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Thema: Überroller-Post nach dem 2. Weltkrieg
Jürgen Witkowski Am: 23.10.2008 17:32:36 Gelesen: 10638# 1 @  
Alfred Meschenmoser definiert in seinem Buch "Überroller-Post von 1945 - 1949 vom 'Dritten Reich' in das 'Nachkriegs-Deutschland'" diese postalischen Belege wie folgt:

"Überroller sind postalische Belege, die noch im 'Dritten Reich', also vor der Besetzung durch die Alliierten, aufgegeben, aber erst nach der Besetzung, also im Nachkriegs-Deutschland, zugestellt bzw. zurückgegeben wurden."

Die Karte stammt augenscheinlich aus dem Bereich, der das heutige Baden-Württemberg umfasst (Ansichtskarte von Stuttgart) und lief nach Metzingen (Württemberg). Die Besetzung durch die Alliierten erfolgte dort im Wesentlichen im Monat April 1945. Die Stadt Karlsruhe, wo die Karte am 27.04.1945 abgestempelt wurde, war ab dem 10. April 1945 besetzt.

Nun waren die damaligen Verhältnisse in Baden-Württemberg recht kompliziert, da nach der Besetzung durch die Franzosen recht schnell die Amerikaner das Kommando übernahmen. Überliefert ist, dass die Franzosen die meiste Post, die in ihre Hände fiel, nach Stuttgart und Karlsruhe transportiert haben, diese jedoch in den Depots zurück gelassen haben, als die Amerikaner anrückten.

Für einen Überroller-Beleg spricht:

- Datum 27.4.45
- Postamt Karlsruhe (Baden) 2
- Handschriftlicher Vermerk 14.7.45 (Zustell- oder Bearbeitungsdatum?)
- Schwärzung der Hitler-Marke

Ein Zensurstempel oder eine sonstige Zensurkennzeichnung ist, gerade in der ersten Zeit nach der Besetzung, nicht immer erfolgt.

Falls Spezialisten mitlesen, wäre ich an ihrer Meinung sehr interessiert.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen


 
stampmix Am: 17.07.2015 14:30:54 Gelesen: 7217# 2 @  
Hallo zusammen,

Überroller-Briefe aus 1945 sind nicht immer einfach zu erkennen, aber das hat hier freundlicherweise der Empfänger dokumentiert.

Einschreibebrief vom 18.3. 1945 aus Büdingen nach Göppingen mit Ankunftstempel vom 31.3. 1946 und damit über 1 Jahr unterwegs. Keine Schwärzung der Hitlermarken oder Zensurvermerke erkennbar.



Der Briefmarkenhändler erhielt den Brief am 1.4.1946 und hat ihn an den Absender, nebst Neuheitenliste, zurückgegeben.



mit bestem Gruß
stampmix
 
Totalo-Flauti Am: 14.05.2018 21:23:40 Gelesen: 4774# 3 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ich habe einen Beleg aus Leipzig vom 22.03.1945. Die Hitler-Marke ist im wahrsten Sinne des Wortes überrollt worden. Leider sind keine weiteren Hinweise auf dem Fensterbrief vermerkt. Auf der Rückseite ist nur ein Stempel einer Firma als Absender vorhanden. Mir liegt noch eine weiterer Fensterbrief aus Fürth mit selben "Überroller" vor. Ich gehe davon aus, dass die Briefe erst in der Empfängerstadt überrollt wurden.

Mit lieben Sammlergrüßen

Totalo-Flauti.


 
Mondorff Am: 14.05.2018 22:00:06 Gelesen: 4761# 4 @  
Guten Abend,

hier ein Überroller aus dem Jahre 1944. Der 2. Weltkrieg war am 31.8.1944, dem Datum des Tagesstempels FELS (MOSELLAND) in Luxemburg noch nicht vorbei. Der Empfänger wohnte in Mühlenbach, luxemburgisch Millebaach - einem Vorort der Hauptstadt.



Die Sendung war von den Kriegsereignissen "überrollt" und wurde vorerst nicht zugestellt. Der Brief wurde, mit Kontrollstempel CONTROLÉ PAR EXAMINATEUR , der am 6. Dezember 1944 eingerichteten Zensurstelle, (unter Aufsicht des amerikanischen CCI) versehen und erhielt den Verschluss-Streifen GRAND DUCHE DE LUXEMBOURG / CONTROLLE [U]DES COMMUNICATIONS [/U ER wurde, laut Ankunftstempel LUXEMBURG-DOMMELDINGEN, erst am 26.3.1945, dem ersten Tag der Zulassung des privaten Briefverkehrs, zugestellt.

Schönen Gruß
DiDi
 
volkimal Am: 08.04.2019 14:51:54 Gelesen: 3506# 5 @  
Hallo zusammen,

diesen Brief habe ich am Freitag beim Vereinsabend bekommen. Auf der Rückseite gibt es nichts zu sehen.



Auf den ersten Blick sieht man dem Umschlag nicht an, dass es ein Überroller sein muss. Wie kann man es erkennen?

1) Der eingeschriebene Feldpostbrief wurde am 27.03.1945 in Stettin-Grünhof aufgegeben. Herne liegt im Ruhrgebiet und wurde am 09.04.1945 von den Alliierten erobert. Am 01.04.1945 war die Gegend nördlich und östlich des Ruhrgebiets allerdings schon besetzt. Der Brief hätte also nur drei Tage Zeit gehabt um ins Ruhrgebiet zu kommen. Am Ende des Krieges völlig unmöglich.

2) Der Brief wurde nicht mehr an den Ortsgruppenleiter der NSDAP ausgeliefert sondern an den Bürgermeister der Stadt Herne. Auch das wäre im Dritten Reich nicht passiert.

Viele Grüße
Volkmar
 
wessi1111 Am: 10.10.2019 05:49:39 Gelesen: 2929# 6 @  
Hallo zusammen,

es geht um folgende Paketkarte von Spremberg (genauer Bohsdorf Vorwerk über Spremberg) nach Leipzig:




Ich habe diese Paketkarte mit der Angabe des Verkäufers "gestempelt 17.9.45" bekommen.



Das kann aber so nicht stimmen. Auch mit sehr hellem Licht lässt sich vom oberen Stempel nicht mehr erkennen als die 17.

Beim unteren Stempel ist die Monatsangabe so von den Zähnen durchzogen, dass ich nichts interpretieren kann.

Eigentlich müsste der Monat ja März oder April sein, oder sehe ich das falsch. Gibt es noch eine Möglichkeit, den Stempel unter der Schwärzung sichtbar zu machen?

Gruß
Wessi
 
volkimal Am: 10.10.2019 06:39:24 Gelesen: 2918# 7 @  
@ wessi1111 [#6]

Hallo Wessi,

entweder handelt es sich um einen Überroller. Dann muss das Stempeldatum vor dem Ende des Krieges sein. Es könnte aber auch eine sogenannte Sächsische Schwärzung sein. Das sind nach dem Krieg verwendete geschwärzte Hitlermarken. Wenn ich mich richtig erinnere sind die aber nur bis August möglich gewesen.

Auf jeden Fall Vorsicht - es gibt viele Fälschungen auf dem Markt. Im Michel Spezial findest du einiges dazu.

Viele Grüße
Volkmar
 
hajo22 Am: 10.10.2019 11:40:41 Gelesen: 2883# 8 @  
@ wessi1111 [#6]
@ volkimal [#7]

" Beim unteren Stempel ist die Monatsangabe so von den Zähnen durchzogen, dass ich nichts interpretieren kann."

Das dürfte eine "8" sein, also August 1945. Das korrespondiert gut mit dem handschriftlichen Eingangsvermerk "20/9".

Also: Sächsische Schwärzung und kein Überroller.

hajo22
 
jmh67 Am: 10.10.2019 13:34:08 Gelesen: 2862# 9 @  
@ hajo22 [#8]

Nur lag Spremberg auch in den 1940ern in Brandenburg, nicht in Sachsen, und die Jahreszahl in den Stempeln ist zumindest auf den Scans nicht lesbar, da gut zugekleckst.

-jmh
 
hajo22 Am: 10.10.2019 18:37:09 Gelesen: 2824# 10 @  
@ jmh67 [#9]

Asche über mein Haupt. Vor lauter Datumlesen habe ich nicht mehr auf den Absendeort geachtet, zumal Volkimal eine Sächsische Schwärzung in Betracht zog. Und das alles vor dem 11.11.!

hajo22
 
wessi1111 Am: 10.10.2019 21:58:05 Gelesen: 2798# 11 @  
@ volkimal [#7]
@ hajo22 [#8]
@ jmh67 [#9]

Danke für die Antworten. Für mich werfen eure Beiträge leider mehr Fragen auf als sie beantworten.

Da Spremberg in Brandenburg liegt und ich auch keinen ähnlichen Beleg von Spremberg kenne, habe ich eine sächsische Schwärzung von vornherein ausgeschlossen und das deshalb auch in meinem Text nicht thematisiert.

Wenn der handschriftliche Eingangsvermerk wirklich 20/9 bedeutet (vielleicht auch 2019, da der Empfänger wusste, dass ich den Beleg in diesem Jahr hier im Forum vorstelle - kleiner Scherz), könnte das Stempeldatum auch 17.9.45 sein, ich weiß aber nicht, ob zu der Zeit eine Paketlaufzeit von drei Tagen realistisch war oder eher von einem Monat.

Es wäre aber schon sehr ungewöhnlich, dass im August oder September noch jemand Hitlermarken verklebt hat. Wobei ich auch nicht weiß, ob die Marken bei Paketkarten immer erst am Schalter aufgeklebt wurden oder ob diese auch vom Absender vorbereitet und frankiert werden konnten. Dann wäre der Beleg ja auch kein Überroller mehr.

Kennt jemand ähnliche geschwärzte Belege mit Stempeldatum nach der Gültigkeit der sächsischen Schwärzungen?

Gruß
Wessi
 
jmh67 Am: 11.10.2019 11:31:02 Gelesen: 2741# 12 @  
@ wessi1111 [#11]

Die Schwärzungen hinterlassen ein ungutes Gefühl, was die Authentizität angeht. Das Stempeldatum kann man nicht lesen, es kann genauso gut von 1943 oder 1944 sein, und die Kleckse wurden vielleicht irgendwann später angebracht. Besonders die Schwärzung auf der untersten Marke auf der Vorderseite sieht aus, als wäre sie extra lang gezogen, um die Jahreszahl im Stempel zu verdecken - jedenfalls merkwürdig. Besser Fachleute (Prüfer) zu Rate ziehen!

-jmh
 
hajo22 Am: 13.10.2019 11:47:57 Gelesen: 2594# 13 @  
Geschäftsbrief aus Pfedelbach/Württ. vom 28.3.1945 nach Berlin-Köpenick.

Amerikanische Militärzensur 11125 für Zivilpost (die ersten 2 Ziffern = 11 = Süddeutschland/Bayern/Teil von Württ., später Amerikanische Zone).

Handschriftlicher Eingangsvermerk: "Zurück in Köpenick 7.1.46" (sowjetischer Sektor von Berlin). Auf der Couvertrückseite keine Vermerke.



Marke 12 Pf. Hitler defekt. An "Überroller" sollte man keine allzu hohen "Qualitäts"-Ansprüche stellen.

hajo22
 
Mondorff Am: 14.10.2019 11:06:59 Gelesen: 2529# 14 @  
Noch etwas zu den Überrollern aus Luxemburg - auch im Anschluss an [#4].

Absetzbewegungen des Beamtenapparats der Deutschen Reichspost sowie ihrer 150%igen volksdeutschen Helfer waren im besetzten Luxemburg (nach Berichten von Augenzeugen und in Kenntnis einer Beschwerde des Oberbefehlshabers der 1. Armee) schon seit Beginn des Monats September zu beobachten. Ein geregelter Postdienst fand nicht mehr statt.

Vom Tag des Einrückens der amerikanischen Truppen in der Hauptstadt, dem 10. September 1944, stellte die Post auf Anweisung des Oberbefehlshabers der alliierten Armeen ihren Dienst vollständig ein. Aus Sicherheitsgründen ruhte jeglicher Brief- und Nachrichtenverkehr im Lande.Später in den Briefkästen vorgefundene Korrespondenz wurde, nach Zensurdurchlauf, erst mit Wiederaufnahme des zivilen Postverkehrs ab dem 26. März 1945 zugestellt.



Doppelbrief (Inland 20g bis 250g) der Allgemeinen Orts-Krankenkasse Luxemburg, portogerecht mit 24 Rpf. frankiert, mit Tagesstempel LUXEMBURG 2 d vom 29.8.1944 nach Differdingen. Der Brief konnte nicht mehr zugestellt werden und erreichte den Empfänger erst im März 1945. Die Sendung wurde am 6. Dezember 1944, dem Datum der Einrichtung der Zensurstelle, geöffnet und mit einem Verschluss-Streifen sowie einem violettem Zensurstempel (Typ I) versehen. Der auf der Rückseite der Sendung angebrachte Ankunftstempel DIFFERDINGEN c datiert vom 26.3.1945.

Freundlichen Gruß
DiDi
 
Mondorff Am: 15.10.2019 21:27:01 Gelesen: 2437# 15 @  
Luxemburger Überroller III



Brief eines Absenders aus Eschdorf mit Ortswerbestempel (22) ETTELBRÜCK vom 31. August 1944 nach Oberpallen bei Nördingen im Kanton Redange, innerhalb Luxemburgs also.

Auch diese Sendung wurde von den Kriegsereignissen "überrollt" und konnte vorläufig nicht zugestellt werden. Der Brief erhielt dann am 6. Dezember 1944, dem ersten "Betriebstag" der (vom amerikanischem ICC geleiteten) Zensurstelle, den blauvioletten Zensurstempel (Typ I), wurde geöffnet und nach erfolgter Prüfung mit einem Verschluss-Streifen wieder verschlossen. Kein Ankunftstempel.

In diesem Zusammenhang: Schon seit Jahrzehnten wird von Luxemburger Seite auf einen Fehler im MICHEL hingewiesen.

Jetzt wieder im MICHEL Luxemburg 2019, Seite 191, nach der Nr. 41.

"..... Danach war bis zur Herausgabe eigener Marken Barfreimachung angeordnet."

In den Postinstruktionen dieser Zeit existiert diese generelle Behauptung nicht! Sie galt wohl für Paketkarten, die ja auch vom Postbeamten zu frankieren waren, jedoch nicht für die Briefpost.

Wie auch sollte eine Barfrankierung funktionieren, wenn die Sendung in den Postbriefkasten eingelegt wurde?

Schönen Gruß
DiDi
 
Mondorff Am: 18.10.2019 20:20:30 Gelesen: 2351# 16 @  
Ein geregelter Postverkehr fand nicht mehr statt.



Fernbrief, Inland, frankiert mit einer Vorkriegsmarke zu 30 C, einer 4 Rpf.-Hindenburg-Marke sowie einer Hitler-Freimarke zu 4 Rpf.

Die Überdruck-Ausgabe war seit dem 1.1.1942 nicht mehr frankaturgültig. Der Stempel LUXEMBURG 1 f mit Datum vom 10.9.1944 ist echt.

Dies ist ein (schlecht) gemachter Beleg, der hier nur zur Warnung vorgestellt ist. Der Brief wurde wahrscheinlich von einem Postmitarbeiter fabriziert und anschließend (wann?) in den Postlauf gegeben, wobei er auch die Zensurstelle durchlief und den Stempel (Typ II) des ersten Betriebstages (den 6.12.1944) dieser Kontrollstelle, erhielt. Verschlußstreifen und passende Ankunftstempel runden das fast perfekte Bild ab.

Der Beleg wurde am 26.3.1945, dem ersten Tag der Zulassung des privatem Postverkehrs, vom Postamt DIFFERDINGEN zugestellt. Obercorn gehört zur Gemeinde Differdingen.

Nur stimmt die Portoberechnung und der damit verbundene, handschriftlich mit 20 ausgewiesene Fehlbetrag nicht. Der korrekte Portosatz für einen Fernbrief wäre 12 Rpf. gewesen. In postgültigen Marken wurden nur 7 Rpf. verklebt. Die fehlenden 5 Rpf. erforderten ein Nachporto des 1½fachen des Fehlbetrags = 7½ Rpf. aufgerundet auf 8 Rpf. Das fällige Nachporto hätte 80 Centimes betragen müssen.* Verrechnet wurden jedoch nur 20 Centimes.

Es existieren "einige" dieser Belege, in genau gleicher Machart.

Schönen Gruß
DiDi

* offizieller Umrechnungskurs 1:10 / Eine Reichsmark = 10 Franc-Lux.
 
wessi1111 Am: 17.11.2020 00:41:18 Gelesen: 425# 17 @  
Hallo zusammen,

in [#6] bis [#12] habe ich eine Paketkarte vorgestellt, bei der das Absendedatum unklar war.

In [#11] hab ich nun die Auflösung beschrieben.

Gruß
Wessi

[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=249915
 
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