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Thema: Rumänien Inflation 1945-1947 Belege, Marken, Stempel
Das Thema hat 117 Beiträge:
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10Parale Am: 12.11.2025 21:46:25 Gelesen: 13035# 93 @  
@ Zinnenstadt [#91]

Ich muss eine 3. Theorie zu dem Einschreiben aus #90 vorstellen und denke, ich habe damit die exakte Lösung gefunden.

Aber eins nach dem anderen. Es gibt eine ganze Korrespondenz an den "Hilfssekretär Albert Wollmann" in Cleveland. Verschiedene Absender in Rumänien brauchten wohl seinen Rat, worin weiß ich nicht. Aber allein die Berufsbezeichnung "Hilfssekretär" klingt mir nach einer amtlichen, respektvollen Tätigkeit. Warum sollte also bei "wichtiger" Korrespondenz ein Fehler unterlaufen, eine Nachlässigkeit bei der Frankierung, wohl die einfachste Sache der Welt.

Was tun wir, wenn ein Brief so wichtig ist? Wir verlangen einen Rückschein oder zumindest eine Bestätigung, dass der Brief eingegangen ist. Dieses Anliegen gab es auch als Dienstleistung bei der rumänischen Post und kostete Geld, bei Marinescu´s Tabellen findet es sich wieder als folgendes:

"TARE. Taxa adeverire de primire ceruta pe loc"...übersetzt: "Gebühr für die sofortige Ausstellung der Empfangsbestätigung"

Diese betrug in der 6. Inflationsperiode 21.000 Lei. Dann würde sich das Porto aus #90 so zusammensetzen:

- Brief: 15.000 Lei
- Einschreiben: 25.000 Lei
- 6 x Gewicht: 66.000 Lei
- TARE Empfang: 21.000 Lei

Porto: 127.000 Lei
 

Wie komme ich darauf, gibt es etwas, was dafür spricht? Ich habe nun einen zweiten Brief aus der Korrespondenz erwerben können, der auf den ersten Blick absolut seltsam erscheint, weil auch er das Porto von 127.000 Lei aufweist, dafür keine Ankunftsstempel, sondern lediglich einen handschriftlichen Datumsvermerk auf der Rückseite.

Das Einschreiben eines anderes Absenders, ebenfalls aus BRASOV, wurde am 30.IV.47 (also am Letzt-Tag der 6. Inflationsperiode) als mit Luftpost zu befördern frankiert. Die rückseitigen Briefmarken wurden seltsamerweise nicht abgestempelt. Dennoch kommen wir insgesamt auf 127.000 Lei, die sich wie folgt zusammensetzen:

Brief bis 20 gramm: 15.000 Lei
Luftpostzuschlag : 91.000 Lei
TARE Empfang : 21.000 Lei

Porto: 127.000 Lei
 

Mir scheinen beide Briefe nun logisch erklärbar. Der aktuelle Brief scheint den vorangehenden Brief zu bestätigen. Natürlich habe ich ein Problem, denn bei beiden Briefen gibt es kein Anzeichen für die TARE Gebühr, außer dem rückseitigen Vermerk, der unter Umständen etwas mit dieser Dienstleistung zu tun hat. Mir ist auch bewußt, dass alles nur auf einer Theorie basiert.

Liebe Grüße

10Parale


 

Zinnenstadt Am: 13.11.2025 17:01:38 Gelesen: 12950# 94 @  
Hallo 10 Parale,

ich habe erhebliche Zweifel an der Vermutung mit der Empfangsbestätigung. Der Briefumschlag hätte einen entsprechenden Vermerk ("A.R.") tragen müssen, zudem müßten Spuren erkennbar sein, wie der an dem Absender zurükzusendende Beleg an dem Brief befestigt war.

Der weitere [#93] Beleg an Albert Wollmann wirft zudem zusätzliche Fragen auf. Es gab - meines Wissens nach - niemals eine "str. J. Fuchs" in Brasov/Kronstadt. Es könnte sich um eine Tarnadresse handeln.

Bei dem Empfänger könnte es sich um den in Hermannstadt/Sibiu geborenen [1]
handeln; diesem wurde im September 1941 in Cleveland ein Sohn geboren (lt. "Siebenbürgisch Amerikanisches Volksblatt").

Viel Erfolg bei den weiteren Recherchen,
Zinnenstadt

[1] https://obits.cleveland.com/us/obituaries/cleveland/name/albert-wollmann-obituary?id=17791281
 
10Parale Am: 13.11.2025 22:31:33 Gelesen: 12925# 95 @  
@ Zinnenstadt [#94]

Vielen Dank für deinen gut begründeten Einwand. Ja, der Brief aus Kronstadt ist schon etwas seltsam, doch wie können 2 Briefe an den selben Empfänger im Abstand von nur wenigen Tagen jeweils die selbe Portostufe aufweisen, ohne dass dafür eine eindeutige Portobestimmungen vorgenommen werden kann?

Ich hoffe der Händler aus Appleton (USA) wird mir noch weitere Belege aus dieser Korrespondenz anbieten können. Ich konnte einen weiteren entdecken, der am 3.VII.1947 am Anfang der 7. Inflationsperiode in SIGISHORA portogereicht mit 45.000 Lei als einfacher Brief wieder nach Cleveland zu Mr. Wollmann lief. Die Absenderin wohnte in einer Straße, die es auch gibt.

Was mich hier wieder etwas irritiert ist der Tax-Stempel T mit Signatur. War der Brief etwa schwerer als 20 Gramm und musste nachtaxiert werden?

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 14.11.2025 10:22:59 Gelesen: 12873# 96 @  
@ 10Parale [#95]

jetzt muss ich mir selber antworten, denn der Beleg aus [#95] zeigt glasklar 2 verschiedene Datums-Stempel, was natürlich einer Erklärung bedarf.

links oben: 2.VII.947 oder eher 7.VII.947
rechts oben: 3.VII.947

Könnte es sein, dass der Brief im selben Postamt in Sigishoara später auf das richtige Porto nachfrankiert wurde? Erst wurde der Brief mit 15.000 Lei freigemacht, was mir eindrücklich erscheint, und 5 Tage später am 7.VII.947 nachfrankiert? Aber wie soll das gehen?

Liebe Grüße

10Parale


 
Michael Mallien Am: 14.11.2025 12:34:42 Gelesen: 12866# 97 @  
@ 10Parale [#96]

Die vermeintliche "3" im Stempel rechts könnte gut auch eine "6" sein.

Der obere Strich der "3" ist unpassend dünn und könnte anderen Ursprungs sein.

Viele Grüße
Michael
 
10Parale Am: 14.11.2025 19:54:48 Gelesen: 12840# 98 @  
@ Michael Mallien [#97]

Super, auch ein sehr guter Hinweis, der neue Nachdenklichkeit erzeugt. So spannend kann Philatelie sein.

Das es bei dieser Korrespondenz manchmal auch ganz simpel und schön sein kann, soll mein nächster Beleg beweisen. Er lenkt ein wenig ab von den harten Nüssen.

Das Einschreiben wurde am 22. April 1947, - in Sona (Schönau) verfasst -, in Blaj mit einem tollen waagrechten Fünferstreifen der Friedenstaube beklebt und portogereicht mit 36.000 Lei nach Cleveland versandt.

Endlich auch wieder Ankunftsstempel, sogar drei aus den USA. Einer bestätigt den Eingang für Seefahrer in New York am 23.5., der andere die Registratur in Cleveland Ohio am 24. Mai und der ganz rechts ist vom Postamt in Brooklyn (Old Brooklyn), etwa 2 Meilen von der Germaine Avenue entfernt, wo der Sekretär seine geheimnisvolle Arbeit verrichtete.

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 11.12.2025 18:41:37 Gelesen: 12020# 99 @  
Am 11. März 1947 lief dieses Einschreiben von Bukarest nach New York, wo es am 17. und 18. Mai mit 2 Ankunftsstempeln versehen wurde.

Luftpostzuschlag: 10.000 Lei
Einschreiben: 4.200 Lei
Brief bis 20 gr.: 3.000 Lei

gesamt: 17.200 Lei
 

Das Einschreiben ist leicht überfrankiert und eine Friedensmarke zu 7.200 Lei leicht defekt. Interessant der Stempel von "BUCURESTI PARCUL DOMENILOR". Es handelt sich dabei um ein Viertel in Bukarest, dass in den 40-er Jahren des 20. Jahrhunderts entstand.

Liebe Grüße

10Parale


 

10Parale Am: 05.01.2026 15:14:28 Gelesen: 11245# 100 @  
@ 10Parale [#65]

Auch im Jahr 2026 wird mich das Thema hoffentlich noch lange beschäftigen. Was die Frankatur (Marken und Nominale) betrifft habe ich heute das Vergnügen, einen identischen Beleg wie aus [#65] vorzustellen. Empfänger ist auch wieder John Baia.

Ein Brief ist ja nichts anderes als ein geometrischer Quader, wobei die Kantenlänge b im Vergleich zu den Kantenlängen a und c zu vernachlässigen ist. Das Volumen eines Quaders wird ja als V = a x b x c bestimmt. b ist nur dann für das Porto ausschlaggebend, wenn sie als Dicke definiert ein gewissen Maß überschreitet.

Warum ich dass erwähne? Die philatelistischen Bestandteile des Briefes scheinen in etwa gleichmäßig in die 4 Ecken des Briefes platziert worden zu sein. Dabei benutzte der Absender ein Dreierstreifen (linke untere Ecke) und ein Zweierstreifen (rechte untere Ecke) des 50.000 Lei Wertes in orange. Oben links ist der 20.000 Lei Wert angebracht, rechts oben das Einschreibelabel.

Dass der Verfasser des Briefinhaltes in GIURGIU weilte, muss der Inhalt wohl über die Zentrale in Bukarest geschickt worden sein, von dort ging das Einschreiben mit 270.000 Lei frankiert portogerecht am 16. Juli 1947 auf den Weg nach Kanada, wo es rückseitig am 22. bzw. 23. Juli mit AK-Stempeln versehen wurde.

Das Porto setzt sich wie folgt zusammen:

Brief bis 20 gramm: 45.000 Lei
Einschreibegebühr: 65.000 Lei
Luftpostzuschlag für Kanada: 160.000 Lei

Summe: 270.000 Lei

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 09.01.2026 15:31:05 Gelesen: 11069# 101 @  
Der Satz "Friedensschluss" vom 25.02.1947 wurde auf diesem Überseebrief in die USA total verklebt. Zu einem Satzbrief mit korrektem Porto (15.000 Lei) fehlten aber noch 3.900 Lei. Dies wurde mittels eines roten Maschinenstempels mit der Nominalen von 4.000 Lei vervollständigt. Es ist eine leichte Überfrankatur von 100 Lei festzustellen, doch alles in allem ein interessanter Beleg vom 21. Mai 1947 von Bukarest nach Los Angeles.


 
10Parale Am: 18.01.2026 19:12:18 Gelesen: 10809# 102 @  
Für mich ein Top-Beleg, portogerecht frankiert, ausgehend von Braila am 28. April 1947 nach Walkerwille (Canada) aus der BAIA - Korrespondenz.

Brief bis 20 gramm: 15.000 Lei
Luftpostzuschlag : 91.000 Lei
TARE Empfang : 21.000 Lei

Porto: 127.000 Lei
 

Insgesamt wurden 20 Marken verklebt, rückseitig 15 zusammenhängende Bogenmarken mit teilweise oberer Bogenrand der Freimarke König Michael I. vom März 1947 (Michel Nr. 1029). Dies ist mein erster Brief mit Bogenrand in dieser Größe, 12 Marken sind gut erhalten, die untere Reihe auf Grund der Beförderung authentisch zerfleddert.

Schönen Abend

10Parale


 

10Parale Am: 14.02.2026 21:26:01 Gelesen: 9844# 103 @  
Schöner U.S. CIVIL CENSORSHIP Stempel auf einem mit insgesamt 15.000 Lei (6 x 2.500 Lei) portogerecht freigemachten Brief von BRASOV (19.V.47) nach BERLIN LICHTERADE, dort meiner Meinung nach in die Prinzessinnenstraße.

Liebe Grüße und schönen SONNTAG.

10Parale


 
10Parale Am: 04.03.2026 20:35:14 Gelesen: 9163# 104 @  
@ 10Parale [#103]

7. Inflationsperiode, 45.000 Lei portogerechte Brieffrankatur, CIVIL CENSORSHIP

Abgangsort: Radauti
Empfangsort: Berlin
 

Schöner Brief mit einem senkrechten Dreierstreifen vom 13. August.

Liebe Grüße

10Parale


 

10Parale Am: 25.03.2026 21:57:28 Gelesen: 8456# 105 @  
@ 10Parale [#104]

WANTED - dead or alive ...so hat Heinz 7 einen Beitrag eröffnet, wo er eine seltene Marke aus dem Fürstentum Moldau zur Fahndung ausschreibt.

So ähnlich geht es mir bei dem folgenden Beleg aus der Nachkriegszeit Rumänien.

Prinzipiell sind Inflationsbelege aus dem Jahr 1945 seltener anzutreffen, wenn dann noch ein Expres-Label dabei ist, ist das schon ein kleiner Schatz. Wenn dann noch rätselhafte Stempel und Zensurmerkmale auftreten, wow! Briefe der 2. Inflationsperiode sind wirklich schon rar. Ich weiß, immer wenn man so etwas behauptet, schafft man sich Konkurrenz, aber die belebt bekanntlich das Geschäft.

Das Porto dieses Briefes setzt sich wie folgt zusammen:

Brief bis 20 gramm: 350 Lei
Einschreiben : 500 Lei
Express-Zustellung: 750 Lei

Summe: 1600 Lei
 

9 Marken der 160 Lei Marke (Michel Nr. 953y) kleben auf dem am 15. November 1945 in Bukarest aufgegebenen Einschreiben. Links unten fehlt also eine Marke, man sieht das auch deutlich am abrupten Stempelschluss. Der Beleg ging nach Brooklyn, wurde zensiert und hat einen seltsamen sowjetischen Stempel, den ich noch nicht deuten kann. AK in Brooklyn am 23. Januar 1946.

Liebe Grüße

10Parale


 

KaraBenNemsi Am: 28.03.2026 14:25:36 Gelesen: 8268# 106 @  
@ 10Parale [#105]

und hat einen seltsamen sowjetischen Stempel, den ich noch nicht deuten kann

Die Antwort darauf steht übrigens in dem zweiten Thema, das Du dazu eröffnet hast:

https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=21786

Beste Grüße

KBN
 
10Parale Am: 07.04.2026 20:36:05 Gelesen: 7879# 107 @  
@ KaraBenNemsi [#106]

Ich hatte die Antwort gelesen und möchte mich sehr herzlich dafür bei dir bedanken. Super! Ich besitze das Buch POSTZENSUREN IN RUMÄNIEN 1913 - 1950 von Telegut - Thielk (1987 erschienen in der ARGE Zensurpost e.V.) und dort sind diese sowjetischen Zensurstellen in Rumänien nicht erwähnt.

Heute erreichte mich dieser schöne Beleg aus der 6. Portoperiode, die 3 Monate währte. Beim Porto schlug der Luftpostanteil mit 91.000 Lei zu, der Brief selbst kostete 15.000 Lei und das Einschreiben machte nochmal 21.000 Lei aus, also insgesamt 127.000 Lei.

Sehr schön der Sechserblock der Michel Nr. 1031, König Michael I. zu je 21.000 Lei auf der Rückseite des Beleges. Der Beleg wurde in SIGISHOARA am 4. Juni 1947 aufgegeben und stammt aus der hier schon öfters dargebotenen BAIA-Korrespondenz.

Auf der Rückseite versteckt sich ein zarter grünblauer Stempel von TORONTO REGISTRATION vom 18. Juni 1947.

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 13.04.2026 20:05:22 Gelesen: 7496# 108 @  
Heute zeige ich einen weiteren Beleg der 6. Portoperiode mit einem hohen Luftpostanteil von 91.000, insgesamt wurde der Beleg mit 34 Marken und 127.000 Lei portogerecht frankiert.

Herkunft: Korrespondenz BAIA
Absenderstempel: TIMISOARA am 24. April 1947
rückseitiger DK-Ovalstempel Canada[/PRE]

Die Marken wurden in 5 Reihen überklebt, da sie sonst rückseitig keinen Platz auf dem Couvert gefunden hätten.

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 21.05.2026 16:30:28 Gelesen: 5934# 109 @  
Bei der kürzlich stattgefundenen BURDA Auktion in Prag konnte ich eine kleine Korrespondenz von Inflationsbelegen recht vorteilhaft erwerben. Danke dafür auch Thomas F. von der ARGE Rumänien, der mir den kleinen Hinweis gab und ohne den ich nicht auf die Angebote gestoßen wäre.

Der hier gezeigte Beleg lief in der 3. Inflationsperiode (01.03.1946 - 31.05.1946) am 12. MAI 1946 von Bukarest nach Bratislava. Die 17 Marken (sortiert nach Wertstufen: 1,2,5,12,15,20,50,55,80,100,160,200,400 Lei) ergeben zusammen die portogerechte Gesamtfrankatur von 2.400 Lei.

Sicherlich war die Korrespondenz philatelistisch beeinflusst, das tut der Sache jedoch keinen Abbruch, diese Farbkomposition könnte auch gut als Kunst durchgehen.

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 22.05.2026 14:08:23 Gelesen: 5874# 110 @  
Diese Tage bekam ich Post aus Amerika von einem Händler in Appleton. Er schickte mir diesen leicht überfrankierten Inflationsbeleg, der am 6. Mai 1947 in Mediasch mit 36.200 Lei freigemacht wurde und an die Evangelische Sächsische Kirchengemeinde in Cleveland, Ohio lief.

Einschreibegebühr 6. Infla-Periode: 21.000 Lei
Brief bis 20 gr. " : 15.000 Lei

Summe: : 36.000 Lei
 

Was mich erstaunte und überraschte und zu weiteren Forschungen animierte, war der komplette Brief des Absenders, der sich noch in der Briefhülle befand.

Ich musste mich wieder mal mit dem 2. Weltkrieg beschäftigen und seine Auswirkungen auf Rumänien. Ausgelöst durch den Frontenwechsel Rumäniens am 23. August 1944 versuchten deutsche Behörden die verbliebene deutsche Bevölkerung "zwangsweise nach Deutschland" zu evakuieren. Im beiliegenden Bittgesuch eines Lehrers haben wir das gesamte Geschichtsbild vor Augen. Er schreibt:

"Mein Frau und mein Sohn wurden im September 1944 mit dem notdürftigsten Gepäck zwangsevakuiert u. somit von mir getrennt. Es ist unsagbar schwer, seine Lieben so schwer leiden und entbehren zu wissen, ohne ihnen helfen zu können."

Im weiteren Verlauf bittet er um eine Kleiderspende für seine Frau und seinen Sohn, beschreibt ihre Körpermaße und erwähnt dann auch als Lieferadresse das LAGER KEMATEN bei Innsbruck in Tirol. Tatsächlich existierte dort ein Lager für Zwangsevakuierte aus Osteuropa.

Manchmal wird man durch Philatelie einfach zum Forscher und Geschichte wird lebendig.

Liebe Grüße

10Parale




 

10Parale Am: 28.05.2026 20:04:06 Gelesen: 5558# 111 @  
Manche Belege sind rätselhaft und einfach zugleich, so wie dieser:

Am 30.04.1947 in Agnita (Rumänien bei Hermannstadt) mit 15.000 Lei freigemacht (portogerecht 20 gr. normaler Brief) sollte der Brief nach Cleveland/Ohio gehen zu der bekannten Adresse Albert Wollmann.

Der Brief landete aber zunächst in München (der rückseitige AK zeugt davon, das Datum ist leider nicht lesbar) und wurde dort dann 09.05.1947 mit einem Zensur-Maschinenstempel entwertet, lief er dann in die USA?

Seltsamer Transportweg, es gibt auch keinerlei Stempel von den USA, wie sie in dieser Korrespondenz eigentlich gewöhnlich sind. Wurde der Brief einfach nur mit befördert? Auf jeden Fall konnte ich ihn nun bei einem Händler in den Vereinigten Staaten erwerben, also irgendwie ist er doch in die USA gekommen.

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 09.06.2026 21:15:44 Gelesen: 5256# 112 @  
Diese portogerechte Frankatur (6. Portoperiode) zu 127.000 Lei und Abstempelung eines Inflationsbeleges vom 01.VI.47 aus Sigishoara sprach mich besonders an. Ein 6-er Bogen vom rechten Seitenrand der Michel Nr. 1031, Freimarke König Michael I. zu 6 x 21.000 Lei (rosalila) findet man nicht allzu oft.

Auch die 4 Abstempelungen sind nicht wirkungslos. Beonders der Stempel von WALKERVILLE POSTAL STN. WINDSOR ONT. vom 20. Juni 47 kommt recht klar zum Vorschein.

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 27.06.2026 11:15:22 Gelesen: 4718# 113 @  
Aus der letzten, der 7. Inflationsperiode, die vom 01.07. - 21./22.08.1947 dauerte, ist es nicht immer leicht, schöne Belege wie diesen zu finden.

Portogerechte Freimachung mit insgesamt 270.000 Lei (davon 160.000 Lei Luftpostzuschlag) am 4. Juli 1947 in Sibu als Einschreiben aufgegeben, rs. AK von Cleveland, Wollmann-Korrespondenz.

Den 5-er Bogen des Höchstwertes aus dem Satz Freimarken König Michael I. aus 1947 mit dem Wert zu je 50.000 Lei ist nicht allzu oft vorzufinden. Bei den allgemein sehr niedrigen Bewertungen der Inflationsmarken durch Michel (andere Kataloge dito) ist es nicht damit getan, hier gleich 5 x 0,80 Cent = 4,00 Euro anzusetzen, sondern hier entsteht von selbst ein höherer nachfrageorientierter Preis.

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 07.08.2026 20:10:53 Gelesen: 3320# 114 @  
DAS 661-RÄTSEL

meiner Amateur-Sammelerfahrung gemäß sind Belege aus der 1. Inflationsperiode vom 1.Mai - 31.Oktober 1945 trotz der 6 Monate Dauer die seltensten aller Inflationsperioden. So einen kann ich heute vorzeigen und er ist tatsächlich eine harte Nuss zu knacken.

Faktisch lief er in Mihaileni verfasst von Dorohoi am 02. Oktober (Stempel Dorohoi) nach Stockholm, wo er am 03.12.1945 mit einem wunderschönen Ankunftsstempel versehen wurde.

Welches Porto war notwendig für ein Einschreiben und in welcher Gewichtsstufe befinden wir uns?

Eine handschriftliche 72 könnte 72 gramm bedeuten, was einen Zuschlag von 3 x 25 Lei = 75 Lei erforderte. Der einfache Brief kostete eine Grundporto von 45 Lei. Zählt man noch die Einschreibegebühr von 60 Lei dazu macht das eine Gesamtporto von 180 Lei. Wir haben aber 196 Lei: 1. Nuss zu knacken (daher der Rätsel-Name).

Das Einschreiben müsste über JASI (Stempel 5. Ocotober) und dann weiter über Russland nach Stockholm gelaufen sein. Es gibt einen russischen Zensurstempel nebst dem rumänischen Zensurstempel.

Die Freimachung erfolgte mittel Freimarkensatz 1940/42 Michel Nr. 661 (16 Lei) und 665 (100 Lei) zuzüglich 4 x 939 x 20 Lei blau.

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 11.08.2026 19:16:51 Gelesen: 3100# 115 @  
@ 10Parale [#114]

Heute zeige ich mal was Besonderes und Spezielles, was besonders Heinz 7 und alle Schweizer interessieren dürfte. Es handelt sich um 2 Ganzsachenpostkarten mit Zusatzfrankatur, die am

- 1. Mai 1947 von Sibiu (Mihai Vladoianu)
- 23./24. Mai 1947 von Bukarest (W. Lazarovici)
 

nach Neuchatel an einen Roger Moreillon liefen.

Die Texte sind sehr interessant. Die Abkürzung "C.F.M.B." taucht unabhängig in beiden Texten auf und könnte was bedeuten? - eine rumänische philatelistische Zeitschrift?

Herr Lazarovici beschreibt sich selbst als EHRENMITGLIED "membre d´honneur" eines Tauschvereins (mit Amerika?).

Doch ich komme mal zum Punkt, weshalb es sicher Heinz 7 und alle Schweizer freuen wird, diese Karten zu lesen.

- Am 1. Mai 1947 (Inflationsperiode 6) beträgt vorgeschlagener Kurs FRANKEN - LEI = 1:5000
- AM 23/24. Mai 47 (" 6) beträgt vorgeschlagener Kurs FRANKEN - LEI = 1:50.000
 

Die nächste Inflationsperiode begann aber erst am 01.Juli 1947. In einer galoppierenden Inflation kann man ja die Entwertung der eigenen Währung spüren bzw. vorausahnen. War dies der Grund, weshalb der Kurs in beiden Briefen der selben Inflationsperiode solche Sprünge machte?

Für mich auf jeden Fall ein sehr interessantes Studienobjekt. Übrigens bestellt Herr Lazarovici einen ZUMSTEIN KATALOG 1947 und man sieht, welches Ansehen dieser Schweizer Kataloghersteller in Rumänien genoss.
Die Vorderseiten der GSPK´s im nächsten Thread.

Liebe Grüße

10Parale




 

10Parale Am: 12.08.2026 16:24:34 Gelesen: 3019# 116 @  
@ 10Parale [#115]

Hier die beiden Vorderseiten der im oberen Beitrag erwähnten Ganzsachen. 11.000 Lei wäre das korrekte Porto.

Der Absender aus Sibiu schreibt sinngemäß: "Um Ihnen eine Wohltat zu erweisen, habe ich den kompletten "Friedens-Satz" auf die C.P (Postkarte) geklebt".

Liebe Grüße

10Parale


 
10Parale Am: 13.09.2026 18:53:20 Gelesen: 1880# 117 @  
"...lieber einen Diamant mit Einschlüssen als eine Lupenreine Glasperle (überfrankierte Sammlerbriefe die es genügend gibt)."

Ich zitiere hier mal Martin de Matin, der in einer anderen Beitragsreihe diesen sehr weisen Satz geschrieben hat. Man ist ja immer hin- und hergerissen. Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit erinnern, als wir in die Plattenläden liefen, wenn die Stones oder Led Zeppelin oder Queen eine neue LP herausbrachten. Man mochte den Satz halt komplett, ähnlich wie Briefmarkensammler. Und wer kann es verdenken, dass man mal solche einen Satz weghaut, einen Brief damit beklebt, auch wenn er dadurch überfrankiert ist?

Heute zeige ich mal einen Diamanten mit Einschlüssen aus der Inflationszeit. Er hat alles, was man sich so als Inflationssammler wünscht. Er zeigt den Höchstwert von 50.000 Lei vom März 1947 (Michel Nr. 1036) zusammen mit einem 50 Lei Wert (Michel Nr. 945), was nicht allzu häufig vorkommt, er zeigt sehr viele verschiedene Werte und es fehlt auch eine Marke, die man definieren kann, nämlich es fehlt die Michel Nr. 971, die 5000 Lei blauschiefer, die abgefallen ist. Denn der Brief bringt es "nur" auf 265.000 Lei, doch die sind sehr bunt auf den Beleg gepflastert worden.

Ein 50.000 Lei Wert befindet sich hälftig auf der Rückseite des Umschlages.

Das Einschreiben "PRIV AVION" wurde am 16. Juli 1947 von SIBIU nach CLEVELAND OHIO versandt. 160.000 Lei Luftpostzuschlag, 45.000 Briefporto und 65.000 Lei Einschreibegebühr machen das Gesamtporto von 270.000 Lei aus.

Interessant ist auch der Zusatz in der Adresse "Westseite Sachsenheim" "3810 Germania OW". Damit handelt es sich bei dieser Korrespondenz wohl um das Ansinnen der Rumäniendeutschen, die am Ende des 2. Weltkrieges der Hilfe bedurften und diese in Amerika fanden.

Liebe Grüße

10Parale


 

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