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Thema: Deutsches Reich Inflationsbelege
Das Thema hat 5375 Beiträge:
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muemmel Am: 22.07.2014 22:33:46 Gelesen: 640720# 3176 @  
Hallo Belegefreunde,

gestern flatterte mir die Vorderseite einer Auslandsdrucksache ins Haus:


(Datenbank # 6331)

In der Portoperiode 20 (10.–19.10.1923) betrug das Porto je 50 Gramm 3 Millionen Mark, für die Einschreibgebühr fielen 5 Millionen Mark an. Insgesamt wurden 109 Millionen Mark verklebt, wobei nach Abzug der R-Gebühr 104 Millionen für das Porto verbleiben. 104:50 ergibt 34,67, wobei es solch eine krumme Gewichtstufe nicht geben kann, daher ist von der 35. Gewichtsstufe (>1700 bis 1750 Gramm) auszugehen, bei der 1 Million zur Frankatur fehlt.

Bei einem solch schwergewichtigen Teil kann man die minimale Unterfrankatur durchaus in Kauf nehmen und dass nur ein Fragment der Vorderseite vorhanden ist ebenfalls. Man muss im Gegenteil demjenigen dankbar sein, dass er das Teil nicht dem Papierkorb überantwortet hat.

Schönen Gruß
Harald
 
zockerpeppi Am: 23.07.2014 21:27:29 Gelesen: 640151# 3177 @  
Hallole,

paradox bei diesem Beleg: Es bedurfte eines Portos von 500 Millionen um eine Überweisung von 20 Millionen zu bestätigen.

PP23 vom 5.11.23 -11.11-23, 500 m für Postkarten im Inlandsverkehr ab Deutsche Bank Lüdenscheid an die Sparkasse Kierspe



(Datenbank # 6350)

liebe Grüße
Lulu

---> siehe Beitrag [#3179]
 
inflamicha Am: 23.07.2014 21:32:16 Gelesen: 640147# 3178 @  
Guten Abend,

am 4.7.1923 (PP 14) sandte der Inhaber einer Glasgroßhandlung in Zwickau diese Nachnahmedrucksache an den Glasermeister Gustav Vetterlein in Niederwürschnitz bei Stollberg, eine Rechnung über 1 Mio 392 Tausend 526 Mark wurde fällig.



Die 210 Mark Gesamtsumme setzen sich aus 60 M Drucksachenporto und 150 M Vorzeigegebühr zusammen. Da der Empfänger eine Frist für ein erneutes Vorzeigen verlangte, hatte er erneut 150 M Vorzeigegebühr zu berappen. Diese Summe wurde auf der Rückseite in Marken verklebt, diese jedoch leider nicht entwertet. Neben dem Eintrag in der Zeile "Frist verlangt" kündet auch die handschriftliche "12" rechts oben neben dem Nachnahmedreieck von der Verfahrensweise- erstes Vorzeigen am 5.7. + 7 Tage Frist = 12.7. als letztmöglicher Tag für die Bezahlung des Nachnahmebetrages.

Gruß Michael
 
zockerpeppi Am: 24.07.2014 08:08:50 Gelesen: 639934# 3179 @  
@ zockerpeppi [#3177]

Ich habe den Überweisungsbetrag nicht korrekt gedeutet. Ein netter Kollege hat mich aufgeklärt :

M 20.000.000 M. Es gab zur Endphase der Hochinflation die Millionen-Rechnung, um sich bei den Ziffern 6 Nullen zu sparen. Die Karte bestätigt eine Überweisung von M 20.000.000.000.000 = M 20 Billionen, was auch am 9.11.23 ein nettes Sümmchen war.

Lulu
 
juni-1848 Am: 24.07.2014 20:08:03 Gelesen: 639723# 3180 @  
@ muemmel [#3176]

Moin Mümmel,

wunderbar, solche "hemmungslosen" Bedarfsfrankaturen!

Da ich auch einige dieser Riesenschnipsel zusammengetragen habe, ist mir die Lupe für die Suche nach "fehlenden Stempelresten" bzw. "vorhandenen Markenresten" (Klebespuren usw.) hilfreichstes Werkzeug.

Bei Deinem Ausschnitt vermute ich dreist eine ursprünglich korrekte Frankatur.
Schau mal oben zwischen Faltung und der 1 Mio nach Klebespuren einer abgefallenen. Viel Glück.

Sonniges Wochenend, Werner
 
inflamicha Am: 24.07.2014 20:55:54 Gelesen: 639697# 3181 @  
Guten Abend,

heute mal wieder ein seltener gebrauchter Postanweisungsstammteil vom 13.7.1916 (PP 1) über den Betrag von 6,65 M, eingezahlt in Schneidemühl und nach Stargard in Pommern adressiert. Links unten sehen wir den Sicherungsstempel, auch als Bezirksstempel bekannt- gute 30 Jahre später kam diesen Stempeln noch eine ganz andere Bedeutung zu.

Bis 5 Mark kostete so eine Postanweisung 10 Pf., für mehr war der Wertstempel der Ganzsache nicht ausreichend. Für die 6,65 waren schon 20 Pf. fällig, weshalb der Schalterbeamte eine 10 Pf.-Marke zugeklebt hat.



Ausbezahlt wurde der Betrag in Rosenfelde (Kreis Deutsch Krone). Hier hatte man wohl das Stempeldatum vergessen umzustellen - eine Auszahlung noch bevor das Geld überhaupt eingezahlt wurde ist technisch nicht möglich. ;-) Handschriftlich ist jedoch das korrekte Datum vermerkt.

Gruß Michael
 
inflamicha Am: 25.07.2014 21:53:55 Gelesen: 639198# 3182 @  
Guten Abend,

auch heute ein Nachnahmebeleg mit wiederholtem Vorzeigen: Am 20.2.1922 (PP 7) sandte die Firma Burneleit aus Berlin diesen Nachnahmebrief (Porto 2 M + Vorzeigegebühr 1,50 M) über eine Summe von 78,25 M nach Düsseldorf:



Am 21.2. war der Brief in Düsseldorf. Da der Empfänger eine Zahlungsfrist verlangte, wurden erneut 1,50 M für das erneute Vorzeigen fällig und vom Empfänger eingezogen. Rückseitig wurden 2 Marken zu je 75 Pf. verklebt und gestempelt. Nachdem die Frist von 7 Tagen verstrichen war verweigerte der Empfänger die Zahlung- der Brief wurde zurückgesandt und war laut Poststempel am 1.3. wieder in Berlin.

Schönes Wochenende und viele Grüße

Michael
 
muemmel Am: 25.07.2014 22:17:11 Gelesen: 639187# 3183 @  
@ juni-1848 [#3180]

Hallo Werner,

es sind an keiner Stelle Klebespuren oder Reste einer abgefallenen Marke zu erkennen. Da hatte ich bereits nachgeschaut, nachdem das Teil ins Haus geflattert war.

Schönes Wochenende
Harald
 
muemmel Am: 26.07.2014 21:55:57 Gelesen: 638773# 3184 @  
Guten Abend,

heute ein Fernbrief mit einer netten Buntfrankatur der bayrischen Abschiedsausgabe mit Aufdruck "Deutsches Reich":



Gelaufen am 9. März 1922 von Hochstadt in Oberfranken nach Bremerhafen (Bremerhaven war in Bayern anscheinend unbekannt). Das erforderliche Porto von 2 Mark wurde mit Marken der MiNrn. 119, 120 und 123 zusammengestellt.

Hübsche sommerliche Grüße
Harald
 
dr.vision Am: 26.07.2014 22:04:46 Gelesen: 638742# 3185 @  
@ muemmel [#3184]

Moin Harald,

eine mögliche Erklärung zu Deiner "fehlerhaften" Adresse findest Du hier:

http://www.bremerhaven.de/meer-erleben/stadt-haus/warum-eigentlich-bremerhaven-die-frage-nach-dem-v.49617.html

Falls Dir der Beleg so gar nicht zusagt, könnte er bei mir ein neues Zuhause finden. ;-)

Beste Grüßen von der Ostsse und einen sonnigen Sonntag.

Ralf
 
muemmel Am: 26.07.2014 22:21:25 Gelesen: 638736# 3186 @  
@ dr.vision [#3185]

Moin Ralf,

danke für den Link zur Erläuterung von "...haven" und "...hafen". Aber auch im Niederländischen ist das "v" für Hafen allgemein und auch in Ortsnamen (z.B. Brouwershaven) gang und gäbe.

Leider kann ich dir den Brief nicht überantworten, da ich ihn für Nigel erworben habe.

Immer noch sommerliche Grüße
Harald
 
inflamicha Am: 26.07.2014 22:28:17 Gelesen: 638732# 3187 @  
Guten Abend,

aus der bayerischen Hauptstadt kommt mein heutiger Beleg: Offizielle Festpostkarte vom 13. Deutschen Turnfest mit passendem Sonderstempel in Form eines Maschinen-Bandstempels mit 2 Stempelköpfen (Filbrandt 233):



Abgesandt von "MÜNCHEN 17.7.1923" und nach Berlin-Charlottenburg gerichtet kostete die Karte 120 Mark Porto.

Gruß Michael
 
JoshSGD Am: 27.07.2014 20:17:09 Gelesen: 638225# 3188 @  
Guten Abend,

zur späteren Stunde heute ein Beleg aus der PP10 (15.11.1922 - 14.12.1922). Ein Fernbrief bis 20g von Düsseldorf nach Halle/Saale. Der 15.11.1922 läutete eine neue Portoperiode ein, natürlich mit einer Portoerhöhung verbunden. In der PP10 waren jedoch schon 12 Mark fällig. Daher machte mich das Porto von 6 Mark stutzig und die Zustellung ohne jegliche Beanstandung. Ich schließe daraus, das der Brief bereits am 14.11.1922 aufgegeben wurde oder aber dem Beamten die Portoerhöhung unbekannt war.

Die Frankatur ist eine Mehrfachfrankatur Mi.Nr. 189.



Gruß
Josh
 
muemmel Am: 27.07.2014 20:19:39 Gelesen: 638219# 3189 @  
@ JoshSGD [#3188]

Hallo Josef,

schau bitte mal auf die Uhrzeit, da findest Du deine Vermutung bestätigt. Der Brief stammt aus der ersten Briefkastenleerung.

Grüßle
Harald
 
inflamicha Am: 27.07.2014 21:19:49 Gelesen: 638186# 3190 @  
@ JoshSGD [#3188]

Da muss ich Mümmel zustimmen. Einen deutschen Postbeamten, dem die nächste Portoerhöhung unbekannt war, gab es nämlich nicht. Kein Vergleich zu heute.

Von mir gibt es heute diesen Privat-Ganzsachenumschlag (PU 46 A 3) mit einem Wertstempel 10 Pfg. Nationalversammlung:



Der Umschlag wurde als Drucksache mit offener Klappe am 10.9.1921 von Frankfurt (Main) nach Leipzig gesandt. Da das Porto 15 Pf. betrug wurde eine 5 Pf. Germania dazu geklebt.

Gruß Michael
 
JoshSGD Am: 29.07.2014 20:27:42 Gelesen: 636919# 3191 @  
Guten Abend,

wir sehen heute einen einfachen Beleg aus der Portoperiode 7 (1.1. - 30.6.1922). Dieser Brief lief am 26.4.1922 lief von Friedrichsbrunn nach Halle/Saale und war nicht schwerer als 20g. Die Frau Direktor Sommer (verwitwet) wohnte bis Mitte April auf dem Robert-Franz-Ring und verzog danach auf die Mozartstraße 11, siehe mein vorheriger Beleg. Die Frankatur ist eine EF Mi.Nr. 191 mit Kreisobersegmentstempel "Friedrichsbrunn (Ostharz) - 26.4.22).



Gruß
Josh
 
muemmel Am: 29.07.2014 20:49:45 Gelesen: 636899# 3192 @  
Ebenfalls nen guten Abend,

hier ein Wertbrief vom 20.10.23, der es auch noch eilig hatte:



Gelaufen am Ersttag der Portoperiode 21 (20.–31.10.1923) von Schwein nach Tübingen. Das Porto für den Brief bis 100g betrug 14 Millionen, die Einschreibgebühr 10 Millionen, die Eilzustellgebühr 20 Millionen. Für 2 Milliarden Wert war eine Versicherungsgebühr von 40 Millionen fällig, zusammen also 84 Millionen Mark. Zur Frankatur wurden Marken der MiNrn. 314 AP, 316 AP, 317 AP und 318 AP verwendet.

Schöne Grüße
Harald
 
inflamicha Am: 30.07.2014 21:17:31 Gelesen: 635931# 3193 @  
Guten Abend,

eine seltene Privatganzsachenkarte (Frech PP 67 F 1/02) mit ebenso seltenem Sonderstempel (Filbrandt 339, im Bochmann unbekannt) will ich euch heute zeigen:



Die Karte mit der Ansicht des Goethehauses in Weimar hat einen Wertstempel 40 Mark im Arbeitermuster, ausreichend für eine Fernpostkarte in der PP 13. Die Karte ist mit dem Sonderstempel "WEIMAR Tagung Vereinig. d. Elektr. Werke 28.6.1923" versehen und wurde nach Berlin-Dahlem befördert.

Gruß Michael
 
inflamicha Am: 31.07.2014 21:13:24 Gelesen: 634904# 3194 @  
Guten Abend,

aus Hoppegarten bei Berlin kommt mein heutiger Beleg: Nachnahme-Fernbrief über 100 Mark nach Altona-Ottensen vom 20.4.1921 (PP 6).



Wie der Name Hoppegarten schon vermuten lässt befand sich und befindet sich noch heute dort eine Pferde-Rennbahn. Der absendende Herr Trainer hatte ein schönes Nebeneinkommen, indem er interessierte Wettkunden mit Insiderinformationen versorgte. Im inliegenden Brief bot er diese sogar im Abonnement an. Beim Empfänger des Briefes war seine Mühe jedoch vergebens, dieser verweigerte die Annahme der Sendung.

Das Porto betrug 60 Pf., für die Nachnahme-Vorzeigegebühr waren 50 Pf. fällig.

Gruß Michael
 
inflamicha Am: 01.08.2014 21:55:25 Gelesen: 634057# 3195 @  
Guten Abend,

am 6.1.1923 (PP 11) schickte das Gräfliche von Degenfeld-Schonburgsche Rentamt in Eybach diesen Brief nach Waldhausen:



Das Porto von 25 Mark wurde neben einer 100 Pf. Arbeiter mit Waffel-Wasserzeichen mit einem Paar der Mi-Nr. 234 bezahlt. Neben 12 Mark Frankaturwert waren diese Marken mit 8 Mark Zuschlag für die Alters- und Kinderhilfe belegt. Die Marken waren nur im Inland und nur bis 15.1.1923 portogültig. Für den guten Zweck wurde die Verwendung jedoch auch ins Ausland und bis weit ins Jahr 1923 hinein geduldet.

Schönes Wochenende und schöne Grüße

Michael
 
muemmel Am: 01.08.2014 23:51:09 Gelesen: 633953# 3196 @  
Dem Guten-Abend-Wunsch von Michael schließe ich mich gerne an,

bevor es nun wirklich ins Wochenende geht, hier ein Brief von Bank zu Bank:



Am 7.11.23 machte sich dieser Brief des Bankgeschäfts Stenger, Hoffmann & Co. von Essen auf die Reise an das Bankhaus Steube & Co. in Herne. In der Portoperiode 23 (5.–11.11.1923) betrug das Porto für einen Fernbrief bis 20 Gramm 1 Milliarde Mark, das hier auch richtig mit zwei Marken je 500 Millionen verklebt wurde. Einfache Fernbriefe dieser Portoperiode mit dem Porto 1 Milliarde sind wahrlich keine Seltenheiten, doch dieser Beleg hat es dann doch faustdick hinter den Ohren.

Dass es sich hier um Marken des Walzendrucks handelt, ist aufgrund des Unterrandstücks mit den charakteristischen Walzenstrichen unverkennbar. Nun gab es allerdings bei dieser Marke drei verschiedene Herstellungsverfahren. Zunächst das Verfahren, bei dem sowohl Markenbild und Wertdruck vom Plattendruck stammen. Des Weiteren wurden aber Markenbild und Wertdruck im Walzendruck hergestellt. Schließlich kam bei dieser Marke der MiNr. 324 noch ein drittes Verfahren hinzu, bei dem das Markenbild vom Walzendruck stammt und der Wertdruck anschließend mittels Plattendruck erfolgte. Diese Marken muss man dann schon als kleine Raritäten betrachten. Wenn sich solche dann noch auf einem Beleg befinden, darf man mit Fug und Recht die Seltenheit etwas höher einstufen.

Stellt sich nun die Frage, wie man den Unterschied zwischen reinem Walzendruck (WW) und dem Kombinationsdruck Platte auf Walze (PW) erkennt?

Antwort 1: Ohne Seitenränder überhaupt nicht.

Antwort 2: Bei WW gibt es unterschiedliche Farben der Walzenstriche (6 hellere Striche vom Markenbilddruck und 7 dunklere Striche vom Wertdruck), bei PW sind hingegen die 13 gleichfarbigen Walzenstriche vom Markenbilddruck das Erkennungsmerkmal.



324 WW



324 PW

Zu erwähnen wäre noch, dass neben der MiNr. 324 auch Marken der MiNr. 321 im Kombinationsdruck PW hergestellt worden sind. Nach solchen Teilen, insbesondere auf Beleg muss man allerdings sehr lange suchen.

Und nun genug für heute.

Schöne Grüße
Harald
 
inflamicha Am: 02.08.2014 22:26:37 Gelesen: 633106# 3197 @  
Guten Abend,

ein Kartenbrief mit viel Bedarfstext im Innern soll es heute sein. So ganz unbeeinflusst vom Philageiste wird der Absender nicht gewesen sein. In Dresden-Altstadt wohnend gab er seinen Brief nach Obercunewalde extra im Postamt Dresden-Neustadt auf, so dass zwei weitere Zweien durch die Postamtsnummer in den Stempel vom 22.2.22 2-3 V gelangten. Auch die sorgfältig aufgeklebten Marken (eine mit Bogenrand) lassen auf einen "Gesinnungsgenossen" schließen.



An Porto waren in dieser Portoperiode (PP 7) zwei Mark zu entrichten, die 3 Marken zu 120, 75 und 5 Pfennig sind sehr sorgfältig vom Postbeamten abgestempelt worden.

Gruß Michael
 
muemmel Am: 03.08.2014 17:36:46 Gelesen: 632271# 3198 @  
Guten Abend,

die Ermittlung des Portos für Pakete (amtlich Postfrachtstücke) ins Ausland während der Inflationszeit gestaltet sich äußerst schwierig und ist für die meisten Leute ein Buch mit sieben Siegeln.

Anhand eines Paketes möchte ich hiermit versuchen, ein ganz klein wenig Licht in das Dunkel zu bringen. Da ich selbst keinen Paketbeleg nach dem Ausland besitze, habe einen von erron aus der Datenbank genommen.



(Datenbank # 2823)

Eine immens wichtige Rolle spielte beim Paketversand aus dem Gebiet des Deutschen Reiches nach dem Ausland der Goldfranken [1], einer Fiktivwährung, die zur Abrechnung von Post- und Fernmeldeleistungen diente.

Bei der hier gezeigten Paketkarte handelte es sich um ein Paket von 0,5 kg, das am 17.12.1921 von Hamburg nach Helsingborg in Schweden abging. Auf der Vorderseite ist ein Stempel des Hauptzollamtes Hamburg zu sehen, aber die abschließende zollamtliche Prüfung erfolgte immer noch in Berlin. Am 24.12.21 gelangte es mit der Fähre nach Trälleborg (Schweden). Wann es den Empfänger in Helsingborg erreicht hatte, verschweigt uns die Paketkarte.

Soviel zum Transportweg. Doch wie kam nun das Porto von 57,60 Mark zustande?

Hier kommt nun der Goldfranken ins Spiel. Vom 2.7.1921 bis 31.8.1922 kostete ein Paket <1 kg nach Schweden 1,60 GF. Vom 15.12.1921 bis 28.2.1922 war der Kurs 1 GF = 36,00 Mark. Multipliziert man nun 1,60 mit 36,00 ergibt sich genau das erforderliche Porto von 57,60 Mark.

Dies ist lediglich ein Beispiel für den Paketversand nach Schweden. Jedes "Ausland" hatte da eigene Vorstellungen bzgl. des Portos in Goldfranken, weshalb man dieses Beispiel nicht auf andere Länder übertragen darf.

Insgesamt darf man sagen, dass der Paketversand ins Ausland insbesondere während der Inflationszeit eine eigene Wissenschaft ist. Persönlich sind mir lediglich drei Spezialisten bekannt, die sich mit der Materie auskennen.

Schönen Gruß
Harald

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Goldfranken
 
muemmel Am: 04.08.2014 21:17:26 Gelesen: 631346# 3199 @  
Guten Abend,

ein guter Bekannter, der sich intensiv mit Inflationsbogen beschäftigt, hat nun festgestellt, dass Inflationsbelege auch ihren Reiz haben. So sandte er mir kürzlich Scans dieser Karte, mit der Erlaubnis, diese hier vorstellen und auch in die Belege-Datenbank stellen zu dürfen.



Die Fernpostkarte ist am 29.11.23 von Breslau nach Schwiebus gelaufen und wurde mit einer Marke der MiNr. 336 AP frankiert. Die 10 Milliarden vierfach aufgewertet ergaben das nötige Porto von 40 Milliarden Mark. Postalisch also alles in bester Ordnung.

Interessanter ist hier jedoch die Mitteilungsseite, welche die damaligen Zustände beschreibt. So etwas ist postalisch und wirtschaftlich Historie in Reinform.

Schönen Gruß
Harald
 
juni-1848 Am: 05.08.2014 18:01:11 Gelesen: 630751# 3200 @  
So, Hochwasser-Helferzeit im Münsterland überlebt - und toi, toi, toi - keine abgesoffenen Belegesammlungen aus den Rückstau-Überraschungen gefischt!

Apropos abgesoffen:

Diese brasilianische Inlandspostkarte (Ganzsache) vom 4.9.1908 aus Porto Alegre wurde adressiert an

Herrn Doktor Laubmann, Caixa N o 761, Arzt an Bord der "Cap Vilano", Rio de Janeiro:

... ...

Sie trägt zwei brasilianische Stempel, die ich nicht vollständig entziffern kann
(siehe unbeantwortete Frage / Beitrag: [http://www.philaseiten.de/beitrag/88761]):

1. "ADM. DOSC.DC R.G.DO SUL \ 4 \ SET \ 1908 \ ( M.P.)"
2. "RIO DE JANEIRO \ 5 \ SET \ 1908 \ R.G. DO SUL"

Der Arzt war bei Ankunft der Karte in Rio wohl nicht an Bord, so dass die Sendung nach Hamburg weitergeleitet wurde mit Ankunftsstempel:
" HAMBURG \ 14 \ (FREIHAFEN) \ 6 10 08 \ * 9-10V. c".

Im Inland wäre sie ohne Porto nachgesendet worden. Hier wurde jedoch aus dem Empfängerort Rio de Janeiro eine Nachsendung in den Freihafen von Hamburg, aus einer Inlandssendung also eine in das Ausland. Hierfür fehlendes Porto (5 Pfennig) wurde einfach (ohne Nachgebühr-Zuschlag) beim Empfänger eingehoben.

Die "Cap Vilano" wurde 1906 bei Blohm & Voss als Linien-Passagierschiff für die Hamburg Südamerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft (HSDG) gebaut und fasste bei rund 9.500 BRT 600 Passagiere in 3 Klassen. Sie war der erste von vier Doppelschrauben-Schnelldampfern für den seit 1901 gemeinsamen Liniendienst mit der Hapag im Südamerika-Verkehr.

Im Jahre 1908 erfolgte die Aufnahme des Hafens Rio de Janeiro in den Fahrplan der Doppelschrauben-Cap-Dampfer, die Schaffung eines kombinierten Brasil-La Plata - Schnelldampferdienstes. Schon im gleichen Jahr wurden Passagiere geworben mit nunmehr wöchentlichen Abfahrten gemäß neuem Schnelldampfer-Fahrplan.

(Quelle: Ein Sammlerfreund, der u.a. auch auf Wikipedia verwies)

Da es sich um eine deutsche Gebühr aus der Infla-Zeit der PP1 (1.7.1906 bis 31.7.1916) handelt, habe ich den Beleg unter Formulare abgelegt (Datenbank #6284).

Sammlergruß, Werner
 

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