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Thema: Tschechoslowakei Luftpost 1919 bis 1938
Detlev0405 Am: 11.01.2018 16:43:16 Gelesen: 658# 1 @  
Nach langer Überlegung habe ich mich entschlossen, einen Beitrag zu eröffnen, der sich schwerpunktmäßig mit der Luftpost der Tschechoslowakei von 1919 bis 1938 beschäftigen soll. Dabei geht es mir in erster Linie um Bedarfsbelege der alltäglichen Luftpost, Erstflugbelege sollen den Beitrag gern garnieren.

Es gibt auf dem Gebiet nach meiner Kenntnis nur zwei Standardwerke, die sehr ausführlich Auskunft geben. Zum ersten der Trojan Katalog „Tschechoslowakei Luftpost 1918–1939“ von MUDr. Peter Horka (leider nur in tschechischer Sprache verfügbar) und die vierbändige Ausgabe der Bundesarbeitsgemeinschaft Tschechoslowakei e.V. „Geschichte der Tschechoslowakischen Flugpost Teil 1–4“ in deutscher Sprache von Max Mahr und H.Peter Vouhsem. Leider sind beide Werke schon über 20 Jahre alt und können bezüglich der aufgeführten Bewertungen nur einen vagen Anhaltspunkt geben. Zum Glück wurde in beiden Werken Punktsysteme angewendet, damals beim Erscheinen jeweils 1,- Kc bzw. 1,- DM wert je Punkt. So kann man wenigstens in etwa eine Relation der Belege untereinander finden.

Während der „Mahr“ in seiner Bewertung auch normale Alltagspost einordnet und bewertet, zeichnet sich der „Horka“ durch eine chronologische Auflistung aller Erstflüge aus, ergänzt durch zwei sehr informative Übersichten zu zusätzlichen Wertungen bezüglich vorhandenen Frankaturen und Besonderheiten der Beförderungen.

Ich bitte um rege Diskussion und zeigen eigener Belege, vielleicht spornt mich das zu einer möglichen Publikation von Bedarfsbelegen zu diesem Sammelgebiet an (Wunschdenken). Ich weiß, das es viele Spezialisten gibt in diesem Forum, die wertvolle Anregungen und Ergänzungen geben können.

Gleich zu Beginn ein diskussionswürdiger Beleg – eine Sonderkarte vom Flugmeeting in Karlsbad 1930. Gestempelt am 08.06.1930 mit dem Sonderstempel vom Flugfest.



Der Flugpostaufkleber und die beiden Flugpostmarken suggerieren eine Beförderung per Luftpost nach Wien.

Gegen eine Luftpostbeförderung sprechen jedoch andere Fakten.

- der Erstflug von Karlsbad nach Prag fand erst am 15.05.1931 durch die CSA statt
- 1930 existierte in Karlsbad nur ein Flugfeld in Form einer 40 ha großen Wiese, noch keine Hangars oder Abfertigungsgebäude
- es gibt keinen Ankunftstempel von Wien Flugpost

Gab es zu diesem Zeitpunkt noch eine andere Beförderungsmöglichkeit per Luftpost ? Normaler Weise wurde bei Beförderung auf dem Landweg das blaue Luftpostlabel durchkreuzt durch die tschechische Post.

Interessant der Text auf der Karte – Bericht über einen Flugzeugabsturz.



Einen schönen Abend noch,
Detlev
 
wuerttemberger Am: 11.01.2018 17:29:59 Gelesen: 639# 2 @  
@ Detlev [#1]

Ich habe keine Ahnung von der frühen Luftpost, aber ich werde mit großem Interesse diesen Thread verfolgen.

Gruß

wuerttemberger
 
Detlev0405 Am: 12.01.2018 15:26:14 Gelesen: 578# 3 @  
@ wuerttemberger [#2]

Ich danke dir für deine Aufmerksamkeit. Dann schiebe ich mal gleich ein weiteres Pärchen nach.

Am 21.05.1929 wurde eine Flugverbindung zwischen Marienbad und Nürnberg eröffnet. Der Flugplatz Marienbad liegt 5 km entfernt vom Ort beim Dorf Sklare und ist ein reiner Grasflugplatz und bis heute so, mit 2 Start- und Landebahnen.

Bedeutung erlangte dieser Flugplatz nur in grenznahen Destinationen wie Fürth/Nürnberg , Chemnitz und Halle/Leipzig sowie nach Berlin als längste Strecke (nach den mir vorliegenden Informationen). Im inneren tschechischen Verkehr war die Achse Prag – Karlsbad – Marienbad von großer wirtschaftlicher Bedeutung.Er war auch zwischen Etappe auf dem Flug Prag – Amsterdam.

Vom Erstflug ein Rückflugbeleg auf der Strecke von Nürnberg nach Marienbad. Abgeflogen vom Nürnberger Flugplatz um 15-16 Uhr und in Marienbad angekommen um 18 Uhr.



Vom 14.06.1930 stammt der Bedarfsbeleg von der Strecke Marienbad - Fürth, frankiert mit den Marken der Mi.Nr. 199 – 201. Abgestempelt um 20 Uhr war er bereits in Fürth (nicht Flugplatz) angekommen zwischen 7-8 Uhr.



Für die ordnungsgemäße Abfertigung als Luftpost sprechen sowohl die verklebten Flugpostmarken als auch der verklebte Flugpostaufkleber (entsprechend den Gesetzen der tschechischen Post) als auch die kurze Laufzeit des Beleges. Es ist generell sehr schwer, Luftpost aus Marienbad einzuordnen, da der Ort keinen besonderen Luftpoststempel verwendete (zumindest mir nicht bekannt). Siehe auch Bestätigungsstempel beim Erstflugbeleg. Hinzu kommt, das Belege von Marienbad nach Fürth, Berlin und Halle/Leipzig relativ selten sind und somit wenig Vergleichsmaterial vorliegt.

Beste Grüße
Detlev
 
wuerttemberger Am: 13.01.2018 10:01:17 Gelesen: 546# 4 @  
@ Detlev0405

Da kann ich auch noch etwas beitragen.

Der Erstflugbrief wurde vom Postamt 2 Nürnberg (Postamt am Bahnhof) im Briefabgang bearbeitet. Am folgenden Tag erhielt er den Aufgabestempel vom Flughafen in Fürth-Atzenhof. Der erste Flughafen lag zuerst im Stadtgebiet von Fürth wurde aber wegen Geldmangels zunehmend von Nürnberg finanziert.

Der zweite Beleg ist sicherlich auch mit der Luftpost befördert worden, denn eine normale Ansichtskarte hätte in der Zeit niemals einen Ankunftsstempel bekommen. Das Postamt Fürth 2 war eine Zeit lang für die Abfertigung der Luftpost zuständig.

Gruß

wuerttemberger
 
rudi63 Am: 13.01.2018 13:33:24 Gelesen: 527# 5 @  
Hallo,

schöne Belege zeigt Ihr da. Möchte auch etwas beisteuern.

Luftpostbrief vom 5.10.1920 von Prag nach London. Nach der Literatur ist der 1. Flug jedoch ausgefallen und die Post wurde per Bahn transportiert. Selten sind solche Belege trotzdem.



Das hier ist mein 1. Versuch Bilder im Forum hochzuladen.

Gruß

Rudi
 
Detlev0405 Am: 13.01.2018 15:29:05 Gelesen: 506# 6 @  
@ wuerttemberger [#4]

Danke für die Präzision zum 2. Beleg der Nürnberg Linie - ich hatte das zwar vermutet wegen dem Bestätigungsstempel von Fürth, kenne mich aber im deutschen Postsystem nicht so gut aus. Deswegen bin ich froh über jede ergänzende Information.

@ rudi63 [#5]

Das ist prima gelungen Rudi, danke für den Beleg. Er ist wirklich eine Rarität und gehört voll zum Thema.

Gruß Detlev
 
Detlev0405 Am: 13.01.2018 18:03:13 Gelesen: 489# 7 @  
Sehr früh schon, nämlich im Jahre 1924, wurde die Strecke Prag – Bratislava – Kosice eröffnet und somit die wichtigsten Industriezentren des Landes mit einer Fluglinie verbunden. Sie hatte so aber nur ein Jahr Bestand bis zum 23.05.1925. Offensichtlich hatte man bemerkt, das man einen wichtigen Standort einfach vergessen hatte – nämlich Brno. So wurde am 24.05.1925 die neue Strecke Prag – Brno – Bratislava – Kosice in Betrieb neu eröffnet. Aus dieser Zeit stammt auch der folgende Beleg.



Am 27.06.1929 beförderter kleiner Damenbrief mit kompletter II. Flugpostausgabe Mi. Nr. 199 – 201 von Prag nach Kosice. Das er ein Bedarfsbeleg ist, dokumentiert er auf „eindrucksvolle“ Weise. Es scheint alles schief gegangen sein was möglich ist. Der Aufgabestempel verfettet, beim Ankunftstempel auf der Rückseite hat der Beamte wohl auf Grund des kleinen Formats den Stempel nicht richtig platzieren können. Eigentlich ein kleines hässliches Entlein. Wenn man aber einen 2. oder wie bei mir 3. Blick auf den Brief wirft, kommt man ins Staunen.



Die Mi. Nr.199 weicht deutlich vom Standard dieser Marke ab. Sie ist, wie im Ausschnitt ersichtlich deutlich „überformatig“ und dazu unten geschnitten. Nur im tschechischen Spezialkatalog von 1988 findet sich ein Vermerk über die Mi.Nr.199 – 201 U unter LT 4 N – LZ 6 N. Aber auch nichts zu Teilzähnungen. So wird zumindest aus dem hässlichen Entlein eine interessante Ente.

Einen schönen Abend noch,
Detlev
 
Detlev0405 Am: 14.01.2018 09:55:40 Gelesen: 443# 8 @  
@ rudi63 [#5]

Ich habe mich noch einmal intensiv zu dem Beleg von Rudi durch die vorhandene Literatur gewühlt.

Es ist schwer einzuschätzen, ob der Brief nun zumindest auf einer Teiletappe als Luftpost befördert wurde oder nicht. Zu erst einmal zu den Voraussetzungen des Briefes. 125 Heller Briefporto bis 20 g und 125 Heller Einschreibgebühr sind ordnungsgemäß durch die beiden linken Marken ausgewiesen. Der Flugposttarif von 28 Kc für die Strecke bis London wurde auch ordnungsgemäß verklebt.

Dass der eigentlich vorgeschriebene Flugpostzettel Prag - London hier nicht geklebt wurde, ist kein Mangel. Bisher wurde der Aufkleber nur bei Briefen beobachtet, die bei der zuständigen Luftfahrtgesellschaft " Pour la Cie Franco - Romaine de Navigation Aerienne " aufgeliefert wurden. Sie haben den entsprechenden Zusatzstempel der Gesellschaft und wurden dann an das Postamt Prag 1 aufgeliefert zur weiteren postalischen Behandlung. Direkt beim PA Prag 1 aufgelieferte Belege haben diesen Aufkleber nicht.

Somit hat der Beleg erst einmal alle Voraussetzungen zu einer ordnungsgemäßen Beförderung.

Der Flug vom 05.10.1920 wurde auch im Amtsblatt der Tschechoslowakei veröffentlicht.

Nun beginnt der Streit der Fachleute, ob der Flug statt gefunden hat oder nicht. In den 80er Jahren sind tschechische Philatelisten der Meinung, er hätte nicht stattgefunden. Dem schließt sich auch Petr Horka in seinem Buch an und gibt die Gesamtzahl der Belege mit 25 an.

Anderer Meinung ist Mahr in seinem Gemeinschaftswerk und führt auch gute Argumente für den durchgeführten Flug an. Sein Kronzeuge, der Gründer der Aerophilatelie in der Tschechoslowakei, Ing. Jaroslav Sula. In seiner Studie "Luftpostmarken der Tschechoslowakei aus dem Jahre 1920" stellt er definitiv fest, das der Flug statt gefunden hatte. Und das Werk erschien 1926, also zeitnah und Sula war Augenzeuge der Ereignisse.

Viel wichtiger, im Werk von Mahr/Vouhsem Teil 2 Seite 71 wird ein Beleg vorgestellt, der am 04.10. wie bei Rudi abgefertigt wurde, über Strasbourg nach Paris flog und dort einen Bestätigungstempel erhielt.

Dass der Brief nach London keinen Bestätigungsstempel erhielt in Paris, mag an dem Transit nach London liegen (Hypothese). Warum der Brief nun aber noch einen Monat benötigte, um auf dem Landweg nach London zu gelangen, vermögen vielleicht Frankreich Experten begründen. Ich interpretiere den Empfangsstempel in London auf den 06.11.1920.

Einen schönen Sonntag wünsche ich allen,
Detlev
 
Detlev0405 Am: 15.01.2018 11:14:05 Gelesen: 398# 9 @  
Große Probleme bereitet mir die richtige Zuordnung von Destinationen zwischen Karlsbad und Marienbad nach Chemnitz und Halle/Leipzig. Der heutige Beleg vom 01.06.1930 stammt von der am 15.05.1930 eröffneten Verbindung zwischen Marienbad und Halle/Leipzig.



Grundlage ist die Ganzsache CDV 35 (Tschechischer Spezialkatalog für Briefmarken und Belege 1988), die mit einer Zusatz Frankatur der Mi.Nr. 200 versehen wurde. Sehr schön der Zusatzstempel vom Flugplatz Marienbad 1 in deutsch und in tschechisch.



Der Ankunftstempel vom Flughafen Halle/Leipzig bestätigt die ordnungsgemäße Beförderung. Den Ankunftstempel auf dem Flugplatz Chemnitz am 07.06.1930 (siehe Tagesstempel) vermag ich nicht zu interpretieren, zumal es keine Absenderangabe von Chemnitz auf der Karte gibt (siehe Rückseite) und Otto Krenge eigentlich in Braunschweig zu Hause ist.

Gruß Detlev
 
Detlev0405 Am: 17.01.2018 19:15:03 Gelesen: 300# 10 @  
Sieht aus wie ein normaler Flugpostbeleg ohne viel drum herum, ist aber doch ein Erstflugbeleg. Am 04.07.1927 wurde die Strecke Prag – Marienbad und retour eröffnet. Von diesem Tag ist auch der hier vorliegende Beleg, vom Rückflug.



Ordnungsgemäß frankiert mit einer Luftpostmarke Mi.Nr. 199 ist die Ganzsache CDV 37 auf den Weg gebracht worden. Einen Ankunftstempel in Prag erhielt dieses Stück nicht. Weitergeleitet wurde der Beleg , der aus dem Osten des Landes kam, auf normalem Postweg nach Niemes in der Nähe von Liberec (Reichenberg), also ganz im Norden des Landes.

Was mich schon erstaunt ist die Uhrzeit in Marienbad, zu der der Beleg abgestempelt wurde – früh um 4 Uhr !?! Oder doch 16 Uhr ?

Beachtenswert ist der tschechische Luftpostaufkleber „Letecka posta“ in rot auf weißem Grund. Er ist relativ selten anzutreffen. Der zweite Aufkleber ist deutschen Ursprungs.

Einen schönen Abend noch wünsche,
Detlev
 
Detlev0405 Am: 19.01.2018 13:27:49 Gelesen: 251# 11 @  
Für die, die sich gern orientieren möchten, wie sich die tschechische Luftfahrt in der Zeit entwickelte, möchte ich heute an Hand von zwei Karten einen Überblock geben. Der Ursprung ist mir nicht bekannt, befand sich bei mir als Beilage zum Handbuch von Horka.

In den Jahren gab es zwei nationale Luftfahrtgesellschaften, eine staatliche (CSA) und eine private Gesellschaft (CSL). Sie standen beide in Konkurrenz vor allem mit den französischen Anbietern und später (Mitte - Ende der 20er Jahre) mit der deutschen Lufthansa. Da sich die tschechische Luftfahrt in der Anfangszeit von französischer Seite entwickeln ließ, gab es jahrelang Probleme mit Überflug- und Landerechten in Deutschland, die dort verweigert wurden.

Die erste Karte gibt einen Überblick über die Entwicklung der inneren Flugpostverbindungen.



Die zweite Karte zeigt die internationalen Flugpostverbindungen. Bitte beachten, das die Karten dem Stand der Zeit in den 30er Jahren entsprechen und somit Abweichungen zu heutigen geografischen Gegebenheiten existieren.



Viel Spaß beim Erkunden der Karten,

Detlev
 
saintex Am: 20.01.2018 21:38:39 Gelesen: 181# 12 @  
@ Detlev0405 [#8]

Hallo Detlev,

zu Deinem Posting [#8] vom 14.01.2018 gestatte ich mir den Hinweis, dass das Datum in dem Ankunftsstempel "Registered London E.C. 34" auf der Rückseite des von rudi63 in seinem Posting[#5] vom 13.01.2018 gezeigten Flugpostbriefes in der Reihenfolge TTMMJJ angeben und damit der 11 OC 20 ist. Damit "passt" das Datum des Ankunftsstempels von London zum Datum des Abgangsstempels von Prag, ohne dass dies allerdings damit etwas zur Klärung der Streitfrage beiträgt, ob der Erstflug vom 05.10.1920 tatsächlich stattfand oder - so die heute wohl überwiegende Ansicht in der aerophilatelistischen Literatur - ausfiel und die für den Erstflug vorbereiteten Luftpostbriefe mit Bahn und Schiff von Prag nach London befördert wurden.

MfG saintex
 
saintex Am: 20.01.2018 22:34:46 Gelesen: 169# 13 @  
@ Detlev0405 [#1]

Hallo Detlev,

von mir ein tschechischer Luftpost-R-Brief aus Prag vom 6.6.1924 nach Casablanca in Marokko, ausweislich des rückseitigen Ankunftsstempels dort am 8.6.1924 23* angekommen.



Vorderseitig ist oben in der Mitte ein farbiger Flugpostzettel (Richtungsaufkleber) für die Teilstrecke Prag-Straßburg[1] angebracht.



Der Brief ist vorder- und rückseitig mit insgesamt 6,75 Kc frankiert, wobei die Flugpostmarken der am 15.06.1922 verausgabten 2. Flugpostausgabe (Mi-Nr. 199-201) Verwendung fanden. Entwertet wurde die Frankatur mit dem Tagesstempel Praha 1 UZ“4a“, was belegt, dass der Luftpost-R-Brief am Luftpostschalter des Postamtes Prag 1 aufgegeben wurde, an dem der Tagesstempel mit der Unterscheidungsziffer 4 mit verschiedenen Kleinbuchstaben (z.B. 4a,4b,4c,4d) verwendet wurde[2].

Aufgrund der kurzen Beförderungszeit von Prag nach Casablanca von nur 3 Tagen kann davon ausgegangen werden, dass der Luftpostbrief von Prag nach Casablanca auch tatsächlich überwiegend mit Luftpost befördert wurde. Nach den Angaben im Katalog Trojan[3] erfolgte die Beförderung dieses Luftpostbriefes auf den nachfolgenden Teil-Strecken:

6.6. Prag-Straßburg mit der Fluggesellschaft Compagnie Franco-Roumaine de Navigation Aérienne (CFRNA)
6.6.-7.6. Straßburg – Toulouse mit Bahnpost
8.6. Toulouse – Casablanca mit der französischen Fluggesellschaft Lignes Latécoère

Tschechische Flugpost nach Marokko war auf der Flugpostlinie der französischen Fluggesellschaft Lignes Latécoère ab dem 1.8.1923 zur Beförderung zugelassen[4].

Der Luftpostbrief ist bei einem Gewicht bis 20 Gramm mit 6,75 Kc portogerecht frankiert[5]: 2,50 Kc Auslandsbrief bis 20 Gramm + 2,50 Kc Auslands-R-Gebühr + 0,25 Kc Lp.Zuschlag bis Straßburg + 1,50 Kc Lp.Zuschlag bis Casablanca = 6,75 Kc.

Abschließend noch die Titelseite eines zeitgenössischen Flugplanes der Lignes Latécoère, die die Streckenführung von Toulouse nach Casablanca zeigt und ein Postflugzeug des Typs Bréguet 14, das auf der Strecke der Lignes Latécoère von Toulouse nach Casablanca verkehrte. Man beachte: die Passagiere saßen im Freien ! Dagegen sind heutige Billigflieger der reine Luxus.



Quellennachweise:

[1]Vgl. zu den Flugpostzetteln/Richtungsaufklebern die Angaben im MICHEL-Europakatalog Bd. 1 (Mitteleuropa) nach CSSR Mi-Nr. 194
[2]Peter Vouhsem/Max Mahr, Geschichte der tschechoslowakischen Flugpost Teil 2 1918-1921, Kleine Schriftenreihe der CS-Philatelie Heft 9, Hamminkeln 1988 Seite 85
[3]Petr Horka, Ceskoslovenská Letecká Posta 1918-1939, Prag 1997 Seite 89
[4]Petr Horka a.a.O. Seite 89; American Air Mail Catalogue Band 1 4. Aufl. Washington D.C./USA 1974 Seite 134
[5]Petr Horka a.a.O. Seiten 192, 194, 203

MfG saintex
 
Detlev0405 Am: 21.01.2018 07:01:56 Gelesen: 147# 14 @  
@ saintex [#12]

Vielen Dank für die Korrektur meiner Leseart des Stempels aus London. Nun weiß ich auch, das der Brief 5 Tage unterwegs war. Spricht also einiges dafür, das eine Beförderung auf dem Land- und Seeweg sehr wahrscheinlich ist. Stellt sich mir nur die Frage, warum er in Deutschland nirgends einen Transitstempel bekam, zumal es sich um ein Einschreiben handelte ? Weder von einer Bahnpoststrecke noch von einem deutschen Hafen auf dem Weg nach England. Ich gehe davon aus, das der Landweg ausschließlich über Deutschland ging.

Deinen Beitrag mit dem Luftpostbrief nach Casablanca finde ich einfach Klasse. Neben der ausführlichen Beschreibung der Strecke und des Tarifes (die bereiten mir besonders Probleme, da ich keine entsprechende Zusammenstellung der Tarife wie im Michel für Deutschland finde) hast du mir vor allem die Angst genommen, mich an solche Belege auch mal heranzutrauen. Ich zeige später noch an Hand eines Beleges aus Warschau, warum ich so misstrauisch bin.

Vielen Dank,
Detlev
 
saintex Am: 21.01.2018 19:49:04 Gelesen: 92# 15 @  
@ Detlev0405 [#14]

Hallo Detlev,

schön, dass Dir mein Beitrag in diesem Thread gefallen hat. Wenn Du Anregungen für den Aufbau und die Gestaltung Deiner Sammlung suchst empfehle ich Dir die tschechische Internetseite EXPONET auf der im Rahmen einer virtuellen Ausstellung fünf Luftpostexponate zur Tschechischen Luftpost im Zeitraum 1900 bis 1950 von Sammlern aus Tschechien, Deutschland und den USA im Internet eingestellt sind.

http://www.exponet.info/exhibit_select_by_subject.php?category_SUB_ID=1000000&subcategory_SUB_ID=1011000&subsubcategory_SUB_ID=1011004

MfG Wolfgang
 
Detlev0405 Am: 21.01.2018 19:55:22 Gelesen: 88# 16 @  
@ saintex [#15]

Hallo Wolfgang,

das ist mein absoluter Favorit und mein Vorbild.

http://www.exponet.info/exhibit.php?exhibit_ID=628&lng=CZ

MfG Detlev
 
Detlev0405 Am: 23.01.2018 19:08:50 Gelesen: 27# 17 @  
Auch wenn ich in meinem letzten Beitrag das Objekt von Zdenìk Hrnèíø als mein Vorbild bezeichnet habe, möchte ich keine Missverständnisse aufkommen lassen. Ich beschäftige mich vorwiegend mit Bedarfspost, ergänzt durch einige Erstflug Belege. Die ersten Beleg wie sie auch Rudi und Wolfgang hier vorgestellt haben, sind so rar und in festen Händen, das es sich nicht lohnt, einen Gedanken an solche Belege zu verschwenden. Zeppelinzuleitungen sowie "Durchrutscher" bei den Katapultflügen fallen auch darunter und sind zudem sündhaft teuer.

Dabei gibt es auch später vieles interessantes zu entdecken und dem versuche ich mich zu verschreiben.

Das ist ein Brief, der mir Rätsel aufgibt. Die Strecke Karlsbad – Chemnitz wurde mit der Eröffnung der Fluglinie Marienbad – Karlsbad – Chemnitz - (Halle/Leipzig) am 01.06.1932 in Betrieb genommen (sowohl Mahr als auch Horka).



Dieser Beleg datiert genau ein Jahr vorher. Horka gibt darüber keine Auskunft, sowohl Mahr als auch Horka datieren den Erstflug auf der Strecke Karlsbad – Marienbad – Prag auf den 15.05.1931 als ersten Flug vom Flugplatz Karlsbad. Im Michel Flugpost Spezial Katalog stoße ich bei meinen Nachforschungen unter der Nummer 31.27 auf eine Flugverbindung der CSL (neben der CSA – staatliche Luftfahrtgesellschaft) als private Luftfahrtgesellschaft auf die Verbindung Halle/Leipzig – Marienbad – Karlsbad, wobei hier nur Belege gelistet werden zwischen Halle/Leipzig und Karlsbad sowie retour gingen. Nachstehender Beleg dokumentiert diese Verbindung. Aufgegeben in Halle/Leipzig am 01.06.1931 14-15 Uhr erreicht er Karlsbad am gleichen Tag gegen 21 Uhr.



Sehe ich mir den Ausgangsbeleg an, stelle ich als Aufgabezeit 8 Uhr fest. Somit würde der Beleg die Eröffnung der Linie dokumentieren. Stellt sich die Frage, ob es eine Zwischenlandung in Chemnitz auf der Strecke Karlsbad – Halle/Leipzig gab und Post abgefertigt wurde. Technisch war zu dieser Zeit im Jahre 1931 eine Zwischenlandung nicht notwendig.Der Abfertigungsstempel von Chemnitz belegt zumindest die Annahme, das es in Chemnitz eine solche Abfertigung gegeben haben muss. Ich habe auch die Retour Verbindung von Halle/Leipzig nach Chemnitz geprüft an Hand des Michel Kataloges – Chemnitz – Leipzig wurde unter der Nr.26.53 geführt aber am 06.10.26 als eingestellt gemeldet, die nächste Linienverbindung war unter der Nr.32.6 aber das war erst im Jahre 1932. Vielleicht können Spezialisten von deutscher Seite diese Frage konkreter beantworten.

Ein netter Zusatz auf dem Beleg der wohl privaten Ursprungs angebrachte Stempel eines Flugzeuges.



Vielleicht kann mir auch jemand Auskunft geben über den roten Dreieckstempel auf der Rückseite des Beleges unten rechts.

Gruß Detlev
 
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