Sammlergrüßen
Thomas
 
Marcel Am: 03.10.2012 01:33:14 Gelesen: 205312# 148 @  
@ Pommes [#147]

Hallo Thomas,

also ich sehe den Fiskalstempel als einen Gebührenstempel, der dem Kurfürsten Einkünfte bescherte. Diese Art der Einkünfte wurden in einem Amtsbuch aufgeschrieben und verschafften dem Kurfürsten und Erzmarschällen einen entsprechenden Überblick. Dies war auch üblich für andere Herrenhäuser (z.Bsp. Hannover mit dem Mariengroschen).

Je nach Art und Umfang der aufgesetzten Dokumente variierte auch der Gebührensatz. Im Grunde genommen ist es eine Vorform der später entstandenen Fiskalmarken. Seit wann solche Gebührenstempel im Einsatz waren, entzieht sich leider meinen Kenntnissen. Es wird auch leider im Internet sehr wenig darüber berichtet.

einen nächtlichen Gruß
Marcel
 
roteratte48 Am: 03.10.2012 09:38:30 Gelesen: 205273# 149 @  
@ Pommes [#147]

Hallo Thomas,

in meinem Beitrag zu den sächsischen Kurfürstenbriefen bin ich kurz auf die Taxstempel eingegangen - in Sachsen werden sie per Dekret 1682 eingeführt. Ansonsten hat Marcel dazu alles richtig bemerkt; der Ein-Groschen-Stempel in dieser Form gehört zu den meist verwendeten. Man nennt so etwas auch Impost - die erzielten Einkünfte wurden häufig als Sporteln bezeichnet. Viel zu diesen Themen findest Du, wenn Du "Wolfgang Morscheck" googelst!

Auch Dir sehr herzliche Grüße - Rolf
 
BD Am: 03.10.2012 10:04:42 Gelesen: 205268# 150 @  
Hallo,

ein sehr ungewöhnliches und sehr schönes Dokument. Der Sinn ist mir rätselhaft, sollte es zu einer Transkription kommen, würde ich mich freuen hier die Auflösung des Rätsels zu lesen. Die zweiseitige Auflistung der Titel von Leopold II, die mehrfache Erwähnung des General Accis Inspectors Freygang, ein geloben und schworen in Verbindung mit Germar und 2 Unterschriften von Autoren beziehungsweise Verlegern unter der des Notars ergibt für mich keinen Anhaltspunkt, um was es sich handeln könnte.

@ Pommes und Marcel

Es handelt sich um ein Stempelpapier 1 Groschen, diese Stempelform war von 1730 bis 1814 in Gebrauch. Wie Marcel schon richtig schreibt, galt es die Steuerkasse zu füllen,es mussten alle offiziellen Dokumente auf Stempelpapier geschrieben werden. Einführung in Sachsen 1792 (eine Stempelsteuer gab es in anderen Ländern schon früher) zeitlich befristet für ca 1,5 Jahre in Folge der Türkenkriege, ab dem 1.7.1700 als ständige Einrichtung. Die Höhe der Stempelsteuer war abhängig von der Art des Dokumentes und auch, um wie viel Geld es ging.

Wenn man vom Nachbarn ein Stück Land kaufen wollte, musste man den Kaufpreis kennen. Von 20-100 Taler Kaufpreis benötigte man 1 Gr. Stempelpapier, von 101 bis 500 Taler 5 Gr. Stempelpapier und dann je 500 Taler Kaufpreis 5 Groschen mehr. Man ging zur Stempel-Factorei, die es in jedem Ort gab und ließ sich gegen Bezahlung sein eigenes Papier stempeln oder erwarb schon gestempeltes Papier. Es wurde nur unbeschriebenes Papier gestempelt! Damit ging man zum Notar und dieser schrieb die Kaufurkunde auf dieses Papier. Geburtsbriefe benötigten 2 Gr. Stempelpapier, gerichtliche Quittungen 1 Gr., notarielle Testamente 16 Gr. u.s.w.

Anbei aus meiner Sammlung der seltene Impoststempel von 1682 und ein Impoststempel in einer Erbschaftsangelegenheit, dieser in Abhängigkeit der Summe mit zwei Talern.

Beste Grüße Bernd




 
Magdeburger Am: 03.10.2012 20:32:06 Gelesen: 205189# 151 @  
Liebe Sammelfreunde

ein Beleg mit 7 Siegeln und weil es gerade so schön paßt:

am 02.Oktober 1843 auf 15 Sgr - Stempelpapier geschrieben:



Wir machen Ihnen hiermit bekannt, daß wir Ihnen heute,
auf die Präsentation des Patrons die Verwaltung der erledig=
ten Kantor= und Schulstelle zu Kehnert provisorisch bis zur
abermaligen Prüfung zu Ostern 1845 im Seminar zu Halber=
stadt übertragen haben, daß aber Ihnen wirkliche Bestätigung
in diesem Amte nicht eher erfolgen kann, als bis Sie den
Vorschriften der Verordnung vom 26ten November 1832, Seite 303
des Amtsblattes de 1832 vollständig genügt, in der aberma=
ligen Prüfung bestanden und amtliche Zeugnisse über Ihre prac=
tische Tüchtigkeit und Ihren unbescholtenen Lebenswandel bei=
gebracht haben, widrigenfalls Sie uns Ihren Amte sofort
werden entfernt werden.
Ihrer vorläufigen Einführung in das Ihnen übertragenen
Schulamte wegen, ist das Erforderliche an die Superintendenten
Noeldechen zu Wolmirstedt verfügt.
Magdeburg, den 2ten October 1843
Königliche Regierung
Abtheilung für die Kirchenverwaltung und das Schulwesen

Diese 15 Sgr wurden in Auslage genommen, wie die Vorderseite zeigt:



Gelaufen ist er nach Altenweddingen wieder zurück nach Magdeburg und von dort über Burg - Rogätz nach Kehnert. Leider passen keine Taxen mehr.

Sicher ist, dass der Empfänger 20 1/2 Sgr bezahlte, wie die Siegelseite zeigt.



Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
roteratte48 Am: 22.11.2012 13:39:15 Gelesen: 40642# 152 @  
Mein Lieblingsgebiet innerhalb der Vorphilatelie sind, wie einige hier wissen, die frühen (16. - 18. Jahrhundert) Schnörkelbriefe - aus naheliegenden Gründen zumeist adeligen resp. kirchlichen Ursprungs. Vieles dazu kann man sich anlesen und lernen, Kanzleischrift, politische Zusammenhänge etc. - was auf die Schnelle nicht geht, ist das Nachholen des großen Latinums. Immer wieder aber stoße ich auf dekorative und inhaltlich interessante Briefe aus den Bistumskanzleien, die ausschließlich in lateinischer Sprache abgefasst sind und ich wüßte zu gerne, was darin steht. Gibt es im Kreis der Sammlerfreunde jemanden, der dank humanistischer Bildung da helfen kann? Zwei Beispiele habe ich unten abgebildet - es geht mir nicht um komplette Übersetzungen, sondern lediglich um grobe Inhaltsbestimmungen! Danke fürs Lesen und Anschauen!

Gruß ins Forum - Rolf


 
bayern klassisch Am: 22.11.2012 16:58:33 Gelesen: 40608# 153 @  
Hallo roteratte48,

es ging um Dispense bei der Heirat. Nichts weltbewegendes, weil es damals ohne diesen nicht zum Traualtar gehen konnte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

[Die Redaktion ergänzt: [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Dispens ]
 
roteratte48 Am: 22.11.2012 19:03:07 Gelesen: 40581# 154 @  
@ bayern klassisch [#153]

Lieber Ralph,

klar, daß Du da in die Bresche springst - Dankeschön! Aber ich war bissle zu ungenau. Das mit der Heirat war mir einigermaßen klar. Mich interessiert der jeweilige Grund des Dispenses - im Schreiben Karl-Philipps z.B. zitiert man einen Erlaß des Papstes Benedikt XIV. - welches Ehehindernis wurde hier ausgeräumt? Gleiches gilt für das zweite Schreiben, in dem Bezug genommen wird auf eine Verlautbarung des Papstes Pius VI.

Nochmal Danke - und sorry für meine ungenaue Formulierung!

Liebe Grüße - Rolf
 
bayern klassisch Am: 22.11.2012 20:23:05 Gelesen: 40565# 155 @  
Soweit ich es sehe, geht es um Armut, Mischehen und Vergewaltigung (rapta).

Aber mein fundamentum latinum liegt schon ein paar Dekaden zurück. Vielleicht kann jemand mit frischerem Gedächtnis mehr helfen, als ich es kann.

Liebe Grüsse,
Ralph
 

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