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Thema: Altdeutschland Thurn und Taxis Postscheine
sentawau Am: 01.10.2020 11:06:04 Gelesen: 210# 1 @  
Es scheint, als sei mit Hans A. Weidlichs Tod auch das systematische Sammeln von Postscheinen gestorben. Sicherlich zu Unrecht, denn dieses Teilgebiet der Philatelie hat viel Interessantes zu bieten.

So gibt es z. B. im Großherzogtum Hessen eigene Postscheine für „Herrschaftliche Sendungen“. Sie sind nicht häufig. Ich besitze davon drei verschiedene, ausgestellt 1855 in Worms, 18?? [etwa 1860] in Niederwöllstadt und 1861 in Worms.

Sind weitere Scheine bekannt?




Bei diesen Sendungen entfiel die Scheingebühr, bei zwei der abgebildeten Scheine auch das Porto. Auf dem Schein von Niederwöllstadt jedoch sind 7 Kreuzer Porto angeschrieben. Warum?

Eigene Scheine für herrschaftliche Sendungen kenne ich aus dem Bereich der Taxispost nur noch aus den Fürstentümern Lippe. Leider besitze ich davon noch keinen. In Preußen dagegen kommen besondere Scheine für portofreie Sendungen sehr viel häufiger vor.

Ein schönes Wochenende wünscht
Sentawau
 
Magdeburger Am: 01.10.2020 16:17:35 Gelesen: 184# 2 @  
@ sentawau [#1]

Hallo Sentawau,

wenn ich mir die Scheine so anschaue, sehe ich, dass auf alle ein Franco notiert werden konnte. Die Frage die sich stellt, was sind eigentlich "Herrschaftliche Sendungen". Hat dies unbedingt etwas mit Portofreiheiten zu tun - dies würde eigentlich schon dem Schein widersprechen.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
sentawau Am: 02.10.2020 16:34:35 Gelesen: 130# 3 @  
@ Magdeburger [#2]

Deine Frage, was herrschaftliche Sendungen eigentlich sind, habe ich mir auch gestellt. Anfangs glaubte ich, es seien Sendungen von Standesherren, deren es im Großherzogtum Hessen reichlich gab (Solms, Erbach, Riedesel, Isenburg u. a.). Obwohl mediatisiert, waren sie ja auf dem Wiener Kongress standesrechtlich den regierenden Häusern gleich gestellt. Dann habe ich aber den bis 1867 geltenden Lehensvertrag mit Taxis von 1807 genau durchgelesen und darin nichts von Standesherren gefunden, wohl aber in § 13 eine genaue Auflistung aller zur Nutzung des Portofreitums Berechtigten. Das Wort „herrschaftlich“ kommt im Lehnsvertrag gelegentlich vor, meint aber immer „großherzoglich“.

Vielleicht betrifft der Franko-Vermerk Sendungen ins Ausland, wo ja das Freitum nicht galt.

In anderen Staaten benutzte die Taxispost für portofreie Sendungen normale Postscheine. So im Doppel-Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha 1855:

Friedrichsroda ist ein Städtchen sw von Gotha am Fuße des Inselsberges. Etwas außerhalb liegt Schloss Reinhardsbrunn, das den Herzögen von Gotha als Sommerresidenz diente. So war die Postexpedition Friedrichsrolda zeitweise quasi ein Hofpostamt. Die an die herzogliche Privatkasse zu Coburg – die zweite Residenz, gelegen im Guldengebiet – gerichtete Geldsendung (in Talern) war portofrei, doch wurde die Scheingebühr erhoben. Sie war ja kein Porto!

Eine vergleichende Betrachtung der Postscheine von Thurn & Taxis wirft viele Fragen auf. Ich werde weiter darüber berichten.

Für heute grüßt
Sentawau.
 
Magdeburger Am: 02.10.2020 16:47:33 Gelesen: 128# 4 @  
@ sentawau [#3]

Vielleicht betrifft der Franko-Vermerk Sendungen ins Ausland

Hallo sentawau,

das ist ein Argument.

Danke auch für die umfassende Antwort.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
sentawau Am: 02.10.2020 16:48:56 Gelesen: 128# 5 @  
Nachtrag:

der Postschein von Sachsen-Coburg-Gotha kam nicht mit ins Bild. Der sollte hinter
 
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