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Thema: (?) (9) Schweiz: Dienstmarken
Heinz 7 Am: 15.10.2015 23:51:04 Gelesen: 2887# 1 @  
Liebe Interessierte,

1918 kamen in der Schweiz die ersten Dienstmarken heraus. Zu Beginn waren dies meist "normale" Marken mit einem Überdruck. Sie waren für Private nicht frankaturgültig, sondern dienten staatlichen Stellen.

Anbei zeige ich Euch einen Brief, bezahlt mit 60 Rappen Dienstmarken "Officiel". Diese Marken konnten verwendet werden von der Bundesverwaltung.



Dieser Brief wurde anfangs 1945 versandt, also zu Zeiten, als in Europa noch Krieg herrschte. Alles an dem Brief ist sehr sauber: Absenderstempel "Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement; Polizeiabteilung; Arbeitslager für Flüchtlinge; Bonstetten (Zürich)", Abgangsstempel "BONSTETTEN 25. I. 45", Anschrift (der Brief wurde nach Cham gesandt (rückseitig Ankunftsstempel vom selben Tag)). Dazu noch der Kleber "Eilsendung" und der "Amtlich"-Stempel in Rot ... wunderbar.

Die Briefmarken wurden 1942 hergestellt: Überdrucke auf Marken der Dauerserie "Landschaftsbilder" (1936) und der Dauerserie "Historische Bilder" (1941). Innerhalb der Gruppe der Marken für die Bundesverwaltung tragen die Marken die Zumstein-Nummern D II 48 und D II 55.

Gute Nacht, allen - Heinz
 
remstal Am: 16.10.2015 08:30:04 Gelesen: 2862# 2 @  
@ Heinz 7 [#1]

Hallo Heinz 7,

zu diesen "Verwaltungsmarken" eine Frage. Nach den Angaben im Zumstein Spezial mussten die Bundesamtsstellen ihre gesamte Auslandspost ab 1935 mit diesen Verwaltungsmarken freimachen. Wie lange galt diese Vorschrift ? Auf den 31.12.1959 endete ja die Gültigkeit der letzten Ausgabe. Nach einer Auskunft des Historischen Archivs der Ptt sei die Verwendung ab 1.7.1959 hinfällig geworden.

Ich zeige hier aber einen Drucksachenausschnitt aus 1956 mit einer Freimachungskombination von einer normalen Marke mit Verwaltungsmarken. Ist das eine zulässige Verwendung gewesen ?

Mit frdl. Grüßen
remstal


 
Heinz 7 Am: 16.10.2015 23:24:51 Gelesen: 2817# 3 @  
@ remstal [#2]

Hallo Remstal,

ich denke, die Antworten auf Deine Fragen findet man (auch) in der Schweizer Briefmarkenzeitung dieser Jahre. Ich kenne die genauen Antworten leider nicht. Ich denke aber, aufgrund der mir vorliegenden Informationen, dass die Bestimmungen Ende 1959 ein Ende fanden.

Die Zulässigkeit der hier gezeigten Frankatur war für die Post vermutlich "kein Problem". Offenbar verlangte die Post für diese Dienstleistung den Betrag von CHF 3.40 (das war sehr viel Geld, damals), und diese CHF 3.40 wurden verklebt. - Woher die Marken kamen, war der Post wahrscheinlich gleichgültig. Die Dienstmarken waren ja "gleichwertige" Postwertzeichen wie normale Marken.

Normale Marken mussten vom Publikum bezahlt werden, während die Dienstmarken (vermutlich) gegen Verrechnung den Dienststellen zur Verfügung gestellt wurden. Wenn nun die Landesbibliothek CHF 3.40 zu bezahlen hatte, konnte dies auch mit einer "Normalo-" Marke geschehen.

Ausserdem lesen wir im Zumstein Spezial: "Diese (Marken) sollten nur für Dienstzwecke Verwendung finden, doch konnten sie von den Dienststellen für Rückporto an Privatpersonen abgegeben werden" (siehe Seite 928, Zumstein Spezialkatalog 2000).

So konnten natürlich auch Mischfrankaturen entstehen. Solche sind sicher interessant für Sammler.

Grüsse Heinz
 
remstal Am: 17.10.2015 15:25:16 Gelesen: 2791# 4 @  
@ Heinz 7 [#3]

Herzlichen Dank für die Erläuterung. Nun kann ich das Stück zutreffend beschreiben, in meine Frankaturensammlung passt es gut.

Viele Grüße remstal
 
Heinz 7 Am: 21.11.2018 23:59:47 Gelesen: 773# 5 @  
@ Heinz 7 [#1]

Das vor über drei Jahren eröffnete Thema ist in einen tiefen Dornröschen-Schlaf verfallen. Ich möchte es gerne heute neu beleben.

1941 gab die Schweiz u.a. eine Serie mit Historischen Bildern heraus. Die Nominale der Marken war hoch, von 50 Rappen bis 2 Franken. Alle Marken wurden in grossen Mengen hergestellt.

Bereits in den Dreissigerjahren hatte in der Schweiz eine grosse Produktion von sogenannten "Dienstmarken" eingesetzt. Die Dienstmarken waren für Privatpersonen nicht vorgesehen, sondern für Dienststellen. Es gab viele davon:

I. Industrielle Kriegswirtschaft
II. Verwaltungsmarken
III. Société des Nations, Genève (Völkerbund in Genf)
IV. Bureau international du Travail, Genève (Intern. Arbeitsamt in Genf)
V. Bureau international d'éducation, Genève (Intern. Erziehungsamt in Genf)
VI. Organisation mondiale de la santé, Genève (Welt-Gesundheitsorganisation in Genf)
VII. Nation Unies, Office européen, Genève (Vereinte Nationen, Europäisches Amt in Genf)

nach 1950 kamen noch weitere dazu.

Die Historischen Bilder wurden 1942 überdruckt mit:

"Officiel" = Verwaltungsmarken
"Courrier de la Société des Nations" = S.D.N.
"Courrier du Bureau international du Travail" = B.I.T.
"Courrier du Bureau international d?éducation" = B.I.E.
"Organisation mondiale de la santé" = O.M.S.
"Nations Unies Office européen" = ONU

Die ersten 4 Dienst-Stellen erhielten jeweils den ganzen Satz von 9 Werten mit Überdruck (!), bei den Büros OMS und ONU begnügte man sich mit 6 Werten, wobei der 60-Rappen Wert (Tell) nicht gedruckt wurde. Aber mit vier verschiedenen Überdrucken ist die Marke doch sehr emsig benutzt worden, sehr zum Missfallen von vielen Briefmarkensammlern dieser Zeit.



Diese Marke hat die Katalognummer D IV 73 und hat eine relativ kleine Auflage von nur 78'000 Stück. Da aber der Bedarf klein war, hat sie auch heute noch nur einen geringen Katalog-Wert.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 22.11.2018 21:36:15 Gelesen: 750# 6 @  
@ Heinz 7 [#5]

Wer das nachfolgende Foto sieht, wird die Sammler von Schweizer Briefmarken des Jahres 1940-1950 verstehen, die sich über die Schweizer Post enervierten:

Unzählige Dienstmarken wurden 1942-1950 herausgegeben. Wie in Beitrag [#5] gezeigt haben mehrere Organisationen und die Bundesverwaltung bestehende Dauermarken mit speziellen Überdrucken versehen. Schweiz-Sammler, die auch Dienst-Marken sammelten, wurden in sehr grossem Ausmass zur Kasse gebeten. Ein Ganzsatz "Officiel" z.B. kostete CHF 9.20(!), das war vor 70 Jahren sehr viel Geld!



Der (französische) Katalog Yvert & Tellier katalogisierte diese Dienstmarken besser (übersichtlicher) als Michel und Zumstein (Bern). Die überdruckten "Historischen Bilder" haben die Nummern:

TS 194-202 (1942) Officiel
TS 215-223 (1944) S.D.N.
TS 236-244 (1944) B.I.T.
TS 257-265 (1944) B.I.E.
TS 275-277 und 349-351 (1948+1950) O.M.S.
TS 307-312 (1950) ONU
TS 359-361 (1950) OIR

Wir sehen also, die ersten 4 Ausgaben hatten alle 9 Werte (!), die 5.-7. Überdrucksausgabe waren dann "nur" noch 6, 6 und 3 Marken.

Jedes Mal im Satz dabei war der 80-Rappen-Wert mit dem Motiv "Sterbender Krieger".

Die Auflagen dieser Marken waren zum Teil recht klein, z.B. OIR Nr. 6 (TS 359) hatte nur eine Auflage von 25'000 Stück. Trotzdem sind diese Marken auch heute nicht hoch bewertet. es gibt wohl nur noch wenige Sammler, die sie noch sammeln.

Heinz
 
Heinz 7 Am: 05.02.2019 23:17:51 Gelesen: 489# 7 @  
@ Heinz 7 [#5]

In Beitrag [#5] und [#6] konnte ich ungebrauchte Marken zeigen und Euch die verschiedenen Ämter vorstellen, welche solche Marken verausgabten, siehe [#6].

Besonders schön ist natürlich, wenn man echte Bedarfspost von den Ämtern findet.



Das internationale Erziehungsamt in Genf hatte offenbar eine Dauerausstellung, und stellte dafür bedruckte Briefumschläge zur Verfügung. Am 12. Juli 1951 brachte jemand eine Eilsendung zum Versand, freigemacht mit 90 Rappen der Ausgabe "Technik und Landschaft" mit Aufdruck.

Die Zumstein Nrn. sind mit Michel identisch: D V (BIE) Mr. 32 und 39 (20 Rappen + 70 Rappen). Ein Blick auf die Preisspalte zeigt, dass die Seltenheit solcher Briefe durchaus einen Niederschlag im Katalog fand: D V 39 ist mit CHF 215.00 bewertet auf Brief (Zumstein-Katalog 2013). Der Händlerkatalog bewertet die Marke auf Brief sogar mit CHF 300.00.

Sehr schön!
Heinz
 
fogerty Am: 27.03.2019 21:55:21 Gelesen: 309# 8 @  
Danke Heinz für die ausführlichen Erläuterungen zu diesem Thema. Hatte mich bisher ja nie damit befasst. Gibt es hierfür eigentlich noch Sammler oder besser gesagt, was tun damit?



Grüße
Ivo
 
johanneshoffner Am: 28.03.2019 11:03:12 Gelesen: 284# 9 @  
Besonders selten sind die Marken der Flüchtlingsorganisation (OIR). Briefe sind echte moderne Raritäten.

Kann jemand vielleicht einen Bedarfsbrief davon zeigen?
 
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