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Thema: Deutsches Reich Feldpost 1. Weltkrieg
Das Thema hat 1116 Beiträge:
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DERMZ Am: 28.07.2026 15:21:13 Gelesen: 45421# 1092 @  
Guten Nachmittag,

eigentlich bin ich im falschen Thema, es ist KEINE Feldpost, die mir vorliegt, aber doch ein längerer gut lesbarer Brief aus dem Dezember 1916. Das Kuvert ist in einem erbärmlichen Zustand, ich finde es nicht zeigenswert.



Frau
Reg. Landm. Fenner
Limburg / Lahn
Werner-Sengerstr. 13 II

Marburg/L
Hofstadt 11I

./.

Marburg, 17. Dez.1916
Meine liebe Käthe!
Schon alle Tage wartete ich
auf eine Nachricht von Dir,
vor allen Dingen etwas von
oder über Karl zu hören.
Nun ist leider der Päckchen-
termin abgelaufen & der arme
Karl bekommt zum Fest nun
nichts von uns, als einen Brief
den ich ihm noch heute schreiben
will. Daß Du nun bei Eurer
Unpässlichkeit nicht zum Schreiben
kommst ist ja begreiflich. Lillochen
hat wohl eine Influenza gehabt
& Dich nun angesteckt.

./.

Hoffentlich wirst Du nun
nicht ernstlich krank. Ver-
suche gleich tüchtig zu
schwitzen & trinke mal tüchtig
Cognak, der soll gerade bei
Infl. so wirksam sein.
Wie ist es nun mit Karl,
ob er zum Fest Urlaub be-
kommt? Wenn nicht, dann
soll ich Euch einladen, nach
hier zu kommen, da wir doch
zwischen den Jahren schlachten
wollen & müssen. Am 1. Jan.
sollen wegen dem Schlachten
wieder neue Verfügungen
heraus kommen & dann sind
Wir weiteren Scherereien ent-

./.

hoben, auch kann Trinchen wegen
der knappen Kartoffeln unser
Schwein nicht länger mästen.
Das Schlachtgesuch habe ich
schon Montag letzter Woche ge-
macht & noch nicht zurück, denke
mir aber, dass es wegen der Tei-
lung mit Dir erst zum dortigen
Landratsamt geht & wird es wohl
in den ersten Tagen zurück-
kommen.
Eine grosse Neuigkeit habe ich
noch für Dich – gestern war
Herr Trieschmann * hier & erzählte
uns, dass seine Frau mit
Erika durchgegangen ist.
Er soll versetzt werden & hat
sich in voriger Woche seine

./.

neue Sache angesehen & wie er
abends heim kam, wars Nest leer.
Fr. Tm. ist seit Sept. nicht mehr
bei uns gewesen. Alle Einzel-
heiten erzähle ich Dir mündlich,
zum Schreiben ist mir das zu
schmutzig. Jedenfalls ist er ein
Ekel in meinen Augen.
Nun bitte ich Dich, lb. Käthe, wenn
es Dir selbst schwer fällt, lass Frau
Ziska eine Karte schreiben, ob wir
Euch erwarten dürfen, da sonst
Euer Packet Mittwoch fort muss.
An Willi hatte ich vorigen Sonntag
ein Eilpaket, was 1Mk. kostete abge-
sandt & Mittwoch abend hat er es glücklich
gehabt. Ach Gott, nun hätte ich ja
beinahe vergessen, herzl. Dank für
das heute früh erhaltene Paket zu sagen.
Auf das schöne Brot freuen wir uns & diese
grossen Brötchen – also vielen Dank,
auch für die schönen Zwiebäcke.

./.

Und nun Euch beiden Lazarussen recht
gute Besserung & viele herzl. Grüße &
Küsse von
Omama & Tante Willi.

./.

Bitte sofort
eine Karte!

Die genaue "Leidensgeschichte" von Lehrer Johannes Trieschmann, damals wohnhaft in der Savignystraße 9 in Marburg werden wir nie erfahren, klingt aber durchaus spannend.


Viele Grüße Olaf
 
Briefuhu Am: 13.08.2026 08:10:56 Gelesen: 38087# 1093 @  
Zwei Feldpostbriefe vom 09.04.1918 und 19.04.1918 vom Pferdelazarett Sundheim/Kehl nach Waldeck bei Sachsenhausen. Absender Fahrer? Drabes?, Fußartillerie-Regiment Nr. 24.







Schönen Gruß
Sepp
 
Zinnenstadt Am: 10.09.2026 09:09:03 Gelesen: 25135# 1094 @  
Der Text auf Feldpostkarten ermöglicht oft interessanten Einblicke in den Alltag der Soldaten im Felde, gibt manchmal aber auch Rätsel auf und läßt Vermutungen bzw. Spekulationen zu. So auch die Karte, welche der Kan.(onier) Lehmann vom Stab der 212. Infanterie-Division (9. Königlich Sächsische) am 20.6.1917 an Hildegard Tränkner in Zöblitz schrieb.



Der Text auf der Rückseite der Ansichtskarte lautet:

"Liebe Hildegard!
heute geht ein Päckchen Wäsche und das Paket Erbsen ab. Hoffentlich kommen sie gut an. Ehe ich weitere Erbsen kaufe, will ich erst euer Urteil, daß ihr hoffentlich auch auf das kleine Muster geben könnt. Mais haben wir gestern wieder eine Sendung erhalten. Wenn möglich sende ich wieder etwas. Herzlich grüßt dich Max. Grüsse an [nicht lesbar]."

Unterhalb der Empfängeradresse schreibt der Absender "Unser Büro in Gradistea. Wo X, das bin ich." Vermutlich hat der Absender der Ansichtskarte ein Foto beigelegt und die Sendung in einem Umschlag auf den Weg gebracht. Daher trägt die Feldpostkarte auch keinen Stempel. In Rumänien gibt es mehrere Ortschaften mit dem namen "Gradistea". Der Absender meint vermutlich die südöstlich von Ramnicul Sarat (deutsch: Rimnick) gelegene Ortschaft. Sie liegt heute im Kreis Braila. Nach der Besetzung der Region durch die Mittelmächte wurde Grădiștea zu einem wichtigen rückwärtigen Stützpunkt. So war dort beispielsweise ab Frühjahr 1917 das sächsische Feldlazarett 177 untergebracht, um verwundete Soldaten der Ostfront zu versorgen.

Auf der Vorderseite hält der Schreiber fest:
" Die Flüsse sind hier in der warmen Jahreszeit teils sehr, teils gänzlich ausgetrocknet. Nur Flüsse mit größerem Zustrom, wie der Sereth erhalten, sind auf gewisser Höhe. - Morgen früh um 6 gehts in die Erdbeeren".

Das Interesse des Kanoniers für Gemüse (Erbsen) und Obst (Erdbeeren) könnte darauf hindezten, daß er ein besonderes Faible für die Landwirtschaft hat oder parallel zu seinen militärischen Aufgaben einen Handel mit Agrarprodukten betrieben hat.

Besten Gruß,
Zinnenstadt
 
Latzi Am: 10.09.2026 09:56:47 Gelesen: 25119# 1095 @  
@ Zinnenstadt [#1094]

Vielleicht verfügte er einfach Möglichkeiten, seine Angehörigen (unter der Hand) zu versorgen. Die Ernährungslage in Deutschland war teils sehr schlecht:

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/erster-weltkrieg/alltagsleben/lebensmittelversorgung

Grüße
Lars
 
inflamicha Am: 12.09.2026 22:50:15 Gelesen: 24412# 1096 @  
Guten Abend,

ein Feldpostbrief nach Lauf/Pegnitz:



Gestempelt wurde mit BISPING (LOTHR.) 3 8 16 * 7-8 V. *. Das heute wieder französische Belles-Forêts mit 224 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) liegt im Département Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen).

Gruß Michael

[Redaktionell kopiert aus dem Thema "Kreisobersegmentstempel auf Belegen - Kreisstempel mit Segment oben"]
 
Gauss Am: 13.09.2026 08:43:33 Gelesen: 24231# 1097 @  
@ Zinnenstadt [#1094]

Grüße an Eltern und Geschw.
 
Zinnenstadt Am: 14.09.2026 21:38:55 Gelesen: 23763# 1098 @  
@ Gauss [#1097]

Vielen Dank für die Ergänzung!

Schönen Abend,
Zinnenstadt
 
evwezel Am: 27.09.2026 09:16:56 Gelesen: 18039# 1099 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ich zeuge euch heute eine Feldpostkarte, die am 20. November 1914 verschickt wurde.

Viele Grüße

Emiel



—-
Bouillon [1], den 20. Nov. 14.

Lieber Bruder u. Schwägerin!

Seit vorgestern sind wir hier
in diesem schönen Städtchen in
der Kaserne einquartiert
u. es sendet Euch die besten
Grüße
Georg
Balthasar Karl

Feldpoststempel
K.D. FELDPOSTSTATION
Nr. 7. [2]
20/11

Feldpostvermerk
Feldpostkarte

Anschrift
An
Herrn
Peter Kaffenberger
in Ober-Ostern [3]
Post: Reichelsheim i/Odenwald [4]
Großherz. Hessen [5]

[1] Die mittelalterliche Stadt Bouillon, die an der Semois in den Ardennen liegt, wurde bereits im August 1914 während des deutschen Einmarschs in Belgien von der deutschen Armee besetzt. Im Oktober 1914 war die Region vollständig besetzt und lag tief im deutschen Hinterland. In dieser Zeit diente Bouillon als logistischer Knotenpunkt für die deutsche Armee.

Während des Ersten Weltkriegs nutzten die Deutschen die Caserne Vauban (auch bekannt als École Régimentaire) in Bouillon.

Dieser historische Komplex am Boulevard Heynen, der ursprünglich um 1690 von dem französischen Festungsbaumeister Vauban entworfen worden war, diente kurz vor dem Krieg als Regimentsschule der belgischen Armee.

Nachdem die deutschen Truppen die Region im August 1914 besetzt hatten, erhielt der Komplex eine besondere und dringende Funktion:

- Lazarett (Feldlazarett): In den ersten Monaten der Besatzung wandelten die Deutschen die Kaserne zusammen mit dem örtlichen Hospital (l'hospice) in ein großes militärisches Feldlazarett (ambulance) um. Hier wurden Tausende verwundete Soldaten versorgt, die während der blutigen [Schlacht an den Grenzen] (wie bei den nahe gelegenen Gefechten bei Luchy und Maissin) verwundet worden waren.
- Logistische Besatzungsbasis: Während des restlichen Krieges blieb das Gebäude für die deutsche Garnison in Gebrauch, um Truppen unterzubringen und Requisitionen in der Region zu koordinieren.

Quelle: https://1914-18.be/2022/03/27/kriegslazarett-bouillon/

[2] Feldpoststation 7 “ersetzte die bis Anfang Oktober in Sedan stationierte Feldpoststation Nr. 4 und ist dort bis mindestens Anfang Januar 1915 nachgewiesen” („Die Standorte der deutschen Feldpoststationen Nr. 1 bis 559 im ersten Weltkrieg. ArGe Deutsche Feldpost 1914-1918, 2025, Seite 45”). Dieses Handbuch ist übrigens absolut spitze und muss eine Heidenarbeit gewesen sein!

[3] Ober-Ostern ist ein Ortsteil der Gemeinde Reichelsheim im südhessischen Odenwaldkreis. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Ober-Ostern
[4] Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Reichelsheim_(Odenwald)
[5] Großherzogtum Hessen. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fherzogtum_Hessen
 
Briefuhu Am: 28.09.2026 08:20:56 Gelesen: 17576# 1100 @  
Ansichtskarte von abgebrannten Häusern in Battice (Belgien) gelaufen am 27.03.1915 nach Großröhrsdorf, Stempel der Feldpostexpedition der 53. Reserve-Division und Soldatenbriefstempel Res. Jäger Batallion 25, 1. Kompanie. Ein Soldat schickt Ostergüße an seinen Onkel und seine Tante. Bei der Ansichtskarte fällt der Text auf, der den Grund des Abrennens der Häuser angibt.





Schönen Gruß
Sepp
 
evwezel Am: 28.09.2026 09:36:27 Gelesen: 17553# 1101 @  
@ Briefuhu [#1100]

Hallo Sepp,

dieser Soldat schickt nicht nur Ostergrüße:

Befinden uns jetzt in Moors-
lede in Ruhestellung. Moorslede
liegt ungefähr 10 km [1] nördlich
Ypern und ist ein halb zerschossenes,
von sämtlichen Einwohnern
verlassenes belgisches Nest.


[1] Eigentlich 17 km....

Viele Grüße

Emiel
 
Briefuhu Am: 28.09.2026 13:24:11 Gelesen: 17451# 1102 @  
@ evwezel [#1101]

Hallo Emiel,

vielen Dank.

Schönen Gruß
Sepp
 
evwezel Am: 06.10.2026 19:47:12 Gelesen: 7558# 1103 @  
Liebe Sammlerfreunde,

es ist faszinierend, wie viel Recherche manchmal hinter einem einzigen Feldpostbrief steckt. Heute zeige ich euch ein Exemplar, das noch immer nicht all seine Geheimnisse preisgegeben hat. So habe ich noch folgende Fragen:

1. Was bedeutet die Abkürzung „B. Nr.“ im Briefstempel?
2. Welchen Dienstgrad hatte Herr Amsberg? Könnte es die Abkürzung "Ldstm" (Landstürmer) sein?
3. Kann jemand den erwähnten Straßennamen lessen? Es gibt in Malchin eine Straße mit dem Namen “Peenestraße”, aber dieser Name passt nicht zum Schriftbild.
4. Kann jemand etwas zu der “medizinisch-chirurgische Sanitätsausrüstung” sagen? Was war ihre Hauptaufgabe?

Viele Grüße

Emiel





---
Textseite
8. Juni 1918

Meine Lieben,

Ihr laßt ja sehr wenig von Euch
hören. Hier ist noch alles beim
Alten. Wir haben hier ein wun-
derbares Wetter, es könnte aber
etwas regnen. Flieger kom-
men hier genug, aber sie
werfen hier keine Bomben,
das machen sie in Cambrai
u. Valenciennes, wo sie mehr
Schaden ausrichten können. In
Cambrai sind sie ja jede Nacht,
u. in Valenciennes haben sie in
letzter Zeit auch bös gehaust[1]. 1.
Pfingsttag[2] haben sie dort 82
Bomben abgeworfen, sehr
viel Zivil u. auch L(oß?)tleute[3]
tot. Auch in Blanc-Misseron ist
es jetzt nicht geheuer. Vor 3
Wochen ist dort der Munitions-
Depot in die Luft gegangen.
In V., das 16 km ab liegt, sind
die Fensterscheiben gesprungen.
Hier ist es noch am sichersten.

Text Anschriftseite
Vorgestern habe 1 Pak(et)
mit Hausschuhen ab-
gesandt. Meine 3 Pak(ete)
werden wohl verlo-
ren sein. Das Geld von
Onkel H. ist wohl zu-
rückgegangen.
Gruß Heinrich

Absender
(…)
Amsberg
Et(appe). Sanitäts Dep. 2
Zweigdepot 32

Deutsche Feldpost
Nr. 261

Anschrift
Herrn
H. Amsberg
Malchin[4]
Mecklbg [5]
P(…)estr [6]

Feldpoststempel
FELD-POST
9 6

Briefstempel
Etappen-Sanitäts-Depot 2
Medizinisch-chirur. Sanitätsausrüstung
B.Nr.

Feldpostvermerk
Feldpostbrief

[1] Bedeutet, dass an einem Ort stark gewütet, oder etwas beschädigt wurde.
[2] Der 1. Pfingsttag fiel im Jahr 1918 auf den 19. Mai.
[3] Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Losmann_(P%C3%A4chter)
[4] Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Malchin
[5] Mecklenburg
[6] Es gibt in Malchin eine Peenestrasse, aber dieser Name passt m.E. nicht zum Schriftbild.

---
1. Explosion in Quiévrechain
Quelle – https://civils19141918.canalblog.com/archives/2011/06/05/21321352.html
Auszug aus dem Buch von René Delame: „ Valenciennes Occupation allemande 1914-1918. Faits de guerre et souvenirs" Verlag Hollande & Fils ed. 1933 (automatisch übersetzt)

<< Am Samstag, dem 1. Juni 1918, weckte uns wie jede Nacht um Viertel nach Mitternacht die Sirene.
Diesmal fielen die Bomben in der Umgebung von Artres und Condé, wo die Flieger trotz des Feuers der Deutschen so tief hinabgingen, dass sie ihre Maschinengewehre gegen die Truppen einsetzten, die sich auf dem Marsch befanden.
Um halb acht Uhr erfolgte eine neue Warnung: Die Flugzeuge setzten ihren Weg in Richtung Belgien fort, ohne Bomben abzuwerfen. Diesmal sollten sie ihr Ziel nicht verfehlen, denn um halb zehn Uhr hörten wir eine gewaltige Explosion. Zahlreiche Fensterscheiben waren in der Stadt sowie im Museum zerbrochen. Bei Herrn Delsart, dem Fotografen in der Rue Saint-Géry, war die Erschütterung so stark, dass die Scheibe trotz des heruntergelassenen eisernen Rolladens in Stücke flog.
Bald erfuhren wir, dass die gut platzierte Bombe auf die Munitionsfabrik gefallen war, die im Betrieb des Herrn Ruelle in Blanc-Misseron eingerichtet worden war.
Auf den Feldern war die Erschütterung so stark, dass Bauern zu Boden geschleudert wurden.
Wir kannten die Zahl der Verwundeten noch nicht: Man sprach bereits von hundertfünfzig oder sogar zweihundert. Jedenfalls konnten wir von Valenciennes aus eine große Rauchsäule sehen, und wir hörten das Knattern der Munition, die weiterhin in Abständen explodierte. Die Feuerwehrleute von Valenciennes wurden zum Unglücksort geschickt, und der Befehl traf ein, Crespin, Blanc-Misseron, Quiévrechain und Onnaing hastig zu evakuieren.
Um vier Uhr ertönte ein neuer Alarm: Die Flugzeuge kamen, um ihr Werk zu betrachten.
Die Feuerwehrleute blieben den ganzen Sonntag, den 2. Juni, in Blanc-Misseron, ohne zu essen, um die Straßen abzusperrenund die Toten zu bergen. Große Geschosse, die durch die Explosion weggeschleudert worden waren, fielen wieder herab, ohne zu explodieren. Es war völlig unmöglich, sich diesem Feuerherd zu nähern.
Am 3. Juni 1918 erlebten wir erneut mehrere Luftangriffe, und von meinem Balkon aus hörte ich die Bomben auf die Häuser niedergehen.
Während der Sitzung des Gemeinderats, die am selben Tag stattfand, ertönte die Sirene erneut, und die Feuerwehrleute wurden alarmiert, da infolge des Bombardements ein Bauernhof brannte.
Währenddessen gingen die Explosionen in Blanc-Misseron ununterbrochen weiter.
>>

2. Valenciennes, 19. Mai 1918
Quelle: https://civils19141918.canalblog.com/archives/2011/07/27/21689563.html
Auszug aus dem Buch von René Delame: „ Valenciennes Occupation allemande 1914-1918. Faits de guerre et souvenirs" Verlag Hollande & Fils ed. 1933 (automatisch übersetzt)

<< Am Pfingstsonntag, dem 19. Mai 1918, zeigte sich bei klarem Wetter erneut eine rege Tätigkeit in der Luft. Ein erster Angriff erfolgte gegen 10 Uhr. Die Flugzeuge überflogen die Stadt und wurden von einer sehr heftigen Artilleriesalve empfangen; doch wurde keines von ihnen getroffen. Um 11½ Uhr erfolgte ein neuer Besuch von Flugzeugen. Einige der Geschosse gingen im Bahnhofsviertel nieder; eines davon explodierte hinter der Statue der Carpeaux und zerbrach die Fensterscheiben der Umgebung. Zwei Männer wurden an einem Ort namens „Vert-Gazon“, im westlichen Vorort von Valenciennes, getötet.
Ein Offizier, der gerade über den Boulevard ging, klingelte bei mir, um Schutz zu suchen, und sagte, er fürchte die deutschen Granatsplitter mehr als die französischen oder englischen Bomben. Überraschend war, dass es nicht mehr Opfer gegeben hatte, denn die rund um die Stadt und auf dem Flugplatz aufgestellten Flugabwehrkanonen schossen in die Luft, ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung zu nehmen.
Der Direktor der Schule im Faubourg de Paris, die sich in der Nähe des Flugplatzes befand, hörte die Bomben pfeifen und hatte die Geistesgegenwart, alle Kinder hinlegen zu lassen. Auf diese Weise verhinderte er schwere Unfälle.
Der Besuch, den wir um halb sieben Uhr abends erhielten, war ernster, denn diesmal forderte er Opfer und verursachte beträchtliche Schäden. Gegen vier Uhr nachmittags war ich sehr müde und ruhte mich in meinem Garten in Gesellschaft meines Freundes Dupont und meines Bruders Maurice aus, als wir die Sirene hörten, unmittelbar gefolgt von einem heftigen Kanonendonner. Wir sahen daraufhin sechs französische und englische Flugzeuge, die sich in sehr großer Höhe befanden und ein Dreieck bildeten. Der Hauptmann, der diese Staffel führte und sich am Ende befand, schoss eine Leuchtrakete ab. Das war das Zeichen für einen Bombenregen.
Nachdem jede Gefahr vorüber war, kehrten wir in den Garten zurück und sahen eine gewaltige Rauchsäule. Herr Dupont glaubte, es sei seine Bank in der Rue du Quesnoy, die brannte, und jeder von uns eilte zur Unglücksstelle. Eine Bombe war auf die Druckerei der Herren Seulin und Dehon in der Nähe der Kirche Notre-Dame gefallen, und im Nu stand sie in Flammen. Man muss hinzufügen, dass die Deutschen dort ein Benzinlager versteckt hatten.
Die Straßen wurden abgesperrt, und eine der Stadt Saint-Quentin gehörende Feuerspritze wurde unverzüglich in Stellung gebracht. Da die Deutschen jedoch die Kupferrohre beschlagnahmt und durch breitere Rohre aus Zink ersetzt hatten, war der Druck nicht stark genug, um den Brandherd zu löschen. Daher mussten sich die Feuerwehrleute der Gefahr aussetzen, um die benachbarten Häuser zu schützen.
In dieser Druckerei befanden sich sechs Millionen Valenciennes-Scheine, um deren Schicksal sich Herr Dugardin, unser Unterpräfekt, große Sorgen machte. Der mit diesem Dienst betraute Offizier Krown hatte jedoch dafür gesorgt, dass sie in Sicherheit gebracht wurden.
Das Feuer war von solcher Heftigkeit, dass das Haus des Notars Roger und der Schuppen des Doktors Bourlon, die sich in unmittelbarer Nähe befanden, bereits zu brennen begannen. Letzterer wurde trotz der Bemühungen der Feuerwehr, ihn zu schützen, bald ein Opfer der Flammen.
Währenddessen durchstreiften deutsche Soldaten die Räume von Herrn Roger und stahlen, was ihnen unter die Hände kam, unter dem Vorwand, bei den Rettungsarbeiten zu helfen. Der Kommandant traf rechtzeitig ein, um sie hinauszuschaffen, während Herr Roger seine Protokolle rettete.
Der Turm von Notre-Dame, der kaum dreißig Meter vom Brand entfernt war, verschwand in diesem Wirbel aus Rauch und Flammen. Da kam ein höherer Offizier zu mir und sagte mir, ich solle alles, was sich in der Kirche befand, entfernen, da diese großer Gefahr ausgesetzt sei.
Ich benachrichtigte unverzüglich den Bürgermeister und J. Billet, der gemeinsam mit dem Dekan den Feuerwehrleuten Anweisungen gab, die Dachböden des Kirchturms zu untersuchen, wo bereits einige Balken in Flammen standen.
Diese wurden sofort mit Äxten durchtrennt und auf das Straßenpflaster geworfen.
Bei Herrn Dupont senior begann auch der Stall in der Rue du Quesnoy zu brennen, der auf der Rückseite an das Gebäude von Dehon und Seulin grenzte; die Bombe war nur wenige Meter davon entfernt niedergegangen.
Natürlich ging dieser Angriff nicht ohne Unfälle ab. Tragbahren wurden durch die Straßen getragen, und die Priester erteilten hier und dort die Absolution.
>>
 
evwezel Am: 08.10.2026 15:57:11 Gelesen: 4698# 1104 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ich glaube, dass ich euch mit meinem letzten Beitrag in den Schlaf gelullt habe, denn auf meine Fragen ist es beängstigend still geblieben.

Heute möchte ich euch eine Feldpostkarte zeigen, die am 3. Januar 1917 von Karlsruhe nach Bummental geschickt wurde (zumindest hoffe ich, dass ich das richtig gelesen habe). Interessant ist, dass der Schreiber mit Morsezeichen andeutet, wohin er vermutlich geschickt werden soll.

Gehen wir der Reihe nach, um dieses Rätsel zu lösen:

…_ = V
. = e
. _ . = r
_..= d
.._= u
_.= n



Der arme Mann ist nicht zu beneiden.

Viele Grüße

Emiel

—-


Ich lese:

Meine Lieben!

Nun bin ich in meinen neuen
Regt angekommen (Meine Karte wirst wohl
erhalten haben?). Wie mir bekannt komme ich
z. Ers. Res. Inf. Regt. No109 [1] welches anscheinend
bei V. liegt (…_ | . | . _ . | __ .. | .. _ | _ . ) Ich glaube
sicher, daß ich noch einige Tage hier bin.
Bin in der Gutenbergschule[2] III Comp, Zimmer
38 einquartiert. Also auf Wiedersehen
nebst er(…) Grüßen
Euer Johann
Karlsruhe 3.I.17.

Text an der linken Seite
Vielleicht sehen wir uns
nächsten Sommer(?)

Tagesstempel
KARLSRUHE
(nicht lesbar) 1 u
-3.1.17.5-6N

Feldpostvermerk
Feldpostkarte

Absender
Dienstgrad: Sanitätssoldat
Name: Mohr(?)

14. A(rmee) K(orps)
III Komp.
Ers.Res. inf. Regt. Nr 109

Anschrift
An
Herrn
Stephan Ochmann
Postverwalter
Bammental [3]
b/ Heidelberg

[1] Ersatz Reserve Infanterie Regiment No109 - aufgestellt in Karlsruhe, aus dem Ers.-Btl. traten am 21.9.1914 die 3. u. 4. Komp. zum L.-Brig.-Ers.-Btl. Nr.55, 1. Komp. trat am 11.1.1917 zum I.R. Nr.626 und wurde am 14.3.1917 wieder aufgelöst und zum I.R. Nr. 111 versetzt. Das Ers.-Btl./R.I.R. Nr.109 stellte Teile des III. Bataillon des R.I.R. Nr.94 (der 22. Res.-Div.). Siehe https://wiki.genealogy.net/RIR_109.

[2] Wie in vielen deutschen Städten wurden auch in Karlsruhe Schulgebäude für militärische (oder medizinische) Zwecke requiriert. Siehe https://stadtgeschichte.karlsruhe.de/fileadmin/user_upload/07_Mandantenseiten/Stadtarchiv/05_Stadtgeschichte/04_Publikationen/Chronikbaende/10_Dq1_Karl_Chronik_1918_1919.pdf.

[3] Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Bammental
 
Gauss Am: 08.10.2026 16:23:39 Gelesen: 4672# 1105 @  
@ evwezel [#1104]

Der Stempel ist Karlsruhe (Baden).
 
evwezel Am: 08.10.2026 18:15:28 Gelesen: 4591# 1106 @  
@ Gauss [#1105]

Hallo Gauss,

ja, ich weiß. "Baden" (obwohl der Text nicht lesbar ist) hätte ich zwischen Klammern schreiben sollen. Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit!

Viele Grüße

Emiel
 
evwezel Am: 08.10.2026 20:06:51 Gelesen: 4256# 1107 @  
Liebe Sammlerfreunde,

diesmal geht es um eine Feldpostkarte, die am 1. Februar 1915 in Leipzig aufgegeben wurde. Einige Fragen zu dieser Feldpostkarte findet ihr noch am Ende dieses Beitrags.

Viele Grüße

Emiel




—-

Ich lese:

Leipzig Plagw.[1] d. 1/2. 15

Lieber Herr Doktor!

Mit Staunen las ich in Ihrer lieben Karte das
Sie schon seit 11 Wochen beim Rothen Kreuz tätig sind
und auch noch da draußen.
Bernhard ist jetzt verheiratet, er braucht nicht
mit ins Feld er hatt den Unabkömmligschein [2] zuge-
schickt bekommen, ausgehoben war er jetzt auch wieder.
Am 15. dieses Monats werden in Leipzig die Schulen ge-
schlossen, jedenfalls wegen den Landsturm zu Kasernen.[3]

Herzlichen Gruß von
Ihren
B. Kappaun [4]

Viele Gruße von meiner
Frau

Anschrift
Dr. Schmidt
Freiwilliger Krankenpfleger im
Kriegs-Lazarettzug B [5]

Tagesstempel
LEIPZIG
*Plagwitz*
-1.2.15.9-10N

Feldpostvermerk
Feldpostkarte

[1] Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Plagwitz_(Leipzig)

[2] Unabkömmlich-Schein - Ein „Unabkömmlich-Schein“ (oder offiziell die Unabkömmlichstellung, kurz „uk-Stellung“ bzw. historisch auch „Reklamierung“ genannt) war im Ersten Weltkrieg ein offizielles Dokument, das einen Wehrpflichtigen temporär oder dauerhaft vom aktiven Militärdienst an der Front befreite. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Reklamierung

Übrigens verstehe ich den Satz “ausgehoben war er jetzt auch wieder” nicht ganz gut. Unmittelbar zuvor wird erwähnt, dass Bernhard einen Unabkömmlichschein bekommen hat. Dürfte hier gemeint sein, dass Bernhard zwar erneut ausgehoben bzw. militärisch erfasst worden war, aber wegen seiner Unabkömmlichkeit nicht tatsächlich ins Feld musste?

[3] Warum mussten die Schulen wegen “den Landsturm zu Kasernen” geschlossen wurden?

[4] Bernhard Kappaun war Schneidermeister und war wohnhaft auf die Adresse Weißenfelserstraße 6II in Leipzig. Siehe https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/92594/450?tx_dlf_navigation%5Bcontroller%5D=Navigation&cHash=2b7eef6229ba85ff2b6ec7ffb9f4c277

[5] Könnte mir jemand sagen, worauf das “B” im Kriegs-Lazarettzug B hinweist?
 
volkimal Am: 08.10.2026 21:39:43 Gelesen: 4185# 1108 @  
@ evwezel [#1103]

Hallo Emiel,

als du den Feldpostbrief vom 9.6. eingestellt hattest, war der PC schon aus und ich habe ihn nur am Smartphone gesehen.

Dabei erkannte ich das fehlende Wort "Onkel" auf der Anschriftenseite. Das hast Du inzwischen selber auch erkannt, denn es steht jetzt im Text.

Die anderen Lücken konnte ich aber auch nicht lesen. Noch zwei Anmerkungen:

Mitte der Textseite heißt es:
wo sie mehr
Schaden anrichten können.

Beim Briefstempel hast Du die unterste Zeile vergessen:
Deutsche Feldpost Nr.

Zur Karte aus Leipzig vom 01.02.1915. Du schreibst "Übrigens verstehe ich den Satz “ausgehoben war er jetzt auch wieder” nicht ganz gut."

"ausheben" ist ein veralteter Ausdruck für "jemanden einziehen" [1]. Vielleicht ist er zwar eingezogen worden, kam aber auf einen militärischen Posten hinter der Front oder in der Heimat.

Viele Grüße
Volkmar

[1] https://www.dwds.de/wb/ausheben
 
evwezel Am: 08.10.2026 22:35:56 Gelesen: 4133# 1109 @  
@ volkimal [#1108]

Hallo Volkmar,

vielen Dank für deine Korrektur! Das Wort „Onkel“ hatte ich am nächsten Tag plötzlich erkannt und in meinen Beitrag eingefügt.

Ich kenne die Bedeutung von „aufheben“ (das heißt, ich habe das Verb auch im Duden nachgeschlagen), aber in diesem Kontext wirkt es auf mich etwas verwirrend. Der Schreiber erwähnt nämlich, dass Bernhard einen Unabkömmlichkeits-Schein erhalten hat. Deshalb vermute ich, dass er zwar eingezogen bzw. zum Militärdienst herangezogen wurde, aber nicht tatsächlich ins Feld musste. Aber vielleicht liege ich damit auch falsch.

Viele Grüße

Emiel
 
DFP14-18 Am: 09.10.2026 18:48:34 Gelesen: 3369# 1110 @  
@ evwezel [#1107]

Hallo!

Zu den Lazarettzügen ist in den Rundbriefen der ArGe Deutsche Feldpost 2015 eine ausführliche Artikelserie erschienen an der ich auch beteiligt war. Hier kann nur kurz geantwortet werden.

Einen " Kriegs"-Lazarettzug hat es nie gegeben. Die Bezeichnung mit dem B weist auf den Vereinslazarettzug B hin.

An Lazarettzügen hat es folgende Arten gegeben:

Vereinslazarettzüge (kurz VLZ)
Lazarettzüge
Hilfslazarettzüge
Schiffslazarettzüge
Leichtkrankenzüge
sowie einige Sonderzüge wie Seuchenzüge und Genesungszüge.

Die VLZ waren aufgestellt durch Organisationen (Rotes Kreuz bzw. Freiwillige Krankenpflege), Vereine, Kommunen oder private Stiftungen.

Nur die Vereinslazarettzüge wurden mit Buchstaben (A bis Z) versehen ohne oder mit einer zusätzlichen Nummer. Die anderen Arten von Zügen hatten nur (fortlaufende) Nummern oder Namen.

Von den VLZ mit Buchstaben B gab es B, B1, B2, B3 und B4. Diese wurden von unterschiedlichen Organisationen aufgestellt und hatten miteinander nur die Aufgabe gemeinsam.

Der Vereinslazarettzug B (ohne Nummer) wurde im August 1914 durch das Zentralkommitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz aufgestellt und war seit Ende August 1914 mobil.

Mit einem kleinen Ausflug in ein interessantes Nebengebiet der Feldpost im 1. Weltkrieg wünsche ich ein schönes Wochenende

Uli
 
evwezel Am: 09.10.2026 20:06:15 Gelesen: 3316# 1111 @  
@ DFP14-18 [#1110]

Hallo Uli,

vielen Dank für diese sehr interessanten Informationen! Ich war 2018 noch kein Mitglied der ArGe 1914-18, werde diese alten Rundbriefe aber bestimmt anfordern.

Weitere Informationen zu den Lazarettzügen habe ich auch noch hier gefunden: https://roter-kreis.de/Vereinslazarettzug.

Einen schönen Abend wünscht dir

Emiel
 
Seku Am: 09.10.2026 20:23:46 Gelesen: 3302# 1112 @  
@ evwezel [#1111]

Guten Abend Emiel,

hier

https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?CP=0&F=1&ST=9559&full=1

habe ich Dich noch nicht gesehen, kann Dir das Thema aber wärmstens empfehlen.

Hab einen schönen Abemd

Günther
 
evwezel Am: 10.10.2026 15:59:48 Gelesen: 2601# 1113 @  
Liebe Sammlerfreunde,

ich zeige euch heute einen Feldpostbrief, der am 23. September 1917 von der Front nach Hamburg geschickt wurde. Weiß vielleicht jemand, wo sich das Mobile Armierungs Bataillon 120 zu dieser Zeit (ungefähr) befand?

Viele Grüße

Emiel





—-

Ich lese:

Im Felde, d. 22 Septbr 17.

Euch Lieben - Du(?)!

Deinen l. Bf. vom Sonntag habe
ich dkd. erhalten & freut es mich daß es Du
sowohl als Bub Euch in die neue Lebensart
besser hineingefunden habt, als anfangs be-
fürchtet. Wir sind heute endlich in das
Waldlager gezogen u. muß ich mich
ja auch in das Schicksal fügen, wenngleich
es eine Verschlechterung bedeutet, bezügl.
des Wohnens. Die Flieger haben uns Ge-
stern nacht noch zu guterletzt noch im alten
Dorf durch Bombenwürfe mächtig erschrickt.
Auch hier war heute nacht viel Lärm um
nichts, d.h. es war riesiger Gasalarmbereit-
schaftslärm. Das Wetter ist ganz besonders
herrlich, wunderbarer Nachsommer. So recht für
Flieger- u. Beobachtungen geeignet. Für uns
Armierer zum Nachteil, aber auch Regen ist
bei dauernder Arbeit auf völlig freiem
Felde nichts angenehmes. Hier scheint ja
die Friedensstimmung von der Heimat
auch durchzusickern & hoffentlich ist es nicht
die 7te Kriegsanleihe, sondern Tatsache.
Für Bub ist ein kl. Geburtstagspaket unterwegs.
Hoffentlich ists zeitig da; sage ihm davon im

Text kopfüber an der linken Seite
Voraus nichts.

Text kopfüber an der rechten Seite
Allerherzlichst(?)
Dein Männchen(?)

Absender
Dienstgrad Ldstrm [1]
Name W. Schwarz
Armierungs
120 Bataillon
I Kompagnie
9

Deutsche Feldpost Nr. 338

Briefstempel
S.B.
Mob. Arm. Batl. 120
1. Kompagnie

Feldpoststempel
Deutsche Feldpost
* * *
23.9.17.3-4N

Anschrift
An
Frau
W. Schwarze
in Hamburg 31
Sillemstr. 13

Feldpostvermerk
Feldpostbrief

[1] Landsturm
 
evwezel Am: 11.10.2026 09:18:15 Gelesen: 1580# 1114 @  
Liebe Sammlerfreunde,

vor kurzem habe ich eine Feldpostkarte mit dem Briefstempel „LUFTABWEHRKOMP. II M.A.R.I.B.” gekauft. Diese Abkürzung war mir völlig unbekannt, und natürlich habe ich sie sofort im FP-Akülex der ArGe Deutsche Feldpost 1914-1918 nachgeschlagen. Da ich dort ebenfalls nicht fündig wurde, habe ich Burkhard Schäfer, den Zusammensteller des FP-Akülex, kontaktiert.

Er schrieb mir folgendes:

„ endlich eine neue und interessante Abkürzung!

Was hältst du von: "Marine - Artillerie - Regiment -I. Bataillon?

Zum Schutz der besetzten Häfen (wie Zeebrügge und Ostende) sowie zur Verteidigung der Seeverfrontung gegen die britische Royal Navy wurden zwei Marine-Artillerie-Regimenter aufgestellt:
• Marine-Artillerie-Regiment I (M.A.R. I): Primär zuständig für die Küstenbefestigungen und schweren Batterie-Stellungen im östlichen Abschnitt des Marinekorps-Bereichs.
• Marine-Artillerie-Regiment II (M.A.R. II): Zuständig für den westlichen Bereich der flandrischen Küstenverteidigung.

Diese Verbände waren direkt der 1. Marine-Division (bzw. später den weiteren Marinedivisionen des Korps) unterstellt und arbeiteten eng mit den Infanterieverbänden der Marine (den Seebataillonen und Matrosen-Regimentern) zusammen.

M kann übrigens auch für „Matrosen” stehen.
“

Daran sieht man, welchen großen Mehrwert die Mitgliedschaft in der ArGe Deutsche Feldpost 1914–1918 bietet. Es gibt immer jemanden, der einem weiterhelfen kann!



Viele Grüße

Emiel

—-

Ich lese:

O.[1] den 12. 12. 15.

Sende Ihnen die besten
Grüße. Es regnet hier
andauernt. Mit Gruß
Peter Hart(?)

Anschrift
An die Damen
des Schreibzimmers
3+4
der Firma
Mix u Genest[2]
Berlin Schöneberg

Feldpoststempel
K.D.Feldpostexp.
der 1.Marine-Div.
13.12.15.6-7 N

Briefstempel
II.M.A.R.I.B.
LUFTABWEHRKOMP.

Feldpostvermerk
Feldpostkarte

[1] Oostende
[2] Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Mix_%26_Genest
 
DFP14-18 Am: 11.10.2026 11:50:28 Gelesen: 1522# 1115 @  
@ evwezel [#1113]

Hallo Emiel,

das mobile Armierungs-Bat. 120 / 1. Komp. war zu dieser Zeit der "Gruppe Oise" (XVII. Armee-Korps am linken Flügel der 2. Armee) zugeteilt. Die Feldpoststation 338 befand sich (nachweislich erst ab Anfang November 1917) in Guise. Also befand sich der Soldat im Umkreis von St. Quentin / Frankreich.

Freundlicher Gruß
Uli
 
evwezel Am: 12.10.2026 07:32:48 Gelesen: 956# 1116 @  
@ DFP14-18 [#1115]

Guten Morgen Uli,

herzlichen Dank für diese wertvollen Informationen!

Viele Grüße

Emiel
 

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