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Thema: Tschechoslowakei: Belege bestimmen
Das Thema hat 86 Beiträge:
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Altmerker Am: 02.11.2017 10:31:02 Gelesen: 15947# 62 @  
Hallo,

es ist eigentlich ein neuzeitlicher Beleg, aber er ist zeitgeschichtlich recht spannend. Der Umschlag der CSSR-Post zeigt die Marke zum 50jährigen Staatsjubiläum. Es ist jedoch kein FDC, Erstausgabe von Mi. 1762 war am 15. Januar 1968. Der Stempel-Text lautet m. E.: "Wir sind mit Euch". Das symbolische Lindenblatt trägt die Namen Svoboda, Dubcek, Cernik und Smrkovsky, den Noch-und-nicht mehr-Staats- und Parteiführern und ist im slowakischen Banska Bystrica abgeschlagen worden. Jedenfalls eine spannende politische Botschaft zum niedergeschlagenen Prager Frühling.

Gruß
Uwe


 
reichswolf Am: 02.11.2017 12:07:29 Gelesen: 15936# 63 @  
@ hajo22 [#53]

Eine Feldpostkarte vom 26.4.1943 aus BUDWEIS 3 kann ich zu dem Thema beisteuern. Interessant und typisch für die Zeit sind in meinen die Aptierungen und Schwärzungen, die auf der Karte zu sehen sind. Im Stempel wurde der tschechische Name der Stadt entfernt, und auf der Karte selbst zweimal das Wort České vor Budějovice geschwärzt.

Bildseitig ist der Schwarze Turm zu sehen.


 
Pete Am: 02.11.2017 18:43:06 Gelesen: 15905# 64 @  
@ reichswolf [#63]

Im Stempel wurde der tschechische Name der Stadt entfernt

In einigen wenigen Orten des besetzten Gebietes Böhmen und Mähren wurden ab 1942 Stempel mit deutschem Ortsnamen eingeführt, siehe Hinweis im Michel-Spezial im Vorwort des Kapitels "Böhmen und Mähren". Der Michel bildet dort exemplarisch einen Abschlag aus Budweis (Handstempel) ab. Mir sind neben Budweis auch ausschließlich deutschsprachige Stempelabschläge aus bspw. Brünn, Iglau, Olmütz und Ostrau aus den Jahren 1943/44 bekannt.

Gruß
Pete
 
Pete Am: 10.12.2017 11:04:52 Gelesen: 14971# 65 @  
Nachfolgend ein meinem Eindruck nach zeigenswerter Krabbelkistenfund als Auslandspaketkarte nach Novi Sad in Jugoslawien, aufgegeben am 13.03.1939 in Josefův Důl u Kosmonos.

Die Sendung traf am 14.03.1939 in České Budějovice (dt.: Budweis) ein und passierte am 15.03.1939 Linz (seinerzeit Deutsches Reich, seit 1945 wieder Österreich). Das Paket traf am 16.03.1939 in Maribor (seinerzeit Königreich Jugoslawien, heute Slowenien) und am 19.03.1939 in Novi Sad (seinerzeit Königreich Jugoslawien, heute Serbien) ein und wurde am 21.03.1939 mit zwei Nachportomarken sowie zwei Fiskalmarken versehen. Die Sendung selbst wurde am 20.03.1920 dem Empfänger ausgehändigt; dies wurde auf der Paketkarte per Unterschrift bestätigt.



Die Wehrmacht besetzte am 15.03/16.03.1939 das Territorium der Rest-Tschechoslowakei [1] nach deren Spaltung (formale Unabhängigkeit des slowakischen Landesteils). Die Verwaltung der annektierten Gebiete erfolgte unter dem Begriff "Protektorat Böhmen und Mähren". Zum Zeitpunkt des Einmarsches deutscher Truppen befand sich das Paket bereits auf Reisen. Nach [2] wurde Budweis am 15.03.1939 durch Einheiten der Wehrmacht besetzt und an dem Tag befand sich das Paket bereits ca. 90 km weiter in Linz. Dem Stempelverlauf nach verließ das Paket als eines der letzten Sendungen die (halbwegs) freie Tschechoslowakei.

Gruß
Pete

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Protektorat_B%C3%B6hmen_und_M%C3%A4hren
[2] https://cs.wikipedia.org/wiki/%C4%8Cesk%C3%A9_Bud%C4%9Bjovice
 
10Parale Am: 29.04.2018 18:09:47 Gelesen: 9757# 66 @  
Heute in Freiburg im Breisgau am Seepark am Tauschtag des Briefmarkenvereins Freiburg in der Kiste eines Händlers diesen Brief gefunden.

Bei näherer Betrachtung handelt es sich wohl um eine Art Gefälligkeitsbeleg. Er lief aber wirklich, und zwar wurde er am 14.IV.39 in Ostrava entwertet. Auffällig, dass wir es hier mit Marken aus 4 verschiedenen Ländern zu tun haben.

CSSR Nr. 279 A und 356
Deutsches Reich Nr. 514 u. 516
Slowakei ?
Karpaten-Ukraine: Michel Nr. 1

Der Brief lief als Express- bzw. Eilbrief eingeschrieben nach Lutgerstal (Kreis Ratibor). In diesem 8 km entfernten Postamt wurde der Brief 1 Tag später abgeschlagen. Na ja, ziemlich lang für einen Eilbrief auf kürzeste Distanz.

Mich würde jetzt mal interessieren, welche der Marken hier für den Portoaufwand tatsächlich in Frage kamen und wie hoch der Tarif wohl war.

Die Michel Nr. 1 der Karpaten-Ukraine ist ja schon etwas Besonderes auf diesem Brief, zumal noch ein Randstück aufgeklebt wurde. Diese Marke, - folgt man den Hinweisen im MOK (Michel Online-Katalog), die in Prag und Chust ausgegeben wurde, durfte nur in der Karpaten-Ukraine verwendet werden. Da Ostrova (Ostrau) nicht zu diesem kurzlebigen Land gehörte, scheint diese Marke der Gefälligkeit geschuldet zu sein. Diese Marken gibt es nur abgestempelt aus CHUST und dürften echt gelaufen als Bedarfsbriefe äußerst selten sein.

Wie auch immer, ein lebhafter, interessanter Beleg.

Liebe Grüße

10Parale


 
rudi63 Am: 29.04.2018 19:43:18 Gelesen: 9739# 67 @  
Ab 1.4.1939 galten folgende Tarife nach Deutschland:

Brief bis 20 g = Kc 1,20
Brief bis 100 g = Kc 2,50
Einschreiben = + 2,50
Eilboten = + 5,00

Eine portogerechte Frankatur kann nicht sein.

Gültig waren eigentlich nur die 2 CSR Marken 20 h + 3,50 Kc, Marken des Deutschen Reichs wurden oft aus Kulanz mit 10 Rpfg = 1 KC toleriert.

Die Slowakei-Marke (Mi. CSR A405) und die Karpaten-Ukraine MiNr. 1 waren im Protektorat nicht gültig. In Umsturzzeiten gibt es solche "philatelistischen Dokumentationsbelege" aber öfters. Trotzdem schöner Beleg, den ich auch gerne in meine Sammlung nehmen würde.

Schöne Grüße
Rudi
 
10Parale Am: 29.04.2018 20:14:08 Gelesen: 9731# 68 @  
@ rudi63 [#67]

5 Sterne für diese Antwort, rudi63. Herzlichen Dank.

Mein Bauchgefühl sagt mir, das die 2 CSR Marken 20 h + 3,50 Kc lt. deiner Tabelle die portogerechte Vorausfrankatur für die Beförderung eines Einschreibens waren = Brief bis 20 gr. = Kc 1,20 + Einschreibegebühr 2,50 = Kc 3,70. Das Label EXPRÈS scheint mir ohne Auftragskennung.

Deine Formulierung "philatelistischer Dokumentationsbeleg" gefällt mir ausgesprochen und ist einleuchtend. Aufgewühlt durch die Wirren des 2. Weltkrieges versuchte die Tschechoslowakei, die alten Ländereien Slowakei und Karpaten-Ukraine noch einmal an sich zu reißen, obwohl die Aufteilung nicht mehr zu stoppen war. Ansporn, sich mit den geschichtlichen Hintergründen zu befassen.

Die Marke aus der Karpaten-Ukraine (Auflage wäre schön zu wissen, Michel schreibt nichts dazu) zeigt eine schöne Holzkirche in Jassinja, wie sie es auch sehr viele in Rumänien gibt.

Liebe Grüße

10Parale
 
rudi63 Am: 29.04.2018 20:30:31 Gelesen: 9721# 69 @  
Lt. Pofis-Katalog (Tschechien) war die Auflage der Karpaten-Ukraine Marke 900.000.

Schönen Abend.
Rudi
 
10Parale Am: 29.04.2018 20:55:16 Gelesen: 9712# 70 @  
@ rudi63 [#69]

Vielen Dank für die Zusatzinformation. War auch nicht billig der Beleg. Der Händler meinte, in Essen könne er ihn auf jeden Fall verkaufen, deshalb ging er dann nur um 10,-- Euro runter, aber ich trau mich kaum zu sagen, was der Beleg gekostet hat.

Liebe Grüße

10Parale
 
Detlev0405 Am: 30.04.2018 10:12:40 Gelesen: 9676# 71 @  
@ rudi63 [#67]

Hallo Rudi,

ich habe die Aufschlüsselung des Beleges von 10Parale mit Aufmerksamkeit verfolgt. Deinem Kommentar bezüglich der A 405 kann ich folgen - zum Ersten nur für die Slowakei gültig und zum Zweiten nur bis zum 31.01.1939 gültig.

Was die von dir beschriebene Karpaten Ukraine Mi. Nr.1 betrifft finde ich diese bei Pofis unter der Nummer 351 ohne jegliche Beschränkungen seitens der Frankaturgültigkeit. Also eine normale tschechoslowakische Marke. Auch wenn ich diese Marke nicht unter den Vorläufer Marken für Böhmen und Mähren im Michel finde, heißt es für mich nicht automatisch, das keine bedarfsgerechte Verwendung dieser Marke zu diesem Zeitpunkt möglich war. Bedarfsgerecht bitte nicht wörtlich nehmen, da ich deiner Einschätzung zum Beleg folge. Das Porto wird auch mit dieser Marke nicht vollständig.

Gibt es zu dieser Frage sekundäre Literatur, wo man sich weiter dazu informieren könnte ?

Beste Grüße
Detlev
 
rudi63 Am: 30.04.2018 18:39:06 Gelesen: 9634# 72 @  
Hallo Detlev,

im Pofis ist die Verwendung der Nr. 351 (Mi.Nr. 1) doch genau beschrieben. Ab 15.03.1939 gab es keine Tschechoslowakei mehr. Als Literatur empfehle ich die Monografien 1.-4. Teil und die Übersetzungen der Arge Tschechoslowakei.

Die Karpaten-Ukraine Mi.Nr. 1 (Pofis 351) war nur am 15.03.1939 in der Karpaten-Ukraine gültig, wurde aber auch in Prag am Sammlerschalter verkauft, wo die Marke aber nicht gültig war. Es gibt aber Marken mit Stempeln aus Böhmen und Mähren, auch Sonderstempel. In diesen Tagen wurde wohl alles gestempelt.

In Chust gab es einen roten Sonderstempel, Briefe sind selten, besonders mit schwarzem Tagesstempel aus der Karpaten-Ukraine.



Die Karpaten-Ukraine wurde am 15.03.1939 von Ungarn besetzt.



Schöne Grüße

Rudi
 
Detlev0405 Am: 30.04.2018 19:52:16 Gelesen: 9615# 73 @  
@ rudi63 [#72]

Hallo Rudi,

ich danke dir, das hilft mir schon weiter bei meinem Verständnis solcher speziellen Ausgaben.

Besten Gruß
Detlev
 
rudi63 Am: 30.04.2018 20:16:39 Gelesen: 9610# 74 @  
Servus Detlev,

zum geschichtlichen Verständnis zur "Auflösung" der 1. Republik:

- Sept./Okt. 1938 - Sudetenland - Münchner Abkommen. Zunächst übte die Sudetendeutsche Partei die Staatsgewalt aus (Lokalausgaben), danach werden bis 1945 Marken des Deutschen Reichs verwendet.

- Herbst 1938 - Polen verleibt sich das Olas-Gebiet (Teschen) ein, Polen Mi. Nr. 330.

- 14.03.1939 die Slowakei erklärt die Unabhängigkeit - Vasallenstaat von Nazi-Deutschland. Eigene Marken bis 1945.

- 15.03.1939 Einmarsch der Wehrmacht in Böhmen und Mähren - Protektorat eigene Marken bis 1945, bereits am 14.03.1939 Lokalausgabe Mährisch-Ostrau.

- 15.03.1939 1. Landtag in der Karpaten-Ukraine (eigentlich der Rest des Csl-Staats), am gleichen Tag ungarische Besetzung, neben der Karpaten-Ukraine wurde auch die Südslowakei ungarisch besetzt, aus Kosice wurde Kassa, vgl. Ungarn Mi.Nr. 591/592 und 593/597.

Von all diesen Ereignissen gibt es philatelistische Belege und Mischfrankaturen.

Verrückte Zeiten, ähnlich wie die Umbrüche 1989/90, nur eben nicht friedlich sondern kriegerisch. Hoffentlich kommt so was nie mehr.

Schöne Grüße

Rudi
 
Detlev0405 Am: 01.05.2018 06:17:40 Gelesen: 9591# 75 @  
@ rudi63 [#74]

Guten Morgen Rudi,

danke für die kurze Einordnung der ganzen Eckdaten. Ich lebe zwar in einem ehemaligen Sudetengebiet, aber diese Thematik mit Tschechen tiefgründig zu besprechen und dazu noch als Deutscher ist wie ein Gang durch das Minenfeld.

Deinem letzten Satz stimme ich gern zu - das braucht kein Mensch wieder.

Einen ruhigen Feiertag
Detlev
 
Pete Am: 01.05.2018 22:29:33 Gelesen: 9548# 76 @  
Der nachfolgende Beleg passt sowohl in das Thema der Marken- als auch der Belegbestimmung. Doch der Reihe nach: Dem vorliegenden Beleg nach wurde am 06.11.1918 ein Paket von Tabor aus in das ca. 220 km entfernte Wien geschickt. Zu diesem Datum lag die Gründung des Staates Tschechoslowakei gerade etwas mehr als eine Woche zurück (28.10.1918). Der Wert des Paketes betrug 1500,00 Kronen und wog 7,4 kg. Zur Freimachung der Sendung wurden vier Briefmarken mit einer Gesamtnominale von 2,70 Kronen verwendet. Das Paketformular weist als Ganzsache zusätzlich eine Nominale von 10 Heller auf. Rückseitig finden sich keinerlei Vermerke über eine Zustellung des Paketes.



Lässt sich nachvollziehen, wie sich das Porto von 2,70 bzw. 2,80 Kronen zusammensetzt?

Weiterhin kamen zur Frankatur Aufdruckprovisorien zur Verwendung. Dabei wurden seinerzeit noch kursfähige österreichische Briefmarken mittels Aufdruck überdruckt. Dem Michel-Katalog Mitteleuropa nach handelt es sich dabei um Exemplare der lokalen Revolutionsausgabe Gruppe IV, die sog. "Budweis-Ausgabe" (Mi-Nr. 91; 2x 95 und 105). Diese Ausgabe erschien gemäß dem Katalog (Stand 2010) am 08.11.1918. Allerdings liegt Tabor ca. 62 km von Budweis entfernt und die Entwertung datiert zwei Tage früher vom 06.11.1918. Handelt es sich hier um Aufdruckfälschungen oder irrt der Michel?



Danke.

Gruß
Pete
 
Detlev0405 Am: 02.05.2018 09:11:34 Gelesen: 9526# 77 @  
@ Pete [#76]

Hallo Pete,

zum zweiten Teil deiner Frage zu dem Beleg kann ich den Spezialkatalog für tschechische Briefmarken, Prag 1988 zitieren. Demnach sind diese Marken im Zeitraum vom 28.10. bis zum 18.11.1918 erschienen. Dabei wird nicht, wie im Michel, ein konkretes Ausgabedatum für die einzelnen Ausgaben fixiert (siehe Seite 391 links oben). Das macht für mich auch Sinn, da es keine offiziellen Ausgaben sind und dementsprechend wohl auch keine entsprechende amtliche Unterlagen vorliegen. In dem Spezialkatalog wird auch explizit darauf verwiesen, das es sich um spekulative und kommerzielle Ausgaben handelt. Eine Bewertung findet dort nicht statt, auch wenn es tatsächlich echt gelaufene Belege gibt.

Eine Prüfung ist auf jeden Fall unablässig, wobei ich bei deinem Beleg am Original prüfen würde, ob die Beschriftung mit Filzstift erfolgte (der Eindruck entsteht bei der Abbildung).

Gruß
Detlev
 
Pete Am: 10.05.2018 10:57:35 Gelesen: 9354# 78 @  
@ Detlev0405 [#77]

Dabei wird nicht, wie im Michel, ein konkretes Ausgabedatum für die einzelnen Ausgaben fixiert (siehe Seite 391 links oben). Das macht für mich auch Sinn, da es keine offiziellen Ausgaben sind

Danke für die Info! Ich war zugegebenermaßen auch etwas irritiert, als ich die Paketkarte das erste Mal sah. Ich hätte erwartet, dass Paketkarten im Regelfall am Postschalter durch den Postmitarbeiter mit Briefmarken beklebt wurden. Dies suggeriert den Eindruck, dass diese Aufdruckausgaben auch am Schalter vorgelegen haben könnten.

Ich weiß nicht, ob zu jener Zeit bereits Absender Paketkarten vor Auflieferung bei der Post frankieren durften.

Der Beleg ist als Kuriosität an entsprechender Stelle in die Tschechoslowakei-Sammlung gewandert.

Gruß
Pete
 
volkimal Am: 05.03.2019 12:04:51 Gelesen: 1145# 79 @  
Hallo zusammen,

eine Karte vom "Sachbearbeiter für ehem. polnisches und russisches Gebiet sowie Protektorat". Aufgegeben wurde die Karte am 20.07.1944 bei der Poststelle Mügeln über Jessen (Elster):



Der Mittelschulrektor a.D. Herr Dr. H. Tepper hat diese Karte an das katholische Pfarramt in Waldstein Bez. Landskron geschickt. Damit beginnt für mich und vermutlich auch für die Postbeamten in Landskron = Lanškroun das Rätselraten. Einen Ort Waldstein konnte ich in der Nähe von Landskron bisher nicht ausmachen.

Die Karte wurde weitergeschickt nach Turnau. In der Nähe von Turnau = Turnov liegt die Burg Waldstein = Burg Valdštejn. Allerdings ist die Burg Waldstein ca. 150 km von Landskron entfernt und gehört damit nicht zum Bezirk Landskron.

Die drei rot markierten Angaben kann ich nicht lesen. Oben sieht es so ähnlich aus wie "farm mod". Ist das evtl. ein tschechischer Vermerk? Unten könnte zweimal Turnov stehen. Da bin ich mir aber nicht sicher.



Bei der Karte geht es um den Abstammungsnachweis eines Truppenarztes, dessen Vorfahren aus Waldstein stammen.

Viele Grüße
Volkmar
 
rudi63 Am: 05.03.2019 12:29:56 Gelesen: 1137# 80 @  
Hallo Volkmar,

ich lese: farni urad, Turnov (Pfarramt Turnau), Bez. Landskron war wohl ein Irrtum.

Gruß Rudi
 
volkimal Am: 05.03.2019 12:58:16 Gelesen: 1128# 81 @  
@ rudi63 [#80]

Hallo Rudi,

das passt natürlich sehr gut. Vielen Dank!

Viele Grüße
Volkmar
 
10Parale Am: 11.04.2019 21:56:51 Gelesen: 505# 82 @  
@ Spezialisten

Ich weiss nicht, ob ich hier richtig bin. Den Beleg, den ich hier zeige, hat einen unleserlichen Stempel und Briefmarken der Tschechoslowakei.

Lediglich die Absender-Angabe auf der Rückseite gibt etwas Aufschluss. Der Brief stammt aus ODRAW in SCHLESIEN, freigemacht mit insgesamt 35 H. Nun befinden wir uns also schon eindeutig in der Zwischenkriegszeit, aber sind wir noch in der Tschechoslowakei? Die Briefmarken sprechen dafür!

Oder sind wir in Polen? Ich habe ein Ostrow Wielkopolski in Polen gefunden und einen gleichlautenden Stempel gefunden, der auf OSTROW lautet?

Sind wir hier bei dem Beleg jetzt in Schlesien, Polen oder der Tschechoslowakei? Und woher stammt der Stempel auf der Briefmarke, die ist ja polnisch?

Ich bin mir bewußt, die Frage hört sich etwas seltsam oder nach Sonntagsrätsel an, aber vielleicht kann jemand Aufklärung bringen.

Liebe Grüße

10Parale




 
buzones Am: 11.04.2019 22:30:56 Gelesen: 499# 83 @  
@ 10Parale [#82]

Der von dir gezeigte Brief stammt aus ODRAU in Österreichisch Schlesien. Der Ort heißt auf tschechisch ODRY und lag ab 1918 auf dem Staatsgebiet der ČSR.

Der Zweikreisstempel ODRAU | ÖSTERR. SCHLES. mit den Kennbuchstaben a, b, c, und d wurde ab 1919 – wie auf "deinem“ Brief – nur noch aptiert verwendet. ODRAU/ODRY gehörte dann ab 1938 zum Deutschen Reich (Sudetenland).

Mit OSTROW im Bezirk Posen (seit 1918 zu Polen) hat der Ort nichts gemeinsam.

Beste Philagrüße
Ralf

Quelle: Monografie Československých Známek. Bd. 16,1. Prag, 1982.
 
10Parale Am: 12.04.2019 10:15:16 Gelesen: 468# 84 @  
@ buzones [#83]

Vielen Dank für diese Erklärung. Ich habe gelesen dass ein Großteil Schlesiens auf dem Gebiet des heutigen Polens lag und nun auch einige Stempel aus Polnisch Schlesien erwerben können. Odrau gehört mit in die Auflistung des ehemaligen Sammlers.

Ich verstehe es hoffentlich richtig, dass das Gebiet Schlesiens wohl zumindest bis 1918 und dem Ende der Donaumonarchie in Österreich Schlesien auf den Gemarkungen ehemaliger Königreiche (Polen, Böhmen, Mähren) gelegen war. Geschichtliche Hintergründe kennen bedeutet manchmal auch Philatelie besser zu verstehen. Daran arbeite ich.

Zur Stempeltechnik gehören diese Stempel wohl dann eher zum Thema " Die Stempel der Tschechoslowakei und ihre Aptierungen", wo ich dann in nächster Zeit auch einige Stempel ergänzen und komplettieren könnte.

Liebe Grüße

10Parale


 
buzones Am: 14.04.2019 19:04:39 Gelesen: 308# 85 @  
@ 10Parale [#84]

Um das ganze schlesische "Kuddelmuddel" besser zu verstehen, lies doch bitte mal den Abschnitt "Preußisch-Schlesien und Österreichisch-Schlesien (1742–1918)" im entsprechenden Wikipedia-Beitrag [1].

Das ist zwar sehr gerafft adrgestellt, vermittelt aber einen ersten Eindruck der Problematik. Von den drei schlesischen Kriegen haben wir alle in der Schule schon gehört, wie das Ganze dann immer wieder neu aufgeteilt und verwaltet wurde, lässt sich nach der Lektüre zumindest erahnen. :-)

Zun Thema "Die Stempel der Tschechoslowakei und ihre Aptierungen" passt der aptierte Stempel ODRA m.E. nicht, da er ja genuin ein k.k. österreichischer Stempel war, der zum Zwecke der Weiterverwendung in der ČSR um den Bestandteil "ÖSTERR. SCHLESIEN" erleichtert wurde. Aptierte Stempel der ČSR können m.E. nur solche sein, die nach dem Ende der staatlichen Souveränität der Tschechoslowakei "eingedeutscht" worden sind und dabei ihres tschechischen Ortsnamens verlustig gingen - oder verstehe ich da was falsch?

Genug der Beckmesserei - ich muss weiterrödeln.

Beste Philagrüße
Ralf

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Schlesien
 
Detlev0405 Am: 15.04.2019 14:45:01 Gelesen: 264# 86 @  
@ buzones [#85]

Hallo Ralf und 10Parale,

die von Euch besprochenen Stempel passen zeitgeschichtlich besser in diese hier dargestellte Auseinandersetzung hinein:

https://de.wikipedia.org/wiki/Olsagebiet#/media/File:%C5%9Al%C4%85sk_Cieszy%C5%84ski.PNG

Was Olafs Meinung bezüglich aptierte Stempel in der Tschechoslowakei betrifft, möchte ich widersprechen. Es gibt die Aptierung nicht nur beim staatlichen Verlust der Tschechoslowakei, sondern auch nach 1945 in Maschinenstempeln ehemaliger deutscher Firmen auf dem Gebiet der Tschechoslowakei. Diese sind aber eher selten und wurden auch so schnell wie möglich durch komplett neue Maschinenstempel tschechischen Ursprungs ersetzt. Aptierungen nach 1945 sind aber auch deshalb sehr selten, weil die tschechische Post sofort auf provisorische Stempel setzte, bevor reguläre tschechische Poststempel zum Einsatz kamen.

Bei den ehemaligen österreichischen Stempeln auf dem Gebiet Polen/Tschechoslowakei stand ja gar nicht die Frage ob tschechische oder polnische Bezeichnung aus dem Stempel zu entfernen war, weil sie in der Regel deutsch/polnisch oder deutsch/tschechisch die Ortsangabe widergaben. Somit dürften wirkliche Aptierungen in diesem Bereich hier kaum vorkommen und damit Seltenheiten sein.

Beste Grüße
Detlev
 

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