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Thema: Altdeutschland Bayern: Briefe erklären
Das Thema hat 829 Beiträge:
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bayern klassisch Am: 18.05.2022 01:20:54 Gelesen: 16618# 805 @  
Liebe Freunde,

weiter gehts mit einem kleinen Schmuckstück - am 17.8.1860 schrieb ein Privater an das bayer. Landgericht in Parsberg (Brief ist hinten blank) einen mit 6x frankierten Brief, der bei der Königlichen Güter Expedition aufgegeben worden war, dann aber (siehe Mühlradstempel) wohl an die dortige Briefpoststelle weitergeroutet wurde.



Ganz ehrlich - von mir aus hätte der Güter-Expeditor auch die Marke gleich mit entwerten können, aber auch so ist der Brief sehr nett.

Briefe mit Stempeln der K.G.E. muss man suchen, und zwar eher lange. Auch aus der Pfennigzeit sind sie sehr selten und gesucht. Vlt. findet sich hier im Forum noch einer, damit meine beiden nicht so einsam sind ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 19.05.2022 11:54:02 Gelesen: 16270# 806 @  
Hallo Ralph,
Hallo Sammlerfreunde,

Frachtbrief vom 5.6.1856 aus Nördlingen über eine Nachnahmesendung für ein Fass Essig, Gewicht wurde hier eingetragen 720 Pfund, die Lieferung war für Herrn J.B.Wittmann in Ellingen bestimmt über die Bahnstation Pleinfeld.

Die Nachnahmegebühr betrug 4 Gulden und 56 Kreuzer, sowie die Frachtgebühr von 1 Gulden 18 Kreuzer, sonstige Gebühren waren 43 Kreuzer was gesamt dann 6 Gulden 17 Kreuzer ausmachte.

Gestempelt wurde mit Halbkreisstempel der Güterexpedition Nördlingen, "Güter Exped Nördlingen".

Anbei sind noch die Vorschriften der Eisenbahnexpedition Nördlingen auf der Rückseite in 15. Punkten beschrieben.

Gruß Rainer


 
bayern klassisch Am: 19.05.2022 13:59:39 Gelesen: 16231# 807 @  
@ Gernesammler [#806]

Hallo Rainer,

sehr schöner Frachtbrief mit den Halbkreisstempel der Königlichen Güter Expedition Nördlingen. So einen Brief habe ich unlängst erwerben können und wenn ich wieder einen in die Finger bekomme, soll es deiner sein, dann hast du eine perfekte Seite.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 22.05.2022 13:21:08 Gelesen: 15604# 808 @  
Liebe Freunde,

2 Briefe kann ich heute hier vorstellen:



1. A.S. (Armen-Sache) des Landgerichts Cadolzburg, da noch ohne eigene Post erfolgte die Aufgabe im nahe gelegenen Langenzenn am 19.4.1848 nach Ansbach. Der Brief blieb komplett portofrei, obwohl er als A.S. hätte das Dienstsiegel und die Unterschrift des persönlich haftenden Beamten vorne tragen müssen. Aber wo kein Kläger, da kein Richter.



2. D.A.S. (Dienstliche-Armen-Sache) aus Berching vom dortigen Stadtmagistra an das Landgericht in Beilngries mit 3 Beilagen. Leider ohne Inhalt, aber D.A.S. sind m. E. erheblich seltener, als A.S., die selbst schon keine Massenware darstellen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 22.05.2022 13:30:38 Gelesen: 15600# 809 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Chargébrief aus Eggenfelden, geschrieben im damals ca. 200 Einwohner habenden Hirschhorn bei Eggenfelden, natürlich noch ohne eigene Post.



Es ging um einen Schuldenfall zweier Barone und der Absender frankierte 4x siegelseitig notiert und zahlte auch die Chargégebühr von weiteren 4x. Er vermerkte aber nicht "frei gegen Schein, eilt", sondern nur "geg. Schein, Eilt".

Am 31.12.1845 ging er ab, erhielt aber keinen Ankunftsstempel. Ob er in Passau durch einen Expressen ausgetragen wurde, ist nicht sicher zu sagen. Manchmal hat man einlangende Expressbriefe nicht Ankunft gestempelt, weil man sich sofort um einen Expressen bemühte und das für eine läßliche Sünde hielt. Oder man hat es halt nur so vergessen. Auf der anderen Seite dürfte er am 1.1.1846 in Passau eingeschlagen sein und die Nacht vom 31.12. zum 1.1. ist bekanntlich die Längste des Jahres. Aber es wäre durchaus möglich, dass der Leiter des Appellationsgerichts mit der Passauer Post eine Vereinbarung getroffen hatte, dergleichen Briefe schleunigst zuzustellen. Mehr Briefe täten hier Not.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 22.05.2022 14:42:49 Gelesen: 15580# 810 @  
Liebe Freunde,



etwas unscheinbar kommt er daher, der portofreie Dienstbrief der Regierung von Schwaben und Neuburg aus Augsburg vom 7.1.1849, der adressiert worden war an: "den Gutsbesitzer Herrn Grafen v. Maldeghem in Riedhausen bei Günzburg. Prompt kam der Brief am Folgetag in Günzburg an (ca. 80 km westlich von Augsburg), wie uns der Ankunftsstempel belegt, doch scheint dort umgehend die Adresse korrigiert worden zu sein in Augsburg und er lief wohl noch mit derselben Post retour, mit der er seine Tour angetreten hatte, sonst wäre ein Ankunftsstempel von Augsburg desselben Tages kaum zu erklären.

Leider ohne Inhalt, aber trotzdem ganz nett, wie ich finde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 25.05.2022 19:13:14 Gelesen: 14286# 811 @  
Liebe Freunde,

für meine Mini-Sammlung galt es einen Brief der Kreuzerzeit zu erwerben, der fehl- bzw. umgeleitet wurde und der hinten einen Postablagestempel aufweisen sollte. So einfach ist und war das nicht, aber jetzt kann ich Vollzug melden (Mini-Sammlung "Hin, her und zurück").



Dienstbrief portofrei als RS vom katholischen Decanat Herzogenaurach an das katholische Pfarramt in Hausen Post Baiersdorf vom 20.10.1874. So weit, so gut.

Aber: Orte mit dem Namen "Hausen" gibt und gab es in Deutschland Dutzende und auch in Bayern war die Zuordnung damals nicht leicht.

Ausweislich der Siegelseite finden sich daher folgende Stempelabschläge:

Erlangen 20.10.

Forchheim 20.10.

Erlangen 30.10.

Baiersdorf 30.10. und last but not least Postablage Heroldsbach, natürlich ohne Datum.

Adresseitig wurde Baiersdorf gestrichen und mit Blaustift Forchheim hinzu gefügt und tatsächlich liegt zwischen Forchheim und Heroldsbach - Hausen!

10 Tage tiefster Knobelei haben ihn also doch final am richtigen Zielort ankommen lassen und ich freue mich sehr, ihn geschnappt zu haben.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 28.05.2022 14:44:38 Gelesen: 13562# 812 @  
Liebe Freunde,

keine klassische, portofreie Armensache, aber dennoch (oder gerade deswgen?) interessant:



Brief vom Bürgermeisteramt Landau an der Isar vom 26.10.1874 an die Gemeindeverwaltung Lokalarmenpflege Aeschach Bezirksamt Lindau im Bodensee.

Über den "frei"-Vermerk wurde die notwendige 3 Kr. Marke geklebt, denn eine Portofreiheit war hier nicht anzusprechen - die Expeditions-Nr. hatte man übrigens auch vergessen, machte aber nichts, wenn das treffende Franko verklebt worden war.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 30.05.2022 09:37:34 Gelesen: 12628# 813 @  
Liebe Freunde,





dank Sigi Deider kam dieses nette Stück auf den Markt bzw. in meine Sammlung:

Brief aus Bamberg vom 18.2.1863-68 vom Bahnhof Bamberg an das Erzbischöfliche Vikariat in Bamberg, also ein Ortsbrief.

Der Absender, Papiersiegel leider undefinierbar, ist nicht bekannt, Inhalt leider keiner mehr vorhanden, aber man schrieb unten links "markirt", also mit Briefemarke versehen.

Das war ein frommer Wunsch, denn eine Marke befindet und befand sich nicht auf dem Brief, statt dessen hat man ihn in den Briefkasten "Boite" des Bamberger Bahnhofs geworfen und die Aufgabepost notierte "Boite" und klebte eine 3x Portomarke auf, die sie auch gleich entwertete.

Die Streichung von "markirt" war nicht erlaubt, da dieser Terminus Teil der Adresse war und die Post nicht Adressteile streichen durfte.

Ich kenne nur wenige Briefe mit der Porto Nr. 1, die ursprünglich frankiert werden sollten, dann aber, weil die Post noch nicht geöffnet, oder längst geschlossen hatte, so auf ihre Reise geschickt wurden.

Interessant in diesem Zusammenhang auch, dass ein Generalvikariat, also nicht gerade eine Dorfbehörde, den unfrankierten Brief annahm, 3x auslegte und hoffte, diese irgendwann einmal wieder zu bekommen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 30.05.2022 09:52:52 Gelesen: 12625# 814 @  
Liebe Freunde,

nach einem der längsten Bietergefechte dieses Jahrtausends gelang es mir, diesen Brief zum Ausruf zu erwerben:



Brüder Thalmessinger aus Ulm mit Postaufgabe in Neu-Ulm vom 9.6.186? als Postvereinsbrief über 20 Meilen direkt in den Waggon bei der Bahnpost eingeworfen nach Innsbruck an die Firma Löwe.

Da über 20 Meilen von Ulm und Neu-Ulm entfernt, ergab sich natürlich keine Portoersparnis, aber vermutlich hatte man an diesem Tage noch andere Poststücke nach Bayern oder Österreich eingeworfen, so dass es sich doch für den Ulmer Absender rechnete.

Aufgaben Ulmer Briefe direkt bei der Neu-Ulmer Bahnpost sind nicht häufig und setzten voraus, dass der Ulmer genau wusste, wo und wann er "zuschlagen" musste, um die schnellste Beförderung zu erhalten.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 02.06.2022 12:09:41 Gelesen: 11916# 815 @  
Hallo Sammlerfreunde,

nochmals ein Frachtbrief vom 7.9.1867 aus Nördlingen über einen Ballen Papier mit 202 Zollpfund Gewicht spediert mit der Bahn.

Die Fracht wurde am 7.9.1867 in Nördlingen gewogen siehe Waagstempel unten und abgeschickt, Stempel KGE Nördlingen von hier ging es weiter nach Roth, Stempel KGE Roth am 9.9.1867 Vormittags dann weiter nach Georgensmünd, Stempel KGE Georgensmünd 10.9.1867 zurück nach Roth, Stempel KGE 10.9.1867 dann wieder nach Georgensmünd, Stempel KGE Georgensmünd 13.9.1867 um dann am gleichen Tag in Pleinfeld bei seinem Empfänger Carl Werzinger anzukommen, Stempel KGE Pleinfeld 13.9.1867.

Somit wurden auf dem Brief 6 Stempel von Königlichen Güter Expeditionen abgeschlagen davon 4 verschiedene, somit hat die Lieferung mit der Bahn 6 Tage gedauert, für die Nachnahme und Frachtgebühr waren 1 Gulden 10 Kreuzer zu zahlen.

Gruß Rainer





 
bayern klassisch Am: 02.06.2022 14:37:42 Gelesen: 11879# 816 @  
@ Gernesammler [#815]

Hallo Rainer,

da hast du wohl ein einmaliges Stück geschnappt - Umspeditionen der K.G.E. sind generell sehr selten - hier gäbe es 2 Gründe:

1. Nicht zustellbar zuerst, warum auch immer.
2. Der Empfänger wünschte eine andere Anlieferung, machte das aber dann rückgängig.

Die wahren Gründe werden wir wohl nie erfahren, aber toll, dass es so etwas feines überhaupt noch gibt.

Ich liebe diese Wiegestempel in Fingerhutgröße!

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 16.06.2022 09:21:45 Gelesen: 8809# 817 @  
Liebe Freunde,

am 18.8.1820 ließ der kgl. Landrichter in Cronach/Kronach ein Duplikat einer Rechtssache als portopflichtige Partei-Sache an die freiherrliche von Redwitzische Lehens-Sequestration zu Redwitz auf 3x Stempelpapier gegen 6x Porto abgehen und vermerkte "gegen Empfangsschein".



Dieser Terminus ist ungewöhnlich, denn üblicherweise wurde "gegen Postlieferschein", oder "gegen Lieferschein" vermerkt. Alternativ wäre auch der Terminus Retour-Recepisse möglich, aber dienstliche Rückscheine wurden üblicherweise Lieferschein genannt. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass der Brief selbst nicht eingeschrieben wurde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 18.06.2022 12:25:24 Gelesen: 8749# 818 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen nicht häufigen Brief aus Regensburg vom 4.10.1836 an Madame Elie de Beaumont - poste restante - Croissanville Dept. du Calvados.





PV Bayern - Frankreich vom 1.1.1822. Portobriefe wurden taxiert nach Rayons - Regensburg lag im 4. Rayon, daher 9 Decimes von Strasbourg gestempelt und weitere 9 Decimes für Frankreich bis zur Empfängerin = 18 Decimes Gesamtporto.

Die Zahlen hinten kann ich nicht interpretieren - kann es einer? Waren es Gebühren und hing das mit poste restante zusammen [1] ?

In dem Brief schreibt der Absender, dass man ihm seine Briefe poste restante Nürnberg baldigst schicken sollte, also, wenn man so will, ein doppelter poste restante Brief, wie ich noch keinen zuvor gesehen habe.

Liebe Grüsse von bayern klassisch

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A9once_%C3%89lie_de_Beaumont
 
bayern klassisch Am: 23.06.2022 13:12:29 Gelesen: 8276# 819 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen portofreien Dienstbrief des katholischen Pfarramts Nünschweiler an das Bezirksamt Zweibrücken mit Postaufgabe in Pirmasens vom 15.3.1864.



Wir erinnern uns des Todes seiner Majestät König Max am 10.3.1864, weswegen Hof- und Staatstrauer angeordnet wurde und unser Brief aus Nünschweiler datiert vom 11.3.1864, war also am Folgetag des Todes seiner Majestät verfasst worden. Demzufolge mussten alle bayer. Behörden informiert werden (mit dienstlichen Depeschen, Expressen usw., auch die Landbevölkerung und die kleinen Behörden wie hier, was ich mit diesem Stück erstmals beweisen kann, denn es hat einen Trauerrand und diese Papiere waren stets für solche Fälle vorrätig zu halten).

Nünschweiler gehörte ab dem 1.10.1858 zum Lokalbezirk der Postexpedition Pirmasens. Der Brief hätte also am 11.3.1864 in den Briefkasten dort eingeworfen werden sollen/können, aber dem war wohl nicht so, denn er zeigt keinen Ruralstempel und der Aufgabestempel von Pirmasens (12 km Laufweg bis dorthin) dürfte nicht in 4 Tagen zu erledigen gewesen sein, sondern in 2-3 Stunden. Gründe? Vlt. hatte man kurz nach Ableben seiner Majestät auch botenmäßig sehr viel zu tun, zu organisieren und der Laden kam in Pirmasens ein wenig in Unordnung, denn einen Ankunftsstempel von Zweibrücken gibt es auch nicht.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 23.06.2022 19:11:21 Gelesen: 8262# 820 @  
@ bayern klassisch [#819]

Hallo Ralph,

Der Brief ist durch die von Dir angestellte Beweisbarkeit der angeordneten Trauer an die bayrische Bevölkerung und deren Ämter ein Knaller.

Schön das man das mal sehen konnte.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 23.06.2022 19:48:28 Gelesen: 8259# 821 @  
@ Gernesammler [#820]

Hallo Rainer,

näher kann man dem Todestag der Majestät nicht kommen, weil er ja erst am 10. verstorben war und der Brief vom 11. ist. Ich habe ihn auf "Verdacht" gekauft und hatte Glück (dümmster Bauer, dickste Kartoffeln usw.).

Ich schenke ihn einem lieben Freund, der aus dieser Ecke kommt, sonst wäre er für dich reserviert worden.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 25.06.2022 12:38:12 Gelesen: 8221# 822 @  
Liebe Freunde,

keine Schönheit, aber für meine Contraventionssammlung reicht das Stück allemal:



Postablage Goßmannsdorf (Sem schreibt "Gohsmannsdorf"), Expedition Winterhausen vom 4.10.1867, nach Carlshütte bei Biedenkopf in Oberhessen (ehemals Thurn und Taxis, dann ab 1.7.1867 Preussen).

Die Postexpedition hatte hier vergessen ihre(n) Stempel abzuschlagen, aber der Brief kam auch so noch am selben Tag in Biedenkopf an.

Postablagenbriefe auf der Nr. 16 sind m. E. selten, in den DÖPV noch weitaus seltener und in das preussisch gewordene Hessen nur 6 Monate möglich gewesen.

Mein Scanner ist heute nicht so gut drauf - jeder Brief wirkt hässlich. :-(

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.07.2022 11:51:09 Gelesen: 7544# 823 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Brief aus Augsburg aus Kriegshaber vom 25.7.1847 mit Postaufgabe dort erst am 29.7.1847 (!!) an Herrn Philipp Held in Regensburg, mit dem, wie der Absender schreibt, 2 Arten von Mustern angehängt wurden.

Den Beweis hierfür tritt die Vorderseite an (und es hatte wohl auch mit der Verzögerung zu tun), die heute noch 2 Dreiecke zeigt, die eingestanzt wurden und durch die die verschiedenen Seidenmuster mit Bindfäden gezogen wurden (längs, nicht quer, sonst hätte man nicht so perfekt Augsburg stempeln können.



Am Folgetag kam der Brief in Regensburg an.

Portokosten: 9 Kr. für den Emfänger.

Entfernung Augsburg - Regensburg = 114 km in direkter Linie = 15 Meilen.

Gültiger Tarif: Reglement Inlandsbriefe vom 1.1.1843 - 30.6.1849.

Allerdings war in dem neuen Regulativ von 1843 nicht Bezug auf die Versendungsform "Muster ohne Werth" genommen worden, so dass noch das Altregulativ vom 1.12.1810 galt, mit dem folgendes bestimmt worden war:

"Muster ohne Werth, wenn ihnen ein einfacher (1/2 löthiger) Brief beigeschlossen war, waren bis zur 1. Gewichtsstufe nach dem Briefgewicht, darüber hinaus aber nur nach dem günstigen Drucksachentarif zu taxieren. Drucksachen kosteten die Hälfte des einfachen Briefes und darüber hinaus nur 1/4 der weitergehenden Gewichtsprogression. Ein Frankierungszwang, im Gegensatz zu Drucksachen, bestand nicht.

Wer wagt sich an die Berechnung? Einfache Briefe über 12-18 Meilen kosteten 6 Kreuzer. Hier sind es aber 9. Los gehts!

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 01.07.2022 12:15:12 Gelesen: 7541# 824 @  
Liebe Freunde,

ein Teilfrankobrief aus Regensburg vom 23.10.1822 an Firma Jean Nicolas David in Francomont wurde mit 12 Kr. bis zur Grenze frankiert. Nürnberg notierte in blau 2 Gutegroschen für den Transit von Bayern durch thurn und taxisches Gebiet bis Koblenz. Preussen vermerkte in roter Tinte 4 1/2 Gutegroschen (18 Kreuzer) und der Empfänger in den Niederlanden, später ab 1830 Belgien, zahlte 9 Stuiver total.







Schön auch der Stempel hinten: "Duitschland Over Henri Chapelle" (van der Linden Nr. 1001), den es erst ab 1822 gab, daher hier noch in guter Qualität, üblicherweise desolat.

Den französischen Text kann ich nicht lesen, aber es wäre möglich, dass Interessantes in ihm steckt. Wer kann ihn lesen und hier kurz wiedergeben?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 01.07.2022 20:04:32 Gelesen: 7521# 825 @  
@ bayern klassisch [#823]

Hallo Ralph,

kann es sein dass das Ergebnis schon auf der Rückseite steht, das 12 fache und somit der Brief/Drucksache 6 Loth gewogen hat um auf die 9 Kreuzer zu kommen.

Ich lasse mich auch eines besseren belehren.

Gruß Rainer
 
bayern klassisch Am: 01.07.2022 21:04:16 Gelesen: 7516# 826 @  
@ Gernesammler [#825]

Hallo Rainer,

verwirrend, gell?

Also 6 Kreuzer für den einfachen Brief bis 1/2 Loth über 12-18 Meilen, das ist klar.

Die nächste Progression war 1/4 von 3x, weil die Progression ja 50% der 1. Gewichtsstufe war (also bei normalen Briefen 6x, 9x, 12x usw.).

Die Lösung: 4/4 von 3x = 3x! Also wurde gerechnet: 6x plus 1/4 von 3x, plus 1/4 von 3x, plus 1/4 von 3x plus 1/4 von 3x = 9x. Der Brief mit den Mustern war also über 2 - 2 1/2 Loth schwer = 5. Gewichtsstufe. Es könnte auch gerundet worden sein, also 8 3/4x als 4. Gewichtsstufe über 1 1/2 bis 2 Loth. Alles nicht so einfach.

Danke für deinen Mut - es gibt wenig Bayernsammler, die sich an diese Rechnungen wagen - und auch damals schon dürfte diese Rechnung nicht so einfach gewesen sein, denn Taschenrechner hatten sie in den 1840er Jahren noch nicht.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 15.07.2022 18:02:53 Gelesen: 5095# 827 @  
Liebe Freunde,

bei meiner ausgeprägten Liebe für die Farbe Blau UND netten, bayerischen Telegrammen konnte ich mich hier nicht mehr zurück halten und habe zugeschlagen: Die 23. P(rivate) D(epesche) der Kgl. Bayerischen Telegraphen-Station in - das hat man vergessen auszufüllen - an H(errn) Baron v(on) Crailsheim in Amerang. Auch vom Datum lesen wir hier nichts, aber da die ausgewiesene "Botengebühr 2 fl. 18 Xr" = 2 Gulden und 18 Kreuzer (!!) betrug, lag der Zustellversuch noch in der Kreuzerzeit.



Siegelseitig sehen wir die "Rechnung", die man dort aufmachte:

"1 Gulden

1 Gulden 45 Kreuzer

18 Kreuzer

------------------

Porto 3 Gulden 3 Kreuzer

Telegraph. 2 Gulden

------------------

5 Gulden 3 Kreuzer

Seife 1 (??)"

Das letzte Wort kann ich nicht lesen, wurde wohl auch korrigiert, aber wie dem auch sei, man erkennt, dass Telegramme eine teure Sache waren, deren Existenz sich dem gemeinen Volk üblicherweise entzog.

Das Schloß in Amerang und Grundbesitz gehörte ab 1821 den Freiherren (Baronen) von Crailsheim, hier wohl Friedrich Krafft von Crailsheim, immerhin bayer. Außenminister und Vorsitzender des Ministerrats, also wahrlich keine kleine Nummer, damals aber wohl noch Legationsrat (auch nicht übel).

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Krafft_von_Crailsheim

Amerang erhielt im August 1861 eine Postablage und gehörte zur Postexpedition Endorf (heute: Bad Endorf). Erst am 1.8.1872 wurde eine Postexpedition in Amerang geschaffen, weswegen ich den Brief auf 1870/71/72 datiere.

Wenn man bedenkt, dass von der PE Endorf der Weg für den Telegraphenboten ca. 15,5 km einfach weit war, kann man ermessen, dass die notierten 2 Gulden 18 Kreuzer doch in einer gewissen Relation standen, denn für 31 Kilometer konnte man, je nach Witterung, auch mal einen ganzen Tag brauchen, zumindest einen halben auf alle Fälle.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 18.07.2022 20:40:02 Gelesen: 4468# 828 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich einen Brief aus Nürnberg vom 20.4.1866 nach Lyon, wo der Brief 3 Tage später einschlug.



Mit 12 Kr. war er treffend für die 1. Gewichtsstufe bis 10g frankiert.

Aber die Besonderheit war, und deshalb habe ich ihn gekauft, dass Nürnberg einen eigenen Kartenschluß mit Strasbourg hatte, also verantwortlich war für alle Briefe aus seinem Bereich nach bzw. über Frankreich.

Daher führte man auch, als eines der wenigen Ämter, einen P.D. - Stempel, der allen Beteiligten klar machte, dass die Aufgabepost das Franko überprüft und für korrekt erachtet hatte - und genau den hatte man hier vergessen.

Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg - man hatte zwar den Stempel nicht mehr gefunden, aber einen Rötelstift schnell bei der Hand und notierte manuell "PD". Das war nicht im Sinne des Erfinders, denn das konnte ja jeder auf seine Briefe malen, aber Strasbourg hat das ausnahmsweise mal akzeptiert - bei ähnlichen Briefen hatte Strasbourg mit seinem P.D.-Stempel nachgestempelt, oft gut an der Farbe zu sehen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Gernesammler Am: 18.07.2022 20:50:18 Gelesen: 4466# 829 @  
@ bayern klassisch [#828]

Hallo Ralph,

feines Stück der Brief und das mit dem handschriftlichen PD macht ihn zusammen mit den Stempeln attraktiv.

Gruß Rainer
 

Das Thema hat 829 Beiträge:
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