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Thema: Altdeutschland Bayern: Briefe erklären
Das Thema hat 450 Beiträge:
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Richard Am: 01.06.2019 22:12:35 Gelesen: 5016# 426 @  
@ bayern klassisch [#425]

Hallo Ralph,

bei mir funktioniert der PDF Link. Hier noch eine Alternative [1].

Schöne Grüsse, Richard

[1] https://www.bmi.gv.at/magazinfiles/2012/05_06/files/kriminalgeschichte.pdf
 
bayern klassisch Am: 01.06.2019 23:01:19 Gelesen: 5005# 427 @  
@ Richard [#426]

Hallo Richard,

vielen Dank - jetzt klappts! Sensationelle Geschichte.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 02.06.2019 08:10:38 Gelesen: 4971# 428 @  
Liebe Freunde,

Mühlradstempel hatten 2 Aufgaben zu erfüllen:

1. Die Entwertung der Marke(n) und

2. Die Stempelung der Briefkarten.

In beiden Fällen war evident, dass man anhand der Nummer des Stempels ersehen konnte, woher a) die Briefpost und b) die Briefkarte kam.

Aber es sind mehrere Fälle bekannt, in denen der Abschlag dieser Stempel keinem dieser Kriterien entsprach und i. d. R. waren es Dienstbriefe, die dieses Phänomen zeigen.



Hier zeige ich einen Dienstbrief aus Cham, der mit dem geschlossenen Mühlradstempel 72 versehen wurde und der vom dortigen an die Oberbehörde in Regensburg lief. Der 1.10.1859 schien nicht so gut für den Chamer Postler zu verlaufen, weil er auch noch seinen Halbkreisstempel vergaß - oder war der gerade zur Reparatur?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 08.06.2019 18:20:24 Gelesen: 4563# 429 @  
Liebe Freunde,

Ganzsachenkuvert von F. Paumscheerer (habe zu der Firma nichts gefunden) aus Ulm, der später nach Neu-Ulm gezogen sein muss, vom 28.5.1873 mit Postaufgabe in Neu-Ulm am Folgetag an die Gebrüder Kienle in Horb in Württemberg. Siegelseitig ist alles da, was man braucht, wenngleich nicht sehr schön.



Interessanterweise, und das war mein alleiniger Kaufgrund, fügte der Absender bei seinem Absenderstempels unten links ein "N" vor Ulm ein, womit er seinen neuen Wohnsitz Neu-Ulm zu dokumentieren suchte. So habe ich das bisher noch nie gesehen.

Schön auch zu sehen, dass die Privaten auf dem Weg zum dokumentarischen Stempel oft weiter waren, als die Post, denn aus dem Halbkreisstempel von Neu-Ulm geht außer der Farbe und dem Wochentag und Monat nichts hervor.

Den Zustand des Kuverts bitte ich zu entschuldigen.

Wer etwas zu dem Absender (ich hoffe, ich habe die fehlende Stelle richtig interpretiert!) aus Ulm bzw. Neu-Ulm sagen kann, ist gern gesehen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 15.06.2019 22:53:49 Gelesen: 4215# 430 @  
Liebe Freunde,

ein Brief vom 16.8.1834 aus Kempten an das Landgericht zu Obergünzburg (Schwaben) wurde "frei gegen Schein" aufgegeben. Unter der Reco - Nr. 404 wurde ein Postschein gezogen, der 4 Kreuzer kostete und für den Brief selbst waren 6 Kreuzer fällig (Entfernung 15 km, demnach in der 3. Gewichtsstufe über 1 - 1,5 Loth schwer).



2 Besonderheiten weist der Brief auf, bei denen schon deren eine für sich nicht häufig wäre:

1. Sollte ein Chargé - Stempel vorderseitig abgeschlagen werden - hier hatte man gleich 2 sehr klare Abschläge vorn und einen weiteren klaren Abschlag hinten angebracht, was zu keiner Zeit von einer Vorschrift gedeckt war, und

2. sehen wir den Fingerhutstempel von Kempten mal in roter, mal in schwarzer Ausführung. Es ist überhaupt fast ein Wunder, dass Orte ohne dies haben zu müssen 2 Farben führten, war doch allein schon schwarze Stempelfarbe (sog. Druckerschwärze) nicht billig und rote Farbe erst Recht nicht - offenbar ein Luxus, den man sich in Kempten leisten konnte bzw. wollte.

Den Luxus, diesen Brief zu besitzen, leistete ich mir, weil er für 3 Pizzen nicht zu teuer war und ich auf einen weiteren, vergleichbaren, aus Kempten, oder von anderswo, vermutlich etwas länger werde warten müssen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Stamps99 Am: 18.06.2019 13:39:45 Gelesen: 4099# 431 @  
Hallo,

bei Postvereinsbriefen aus dem in Guldenwährung rechnendem Süden in die Thalerbezirke im Norden fielen Währungsgewinne an:

Ein einfacher Portobrief über mehr als 20 Meilen wurde bei der Aufgabe mit 12 Kr taxiert, kassiert wurden aber bei der Zustellung 4 Gr, die währungsparitätisch 14 Kr entsprachen. Der Aufgabepost standen aber nur die taxierten 12 Kr zu, so dass ein Gewinn von 2 Kr entstand. In Gegenrichtung war es genau andersherum, so dass sich Gewinne und Verluste ausgeglichen haben dürften.

Bei den nachfolgenden Briefen ist mir aufgefallen, dass dort in den Taxierungen auch die währungspartätische Umrechnung notiert ist - bewußt habe ich so etwas noch nicht gesehen.



M.E. sind die notierten 10 1/2 Kr dort fehl am Platze, es hätten 9 Kr notiert werden müssen, oder kennt jemand eine sinnvolle Erklärung?

Um ein einmaliges Versehen kann es sich bei zwei Briefen mit 5 Jahren Abstand ja nicht handeln.



Beide Briefe sind über Bamberg und Coburg spediert, von wo könnte die Notierung stammen?

Bei dem Brief aus Lohr ist der Empfänger übrigens günstig davongekommen - nach meinem Entfernungrechner beträgt die Entfernung deutlich über 20 Meilen,

Gruß Ralf
 
bayern klassisch Am: 18.06.2019 15:51:20 Gelesen: 4089# 432 @  
@ Stamps99 [#431]

Hallo Ralf,

da zeigst du 2 tolle Briefe, die jeder, der Ahnung hat, auch gerne in seiner Sammlung hätte.

Das Problem mit verschiedenen Währungen kannte nur Thurn und Taxis. Der Stammsitz von TT war Regensburg, die postalische Verwaltung war in Frankfurt am Main, so dass wir es hier mit einer Lehenspost zu tun hatten, die generell in rheinischen Kreuzern (rh. Kr.) taxierte und intern auch verrechnete.

Die Aufgabepost im DÖPV hatte die Pflicht bei Portobriefen in der Währung der Abgabepost zu taxieren. Oft wussten die bayer. Postler aber gar nicht, ob eine Zielpost im Kreuzer-, oder im Groschengebiet ansässig war und in aller Regel folgte diesem Unwissen die Taxierung in rh. Kr., weil es auch so für Bayern (und Baden und Württemberg) am einfachsten war.

Die Abgabepost (hier: TT) musste aber immer in gangbarer Währung kassieren, jedoch entsprach die postalische Reduktion nicht der paritätischen (also tatsächlichen) Reduktion der Währungen, denn hinter ihnen standen andere Systeme, Wirtschaften usw..

Postalisch waren 3 Kr. immer 1 Silbergroschen (Sgr.), 6 Kr. also 2 Sgr., 9 Kr. also 3 Sgr. und 12 Kr. also 4 Sgr..

Paritätisch jedoch war 1 Sgr. = 3,5 Kr., 2 Sgr. also 7 Kr., 3 Sgr. also 10,5 Kr. und 4 Sgr. also 14 Kr., wie du schon völlig korrekt bemerkt hast.

Im Postverein galten die postalischen Verrechnungen, was sich ja von selbst versteht, weil niemand gerne in Brüchen und krummen Zahlen rechnete.

Bei beiden Briefe rechnete die bayer. Aufgabepost mit 9 Kreuzern, die aber nur 2 1/2 Sgr. entsprochen hätten, wenn man paritätisch rechnete. TT wollte aber bei Briefen ins Groschengebiet natürlich 3 Sgr. haben und nicht weniger! Hier wurden also 3 Sgr. Porto in 10 1/2 Kreuzer paritätisch reduziert, Bayern aber mit 9 Kr. abgefunden, was ein schöner Gewinn war.

Der Brief aus Lohr hätte wegen einer Entfernung zu Neustadt an der Orla von 174 km tatsächlich ein Porto von 3 + 1 = 4 Sgr. erfordert. Da aber im DÖPV die Abgabepost nur dann ein notiertes Porto korrigieren durfte, wenn eine bedeutende Fehltaxierung vorlag (Beispiel: Statt 45 Kr. für einen schweren Brief nur 1 Kr. für eine leichte Drucksache frankiert), und diese Fehltaxierung war nicht bedeutend, beließ sie es bei der zu geringen Taxe und kassierte von ihrem Postkunden (Empfänger) weniger, als es richtig gewesen wäre, wohl auch deshalb, weil ja Bayern das Porto zustand und TT nur viel Arbeit und Ärger gehabt hätte, sonst nichts.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 19.06.2019 07:48:46 Gelesen: 4066# 433 @  
Liebe Freunde,

lange danach gesucht und schon nach wenigen Jahren fündig geworden:



U1 Chargé kopfstehend beschrieben. Sind schon recommandirte Ganzsachen nicht häufig und falsch adressierte (kopfstehende) noch weitaus seltnener (ich kenne keine Handvoll), galt es im Rahmen des Aufbaus einer kleinen Spezialsammlung ein Exemplar zu finden, dass beides auf sich vereinigte - schwupps und schon war eines in der Bucht und wurde mir zugeschlagen.

In Lindau im Bodensee wurde am 4.10.1870 ein solches unter der Reco-Nr. 780 nach Kempten aufgegeben, wofür 10 Kreuzer in toto zu berappen waren. Am Folgetag traf es ein. Warum man ein Kuvert kopfstehend verwendete, erschließt sich mir aber nicht, da Marken bzw. Werteindrucke niemals unten zu sein hatten in der Kreuzerzeit (und in der Pfennigzeit auch).

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 19.06.2019 08:04:03 Gelesen: 4064# 434 @  
Liebe Freunde,

der folgende Brief hätte in mehrere Threads gepasst, aber ich zeige ihn mal hier:



Die 1. Versendung des Bezirksgerichts Straubing an das Landgericht in Mallersdorf (Entfernung ca. 56 km Luftlinie) fand als portopflichtige P(artei) - S(ache) am 22.12.1865 statt. Weil man in Straubing nicht frankierte bzw. die "Partei", also der Private, um dessen Angelegenheiten es ging, kein oder ein zu geringes Depositum hinterlassen hatte, wurde unfrei verschickt, was die Empfängerbehörde mi 12 Kreuzern Porto büßen musste. 12 Kr. trotz der Nähe der Postorte, weil "mit Inlage" verschickt worden war und der Brief damit über 1 bis 15 Loth schwer gewesen war. Bis 1 Loth wären 6 Kr. zu zahlen gewesen, nun (es gab ab dem 1.8.1865 nur noch 2 Gewichtsstufen in Bayern) das Doppelte.

Das Landgericht in Mallersdorf zahlte artig die 12 Kr. und hatte damit einen Job am Hals, den man erst am 7.1.1866 hatte erledigen können (üblicherweise das Herbeibringen benötigter Unterlagen, Unterschriften usw.). Da man frankiert retournieren wollte oder sollte, verklebte man eine 6 Kr. Marke für den wiederum schweren Brief, die jetzt ausreichte.

Interessant ist der Probeabschlag des Mallersdorfer Expeditors, der sachte frontseitig testete, ob sein Halbkreisstempel schon umgestellt worden war, oder nicht - und siehe da, er war es nicht, denn wir lesen dort den 6.1.1866. Also flugs auf den richtigen Tag umgestellt und klar abgeschlagen, damit alles paletti war.

Es gibt einige Briefe, die diesen Modus zeigen, obwohl das so nicht in Einklang mit der Vorschrift zu bringen ist, wonach bei Dienstbeginn sofort alle Stempel auf den neuen Tag umzustellen waren und die Qualität der Abschläge jeden Morgen durch einen Probeabschlag (natürlich nicht auf Poststücken!) zu prüfen war. Aber wer hielt sich schon im harten Geschäft der Post an Vorschriften, deren Einhaltung kaum einen interessierte?

Hin und wieder finden sich Briefe, bei denen die Aufgabepost siegelseitig einen Testabschlag vorgenommen hatte, aber auch die sind keine Massenware und illustrieren die dienstlichen Usancen dieser Zeit hervorragend.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 26.06.2019 10:11:31 Gelesen: 3780# 435 @  
Liebe Freunde,

die Firma Volleth & Boeschel in Nürnberg hatte eine Rechnung nach Straubing an die Firma M. Ludsteck zu verschicken, musste aber feststellen, dass Straubing über 12 Meilen von Nürnberg entfernt lag, was ein Franko von 6 Kreuzern erfoderte. Das war entschieden zu viel, so dass man seine Beziehungen spielen ließ und den Brief nach Regensburg brachte (Nürnberg - Regensburg genau 12 Meilen und damit noch ein Franko von 3 Kreuzer!).



Ab Regensburg am 2.12.1858 dann nach Straubing, wofür nun die frankierten 3 Kreuzer ausreichten, also 3 Kreuzer gespart.

Die Marke sollte eine 2 II Platte3 sein.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 29.06.2019 07:25:28 Gelesen: 3727# 436 @  
Liebe Freunde,

Erklärungen zu Briefen finden sich in der Regel nur dann, wenn Marke, oder zumindest Stempel vorhanden sind. Fehlen aber beide, wird es mit einer Erklärung eher schwierig, weil die Kataloge über dergleichen Briefe keine Aussagen machen und man auf eigene Erfahrungen bzw. Sekundärliteratur angewiesen ist, so diese einem zugänglich wäre.



In genau diese Spalte fällt dieser Brief, der ebenso unscheinbar, wie interessant ist, weil er sich hinsichtlich seiner Optik und seines Nicht - Zeigens von Marke(n) und Stempel(n) von 99,9999% aller Briefe unterscheidet.

Doch lesen wir zuerst die Adresse: An den loebl(ichen) Magistrat der K(öniglich) B(ayerischen) Stadt Nürnberg durch Herrn Großhändler Roscher

Da schickte also jemand einen Brief an einer Stadt(verwaltung) und verfügte unten links, wer den Brief zu übergeben habe. Damit war klar, dass die bayerische Post hier nicht tätig werden sollte, sondern ein Privater. Es war also nach üblicher Lesart ein Brief durch Vermittlung eines Dritten und üblicherweise wurden solche Briefe mit dem Vermerk "Durch Güte" versehen, weil sich ein "Gütiger" gefunden hatte, den Transport bzw. die Zustellung eines fremden Briefes zu bewirken.

Doch traf mich fast der Schlag, als ich ihn öffnete.

Regensburg, den 2.1.1845 (also noch keine Marken) Inserationsnote für den loeblichen Magistrat der Stadt Nürnberg über:
1 Bekanntmachung No 295 - 40 Kreuzer (x)
dieselbe No 296 - 40 x
dieselbe No 297 - 40 x
dieselbe No 298 - 40 x
dieselbe No 299 - 40 x
dieselbe No 300 - 40 x
.........................

4 Gulden
Getreidetransport betreffend
Hochachtungsvoll Die Expedition des Regensburger Tagblatts

Den Empfand obiger 4 Gulden bescheint Ergebenst Rütmayr

Außerdem wurde für den Brief Stempelpapier i. H. v. 3 Kreuzern benutzt, so dass wir hier ein amtliches Schreiben zugrunde legen müssen.

Es stellt sich die Frage, warum eine Zeitungsredaktion für die Bekanntmachung von 6 Insertionen (Anzeigen, "Einrückungen auch genannt) nicht einfach die Post bemühte, sondern einen Privaten engagierte, der von Regensburg aus nach Nürnberg im Jahr 1845 gefahren sein muss, um diese Note der Stadtverwaltung Nürnberg anzudienen.

Aber das ist das Interessante an Bayern bzw. ganz Altdeutschland, von dem die Altvorderen mir schon vor über 40 Jahren unisono sagten, dass längst alles erforscht ist und man sich als junger Mensch besser interessanteren Sammelgebieten zuwenden sollte, als dem Altpapier, das schon längst keine Neuigkeiten mehr bieten könne, ja das langweilig und ausgereizt sei.

Gut, dass ich damals nicht auf diese Altvorderen gehört habe, wie wohl ich das sonst im Leben oft tat, denn auch 2019 sehe ich zumindest jeden Monat etwas Neues und es ist nicht absehbar, dass bzw. wann sich das einmal ändern sollte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 29.06.2019 14:56:06 Gelesen: 3710# 437 @  
@ bayern klassisch [#436]

Hallo Ralph,

immer wieder faszinierend was Du aus den Briefen alles herausholen kannst! Was bei anderen Sammlern auf die Ablage wandert, wird bei Dir erst mal kritisch untersucht, um es dann so klasse zu beschreiben und in die Sammlung einzuarbeiten.

Liebe Grüße,

Kevin
 
bayern klassisch Am: 29.06.2019 15:52:57 Gelesen: 3704# 438 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#437]

Vielen Dank - den hat ein Sammlerfreund gefunden und an mich gedacht. Aber hätte ich ihn zuerst gesehen, wäre er direkt in meine Mini - Sammlung "Durch Güte, Unterschleif und als Einlage verschickt" gewandert.

Wer nur vorne auf die Briefe schaut, macht vieles falsch. Wer vorne und hinten auf die Briefe schaut, macht einiges falsch. Nur wer den Brief in all seinen Facetten betrachtet, macht nichts falsch und Sammlungen, bei denen der Sammler nichts falsch gemacht hat, sind immer noch die besten - ich erinnere da an die Spezialsammlung Fahrpost Magdeburg unseres lieben Magdeburgers - ein Musterbeispiel par exellance, wie man eine absolut fehlerfreie Sammlung aufbaut und bis auf Gold im Rang 1 hoch schießt. Chapeau nachträglich an den lieben Ulf, was er das Fabelhaftes geleistet hat!

Das wird mir mit dieser Mini - Sammlung vermutlich nicht gelingen, aber es ist mir schon mit einigen Anderen gelungen und ich bin gespannt zu sehen, was du alles in Sindelfingen 2019 hinstellst, ich hoffe kommen zu können, das steht aber in den Sternen.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
briefmarkenwirbler24 Am: 29.06.2019 16:55:49 Gelesen: 3698# 439 @  
@ bayern klassisch [#438]

Hallo Ralph,

ich gebe dir in allem was Du sagst Recht! Auch der Inhalt eines Briefes sollte immer mit untersucht werden, nicht selten finden sich dort Sachen versteckt, die die Beschreibung eines Briefes komplett verändern können. Mein Problem ist nur, dass ich die Schrift oftmals nicht wirklich entziffern kann oder eben nur in Fragmenten. Das macht die Sache dann natürlich schwieriger.

Es würde mich sehr freuen, wenn Du es schaffen würdest nach Sifi zu kommen, ein Besuch dort lohnt einfach immer. Ich bin ebenfalls gespannt, ob noch ein Jugendlicher dort in der Klasse Postgeschichte ausstellen wird, oder ob ich mal wieder ein Waisenkind in dem Gebiet sein werde. :D

LG

Kevin
 
bayern klassisch Am: 29.06.2019 17:24:18 Gelesen: 3692# 440 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#439]

Ich könnte mir den Bart abrasieren lassen und den Paß von unserer Abteilung um gut 40 Jahre nach unten setzen lassen, dann wärst du nicht allein. :-)

Du bist natürlich, vor allem über das Wissen, welches in guten Forum wie hier vermittelt wird, den meisten deiner Altersgenossen weit überlegen, kognitiv sowieso. Von daher wird deine Sammlung von vornherein auf einem ganz anderen Level sein.

Jedenfalls werde ich versuchen, einen Tag dort zu sein, vlt. den Donnerstag, wo der Verkehr noch nicht so desaströs sein wird, wie am Freitag. Schaun mer mal.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
bayern klassisch Am: 06.07.2019 07:25:54 Gelesen: 3389# 441 @  
Liebe Freunde,

ab und an sieht man Briefe, vor allem dienstliche, nur mal schnell an, weil sie selten Bewegendes, oder zumindest Interessantes aufzeigen. Aber man kann auch mal einen Tick genauer hinschauen und Glück kann man auch mal haben, so wie hier bei einem Dienstbrief des Fiscalats an das Appellationsgericht von Niederbayern in Passau vom 12.10.1850.



Die Absenderbehörde hatte alles richtig gemacht und nicht vergessen, auch "Recommandirt" zu schreiben, so dass der Brief nur eingeschrieben versandt werden sollte, aber just das geschah nicht, denn es wurde offensichtlich kein Schein gezogen, keine Reco - Nummer vergeben und auf dem Brief und dem Schein notiert und auch nachträglich, ja, das kam vor, konnte ein Brief im Rahmen seines Postlaufs noch eingeschrieben werden. Daher dürfte man ihn auch ganz normal der Empfängerbehörde zugestellt haben. Siegelseitig ist er blank, also wissen wir es nicht. Wäre er verloren gegangen, hätte man sich zwar 6 Kreuzer Reco - Kosten gespart, aber auch keine 24 1/2 Gulden bekommen.

Dergleichen Briefe suche ich noch für meine "Mini - Sammlung" "Chargé, Recommandation und Einschreiben" 1806-75. Wenn da einer noch ein gutes Stück haben, aber nicht benötigen sollte, schaue ich mir das gerne an.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.07.2019 07:37:24 Gelesen: 3387# 442 @  
Liebe Freunde,

wenn ein Brief mit Marke nur aufgabegestempelt auf die Reise ging, sollte die Marke nachentwertet werden. Je länger also ein Brief in den Händen der Post war, also bei Umspedierungen z. B., desto wahrscheinlicher war es, dass einem Postbediensteten dieser Umstand auffiel und damit die Marke nachentwertet wurde.

Bei Briefen, die nur von A nach B verschickt wurden, also gewissermaßen an die benachbarte Poststelle, sind Nachentwertungen eher selten, weil die Funktion der Kontrolle nur schwach ausgeprägt war und die Obrigkeit kaum dazwischen funken konnte.



Ein Brief aus Passau vom 3.7.1863 war Abends um 19.00 Uhr (Sommerzeit gabs noch keine) aufgegeben und tarifgerecht mit 3 Kreuzern frankiert worden - nur stempelte man die Marke nicht, den Brief aber schon. Der Mühlradstempel war wohl nicht mehr im Einsatz zu so später Stunde.

Die ca. 9 km östliche gelegene Postexpedition in Obernzell hätte den Brief also am selben Tag, oder spätestens am Folgetag erhalten müssen und bei korrekter Auslegung der Vorschriften die Marke entwerten müssen - aber wenn wir uns den Stempel von Obernzell anschauen, entdecken wir den 5.7. und 2 Tage für 9 km Luftlinie sind nun wahrlich äußerst lang und für mich nicht erklärbar.

Keine Rose ohne Dornen - dieser Sofortkauf in der Bucht zeigt leider einen Bug durch die Marke, den ich nicht ungeschehen machen kann, aber 3 Pizzen war er mir allemal wert, zumal man Briefe mit Halbkreisstempel von Obernzell nicht in der Wühlkiste finden dürfte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.07.2019 09:05:12 Gelesen: 3365# 443 @  
Liebe Freunde,

ein früher Dienstbrief als Ca Dni = Causa Domini = Sache des Landesherrn portofrei zu befördern aus Feuchtwangen vom 18.5.1811 ("Maj" für altdeutsch May oder heute Mai hatte ich stempelmäßig auch noch nicht gesehen) mit folgender Anschrift:

Zum Königl(ich). Baier(ischen) von Schenck(ischen) Patrimonial - Gericht Walch".



Wie die Vorderseite des Briefes ahnen läßt, gab es Probleme bei der Zustellung bzw. Leitung des Briefes. "Walch" wurde gestrichen und durch "Wald" ersetzt, darunter notiert "bei Gunzenhausen".

Mittig war hinzu gefügt worden "H(errn) Verwalter Ensling in Denenlohe" (gemeint wohl Schloß Dennenlohe bei Unterschwaningen). Nun, Dennenlohe ist etwa 8 km entfernt westlich von Gunzenhausen und heute gibt es noch eine Gegend zwischen diesen beiden Lokalitäten die "Unterer Wald" genannt wird, so dass ich das hier notierte "Walch" = "Wald" interpretiere.

Da keine weiteren Poststationen eingeschaltet wurden, und Ankunfts- bzw. Transitstempel im Jahr 1811 ein Fremdwörter waren, ist siegelseitig nichts zu finden.

Wer weiterführende Angaben zu Personen oder Lokalitäten machen kann, darf das gerne tun.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 20.07.2019 10:06:20 Gelesen: 2565# 444 @  
Liebe Freunde,

ein unscheinbarer Brief aus Neu-Ulm vom 26.4.1867 an die Firma Dresssel Kister & Compagnie, Porzellanfabrik, in Passau, zeigt uns eine schöne 3 Kreuzermarke vom Oberrand und einen Ankunftsstempel 2 Tage später (eher eine lange Transportzeit damals). Tatsächlich stammt er aber aus Ulm, wie uns der Inhalt zeigt. Er war am 25.4. von G. Helda / Markt geschrieben worden.





Die Ersparnis war enorm - statt 9 Kreuzer Franko von Ulm aus kostete er nur 3 Kreuzer von Neu-Ulm aus und eine höhere Ersparnis war durch diesen Briefeschmuggel im DÖPV gar nicht möglich.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 20.07.2019 10:23:09 Gelesen: 2562# 445 @  
Liebe Freunde,

eigentlich ein Stück für die gepflegte Krabbelkiste, wäre da nicht die Anschrift, die mich zum Kauf bewogen hat (zum Preis eine Pizza - Dollars, wie ich nicht vergessen möchte hinzuzufügen).





Drucksache bis 2,5 Loth aus Augsburg vom 25.5.1874 "An die Hinterbliebenen des Herrn Joh. Evangel. Lang, Holzschnitzwaaren Verlegeer in Oberammergau". Noch am selben Tag bekam die Drucksache (DS) in München einen Transitstempel (eher ungewöhnlich, noch dazu bei billigen DS), aber dafür in Oberammergau wenigstens keinen Ankunftsstempel, was die Sache wieder ausglich.

Hochinteressant der Inhalt - Datenschutz gab es in der guten, alten Zeit ja noch nicht, daher zeige ich ihn hier: Man hatte in Augsburg erfahren, dass in Oberammergau jemand gestorben war und bot prompt Sterbeandenken in großen Partien an - das nenne ich mal geschäftstüchtig.

Eine Adresse an "Hinterbliebene" hatte ich bisher noch nicht, denn woher sollte die Post wissen, wer konkret damit gemeint war - die Ehefrau (wenn es sie gab), Kinder (wenn es sie gab), Bruder und Schwester (wenn es sie gab), Eltern (wenn es sie noch gab), oder wen sonst?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 20.07.2019 10:56:45 Gelesen: 2553# 446 @  
Liebe Freunde,

ein Brief aus München vom 11.2.1851 an Herrn Nathan Huchinger, Privatier in Harburg in Bayern, zeigt, dass auch Briefe ankommen konnten, die suboptimal gestaltet waren und zwar von Seiten des Absenders, wie auch von Seiten der Aufgabepost.



1. Bedeutender als das bayerischer Harburg war das bei Hamburg, welches sich genauso schrieb und schreibt - zur Verwechslung namensgleicher Orte hätte man wenigstens präzisieren sollen "in Schwaben", oder "in Bayern".

Die Aufgabepost in München notierte unten links "9" Kreuzer Porto, die auch als "3" hätten gelesen werden können. Als ich den Brief in der Bucht sah, dachte ich zuerst, man hätte oben links eine Marke entfernt und ihn so angeboten, aber es zeigt sich jetzt, dass es oben nie eine Marke gab und dieser Taxkrüppel tatsächlich eine 9 sein musste, weil einfache Briefe über 12 Meilen innerbayerische 6 Kreuzer plus 3 Kreuzer Portozuschlag ab dem 1.7.1850 kosteten.

Dennoch hat ihn die äußerst zuverlässige bayerische Post am Folgetag im richtigen Harburg zugestellt und man muss hoffen, dass alle Beteiligten auch den Taxkrüppel als 9 interpretiert hatten.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 27.07.2019 09:45:52 Gelesen: 2141# 447 @  
Liebe Freunde,

wenn ein Brief "ein Gesicht hat", ist die Qualität der verwendete(n) Marke(n) hinsichtlich der Qualität sekundär. Genau so verhält es sich hier bei einem 1,5 Pizza - Dollar - Brief, den ich aus den USA heim nach Südhessen holen konnte.





Eine Rechnung wurde am 20.10.1869 in Memmingen geschrieben, aber erst am 22.10.1969 dort an "Herrn Levi Sondheim in Obergleen bei Kirtorf" mit einer randmäßig kastrierten Nr. 15 der Post aufgegeben, warum auch immer so spät. Diesen Mangel des Absenders glich aber seine mindere Adressierungsqualtiät locker wieder aus, denn so einfach war das Briefchen bis 1 Loth nicht zuzustellen, denn 5 siegelseitige Stempel waren auch zu dieser Zeit noch nicht die Regel.

Bei einer Entfernung von 59 km würde ich bei zwei Dörfern andere Präzisierungen erwartet haben, aber wenn man ihn richtig adressiert hätte, sähe er ja auch langweilig aus.

Jedenfalls strich man zuerst "Kirtorf" und notierte stattdessen "Niederkleen", wonach man dieses strich und durch "Kirtorf" ersetzte.

Schauen wir uns die Karte von Memmingen nach Oberkleen an, stellen wir fest, dass München nicht gerade auf der Strecke lag, doch genau dort lief er noch am selben Tag durch:

Am 23.10. kam er in Mainz an und war am 25.10. (!!) in Niederkleen. Dort erhielt er den Ausgabestempel, jedoch konnte nicht zugestellt werden, so dass er am 26.10. in Kirtorf aufschlug, wo er einen zweiten, schlecht abgeschlagenen Ausgabestempel erhielt.

Hinten lese ich: "In Oberkleen beiNiederkleen unbekannt. Langgöns, Bote" und Langgöns liegt ja auch in der Nähe zu den drei involvierten Orten Niederklee, Oberkleen und Kirtorf.

Levi Sondheim hatte im Allgäu Käse bestellt und eine Kiste Käse mit 110 Pfund Käse und 20 Pfund Verpackung zugesandt bekommen. Zuvor hatte er per Postanweisung den Käse und die Verpackung bzw. den Versand mit 26 Gulden und 27 Kreuzern bezahlt. Da dürfte der Käse weitaus früher angkommen sein, als der Brief, oder hatte der auch eine kleine Odyssee hinter sich, allerdings mit der Bahn? Wenn ja, dann wird Levi Sondheim den Käse schon von Weitem gerochen haben ...

Liebe Grüsse von bayern klassisch (großer Käseliebhaber, nur damit das nicht falsch rüber kommt!)
 
bayern klassisch Am: 27.07.2019 10:03:02 Gelesen: 2137# 448 @  
Liebe Freunde,

zu den großen Mysterien der bayerischen Postgeschichte gehörten die portopflichtigen Partei - Sachen, die zwar unfrankiert aufgegeben werden konnten, aber auch in diesem Fall keinen Portozuschlag ab 1868 erhalten durften.

Demnach sollten sie unfrankiert am Ort 1 oder 2 Kreuzer kosten und im Fernverkehr 3 oder 7 Kreuzer, je nachdem, ob sie bis 1 Loth oder über 1 - 15 Loth wogen. Keine Vorschrift ist in Bayern häufiger mißachtet worden, als diese.







Ein Schreiben des kgl. Marktes Neukirchen beim heiligen Blut an das Bürgermeisteramt der Gemeine Lambsheim (Pfalz) vom 18.11.1870 (Kriegszeit) war in jeder Beziehung mustergültig auf seinen Weg gebracht worden und der Vermerk "P.S. Porto jenseits", also Partei - Sache von Lambsheim, dort das Porto einfordern, war eindeutig. Der Auftraggeber saß also in der Pfalz und wünschte eine Maßnahme zwischen bei bayerischen Behörden, für die er zu zahlen hatte. War er wohlsituiert, konnte man das nach Erledigung mit ihm abrechnen, war er das nicht, musste er, ehe die Behörden loslegten, ein Depositum in Lambsheim abliefern, aus dem man sich bei Kosten, Gebühren usw. bediente.

Der über 1 Loth schwere Brief hätte also im Franko-, wie im Portofall wie hier nur 7 Kreuzer kosten dürfen - dennoch hat ihn die Aufgabepost mit 11 Kreuzer taxiert, als wäre es ein gewöhnlicher Brief und kein portomoderierte Dienstbrief.

Auch die Abgabepost (hinten kein Stempel) störte sich nicht an der Beugung der Vorschriften und kassierte satte 4 Kreuzer zuviel, die der Auftraggeber im Endeffekt bezahlen durfte.

Zum Inhalt:

"Das Verehelichungsgesuch des Josef Schab". Schab möchte seine Braut in Neukirchen b. h. B. als neue Heimat angeben, aber in der Pfalz heiraten. Der Magistrat möchte hierfür 20 Gulden von Schab haben, ehe man ihn dort einbürgert. Auch bedurfte es eines Zeugnisses, dass Schab seinen Militärdienst geleistet hatte - was Wunder in dieser Zeit, da sich vlt. der ein oder andere gerne mal davor drücken wollte, war doch schon der Friedensdient beim Militär kein Fingerschlecken und ab Sommer 1870 kam ja noch der Krieg hinzu.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 28.07.2019 10:01:49 Gelesen: 2036# 449 @  
Liebe Freunde,

eine weitere Mini - Sammlung von mir hat Zulauf bekommen, die Slg. 1.7.1849 bis 31.10.1849.



Ein Privater schrieb eine Stiftungs Sache (!) in Oettingen am 5.9.1849 und gab sie am Folgetag unfrei zu Post. In Oettingen stempelte man noch mit grüner Farbe, was sich bald ändern sollte, als die ersten Marken erschienen und auf schwarze Farbe umzustellen war.

Hier aber taxierte man korrekt mit 3 Kreuzer innerbayerisch für einen Brief an die Hochlöbliche Stiftungsverwaltung zu Oberdorf bey Bopfingen. Bei Bopfingen? Das lag doch in Württemberg und hatte mit dem rein innerbayerischen, neuen Taxregulativ vom 1.7.1849 gar nichts zu tun, könnte man meinen. Ja und nein!

Mit dem Postvertrag zwischen Bayern und Württemberg von 1809 (also noch unter Napoleons Zeiten) galt bei einigen Grenzorten, dass die eigene Postkutsche bis zum gegenüber liegenden Grenzort fahren durfte, um die Post abzugeben, ohne dass dies eine weitere Gebühr nach sich zu ziehen hatte - im Klartext: Briefe aus Bayern nach Bopfingen galten als frankiert bis Nördlingen (s. hinten den Ankunftsstempel vom selben Tage), wurden jedoch mit der bayerischen Kutsche bis in württembergische Bopfingen gefahren (wobei damals Thurn und Taxis die Postgerechtsame in Württemberg noch gepachtet hatte).

Oberdorf war ein eigenständiger Ort vor den Toren von Bopfingen, ist aber heute längst eingemeindet und der größte Stadtteil heute mit ca. 1.500 Einwohnern. Damals waren es sicher weit weniger.

Grüner Stempel, eine ominöse Stiftungssache, ein Tarif nach Württemberg, den es nur für Bayern geben sollte und ein fehlender Bestellgeldvermerk in Bopfingen - ja, das hat schon etwas, vor allem dann, wenn man es in der Bucht unerkannt schnappen kann zum Preis einer Damenpizza, schlecht belegt, leicht erkaltet - vlt. sogar von gestern.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 06.08.2019 16:35:08 Gelesen: 1085# 450 @  
Liebe Freunde,

ein entzückendes Briefchen vom 17.3.1847 erblickte mein Auge in der Bucht - mit leidlich lesbarem Halbkreisstempel Günzburgs versehen, las ich die Anschrift: "S= des Ttl. Herrn Fidel von Baur - Breitenfled Kl Bayr. Landgerichts - Assessor wohlgeboren Lindau Ablage im Gasthaus zur Krone"



Der Brief weist darüber hinaus noch einen fast nachträglich anmutenden Vermerk "fro" für franco auf. Siegelseitig ist jedoch kein Franko zu erkennen. Statt dessen hatte der Absender notiert: "Vom Kl. Postv. G´hey".



Der Brief wurde mit einem kleinen Siegel versehen und erhielt je zwei Parellelstriche, aber keine Frankonotation, so dass ich davon ausgehe, dass man in Günzburg nichts bezahlte. Pro memoria: Günzburg - Lindau im Bodensee sind genau 110 km, also wäre selbst ein einfacher Brief auf ein Franko von 6 Kreuzer gekommen (über 12 bis 18 Meilen).

Dann schaute ich nach und fand heraus, dass damals der Posthalter von Günzburg Carl Graßhey (oder Grashey) hieß und selbiger den Brief geschrieben hatte, für den er natürlich nichts hatte zahlen wollen. Lindau erhielt ihn noch am selben Tag und übergab ihn wohl dem Wirt des Gasthauses zur Krone, wo man ihm seinem Empfänger später zustellte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 

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