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Thema: Nebenstempel auf Brief und Karte: Amtlich verfügt oder geduldet ?
rostigeschiene Am: 17.06.2011 22:09:14 Gelesen: 5557# 1 @  
Eine Frage an die Experten:

Gibt es, wie in der Überschrift schon mit Fragezeichen versehen, ein Gesetz oder eine Verordnung in der die Form, Größe, die zu verwendende Stempelfarbe etc. bei der Benutzung der Briefträgerstempel vorschreibt?

In meinen Schränken habe ich so einige Briefträgerstempel in verschiedenen Formen und Farben.



Dies sind nur einige Stempel die ich auf die Schnelle gefunden habe, aber auch andere Nebenstempel wie Nachgebühr, Recomandiert, Empfänger unbekannt, Gebühr bezahlt u. A. alle in verschiedenen Formen und Farben.

Vielleicht zeigen auch andere Sammler hier die Vielfalt der unterschiedlichen Nebenstempel.

Werner
 
doktorstamp Am: 18.06.2011 07:46:27 Gelesen: 5538# 2 @  
@ rostigeschiene [#1]

Hallo Werner.

Die Auslagenstempel sind amtlicherseits angebracht und dienen um die Versendungsart zu belegen (später Nachnahme). Der Rundstempel unten links (da liest man 13 7 uns 2 quergelegen) ist wohl ein Rundgangstempel (Bestellstempel).

Oben rechts dürfte ein Händlerstempel sein.

Das A im Kreis mit dem Posthorn habe ich nie zuvor gesehen.

Soweit ich es weiß ist das Anbringen von persönlichen Nebenstempeln nie untersagt worden, die Farbe blieb einem jeden überlassen, es sei denn sie könnten Verwirrung hervorrufen oder aus irgendwelchen Gründen (oft politisch) nicht zugelassen waren.

mfG

Nigel
 
rostigeschiene Am: 18.06.2011 08:13:30 Gelesen: 5535# 3 @  
Hallo Nigel,

vielen Dank für Deinen Kommentar zu diesen Stempeln. Der von Dir als Händlerstempel bezeichnete Abschlag ist definitiv ein Briefträgerstempel. Ich zeige den Brief hier noch einmal, er ist schon in einem anderen Thread abgebildet.



Mir geht es aber primär um die Frage der Amtlichkeit. Gibt es eine Verordnung zur Verwendung, die regelt in welcher Form und Größe diese Stempel herzustellen und zu Verwenden waren?

Werner
 
Postgeschichte Am: 18.06.2011 09:45:41 Gelesen: 5524# 4 @  
@ rostigeschiene [#3]

Mir geht es aber primär um die Frage der Amtlichkeit. Gibt es eine Verordnung zur Verwendung, die regelt in welcher Form und Größe diese Stempel herzustellen und zu Verwenden waren?

Hallo Werner,

diese Frage kann mit einem einfachen "njein" beantwortet werden. Stempel, hier spreche ich zunächst von den Ankunfts- und Aufgabestempeln, wurden von den jeweiligen Postverwaltungen "beschafft". In Preußen wurden diese einheitlich bis zum 1.1.1850 von bestimmten Lieferanten bezogen. Nach dem 1.1.1850 wurde die Beschaffung den OPD´en übertragen, die zwar nach Form und Größe Vorgaben erhielten, die Stempel aber bei eigenen Lieferanten herstellen lassen konnten.

Die Eigeninitiative bei der Beschaffung der Stempel, auch der Nebenstempel, wurde aber mehr und mehr wieder zentral durch das Reichspostministerium (zumindest aber vorgegeben) erledigt, bzw. dem am 1.10.1920 errichteten Reichspostzentralamt übertragen. Die Anfertigung von Nebenstempeln durch Postämter oder OPD´en dürften sich auf wenige Ausnahmen reduziert haben. Über genaue Maße der Stempel sind mir bis auf wenige Ausnahmen in der Primärliteratur nichts bekannt.

Gruß
Manfred
 
Baber Am: 05.08.2012 15:33:57 Gelesen: 3211# 5 @  
Hallo zusammen,

hier ein moderner "amtlicher" Nebenstempel.

1989 auf der CEBIT wollte ich wegen der besseren Erhaltung den Brief mit dem Sonderstempel vom Messepostamt gleich wieder mitnehmen. Das ging nun damals überhaupt nicht. Ein Brief, der einmal hinter dem Schalter war, durfte nicht wieder ausgefolgt werden. Auf längeres Bitten bekam ich dann den Brief doch zurück mit durchgestrichener Adresse und dem Stempel "Zurückgegeben" mit Unterschrift des Postbeamten. So streng waren damals die Sitten.

Gruß
Baber


 
Lars Boettger Am: 05.08.2012 16:45:08 Gelesen: 3195# 6 @  
@ rostigeschiene [#1]

Hallo Werner,

eine einfache Frage, die sich nicht einfach beantworten lässt. Seit einigen Jahren erforsche ich die Behandlung von Retour- und Weiterleitungsbriefen von und nach Luxemburg. Mittlerweile ist aus der Forschungssammlung eine internationale Ausstellungssammlung geworden. Dabei habe ich eines festgestellt:

Die Nebenstempel und Klebezettel entsprechen in der Regel dem Bedarf des Postamtes bzw. der an der Abwicklung des Post- und Schalterverkehrs beteiligten Beamten. Die UPU hat z.B. Vorschriften und Richtlinien zur Kennzeichnung von unterfrankierten Poststücken erlassen. Aber es war egal, ob das handschriftlich, mit einem Stempel oder mit einem Klebezettel erfolgte.

Vielfach wurden Nebenstempel von einem Postamt angeschafft, weil dadurch die Bearbeitung schneller ging. Man konnte stempeln, anstatt mühsam von Hand einen Sachverhalt zu schildern. Auch wenn die Anschaffung auf Privatinitiative erfolgte, so ist doch der Einsatz des Stempels im Postamt "amtlich". Schwierig wird es, wenn private Nebenstempel "amtlich" aussehen. Im Anhang so ein privater Stempel aus der Zeit des 1. Weltkrieges.

Beste Sammlergrüsse!

Lars


 
filunski Am: 19.05.2017 18:58:49 Gelesen: 598# 7 @  
Hallo zusammen,

ein lange ruhendes Thema, das ich mal mit einem Beleg wiederbeleben möchte.

Amtlich verfügt wird der folgende Nebenstempel wohl nicht sein:



Böse Zungen könnten jetzt auch sagen, dass es wohl den einen oder anderen "Postler" gab, dem man das nicht extra mitteilen musste. Oder war das "kopflos"? (Vorsichtshalber schreibe ich mal dazu, dass die letzten beiden Sätze natürlich nicht so "tierisch ernst" gemeint sind) ;-)

Beste Grüße,
Peter
 
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