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Thema: (?) (30) Ganzsachen: Postkarten mit anhängenden Antwortkarten
Das Thema hat 33 Beiträge:
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Martinus Am: 29.05.2011 15:14:31 Gelesen: 24085# 1 @  
Werthe Sammlerfreunde / freundinnen,

ich habe heute auf dem GT in Dortmund Huckarde eine Vielzahl von Antwortkarten gesichtet. Zwei davon habe ich mir mitgenommen, um sie hier vorzustellen:



Bei Karte 1 ist auch noch interessant, dass der Einschreibbeleg von der Filmfabrik Agfa ist.

Meine Frage an Euch ist aber, wer kann mir den postalischen Sinn von derlei Mache erklären? Oder ist es gar echte Post?

Karte 2:





Wie gesagt, ein Sammler aus Marl hat sich hier eingedeckt und alles was er davon gefunden hat eingesackt! Was ich nicht nachvollziehen konnte.

mit Sammlergruß Martinus
 
Rainer HH Am: 29.05.2011 15:34:43 Gelesen: 24079# 2 @  
Im Heuss-Thread http://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?F=1&CP=0&ST=949&page=35 habe ich unter # 345 am 22. 5. eine ähnliche Karte gezeigt.

Unter Sammlern war es wohl üblich, den Postempfang separat zu bestätigen.

Der Herr Morwinski aus Kiel scheint wohl auch ein Liebhaber dieser Stücke gewesen zu sein. ;-)
 
stephan.juergens Am: 29.05.2011 18:53:58 Gelesen: 24055# 3 @  
Kurz zum postalischen Hintergrund:

Antwortkarten sind seit 18?? im Weltpostverein vorgesehen. Dabei werden zwei zusammenhängende Karten (Frage- und Antwortkarte) vom Absender verschickt. Für den Hinweg wird das Porto der Fragekarte entwertet. Die Fragekarte wird für den Rückweg i.d.R. vom Empfänger abgetrennt, die Antwortkarte mit Inhalt versehen und dem Postverkehr überantwortet.

Im Inlandsverkehr ist das ja nicht besonderes, beide Teilnehmer haben ja die gleichen Briefmarken. Im Auslandsverkehr ist dies - wie Eingangs gesagt, durch den Weltpostverein geregelt, dass für die Antwortpostkarten jeweils das Porto des "Empfängerlandes" ausreicht. Kennzeichen hierfür ist das französiche Wort "Carte Portale - response" in der Amtsprache des Weltpostvereins.

Untenstehend eine Antwortkarte vom italienischen Lucca nach Leipzig.

Die obigen BRD/DDR Karten sind m.E. stark philatelistisch beeinflußt und spielen m.E. auch mit den DDR-Postlern, um die zu Tax-stempeln o.ä. zu bewegen, die dann unter "Postkrieg" einzuordnen wären.

Denn die Karten oben sind eindeutige Inlandskarten (Konkret: es sind Ortspostkarten, die das innerstädtische Berliner Ortsporto tragen.) Um als Inlandssendung (für die Westdeutsche Post reichte in die DDR Inlandsporto) von Kiel nach Bitterfeld zu gelten, mußte zufrankiert werden. Diese Zufrankierung mußte auch auf die Antwort die dem gleichen Porto unterliegt aus Westdeutscher Sicht.

Den Rest muß jetzt ein DDR Portospezialist nachtragen, ob die Antwort nun nämlich mit 35 Pfennig Auslandsporto und 30 Pfennig Einschreibgebühr gewertet wurde, oder ob die Einschreibgebühr zu diesem Zeitpunkt 50 Pfg betrug, die DDR die Karte also zum Westdeutschen Inlandsporto befördert hat.

Für die Eilkarte passt m.E. keines der geläufigen Portoerklärungsmuster, aber ich weiss halt nicht was 1965 die Eilgebühr in der DDR war.

Gruß Stephan


 
Martinus Am: 29.05.2011 23:19:34 Gelesen: 24022# 4 @  
@ stephan,juergens [#3]

Hallo Stephan,

danke für die tolle Erklärung! Ich hab es nicht gewußt und ich wüßte auch nicht, wo ich suchen sollte!

lg Martinus (alias michael)
 
drmoeller_neuss Am: 29.05.2011 23:42:15 Gelesen: 24019# 5 @  
@ Martinus [#1]

Karte 1 ist Bedarf, wenn auch philatelistisch geprägt. Auf jeden Fall ist der Beleg portogerecht. Für die Antwortkarte waren 15 Pfennige (BRD) zu bezahlen. BRD --> DDR war damals Inlandsporto.

Dann hat der Antwortende die Zusatzleistung "Einschreiben" verlangt (50 Pfennige Ost).

Auf jeden Fall interessant ist der Einschreibezettel "Filmfabrik Agfa" auf der Postkarte aus dem Jahr 1964. Im gleichen Jahr hat die DDR den Markennamen von "Agfa" nach ORWO umgestellt, um Namensstreitigkeiten mit der in der Leverkusen/BRD ansässigen Firma Agfa zu vermeiden. Die Einschreibezettel dürfte es auch nicht mehr lange gegeben haben.

Die Filmfabrik hat übrigens eine interessante Geschichte: 1909 gegründet, wurde dort der erste Farbfilm der Welt produziert. Der Betrieb wurde nach Kriegsende ein Opfer der doppelten Demontage: Die Patentunterlagen für den Farbfilm nahmen die Amis mit und gaben alles an Kodak weiter. Die technischen Anlagen liess die Sowjetunion in die Heimat transportieren, um dort das erste Farbfilmwerk der UdSSR aufzubauen.

Karte 2 ist unterfrankiert, es fehlen 5 Pfg. Ost für den Eilboten. Offenbar war man in der DDR auch recht grosszügig mit dem Ersttagsstempel umgegangen, und hat alles entwertet, was auf der Karte klebte. In der BRD war der Ersttagsstempel ausschliesslich den dazu passenden Marken vorbehalten.
Interessant sind hier die Eingangsstempel auf der Rückseite.
 
heide1 Am: 30.05.2011 00:05:04 Gelesen: 24012# 6 @  
@ Martinus [#1]

Moin,

die obere Antwortkarte ist portorichtig als Fernpostkarte Inlandsverkehr (mit Heuss etc.) 15 Pfg. freigemacht und am Absendeort (Wolfen) gestempelt. Zur der Zeit war Postverkehr BRD-DDR Inland.

Der Absender in Wolfen hat das Einschreiben auch portorichtig mit.50 Pfg frankiert, schöne Karte, nicht alltäglich!

Gruß Jürgen

---

EDIT: Sehe gerade den Beitrag von Uli, kann die Minus 5 Pfg der unteren Karte bestätigen.

Hatte meinen Beitrag extern geschrieben, beim Einsetzen habe ich nicht bemerkt, dass Uli schneller war.
 
Martinus Am: 30.05.2011 20:48:00 Gelesen: 23983# 7 @  
Danke für Eure Ausführungen!

Eine Frage bleibt nun bei mir, hätte ich mir "diese" Karten einsacken sollen? Oder ist es so gut, dass ich zwei besonders schöne Exemplare mir gefischt habe - und eben weiß, dass es davon auch noch mehr gibt?

lg Martinus
 
heide1 Am: 30.05.2011 22:07:56 Gelesen: 23974# 8 @  
@ Martinus [#7]

Ich will für mich mal so sagen: Wäre Heuss drauf, hätte ich jede Karte genommen!

Gruß Jürgen
 

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