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Thema: Tschechoslowakei Luftpost 1919 bis 1938
Das Thema hat 44 Beiträge:
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saintex Am: 31.01.2018 22:58:07 Gelesen: 1964# 20 @  
Von mir heute ein tschechischer Luftpostbrief aus dem Jahr 1931 adressiert nach Buenos Aires in Argentinien. Der Luftpostbrief wurde am Luftpostschalter des Postamtes Prag 1 aufgegeben und trägt vorderseitig den Tagesstempel Praha 1 -7.XII.31-20 UZ „4c“.



Rückseitig sind auf dem Luftpostbrief diverse Durchgangs- und Ankunftstempel angebracht:

① Rechteck-Stegstempel des Postamtes Prag 7 mit dem Text PRAHA 7/LETECKÁ POŠTA / POSTE AÉRIENNE mit Datum vom 7-XII.31-22
② Tagesstempel des Bahnhofpostamtes Straßburg STRASBOURG GARE-AVION vom 12.12.31. 7*
③ Ankunftstempel Buenos Aires VIA AEREA vom 19.12.1931 24-
④ Bei dem Einkreisstempel mit der Ziffer 2101 handelt es sich um einen Briefträgerstempel, der nach der Ankunft in Buenos Aires angebracht wurde.



Der Luftpostbrief wurde auf der von der französischen Fluggesellschaft Compagnie Générale Aéropostale (kurz: Aéropostale) betriebenen und am 03.03.1928 eröffneten Post- und Frachtlinie von Frankreich nach Argentinien befördert. Das Streckennetz der Aéropostale und der Beförderungsweg des tschechischen Luftpostbriefes von Frankreich nach Argentinien ist hier als Motiv auf der Rückseite einer von der Fluggesellschaft zum Jahreswechsel 1931/1932 herausgegebenen Neujahrsgrußkarte abgebildet.



Die Südamerikalinie der Aéropostale verfügte über zwei Startpunkte, in Toulouse und Marseille. Die beiden Teilstrecken vereinigten sich in Barcelona zur Hauptlinie in Richtung Südamerika. Die Luftpost aus Mittel- und Osteuropa wurde hauptsächlich per Bahnpost über Straßburg und Lyon dem Ausgangspunkt der Südamerikalinie in Marseille zugeführt.

Da die Gesellschaft 1931 noch nicht über geeignete Flugzeuge verfügte, um die ca. 3200 km lange Seestrecke zwischen Afrika und Brasilien im Linienverkehr auf dem Luftwege zu überqueren, wurden auf diesem Teilstück der Fluglinie speziell für die Aéropostale gebaute Schnellboote (Avisos) zur Beförderung von Post und Fracht auf der Seestrecke eingesetzt. Die Beförderungsdauer der Luftpost von Frankreich nach Argentinien betrug 7 bis 8 Tage. Die Fluglinie wurde einmal wöchentlich beflogen, jeweils ab Marseille bzw. Toulouse Sonntag früh um 4:30 bzw. 5:30 Uhr. Die planmäßige Ankunft der Luftpost in Buenos Aires war am folgenden Sonntag um 18:00 Uhr Ortszeit[1].

Luftpost aus der Tschechoslowakei war seit dem 1.10.1928 zur Beförderung auf der Südamerikalinie der Aéropostale zugelassen[2]. Die Luftpostbriefe sollten vorderseitig den Leitvermerk in französischer Sprache tragen: „Par Avion France Amérique du Sud“.

Der Luftpostbrief ist bei einem Gewicht zwischen 10 und 15 Gramm mit 44,50 Kč portogerecht frankiert: 2,50 Kč Auslandsbrief bis 20 Gramm + 42 Kč Luftpostzuschlag bis Argentinien ( 3 x 14 Kč/5 Gramm) = 44,50 Kč[3]. Als Frankatur fand der Höchstwert der am 16.12.1930 verausgabten 3. (endgültigen) Flugpostausgabe (Mi-Nr. 310) zu 20 Kč Verwendung.

MfG saintex

Quellennachweise

[1] Flugplan laut Postliste (Postdampfer- und Luftpostverbindungen) Februar 1932, herausgegeben vom Reichspostministerium in Berlin
[2] Petr Horka, Československá Letecká Pošta 1918 – 1939, Prag 1997 Seite 91.
[3] Petr Horka a.a.O. Seiten 192, 216
 
Detlev0405 Am: 01.02.2018 09:28:01 Gelesen: 1929# 21 @  
@ saintex [#20]

Wolfgang, ich danke Dir für die ausführliche Darstellung des Briefes nach Buenos Aires. Vor allem weiß ich nun, dass die Beförderungszeit von 7 - 8 Tagen normal ist, Du hast mir eine Orientierung gegeben. Bei Deinem Brief beeindruckt mich vor allem die Rückseite - alle Durchgangsstempel bezeugen eine ordnungsgemäße Beförderung auf der Strecke.

Daran schließt sich meinerseits eine Frage an. Ich bin schon öfters Briefen nach Amerika (allgemein) begegnet, habe aber immer die Finger davon gelassen. Warum ? Ich habe noch nie eine solche komplette Dokumentation des Beleges mit den Durchgangsstempeln gesehen. In der Regel ist noch ein Abgangsstempel in Prag - Flughafen zu sehen, speziell in die USA dann ohne Ankunftsstempel. Nach Südamerika mit Abgangsstempel von Prag - Flughafen und Ankunftsstempel im Empfängerland. Es fehlen aber jegliche Durchgangsstempel und ein Direktflug war ja zu dieser Zeit noch nicht üblich.

Welchen Rat kannst du mir und anderen interessierten Sammlern im Umgang mit solch "unvollständigen" Belegen geben ? Welche Erfahrungen gibt es bezüglich der Fälschungsgefährdung solcher Bedarfsbelege - zumal sie ja nicht immer "billig" sind ?

Einen schönen Tag noch allen,

Detlev
 
buzones Am: 01.02.2018 18:30:13 Gelesen: 1886# 22 @  
@ Detlev0405 [#21]

Ich habe noch nie eine solche komplette Dokumentation des Beleges mit den Durchgangsstempeln gesehen. In der Regel ist noch ein Abgangsstempel in Prag - Flughafen zu sehen, speziell in die USA dann ohne Ankunftsstempel. Nach Südamerika mit Abgangsstempel von Prag - Flughafen und Ankunftsstempel im Empfängerland. Es fehlen aber jegliche Durchgangsstempel und ein Direktflug war ja zu dieser Zeit noch nicht üblich.

Lieber Detlev,

natürlich gab es noch keine Direktflüge, was aber nicht heißt, dass bei jeder Zwischenlandung ein Transitstempel angebracht wurde. Im vorliegenden Fall wurde einmal in Straßburg umgeladen und gestempelt, danach blieb der Brief in seinem nach Argentinien bzw. Südamerika bestimmten Postsack und wurde erst nach der Ankunft dort wieder entnommen und "postalisch behandelt".

Beste Philagrüße
Ralf
 
Detlev0405 Am: 03.02.2018 14:22:55 Gelesen: 1803# 23 @  
Lieber Postbeamter – ich bedanke mich dafür, dass du nicht zwischen Nord und Süd, Berlin und Wien unterscheiden konntest, so kam ich zu einem Superbeleg.

Am 21.03.1927 wurde die Strecke Wien – Prag – Dresden – Berlin und retour eröffnet.



Ordnungsgemäß wurde dazu auch der Beleg beim Postamt 1 in Prag auf geliefert und auf dem Flughafen von Prag abgefertigt. Nun passiert aber ein Missgeschick. Der Brief geht nicht nach Berlin, sondern nach Wien und wird dort gegen 17 Uhr abgefertigt.



Dem Postbeamten fiel wohl auf, dass der Brief ein Irrläufer ist und schickte ihn sofort wieder auf Reisen. Da der Erstflug in Berlin zwischen 9 – 10 Uhr abgefertigt wurde, ging unser Brief also zuerst mit diesem Flug nach Wien und dann mit dem Rückflug (auch Erstflug ?) nach Berlin. Dort kam er zwischen 2 – 3 Uhr Nachts an.



Somit wären 2 Erstflüge oder ein Erstflug und ein Bedarfsflug auf einem Brief dokumentiert.

Ein schönes Wochenende allen,
Detlev
 
saintex Am: 05.02.2018 22:15:16 Gelesen: 1708# 24 @  
@ Detlev0405 [#21]

Hallo Detlev,

zu Deinen Fragen im Posting [#21] vom 01.02.2018:

1. Nach meiner Ansicht sollte sich die Luftpostbeförderung – egal ob Bedarfsbrief oder philatelistischer Erstflugbrief – durch zeitgerechte Abgangs-, Durchgangs- und Ankunftsstempel mit klaren Stempeldaten und/oder entsprechende Luftpost-Bestätigungsstempel auf dem Luftpostbrief nachweisen lassen. Dies jedenfalls bei Luftpostbriefen aus dem Zeitraum 1920 bis zum Beginn des 2. Weltkrieges als die Dokumentation der Beförderung des Briefes mit Luftpost durch derartige Poststempel in vielen Ländern aufgrund postalischer Vorschriften vorgeschrieben war, zumindest aber einer postalischen Praxis entsprach.

Insbesondere ohne einen lesbaren Ankunftsstempel würde ich derartige Luftpostbriefe grundsätzlich nicht in meine Sammlung aufnehmen. Ausnahmen mache ich dort, wo (wie z.B. in Großbritannien ab ca. 1920 und Deutschland ab 01.11.1934) aufgrund postalischer Vorschriften auf einfachen Luftpostbriefen keine Ankunftsstempel mehr angebracht wurden. So hätte ich den in meinem Beitrag [#13] gezeigten tschechischen Luftpostbrief nach Marokko ohne einen zeitgenössischen Ankunftsstempel aus Casablanca voraussichtlich nicht erworben, da sich ohne Ankunftsstempel eine Luftpostbeförderung nicht nachweisen lässt. Andererseits würde ich einen Luftpostbrief ohne Durchgangsstempel aus den von buzones in seinem posting [#22] genannten Gründen nicht als „unvollständig“ und damit als „nicht sammelwürdig“ ansehen.

Bei Luftpostbriefen nach Südamerika ist für mich ein lesbarer Ankunftstempel jedoch ein „Muss“, da es nach meinen Beobachtungen – zumindest in den ABC-Staaten – bis in die Zeit des 2. Weltkrieges gängige Praxis war, auch auf einfachen Luftpostbriefen bei der Ankunft rückseitig einen auf die Luftpostbeförderung hinweisenden Ankunftsstempel anzubringen.

2. Etwas anders verhält es sich nach meinen Beobachtungen mit Luftpost aus Europa in die USA. In der Zeit bis 1938 gab es noch keine durchgehenden Flüge mit Postbeförderung über den Nordatlantik, so dass Luftpostbriefe über den Nordatlantik mit dem Schiff nach New York und von dort aus weiter über das inner-amerikanische Luftpostnetz und daran anschließend auf den Foreign Airmail Routes (F.A.M.) ins Ausland (z.B. China oder Mittel- und Südamerika) befördert wurden. Auch wenn Durchgangsstempel auf derartigen Flugpostbriefen aus europäischen Zwischenstationen nur selten vorkommen, wäre ich bestrebt in meine Sammlung in erster Linie Luftpostbriefe mit einem Durchgangsstempel von New York (gibt es fast nur auf Luftpost-R-Briefen) und einem Ankunftsstempel vom Zielort aufzunehmen.

3. Die Anforderungen an die Rückseite eines Luftpostbriefes hinsichtlich Durchgangs- und Ankunftsstempel ist für mich kein Selbstzweck. Die Stempel dienen zum einen dem Nachweis des genauen Leitweges und ermöglichen über die Stempeldaten häufig auch den Nachweis, dass der Brief tatsächlich auch mit Luftpost befördert wurde. Heute existiert eine umfangreiche aerophilatelistische Fachliteratur, in der die Flugdaten der englischen, französischen, italienischen, niederländischen und deutschen Flugpostlinien nach Afrika, Asien sowie Nord- und Südamerika aus den 1920er und 1930er Jahren aufgeführt sind und mit deren Hilfe man einen Luftpostbrief einer konkreten Flug-Nr. inklusive Flugzeugtyp mit konkreten Abflug- und Ankunftsdaten sowie den Namen der Besatzungen und etwaigen Unregelmäßigkeiten der Luftpostbeförderung wie z. B. Notlandungen, Abstürzen und Verspätungen sowie den Grund hierfür zuordnen kann, wenn Abgangs- und Ankunftsdatum auf dem Brief durch entsprechende Poststempel dokumentiert sind. Dass Luftpostbriefe mit zahlreichen rückseitigen Durchgangs- und Ankunftstempeln, die den Laufweg des Luftpostbriefes dokumentieren, seltener sind als solche ohne hattest Du schon selber zutreffend festgestellt. Dies beeinflusst auch den Wert des Luftpostbriefes beim Weiterverkauf, was zumindest für mich ein wesentliches Kriterium beim Erwerb eines Luftpostbriefes ist.

4. Fälschungen der hier bislang gezeigten Luftpostbriefe lagen mir bislang noch nicht vor. Nach meiner Erfahrung steht der Zeit- und Kostenaufwand für eine Fälschung der hier bislang gezeigten Erst- und Bedarfsflugbriefe in keinem sinnvollen Verhältnis zum Wert der hier bislang gezeigten Luftpostbriefe, der nach meiner Einschätzung im mittleren zwei- bis dreistelligen Euro-Bereich liegen dürfte. Fälschungen von Luftpostbriefen sind mir bislang in erster Linie nur bei Zuleitungspost zu den Zeppelinfahrten der 1930er Jahre aus exotischen Staaten und den Zeppelinbriefen der Lakehurst-Katastrophe im Mai 1937 bekannt geworden.

Ich hoffe dies beantwortet Deine Fragen aus Deinem Posting [#21] vom 01.02.2018 erschöpfend. Falls nicht, frage einfach nochmal nach.

MfG saintex

P.S. Im nächsten Beitrag von mir wieder was mit Bild zum Anschauen
 
Detlev0405 Am: 06.02.2018 10:54:33 Gelesen: 1670# 25 @  
@ saintex [#24]

Hallo Wolfgang,

danke für Deine ausführlichen Darlegungen zu Luftpost der 20er und 30er Jahre allgemein und speziell. In vielen Punkten decken sich Deine Ansichten mit meinen. Hilfreich war für mich auch Deine Einschätzung zur Fälschungsgefährdung von Belegen aus dieser Zeit, nun kann ich wieder etwas "leichtsinniger" sein (na wohl mehr mutiger).

Ich bemühe mich auch immer, selbst bei den Bedarfsbelegen, sie so komplett wie möglich zu bekommen, um eine Strecke auch richtig dokumentieren zu können. Nun kommt aber das berühmte A B E R . Ich habe zum Beispiel im nächsten Beitrag einen Beleg von Prag in die Schweiz, wo man von den akkuraten Schweizern einen Ankunftsstempel 1933 erwartet am Flughafen Zürich. Aber da irrt der liebe Sammler Detlev und nur der Abgangsstempel vom Flughafen Prag bestärkt mich in meiner Annahme, das der Beleg trotzdem per Luftpost befördert wurde. Auch das glatte Gegenteil kann ich belegen - viele Durchgangsstempel, wo ich zumindest die tschechischen Stempel als echt einordnen kann und trotzdem macht der Beleg keinen Sinn.

Ich werde mich aber auch in Zukunft an die von Dir hier noch einmal aufgezeigten Prinzipien halten und lieber mal auf einen Beleg verzichten.

Auf jeden Fall noch einmal Dank für dein Statement.

MfG Detlev
 
Detlev0405 Am: 07.02.2018 13:48:28 Gelesen: 1611# 26 @  
Luftpost von Prag in die Schweiz war in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts etwas kompliziert am Anfang. Die eigentlich logische Trasse war Prag – München – Zürich, leider nicht praktikabel wegen den Differenzen zwischen Frankreich und Deutschland, in dessen Folge Deutschland keine Landerechte an die Tschechoslowakei vergab und die entstehende Lufthansa keinen Luftpostverkehr nach der Tschechoslowakei unterhalten konnte.

So kam es dazu, das ein direkter Flugverkehr erst am 02.06.1930 auf der Strecke Prag – München – Zürich nach Basel eröffnet wurde durch die Ad Astra. Ab 1927 beflog die Lufthansa die Strecke Prag – München – Zürich – Lausanne – Genf – Marseille- sie wurde 1935 von der CSL übernommen. Eine weitere Variante war die Beförderung durch die CIDNA, allerdings über den Umweg von Straßburg.



Hier ein Bedarfsbeleg eines Fluges der DLH nach Zürich vom 16.08.1933. Frankiert mit zwei schönen Randstücken der Mi. Nr. 303 und 304 wurde er in Prag 1 aufgegeben. Auf der Rückseite der Luftpost Abfertigungsstempel von Prag 7 in der Version Horka 158 a. Eine weitere Version dieses Stempel hatte die Unterscheidungsbuchstaben b und c unter Praha 7. Leider haben die Schweizer Postbeamten in Zürich den Ankunftsstempel vergessen.

Viel spannender ist ein Beleg auf der Gegenstrecke aus der Schweiz nach Prag. Sicher, man sieht ihm den Bedarf an, aber dafür dokumentiert er eindeutig die Beförderungsetappen.



Der Absender machte wohl Urlaub in der Schweiz, nämlich in Zermatt. Dort wurde der Brief am 28.07.1930 aufgegeben. Eigentlich gab der Absender einen Leitvermerk über Zürich – München vor, aber das interessierte den Schweizer Postbeamten nicht. Offensichtlich gab es eine schnellere Verbindung nach Prag, nämlich durch die CIDNA. Daher führte der Weg über Zürich 29.07. um 17 Uhr und Basel 29.07. um 24 Uhr nach Straßburg Ankunft am 30.07.1930. Wenn ich den Stempel richtig deute, ist er zum Weiterflug um 4 Uhr abgefertigt worden. So kam er am 30.07.1930 gegen 10 Uhr in Prag an (siehe Vorderseite).

Garniert wird der Urlaubsgruß mit zwei Vignetten von Schokoladen Herstellern auf der Rückseite des Briefes.

Viel Spaß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 10.02.2018 15:39:25 Gelesen: 1553# 27 @  
Am 01.05.1937 wurde die inner tschechische Linie Brno – Zlin – Piestany eröffnet. Wer heute diese Strecke auf der oben gezeigten Karte sieht sagt bestimmt – na und ? Brno und Piestany waren zu dieser Zeit bereits in das tschechische Streckennetz eingebunden, warum dann so einen Hyphe wegen Zlin und seine Anbindung ?

Da müssen wir zurück in die Ende 20er, Anfang 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Zlin war der Sitz des Bata – Schuhkonzerns, bereits ab 1930 Weltmarktführer. Ausführliche Beschreibung des Konzerns ist hier zu ersehen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bata_(Konzern)

Dieser Konzern war es auch, der die Anbindung des Ortes Zlin an das tschechische Luftpostnetz vorantrieb, um somit im internationalen Luftverkehr angebunden zu sein. Verständlich, wenn man weiß das Bata zu dieser Zeit weltweit präsent war.



Hier ein Beleg zum Erstflug Zlin – Piestany – Prag – Stockholm. Das interessante ist die Firmenkarte, die von Bata initiiert wurde. Im Gegensatz zu den CSA – Karten, die zu Eröffnungen der CSA Linien vertrieben wurden, war diese Karte privaten Ursprungs und nur ab Zlin eingesetzt (nach meinen Kenntnissen). Hier eine Version in englischer Sprache.



Der zweite Beleg, auch von der Firma Bata, ist in französischer Sprache herausgegeben worden. Er dokumentiert die Strecke Zlin – Piestany. Bei diesem Beleg ist die Flugpost Vignette von Bata beachtenswert, die relativ selten auf Belegen anzutreffen ist (Mahr Band 3 Seite 120). Diese Form der komplexen Werbung durch eine private Firma ist zumindest in der tschechischen Luftpost einmalig.

Ein schönes Wochenende wünsche ich euch
Detlev
 
22028 Am: 10.02.2018 17:32:27 Gelesen: 1541# 28 @  
Hier ein Brief aus 1927 nach Baghdad/Irak. So etwas ähnliches suche ich, allerdings nicht als Luftpost sondern mit der Overland Mail Haifa-Baghdad transportiert! Der LP Brief ist NICHT in meiner Sammlung.


 
Detlev0405 Am: 10.02.2018 18:14:48 Gelesen: 1529# 29 @  
@ 22028 [#28]

Hallo Rainer,

kannst Du über die Rückseite des Briefes verfügen und sie einstellen ?
Es spricht doch einiges dafür, das dieser Brief zumindest auf der Destination Prag - Frankreich befördert wurde. Die israelischen Flughäfen wurden ja nach meiner Kenntnis erst in den 30 er Jahren durch die britische Mandatsmacht errichtet, so das mir für 1927 kein Airport bekannt ist.

Das verkleben der Luftpostmarke, der handschriftliche Vermerk Avion und die Gewichtsangabe 8 g, beides offensichtlich vom Postbeamten vorgenommen in Prag 1 (zuständiges Postamt für Luftpostabfertigungen), sprechen sehr für eine Luftpost Abfertigung. Aber ohne Rückseite wohl kaum definitiv zu beantworten.

MfG Detlev
 
22028 Am: 10.02.2018 18:25:32 Gelesen: 1526# 30 @  
@ Detlev0405 [#29]

Der Herr sandte mir das Bild, keine Stempel dort, auch fehlt die Rückklappe.


 
Detlev0405 Am: 10.02.2018 20:21:14 Gelesen: 1513# 31 @  
@ 22028 [#30]

Hallo Rainer,

danke für die Rückseite - dann wird wohl die Beförderung, was die Luftpost betrifft, ein Mysterium bleiben.

MfG Detlev
 
Detlev0405 Am: 13.02.2018 13:27:45 Gelesen: 1433# 32 @  
Der heutige Brief ist außergewöhnlich – und außergewöhnliche Dinge erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. So habe ich mich an saintex hier aus dem Forum gewandt und mit seiner großzügigen Hilfe zusammen den Brief entschlüsselt.



Warum nun ein außergewöhnlicher Brief ? Weil er nicht das ist, was er vorgibt.
Es hat weder einen 1. Postflug auf der Strecke Bremerhaven – Marienbad (auch nicht Prag) gegeben noch einen irgendwie gearteten Erstflug auf dieser Strecke.



Warum auch – seit dem 19.04.1927 betrieb die DLH eine Direktverbindung zwischen Bremen und Prag über Hannover, Halle/Leipzig und Chemnitz. Somit macht eine Verbindung von Bremerhaven aus keinen Sinn.

Hinzu kommt eine weitere Auffälligkeit – es ist der angebrachte Leitvermerk in Form eines Stempels.



In der Regel ist er zu finden auf Belegen, die aus der Tschechoslowakei herausgingen. Ursache solcher privaten Stempel (es ist kein offizieller Stempel) war eine Anordnung des Postministeriums, das eine eindeutige Beschriftung für ins Ausland gehende Luftpost vorschrieb. Zur Zeit des Briefes war die AO aber bereits aufgehoben durch eine neue AO zum verkleben eines allgemeinen blauen (amtlichen) Luftpostaufklebers.

Auch ungewöhnlich ist der Luftpostbestätigungsstempel von Bremerhaven. Nicht das er nicht echt wäre, er entspricht dem Mi. Nr. F 14-03 b aus dem Michel Flugpost Spezial Katalog. Nur macht er keinen Sinn, der Brief ging in Bremerhaven erst auf Reisen.

Alles deutete auf einen Fake Beleg hin. Blieb nur noch die Hoffnung auf den Sommerflugplan der DLH AG, gültig vom 21.05.1929 – 31.08.1929 . Und da wurden wir fündig am 22.05.1929.

Ab Bremerhaven 08.05 Uhr
an Hamburg 08.50 Uhr
ab Hamburg 11.05 Uhr
an Hannover 12.25 Uhr
ab Hannover 12.35 Uhr
an Leipzig 14.15 Uhr
ab Leipzig 14.30 Uhr
an Prag 16.40 Uhr
 

Genutzt wurden die Linien 125, 121 und 111 der DLH.

Letztendlich wurde ein Bedarfsbeleg aus dem ganzen, der auf einer ungewöhnlichen Destination abgefertigt wurde.

Viel Spaß wünsche ich,
Detlev
 

Detlev0405 Am: 16.02.2018 18:22:30 Gelesen: 1350# 33 @  
Heute habe ich für euch einen schönen Bedarfsbeleg in Form einer Ansichtskarte, die gleich mehrere Geschichten erzählt.

Zum Ersten die Vorderseite der Karte vom Flugplatz Marienbad. Die offizielle Geschichte der Luftpost beginnt auf diesem Flugplatz mit dem Erstflug von Marienbad nach Prag und retour am 01.06.1925. Keiner ahnt dabei, das dieser Ort eine viel längere Geschichte hat. Bereits im Jahre 1912 waren erste Flugaktivitäten hier vor Ort zu verzeichnen. Auch Ballonflüge hatten diesen Ort zum Ziel selbst aus Österreich.

Auskunft findet ihr hier (leider nur in tschechisch). http://www.vrtulnik.cz/ww2/protektorat-ml.htm

Vielleicht kann ja einer der Flugzeugspezialisten die 3 Maschinen identifizieren, ich bin dafür leider nicht der richtige Ansprechpartner.



Die Postseite dieser Karte ist für mich ein kleines Highlight. Zwei Flugstrecken verewigen sich dort. Zuerst wurde die Karte auf der Strecke Marienbad – Prag befördert. Der Abgangsstempel in Marienbad (Horka R8 163b) ist zweisprachig, in tschechisch und in deutsch. Der Ankunftsstempel von Prag (Horka R2 157a) war von 1921 bis 1939 in Betrieb und damit wohl der am meisten verwendete Bestätigungsstempel.



Dann ging es von Prag nach München, ebenfalls mit Luftpost. Die DLH war auf dieser Strecke seit dem 19.04.1927 unterwegs. Aber ob die DLH oder die Ad Astra, die seit dem 02.06.1930 die Strecke Prag – München – Zürich – Basel flog, die Karte befördert hat, kann ich nicht nachvollziehen. Hauptsache sie kam in München an und das zeigt ja der Bestätigungsstempel.

Und das noch nicht genug, ziert diese Karte noch der private Stempel des Flugplatz Restaurants, das auch gleichzeitig Kantine für das Personal war.

Ein schönes Wochenende wünsche,
Detlev
 
Detlev0405 Am: 20.02.2018 13:48:05 Gelesen: 1254# 34 @  
Ein Brief von Podmokly (Bodenbach) nach Stara – Kanjiza und das per Luftpost ? Da ist erst einmal Geografie Kunde notwendig ehe man sich ein Urteil bilden kann. Bodenbach liegt im Südwesten der Tschechoslowakei, Stara – Kanjiza im Norden des heutigen Serbiens an der Grenze zu Ungarn.



Beachtenswert ist die kurze Beförderung von Bodenbach nach Prag, innerhalb von 3 Stunden bis zum Flugplatz in Prag. Von dort ging es in ein Flugzeug nach Wien – Ankunft am 15.09.1937 gegen 9 Uhr. Von dort aus ging es flott nach Belgrad, die Ankunft war bereits um 13 Uhr. Der Flug von Wien nach Belgrad erfolgte mit der österreichischen Flugpost.



Beim Flugplatz Belgrad ist eine Erläuterung notwendig. Im Tagesstempel steht Zemun, im Mittelstück Flugplatz Belgrad. Zemun ist heute ein Stadtteil von Belgrad und zu dieser Zeit im Großraum Belgrad gelegen. Heute beherbergt Zemun den Stab der Serbischen Luftstreitkräfte, zwei weitere Flugplätze sind in Belgrad direkt und Batajnica.

Beste Grüße
Detlev
 
Detlev0405 Am: 24.02.2018 16:21:49 Gelesen: 1171# 35 @  
Heute möchte ich auf eine Besonderheit aufmerksam machen im tschechischen Luftpostverkehr. Es geht um den Standort Bratislava. Bereits am 29.10.1923 mit der Eröffnung der Linie Prag – Bratislava wurde der Standort in das tschechische Luftpostnetz aufgenommen.

Die Abfertigung von Flugpost sollte in Bratislava 1 – Bratislava Letiste (Flugplatz) erfolgen von 1927 - 1933. Der Stempel ist dem von Prag in Rechteck Form ähnlich. Ab 1936 – 1939 erfolgte die Abfertigung unter Bratislava 2 (nach Horka).

Um so erstaunter wird so mancher Sammler sein, wenn er gar keinen Bestätigungsstempel auf Luftpostsendungen findet. Sowohl auf dem folgenden Brief aus 1928 als auch 1938 ist kein derartiger Stempel zu finden. Dazu ist es hilfreich, bei Horka die Bemerkung nach dem Stempel R6 (Bratislava 1), zu beachten. Dort verweist er ausdrücklich darauf, das den Stempel nur Post erhielt, die direkt im Abfertigungsgebäude bearbeitet wurde. Offensichtlich gab es eben auch andere Wege der Post, die gar keine postalische Behandlung in Bratislava ermöglichten.



Brief von Prag nach Bratislava vom 14.12?1928 oder 14.07.1928. Wäre eine Frage für das Sonntagsrätsel.



Frankiert mit den Mi.Nr. 199 – 201 wurde der Brief per Einschreiben und Luftpost geschickt. Na gut, da der Brief von der Briefmarkenversandstelle der Post geschickt wurde, sollte der Aufwand kein Problem sein.



Der zweite Beleg ist 19.09.1938 von Brno nach Bratislava gesandt worden. Frankiert mit den Mi. Nr. 303 + 304 als Luftpostmarken und der Mi.Nr. 278 als Ergänzungswert wurde der Brief ordnungsgemäß als Luftpost abgefertigt.



Sehr schön ist der Aufgabestempel von Brno.



Das er nur per Luftpost befördert sein kann, kann man an der Laufzeit nachvollziehen. In Brno um 16 Uhr aufgegeben, ist er am Bestimmungsort bereits um 9 Uhr angekommen. Und Ladzany liegt etwa 160 km östlich von Bratislava.

Beide Belege haben keinen Ankunftsstempel.

Ein schönes Wochenende noch,
Detlev
 
Detlev0405 Am: 27.02.2018 13:12:34 Gelesen: 1123# 36 @  
Manchmal sind es ganz unscheinbare Belege, die eine große Geschichte erzählen können. So wie dieser Beleg vom 04.08.1936 aus Berlin.



Vom 01. - 16.08.1936 fanden in Berlin die Olympischen Sommerspiele statt. Zeitlich und von der Marke her passend wurde dieser Beleg per Flugpost von Berlin C nach Prag 82 aufgegeben. Sehr schön frankiert mit einer Mi. Nr. 615 aus dem Deutschen Reich ist dieser Beleg auch richtig frankiert, 5 Pf für die Drucksache und 20 Pf Luftpostgebühr. Ein schöner Beleg, der auch in jede Sammlung zu Olympia passen würde.

Einen schönen Tag noch,
Detlev
 
Detlev0405 Am: 01.03.2018 10:56:01 Gelesen: 1066# 37 @  
[#32]

In Ergänzung dieses Beitrages habe ich nun vom Stadtarchiv Bremerhaven eine Auskunft erhalten, die Wolfgangs und meine Nachforschung zu dem Beleg erhärtet. Mit Zustimmung von Herrn Jürgensen kopiere ich seine Auskunft nachfolgend :

Sehr geehrter Herr Röhn,

zu Ihrer Anfrage können wir Ihnen folgendes mitteilen.

Am 20. Mai 1929, einem Pfingstmontag, wurde auf dem Flugplatz Bremerhaven ein Großflugtag mit verschiedenen flugtechnischen Vorführungen veranstaltet. Mehrere damals sehr bekannte deutsche Kunstflieger zeigten dabei ihre Fertigkeiten.

Diese Veranstaltung ist in der zeitgenössischen Tagespresse am 21. Mai ausführlich gewürdigt worden. Im Anschluss an die Berichterstattung über den Flugtag findet sich eine kurze Notiz mit folgendem Inhalt:

Der Luftpostverkehr vom Flughafen Bremerhaven-Wesermünde nach Hamburg mit Anschluß an Berlin und weiter ist am 21. Mai aufgenommen worden. Schlußzeit für Luftpostsendungen beim Postamt in Bremerhaven um 7.15 Uhr. (Norddeutsche Volksstimme, 21.5.1929).

Über die Zusendung einer Kopie Ihres Luftpostbriefes würden wir uns sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Jürgensen

Magistrat der Stadt Bremerhaven
Stadtarchiv
Uwe Jürgensen
Hinrich-Schmalfeldt-Straße - Stadthaus 5
27576 Bremerhaven
Tel. 0471-590-2788
Fax: 0471-590-2005


Auch hier wieder die Bestätigung, das lokale Archive bis hin zum Bundesarchiv sehr kooperativ sind und bei kleinen Anliegen bisher immer kostenlos. Es lohnt sich, einfach nachzufragen.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 03.03.2018 10:47:47 Gelesen: 1029# 38 @  
Am 01.06.1932 wurde durch die CSL (private tschechische Luftfahrtgesellschaf) die Strecke Marienbad – Karlsbad – Chemnitz mit Anschluss nach Halle / Leipzig eröffnet.



Dieser Brief wurde auf der Teilstrecke Chemnitz – Karlsbad befördert. Frankiert mit den Mi. Nr. 379 und A 379 (5 Pf. für die Drucksache und 20 Pf. für die Luftpostgebühr) war er ordnungsgemäß freigemacht. In Chemnitz mit dem Flugplatzstempel versehen und zwischen 5 und 6 Uhr abgefertigt, traf er in Karlsbad um 20 Uhr ein (siehe Rückseite). Beachtenswert die 3 verschiedenen Stempel von Karlsbad 1 mit den Unterscheidungsbuchstaben 4a, 9b und 7b. Da der Brief ordnungsgemäß frankiert war, bleibt die Frage offen, wofür die Gebühr in Höhe von 30 Heller erhoben wurde und mittels Mi. Nr. P 58 Tschechoslowakei auf der Vorderseite verklebt wurde. Die Gebühr wurde gegenüber dem Empfänger für die Lagerung bei der Post erhoben. Interessant beim Stempelabschlag auf der Gebührenmarke – es wurde keine Zeit eingestellt. Diese Strecke ist wohl bei den Sammlern etwas untergegangen, denn nach Horka gehören alle Belege dieser Strecke zu den seltensten der Periode 1931–1939.

Ein schönes Wochenende wünsche ich
Detlev
 
Detlev0405 Am: 06.03.2018 13:31:52 Gelesen: 992# 39 @  
Meinem heutigen Beleg sieht man einfach an, es ist ein Bedarfsbeleg. Nach 80 Jahren und tausenden Kilometern Reise kann man das auch mal so hinnehmen, Hauptsache die Merkmale einer echten Luftpostbeförderung sind alle vorhanden. Und dafür hatte ja Wolfgang gute Anhaltspunkte in einem früheren Beitrag geliefert.



Aber schon der Abgang des Beleges ist sehr interessant. Aufgegeben in Bensen am 15.02.1937, einer Kleinstadt im Kreis Decin, ging er auch nach Decin (Bodenbach als Ortsteil von Decin). Hier sollte er eigentlich nach Prag weitergeleitet werden, um von dort als Luftpost weiter befördert zu werden. Statt dessen wurde der Brief am 17.02.1937 per Bahnpost nach Berlin geschickt, wo er am 17.02.1937 angekommen ist und am Luftpostamt Berlin C L 2abgefertigt wurde.



Der rote Bestätigungsstempel für Deutsche Luftpost Europa – Südamerika bezeugt die Beförderung mittels der DLH auf der Südamerika Linie. Mit dem Ankunftsstempel Asuncion wird der Flug hier komplett dokumentiert.



Ein schwacher Ankunftsstempel in Villarica komplettiert den gesamten Postweg.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 19.03.2018 15:06:37 Gelesen: 823# 40 @  
Wer zu spät kommt den bestraft das Leben – so ging es auch dem folgenden Brief. Ursprünglich wurde der Erstflug Brno – Zlin – Piestany für den 03.05.1937 in den Amtsblättern avisiert.Es gelang der CSR jedoch, die Flugverbindung von Piestany weiter nach Uzhorod bereits vorfristig sicher zu stellen und somit konnte der Flugbetrieb vorfristig am 01.05.1937 eröffnet werden. Diese Information erreichte jedoch nicht mehr jeden und so kam es zum folgenden Zubringer.



Am 03.05. wurde der Brief in Brüssel am Flughafen um 10 Uhr aufgegeben. Er kam in Prag gegen 16 Uhr an und wurde dementsprechend abgefertigt (siehe Stempel Vorderseite ). Auf der Rückseite ist die weitere Beförderung um 21 Uhr ausgewiesen. Jetzt gibt es theoretisch zwei mögliche Streckenführungen, eine nach Brno und die zweite direkt Prag – Piestany. Es ist davon auszugehen, das der Flug über Brno erfolgte, um von dort am 04.05.1937 zum Bestimmungsort in Zlin geflogen zu werden.

Auf Grund der Verschiebung des Erstflugtermins wurde in Zlin 2 der Einsatz des Sonderstempels für den Zeitraum vom 01. - 03.05.1937 genehmigt. Eine Verwendung dieses Stempels noch am 04.05.1937 ist schon außergewöhnlich und relativ selten anzutreffen.



So wurde aus dem eigentlich geplanten Zubringerbeleg aus Belgien für einen Erstflug ein ganz normaler Luftpostbrief auf der Strecke Brüssel – Prag – Brno – Zlin.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 26.03.2018 11:48:50 Gelesen: 725# 41 @  
Eine Strecke und zwei Erstflüge – das war in den 20er und 30er Jahren in der Tschechoslowakei keine Ausnahme. Theoretisch wären sogar 4 Erstflüge möglich gewesen, nämlich durch die CIDNA, CSA, CLS und DLH.

Heute geht es um die Strecke Prag – Breslau auf der 2.Flugtrasse der Tschechoslowakei Prag – Warschau. Während die Direktverbindung nach Warschau bereits am 24.04.1921 eröffnet wurde, zeichnete sich im Laufe der praktischen Flüge ab, das eine Zwischenstation für die Flugzeuge von Vorteil wäre. So wurde 1925 der Flugplatz Gleiwitz angeflogen, stellte sich aber im gleichen Jahr als unattraktiv heraus. So nahm man 1926 die Destination über Breslau auf – sie hielt bis 1939 zum Ende der Tschechoslowakei.



Am 10.08.1926 flog als erste Gesellschaft die CIDNA auf der Strecke Prag – Breslau. Typisch für diesen Beleg die neben der in tschechisch stattfindenden Bezeichnungen die in Französisch. So ist der Richtungsaufkleber komplett in französisch gehalten. Der vielen bekannte blaue Aufkleber in tschechischer Sprache war erst mit der Reform vom 01.04.1928 zwingend vorgeschrieben.



Der abgeschlagene Erstflugstempel von 1926 wurde offiziell beim Postamt Prag Flughafen eingesetzt. Er besaß eine auswechselbare Jahreszahl und war deshalb auch schon 1925 anzutreffen. Später wurde er weiter verwendet bis 1938, aber ohne jegliche Jahreszahl.



Der rote Kennzeichnungsstempel für Flugpost ist typisch für die beim Postamt Prag 82 abgefertigte Post.



Komplettiert wird die Beförderung durch den Ankunftsstempel vom Postamt Breslau 1. Der komplette Beleg ist auch bei Mahr Band 3 Seite 103 abgebildet.



Am 19.04.1927 nahm die Deutsche Lufthansa auf der gleichen Strecke den Flugbetrieb auf. Obwohl die Abfertigung ebenfalls beim Postamt Prag 82 durchgeführt wurde, hatte sich inzwischen der Abfertigungsstempel für Luftpost geändert. Es kam der Achteckstempel zum Einsatz, der seit dem 16.03.1927 in Gebrauch war. Normal wurde er in Schwarz abgeschlagen, lediglich die Flüge Prag nach München / Breslau und Chemnitz erhielten einen roten Abschlag.

Die CLS gab aus diesem Anlass eine offizielle Karte heraus, konnte durch den Vorlauf im Druck nicht mehr verhindern, das der Flug einen Tag später stattfand als auf der Karte ausgewiesen.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 03.04.2018 09:03:42 Gelesen: 567# 42 @  
Heute ein recht unscheinbarer Brief, der meine Aufmerksamkeit eigentlich nur wegen dem Adressaten erweckt hat. Er knüpft nahtlos an den Beitrag [#27] an, Post an die damalige Weltfirma Bata in Zlin.



Es gab bei dem Brief nur zwei Anhaltspunkte für eine bedarfsgerechte Beförderung – der Abgangsstempel vom Flugplatz Prag am 24.11.1936 und der Ankunftsstempel von Port of Spain am 07.12.1936. Für mich begann nun die Suche nach der richtigen Fluglinie. Meine erste Überlegung nach einem Blick auf die Landkarte und der Tatsache, das die Tschechische Luftpost eng verbunden war mit der französischen – der Flug ging über Prag – Marseille – französisch Guyana nach Trinidad. Das war aber mit dem verklebten Porto unvereinbar. Das hätte für einen einfachen Brief zu der Zeit 20,- Kc gekostet. Der zweite mögliche Weg über Berlin und Stuttgart fielen auch aus, da der rote Stempel für Europa – Südamerika Flüge fehlte.

So habe ich die Notbremse gezogen und mich wieder an „saintex“ gewandt mit der Bitte um Hilfe. Es war eine gute Entscheidung. Wolfgang machte mich auf den Weg über New York und von dort nach Port of Spain aufmerksam.

So ergibt sich nach unseren gemeinsamen Nachforschungen folgender Weg für diesen Brief (höchste Wahrscheinlichkeit, da Etappenstempel bei der Beförderung fehlen).

Von Prag ging der Brief nach Paris und dort weiter nach Cherbourg oder Le Havre. Das beansprucht maximal 2 Tage. Die größere Wahrscheinlichkeit liegt aber beim Hafen Cherbourg, weil hier primär neben Passagieren Fracht und Post abgefertigt wurde, in Le Havre in erster Linie französische Dampfer abgingen. Mit dem Schiff ging es nach New York, zur damaligen Zeit eine Reisedauer von 5-6 Tagen. Von New York ging der Brief nach Miami mit der Eastern Airlines, die zu der Zeit ihr Stammquartier in Miami hatte und das Monopol auf der Strecke New York – Miami. Das beansprucht einen Tag.

Die weitere Beförderung erfolgte dann von Miami nach Port of Spain mit der Pan American Airways System Inc. (PAA) direkt auf der Strecke Miami - Buenos Aires. Hier gibt die PAA an, das eine Beförderung von Miami nach Port of Spain maximal 2 Tage in Anspruch nimmt. 13 Tage war die Laufzeit des Briefes – 11 Tage wurden Netto benötigt für diese Strecke. So war der logische Weg gefunden.

Dazu passt dann auch das Porto von 7,00 Kc. Laut Horka (Seite 213) betrug das Porto zu den Kleinen Antillen in der Porto Periode 30.11.1935 – 11.11.1937 für einen einfachen Brief 3,50 Kc. Also handelt es sich um einen Doppelbrief bis 10 g.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 09.04.2018 13:47:42 Gelesen: 359# 43 @  
Heute erweckt eine ganz normale Luftpostbeförderung aus der Tschechoslowakei nach Deutschland unsere Aufmerksamkeit.



Am 18.07.1932 wurde in Bruntal (deutsch Freudenthal) der Brief auf Reisen geschickt. Bruntal liegt etwa 60 km nordwestlich von Ostrau fast an der polnischen Grenze und damit näher an Katowice als an Brno. Da eine Fluglinie vom nahe gelegenen Flugplatz Mährisch Ostrau nach Prag erst 1935 eröffnet wurde, kann man eindeutig sagen, das die Post von 18 Uhr bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr in Prag auf dem Landweg befördert wurde.

Bereits um 1-2 Nachmittags war der Brief in Leipzig angekommen, in nicht einmal 24 Stunden. Bestätigt auch durch den Luftpostbestätigungsstempel Michel F 50-02 vom Flughafen Halle/Leipzig.

Gruß
Detlev
 
Detlev0405 Am: 16.04.2018 13:07:04 Gelesen: 186# 44 @  
Das Jahr 1927 war ein sehr aktives Jahr der Deutschen Lufthansa in seinen Beziehungen zur Tschechoslowakei und gekennzeichnet durch viele neue Linien zwischen beiden Ländern. So wurde am 19.04.1927 der Direktflug zwischen Bremen und Prag eröffnet. Die Strecke wurde in Etappen geflogen (Bremen – Hannover – Halle/Leipzig – Chemnitz – Prag) und so kommen verschiedene Beförderungsbelege vor. Diese Linie wurde bis zum 31.10.1934 betrieben. Dementsprechend finden wir auf dieser Strecke 4 verschiedene Erstflugbelege – von Bremen nach Prag, Hannover nach Prag, Halle/Leipzig nach Prag und Chemnitz nach Prag.



Von der letzten Etappe stammt dieser Beleg – von Chemnitz nach Prag (Horka 61 d). Abgefertigt beim Postamt am Flughafen Chemnitz zwischen 12 und 13 Uhr weißt der Beleg den Abfertigungsstempel Mi.Nr. A 10-02 auf.



Sehr attraktiv ist der Bestätigungsstempel für den Erstflug Mi.Nr. G 12-01.



Die Ankunft des Briefes in Prag wird durch den Ankunftsstempel Horka R2 – 157d um 16 Uhr dokumentiert. Er war von 1927 – 1929 im Einsatz. Belege auf dieser Teiletappe sind die am seltensten vertretenen der ganzen Strecke.



Der zweite Beleg auf dieser Strecke ist ein reiner Bedarfsbeleg. Der Flug fand am 25.10.1930 statt, 6 Tage vor Beginn der Winterpause. Er weißt den gleichen Abfertigungsstempel wie der Erstflug auf, nur der Ankunftsstempel hat sich geändert. Es handelt sich um den Stempel R2 – 157bb nach Horka, der von 1926 – 1939 im Einsatz war.

Bei dem Erstflugbeleg bin ich das erste Mal in einer sehr extremen Weise auf ein Problem gestoßen, was die theoretische Bewertung eines solchen Beleges betrifft. Michel weißt einen Preis x für den Erstflug auf, der Preis für den Abfertigungsstempel ist vernachlässigbar. Der Bestätigungsstempel für den Erstflug hat den gleichen Preis wie der Erstflug als solches. Da der Empfangsstempel in Prag nach Horka einen Aufschlag von 15% des Belegwertes rechtfertigt, komme ich da doch ins grübeln. Ist ein Erstflugbeleg nicht zwangsläufig mit einem Bestätigungsstempel für den Erstflug versehen ? Wie muss man die Bewertung der Einzelteile aus dem Michel zusammen fassen ? Ich weiß, das das nichts mit dem realen Marktwert zu tun hat, mir geht es hierbei lediglich um das Verständnis um Umgang mit dem Katalog an Hand eines konkreten Beispiels.

Vielleicht können die erfahrenen Sammler mir ja ein paar Hinweise geben ?

Gruß
Detlev
 

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