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Thema: (?) (234) Altdeutschland: Paketbegleitbriefe
Das Thema hat 241 Beiträge:
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Magdeburger Am: 11.03.2010 11:14:39 Gelesen: 111185# 17 @  
@ BD [#16]

Hallo Bernd,

die Ergänzungen zum Postvertrag, gültig ab 01.04.1834 liegen mir vor. Diese wurden vor einiger Zeit als Nachdruck der Bundesarbeitsgemeinschaft Preussen herausgegeben. Jedoch hilft dies mir nicht so richtig, leider.

Insgesamt habe ich vier Briefe aus dem Jahre 1846 von Magdeburg nach Leipzig. Alles sind Paketbegleitbriefe. Drei sind mit 44 guten Groschen franciert, einer mit 45 - dieser begleitete jedoch ein Paket von 8 Pfund 2 ? Loth.

Hier die Vorderseite:



und die Rückseite:



Ich habe von allen mir vorliegenden Belegen mal nur die Leipziger Stempel herausgezogen und auf einer extra Vorlage gebracht.



Von einem fünften Brief habe ich nur die Vorderseite als Scan (leider verpasst), jedoch keine Rückseite.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
BD Am: 12.03.2010 20:36:01 Gelesen: 111137# 18 @  
Hallo Ulf,

vielen Dank für die Darstellung der Stempel.

Der Doppelkreisstempel wurde in Leipzig als Aufgabestempel und auch als Ausgabestempel verwendet.

Aber der Kastenstempel: Der letztere mit dem Datum in der zweiten Zeile ist als Ausgabestempel der Leipziger Landpost erwähnt. Aber die ersten Drei mit St. Post in der ersten und Stadt-Post in der zweiten Reihe ist nicht verzeichnet.

Vielleicht fand man den Unterschied nicht so wichtig, obwohl es in meinen Augen eindeutig ein anderer Stempel ist. Leider haben die Doppelkreistempel und die Rechteckstempel immer das gleiche Datum, so das man die Abfolge nicht feststellen kann.

Als Anhang:

Die beiden Stadtpoststempel der Oberpostamtes Leipzig
Die bekannten Ausgabestempel der Fahrpost von Sachsen bis ca.1850

Beste Grüsse Bernd


 
Magdeburger Am: 13.03.2010 14:47:40 Gelesen: 111108# 19 @  
@ BD [#18]

Hallo Bernd,

danke für die Zusammenstellung der Leipziger Stempel. Vielleicht finden sich noch mehrere Stempel an.

Gerade an die Adresse "Hentschel & Pinkert" sollte noch mehr zu finden sein, hoffe ich doch. Bisher konnte ich jedoch nichts über die Firma finden.

Hallo Zusammen,

jetzt mal wieder ein normaler? Paketbegleitbrief. Leider nicht genau datierbar, jedoch könnte die Bleistiftnotiz "1833" passen. Gelaufen von Marienwerder nach Schwetz. Paket war in grauen Papier verpackt und wog 24 Loth.

Adressiert "An das Königliche Landraths Amt". Taxiert wurde er mit 10 Sgr. Laut Taxquadrate ergibt sich eine Entfernung von ca 7,7 Meilen.

Jedoch nun beginnt das Problem: Laut Taxverordnung galt für leichte Pakete mindestens die doppelte Brieftaxe - dies passt nicht, es sei denn, es war die Schrift-/Aktentaxe anzuwenden, welche mindestens die 4fache Brieftaxe zugrunde liegt (Einfache Brieftaxe wäre 2 1/2 Sgr).

Eine weitere Möglichkeit wäre, das Absende- und Zielort zwischen 20 und 30 Meilen voneinander entfernt liegen.

Vorder- und Rückseite des Beleges





Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 22.03.2010 19:48:55 Gelesen: 111020# 20 @  
Hallo Zusammen,

ein leider nicht ganz vollständiger Paketbegleitbrief.

Ein Paket von 10 Pfund 20 Loth wurde am 16.05.1865 in Schönebeck aufgegeben und wurde in das etwas über 6 Meilen entfernte Quedlingburg speditiert.

Leider kann ich den Text unter Quedlingburg - neben frei nicht eindeutig lesen.



Jedenfalls ist die Frankierung von 2 Sgr (Ganzsache mit Zusatzfrakatur der Nr 16) hier nicht ausreichend - würde aber der Mindesttaxe entsprechen.

Je Pfund oder Teilen 1,5 Pfennige in der 2. Entferungstufe über 5 bis 10 Meilen ergeben (11 Pfund * 1,5 * 2 = 33 Pfennige) = 2 3/4 Sgr.

In diesem Falle wird von einem Teilfranco gesprochen, 2 Sgr bezahlte der Absender und den Rest von 9 Pfennigen der Empfänger - hier nochmals rückseitig vermerkt.

Das dies zulässig war, habe ich aus dem "Gesetz zum Postwesen" gültig ab 01.01.1861 herauskopiert.



Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
BD Am: 02.04.2010 18:22:52 Gelesen: 110931# 21 @  
@ Magdeburger [#19]

Hallo Ulf,

anbei eine Neuerwerbung, allerdings bei einer Auktion wahrlich kein Schnäppchen. Aber bei den meisten Seltenheiten ist ein Erwerben bei Ebay oder auf Börsen nicht gegeben.

Paketbegleitbrief von Hamburg nach Leipzig 1846 zu einem Paket von 4 Pfund gedruckte Wollen Waren.

Der auf der Vorderseite befindliche Packkammerstempel PC dürfte aus Hamburg stammen. Aber das beste sind die 4 Leipziger! Der Steuerstempel des Zollamtes 3 mit der Steuerfestsetzung ist zwar postalisch nicht wichtig, aber als Beigabe Super. Der rückseitige Stadtpost-Doppelkreisstempel (14. Mai)und der vorderseitige Stadtpostrahmenstempel(15. Mai) befinden sich auch auf den von dir gezeigten Beispielen. Der leider schlecht abgeschlagene Stempel Ausgeliefert Königl. Postexpedition Leipzig ist allerdings auch in der Spezialliteratur nicht verzeichnet. Sollte er die in manchen Städten mögliche Zustellung des Paketes darstellen?

Es gibt einen sehr seltenen Stempel der Packkammer aus Leipzig, dort steht aber abgeholt!

Beste Grüsse Bernd


 
Jürgen Witkowski Am: 02.04.2010 18:32:47 Gelesen: 110926# 22 @  
@ BD [#21]

Den Packkammerstempel P.C. für Hamburg kann ich bestätigen. Es ist einer der beiden im Meyer-Margreth für das Königlich Preußische Ober-Postamt in der Verwendung für Fahrpostsendungen aufgeführten Packkammerstempel.

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen
 
BD Am: 02.04.2010 18:40:36 Gelesen: 110922# 23 @  
@ Concordia CA [#22]

Hallo Jürgen,

danke für die Information. Super!

Beste Grüsse Bernd
 
Magdeburger Am: 02.04.2010 21:19:35 Gelesen: 110906# 24 @  
@ BD [#21]

Hallo Bernd,

Glückwunsch zu diesem Brief. Concordia CA hat Dir bezüglich des Stempels schon alles gesagt. Den Leipziger Ra4 Ausgeliefert Stempel habe ich noch nicht gesehen. Es läßt sich jedoch vermuten, dass er in Verbindung mit der direkten Paketausgelieferung steht. Ist die siegelseitige "6" eventuell ein Lohn hierfür?

Dann kann ich Dir und allen anderen seine Schwester zeigen. Dieser war bei Ebay oder Delcampe als Sofortkauf eingestellt - glücklicherweise "früh" gefunden und gleich zugeschlagen - ein Porto-Paketbegleitbrief im preussischen Postamt von Hamburg am 25.05.1833 aufgegeben. Versendet wurde ein Paket von 1 Pfund 16 Loth in Wachsleinen.

Die taxierten 10 1/2 gute Groschen waren vom Empfänger in Schneeberg zu zahlen. Nur geraten: 7 1/2 gute Groschen, welche gestrichen wurden, dürfte der preussische Anteil sein.

Vorderseitig wurde der Ovalstempel "P. C." in der Packkammer in Hamburg bei der Paketaufgabe abgeschlagen.



Die Siegelseite, hier ist eine "4" vorhanden:



Schön finde ich hier sogar den Inhalt.



Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
BD Am: 02.04.2010 21:48:43 Gelesen: 110901# 25 @  
@ Magdeburger [#24]

Hallo Ulf,

dein Begleitbrief ist sehr schön, er ist mit 1833 aus einer anderen Periode. Bis 1841 war die sächsische Taxe in guten Groschen anzugeben, dann für 9 Jahre in Pfennigen.

Zu den Bestellgeldern habe ich wenige Informationen, sie waren wohl von Ort zu Ort verschieden. Unten § 38 der Posttaxordnung von 1841.

Beste Grüsse Bernd


 
Magdeburger Am: 02.04.2010 22:01:19 Gelesen: 110898# 26 @  
@ BD [#25]

Hallo Bernd,

danke für die weiterführenden Informationen.

Auch in Preussen gab es regionale Unterschiede beim Bestellgeld bei der direkten Zustellung von Paketen.

Jedoch stand es jedem Empfänger frei, sein Paket selbst abzuholen. Der Paketbegleitbrief wurde jedoch immer zugestellt. Unterschieden wurde der Ortszustellbezirk und der Landzustellbezirk.

Im Ortszustellbezirk waren ab 01.07.1863 vom Absender frankiert leichte Paketsendungen bis 15 Loth bestellgeldfrei - ein Jahr später auch für gleiche unfrankierte Paketsendungen.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
faroe-fan Am: 23.05.2010 18:57:33 Gelesen: 110498# 27 @  
Hallo liebe Sammlerfreunde,

mein Vater sammelt Belege seiner Heimatstadt Guttstadt. Ich hatte die Gelegenheit ihm einen wunderschönen Paketbegleitbrief zu erwerben. Kann mir jemand helfen diesen tollen Brief zu "lesen"?

Mich interessiert z.B. der Rötelvermerk 6 3/4, dann aber ein Porto von 7 3/4. Kann jemand etwas dazu sagen, wie dieser Betrag (Strecke Gutstadt - Königsberg), bzw. auch der Unterschied zwischen Vermerk und Frankatur zustande kommt?

Kann jemand lesen was da transportiert wurde und welcher Wert angegeben ist?
Wurden Bei der Ausgabe beide Stempel abgeschlagen (Packkammerstempel + Ausgabestempel auf der Rückseite) oder wurde der Packkammerstempel bereits bei der Ankunft abgeschlagen?

Kann jemand etwas zu dem Jahr sagen, in dem der Brief vermutlich befördert wurde?

Viele Fragen. Ich bin SEHR gespannt auf eure Hilfen! Herzlichen Dank im Voraus!

Beste Grüße,
Ralf




 
Magdeburger Am: 23.05.2010 21:19:17 Gelesen: 110478# 28 @  
@ faroe-fan [#27]

Hallo Ralf,

ein schöner Paketbegleitbrief. Die Entfernung zwischen Gutstadt und Königsberg beträgt 10 Meilen und das Paket wog 22 Pfund 1 Loth.

Laut Taxtabelle beträgt die Taxe 7 3/4 Groschen, wie auch mit Marken richtig dargestellt. Die handschriftlichen "6 3/4" war die "Vorfrankierung" und der kontrollierende Beamte bemerkte den "Fehler" und verklebte das richtige "Franco".

Ob dies noch zu Zeiten des NDP galt, kann ich nicht genau sagen. Dies ist nicht mehr meine "Zeit".

Zu Zeiten Preussens wurde i. d. R. nur der Paketbegleitbrief zugestellt. Dazu wurde der Brief ausgabegestempelt. Der Brief war gleichzeitig Vorlage in der Packkammer für die Abholung. Der Packkammerstempel wurde bei der Ausgabe des Paketes abgeschlagen. Er diente der Kontrolle, dass das Paket abgeholt wurde.

Ich hoffe Dir geholfen zu haben.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
faroe-fan Am: 23.05.2010 23:32:31 Gelesen: 110466# 29 @  
Hallo Ulf,

wow. Schnelle Antwort! Vielen Dank!

Kannst du sagen, wie sich die 7 3/4 Groschen zusammensetzen? Habe ich das richtig verstanden: Bei der Ankunft in Königsberg wurde der Stempel auf der Rückseite gesetzt, der Brief an den Empfänger gesandt und der Packkammerstempel der Vorderseite abgeschlagen, als das Paket abgeholt wurde? Bleiben noch die Fragen: Was wurde transportiert und in welchem Jahr?

Nochmals danke,
Ralf
 
Magdeburger Am: 24.05.2010 04:27:47 Gelesen: 110459# 30 @  
@ faroe-fan [#29]

Guten Morgen Ralf,

der Brief ist aus 1868 bis 1871. Ein genaues Jahr läßt sich so für mich nicht feststellen. Der violette Packkammerstempel kommt von 1870 bis 1873 vor.

Das Franco bzw. Porto läßt sich während dieser Zeit allgemeinen folgendermaßen errechnen: Je Pfund 2 Pfennig je 5 Meilen, dabei gilt angefangene Pfunde sind als volle Pfunde zu rechnen und bei der Entfernung ist auf eine durch 5 teilbare Zahl aufzurunden. Das Ergebnis ist auf ein Vielfaches von 1/4 Groschen aufzurunden.

Um bei dem Paket(begleitbrief) zu bleiben, waren es 22 Pfund 1 Loth - ist aufzurunden auf 23 Pfund. Die Entfernung von 10 Meilen läßt sich durch 5 teilen - hier die 2. Entfernungsprogression.

Diese Zahlen nun einsetzen: 23 Pfund * 2 Pfennig * 2 (Entfernungsprogression) = 94 Pfennig = 7 2/3 aufgrundet = 7 3/4.

Der Brief wog unter einem Loth und blieb somit gebührenfrei.

Während der Preussenzeit, (mit Beginn der Zeit des Norddeutschen Postbezirkes wird es noch so sein), lief es folgendermaßen ab: Bei der Ankunft in Königsberg wurde der Brief mit dem Ausgabestempel versehen. Der Briefträger stellte diesen zu, (war kostenpflichtig - Bestellgeld). Der Empfänger nahm nun diesen Brief und ging zur Packkammer. Nach Vorlage des Begleitbriefes bekam er sein Paket. Der Packkammerstempel wurde als Bestätigung des Emfangs des Paketes abgeschlagen.

I. d. R. musste das Paket nach 3 Tagen abgeholt haben, ansonsten hätte es Packkammergeld gekostet.

Was genau versendet wurde, ist für mich leider nicht lesbar. "Eine große L...."

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
faroe-fan Am: 24.05.2010 14:39:26 Gelesen: 110439# 31 @  
Hallo Ulf,

vielen Dank für die jetzt wirklich genaue Info! Philaseiten.de ist schon ein tolles Medium, um auf schnellem Weg kompetente Antworten zu bekommen. Gerade, wenn man eigentlich ein anderes Sammelgebiet hat. Vielleicht findet sich ja auch noch jemand, der entziffern kann was transportiert wurde.

Herzlichen Sammlergruß,
Ralf
 
bayern klassisch Am: 24.05.2010 15:48:21 Gelesen: 110431# 32 @  
Hallo Ralf,

versandt wurde eine große Bastgaudel.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
faroe-fan Am: 24.05.2010 16:04:04 Gelesen: 110425# 33 @  
Hallo bayern klassisch,

vielen Dank für diese Info. Weder ich noch Google kennt das Wort Bastgaudel. Was ist das?

Herzliche Sammlergrüße,
Ralf
 
bayern klassisch Am: 24.05.2010 16:15:53 Gelesen: 110420# 34 @  
Hallo Ralf,

das sollte weiterhelfen (huch, hatte mich vertippt!).

http://www.archive.org/stream/preussischeswrt05frisgoog/preussischeswrt05frisgoog_djvu.txt

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
bayern klassisch Am: 24.05.2010 16:18:52 Gelesen: 110419# 35 @  
Also es heißt BASTPAUDEL, hier extrahiert der wichtige Teil:

Bastpaudel, pltd. BastpQdel, /., Paudel von Bast, d. i. von harter, eben (plan) gezogener Lindenrinde.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
 
Magdeburger Am: 24.05.2010 18:01:25 Gelesen: 110408# 36 @  
@ faroe-fan [#33]
@ bayern klassisch [#35]

Lieber Bayern Klassisch, man lernt doch nie aus.

Hallo Rolf,

den Werdegang habe ich beschrieben nach meinen Kenntnissen während der Preussenzeit. Zwar gehe ich davon aus, dass dies auch zu Zeiten den Norddeutschen Postbezirkes so war, nur sicher bin ich mir da nicht.

Ich zeige jetzt mal einen Paketbegleitbrief, der incl. Paket zugestellt wurde. Diese zu finden ist garnicht so leicht, da für damalige Verhältnisse es sehr viel kostete. Als Beispiel: Ein Landbriefträger verdiente in Preussen ca 120 Thaler im Jahr - ein Tageseinkommen von 10 Sgr.

Paketbegleitbrief vom 12.06.1850 von Pasewalk nach Berlin ca 16 Meilen entfernt.

Versand wurde ein Paket mit einem Gewicht von 38 Pfund 6 Loth. Nach dem gültigen Tarif ist für je 5 Meilen je Pfund bei Bahnbeförderung 1 1/2, ansonsten 2 Pfennige zu erheben. Auch werden die Pfundteile nicht berücksichtigt.

Bei 38 Pfund * 1,5 Pfennige * 4 (20 / 5 Meilen) = 228 Pfennige = 19 Sgr. Wenn ich es richtig entziffere steht "frei" und in rot "19" welche mit blau gestrichen wurde bei der Prüfung - somit vom Absender bezahlt.



Auf der Siegelseite befindet sich der K2 "1 te PACKETBESTELLUNG" von Berlin vom 13.06. Laut Beschreibung wurde dieser 1846/7 benutzt für die "Zustellung ins Haus", also die Zustellung des Paketes an die angegebene Adresse.
Desweiteren wurde ein "4" vermerkt, was nur bedeuten könnte, dass das Bestellgeld incl Paketzustellung 4 Sgr in Berlin dem Empfänger kostete.



Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
faroe-fan Am: 24.05.2010 23:10:13 Gelesen: 110384# 37 @  
Hallo Ulf,

ich bin jedes mal begeistert, wie diese alten Belege ihre Zeit und das zugehörige Postgeschehen uns geradezu entgegenschreien. Faszinierend! Nach welchen Kriterien wird eigentlich der Loth-Anteil des Gewichtes einmal auf- (mein Brief des NDP) und einmal abgerundet (dein gerade vorgestellter Brief)?

Liebe Sammlergrüße,
Ralf
 
Magdeburger Am: 25.05.2010 06:18:37 Gelesen: 110375# 38 @  
@ faroe-fan [#37]

Hallo Ralf,

zu Deiner Frage, wie es sich mit "überschiessenden Loth-Anteilen" verhält, kann ich nur von Preussen bzw. DÖPV ausgehen. In der Zeit vor dem DÖPV galt in Preussen, dass nur die ganze Pfunde berücksichtigt wurden. Bei mehreren Paketen wurden die Gewichte auch addiert, hier jedoch auch die Pfundanteile. Ergaben diese mehr als ein Pfund, wurden die ganzen Pfunde mitberechnet.

Mit dem DÖPV wurde für jedes Paket einzeln die Taxe bestimmt. Soweit ich es erkennen kann, auch während des NDP.

Allen gemein ist es, dass es Mindest - Fahrpost - Taxen gibt. Dazu gibt es Postverordnungen und Postverträge, in denen dies geregelt wurde. Jeder Beleg muss an Hand der Zeit und seines Weges von A nach B (vielleicht über C) nach entsprechenden Verordnungen und/oder PV taxiert werden.

Ich hoffe, es verständlich ausgedrückt zu haben.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 01.08.2010 15:46:29 Gelesen: 109776# 39 @  
Hallo Zusammen,

ich hatte vor einiger Zeit geschrieben, dass die Taxierung von "A" nach "B" über "C" laufen kann. Passend dazu habe ich folgenden Paketbegleitbrief am 20.Januar 1857 in Nürnberg (Bayern) aufgegeben und nach Langensalza (Preussen) gelaufen.

Das Paket wog in Nürnberg 22 Loth und es wurde noch 2x nachgewogen. In Erfurt, dort handschriftlich mit Ortname, sind es 20 Loth und möglicherweise dort nochmals mit 20 2/10 Loth neu bestimmt.

Zusätzlich ist über dem Franco-Vermerk, eine Wertdeclaration von 11 Gulden vorhanden.

Der Gebührenbaum lautet 11 Kreuzer / 11 Kreuzer / 6 Kreuzer - total 28 Kreuzer.



Siegelseitig wurde mit hoher Sicherheit in Erfurt, scheinbar als Packkammerhilfsstempel - Uhrzeit fehlt, noch in blau f(ranco) 1 3/4 (1,75 Sgr) notiert.



Der Laufweg dürfte demnach Nürnberg - Thurn & Taxis - Langensalza. Zwischen Preussen und Thurn & Taxis ist der Austausch zwischen Gotha - Erfurt.

Bei der Taxierung über Gränzpunkte ist eigentliche in der entsprechenden Landeswährung zu rechnen. Daraus folgt: Für Bayern in Kreuzer, für TuT wahrscheinlich ebenfalls in Kreuzer und für Preussen in Silbergroschen.

Die mittlere "11" wird somit TuT zuzuordnen sein - Transit wird mit 30 Meilen angegeben - und damit ist der Mindestfahrposttarif von 9 Kreuzer + 2 Kreuzer Werttaxe hier anzuwenden.

Nun fangen die Schwierigkeiten an. Für Preussen sollten eigentlich 1 Sgr Mindestfahrposttarif + 1 Sgr Werttaxe = 2 Sgr = 7 Kreuzer anzuwenden sein. Durch die siegelseitige Notierung von f(ranco) 1 3/4 Sgr (entspricht den 6 Kreuzer und sehr wahrscheinlich in Erfurt notiert) gehe ich davon aus, dass dies Preussen zusteht.

Die obere "11" wäre schließlich dann Bayern zuzuordnen. Die Berechnung wäre hier dann wie bei TuT, jedoch bei einer Entfernung größer 20 Meilen.

Die vorseitige rote "1/2" ist das Bestellgeld in Langensalza.

Wer kann mir bei Laufweg helfen?

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 07.08.2010 18:48:06 Gelesen: 109687# 40 @  
Hallo Zusammen,

heute dieser ganz normale Paketbegleitbriefumschlag von Würzburg (Bayern) nach Soden (Thurn und Taxis) per Frankfurt a/Main.

Zeitlich wurde er am 19.Juni 1860 geschrieben und auch aufgegeben. In Gegensatz zum vorher eingestellten Brief, ist dieser für die Gesamtstrecke taxiert. Innerhalb des DÖPV wurde ab 01.01.1858 die Taxierung über die Gränzpunkte abgeschafft und hier galt wie bei der Briefpost, es ist wie ein einheitliches Posthoheitsgebiet anzusehen.

Als Gewicht würde ich 3 9 /10 Pfund (oder doch Loth?) entziffern. Die Entfernung zwischen beiden Orten beträgt etwa 13,5 Meilen.

10 Kreuzer, welche vom Absender gezahlt wurden, entspricht dem Mindestfahrposttarif. Ist das Gewicht in Pfund angegeben, ergäbe sich der gleiche Wert nach der Gewichtstaxe (4 Pfund * 7/12 Kreuzer * 4 (12 - 16 Meilen) = 9 1/3 ist aufzurunden auf 10 Kreuzer.

In Soden wurde dies kontrolliert, mit einer "0" bestätigt und unter dem Bruchstrich sind 2 Kreuzer Bestellgeld vermerkt.



Siegelseitig ist leider nichts vorhanden.



Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf
 
Magdeburger Am: 08.08.2010 18:19:47 Gelesen: 109662# 41 @  
Hallo Zusammen,

ich möchte einen weiteren Paketbegleit-Brief zeigen, welcher innerhalb des DÖPV lief und wo die Taxierung in einer "Strecke" erfolgte.

Er wurde am 30.11.1863 in Berlin (Preussen) aufgeben und lief in das ca 82 Meilen entfernte Lahr (Baden). Mit diesem Franco-Brief wurde ein Paket von 4 Pfund 25 Loth versendet.



Zur Taxierung:
2 Pfennige je Pfund oder Teilen je 4 Meilen. Hier also 2 Pfennige * 5 Pfund * 21 (80 - 84 Meilen) = 210 Pfennige = 17 1/2 Sgr.

Etwas verwundert bin ich hier über das Streichen des Francobetrages - eine Kontrolle entsprach nur ein einfaches Streichen. Vielleicht war der Beamte einfach schon beim Feierabend, den laut Stundenangabe war es bereits 5 - 6 A(bends).

Ich hatte die Hoffnung, dass irgendetwas siegelseitig zur Behandlung vorhanden ist - wurde jedoch enttäuscht.



Jedoch ist die Rechnung des Beamten abgebildet - erstmal wurde für 1 Pfund gerechnet 2 Pfennige * 1 Pfund * 21 = 42 Pfennige (obere Wert) - darunter jetzt * 5 (Pfund) = 210 = 17 1/2 Sgr.

Mit freundlichem Sammlergruss

Ulf, der sich auch über andere Belege freuen würde
 

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