Ich möchte heute eine anekdotische Belanglosigkeit schildern, von der ich doch glaube, dass sie ein nettes Geschehnis und kleines Abenteuer darstellt.
Münzen sind für mich ja vor allem Gebrauchsgegenstände, die ich im Austausch gegen Güter in Umlauf bringe. Es ist für mich immer ein modernes Wunder, dass sich bedruckte Baumwoll- oder Plastikschnipsel bei Bedarf in schmackhafte Rumpsteaks oder in was auch immer, nach dem Euch ist, verwandeln kann.
Großbritannien, wohl vier Mal war ich jetzt da, und immer- wirklich immer - gab es Theater mit Geldzeichen. Die lagere ich in meinem Urlaubsmünzhort, nach ein paar Jahren bin ich dann wieder da und kram, und in der Zwischenzeit hat sich immer irgendetwas verändert. Davon könnte ich variantenreich erzählen.
Aber ich möchte mich heute ein bestimmtes Erlebnis schildern. Im Mai 2023 reiste ich durch Schottland und fand mich hier

…irgendwo auf den Shetland Islands.
In diesem Niemandsland auf dem Rückweg zum Hauptort machte ich eine Pause und vertrat mir die Beine. Man lässt die Augen in die Ferne schweifen und irgendwie - aus dem Augenwinkel - nahm ich ein Blinken wahr und eine runde Form. Konnte nur eine Münze sein, so war es auch. Ein ganz normales 5 Pence-Stück, das dort schon einige Zeit gelegen haben muss.

Die Shetlands zeichnen sich durch heftiges Wetter aus. Es ist kühl, windig und regnerisch. Ein hartes Pflaster für Touristen und Münzen. Das von mir gefundene Exemplar war jedenfalls seit einiger Zeit verloren worden, oder - noch schlimmer - aufgrund der geringen wirtschaftlichen Bedeutung allein zurückgelassen oder eventuell sogar weggeworfen worden.
Ich hasse es, wenn Menschen die Gegend vermüllen. Muss man sein Zeug wegwerfen? Na, ich hab das Ding jedenfalls aufgelesen. Unser Geldstück muss schon einige Zeit vereinsamt herumgelegen haben und zeigte ernsthafte Anzeichen von Beanspruchung durch die Elemente. Es war von Korrosionsspuren gezeichnet, trotzdem habe ich mich entschlossen das Ding zu retten (und mich daran zu bereichern).
Also hab ich das aufgelesen und es ins Portemonnaie gepackt. Meine Erfahrung: ein paar Tage dort unter anderen Münzen und das Zeug wird wieder zunehmend normal aussehen.
Solche Münzen müssen dem Finanzsystem zurückgeführt werden, damit dort die Spreu vom Weizen getrennt werden kann.
Im modernen Geldzyklus heißt das, dass das Geld irgendwie zu einem Bargelddienstleister kommen muss, denn dahin haben die Behörden die Infrastrukturüberwachung des Geldwesens delegiert. Um zu einem Dienstleister zu kommen, muss es in die Kasse, und von der Kasse in einen Sack und der Sack zum Dienstleister, wo die Geldzeichen (seien es Scheine oder Münzen) maschinell untersucht werden. Die schlechten kommen in ein Sonderfach und danach in die Schmelze. Einer solchen Auslese habe ich vor Jahrzehnten einmal beigewohnt, das war bereits damals sehr effektiv.
Das Problem ist, dass viele aus Unkenntnis die Annahme eines angegriffenen Stücks ablehnen. Wenn es aber nicht in die Kasse und dann zu einem Dienstleister kommt, kann es nicht herausselektiert werden. Ohne Selektion, keine Schmelze und keine Wiederverwertung.
Nun, für mein 5 Pence-Stück habe ich für die Inumlaufsetzung zwei Anläufe gebraucht. Der erste Versuch fand auf den Orkney-Inseln statt, wo ich das gute Stück zur Bezahlung eines Fährtickets auf das schottische Festland nutzen wollte, eine würdige Verwendung wie ich fand. Aber die gute Dame von P&O wies unser leicht beschädigtes, aber sich in der Gesellschaft unter Gefährten in meinem Portemonnaie zunehmend revitalisierendes Stück ab.
Für das fünf Pence-Stück war das vielleicht tragisch, aber keine Sorge, die Geschichte geht gut aus.
Ich bin nämlich ca. 300 km später recht ausgehungert um die Mittagszeit entlang des River Tweed endlich auf ein Café gestoßen. Da die Gegend sonst recht leer war, habe ich dort eine Pause einlegen wollen.
Dabei handelte es sich um Traquair Castle. Gut, es war ein Eintritt fällig, aber ich fand das Schloss ansehnlich, hatte auch noch ein Stündchen Zeit zum Herumschlendern, also warum nicht, viele „gardens“ verlangen einen Eintritt. Die Objekte befinden sich in Privatbesitz und bedürfen der Unterhaltung.
Die Eigentümerin des Hauses ist die 21. Lady of Traquair und die Familie lebt auch dort und hat einen abgegrenzten Bereich für sich. Das Haus ist seit 900 Jahren in Familienbesitz und kann von sich behaupten, immerhin 27 Monarchen als Gast gehabt zu haben.
Und unser fünf Pence-Stück, das hat es in die Kasse des Schlosscafés geschafft.

Na, ist das ein würdige Destination für unsere vom Weg abgekommene Münze? Ich denke doch.
Ihr seht, am Ende kann dann doch alles gut werden (klappt ja in den Rosamunde Pilcher-Verfilmungen auch immer, und das sind ja Tatsachenberichte, aren’t they?).