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Thema: Schlesien - Regierungsbezirke Breslau, Kattowitz, Liegnitz und Oppeln
Das Thema hat 68 Beiträge:
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Cantus Am: 28.12.2013 14:50:35 Gelesen: 36146# 1 @  
Schlesien, einstmals deutsch und mit allerlei interessantem geschichtlichen Hintergrund, gerät heutzutage außerhalb der Landsmannschaften und Vetriebenenverbände immer mehr in Vergessenheit, so auch in der Philatelie. Ich finde das bedauerlich, gibt es doch immer wieder Spannendes zu entdecken und, wenn man ein wenig nachforscht, heute weitestgehend unbekannte deutsche Ortsnamen wieder mit etwas Leben zu füllen. Wie sollte das besser gelingen als mit irgendwelchen gelaufenen Belegen, die Absende- oder Ankunftsstempel von Orten aus der Region tragen.

Wer sich intensiver mit den regionalen Gegebenheiten innerhalb von Schlesen beschäftigen möchte, dem empfehle ich das "Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900" [1] oder eine andere sehr gut gemachte Seite [2], die, ausgehend von der Ahnenforschung, ebenfalls reichlich Informationen zu allen Ansiedlungen in Schlesien anbietet.

Ich würde mich freuen, wenn hier unter regionalem Bezug allerlei Postbelege und vielleicht auch gestempelte Briefmarken gezeigt werden. Ich starte mit einem Faltbrief des Amtsgerichtes Cosel, einer Stadt im Regierungsbezirk Oppeln, mit dem die Entscheidung in einer Grundbuchsache an einen Empfänger in Przewos bei Slawikau gesandt werden sollte, wegen Unzustellbarkeit aber an den Absender zurücklief. Der Brief wurde am 22.12.1880 in Cosel abgestempelt, erhielt am folgenden Tag in Slawikau den Ankunftsstempel, trat am 24.12. den Rückweg an und wurde am 25.12.1880 in Cosel dem Absender wieder zugestellt; die Feiertage, wie wir sie heute kennen, gab es damals offensichtlich nicht.





[1] http://www.gemeindeverzeichnis.de/
[2] http://www.genealogienetz.de/reg/SCI/index.html

Viele Grüße
Ingo
 
T1000er Am: 28.12.2013 15:42:07 Gelesen: 36128# 2 @  
@ Cantus [#17]

Ein sehr interessantes Thema das Du da aufgegriffen hast! Ob Schlesien nun in Vergessenheit gerät bezweifele ich. Jedenfalls was Oberschlesien betrifft, wo noch zahlreiche Deutsche wohnen, kommt doch einiges in Bewegung seit dem Beitritt Polens zur EU.

Philatelistisch gesehen ist zum heutigen Zeitpunkt zwar mit deutschen Briefmarken und Poststempeln seit 1945 Schluß, aber es gibt in diesem wunderschönen Landstrich bereits wieder deutsche Ortsnamen und vereinzelt sogar Straßennamen. Beispiele dazu findet man bei Google bzw. Google Maps-Street View.

(Die von mir hier ursprünglich gezeigten Beispiel-Bilder habe ich wieder entfernt um keine Urheberrechtsverletzungen zu begehen.)

Wer weiß, vielleicht sind sogar in nicht allzu ferner Zukunft auch wieder Poststempel mit deutschen Ortsbezeichnungen möglich. Vorbild könnten hier z.B. die deutsch-sorbischen Stempel sein. Ich denke einmal die Schlesier würden dies durchaus begrüßen.

Beste Grüße,
T1000er
 
Marcel Am: 28.12.2013 18:32:39 Gelesen: 36093# 3 @  
@ Cantus [#17]

Hallo Ingo!

Im Regierungsbezirk Liegnitz an der Grenze zu Böhmen im Riesengebirge liegt die Stadt Schmiedeberg (polnisch - Kowary). Höchstes Haus in Schmiedeberg, jenseits des Schmiedeberger Passes war die Schillerbaude auf 780m ü.M. - es war ein Gasthaus und gehörte zu den schlesischen Grenzbauden. Die Grenzbauden ziehen sich an beiden Seiten der Böhmisch-Schlesischen Grenze entlang.

Die Karte die am 26.04.1933 gelaufen ist nach Saalfeld in Thüringen zeigt die Grenzbauden (1050m ü. M.).



schöne Grüße
Marcel
 
mausbach1 Am: 29.12.2013 08:38:00 Gelesen: 36060# 4 @  
@ Cantus [#17]

Guten Morgen Ingo,

die Feiertage gab es sehr wohl, es gab aber eine Sonn- und Feiertagszustellung - m.W. bis 1945.

Einen schönen Tag!
Claus
 
Pete Am: 29.12.2013 10:36:16 Gelesen: 36040# 5 @  
@ Cantus [#17]

Viel kann ich auf Anhieb aus Cosel nicht zeigen, allenfalls einige Handstempel.



1. Cosel -> "*(SCHLESIEN)*" von 1898
2. Cosel -> "... b" von 1907
3. Cosel -> "*(OBERSCHL)*" von November 1922 (wenige Monate nach Ende der Abstimmungszeit in Oberschlesien) und nicht zu vergessen
4. der Kreisobersegmentstempel (KOS) aus Cosel-Oderhafen von 1903

Gruß
Pete
 
Cantus Am: 14.10.2014 01:01:38 Gelesen: 35622# 6 @  
Heute möchte ich euch einen Postauftrag vorstellen, der am 20.7.1910 in Saarau, gelegen im Kreis Schweidnitz im Regierungsbezirk Breslau, mit Ziel Grossröhrsdorf aufgegeben worden war. Als Frankatur wurden Mi. 86 I und Mi. 87 I verwendet.

Der Absender des Briefes, die Ida- und Marienhütte, war in Laasan [1], einem Ort in der Nähe von Saarau [2], angesiedelt; im Jahr 1939 wurde das Fabrikgelände mit der Ida- und Marienhütte nach Saarau eingemeindet. Meine Recherche im Netz zur Geschichte dieser Region und insbesondere zur Kreisstadt Schweidnitz [3] haben mich auf eine interessante Seite stoßen lassen, die die Vertreibung der Deutschen zum Ende des 2.Weltkriegs aus dieser Region Schlesiens näher beschreibt [4].



Viele Grüße
Ingo

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/%C5%81a%C5%BCany
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/%C5%BBar%C3%B3w
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/%C5%9Awidnica
[4] http://www.expolis.de/schlesien/texte/ruchniewicz.html
 
Cantus Am: 02.11.2014 23:45:36 Gelesen: 35492# 7 @  
Hier ein Umschlagbrief aus GUTTENTAG, gelaufen am 13.9.1886 an das Königlichen Polizei-Präsidium zu Breslau, freigemacht mit einer Mi. 41.

Guttentag (polnisch Dobrodzień [dɔˈbrɔʥɛɲ]) ist eine Kleinstadt im Powiat Oleski in der Woiwodschaft Oppeln in Polen, westlich von Częstochowa und Hauptort der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde mit rund 10.000 Einwohnern, die seit 2009 offiziell zweisprachig ist (Polnisch und Deutsch). 1742 wurde Guttentag Teil Preußens und 1816 dem Kreis Lublinitz im schlesischen Regierungsbezirk Oppeln zugeordnet und diente neben der Stadt Lublinitz auch als Garnisonsort für die preussische Armee [1].



[] http://de.wikipedia.org/wiki/Guttentag

Viele Grüße
Ingo
 
volkimal Am: 04.11.2014 16:21:32 Gelesen: 35430# 8 @  
Hallo Ingo,

Du gibst beim Thema Schlesien nur die drei Regierungsbezirke Breslau, Liegnitz und Oppeln vor. Von 1939 bis 1945 gab es zusätzlich den Regierungsbezirk Kattowitz. In diesem Regierungsbezirk lag die Stadt Bielitz. Damit kein neues Thema angefangen werden muss, möchte ich dein Thema um diesen Regierungsbezirk erweitern. Auf folgender Seite sieht man eine Karte der vier Regierungsbezirke: http://ahnenforschung.sabrina-pietsch.de/vater/vater_herkunft.htm



Bielitz liegt in Galizien und gehörte bis 1918 zu Österreich-Ungarn. 1910 lebten 17.970 Menschen in Bielitz, davon waren 15.144 Deutsche (84,2 %). Nach dem Ersten Weltkrieg kam Bielitz zu Polen und bekam den Namen Bielsko. Die Stadt blieb auch innerhalb Polens mehrheitlich von Deutschen bewohnt.

Am 3. September 1939 wurde Bielitz von deutschen Truppen besetzt. Aus dem polnischen Landkreis Bielsko und Teilen des Kreises Biala wurde der Landkreis Bielitz gebildet. Die Doppelstadt Bielitz-Biala entstand erstmals am 1. Juli 1941, als die östlich der Bialka gelegene Stadt Biala mit Bielitz zusammengelegt wurde.



Obwohl die beiden Orte Bielitz und Biala 1941 zusammengelegt wurden, heißt es im Stempel von 1944 nur Bielitz (Oberschlesien). Ob es in der deutschen Zeit jemals einen Stempel mit dem Namen "Bielitz-Biala" gab, weiß ich nicht. Der Stempel auf der österreichischen Marke zeigt übrigens die polnische Schreibweise der Ortsnamen Biala mit einem "Ł".

Mit der Niederlage der Deutschen wurde die Zusammenlegung zunächst wieder rückgängig gemacht. Die deutschen Einwohner wurden größtenteils vertrieben. Zum 1. Januar 1951 wurden beide Städte wieder zur Stadt Bielsko-Biała vereinigt, die der Woiwodschaft Katowice angehörte.

Soweit ein kleiner Auszug der Geschichte von Bielsko-Biała vorwiegend aus http://de.wikipedia.org/wiki/Bielsko-Bia%C5%82a

Viele Grüße
Volkmar
 
Cantus Am: 04.11.2014 19:41:18 Gelesen: 35401# 9 @  
@ volkimal [#8]

Hallo Volkmar,

bei der Gründung dieses Themas war mir nicht bekannt, dass es kurzzeitig einen Regierungsbezirk Kattowitz gab, in dem auch die Stadt Bielitz lag. Für mich war bisher Bielitz oder Biala stets ein Ort in Österreich-Schlesien, den ich, ohne mich nun in diesem Einzelfall näher zu informieren, nach 1920 allgemein im deutschen Teil Schlesiens vermutete. Nun bin ich eines Besseren belehrt und meine Recherche im Netz hat mich zu einem weiteren interessanten Link geführt:

http://www.deutsche-schutzgebiete.de/kuk_bielitz.htm

Natürlich gilt dieses Thema auch für den von dir vorgestellten Regierungsbezirk Kattowitz, allerdings wäre es mir ganz lieb, wenn Belege oder Stempel von Orten aus diesem Regierungsbezirk hier nur aus dem Zeitraum vorgestellt werden, solange sie zum Deutschen Reich gehörten. Österreich-Schlesien sollte dann doch ein ganz eigenes Thema sein.

Viele Grüße
Ingo
 
volkimal Am: 04.11.2014 20:48:24 Gelesen: 35392# 10 @  
@ Cantus [#9]

Hallo Ingo,

da bin ich auch Deiner Meinung. Es sollen eigentlich nur Belege und Stempel aus dem Zeitraum gezeigt werden, als das Gebiet zum Deutschen Reich gehörte. Allerdings bin ich selbst gleich davon abgewichen. Ich hatte halt keinen anderen Stempel aus Biala.

Viele Grüße
Volkmar
 
philapit Am: 05.11.2014 15:54:02 Gelesen: 35349# 11 @  
Hallo Sammlerfreunde,

das ist eine Karte aus Breslau vom 16.11.1946 mit interessantem Inhalt von zurück gebliebenen "Deutschen", die nicht die Flucht angetreten hatten. Alles auf einer alten Vordruckkarte aus Breslau. Der Stempel ist zwar nicht der schönste, aber die Karte trifft hoffentlich doch das Thema.

Mit freundlichem Gruß
Philapit


 
Fips002 Am: 05.11.2014 17:12:13 Gelesen: 35333# 12 @  
Karte von Niederlinda, Kreis Lauban/Niederschlesien, nach Herrnprotsch bei Breslau, 31.10.1923. Der Landkreis Lauban war ein preußischer Landkreis in Schlesien, der von 1816-1945 bestand. Niederlinda wurde am 14.01.1937 in Nieder Linde umbenannt.

Gruß Dieter


 
Sascha Andreas John Am: 06.11.2014 09:30:13 Gelesen: 35289# 13 @  
Ich kann nur einen schönen Stempel Oppeln zeigen.

Sascha


 
Fips002 Am: 06.11.2014 16:03:04 Gelesen: 35244# 14 @  
Brief von Hirschberg/Schlesien, 29.6.1884 nach Walsrode, Prov. Hannover.

Hirschberg wurde 1281 als "Hyrzberc" in einer Urkunde erwähnt und ist 1299 als Stadt erwähnt. Nach der Neugliederung Preußens gehörte Hirschberg seit 1815 zur Provinz Schlesien. Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Hirschberg an Polen und wurde in Gelina Gora umbenannt.

Gruß Dieter


 
Pete Am: 06.11.2014 19:55:56 Gelesen: 35211# 15 @  
@ Sascha Andreas John [#13]

Ich kann nur einen schönen Stempel Oppeln zeigen

Bei Marken aus dem Abstimmungsgebiet Oberschlesien ist der Handstempel Oppeln **b recht häufig (m.E. als Gefälligkeitsentwertung) zu beobachten und kommt auch als Fälschung auf besseren Ausgaben (Aufdruckmarken Oberschlesien) vor. In deinem Fall wurde die Marke zu 10 Pf aus der seinerzeit wenige Wochen zuvor (ab Ende März 1920) erschienenen zweiten Dauerserie gestempelt.

Nachfolgend ein früherer Stempelabschlag, wo sicherlich Bedarf vorhanden war:



Feldpostbrief vom 30.05.1915 aus Oppeln nach München

Gruß
Pete
 
Cantus Am: 06.11.2014 22:00:32 Gelesen: 35197# 16 @  
Mangels funktionierenden Scanners von mir heute zwei Ankunftstempel von Krzanowitz, die ich bereits vor einiger Zeit in die Datenbank hochgeladen hatte.

Krzanowitz, polnisch Krzanowice, ist eine Ortschaft in Oberschlesien. Krzanowitz liegt in der Gemeinde Groß Döbern im Powiat Opolski in der polnischen Woiwodschaft Oppeln. 1925 = 212 Einwohner, im Jahr 2007 nun 400 Einwohner, also weiterhin ein kleines Dorf.



https://de.wikipedia.org/wiki/Krzanowitz
http://www.verwaltungsgeschichte.de/oppeln.html

Viele Grüße
Ingo
 
diva Am: 09.11.2014 14:42:09 Gelesen: 35276# 17 @  
Habe hier auch einen kleinen Beitrag zu obigem Thema.

Liegnitz am 24.10.1923 Postkarte, Portogerecht frankiert.



MfG
Diva
 
Fips002 Am: 13.11.2014 18:44:29 Gelesen: 35123# 18 @  


Langenbielau (heute Bielawa), seit dem 17.Jahrh. Langenbielau, vorher Bielau, liegt ca. 55 km südwestlich von Breslau am Fuße des Eulengebirges. Die Ortsteile von Langenbielau waren: Ober-Langenbielau, Mittel-Langenbielau, Nieder-Langenbielau sowie Gutsbezirk Langenbielau.

Wegen bedrückenden Arbeitsbedingungen der Heimweber kam es vom 3.-6.Juni 1844 im benachbarten Peterswaldau, zu einem Weberaufstand, der sich auch nach Langenbielau ausbreitete. Der Aufstand wurde in Gerhard Hauptmanns Schauspiel "Die Weber" dargestellt.

Gruß Dieter
 

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