Neues Thema schreiben   Antworten     zurück Suche   Druckansicht  
Thema: Großherzogtum Baden: Belege des 19. Jahrhunderts
Das Thema hat 121 Beiträge:
Gehe zu Seite: 1 2 3 4   5  oder alle Beiträge zeigen
 
Max78 Am: 04.08.2017 13:12:01 Gelesen: 23571# 97 @  
Danke Dir, Ralph, für dieses Statement, gibt Sicherheit. ;-)

Als ich damit angefangen habe, zu Gerichtsvollziehern, Gerichtsboten, Amtsboten und all dem zu recherchieren, war ich mir einfach unsicher, ob dieser Brief eventuell nicht auch von dem Gerichtsboten zugestellt wurde, mit der eigentlichen Post somit nichts zu tun hatte. Zudem habe ich selten so eine Sauklaue vor der Linse gehabt, die so schlecht zu lesen ist.

herzliche Grüße Max
 
10Parale Am: 28.08.2017 18:06:19 Gelesen: 22445# 98 @  
@ forum et badener,

als gebürtiger Badener lese ich hier immer wieder Neues und Interessantes zu meiner Heimat.

Hier ein kleiner Beleg von mir. Er lief am 8. Februar 1840 von Freiburg i.Br. an das löbliche Bürgermeisteramt in Pfaffenberg (im Amt Schönau). Es handelt sich um eine Quittung Nr. 37.

Links unten sieht man den Vermerk "pressant", was ich als eine Frühform des Eilbriefs bewerten kann?. Der Brief wurde wohl mit der üblichen Gebühr von 6 Kreuzern belastet. Rechts sehe ich indes noch eine 4.

Liebe Grüße

10Parale


 
bayern klassisch Am: 28.08.2017 18:42:13 Gelesen: 22434# 99 @  
@ 10Parale [#98]

Links unten sieht man den Vermerk "pressant", was ich als eine Frühform des Eilbriefs bewerten kann?. Der Brief wurde wohl mit der üblichen Gebühr von 6 Kreuzern belastet. Rechts sehe ich indes noch eine 4.

Hallo 10Parale,

das Porto betrug 4 Kreuzer - dazu kamen 2 Kreuzer Landbestellgeld für den Landpostboten bis zum Empfänger = 6 Kreuzer.

Der Vermerk "pressant" war postalisch irrelevant, weil kein Expressbote ihn zustellte, sondern der in seiner Routine verhaftete Landbote. Ein Expresse war ein eigener Bote, der nur für diesen einen Brief hätte von der zuständigen Postexpedition zum Empfänger laufen müssen - das wäre teuer geworden.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
10Parale Am: 28.08.2017 20:03:16 Gelesen: 22416# 100 @  
@ bayern klassisch [#99]

Noch ein kleiner Beitrag zu dem Brief und zu deinen Ausführungen, für die ich mich bedanken möchte:

Der Vermerk "pressant" war postalisch irrelevant

Der handschriftliche Vermerk hatte dann doch wohl eher den Zweck

- den Empfänger auf die besondere Eile hinzuweisen, den man der Angelegenheit widmet

Sollte "der in seiner Routine verhaftete Landbote" (was für eine geniale Formulierung) dennoch den Vermerk zur Kenntnis genommen haben, war er sich der Bedeutung wohl durchaus bewusst.

Als Badener gebe ich zu würde ich, was meine Kenntnis der Philatelie betrifft, nur mit "ausreichend bis mangelhaft" reüssieren.

Liebe Grüße und herzlichen Dank

10Parale
 
bayern klassisch Am: 28.08.2017 20:58:54 Gelesen: 22409# 101 @  
@ 10Parale [#100]

Hallo 10Parale,

Briefe mit dem Vermerk "Pressant, dringend, schleunige Bestellung" usw. gibt und gab es zuhauf damals. Sie drückten den Wunsch des Absenders aus, die Post möge sich hinsichtlich ihrer sämtlichen Organe bei ihrem Brief besondere Mühe geben und ihn schnellstens zustellen.

Damals wie heute wusste aber die Masse der Korrespondenten wenig vom Postbetrieb, seinen Gangbarkeiten, Usancen und Routinen. War für den Absender in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts (s)ein Brief etwas Außerordentliches, so war es für die Postbediensteten nur schnöder Alltag.

Ein Absender konnte i. d. R. gar nicht für eine expresse Bestellung sorgen, weil nur das Zustellpostamt mit dem Empfänger eine derartige Abmachung treffen konnte - und getroffen haben diese Abmachung nur sehr, sehr wenige Korrespondenten; die Gründe liegen auf der Hand: Man konnte sich für 1 - 3 Kreuzer jeden gewöhnlichen und eingeschriebenen Brief durch einen konzessionierten Boten oder einen postalischen Boten (wie hier) fast tagtäglich zustellen lassen und musste von daher kein kleines Vermögen für einen Expressboten ausgeben, der bei der Ankunft eines Briefes erst einmal vom Posthalter zu dingen war, ehe er den Brief übergeben bekam, um mit ihm auf die Reise zu gehen.

Wie gering die Durchdringung mit diesem Postsonderdienst noch in der 1850er Jahren war, kann man am einfachsten erkennen, wenn man sich den DÖPV - Vertrag ab dem Juli 1850 betrachtet (Baden ab 1.5.1851) - da stand nämlich noch nichts von Express, weil das für die vertragsschließenden Postverwaltungen übergreifend überhaupt keine Relevanz hatte. Erst mit dem revidierten Postvereinsvertrag ab 1852 half man diesem Übel ab und komponierte etwas, damit die wenigen Schreiber, die dergleichen wünschten, nun auch zufrieden gestellt waren. Viele waren es aber immer noch nicht, die express versandten, aber immerhin ging jetzt die Bestellung des Expressboten auf den Wunsch des Absenders zurück und das war doch schon mal eine Regelung, die praktikabler war, als die alte.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Markus Pichl Am: 03.09.2017 21:20:56 Gelesen: 22177# 102 @  
Hallo,

eine Nachnahme-Sendung über fünf Kreuzer von Baden nach Renchen.



Der hier sehr sauber abgeschlagene Ovalstempel, als ein solcher wird er nach Baden Spezialkatalog von Peter Sem bezeichnet, wurde nach Feuser Vorphila-Handbuch ab 1830 verwendet und dies wohl, wie aus der Literatur zu entnehmen ist, bis in die Brustschildezeit des Deutschen Reichs. Gemäß Müller-Mark war dieser Stempel eigentlich nicht für die Entwertung von Marken vorgesehen, kommt aber dennoch, wenn auch nicht häufig, als Markenentwerter vor.

Nach meiner Erinnerung war dem Beleg leider keine Jahreszahl zu entlocken. Die Scans wurden vor 10 Jahren von mir erstellt, als er noch in meinem Eigentum war.

MfG
Markus
 
bayern klassisch Am: 04.09.2017 07:10:06 Gelesen: 22096# 103 @  
@ Markus Pichl [#102]

Hallo Markus,

das ist ein sehr schöner Abschlag - klasse! Unter dem Ortsnamen war eine Freilassung für die Manualnummer, womit wir einen Fahrpoststempel hätten - hier unter der laufenden Nr. 1 im Fahrpostmanual aufgeführt. Nachnahmen waren immer der Fahrpost zuzuordnen.

Von der Güte des Abschlags her denke ich, dass es ein Brief aus den 1830er Jahren sein müsste.

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Markus Pichl Am: 04.02.2018 13:19:59 Gelesen: 14311# 104 @  
Hallo,

interpretiere ich den Weiterfranco-Vermerk auf dem nachstehenden Beleg richtig?

Die Entfernung von Zell im Wiesental bis nach Linx/Rheinau bei Renchen beträgt über 10 Meilen und bei bis zu 1 Loth Gewicht hätte das Porto 6 Kr. betragen. Es wurden aber nur 3 Kr. frankiert. Somit wurde der Brief als ein unfrankierter (= 9 Kr.), unter Anrechnung der verklebten 3 Kr. behandelt. Vom Empfänger waren 6 Kr. zu entrichten.



Interpretiere ich das Prüfungsergebnis richtig?

Weil der Brief unterfrankiert ist, wurde nur innen signiert.



Beste Grüße
Markus
 
Magdeburger Am: 04.02.2018 13:45:47 Gelesen: 14303# 105 @  
@ Markus Pichl [#104]

Hallo Markus,

auf dem Brief steht noch 6 (Kreuzer) und wie du richtig geschrieben hast, war er unterfrankiert (Briefkastenbrief - recht wahrscheinlich), denn 6 Kreuzer wäre das Franco - im Portofall kamen 3 Kreuzer Ergänzungsporto hinzu und das verklebte Franco wurde, wie auch richtig, angerechnet. Also alles korrekt.

Die Signierung, denke ich, betrifft nur die Marke und bei dem Faltbrief wurde diese nun entsprechend innen signiert. Hat also nichts mit dem Brief an sich zu tun.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Markus Pichl Am: 04.02.2018 13:51:53 Gelesen: 14301# 106 @  
@ Magdeburger [#105]

Hallo Ulf,

vielen Dank, für Deine schnelle Antwort.

Ich war mir nicht sicher, ob es "noch" oder "wf" auf dem Brief heißt.

Kommen unterfrankierte Briefe bei Baden häufiger vor?

Beste Grüße
Markus
 
Magdeburger Am: 04.02.2018 13:58:34 Gelesen: 14292# 107 @  
@ Markus Pichl [#106]

Hallo Markus,

ich denke, dass unterfrankierte Briefe generell im Altdeutschland Bereich nicht so häufig sind. Wie es speziell in Baden aussieht, kann ich allerdings nicht sagen.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
bayern klassisch Am: 27.02.2018 17:18:17 Gelesen: 13436# 108 @  
Liebe Freunde,

heute zeige ich eine eierlegende Wollmilchsau: Eine Fracht aus Liverpool wurde begleitet nach Antwerpen in Belgien.



Dort stellte man am 26.4.1845 die Papiere aus und fertigte die Rechnung aus (Courty Fester & Cie), schickte sie aber nicht dem Empfänger in Rapperswyl, sondern den Rhein aufwärts nach Mannheim. Dort wurde der Brief als Portobrief am 29.4.1845 für 12 Kr. badisches Porto bis Basel aufgegeben, zu denen sich 6 Kr. für Zürich und 1 Kr. für St. Gallen gesellten.

Auf einen zweiten wird man lange warten müssen.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
briefmarkenwirbler24 Am: 14.08.2018 14:29:24 Gelesen: 5508# 109 @  
Hallo alle zusammen,

heute gibt´s mal einen Beleg von Baden in die Schweiz. :)

Aufgegeben wurde der Brief am 12.06.1865 bei der Postablage Hattingen der Expedition Engen (siehe typischer ovaler Postablagestempel Badens), die Marke wurde zuzüglich noch mit dem Rahmenstempel von Engen entwertet.

Von Engen aus beförderte man den Brief in den Nachbarort Singen, dann ging es für ihn auf direktem Weg weiter per Bahnpost „ Basel-Constanz“ nach Basel, wo er am 13.06. den Eingangsstempel „Basel Badischer Bahnhof“ erhielt.

Nun musste er nur noch per Briefdistribution dem Empfänger ausgehändigt werden.

Nun zur Frankatur:

Mi.-Nr.18 + 3x GU, somit insgesamt 6 Kreuzer.

3x für Baden bis 10 Meilen vom Grenztaxpunkt und 3x für die Schweiz bis 10 Meilen (Weiterfranko, mit Rotstift markiert).

Liebe Grüße

Kevin


 
bayern klassisch Am: 14.08.2018 16:19:03 Gelesen: 5488# 110 @  
@ briefmarkenwirbler24 [#109]

Lieber Kevin,

sehr schönes Stück - als Badensammler ist man mit Ganzsachen gesegnet und prima, dass du hier ein attraktives Stück uns zeigst. :-)

Liebe Grüsse,
Ralph
 
Baldersbrynd Am: 08.09.2018 16:10:07 Gelesen: 4548# 111 @  
Hallo,

suche Hilfe mit diesem Brief. Ich kann den Text nicht lesen, nur "dem" "Verwaltung" und am unten etwas mit "sache" dann nicht mehr.

Kann jemand mir helfen mit dem ganzen Text?

Viele Grüße
Jørgen


 
bayern klassisch Am: 08.09.2018 16:59:06 Gelesen: 4541# 112 @  
@ Baldersbrynd [#111]

Lieber Jörgen,

dir kann geholfen werden:

Dem
Verwaltungsrath
Thengenstadt

Privatsache

Liebe Grüsse,
Ralph
 
hajo22 Am: 08.09.2018 17:00:47 Gelesen: 4540# 113 @  
@ Baldersbrynd [#111]

Ich kann nur lesen:

Dem

Verwaltungsrath

Privatsache

Den Ort kann ich leider nicht lesen.

hajo22
 
hajo22 Am: 08.09.2018 17:05:02 Gelesen: 4539# 114 @  
@ bayern klassisch [#112]

Auf Thengenstadt bin ich nicht gekommen. Das "T" ist unmöglich geschrieben.

hajo22
 
Baldersbrynd Am: 09.09.2018 08:56:09 Gelesen: 4502# 115 @  
Hallo Ralph und Hajo22,

Danke für Eure Antwort mit dem Text.

Viele Grüße
Jørgen
 
bayern klassisch Am: 04.12.2018 20:52:31 Gelesen: 411# 116 @  
Liebe Freunde,

mal etwas in fremden Gefilden gewildert und auf den hier gestossen:



Mannheim, 2.1.1838, nach London, zuerst Charing Cross, dann reexpediert nach Hatton Garden. Der Absender zahlte 12 Kreuzer für Baden und 39 Kreuzer Weiterfranko bis zur Küste.

In GB musste man 2 Shilling 8 Pence berappen und die Weiterleitung in London war offensichtlich kostenlos, weil der Brief den Postenlauf nicht verlassen hatte. Am 8.1.1838 kam er an. Empfänger war die Firma Cox & Co, "Army agents", was immer das auch bedeutet haben mag.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 04.12.2018 22:59:41 Gelesen: 394# 117 @  
@ bayern klassisch [#116]

Army agents", was immer das auch bedeutet haben mag

Na Waffenhändler, was sonst?

hajo22
 
bayern klassisch Am: 05.12.2018 06:34:47 Gelesen: 381# 118 @  
@ hajo22 [#117]

Hallo hajo22,

ich hätte jetzt eher auf einen Laden getippt, der für die Vermittlung von Menschenmaterial (Soldaten) für das Kolonialreich zuständig war.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
hajo22 Am: 05.12.2018 11:17:47 Gelesen: 351# 119 @  
@ bayern klassisch [#118]

Wahrscheinlich Beides.

hajo22
 
Martin de Matin Am: 05.12.2018 19:19:13 Gelesen: 330# 120 @  
@ bayern klassisch [#116]

Bezüglich "Army Agents" empfehle ich Mister Google nach Cox&Co London army agents zu befragen. Unter greatwarforum hat dort das Forummitglied johnreed mit seinem Beitrag vom 11.12.2007 ausführlich über die Firma geschrieben. Gemäß der Übersetzung war die Firma schon im 18.Jahrhundert aktiv. Selbst im 20.Jahrhundert war sie immer noch sehr aktiv. Army agents organisierten die Bezahlung von Offizieren, organisierten die Bereitstellung von Bekleidung und sorgten auch für den Versand von persönlichen Gegenständen. Sie sorgten auch für die Beschaffung von Waffen und Zubehör.

Interessant wäre zu wissen, wer der Absender war? War er Lieferant für Cox?

Gruss Martin
 
bayern klassisch Am: 05.12.2018 20:12:45 Gelesen: 323# 121 @  
@ Martin de Matin [#120]

Hallo Martin,

danke für deine Antwort - leider hat der Brief keinen Inhalt mehr.

Liebe Grüsse,
Ralph
 

Das Thema hat 121 Beiträge:
Gehe zu Seite: 1 2 3 4   5  oder alle Beiträge zeigen
 
  Antworten    zurück Suche    Druckansicht  
 
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.