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Thema: (?) (66) Deutsches Reich Paketkarten
Das Thema hat 66 Beiträge:
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Cantus Am: 05.02.2013 22:34:04 Gelesen: 13101# 17 @  
Am 3.10.1895 morgens zwischen sieben und acht Uhr gab die Firma Anspach & Cie. mit Sitz in Chemnitz ein Paket auf, das an eine Adresse in Montreux / Schweiz gerichtet war. Das Paket erreichte zunächst am folgenden Morgen Leipzig, der begleitende Paketschein erhielt einen rückseitigen Eingangsstempel, anschließend wurde das Paket umverteilt und ging dann am 4.10. mittags auf die Reise in Richtung Schweiz. Am 6.10.1895 traf das Paket beim Postzollamt in Basel ein, aber was weiterhin mit der Sendung geschah, ist leider nicht dokumentiert.

Zu der Zeit gab es eine Firma J.Anspach & Cie. mit Sitz in Frankfurt, die im großen Stil mit Strumpfwaren handelte. Es ist anzunehmen, dass der Absender in Chemnitz eine Zweigstelle oder ein Zweigwerk darstellt, Informationen dazu habe ich aber bisher nicht finden können.

Die Paketkarte war ordnungsgemäß mit einem Gesamtwert von 80 Pfennig freigemacht worden. Dazu dienten drei Marken zu 10, 20 und 50 Pfennig.



Mi. 47, 48, 50

Viele Grüße
Ingo
 
doktorstamp Am: 06.02.2013 08:42:04 Gelesen: 13077# 18 @  
@ Cantus [#17]

Anspach & Cie waren definitv sogenannte "Selbstbucher" und konnten/durften die Paketkarten selbst nach einem Muster det Reichpost drucken lassen. Die Reichspost holte die Pakete von der Firma ab.

Unter Leitweg sehen wir ein Kürzel für Leipzig, hinten mit einem Stempelabschlag belegt. Ferner, und oft übersehen, unten rechts erkennt man A.20, also eine Karte die für die Beförderung Poststücke ins Ausland gedacht war. Inlandskarten haben dort den Vermerk C.20.

Ungewöhnlicherweise trägt die Karte zwar den Stempelabschlag des Schweizer Zollamtes, ist aber anscheinend nicht verzollt. Da mag ich mich aber irren, leider kann ich das Kürzel nach 150 nicht entziffern.

Es ist aber angebracht zu erwähnen; für Poststücke in die Schweiz konnte man beim Abschicken des Poststückes die Verzollung im voraus entrichten. Die Verzollung war nicht mit Marken zu bezahlen. Es diente lediglich das Anbringen eines Stempels was dann ausgefüllt wurde und vom Postler unterzeichnet, hier meist nur mit Signum oder Paraphe. Solche findet man nicht alle Tage.

Zu der Firma konnte ich nichts finden, zumindest geschichtliches, es gibt aber eine gleichnamige Firma in den Staaten die heute chirurgische Instrumente herstellen, auch welche für den Zahnarzt. Auswanderer aus Anspach oder mit Familiennamen Anspach gab es schon ab Mitte des 17. Jahrhunderts.

mfG

Nigel
 
Postgeschichte Am: 06.02.2013 14:35:18 Gelesen: 13037# 19 @  
@ Cantus [#17]

Hallo Ingo,

bei der Auslandspaketkarte handelt es sich, wie Nigel schon sagte, um eine vom Versender selbst gefertigte Auslands-Paketkarte (A20). Es handelt sich aber nicht um die Paketkarte eines Selbstbuchers. Auch wurden die Pakete nicht von der Reichspost von der Firma abgeholt.

Das Verfahren, daß vertrauenswürdigen Firmen gestattet wurde, die Paketkarten selbst zu bekleben und zu buchen (Selbstbucher), wurde einigen Firmen vor 1900 in Einzelfällen gestattet. Die Bedingungen hierzu waren in der Postordnung geregelt. Die Post quittierte die Übernahme auf den Einlieferungslisten. Da die Merkmale für die Auflieferung durch einen Selbstbucher fehlen, handelt es sich definitiv nicht um die Paketkarte eines solchen.

Bei dem handschriftlichen Vermerk von 150 (xxx) könnte es sich um die Verzollungsgebühr handeln. Auch könnte die Berechnung auf der beiliegenden Zollinhaltserklärung erfolgt sein. Außerdem ist auch eine Zollfreiheit in Erwägung zu ziehen. Ohne weitere Anhaltspunkte lässt sich die Verzollung nicht klären.

Mit postgeschichtlichem Gruß
Manfred
 
juni-1848 Am: 07.02.2013 21:37:24 Gelesen: 12977# 20 @  
Kürzlich im www für knappe 200 US$ weggegangen:



Paketkarte für 3 Pakete ab Hamburg 11 vom 1.9.1919 nach Bolivien, frankiert mit 4 Stück der 3 Mark (Kaiser-Wilhelm-Denkmal). Alle Marken wurden zusätzlich mit Kreisausstich entwertet.

Leider habe ich vergeblich nach besseren Scans gefragt - immerhin auch so sehenswert.

Grüße, Werner
 
iceland10 Am: 08.02.2013 22:33:57 Gelesen: 12925# 21 @  
Orts Wert Paket als Postsache, nicht alltägliche Verwendung aus dem Jahre 1882.


 
Postgeschichte Am: 09.02.2013 21:15:44 Gelesen: 12878# 22 @  
@ juni-1848 [#20]

Hallo Werner,

bei der durch einen Selbstbucher vorgelegten Paketkarte mit 4 x 3 Mark handelt es sich zweifelsohne um eine schöne Mehrfachfrankatur, die im Michel-Briefekatalog je nach Marke zwischen 130 Euro und -,-- Euro bewertet ist.

Mit postgeschichtlichem Gruß
Manfred
 
iceland10 Am: 09.02.2013 22:46:20 Gelesen: 12869# 23 @  
Noch eine Paketkarte "ohne Marken":

Portofreie Herzogliche Angelegenheit aus der Pfennige Zeit des Deutschen Reiches, im Wechselverkehr von Braunschweig nach Österreich vom 20.6.1876.


 
Postgeschichte Am: 10.02.2013 10:40:47 Gelesen: 12830# 24 @  
@ iceland10 [#23]

Schöne und saubere Paketkarte. War sie aber wirklich portofrei? Auf dem Paketkartenabschnitt steht "Porto u. Steuer / 1 Fl. 49 X". Stellt sich die Frage, wer hat die 1 Gulden 49 Kreuzer für Porto und Steuer bezahlt? Der Begriff "Porto" stand ja, das haben wir gelernt, für unbezahlt.

Mit postgeschichtlichem Gruß
Manfred
 
BD Am: 11.02.2013 21:02:32 Gelesen: 12767# 25 @  
Hallo,

sehr schöne Paketkarten.

@ iceland10 [#23]

Meine Meinung zur Paketkarte.

Dieses Paket war nur in Deutschland portobefreit, es gehört zu den Sendungen unter Artikel 1 des Gesetzes über Portofreiheiten vom 5. Juni 1869. Somit musste der Empfänger in Wien den Portoanteil Österreichs tragen (wohl mit Steueranteil). Pakete gehörten nicht zu den voll portobefreiten Schriftstücken nach Österreich laut Sonderbestimmung, außerdem liegt kein Schriftwechsel zwischen Herrscherfamilien vor.

Beste Grüße Bernd




[Gesetzestext redaktionell ergänzt: http://de.wikisource.org/wiki/Gesetz,_betreffend_die_Portofreiheiten_im_Gebiete_des_Norddeutschen_Bundes ]
 
volkimal Am: 15.11.2013 14:23:07 Gelesen: 11282# 26 @  
Hallo zusammen,

eine Paketkarte für ein Paket von Hockenheim (Baden) nach Memel:



Kann mir jemand das Porto für diese Paketkarte erklären?

Viele Grüße
Volkmar
 
christel Am: 15.11.2013 15:39:46 Gelesen: 11266# 27 @  
@ volkimal [#26]

Vom Pakettarif wurde Memel als Inland behandelt, vom zoll- und steuerrechtlichen Bereich jedoch als "Ausland".

Der Frankatur von 9 Mark deckt die Gebühr für ein normales Paket ohne jegliche Zusatzleistung von bis zu 5kg und in einer Entfernung von mehr als 75 km ab.

Bester Gruß.

Christel
 
Manne Am: 15.11.2013 15:48:45 Gelesen: 11261# 28 @  
Hier eine Paketkarte von Schwenningen nach Brüssel vom 30.11.1891.

Gruß
Manne


 
volkimal Am: 15.11.2013 16:11:41 Gelesen: 11248# 29 @  
@ christel [#27]

Hallo Christel,

vielen Dank für die schnelle Antwort.

Volkmar
 
doktorstamp Am: 15.11.2013 16:54:33 Gelesen: 11236# 30 @  


Portogerecht in die Schweiz, und ausnahmsweise vom Zoll und sonstigen Gebühren befreit.

Aber warum ist der Paketaufkleber grün?



Auch hier portogerecht, aber wieder mit den grünen Auklebern, warum? Diese sind aber nicht von der Verzollung befreit.

Beide sind aus dem Jahre 1904, beide sind aus dem Postgebiet Württembergs, hat es damit zu tun?

Eine weitere Frage, hat wer von Euch eine Liste der Goldfrankenkurse ab 1918 bis 1923.

mfG

Nigel
 
christel Am: 15.11.2013 17:25:28 Gelesen: 11228# 31 @  
@ doktorstamp [#30]

Nachstehend die Liste der Umrechnungsfaktoren des Goldfranken zur Mark, die zur Berechnung der Frachttarife angewendet wurden. Falls du die komplette Auflistung der Kurse im Devisenhandel suchst, schreibe mir bitte eine PN.


 
Hatten Am: 15.11.2013 17:47:04 Gelesen: 11221# 32 @  
Hallo,

hier eine Paketkarte an die Deutsche Bank von Ohligs über Dresden-Altstadt 7 nach Constantinopel, Filiale Stambul. Abgeschickt am 23.8.17, ausgehändigt am 11. bzw. 13.10.17.



Gruß
Hatten
 
christel Am: 15.11.2013 17:48:20 Gelesen: 11219# 33 @  
@ doktorstamp [#30]

Zur 1. Paketkarte: Die Sendung war nicht von Zoll und sonstigen Gebühren befreit, die Entrichtung dieser Gebühren wurde durch den Absender übernommen, diesem wurde dann nach Zustellung der Sendung an den Empfänger der Zoll und die gebühren durch "Franko-Zettel" belastet.

Zur 2. Paketkarte: Diese drei Pakete waren vom Empfänger zu verzollen, das Zollamt des Empfängers in Rohrschach hat die zu zahlenden 4,40 Franken ausgewiesen, diese wurden beim Empfangspostamt dem Empfänger abverlangt.

Für die grünen Paketnummernzettel gibt es eine schöne Abhandlung von Thomas Lauterbach und Ulrich Schülein.

http://www.xn--arge-wrttemberg-4vb.de/Rundbrief-168.html
 
Cantus Am: 07.02.2014 00:39:26 Gelesen: 10582# 34 @  
Hier eine Nachnahme-Paketkarte mit Wertangabe über zweitausend Mark, gelaufen am 31.12.1921 mit Poststempel von Wietzen im Kreis Nienburg nach Osnabrück. Die Frankatur beläuft sich auf insgesamt 30 Mark, dargestellt durch vorderseitig Mi. 152, 153(2), rückseitig Mi. 152(10).



Viele Grüße
Ingo
 
DerLu Am: 07.02.2014 07:30:05 Gelesen: 10566# 35 @  
Eine Paketkarte aus der PP7: Am 30.5.1922 von Schkeuditz (Nähe Leipzig) nach Frankfurt a.M. gelaufen. Die Portorechnung: Paket bis 5kg in der Fernzone = 9 Mark, da als "Dringend" gekennzeichnet verdreifachte sich das Porto und hinzu kam noch die Eilbestellgebühr im Ortsverkehr von 6 Mark. So wurden aus 9 Mark 23 Mark, frankiert mit drei Mi. 157 und einer Mi. 155. Dafür war das Paket aber auch innerhalb eines Tages zugestellt, aufgegeben 5-6N, zugestellt am nächsten Tag um 12-1N.

Viele Grüße
DerLu


 
Cantus Am: 06.03.2014 22:24:06 Gelesen: 10339# 36 @  
Heute von mir eine Paketkarte für ein Paket im Wert von 500 Mark, aufgegeben am 7.7.1922 in Hundshübel im Erzgebirge und an ein Stickereihaus in Frankfurt am Main adressiert. Zur Frankatur wurden vorderseitig drei Marken zu je 5 Mark verwendet (Mi. 156), rückseitig 10 x Mi. 145 zu je 40 Pfennig.



Viele Grüße
Ingo
 
kauli Am: 10.05.2014 11:55:21 Gelesen: 9817# 37 @  
Hallo Paketkartenspezies,

ein Sammlerfreund warf mal die Frage auf was es mit der Nummer auf den Aufklebezetteln auf sich hat. Sieht aus wie eine Art Postleizzahl, für Berlin wohl 1061. Ich zeige zwei Karten mit dieser Zahl und ohne, beide vom PA C 45. Mit Zahl vom 29.11.1912, ohne Zahl vom 3.1.1912.

Weiss jemand wann diese Zahlen eingeführt wurden?





Viele Grüße
Dieter
 
Claudius Kroschel Am: 10.05.2014 12:31:06 Gelesen: 9802# 38 @  
@ kauli [#37]

Hallo Dieter,

das zweite Beispiel mit der 1061 zeigt einen Klebezettel eines Selbstbuchers. Diese Klebezettel brauchten 2 Seriennummern; die grosse Nummer, die SerienNummer der Post unter der abgerechnet wurde und die SerienNummer unter der die selbstbuchende Firma das Paket in ihr Ausgangsbuch notierte und somit im Abgleich sehen konnte, ob das Paket mit der Post bereits abgerechnet wurde.

Selbstbucher mussten vertrauenswürdig und solvent sein und ein entsprechendes Sendungsvolumen aufweisen, damit die Postverwaltung einer solchen Abrechnungsart zustimmte.

Die versendende Firma bekam dann eine Sammelrechnung nach Vereinbarung.
 
doktorstamp Am: 10.05.2014 12:43:05 Gelesen: 9797# 39 @  
@ kauli [#37]

Hallo Dieter,

interessant, hat der Absender bei der zweiten Karte den Leitweg über St Petersburg bestimmt, daher lief er über Eydtkühnen. Den russischen Stempel kann ich leider nicht entziffern, ist wohl ein weiterer Leitvermerk.

Mit der Nummer 1061 ist dies die Seriennummer der Rolle/Büchleins in dem die Aufkleber lagen.

Zweitens die Karte ist von einem Selbstbucher angefertigt worden.

mfG

Nigel
 
kauli Am: 10.05.2014 23:09:16 Gelesen: 9747# 40 @  
@ Claudius Kroschel [#38]
@ doktorstamp [#39]

Erstmal besten Dank. Ich muß nochmal nachhaken wegen der Zettel. Ist die Nummer 1061 nur bei Selbstbuchern vermerkt? Ich zeige noch eine Karte aus Rixdorf, auch mit 1061, aber ohne Firmeneindruck. Auch ein Selbstbucher? Ab wann gab es diese Zettel?



Viele Grüße
Dieter
 
BD Am: 10.05.2014 23:42:58 Gelesen: 9733# 41 @  
Hallo,

ich glaube das Berlin 45 und Rixdorf im Taxquadrat 1061 lagen. Diese Angabe war wohl keine Pflicht, deshalb gibt es Aufkleber ohne und mit. Bei der Ausdehnung von Berlin sind 14 km keine Welt, so das für Berlin Steglitz im Süden 1116 passen könnte. Je weiter ein Ort im Süden Deutschlands lag, umso höher die Nummer.

Beste Grüße Bernd


 

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