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Thema: Silbermünzen: Silberwert weit über dem Nominalwert
Richard Am: 27.04.2011 18:54:45 Gelesen: 2363# 1 @  
Silber im Visier der Spekulanten

Frankfurter Rundschau (20.04.11) - Jahrzehntelang war Silber bei Anlegern unten durch. Mittlerweile klettert der Preis für das Edelmetall noch kräftiger als der Goldpreis. Das bringt auch die Deutsche Bundesbank in arge Verlegenheit.

Sie gelten als die übelsten Rohstoff-Spekulanten der jüngeren Finanzgeschichte: die Brüder Nelson und Herbert Hunt. Die Erben eines texanischen Öl-Milliardärs kauften in den 70er Jahren Unmengen von Silber und trieben damit den Preis des Edelmetalls auf aberwitzige Höhen. Insgesamt horteten die Hunts 5000 Tonnen Silberbarren und erwarben eine noch größere Menge in Form von Anrechten an der Warenterminbörse in Chicago.

Die Geschäfte schienen sich zu rechnen: Von zwei Dollar pro Unze (31,1 Gramm) im Jahr 1973 kletterte der Silberpreis bis Januar 1980 auf 50 Dollar. Doch dann machte ihnen die US-Regierung einen Strich durch die Rechnung: Über Nacht wurde der Kauf von Silberpositionen an der Warenterminbörse verboten. Daraufhin brach der Silberpreis ein. Und weil die Hunts auf Kredit spekuliert hatten, waren sie jetzt gezwungen, um jeden Preis zu verkaufen. Der Silberpreis stürzte ins Bodenlose.

Jahrzehntelang war Silber deshalb bei Anlegern unten durch. Doch seit dem Jahr 2004 klettert der Preis wieder. In den vergangenen Monaten ist er sogar noch weitaus kräftiger gestiegen als der Goldpreis. Dennoch gilt Silber bei vielen noch immer als Geheimtipp. Denn während Gold am Mittwoch gut 1500 Dollar pro Unze kostete – fast doppelt so viel wie Anfang 1980, als der Preis mit gut 800 Dollar auf ein langjähriges Hoch geklettert war –, hat Silber sein damaliges Hoch noch immer nicht ganz erreicht.

Anleger flüchten in Edelmetalle

Gestern lag eine Unze Silber bei zeitweise 44,72 Dollar. „Damit ist Silber im Vergleich zum Gold rein optisch geradezu lächerlich billig“, sagt Wolfgang Wrzesniok-Rossbach, Verkaufschef bei der Metallhandelsgesellschaft Heraeus. „Und das lockt derzeit viele Anleger an, denen Gold zu teuer erscheint. Die Psychologie spielt hier eine wichtige Rolle.“

Bundesbank zieht Reißleine

Hinzu kommt, dass Silber anders als Gold stark von der Industrie gebraucht wird. „Etwa 50 Prozent der jährlich zur Verfügung stehenden Menge geht in die Industrie“, sagt Wrzesniok-Rossbach. Deshalb profitiere der Silberpreis derzeit auch von der starken Konjunktur. Denn die Nachfrage ist auch von dieser Seite derzeit enorm hoch. Gold dagegen wird von der Industrie kaum gebraucht. Nur etwa 15 Prozent der Menge, die jährlich auf den Markt kommt, wird von der Industrie verarbeitet – im wesentlichen zu Schmuck.

Der hohe Silberpreis hat mittlerweile auch die Bundesbank in Verlegenheit gebracht. Denn allein der Silberanteil der Zehn-Euro-Gedenkmünzen, die sie bis vergangenes Jahr regelmäßig auf den Markt gebracht hat, ist zum aktuellen Preis schon deutlich mehr als zehn Euro wert.

Hinzu kommen die Herstellungskosten. Für die Bundesbank wäre es deshalb ein gewaltiges Minusgeschäft, wenn sie weiterhin solche Münzen in Umlauf bringen würde. Deshalb hat sie nun die Reißleine gezogen: Ab sofort enthalten die neu auf den Markt kommenden normalen Zehn-Euro-Münzen kein Silber mehr, sondern werden aus einer Kupfer-Nickel-Legierung hergestellt.

Nur ein kleiner Teil der Münzen in „Sammlerqualität“ wird weiterhin aus Silber bestehen. Diese verkauft die Bundesbank aber nicht zum Nennwert von zehn Euro, sondern zu einem Mindestpreis von 15 Euro. Steigt der Silberpreis weiter, wird auch der Verkaufspreis erhöht.


Viele Anleger stellen sich nun die Frage, wie lange der Silber-Boom noch weitergehen wird, ob sich also ein Einstieg noch lohnt. Heraeus-Experte Wrzesniok-Rossbach ist da skeptisch. „Die Nachfrage nach Silber aus der Industrie ist nicht so groß, dass sie das hohe aktuelle Preisniveau rechtfertigen würde.“

In erster Linie seien es die Anleger, die den Preis nach oben treiben würden. „Damit bleibt der Silberpreis anfällig für starke Rückschläge.“ Auch die VP Bank in Liechtenstein warnt vor einer „Blasenbildung am Silbermarkt“. Der gegenwärtige Preisanstieg sei zwar erfreulich, fundamental aber kaum gerechtfertigt.

Die Überbewertung zeigt auch das Verhältnis vom Gold- zum Silberpreis: Mit 34 ist es so niedrig wie Anfang der achtziger Jahre. Wann genau die Preiskorrektur komme, sei schwer vorherzusagen, sagt Jörg Zeuner, Chefökonom der VP Bank. Denn der Silbermarkt sei sehr eng und daher anfällig für Finanzspekulanten.

Einen Vorgeschmack auf kommende Rückschläge lieferte kürzlich die US-Investmentbank Goldman Sachs: Als sie Anleger zu Gewinnmitnahmen beim Silber aufrief, gab der Preis kurzzeitig deutlich nach, ehe er sich wieder erholte. „Auf längere Sicht muss man wieder mit einer Halbierung des Silberpreises rechnen“, warnt Wrzesniok-Rossbach.

Dennoch: Für die Optimisten unter den Silberfans steht außer Frage, dass der Höhenflug des Metalls weitergeht. Sie argumentieren mit dem vielen billigen Geld, das dank der Niedrigzinspolitik der Notenbanken auf den Märkten verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten sucht. Auch bleibe die weltwirtschaftliche Lage weiterhin so unsicher, dass das Interesse an Silber hoch bleiben werde.

Denn wie Gold gilt eben auch Silber als Krisenwährung. Auch wenn es unvergleichlich mehr Silber als Gold auf der Welt gibt und es deshalb nie auch nur annähernd so wertvoll sein wird, wie das gelbe Metall.

(Quelle: http://www.fr-online.de/wirtschaft/silber-im-visier-der-spekulanten/-/1472780/8364168/-/ )


 
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