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Thema: Transvaal: Belege echt gelaufen
Michael Mallien Am: 07.08.2017 21:19:33 Gelesen: 2934# 1 @  
Transvaal war eine unabhängige Republik mit dem Namen Südafrikanische Republik. 1877 wurde sie von Großbritannien annektiert und zur Kolonie Transvaal, am 3.8.1881 aber wieder unabhängig. Ab 1900 wurde das Gebiet abermals von britischen Truppen besetzt und am 31.5.1902 wieder von Großbritannien annektiert. Seit 31.5.1910 ist Transvaal Teil der Union von Südafrika.

Zwischen 1869 und 1909 erschienen Marken, die im Michel unter Transvaal gelistet sind. Es wird entlang der Veränderungen der Machtverhältnisse wie folgt unterschieden (alle Angaben sind dem Michel-Afrikakatalog von 1993 entnommen):

- Südafrikanische Republik, I. Periode von 1852-1877
- Südafrikanische Republik, II. Periode von 1880-1899
- Britische Verwaltung, I. Periode von 1877-1882
- Britische Verwaltung, II. Periode von 1900-1909
- Besetzungsausgaben der Transvaal-Regierung im zeitweise besetzten Kapgebiet 1899
- Ausgaben zeitweiser britischer Besetzung während des Burenkrieges (1899-1902)

Ich kann einen Brief zeigen, der am 3.6.1899 nach Potsdam ging. Die Frankatur erfolgte mit der MiNr. 51 zu 2 1/2 Pence aus Südafrikanische Republik, II. Periode. Leider fehlt auf dem Stempel der Abgangsort, weil er zu weit oben angebracht wurde.



Rückseitig ist die Ankunft in Potsdam durch diesen schönen Stempel vom 24.6.1899 dokumentiert:



Die sechs oben aufgeführten Perioden mit Belegen zu dokumentieren ist sicher eine Herausforderung. Vielleicht schaffen wir es zusammen?

Viele Grüße
Michael
 
Michael Mallien Am: 14.08.2017 20:37:41 Gelesen: 2883# 2 @  
Heute kann ich zwei Belege aus dem Zeitraum Britische Verwaltung, II. Periode von 1900-1909 zeigen. Sie gingen beide von Modderfontein nach Freiburg im Breigau.

1. Einschreiben vom 3.12.1906 mit Ankunftsstempel vom 23.12.1906, frei gemacht mit der MiNr. 131 zu 1/2 Penny und der MiNr. 108 oder 124 zu 6 Pence. Die MiNrn. 108 und 124 unterscheiden sich im Wasserzeichen, was auf dem Beleg nicht erkennbar ist.



2. Einschreiben vom 15.2.1909 mit Ankunftsstempel vom 7.3.1909. Verwendet wurde hier eine Einschreibe-Ganzsache mit einem Werteindruck zu 4 Pence TRANSVAAL REGISTRATION und zusätzlich der MiNr. 105 oder 121 zu 2 1/2 Pence. Damit beträgt die Frankatur ebenfalls 6 1/2 Pence.



Das Porto für den Auslandsbrief nach Deutschland betrug also 2 1/2 Pence, wie schon 1899 bei dem Beleg aus [#1]. Das nenne ich ein stabile Portoperiode.

Ein weiteres Schmankerl beider Belege ist die Versenderadresse: Frank Dynamite Factory Modderfontein. Dieses Unternehmen kann man heutzutage noch als kleines Museum besichtigen.

Viele Grüße
Michael
 
hajo22 Am: 11.10.2017 18:55:26 Gelesen: 2767# 3 @  


Ganzsache zu 1 Penny gestempelt Johannesburg vom 20.10.1898 (geschrieben 24.10., Datum wohl ein Versehen) nach Dresden, Ankunft 15.11.98.

Auf der Rückseite der Ganzsache ein Bild von Paul Kruger ("Ohm Krüger"), Buren-Präsident der Südafrikanischen Republik bis 1902.

hajo22
 
Michael Mallien Am: 20.06.2018 21:27:13 Gelesen: 1913# 4 @  
Ganzsache, so genannte Letter Card vom 24.8.1902 von Johannesburg nach Hamburg. Die Freimachung beläuft sich auf 3 Pence.

Rückseitig Stempel HAMBURG vom 15.9.02

Diese Karten haben eine Perforation, die zum Öffnen normalerweise abgerissen wird. In diesem Fall wurde das Stück jedoch vorsichtig geöffnet, sodass die Abrisskanten erhalten geblieben sind.



Mein Versuch des Lesens der Handschrift ist leider nicht vollständig. Wer kann ergänzen oder korrigieren?

Geehrter Herr!
Einliegend ein paar Marken,
werde binnen kurzem
einige ?? folgen las
sen.
Mit frdl. Grüßen
M. Hein
Johannesburg
Transvaal
...
Bleibe noch bis Monat
Februar hier.
 

Offensichtlich also Sammlerpost, was das vorsichtige Öffnen erklärt.

Viele Grüße
Michael
 

volkimal Am: 24.01.2019 16:54:19 Gelesen: 1229# 5 @  
Hallo zusammen,

habe in einer meiner Kisten gerade ein paar Belege an die Firma Altenroxel und Plange gefunden, die innerhalb von Transvval gelaufen sind. Man kann etwas über Herrn Heinrich Schulte-Altenroxel bei Wikipedia lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Schulte-Altenroxel+ Heinrich Schulte-Altenroxel wohnte später in Münster (Westf.). Von dort stammt auch die Sammlung aus der die Belege kommen. Hier die ersten beiden Karten:







Postkarte zu Een Penny rot, verschickt am 04.03.1895 von Pietersburg (seit 2005 Polokwane) nach Krawefontein = Krabbefontein (Post Haenertsburg). Dort ist die Karte einen Tag später angekommen. Wenn ich mich nicht irre waren innerhalb des Landes nur 1/2 Penny Porto erforderlich.

Weiß einer was die Buchstaben "B" bzw. "C" zwischen Monat und Jahreszahl für eine Bedeutung haben? Die Marke habe ich bei Delcampe gefunden.





Leider ist diese Antwortkarte zu 1/2 Penny in der Mitte deutlich geknickt. Sie ging am 29.11.1897 von Leydsdorp nach Haenertsburg wo sie ebenfalls einen Tag später ankam.

Viele Grüße
Volkmar
 
roteratte48 Am: 24.01.2019 18:23:37 Gelesen: 1221# 6 @  
@ Michael Mallien [#4]

Einige mehr folgen lassen.

Gruß - Rolf
 
volkimal Am: 26.01.2019 14:26:46 Gelesen: 1160# 7 @  
Hallo zusammen,

bevor ich zu den Belegen mit der Landesbezeichnung Transvaal komme noch drei ungebrauchte Postkarten der Südafrikanischen Republik:





Die dritte Karte war eine Postkarte mit bezahlter Antwort. Leider ist nur noch der Frageteil vorhanden.

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 05.02.2019 09:27:27 Gelesen: 1041# 8 @  
Hallo zusammen,

von 1902 an trugen die Marken und Ganzsachen die neue Landesbezeichnung Transvaal. Hier die erste Karte:







Postkarte aus Pietersburg (seit 2005 Polokwane) ins ca. 60 km entfernte Haenertsburg vom 10.10.1903. Die Karte kam noch am selben Tag an. Beim Ankunftsstempel aus Haenertsburg fehlt im Vergleich zum Stempel von 1897 der Zusatz "Z.A.R.".

Viele Grüße
Volkmar
 
umdhlebe Am: 05.02.2019 14:28:56 Gelesen: 1021# 9 @  
@ volkimal [#8]

Beim Ankunftsstempel aus Haenertsburg fehlt im Vergleich zum Stempel von 1897 der Zusatz "Z.A.R.".

Das ist insofern zwingend, als die "Zuid-Afrikaansche Republiek" (Z.A.R.) am 31.5.1902 kapitulierte und (vorübergehend) als "Transvaal" in das Britische Empire eingegliedert wurde.

Der Pietersburg-Stempel ist im Katalog von Putzel und Visser als No.5 verzeichnet; dort ist allerdings der Stern im unteren Halbkreis nicht zu erkennen - sehr schön, wäre etwas für die Datenbank!

Gruß,
umdhlebe
 
volkimal Am: 05.02.2019 15:10:05 Gelesen: 1016# 10 @  
@ umdhlebe [#9]

Hallo umhiebe,

das war mir klar, dass der Zusatz "Z.A.R." in den Stempeln wegfallen musste. Meine erste Überlegung war es, ob der alte Stempel aptiert wurde. Daher hatte ich ihn danebengestellt. Die Buchstaben im Ortsnamen stehen zwar an genau derselben Stelle, sie sehen aber unterschiedlich breit aus. Entweder war es eine Neuanschaffung oder der alte Stempel wurde aptiert, war schon stärker abgenutzt und daher sind alle Linien so fett. Ich bin mir nicht sicher was hier stimmt.

Wenn ich hier einen Beleg zeige, kommt der Stempel auch demnächst in die Datenbank.

Kannst Du eigentlich etwas zu den Buchstaben in der Datumszeile zwischen dem Monat und dem Jahr sagen:




Am Stempel von Leysdorp sieht man, dass die Buchstaben (J bzw. C) eingestellt werden können. Der rechte Stempel kommt von der Seite http://www.postmarks.co.za

Viele Grüße
Volkmar
 
umdhlebe Am: 05.02.2019 15:46:58 Gelesen: 1012# 11 @  
@ volkimal [#10]

Lieber Volkmar,

die Stempel waren in diesem Fall scheinbar neu, weil die Schrifttypen andere sind und bei Pietersburg und Haenertsburg offenkundig identisch, auch das Datumsformat ist nun identisch.

Generell war es aber nicht üblich, viele Stempel aus der Zeit der unabhängigen Kolonien (Natal, Kap) bzw. Republiken (Oranje Freistaat, ZAR) wurden bis in die Zeit der Südafrikanischen Union weiter verwendet.

Noch ein Nachtrag zu [#5], in dem nach der Bedeutung der Buchstaben zwischen Monat und Jahr gefragt wird: Dabei handelt es sich um so genannte "time code letters", also Angaben der Uhrzeit (A=1 bis N=12, falls das "J" verwendet wurde, oder M=12 falls es wegen Verwechslungsgefahr mit dem "I" weggelassen wurde). Als diese Regelung in den 1970er Jahren in Südafrika abgeschafft wurde, haben offenbar einige Postämter diese Buchstaben weiter verwendet, um damit ihre Schalter zu kennzeichnen, was aber offenbar spätestens 1977/78 aufgrund eingezogener Stempel zu unübersichtlichem Chaos führte und abgeschafft wurde (so Putzel, The Postmarks of South Africa, Vol. 1, S. 54).

umdhlebe
 
volkimal Am: 05.02.2019 16:08:41 Gelesen: 1008# 12 @  
@ umdhlebe [#11]

Lieber umhiebe,

vielen Dank! Verstehe ich das richtig, dass B=2 und J=10 bedeutet. Welche Uhrzeit steckt dann dahinter? 2 Uhr vormittags kann doch wohl kaum sein oder ist es 2 Uhr nachmittags? Bei J=10 halte ich 10 Uhr vormittags für wahrscheinlicher als 10 Uhr nachmittags (abends). Oder sehe ich das falsch und das System ist ganz anders?

Viele Grüße
Volkmar
 
umdhlebe Am: 05.02.2019 16:56:54 Gelesen: 1005# 13 @  
@ volkimal [#12]

Lieber Volkmar,

leider ist das System der "time code letters" oder "time index letters", die im Cape of Good Hope ab 1864 auftauchen, sehr verwirrend und kompliziert. Die Buchstaben konnten je nach Ort eine andere Bedeutung haben, und änderten sich über die Zeit.

Vor 1894 gab es lokal unterschiedliche Verwendungen. Einige Postämter benutzten sie gar nicht, kleinere Ämter unterschieden Zeitabschnitte von fünf oder sechs Stunden (also quasi Arbeitsschichten), und in Cape Town selbst wurden Buchstaben zeitweise im Halbstundentakt vergeben. Z.B. benutzten Ämter in Cape Town 1892 die Buchstaben A bis P (ohne das "I"), wobei zwischen 6 und 6.30 am Morgen gar kein Buchstabe vergeben wurde (!), von 6.30 Uhr bis 7 Uhr das A, von 7 bis 8 Uhr das B, ..., von 11 Uhr vormittags bis 12.30 Uhr das F, schließlich von 6 Uhr abends bis zum Dienstschluss das P. In Port Elisabeth wurde in derselben Periode bis 8 Uhr morgens gar kein Buchstabe verwendet, von 8 bis 9 Uhr das A, ..., und von 5.30 Uhr abends bis Dienstschluss das H.

1894 wurden zwar die Buchstabencodes vom British Post Office vereinheitlicht, aber nicht gerade verständlicher gemacht. Nun galt das von mir zuvor angeführte System A=1 Uhr, B=2 Uhr bis M=12. Nun wurde das "J" ausgelassen. Es konnte ein Buchstabe sein für die Stunde, allerdings auch zwei, wobei der zweite in Großbritannien die Minutenzahl angab (A=5, B=10), und als dritter konnten nach einem Stern A oder P für "ante" oder "post meridiem" auftauchen. Also "HA * P" für 8.05 Uhr abends.

Um die Sache nicht zu übersichtlich zu machen, bezeichnete der zweite Buchstabe im Cape of Good Hope nicht etwa 5 Minuten, sondern eine Viertelstunde. Schon 1896 tauchen aber wieder abweichende Regelungen auf, und man wird die genaue Bedeutung nur über die lokal gültigen zeitgenössischen "Post Office Guides" herausfinden. Robert Goldblatt hat in "The Postmarks of the Cape of Good Hope" einige Beispiele für Kapstadt, Port Elisabeth und Kimberley aufgelistet. In diesen kann ich beim besten Willen keine Systematik erkennen.

Vermutlich wird es im 20.Jahrhundert umfassendere Vereinheitlichungen gegeben haben, aber eine systematische Aufarbeitung ist mir nicht bekannt. Wie in [#11] erwähnt, schreckte man in den 1970er Jahren noch nicht vor neuem Chaos zurück, als man die Buchstaben für die Kennzeichnung unterschiedlicher Schalter zu verwenden begann.

Gruß,
umdhlebe
 
volkimal Am: 05.02.2019 17:38:55 Gelesen: 997# 14 @  
@ umdhlebe [#13]

Lieber umdhlebe,

das ist ja wirklich ausgesprochen kompliziert. Vielen Dank für die Erläuterungen.

Ich denke, dass es am einfachsten ist, wenn ich in der Datenbank einen Verweis auf deinen Beitrag angebe.

Viele Grüße
Volkmar
 
umdhlebe Am: 05.02.2019 17:56:15 Gelesen: 994# 15 @  
Hallo,

die bibliografisch korrekten Angaben lauten:

Robert Glodblatt, Postmarks of the Cape of Good Hope, Cape Town, Reijger Publishers, 1984, S. 199-202.

Ralph Putzel, The Postmarks of South Africa, Vol. 1, Tokai 1992, S. 11-60.

Die in [#13] genannte Regelung für Großbritannien galt offenbar nur weniger als ein Jahr, indem man nachfolgend schrittweise zu eindeutigen Uhrzeit-Bezeichnungen überging. Vermutlich kehrte man deshalb in Südafrika bald zu lokalspezifischen Regelungen zurück.

Gruß,
umdhlebe
 
volkimal Am: 14.02.2019 11:49:19 Gelesen: 884# 16 @  
Hallo zusammen,

der nächste Brief ist leider sehr schlecht erhalten. Es ist ein Einschreibeumschlag mit einer 4 Pence Marke und Zusatzfrankatur.





Der Brief ist verdreckt, außerdem sind zwei Marken abgerissen worden. Aufgegeben wurde er in Braamfontein B.O. Johannesburg. Zum Vergleich der Stempel von der Seite http://www.postmarks.co.za/PH%20Transvaal.htm

Was bedeutet in dem Fall die Abkürzung B.O. ?

Viele Grüße
Volkmar
 
volkimal Am: 23.02.2019 10:07:34 Gelesen: 770# 17 @  
Hallo zusammen,

heute folgt die Vorderseite eines Kartenbriefes aus Steenbokfontein. Leider wurde der Rest abgetrennt, so dass der Text und der Ankunftsstempel fehlen.



Der Kartenbrief geht an Herrn S. Altenroxel ???, Tzaneen Goo?? Estate. Die Anschrift war Krabbefontein und wurde durch Haenertsburg ergänzt.

Bei Wikipedia [1] ist zu lesen: "Wenig später gründete er zusammen mit dem aus Attendorn stammenden Kaufmann Konrad Plange weitere Farmen um Tzaneen, darunter die Westfalia Tobacco Plantation, Ladengeschäfte und kleine Hotels."

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Schulte-Altenroxel
 
umdhlebe Am: 23.02.2019 19:32:46 Gelesen: 749# 18 @  
@ volkimal [#16]

"Was bedeutet in dem Fall die Abkürzung B.O. ?"

Bin mir nicht sicher, tippe aber spontan auf "branch office".

umdhlebe
 
volkimal Am: 16.03.2019 11:26:51 Gelesen: 569# 19 @  
Hallo zusammen,

heute zeige ich den letzten Brief aus Transvaal an Herrn Plange, den Kollegen von Heinrich Schulte-Altenroxel. Es ist ein Streifband, das leider auch nicht gut erhalten ist:





Streifband aus Johannesburg vom 10. Mai 1906 an Herrn Plange in Krabbefontein. Das untere Wort kann ich leider nicht lesen. Der Ankunftsstempel befand sich vermutlich auf dem fehlenden Teil des Streifbands.

Viele Grüße
Volkmar
 
umdhlebe Am: 16.03.2019 13:30:39 Gelesen: 557# 20 @  
@ volkimal [#19]

Das untere Wort heißt "Zoutpansberg", die nordöstliche Region des Transvaal.
 
volkimal Am: 16.03.2019 13:43:27 Gelesen: 553# 21 @  
@ umdhlebe [#20]

Hallo umdhlebe,

vielen Dank!

Volkmar
 
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