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Thema: DDR Block 19 als Bedarfsbrief
philapit Am: 28.09.2016 14:58:14 Gelesen: 6232# 1 @  
Hallo Sammlerfreunde,

ist dieser Brief noch sammelwürdig und portogerecht? Wie wurden Großformatige
Briefe berechnet?



Bedarfsbriefe des Riesenblockes habe ich noch nie gesehen. Der FDC ist schon sehr selten aber ab und zu anzutreffen. Der Brief ging 1967 von Bad Salzungen nach Freiburg/Breisgau. An der Bedarfsverwendung gibt es ja wohl keinen Zweifel. Hat noch ein Sammler einen Bedarfbrief?

Mit freundlichem Gruß
Philapit
 
Gerhard Am: 28.09.2016 19:15:05 Gelesen: 6165# 2 @  
@ philapit

Hallo Philapit,

für mich liest sich die DDR-Gebührentabelle im Michel-Spezial wie folgt:

= 50 Pfg. Einschreibegebühr
+ 25 Pfg. für den Brief
+ 75 Pfg. (5 x 15 Pfg.)je weitere 20 gr; heißt also,das Brief über 120 aber unter 140 gr. schwer war, was angesichts des Formats vorstellbar erscheint. Sammelwürdig m.E. auf jeden Fall.

Glückwunsch, den Block aus dem Bedarf hab ich bislang noch nicht gesehen, nur in Teilen.

Gerhard
 
Christoph 1 Am: 28.09.2016 23:45:08 Gelesen: 6103# 3 @  
@ Gerhard [#2]

Hallo Gerhard,

ich glaube, Deine Berechnung stimmt nicht ganz.

Ein Brief im Fernverkehr nach der BRD wurde 1967 noch nach dem Inlandstarif gerechnet. Auslandstarif galt erst ab 1971. Somit kostete der Brief 40 Pfennig + 50 Pfennig für Einschreiben. Er ist somit - wie alle mit diesem Block frankierten Sendungen - deutlich überfrankiert.

Bei ebay wird von einem mir bekannten Kasseler Briefmarkenhändler ein Block auf "Bedarfs"-Brief angeboten: [1]



Der Beleg wird von dem Verkäufer wie folgt beschrieben:

DDR 1964 15 Jahre DDR Block 19 auf Express-R-Brief, Ankunftsstempel, Beförderungsspuren. Für portoexakte Einzelfrankatur des Block gab es keinen Tarif, hier die größtmögliche Annäherung: 50 Pf Einschreiben, 50 Pf Express, 40 Pf Auslandbrief 2. Gewichtsstufe = 1,40, also 10 Pf überfrankiert. [1]

Diese Portoberechnung stimmt wohl, ebenso die Aussage, dass mit dem Block als Einzelfrankatur keine portogerechte Verwendung möglich war.

@ philapit [#1]

Damit verbietet sich eigentlich auch die Verwendung des Begriffs "aus dem Bedarf", denn es gab für die Frankatur dieses Blocks keinen echten Bedarf. Alle Belege dürften rein philatelistisch motiviert sein.

Trotzdem ein sehr schöner und seltener Beleg, den Du da hast. Meiner Meinung nach unbedingt sammelwürdig.

Schöne Grüße, csjc13187

[1] http://www.ebay.de/itm/DDR-1964-15-Jahre-DDR-Block-19-auf-Express-R-Brief-Ankunftsstempel-XXL9194-/201676886969
 
HWS-NRW Am: 29.09.2016 00:08:28 Gelesen: 6099# 4 @  
Hallo und einen guten Morgen,

der Preis ist aber schon recht happig, wenn auch der Brief sehr ordentlich aussieht.

"Echten Bedarf" gibt es halt nur bei der Verwendung einzelner Werte:



(MiNr 1070 B) aus Block 19 DRESDEN 01.02.1966

Aber was ist schon "echter Bedarf", es gibt zahlreich Zeppelinbriefe, alles teils recht teuer und bei den meisten kein echter Bedarf, wer hatte schon Verwandte oder ein Unternehmen in Übersee.

Also sollte jeder das sammeln, was er mag, das ist auch eine Form von "Bedarf".

mit Sammlergruß
Werner
 
Christoph 1 Am: 29.09.2016 00:08:38 Gelesen: 6097# 5 @  
@ csjc13187 [#3]

ich habe noch ein wenig weiter gesucht und einen weiteren Brief mit Block 19 gefunden, der vor zwei Monaten bei ebay verkauft wurde (übrigens zu einem deutlich niedrigeren Preis als der von mir oben gezeigte Beleg) [1].

Bei diesem Angebot war ein Attest des BPP-Prüfers Henry Meyer beigefügt:



Die im Attest vorgenommene Erläuterung des Portos ist für mich allerdings nicht nachvollziehbar:

mit 1,60 M für einen Brief 251-500 gr zzgl. der Zusatzleistungen portogerecht frankiert

Kann mir das jemand erklären? Ich beziehe mich auf die im Michel abgedruckte Postgebührenübersicht, wonach im fraglichen Zeitraum (egal ob 1967 oder 1970 gelaufen) nur 40 Pfennig als Porto für einen (Inlands-) Brief über 20 gr fällig waren. Eine weitere Unterscheidung nach Gewichtsstufen gibt es dort nur für Auslandsbriefe, aber es steht explizit im Michel, dass für Briefe in die "BRD" nur zwischen 1.7.1971 und 30.6.1990 der Auslandstarif galt, vorher also der Inlandstarif. Mit jeweils 50 Pf für Einschreiben und Eilboten komme ich dann (s. Beitrag #3) auf 1,40 M Porto.

Vielleicht gibt es aber eine zusätzliche Regelung, die nicht im Michel steht? Für Erläuterungen wäre ich dankbar.

Viele Grüße, csjc13187

[1] http://www.ebay.de/itm/DDR-Block-19-Brief-gelaufen-Lichtentanne-Duesseldorf-Attest-Katalogwert-Chemnitz-/291823588963





[Weitere drei Bilder redaktionell eingefügt]
 
drmoeller_neuss Am: 29.09.2016 10:15:52 Gelesen: 6036# 6 @  
@ csjc13187 [#5]

Das Porto passt zu einem Brief ab 250 Gramm, obgleich solchen schwere Briefe in BRD eher selten waren. Bis 1971 war die BRD für die DDR noch "Inland".

Der BPP-Prüfer Henry Mayer stört sich an der nicht gestempelten Ulbricht-Marke, nimmt aber keine Stellung dazu, ob der Block vielleicht auch nachträglich angebracht wurde. Es geht kein Stempel auf den Briefumschlag über.

Denkbar wäre, dass z.B. ein mit Freistempel-Etikett freigemachter Eilbrief nach Düsseldorf entsprechend "umgebastelt" wurde. Das Umschlagspapier sieht mir auch sehr "westlich" aus, das hat alleine aber nichts zu sagen, da so manch "Westler" seine Freunde in der DDR mit Büromaterial versorgt hat.

Unter diesen Gesichtspunkten ist der Brief vom Kassler Händler viel authentischer. (siehe [#3])
 
philapit Am: 29.09.2016 13:18:05 Gelesen: 5984# 7 @  
Danke für eure Hilfe. Mit der Portotabelle des Michel Spezial bin auch nicht auf portogerecht gekommen. Vielleicht gibt es noch den todsicheren Tip.

Mit freundlichem Gruß
Philapit
 
HWS-NRW Am: 29.09.2016 13:34:16 Gelesen: 5973# 8 @  
Ich denke schon, daß dieser Brief echt ist, so "blöd" sind die Prüfer nicht, daß sie das nicht aufgedeckt hätten. Und die Sache mit dem Bedarf bzw. der portogerechten Frankatur bei diesem Block, äußerst selten und die 10 Pfg. zuviel, darauf muß man nicht soviel Rücksicht nehmen, so ein Brief ist gesucht, nur der Preis beim ersten Exemplar ist m.E. nicht gerechtfertigt, aber manch einer zahlt auch diesen Preis gerne, um eventuell eine Lücke in seiner Briefsammlung schließen zu können. Hauptsache ist doch, das er daran Freude hat.

mit Sammlergruß
Werner
 
Christoph 1 Am: 29.09.2016 14:35:03 Gelesen: 5946# 9 @  
@ drmoeller_neuss [#6]

Das Porto passt zu einem Brief ab 250 Gramm, obgleich solchen schwere Briefe in BRD eher selten waren. Bis 1971 war die BRD für die DDR noch "Inland".

Lieber drmoeller_neuss,

ich muss da nochmal nachhaken, vielleicht bin ich einfach auf beiden Augen blind. Ein Brief bis 250 gramm hat nach der Michel-Tabelle 40 Pfennig gekostet. Einen "Brief ab 250 gramm" gibt es in dieser Tabelle nicht. Wie kommst Du dann zu der Aussage "portogerecht"? Sorry für meine Penetranz, aber jetzt will ich's genau wissen.

Danke und Gruß,
csjc13187
 
lonerayder Am: 29.09.2016 15:16:55 Gelesen: 5925# 10 @  
@ csjc13187 [#9]

Ich habe gerade mal im Michel-Spezial 2013 und im Michel Postgebühren-Handbuch nachgesehen.

In beiden Tabellen wird jeweils die Portostufe für einen 250 - 500 gr Brief im Fernverkehr mit 60 Pf Porto aufgeführt.

Hier ein Scan aus dem Handbuch:



Gruß
Andreas
 
Christoph 1 Am: 29.09.2016 15:31:59 Gelesen: 5919# 11 @  
@ lonerayder [#10]

Hallo Andreas,

herzlichen Dank für die Aufklärung. Jetzt sehe ich klar. Meine bescheidene "Analyse-Basis" ist leider nur ein MICHEL-Briefe-Katalog, siehe Scan im Anhang. Da gilt dann wohl der Verweis unten "weitere Postgebühren siehe MICHEL-Postgebühren-Handbuch-Deutschland". Trotzdem seltsam, dass diese Portostufe gerade im Briefe-Katalog fehlt. Bei meinem Deutschland-Spezial 2013, den ich gebraucht und sehr billig erworben habe, ist die entsprechende Seite leider herausgeschnitten. Da jedoch bei Bund/Berlin die dort enthaltenen Tabellen identisch mit meinem Briefe-Katalog sind, war ich bislang davon ausgegangen, dass dies auch für DDR zutrifft. Nun wurde ich eines Besseren belehrt. Wäre wohl doch mal an der Zeit, das Postgebührenhandbuch anzuschaffen.

Nochmals danke und viele Grüße
csjc13187


 
waarnstadt Am: 30.09.2016 06:40:35 Gelesen: 5844# 12 @  
Hallo allerseits,

es gibt nur 2 Varianten, bei denen eine Einzelfrankatur des Blocks portogerecht ist:

1. 40 Pfg (Inlandsbrief DDR bis 250g) + 50 Pfg (Einschreiben) + 20 Pfg (Eigenhändig) + 40 Pfg. (Nachnahme) = 1,50 M

2. 40 Pfg (Inlandsbrief DDR bis 250g) + 20 Pfg (Wertangabegebühr je 500 M) + 50 Pfg (Behandlungsgebühr Wertbrief) + 40 Pfg (Nachnahme) = 1,50 M

Variante 1 habe ich vor vielen Jahren in einer meiner Auktionen verkauft, Zuschlagspreis war damals ca. 1000 DM plus Aufgeld.

Mit besten Grüßen,
Torsten
 
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