Neues Thema schreiben   Antworten     zurück Suche   Druckansicht  
Thema: Sondertarife im Grenzbereich Deutschland, Österreich, Schweiz
Das Thema hat 49 Beiträge:
Gehe zu Seite: 1   2  oder alle Beiträge zeigen
 
Wachauer Am: 18.11.2013 19:50:36 Gelesen: 25410# 25 @  
@ Baber [#22]

Das Porto für Poststücke aus dem Zollausschlussgebiet in die Bundesrepublik und nach Westberlin, bis 17.12.1974 und dann wieder ab 1.7.1990 auch in die DDR, wurde nach deutschen Inlandsgebühren, aber in Schillingwährung, berechnet.

Quelle: Herbert Kotal "2. Republik - Die Gebühren der Briefpost"

Herzliche Sammlergrüße
Gerhard
 
Baber Am: 19.11.2013 08:54:24 Gelesen: 25372# 26 @  
@ Wachauer [#25]

Hallo Gerhard,

das Buch von Herrn Kotal habe ich auch und es ist fast täglich bei mir im Gebrauch. Den Passus über den Sondertarif hatte ich noch nicht genau gelesen.

Wenn man das richtig interpretiert, wäre der Sondertarif bis 17.12.1874 auch für die DDR gültig gewesen und dann nicht mehr bis zur Wiedervereinigung? Wenn das so ist, würde mich der Grund interessieren und ich habe Herrn Kotal dazu angeschrieben.

Gruß
Bernd
 
Wachauer Am: 19.11.2013 22:11:54 Gelesen: 25324# 27 @  
@ volkimal [#18]

Wie viele AFS mit dem Zusatz "Sondertarif" hat es wohl gegeben? Ich kenne nur diesen einen.

Originalbelege habe ich dazu leider nicht (ist auch nicht mein Sammelgebiet) - aber aus der Literatur kann ich die Frage versuchen teilweise zu Beantworten:



Quelle: "Geschichte des Postwesens der Gemeinde Mittelberg/Kleinwalsertal" von Ferdinand F. Heinisch.

Herzliche Sammlergrüße
Gerhard
 
volkimal Am: 05.01.2014 12:26:45 Gelesen: 24798# 28 @  
@ Wachauer [#27]

Hallo Gerhard,

herzlichen Dank für die Info. Irgendwie habe ich sie letztes Jahr übersehen. In den Beiträgen [#15] bzw. [#17] habe ich aus Mittelberg und Jungholz jeweils die Stempel mit der österreichischen und deutschen Postleitzahl im Vergleich gezeigt. Heute habe ich das erste mal einen Beleg gesehen, bei dem beide Stempel aus Hirschegg ganz regulär abgeschlagen wurden:



Der postlagernde Brief aus Andelfingen (Schweiz) kam am 22.08.1986 in Hirschegg an. Als Ankunftsstempel wurde natürlich der Stempel mit der österreichischen Postleitzahl abgeschlagen. Da der Brief nicht abgeholt wurde, ging er am 15.09. an den Absender zurück. Da der Absender aber in Deutschland wohnte, musste diesmal der Stempel mit der deutschen Postleitzahl verwendet werden.

Viele Grüße
Volkmar
 
Baber Am: 27.02.2014 14:59:54 Gelesen: 24311# 29 @  
Wegfall des Sonderportos Kleinwalsertal für Sendungen in die DDR

Das Porto für Postsendungen aus den österr. Zollauschlussgebieten Kleinwalsertal und Jungholz in die Bundesrepublik wurden von 1951-2005 nach dem deutschen Inlandstarif, umgerechnet in Schilling bzw. in österr. Euromarken berechnet. Bis zum 12.12.1974 galt das auch für Sendungen in die DDR, dann nicht mehr bis zur Wiedervereinigung am 1.7.1990, was man mit zahlreichen Naschportobelegen aus dieser Zeit belegen kann.



Warum das so war, konnte mir bisher kein Kleinwalsertal-Spezialist erklären, betrachtete doch die BRD bei den Postgebühren bis zur Wiedervereinigung die DDR als Inland. Auch Herbert Kotal in seinem detailliertem Buch über die Gebühren der Briefpost der 2. Republik weist zwar auf die Tatsache hin, aber ohne nähere Begründung.

Kürzlich fand ich im Internet eine Email-Adresse des Postamtes Riezlern. Ich sandte sofort meine diesbezügliche Anfrage dahin, in der Hoffnung dass vielleicht ein pensionierter Kollege sich noch an die Anweisung von 1974 erinnern kann. Die Email landete aber nicht in Riezlern sondern bei der Zentrale in Wien, von wo immerhin ein kleiner Hinweis kam. Die freundliche Mitarbeiterin im Archiv fand zwar keine Verordnung über den Briefverkehr aber dafür eine für den Paketverkehr aus dem Jahre 1974 auf Grund der „Änderung der Beziehungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland“. Die weist auf den Grundlagenvertrag zwischen der BRD und der DDR hin, der 1972 geschlossen wurde und im Artikel 7 aussagt, dass besondere Verträge über die Regelung des Postverkehrs getroffen werden. Diesen Vertrag über den Postverkehr, der Ende 1973 in Kraft getreten sein soll, konnte ich im Internet bisher nicht finden. Weiß jemand darüber mehr bzw. wie sich dass auf Österreich ausgewirkt hat?

Gruß
Baber
 
drmoeller_neuss Am: 27.02.2014 15:40:44 Gelesen: 24292# 30 @  
Ich gehe davon aus, dass das neutrale Österreich der offiziellen Linie der DDR gefolgt ist, die mit der neuen Verfassung im September 1974 endgültig von der "deutschen Nation" abgeschworen hat, und auf die eigene Souveränität als Staat DDR gepocht hat. Damit war die DDR nicht mehr Teil Deutschlands.

Ab Januar 1974 mussten auch alle DDR-Autos das internationale Autokennzeichen "DDR" tragen, anstatt "D".
 
Baber Am: 05.05.2014 11:46:49 Gelesen: 23602# 31 @  
Wer kann diese Nachgebühr erklären ?

Diese Postkarte wurde am 13.2.1979 von Riezlern nach Berlin-West geschickt.

Das Porto betrug damals 50 Pfg = 3,50 S. Die Briefmarke war gültig und wurde ordnungsgemäß abgestempelt.

Warum also Nachgebühr?



Gruß
Baber
 
abrixas Am: 05.05.2014 12:02:04 Gelesen: 23590# 32 @  
Könnte der Absendeort eine Erklärung liefern? Riezlern liegt, wenn ich mich recht erinnere im Kleinwalsertal, was ein "Sondergebiet" war.

Gerade gegoogelt:

Kleinwalsertal und Jungholz
Postalisch galt bei der Post ein Sondertarif.
Für Sendungen nach Österreich galten die Inlands - Porti der österreichischen Post, für Sendungen in die BRD die Inlands-Porti der bundesdeutschen
Post.
Ab 01.03.1982 jedoch Fernverkehr CEPT.

Alle Postämter führten zwei Stempel, einen mit österreichischer Postleitzahl und einen zweiten mit deutscher Postleitzahl.
 
Baber Am: 06.05.2014 17:02:19 Gelesen: 23488# 33 @  
@ abrixas [#32]

Der Absendeort ist im Kleinen Walsertal und der Sondertarif nach Deutschland ist richtig. Daher die Frage, warum Nachporto.

Der Sondertarif für Sendungen aus den österreichischen Zollauschlussgebieten galt übrigens bis zum 31.10.2005; auch wenn es Zeiten gab, wo der CEPT Tarif günstiger war. Dieser galt ja nur für Standardsendungen.

Schwerere Briefe und Zusatzleistungen (Einschreiben, Express) waren dann immer noch günstiger nach dem Sondertarif.

Gruß
Baber
 
JFK Am: 07.05.2014 22:58:00 Gelesen: 23439# 34 @  
@ Baber [#31] und [#33]

Der Sondertarif galt meines Wissens nur für Post in die BRD. Berlin 46 (Mitte) dürfte zur DDR gehört haben. Wie allerdings die 64 Pf Nachgebühr zustande kamen?

Der Posttarif von Österreich ins Ausland betrug 5 Schilling für nicht CEPT-Staaten, also 1,50 S. unterfrankiert. Die 64 Pf würden also dem (umgerechnet) 3-fachen Fehlbetrag entsprechen. Es darf also weiter gerätselt werden, vielleicht hilft ja dieser Hinweis.

Lieben Gruß
Jürgen (JFK)
 
Baber Am: 08.05.2014 14:40:32 Gelesen: 23400# 35 @  
@ JFK [#34]

Hallo Jürgen,

D er Sondertarif galt meines Wissens nur für Post in die BRD. Berlin 46 (Mitte) dürfte zur DDR gehört haben.

Deine Vermutung mit Ostberlin trifft nicht zu. Lt. Postleitzahlenverzeichnis der Deutschen Bundespost von 1971 ist 1 Berlin 46 in Westberlin, sonst wäre ein x vor der Postleitzahl.

2 Jahre später haben die Urlauber wieder an die gleiche Adresse eine Karte geschrieben, die ohne Beanstandung duchgelaufen ist. Die Nachgebühr bleibt also unerklärlich.



Gruß
Bernd
 
drmoeller_neuss Am: 09.05.2014 12:25:03 Gelesen: 23354# 36 @  
@ Baber [#33]

Der Sondertarif für Sendungen aus den österreichischen Zollauschlussgebieten galt übrigens bis zum 31.10.2005; auch wenn es Zeiten gab, wo der CEPT Tarif günstiger war. Dieser galt ja nur für Standardsendungen.

Hatte der Postkunde für Sendungen nach Deutschland überhaupt ein Wahlrecht zwischen dem deutschen Inlandstarif und dem - im Einzelfall - günstigeren österreichischen Auslandstarif?

@ Baber [#31]

Die Postkarte ist richtig frankiert. Es waren allerdings nicht immer alle Postler mit den geographischen Feinheiten vertraut. Vielleicht dachte man einfach "Berlin = DDR" und hat das österreichische Auslandsporto angesetzt.

Ich habe auch Briefe aus der BRD in die DDR gesehen, die mit Auslandsporto frankiert waren. Da dachte wahrscheinlich der Postkunde, DDR ist nicht in der EU, wie auch Österreich, also Auslandstarif 90 Pfg. statt 60 Pfg.
 
Baber Am: 09.05.2014 15:16:38 Gelesen: 23326# 37 @  
@ drmoeller_neuss [#36]

Hatte der Postkunde für Sendungen nach Deutschland überhaupt ein Wahlrecht zwischen dem deutschen Inlandstarif und dem - im Einzelfall - günstigeren österreichischen Auslandstarif?

Ich glaube nicht. Der Sondertarif galt für die Einwohner der Zollauschlussgebiete für alle Sendungen nach Deutschland ohne Ausnahme, bzw. ab 17.12.1974 bis zum 1.7.1990 nur für Sendungen nach Westdeutschland. Aber wenn ein Urlauber die Postkarte zum CEPT-Tarif frankiert hatte, wurde wohl ein Auge zugedrückt.

Gruß
Baber
 
Marcel Am: 22.06.2014 23:19:23 Gelesen: 22714# 38 @  
Hallo!

Ich habe hier eine Postkarte aus Mittelberg im Kleinwalsertal mit einem Maschinenstempel (MITTELBERG 1220 m / DER KURORT VON RUF / SONDERTARIF aus MITTELBERG, KL. WALS. T. 8986 [deutsche PLZ] = MP3+V eingesetzt ab 1986) vom 20.06.1990 - gelaufen nach Jena (damals noch DDR) frankiert mit 4,20 S also 60 Pfennig.





Zudem habe ich einen Link gefunden den ich Euch nicht vorenthalten möchte, aber schaut selbst.

http://www.austrianphilately.com/kleinw/index.htm#PART5

schöne Grüße
Marcel
 
drmoeller_neuss Am: 23.06.2014 09:12:21 Gelesen: 22679# 39 @  
@ Marcel [#38]

Bis zum 02. Oktober 1990 (also etwa drei Monate nach dem Versand dieser Karte) wäre das österreichische Auslandsporto für eine Postkarte fällig gewesen (aus dem Gedächtnis = 6 S ?). Ich habe auch Belege aus den letzten Tagen der DDR, die normal mit Auslandstarif freigemacht wurden. Ab dem 03. Oktober 1990 gab es die DDR nicht mehr, die entsprechenden Landesteile wurden Teil der BRD und damit auch der EU.

Vielleicht hat sich aber die österreichische Post mit den Deutschen zusammen über den Mauerfall gefreut, und darüber hinweg gesehen. :)
 
Baber Am: 23.06.2014 11:15:56 Gelesen: 22658# 40 @  
Sendungen aus den Zollauschlussgebieten in die DDR

Laut Gebührenverzeichnis von Herbert Kotal galt der Sondertarif (Deutsche Inlandsgebühren in Schilling umgerechnet) bis 17.12.1974 auch für Sendungen in die DDR. Dann war bis zur Wiedervereinigung am 1.7.1990 das Auslandsporto fällig. Warum das so war, darauf weiß auch Herbert Kotal keine Antwort.
Irgendwie hängt das mit dem 1972 geschlossenen Grundlagenvertrag zwischen der BRD und der DDR zusammen. Ich habe aber bisher nichts dazu finden können. Ich habe auch die Amtsblätter der ÖPT aus den Jahren 1973-1975 durchgeschaut. Dort ist kein Hinweis auf diese Änderung im Briefverkehr zu finden, nur ein Verweis auf den Paketverkehr, dass die Bundesrepublik ab diesem Zeitpunkt Durchleitungsgebühren für Pakete in die DDR erhebt.

Nachdem in den Amtsblättern eigentlich jede noch so geringe Änderung verlautbart wurde, z.B. wenn sich irgendwo in der Welt der Name eines Postamtes geändert hat oder wenn ein österreichisches Postamt eine zusätzliche Einrichtung angeschafft hat, verwundert es mich, dass dazu keine Anweisung an die Postämter im Kleinen Walsertal und in Jungholz zu finden ist.

Wo könnte man noch suchen? Über den Gundlagenvertrag habe ich im Internet nur gefunden, dass Einzelheiten über den Postverkehr zwischen der BRD und der DDR geregelt werden sollen, aber über diese Einzelheiten selbst ist nichts zu finden.

Gruß
Baber
 
DL8AAM Am: 29.10.2015 20:43:00 Gelesen: 15630# 41 @  
@ DL8AAM [#19]

Leider kein "Sondertarif" aber ...

... zumindest wird bei den Absenderangaben auch heute immer noch auf die besondere Situation des Kleinwalsertals Rücksicht genommen:



INFOPOST-Sendung der Bergschule Kleinwalsertal in Hirschegg mit gleichzeitiger Angabe der österreichischen und der deutschen Postleitzahl im Absender "A-6992/D-87568 Hirschegg".

Zur Vervollständigung, hier die - aus dem ( Absenderfreistempel-) Datenmatrixcode ausgelesenen - Frankierangaben:
Post-Unternehmen: DEA
Frankierart: 08
Version Produkte/Preise: 31
Kundennummer: 5039935085
Frankierwert: 0,70 Euro
Einlieferungsdatum: 31.10.2014
Produktschlüssel: 9226
laufende Sendungsnummer: 00001667
EDS-Nummer: 0
PREMIUMADRESS-ID: 001
 

Gruß
Thomas
 

Baber Am: 13.03.2016 21:06:09 Gelesen: 12809# 42 @  
Im österreichischen Kleinen Walsertal galt 1989 für Sendungen nach Deutschland der sog. Sondertarif, d.h. deutsche Inlandsgebühren umgerechnet zum jeweiligen Wechselkurs in Schilling. 1989 waren das 60 Pfg oder 4,20S.

Gleichzeitig betrug aber das österreichische Auslandsporto für Postkarten in dieser Zeit nur 4,00S. Wer konnte es daher den Postbenutzern im Kleinen Walsertal verübeln, wie aus dem übrigen Österreich Postkarten nach Deutschland mit 4,00S zu verschicken.

Das merkte natürlich auch die zuständige Postdirektion in Innsbruck und schickte den Erlass, dass nur Postkarten mit der 4,20S Frankatur mit dem Stempel "Sondertarif" gestempelt werden dürfen, Postkarten mit der 4,00S Auslandsfrankatur aber mit dem normalen Tagesstempel 6991 Riezlern. Das Porto stimmt also, nur der Stempel sollte nicht sein.

Gruß
Baber



[Redaktionell kopiert aus dem Thema "Sonntagsrätsel"]
 
Baber Am: 24.02.2017 17:09:31 Gelesen: 6981# 43 @  
Erlass für den Wegfall des Sondertarifes Kleinwalsertal/Jungholz für Sendungen in die DDR 1974.

Dass diese Regelung irgendwie mit dem Grundlagenvertrag zwischen der BRD und der DDR zusammenhängen musste, in dem die BRD die DDR quasi als eigenen Staat anerkannt hat, war vielen klar. Aber weil Beamte nichts ohne Anweisung tun, muss es dazu eine entsprechende Weisung aus der Postdirektion Innsbruck gegeben haben. Bisher war meine Suche danach vergeblich, da bei Privatisierung der österreichischen Post alle Unterlagen vernichtet wurden. Durch beharrliches Nachfragen habe ich jetzt Kontakt mit dem pensionierten Leiter des Postamtes Riezlern bekommen.

Er hat zwar den Originalerlass auch nicht mehr aber er hat damals alles gesammelt, was zur Geschichte seines Postamtes gehört und so hat er einen Artikel aus "Philatelie und Postgeschichte" aufgehoben, wo der Erlass mit Aktenzeichen wörtlich zitiert wurde:



Der besagt, dass die österreichische Post nur einen Vertrag über den Sondertarif mit der Bundesrepublik geschlossen hat und nicht mit der DDR, also kann man ab sofort für Sendungen in die DDR Auslandsgebühren kassieren.

Das wurde zwar in den Postämtern als Aushang bekannt gegegeben



aber welcher Urlauber liest das schon und so schrieben sie fleißig weiter Ansichtskarten an Bekannte und Verwandte in die DDR, frankiert mit dem Sondertarif Deutschland. Die österreichischen Postler stempelten fleißig das T für Nachgebühr. Ob diese dann am Zielort in der DDR wirklich kassiert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.



Ein spannendes Kapitel moderner Postgeschichte, für die Zeitzeugen langsam aussterben und kaum Unterlagen vorhanden sind.

Gruß
Baber
 
Baber Am: 24.07.2017 10:05:05 Gelesen: 3329# 44 @  
Sondertarif aus dem ZAG Kleinwalsertal und Jungholz für Sendungen nach Deutschland in Gebiete der ehemaligen DDR

Dieses spannende Kapitel der modernen Postgeschichte weist immer noch ungelöste Fragen auf.

Während das Ende des Sondertarifes für Destination in die DDR nun geklärt ist (s. [#43]) ist nach wie vor unbekannt, wann nach der Wiedervereinigung 1990 der Sondertarif für Sendungen aus Österreich bis zu seiner Aufhebung im Jahre 2005 wieder eingeführt wurde. War es zum 1.7.1990 mit Inkrafttreten der Wirtschaft und Währungsunion oder erst am 3.10.1990, dem Tag der Wiedervereinigung? Wer kann dazu etwas sagen oder hat Belege aus diesem Zeitraum 1990?

Übrigens: Was kaum jemand weiß: Aus Richtung Deutschland gilt der Sondertarif weiterhin. Die Orte im ZAG haben nach wie vor eine deutsche und eine österreichische Postleitzahl. Verwendet man aus Deutschland die deutsche Postleitzahl, sind Inlandsgebühren fällig, verwendet man die österreichische, kostet die Sendung Auslandsgebühren.
 
Pete Am: 11.11.2017 21:57:18 Gelesen: 360# 45 @  
Nachfolgend zwei Belege, wo die verschiedene Ausgaben zu 20 Pfennig der Serie "Sehenswürdigkeiten" aufgeklebt wurden. Kennt Jemand den Grund dazu? Bei den gezeigten Formularen (Duplikat einer Empfangsbescheinigung) handelt es sich um Zettel der Schweizer Post. Dem rückseitigen gedruckten Text nach für die Ausstellung eines solchen Doppel 20 Rappen kosten, soweit diese seitens der Schweizer Post erstellt wurden. Wurde hier ein Wechselkurs von einem Franken = einer DM zugrunde gelegt?



Stempelentwertung aus Büsingen am Hochrhein vom 20.11.2000, Unterscheidungsbuchstabe a



Stempelentwertung aus Büsingen am Hochrhein vom 22.08.2002, Unterscheidungsbuchstabe c, Sondertarif

Gruß
Pete
 
Christoph 1 Am: 11.11.2017 23:26:30 Gelesen: 341# 46 @  
@ Pete [#45]

Hallo Pete,

diese interessanten Belege hängen mit Sicherheit damit zusammen, dass es sich bei dem Postamt in Büsingen nicht um ein "normales" Postamt handelt. Der kleine Ort ist eine Exklave, d.h. rundherum ist Schweizer Staatsgebiet. Ich war selbst schon mal dort, das ist lustig!

Ein wenig Aufschluss über das Büsinger Postwesen gibt der nachfolgende Zeitungsartikel:

http://www.sz-online.de/nachrichten/post-nach-buesingen-geht-ueber-die-schweiz-1750096.html

Zitat:

Büsingens Währung sind Euro und Franken, aber gezahlt wird meist nur in der Schweizer Währung. Viele Kunden der Postagentur sind Schweizer. Der Ort hat zwei Postleitzahlen: CH-8238 für die Schweiz und D-78266 für Deutschland.

In diesem Fall war es wohl auch ein Schweizer Kunde, aber da es ein deutsches Postamt ist, mussten eben auch deutsche Briefmarken verklebt werden.

Nun habe ich noch ein wenig gesucht und habe sogar den Postvertrag zwischen Deutschland und der Schweiz gefunden, der die Besonderheiten in Büsingen regelt:

http://www.buesingen.de/ceasy/modules/core/resources/main.php?id=1078-0&download=1

Viele Grüße
Christoph
 
DERMZ Am: 12.11.2017 08:22:20 Gelesen: 311# 47 @  
@ Christoph 1 [#46]
@ Pete [#45]

Guten Morgen Christoph und Pete,

im Januar hatte ich in Büsingen kurze Gelegenheit auch einmal in der örtlichen Postagentur vorbeizuschauen und ich habe mal gefragt, wie es sich mit den Postsendungen dort verhält:

- Sendungen von Büsingen nach Deutschland mit Deutscher Frankatur erhalten den normalen deutschen Tagesstempel mit Postleitzahl.

- Sendungen von Büsingen in die Schweiz mit Deutscher Frankatur erhalten den Tagesstempel von Büsingen mit dem Wort "SONDERTARIF" statt der Postleitzahl, weil diese Sendungen nicht mit Auslandsporto berechnet werden.

- Sendungen von Büsingen mit Schweizer Frankatur werden an das zuständige Briefzentrum in der Schweiz weitergeleitet und werden dort gestempelt/entwertet. Einen schweizer Stempel von Büsingen gibt es (leider) nicht. Es gelten die Schweizer Postgebühren.

Ob der Kunde Deutscher oder Schweizer ist, ist egal - der Kunde wählt seine "Post" selber aus.

Viele Grüsse

Olaf

[Beiträge [#45] bis [#47] redaktionell kopiert aus dem Thema "Bund Dauerserie Sehenswürdigkeiten"]
 
Pete Am: 14.11.2017 18:20:03 Gelesen: 183# 48 @  
@ Christoph 1 [#46]
@ DERMZ [#47]

Nun habe ich noch ein wenig gesucht und habe sogar den Postvertrag zwischen Deutschland und der Schweiz gefunden, der die Besonderheiten in Büsingen regelt:

Danke und Bingo. :-)

Paragraph 7, Absatz 3:

"Im ZAG Büsingen sind Formblätter der PTT nur dann zu benutzen, wenn Dienstleistungen im Verkehr mit der Schweiz in Anspruch genommen werden, die die Verwendung von PTT-Formblättern erfordern."

Im Paragraph 8, Absatz 2 wird auf die Verwendung des Tagesstempels mit dem Zusatz "SONDERTARIF" verwiesen, welcher lediglich für in die Schweiz adressierte Sendungen gedacht ist.

Gruß
Pete
 
Torsten Grunwald Am: 14.11.2017 18:31:13 Gelesen: 177# 49 @  
Mir lief gerade ein Brief über den Weg, kurz bevor ich das gelesen habe.


 

Das Thema hat 49 Beiträge:
Gehe zu Seite: 1   2  oder alle Beiträge zeigen
 
  Antworten    zurück Suche    Druckansicht