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Thema: Bund: Nicht angenommene Entwürfe
Rainer HH Am: 08.10.2012 17:01:09 Gelesen: 5001# 1 @  
Unbekannter Essay Bundespost ?

Hat jemand nähere Information zum abgebildeten Entwurf einer 5-DM-Marke?



Gruß Rainer
 
Marcel Am: 08.10.2012 18:31:39 Gelesen: 4970# 2 @  
@ Rainer HH [#1]

Hallo Rainer,

wann der Markenentwurf entstanden ist, kann ich Dir nicht sagen, aber die Jahreszahlen auf der Marke kann ich Dir erklären.

1740: Entstehung der Gestalt, Farbe und Form der Beschriftung für die Umwidmung in einen Orden "pour le Mérite" (für Verdienst) durch Friedrich den Großen im Juni 1740 unmittelbar nach seiner Thronbesteigung.
1842: Entstehung der „Friedensklasse“ des Ordens unter der Bezeichnung "Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste" durch Friedrich Wilhelm IV der angeregt wurde durch Alexander von Humboldt.
1922: Der Orden hat sich als "freie Vereinigung von hervorragenden Gelehrten und Künstlern" konstituiert.
1952: Bundespräsident Theodor Heuss wurde 1952 Protektor des Ordens.

Weitere Infos zu dem Orden findest Du hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Pour_le_M%C3%A9rite , http://www.kulturportal-deutschland.de/kp/Einrichtung.html?EinrichtungID=168 oder http://www.orden-pourlemerite.de/

beste Grüße Marcel
 
lueckel2010 Am: 08.10.2012 18:56:12 Gelesen: 4957# 3 @  
@ Rainer HH [#1]

Hallo Rainer!

Wenn ich nicht total "schief liege", meine ich, damals in der "Fachpresse" gelesen zu haben, dass die abgebildete "Marke" der Höchstwert zur Dauerserie "Deutsche Bauwerke aus zwölf Jahrhunderten" (Bund 489 ff. bzw. Berlin 270 ff.) werden sollte.

Warum dieser Plan nicht realisiert wurde, kann ich allerdings nicht sagen. Gib mal bei Google "Essay Pour le Merite" ein, dort kannst Du einiges nachlesen.

Noch einen schönen Abend, Gerd (lueckel2010)
 
Rainer HH Am: 08.10.2012 19:48:13 Gelesen: 4933# 4 @  
@ lueckel2010 [#3]

Ich danke Dir, der Link zum BDPh-Forum erklärt alles! ;)

@ Marcel [#2]

Auch Dir vielen Dank für die geschichtlichen Daten.

Gruß Rainer
 
Wim Ehlers Am: 04.12.2014 08:10:47 Gelesen: 4207# 5 @  
In einem Buch zur 1. Rhein-Ruhr-Posta 1976 in Essen fand ich folgenden Block und entsprechende Erklärungen:



Entwurf eines Postwertzeichens zu 5 oder 10 DM mit dem Orden Pour le rnerite für Wissenschaften und Künste

In der tragischen deutschen Geschichte gibt es kaum etwas, das nicht sofort Anlass zu verschiedener Meinung böte. Eine erfreuliche Ausnahme bildet der Orden «Pour le merite für Wissenschaften und Künste». Früher von Monarchisten und Republikanern gleichermassen anerkannt, stand er von jeher und auch heute noch jenseits des Streites der Parteien.

1740 stiftete König Friedrich H. von Preussen den Orden « Pour le merite ».

1842 erweiterte ihn Friedrich Wilhelm IV. um die Friedensklasse « Pour le merite für Wissenschaften und Künste» und schuf damit etwas ähnliches, wie die « Academie Francaise ».

1922 beschloss das Kapitel des Ordens, diesem den Charakter einer freien Vereinigung von hervorragenden Gelehrten und Künstlern zu geben und erhielt 1924 dazu die Genehmigung des preussischen Staatsministeriums.

1954 - Vernachlässigt in den Jahren 1934 bis lange nach dem Kriege wurde der Orden 1952 erneut bestätigt, und 1954 übernahm Bundespräsident Heuss das Protektorat mit den Worten: « Ich zweifele nicht, dass die Achtung, die ihm das deutsche Volk immer bekundet und das Ausland nie versagt hat, eine neue Festigung erfahren.

1975 - Bundespräsident Scheel schliesslich sagte 1975 in einer Ansprache vor den Mitgliedern des Ordens: Zwei Persönlichkeiten, die wir ohne Übertreibung getrost den grossen Deutschen zurechnen dürfen, ist es zu verdanken, dass der Orden zwei Weltkriege, Revolutionen, Umbrüche und Umwälzungen gesellschaftlicher Art überstanden hat.

Adolf von Harnack hat den Orden 1919 für die erste deutsche Republik gerettet. Theodor Heuss ist es zu verdanken, dass der in der Zeit des Nationalsozialismus fast verloschene Pour le rnerite für Wissenschaften und Künste weiterlebt und als kostbares und verpflichtendes Erbe bewahrt wird.

Das Symbol des Ordens bietet sich geradezu an, der BR Deutschland mehr Tradition zu geben. Leider ist diese hohe Auszeichnung für die besten deutschen und ausserdeutschen Geister im Volke nicht so bekannt, wie es wünschenswert wäre.

So entstand die Idee für den Entwurf eines Postwertzeichens mit diesem Orden. Der Stil des Essays ist unpolemisch gemeint; er lehnt sich in bewusster Tradition an eine der schönsten Marken, die der 5 Mark Reichspost vom. 1. Januar 1900 an.

Die Farben sind von aussen nach innen: schwarz, rot, gold, und darauf sitzt in der Mitte das Blau des Ordens. Links und rechts im Rahmen stehen die vier Jahreszahlen, die für diesen schönen und hohen Orden von Bedeutung sind, unten in den Ecken, links der alte und rechts der neue Adler.

Dieser Entwurf ist von Politikern aller Parteien, von der Postgewerkschaft und dem Bund Deutscher Philatelisten befürwortet worden. Es wäre möglich, neben der unlängst ausgegebenen 500 Pfennig Marke, eine Freimarke zu 5 DM zu schaffen oder den Entwurf für ein seit Jahren in Aussicht genommenes Postwertzeichen zu. 10 DM zu benutzen. Die Schweiz z.B. hat seit 1961 Marken zu 10 und 20 Franken, und Bayern hatte schon seit 1911 solche zu 10 und 20 Mark.

In unserer an Symbolen arm gewordenen Zeit könnte das entworfene Postwertzeichen zu 5 DM bei den Kunden der Post und den Millionen von Philatelisten in Deutschland, insbesondere bei der Jugend dazu beitragen, den Orden in deren Bewusstsein zu bringen. Mit der Pflege einer solchen Tradition würde die BR Deutschland an Gesicht und dem Ausland gegenüber an Prestige gewinnen.

Beste Grüße
Wim
 
jmh67 Am: 04.12.2014 10:46:18 Gelesen: 4178# 6 @  
Eine interessante Geschichte! Allerdings finde ich, dass eine quadratische Marke für die Darstellung eines solchen Ehrenzeichens (wie 1992 ausgegeben) besser geeignet wäre als das breite Querrechteck. Mich stören bei dem gezeigten Entwurf die großen farbigen Freiflächen links und rechts. Im BDPh-Forum steht übrigens sinngemäß, dieser Entwurf sei nicht von der Post, sondern von privater Seite vorgelegt worden.

Bis vor kurzem hätte ich übrigens abgestritten, dass Briefmarken zu 10 DM nötig gewesen wären, aber dann kamen mir ein paar Briefstücke aus den frühen 1990ern in die Hände, die mal auf die Philippinen gereist waren und auf denen jeweils 42,50 DM verklebt waren ... und es hat bis 2011 gedauert, bis mit dem 5-Euro-Enzian eine vergleichbare Wertstufe erschien. Ein Maxibrief International kostet ja schon 17 EUR, auch wenn darauf genug Platz für Briefmarken sein mag.

Jan-Martin
 
Wim Ehlers Am: 04.12.2014 13:08:36 Gelesen: 4147# 7 @  
@ jmh67 [#6]

Die 1992 realisierte Marke war

MiNr 1603 der Deutschen Bundespost



Beste Grüße
Wim
 
Winni451 Am: 03.04.2021 12:22:36 Gelesen: 434# 8 @  
Hallo

Im Internet sind weitere alternative Entwürfe zu Bundmarken zu finden, angeblich von der Bundesdruckerei angefertigte, zum Teil schwarz/weiße Drucke auf Karton.

Zur Michelnummer Bund 451 aus dem Jahr 1964 zur Olympiade Tokyo findet man dazu einige Beispiele die die Händler zu mindestens 35 € meist aber 45 bis 100 € zu verkaufen suchen.

Hier zwei Beispiele:



Diese sehen so aus, wie in der Jahreszusammenstellung der deutschen Bundespost aus dem Jahr 1964 mit den alternativen Entwürfen und Erklärungen.

Der erste Entwurf stammt von Gerd und Erika Aretz.
Der zweite Entwurf wird dort Reinhart Heinsdorff zugesprochen.

Genauere Informationen über die Herkunft dieser einzelnen Kartondrucke habe ich nicht.

Grüße Winfried
 
Bicyclestamps Am: 21.07.2021 23:03:45 Gelesen: 107# 9 @  
Hallo,

das sind Archivfotos, also keine Drucke von eingereichten Briefmarkenentwürfen. Dieses Archiv wurde anscheinend beim Zuständigkeitswechsel für Briefmarken vom Postministerium ans Finanzministerium aufgelöst und an Händler in aller Welt verkauft. Einer dieser Händler (France International) hat dies in seinen Auktionen wie folgt beschrieben (von Google übersetzt):

Diese Fotos stammen aus Kisten, die aussortiert wurden, als die Verantwortung für die Briefmarkenausgaben vom Postministerium auf das Finanzministerium überging und die Regierung von Bonn nach Berlin umzog.

Das Material beginnt in den späten 1950er Jahren und reicht bis Mitte der 1970er Jahre. In der Regel wurden von jedem vorgeschlagenen Entwurf etwa 5 Kopien im Archiv aufbewahrt. Der Grund dafür war wahrscheinlich "gutes Verwaltungsverhalten": Besser eine Kopie anfertigen und ablegen, denn man weiß nie ...

Die Originalentwürfe (und nur diese, keine Schwarz-Weiß-Fotos) lagen vor, als die deutsche Briefmarkenauswahlkommission ihre Entscheidungen traf, und entweder wurden diese Originale dem Künstler zurückgegeben oder sie wurden von der Deutschen Bundespost gekauft. In beiden Fällen standen sie der Verwaltung nicht mehr zur Verfügung, so dass es einen vernünftigen Zweck gab, eine Kopie "nur für den Fall" aufzubewahren. Fotokopiergeräte waren zu dieser Zeit nicht verfügbar, daher wurde ein Foto gemacht und archiviert. Negative wurden entweder nicht archiviert oder beim Umzug zerstört; zumindest gibt es keine Anzeichen dafür, dass sie überlebt haben.




Das erste ist ein Archivfoto mit zugehörigem Aufbewahrungsumschlag
Das zweite ein Archivfoto eines Entwurfes von Hella und Heinz Schillinger
Das dritte ist der Originalentwurf in einem Passepartout montiert (wahrscheinlich alle von 1972)

Bis 1969 wurden diese auch in den sogenannten Ministerjahrbüchern veröffentlicht.



Das sind 3 Seiten aus dem Ministerjahrbuch von 1969
 
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