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Thema: Nicht ausgegebene Briefmarken weltweit
Das Thema hat 202 Beiträge:
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merkuria Am: 04.05.2017 08:48:34 Gelesen: 6025# 178 @  
Italien besetzte vom 31. August bis zum 27. September 1923 als politische Repressalie die griechische Insel Korfu. Am 12. September wurde ein Postamt eröffnet welches italienische Marken mit dem Aufdruck Corfu verwendete (Griechenland-Ionische Inseln Mi Nr. 4-11). Am 24. September verausgabte man 3 Werte mit dem Aufdruck CORFU sowie der Wertangabe in Lepta (Griechenland-Ionische Inseln Mi Nr. 12-14). Drei weitere Wertstufen waren noch zur Ausgabe vorgesehen, trafen aber erst am 26. September aus Italien ein, also am Tag der Schliessung des Postamtes. Somit gelangten diese drei Werte (Griechenland-Ionische Inseln Mi Nr. I-III) nicht mehr zum Schalterverkauf. Italien räumte die Insel am 27. September 1923 nach 28-tägiger Besetzung. Was mit den Unverausgabten weiter geschah und wie diese in den Handel gelangten ist ungeklärt.



Ein kompletter Satz dieser Unverausgabten wird zur Zeit mit ca. 30 US$ gehandelt.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 07.05.2017 09:30:31 Gelesen: 5550# 179 @  
1961 verkaufte die Chambon Ltd. of London der Australischen Banknotendruckerei in Melbourne eine neue Photogravur-Druckmaschine. Die Druckerei, welche nebst den Postwertzeichen für Australien auch diejenigen von Papua herstellte, wollte ihre Fabrikationsmöglichkeiten auf die neue Drucktechnik in Photogravur erweitern. Dazu wurden etliche Briefmarken zu Versuchszwecken hergestellt, dabei auch eine von Papua geplante Sonderausgabe zu 5 Shilling mit dem Titel „Patrol Party“.

Diese Marke wurde in 60er Bogen gedruckt und dem beratenden Ausschuss für Briefmarkenausgaben der Post Papuas präsentiert. Der Ausschuss lehnte eine Ausgabe dieser Briefmarke jedoch ab, da die Patrouille bewaffnet dargestellt wurde, was in Anbetracht der zeitnahen Unruhen mit der Landbevölkerung nicht erwünscht war. Damit sollten die bereits in unbekannter Stückzahl gedruckten Versuchsmarken der Vernichtung zugeführt werden.



Gemäss Literatur sollen noch 100 Exemplare dieser Unverausgabten existieren und teilweise ihren Weg in den Handel gefunden haben. Die Stücke werden zur Zeit einzeln mit 650 A$ (ca. 460 €) und im Viererblock zu 2400 A$ (ca. 1700 €) gehandelt.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
rsdererste Am: 09.05.2017 11:23:09 Gelesen: 5453# 180 @  
Da hätte ich auch noch ein Schmankerl,

gruss ralf

Die Einzelmarke wertet laut Michel Spezialkatalog 2016 mit 50,- pro Stück.




 
merkuria Am: 10.05.2017 08:45:21 Gelesen: 5356# 181 @  
Die ersten Post- und Dienstmarken für die Britische Kolonie Kuwait sollten 1923 erscheinen. Dazu verwendete man Ausgaben von 1911/1923 aus Britisch Indien und versah diese zunächst mit einem einzeiligen Aufdruck KOWEIT (Mi Nr. I-XIV)sowie für die Dienstmarken mit einem zweizeiligen Aufdruck KOWEIT / SERVICE (Mi Nr. Dienst I-XIII). Es wurden je Aufdruck erst einmal nur 2 Bogen à 12 Marken je Wertstufe, also total 24 Serien mit diesen Aufdrucken in Calcutta hergestellt. Die zuständigen Bewilligungsstellen waren mit der Bezeichnung KOWEIT jedoch nicht einverstanden und verlangten einen Aufdruck mit der Landesbezeichnung KUWAIT. Die 24 Serien mit KOWEIT, respektive KOWEIT / SERVICE sollten nicht zum Schalterverkauf gelangen.

Gemäss Literatur sollen von den 24 KOWEIT-Aufdruck-Serien nur deren 17 im Handel verfügbar sein. Eine Viererblock-Serie ging an die Königliche Sammlung in London, zwei Serien erhielt der Indische Vizekönig und eine Serie ging an den Postdirektor von Kuwait. Die verbleibenden 17 Serien wurden an einen britischen Händler verkauft, der diese in den Handel einfliessen liess. Die unverausgabten KOWEIT-Serien zählen zu den grossen Raritäten des British Commonwealth und werden äusserst selten angeboten.



Die Abbildung rechts zeigt den endgültig verausgabten Aufdruck.

An der 1086. Siegel Auktion vom November 2014 in New York wurde unter der Los Nr. 2200 eine komplette Serie beider unverausgabten Aufdrucke (27 Werte) zu 32‘500 US$ + Aufgeld verkauft.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 13.05.2017 08:45:34 Gelesen: 5131# 182 @  
1973 sollte in Tahiti ein Ärztekongress von französischen Ärzten stattfinden. Die Post von Französisch Polynesien entschied sich, dazu eine Sonderbriefmarke auszugeben. Eine 50 Francs Marke wurde produziert und der Ausgabetag war für den Eröffnungstag des Kongresses festgelegt.

Da sich die französische Ärzteschaft an den neuen Abtreibungsgesetzen Frankreichs stark zerstritt, wurde der Kongress abgesagt. Aus diesem Grunde wurde die vorbereitete Briefmarke nicht ausgegeben und die produzierten Bestände sollten vernichtet werden. 1976 wurde durch einen Artikel in der Zeitschrift „Pacifica“ der britischen Studiengruppe für die Pazifischen Inseln bekannt, dass die Französische Postdirektion einem Händler 50 Exemplare dieser Unverausgabten zum vorgesehenen Postpreis verkauft hatte!



An der Cherrystone Auktion vom Juni 2008 in New York wurde unter der Los Nr. 4424 diese Unverausgabte zu 2‘600 US$ + Aufgeld verkauft.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 16.05.2017 08:42:02 Gelesen: 4721# 183 @  
Die Post des Osmanischen Kaiserreiches plante 1918 eine Sonderausgabe zur Besetzung der Sinai-Halbinsel und Ägyptens (Mi Nr. IX-XIV). Infolge Niederlage der türkischen Streitkräfte gegen die Briten kam diese bereits durch die Staatsdruckerei Wien produzierte Ausgabe jedoch so nie an den Postschalter. Die Marken wurden dann 1919 mit entsprechenden Aufdrucken für andere Ausgabenanlässe genutzt, so z.B. am 21. Januar 1919 anlässlich des Waffenstillstandes (Mi Nr. 649-651) oder zum 1. Jahrestag der Thronbesteigung von Sultan Mehmed VI. (Mi Nr. 653-656). Auf jeden Fall kamen Marken ohne Aufdruck nie zur offiziellen Ausgabe, sind aber vereinzelt gleichwohl in den Handel gelangt.



Ein kompletter, gezähnter Satz dieser Unverausgabten wird zur Zeit in ebay für 3‘000 US$ angeboten.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 19.05.2017 09:12:09 Gelesen: 4467# 184 @  
Im Juni 1923 verausgabte Griechenland eine Freimarkenausgabe (Mi Nr. 239-248). Dazu verwendete man Freimarken der Ausgabe 1913 und versah diese mit einem dreizeiligen Aufdruck Revolution / 1922 / neue Wertangabe. Zur Ausgabe war auch eine Wertstufe 10 Drachmen auf 10 Drachmen (Mi Nr. II) vorgesehen, welche durch Aufdruck auf die Freimarke Mi Nr. 188 hergestellt wurde. Aus unbekannten Gründen wurde diese jedoch nie ausgegeben und die bereits überdruckten Bogen sollen vernichtet worden sein. Trotzdem kam eine nicht bekannte Anzahl dieser Unverausgabten in den Handel.



An der 637. Daniel F. Kelleher Auction vom Juni 2013 in Danbury/USA wurde unter Los 267 ein ungebrauchtes Exemplar dieser Unverausgabten für 200 US$ + Aufgeld verkauft.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 22.05.2017 07:32:52 Gelesen: 4210# 185 @  
Am 1. April 1927 verausgabte Griechenland eine Freimarkenausgabe (Mi Nr. 304-317) mit Wertstufen von 5 Lepta bis 25 Drachmen. Bei der Herstellung der Ausgabe wurde auch eine 1 Lepta-Wertstufe in Zeichnung der 10 Lepta (Mi Nr. 305) produziert. Bei der Ausgabe dieser Serie verzichtete man jedoch auf den Schalterverkauf dieser 1 Lepta, da die Wertstufe nicht mehr benötigt wurde. Die Auflage soll vernichtet worden sein, trotzdem sind aber Exemplare in unbekannter Zahl in den Handel gelangt (Mi Nr. IV).



Diese Stücke werden um ca. 150 US$ gehandelt.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 25.05.2017 09:06:15 Gelesen: 4001# 186 @  
Am 4. Januar 1922 verausgabte die Türkei eine Sonderausgabe anlässlich der Übernahme der türkischen Verwaltung von Adana (Mi Nr. 779-786). Dazu wurden 8 Wertstufen in Zeichnung der Mi Nr. 769 (Moschee in Edirne) in verschiedenen Farben hergestellt und mit einem zweizeiligen Aufdruck Adana / 5. Januar 1338 versehen. Ohne diesen Aufdruck kamen die Marken mit Ausnahme der Mi Nr. 769 nie an den Postschalter, sind aber in unbekannter Zahl gleichwohl in den Handel gelangt (Mi Nr. XV-XXII).




An der Cherrystone Auction vom Juni 2010 in New York/USA wurde unter Los 1179 ein ungebrauchter Satz dieser Unverausgabten für 700 US$ + Aufgeld verkauft.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 26.05.2017 09:55:40 Gelesen: 3906# 187 @  
@ Heinz 7 [#8]

Wieder einmal wird ein ideal gestempeltes Einzelstück der "Gscheidle"-Marke angeboten [1]:



Auf das Ergebnis darf man gespannt sein!

Grüsse aus der Schweiz
Jacques

[1] https://www.delcampe.net/en_GB/collectables/stamps/germany-7-federal-republic-used-stamps-4/bundesrepublik-deutschland-1980-nicht-zur-ausgabe-gelangt-sonder-ausgabe-olympische-sommerspiele-moskau-60-30-pf-450561078.html
 
Heinz 7 Am: 12.06.2017 23:17:08 Gelesen: 2884# 188 @  
@ merkuria [#12]

Schon früh haben wir diese Marke besprochen; Deutschland hat ja einige davon ("Nicht ausgegebene"). Die Marke 2001 trägt die Nummer XIX. Nun kommt das vielleicht "schönste" Exemplar zu Versteigerung, bei Christoph Gärtner. Ein Eckrandstück "unten rechts", das einzige bekannte.



Mit dem Namen der Schauspielerin auf dem Rand ist das Stück natürlich sehr attraktiv. Wir dürfen gespannt sein, ob das Stück verkauft wird. Im Jahr 2005 wurde das nun geforderte Ergebnis bereits einmal erreicht (Zuschlag Euro 135'000).

Schöne Grüsse
Heinz
 
merkuria Am: 20.06.2017 11:01:54 Gelesen: 2426# 189 @  
1939 plante die Post Spaniens eine Freimarkenausgabe. Dazu sollten drei Werte der Don Quijote-Ausgabe von 1905 (Mi Nr. 221,222 und 223) mit neuen Wertstufen überdruckt werden. Nach Fertigstellung der Marken beschloss man aus mir nicht bekannten Gründen jedoch, diese nicht zu verausgaben und zu vernichten. Eine unbekannte Anzahl dieser Unverausgabten gelangte aus nicht erklärbaren Gründen trotzdem in den Handel (MI Nr. VIII – X).



An der 339. Köhler Auktion von 2009 in Wiesbaden wurde unter Los 2614 ein ungebrauchter Satz dieser Unverausgabten für 640 € + Aufgeld verkauft.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 23.06.2017 09:05:00 Gelesen: 2218# 190 @  
Am 27. Juni 1978 plante Polen zwei Blockausgaben anlässlich der Teilnahme des ersten polnischen Kosmonauten am Interkosmosprogramm. Für diesen Flug vorgesehen war der Kosmonaut Zenon Jankowski. Kurz vor Start erkrankte Jankowski und konnte somit nicht an der Mission teilnehmen. Die Marken- und Blockausgaben waren jedoch schon mit dem Abbild des erkrankten Jankowski in Produktion und konnten so nicht ausgegeben werden (Mi Nr. IV und V/Block I und II).

Gemäss Literatur wurden von den bereits mit Jankowski gedruckten 31‘000 Sätzen 500 Sätze an das Postmuseum übergeben. Die restlichen 30‘500 Sätze sowie die beiden Blocks wurden vernichtet. Von den beiden Blocks sollen jedoch je 50 Stück erhalten geblieben sein.



An der 693. Kelleher Auktion vom September 2016 in Danbury/USA wurde unter Los 862 ein ungebrauchter Block-Satz mit dem unverausgabten Jankowski für 2‘200 US$ + Aufgeld verkauft.

Die Produktion wurde kurzfristig auf den Ersatzkosmonauten Miroslaw Hermaszewski umgestellt, welche dann fristgerecht verausgabt wurden (Mi Nr. 2563-2564 und Block 70/Block 71).



Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 26.06.2017 08:30:36 Gelesen: 1975# 191 @  
Ende 1977 informierte die kanadische Post ihre Kunden mit einer illustrierten Neuheitenmeldung zu einer bevorstehenden Freimarkenausgabe vom 7. Dezember 1977. Dabei waren 3 Wertstufen zu 50, 60 und 75 Cents vorgesehen.



Aus uns nicht bekannten Gründen wurde diese Ausgabe aber erst am 6. Juli 1978 (Mi Nr. 695-697) herausgegeben. Da zu dieser Zeit für eine 60 Cents Wertstufe keine Verwendung mehr vorlag, verausgabte man die Zeichnung der 60 Cents kurzerhand als 80 Cents Wertstufe. Die Kunden wurden vor dem neuen Ausgabetermin darüber informiert und hatten auch neue Bestellungen für die gesamte Ausgabe zu tätigen.

endgültige 80 C Ausgabe

Die unverausgabte 60 Cents ist uns nur aus der Neuheitenmeldung 1977 bekannt. Eine Originalmarke ist noch nie aufgetaucht, was vermuten lässt, dass diese Nominalen-Änderung vor der Drucklegung erfolgt sein muss.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 26.06.2017 21:21:25 Gelesen: 1903# 192 @  
@ merkuria [#187]

Auch aus Deutschland kommt eine andere nie verausgabte Marke: Der "gelbe Dom". Diese Briefmarke hat es sogar zu einem eigenen Eintrag auf Wikipedia gebracht:

26.6.2017: "Der gelbe Dom ist eine nie ausgegebene Briefmarke der Deutschen Post. Ab dem 1. September 1948 wurde in der amerikanischen und britischen Zone des unter alliierter Besetzung stehenden Deutschlands eine neue Briefmarkenserie eingeführt, die Bautenserie. Ein geplantes Motiv war der Kölner Dom in einer Wertstufe zu fünf Pfennig in der Farbe gelb. Die Marke war als Zuschlag für eine Luftpostbeförderung gedacht.

Die tatsächlich ausgegebene Briefmarke hatte eine blaue Farbe (Michelkatalog Nummer 75: Alliierte Besetzung (Amerikanische und Britische Zone), 1948), die gelben Drucke wurden bis auf wenige Exemplare vernichtet. Bisher sind drei Auktionen von Einzelmarken bekannt.

Der einzige vollständige Briefmarkenbogen wurde erstmals vom 20. bis 22. September 2007 auf der Kölner Messe Philatelia und MünzExpo gezeigt. Das Exemplar stammt aus dem Bonner Archiv für Philatelie der Museumsstiftung Post und Telekommunikation. Der Versicherungswert dieses Bogens beträgt eine Million Euro."



Wo die drei Einzelstücke verkauft wurden, weiss ich nicht.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
merkuria Am: 29.06.2017 08:36:16 Gelesen: 1711# 193 @  
Am 20. Oktober 1958 verausgabte die Sowjetunion eine Sonderausgabe anlässlich des 25. Gründungsjahres von drei sowjetischen Industriezentren (Mi Nr. 2157-2159). Eigentlich hätte in dieser Ausgabe ein viertes Industriezentrum gewürdigt werden sollen: Woroschilovgrad. Da die Stadt Woroschilovgrad (Ukraine) jedoch am 5. März 1958 wieder in ihren ursprünglichen Namen Lugansk umbenannt wurde, verzichtete man auf die Ausgabe dieser bereits hergestellten Briefmarke (Mi Nr. XX). Die Auflage wurde vernichtet, trotzdem fand eine unbekannte Anzahl dieser Unverausgabten ihren Weg in den Handel.



An der Cherrystone Auction vom Juni 2012 in New York/USA wurde unter Los 1447 wurde ein ungebrauchtes Exemplar dieser Unverausgabten für 800 US$ + Aufgeld verkauft.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 29.06.2017 13:31:11 Gelesen: 1680# 194 @  
@ Meinhard [#100]

Österreich hatte auch weitere Briefmarken vorbereitet, die dann aber nicht zur offiziellen Ausgabe kamen.

Österreich-ungarische Feldpost:





Diese Marken wurden bei Gärtner an der eben erst abgeschlossenen Auktion verkauft für Euro 1'350 & Zuschlag. Der Ausruf lag bei Euro 1'500; offenbar war nur zu einem Untergebot die Nachfrage da.

Auktionstext:

"1918, nicht ausgegebene Freimarken Kaiser Karl I. mit Aufdruck 'BANI' kompletter Satz 1 H. bis 90 H. (13 Werte), postfrisch und sign. bzw. Prüfungsattest Matl VÖB (1976), sehr seltener Satz! Im Michel keine Bewertung für den kompl. Satz (ANK. I/XIII, € 4.300,--)"

Grüsse aus der Schweiz
Heinz
 
merkuria Am: 02.07.2017 09:20:42 Gelesen: 1476# 195 @  
Vom 29. – 30. Oktober 2008 fand in New York eine Cherrystone Auktion statt, an der die bedeutende Sowjetunion-Sammlung von S. Shtern aufgelöst wurde. Diese Auktion ermöglicht uns den Einblick in etliche unverausgabte Marken der Sowjetunion, die an anderer Stelle kaum angeboten werden oder deren Existenz uns bisher kaum bekannt war. Ich möchte diesen Thread dazu nutzen, einige dieser Raritäten vorzustellen.

Am 27. Juni 1959 plante die Sowjetunion eine Sonderausgabe anlässlich des 250. Jahrestages der Schlacht von Poltawa [1]. Diese Schlacht endete mit einer herben Niederlage der Schweden gegen die Russen. In Voraussicht seines für August geplanten Staatsbesuches in Schweden, verfügte Nikita Chruschtschow aus politischen Gründen die Nichtausgabe und Vernichtung dieser bereits produzierten Ausgabe. Gemäss Literatur sollen 40 Exemplare der Vernichtung entgangen sein.



An der Cherrystone Auction vom Oktober 2008 in New York/USA wurde unter Los 553 ein ungebrauchtes Exemplar dieser Unverausgabten für 22‘000 US$ + Aufgeld verkauft.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Poltawa
 
merkuria Am: 05.07.2017 08:39:23 Gelesen: 1283# 196 @  
1964 plante die Sowjetunion die Ausgabe einer Sondermarke anlässlich einer vorgesehenen „Weltfriedens-Kreuzfahrt“ in drei skandinavische Länder. Diese Kreuzfahrt sollte die geplanten Staatsbesuche von Nikita Chruschtschow in diese Länder begleiten. Infolge der Absetzung von Chruschtschow wurden diese Staatsbesuche abgesagt und die Kreuzfahrt fand nicht statt. Die bereits fertiggestellte Ausgabe wurde vernichtet, jedoch soll eine Handvoll davon der Vernichtung entgangen sein.



An der Cherrystone Auction vom Oktober 2008 in New York/USA wurde unter Los 576 ein ungebrauchtes Exemplar dieser Unverausgabten für 25‘000 US$ + Aufgeld verkauft.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 08.07.2017 09:00:06 Gelesen: 1030# 197 @  
1959 plante die Sowjetunion eine Sonderausgabe anlässlich des 40. Jahrestages des Sowjetischen Staatszirkus. Aus nicht eindeutig belegten Gründen verzichtete man kurzfristig auf eine Verausgabung dieser bereits produzierten Ausgabe und vernichtete diese. Eine Erklärung für den Rückzug der Ausgabe besteht darin, dass man mit der Inschrift „Sowjetischer Zirkus“ (Советскomy циркy) nicht glücklich war. Die wenigen im Handel vorkommenden Stücke sind ausschliesslich von bereits verschickten Präsentationskarten abgelöst worden.



An der Cherrystone Auction vom Oktober 2008 in New York/USA wurde unter Los 548 ein ungebrauchtes Exemplar dieser Unverausgabten für 12‘000 US$ + Aufgeld verkauft.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 11.07.2017 09:06:27 Gelesen: 783# 198 @  
1965 plante die Sowjetunion eine Sonderausgabe anlässlich des 20. Jahrestages der Wiedervereinigung der Karpatenukraine mit der Ukraine. Aus politischen Gründen verzichtete man jedoch auf eine Verausgabung dieser noch nicht fertiggestellten Ausgabe. Wahrscheinlich wollte man jegliche Diskussionen um das 1946 von der Tschechoslowakei annektierte Gebiet vermeiden.

Gemäss Literatur wird angenommen, dass nur wenige Stücke für Präsentationskarten verwendett wurden. Da diese Marke praktisch nie im Handel erscheint, wird oft behauptet, dass es sogar nur ein Stück davon in privaten Händen geben soll.



An der Cherrystone Auktion vom Oktober 2008 in New York/USA wurde unter Los 580 ein ungebrauchtes Exemplar dieser Unverausgabten für 26‘000 US$ + Aufgeld verkauft.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
Heinz 7 Am: 11.07.2017 12:34:39 Gelesen: 758# 199 @  
@ merkuria [#195], [#196], [#197] und [#198]

Lieber Jacques,

das sind tolle Geschichten und Marken, die ich alle noch nie gesehen habe.

Der Cherrystone-Auktionskatalog ist eine wahre Goldgrube für unsere Kenntnisse über diese (den Meisten von uns) unbekannte Marken. Hast Du den Katalog?

Heinz
 
merkuria Am: 14.07.2017 09:08:31 Gelesen: 544# 200 @  
1958/1959 verausgabte die Sowjetunion 3 verschiedene Freimarken mit den Trägerschaften des Landes (Arbeiter Mi Nr. 2138, Bauern Mi Nr. 2198, Intellektuelle Mi Nr. 2230).



Geplant war eine vierte Freimarke zu dieser Serie mit dem Motiv eines Soldaten. Aus nicht bekannten Gründen blieb diese Marke unverausgabt, gelangte aber in nicht bekannter Anzahl trotzdem in den Handel.



An der Cherrystone Auktion vom Oktober 2008 in New York/USA wurde unter Los 549 ein ungebrauchtes Exemplar dieser Unverausgabten für 2‘700 US$ + Aufgeld verkauft.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 17.07.2017 09:40:10 Gelesen: 276# 201 @  
Am 1. September 1965 verausgabte die Sowjetunion eine Sonderausgabe zur 20 Jahr-Feier von 3 internationalen Organisationen (Mi Nr. 3111-3113). Dabei wurde auch die Internationale Frauenföderation geehrt (Mi Nr. 3113).

Bei der Herstellung der Frauenföderations-Marke wurde irrtümlich die Bezeichnung „Welt“ (BCEMИPHOй) wie bei den anderen Werten der Ausgabe verwendet. Nachdem die Marke bereits produziert war, bemerkte man den Irrtum: an der Stelle sollte es „Internationale“ heissen (Международной). Die erste Drucklegung wurde vernichtet. Die wenigen im Handel vorkommenden Stücke wurden wohl von bereits verschickten Präsentationskarten abgelöst.



rechts: Endgültige Ausgabe

An der Cherrystone Auktion vom Oktober 2008 in New York/USA wurde unter Los 583 ein ungebrauchtes Exemplar dieser Unverausgabten für 6‘000 US$ + Aufgeld verkauft.

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 
merkuria Am: 20.07.2017 09:17:39 Gelesen: 78# 202 @  
Am 30. November 1969 verausgabte die Sowjetunion eine 4 Kopeken Freimarkenausgabe für Automaten (Mi Nr. 3697). Diese Marken wurden im Rastertiefdruck ausschliesslich in Rollen zu 1000 Stück produziert. Die Auflage wurde mit 4 Mio angegeben, eine offizielle Ausgabe in Bogenform ist nie erfolgt.

Gemäss Literatur aus 2008 sollen jedoch zwei ungebrauchte Viererblocks dieser Marke existieren, deren Herkunft und Sinn nicht erklärt werden konnte. 2012 tauchte beim Auktionshaus Feldman auch plötzlich ein gebrauchter Viererblock mit Stempel Moskau vom 1.1.1970 auf! Diese Umstände lassen es offen, weshalb und in welcher Menge diese Marke auch in Bogen- oder Kleinbogen hergestellt wurde.



An der Cherrystone Auktion vom Oktober 2008 in New York/USA wurde unter Los 606 ein ungebrauchter Viererblock für 7‘500 US$ + Aufgeld verkauft.



An der David Feldman vom 19. September 2012 wurde ein gestempelter Block dieser Unverausgabten unter Los 10615 für gerade mal 380 € + Aufgeld verkauft!

Grüsse aus der Schweiz
Jacques
 

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