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Thema: (?) (1) Heinrich Köhler Auktion Berlin: Belege von Ende April 1945 gesucht
bernhard Am: 15.02.2021 23:09:31 Gelesen: 8508# 1 @  
In der Zeitschrift Phila Historica 1/2018 ist der folgende Artikel von Prof. Dr. Reinhard Krüger (verstorben 2018) zu lesen:

Die Eilzustellung in Berlin in den Jahren 1941–1944 oder: Herrn Wolfgang Strobels Umdeutung der Berliner Postgeschichte

Auf den Seiten 220-247 hatte Prof. Krüger mit Wolfgang Strobel eine Rechnung zu begleichen. Der folgende Passus erregte hierbei meine Aufmerksamkeit.



Auf einer Berliner Köhler-Auktion soll ein größerer Posten von gelaufenen Berlin-Belegen mit Daten vom 29. April 1945 versteigert worden sein. Einen "größeren Posten" als ein einziges Los wäre nur schwer vorstellbar, auch mehrere Lose mit nur diesem Datum hört sich unrealistisch an. Er wird aber sicherlich keine falschen Behauptungen aufgestellt haben.

Hat jemand von den Berlin-Spezialisten etwas von dieser Auktion mitbekommen? Das müsste auch schon einige Zeit her sein, den Köhler hat schon lange keine Auktionen in Berlin abgehalten, ich glaube 2005 war die letzte. Hat er sich vertan und hat eigentlich die Auktionen in Wiesbaden gemeint?

Die Auktion und die Lose würden mich sehr interessieren. Hat jemand Informationen hierzu?

Viele Grüße
Bernhard
 
bernhard Am: 10.01.2022 23:59:16 Gelesen: 1308# 2 @  
@ bernhard [#1]

Schade, dass hierzu niemand etwas sagen kann. Nachstehend meine bisherigen Feststellungen:

- Rundbriefe der FG Berlin: keine Hinweise auf diese Auktion bzw. diese 29. April-Daten. Letzte Berlin Bedarfs-Stempel vom 24.4.45.

- Köhler-Berlin: Habe die Kataloge nochmals ab 1999 durchgesehen, ohne Erfolg. In der 20. Auktion 2001 wurde ein Feldpostbrief vom 23.4.45 für 1000,- DM angeboten und für 2200,- DM (ohne Aufgeld) zugeschlagen. Dies nur als Hinweis, dass dieser "größere Posten" sicherlich in Einzellose aufgeteilt worden wäre.

- Des weiteren habe ich im Spätsommer letzten Jahres mit einem Berlin-Sammler telefoniert. Seine letzten Bedarfs-Daten in der Sammlung sind ebenfalls vom 24.4.45. Spätere Daten sind ihm nicht bekannt.

- Köhler-Wiesbaden: Vorhandene Kataloge habe ich schon vor längerer Zeit entsorgt. Es gab aber später doch noch Versteigerungen in Berlin, jedoch in der Nummerierung der Köhler-Wiesbaden Auktionen.

Ich halte das ganze für einen Schreibfehler. Mehrere Postbelege nur mit Datum 29.4.45 kann nicht stimmen.

Vielleicht haben die Berlin-Spezialisten eine Meinung dazu?

Viele Grüße
Bernhard

[Beiträge [#1] und [#2] redaktionell verschoben aus dem Thema "Berlin 1945: Post von und nach Berlin / die Frage stand in einem so allgemeinen Thema, wird eher beachtet wenn der möglichst exakte Grund der Frage genannt wird]
 
Heinz 7 Am: 11.01.2022 08:44:51 Gelesen: 1233# 3 @  
@ bernhard [#1]

Guten Tag,

das Auktionshaus Heinrich Köhler hatte seinen Sitz in Berlin, und zwar über den Tod des Firmengründers heraus. Die erste Köhler-Auktion unter eigenem Namen führte Heinrich Köhler im April 1913 durch. Danach waren über 30 Jahre lang fast alle Auktionen in Berlin. Es gab aber auch "Ausflüge" nach Brünn oder Prag, Marienbad oder Karlsbad (1923/1924).

Die letzte Auktion von Köhler in Berlin fand statt im März 1949 (123. Auktion), danach verlegte die Witwe ihre Auktionen nach Wiesbaden (124. Auktion: Mai 1949).

Es ist also wahrscheinlich (bzw. gut möglich), dass die genannte Auktion im Zeitraum 1946-1949 tatsächlich in Berlin stattfand (117.-123. Auktion), Das Datum der 116. Auktion kenne ich nicht (zwischen Januar 1944 und Dezember 1946).

Eine andere Möglichkeit liegt beim "Zweithaus" Köhler. Ein zweites Auktionshaus "Köhler Berlin" eröffnete nach "der Wende" in Berlin ein neues Auktionshaus. Vermutlich wurden Namensrechte gekauft; meines Wissens hat Köhler Berlin (2) nichts zu tun mit Köhler Wiesbaden 1949-heute.

Das neue Haus führte mindestens 25 Auktionen durch in Berlin:

1. Auktion: März 1992
25. Auktion: März 2004

Die Auktionskataloge können vermutlich in den philatelistischen Bibliotheken von Hamburg, München, Frankfurt und Wuppertal eingesehen werden. Das Auktionshaus Köhler (Wiesbaden) hat die Kataloge meines Wissens alle auch.

Am einfachsten wird es sein, Herrn Maassen zu fragen, welche Auktion und welches Auktionshaus er denn in seinem Artikel meinte. Ich kenne Herrn Maassen als sehr hilfsbereiten Zeitgenossen, er wird Ihnen die Angaben vielleicht gerne machen.

Freundliche Grüsse
Heinz
 
bernhard Am: 11.01.2022 17:17:11 Gelesen: 1136# 4 @  
@ Heinz 7 [#3]

Hallo Heinz,

vielen Dank für deinen Beitrag!

Heinrich Köhler - Berlin:

Diese Auktionskataloge liegen mir alle vor. Es wurden mindestens 27 Auktionen durchgeführt, bis 2005. Wie aus dem Vorwort der 1. Auktion hervorgeht, war das Berliner Auktionshaus ab 1992 eine eigenständige Firma. Der damalige Alleininhaber von Heinrich Köhler - Wiesbaden, Volker Parthen, war aber auch der Inhaber der Berliner Firma. Mitgesellschafter waren Christian Burmeister und Joachim Büll.

Heinrich Köhler - Wiesbaden:

Hier liegt mein Problem. Die vorhandenen Auktionskataloge habe ich entsorgt (hatte sie sicherlich auch nicht alle kpl). An eine Anforderung über eine Bibliothek hatte ich auch schon nachgedacht. Dies wäre aber ein riesiges Paket, welches man gar nicht auf einmal bestellen könnte! Bei grob 60 Katalogen (1999-2018) wären dies 7-8 Pakete bei der Phil. Biblothek in Hamburg. Neben den Kosten müßten ja auch noch alle Kataloge durchgesehen werden. Daneben habe ich ja noch viele weitere Interessensgebiete und Verpflichtungen. Deshalb die Fragestellung hier im Forum.

Einige Köhler-Wiesbaden-Auktionen fanden wie gasagt auch in neuerer Zeit in Berlin statt. Ich versuche diese mal herauszufilten.

Bei Herrn Maassen kann ich natürlich mal anfragen, verspreche mir da aber sehr wenig Erfolg. Warum sollte zu diesem Punkt speziell Bescheid wissen?

Viele Grüße
Bernhard
 
Heinz 7 Am: 11.01.2022 18:18:26 Gelesen: 1099# 5 @  
@ bernhard [#4]

Wenn der Text auf Seite 223 nicht von Herrn Maassen ist, (sondern von R. Krüger), dann hast du natürlich recht. Dann weiss W. Maassen vermutlich auch nicht, welche Auktion gemeint war. Ich dachte zuerst, der Text sei von Maassen "himself". Da habe ich zuwenig aufgepasst.

Das "Mengen-Problem" sehe ich aber nicht. Wenn du Köhler Berlin 2 (1992-2005) vorliegend hast, dann kannst du diese Kataloge ja durchsehen. Die Kataloge Köhler Berlin 1946-1949 sind überhaupt nicht umfangreich, das sind nur schmale Hefte.

Freundliche Grüsse

Heinz
 
bovi11 Am: 11.01.2022 19:57:24 Gelesen: 1040# 6 @  
@ bernhard [#1]

„Auf den Seiten 220-247 hatte Prof. Krüger mit Wolfgang Strobel eine Rechnung zu begleichen. Der folgende Passus erregte hierbei meine Aufmerksamkeit.“

In der Tat, wenn man sich die Ausführungen von Prof. Krüger durchliest, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es eine Fortsetzung des erbittert geführten Streits um die Belege ab 20.4.1945 (insbesondere der Ausgabe 909/910) ist.

Das gesamte Dokument:

https://philahistorica.de/Dokumente/PhilaHistorica_2018_01.pdf

Dabei ist die Argumentation von Prof. Krüger recht dürftig, denn hinsichtlich dieses Sachverhalts beschränkt sie sich auf den ominösen Hinweis auf einen Posten angeblich bei Köhler aufgetauchten „größeren Posten“ von Belegen aus Berlin, die „über jeden Zweifel der Manipulation erhaben“ gewesen sein sollen.

Bedenklich ist hierbei neben den bereits genannten Zweifeln, wonach derartige Belege kaum als Posten angeboten worden wären der Hinweis darauf, die Belege seien über jeden Zweifel erhaben gewesen. Das ist in meinen Augen nichts als eine Phrase.
 
bernhard Am: 12.01.2022 18:57:44 Gelesen: 904# 7 @  
@ Heinz 7 [#5]

Die Kataloge Köhler Berlin 1946-1949 sind überhaupt nicht umfangreich, das sind nur schmale Hefte.

Danke. Kann ich bei Gelegenheit mal machen, verspreche mir aber nicht viel davon. In den früheren Auktionskatalogen sind oft nur wenige Beleg-Abbildungen von moderneren Sammelgebieten enthalten. Seinerzeit wurde auch mehr postfrisch gesammelt. Auktionskataloge hätte ich ja eigentlich genug zum anschauen, mir ging es aber vor allem um die "Literaturangabe" von Prof. Krüger.

@ bovi11 [#6]

Ja, das war keine wissenschaftliche Arbeit, sondern einfach nur eine verbitterte Generalabrechnung! Mich verwundert etwas, dass Herr Maassen dies so veröffentlicht hat. Entweder war es ein Deal zwischen den beiden Herren oder Herr Maassen war hier prinzipiell der gleichen Ansicht.

Berlin im April 1945 war nur noch ein weiterer Seitenhieb, eben mit ungenauer Literaturangabe und Phrasen. Eine Fortsetzung des Streites SA/SS war es nicht. Nach meinem Kenntnisstand hat sich Prof. Krüger zu dieser Thematik nie geäußert.

Viele Grüße
Bernhard
 
bernhard Am: 30.01.2022 16:18:38 Gelesen: 579# 8 @  
Ich habe den Ausgangspunkt des Streites, die Kritik von W. Strobel an der Veröffentlichung von Prof. Krüger, die Gegendarstellung von Prof. Krüger, sowie die Erwiderung des Leiters der ArGe DEUNOT in den Rundbriefen 84 und 85/2018 nochmals nachgelesen. Ich komme zu der Ansicht, dass man den besagten Passus nicht ganz so ernst nehmen sollte.

Bei Köhler-Berlin kamen ständig späte Berlin-Daten (bis 23. April 1945) zum Angebot. Möglicherweise hat es auch später eine Köhler-(Wiesbaden)-Berlin-Auktion mit noch späten Berlin-Daten gegeben. Ganz sicher jedoch keine größere Posten und keine Bedarfsbelege vom 29. April 1945. Ich glaube eher, Krüger hat die genaue Auktion nicht mehr gefunden und hat einfach irgendwelche Übertreibungen in den Artikel hineinformuliert.

Irgendwann, wenn ich überflüssige Zeit habe, werde ich die fehlenden Köhler-(Wiesbaden) Berlin-Auktionen noch durchsehen. Meine Erwartungshaltung wird nicht sehr hoch sein.

Viele Grüße
Bernhard
 
ligneN Am: 30.01.2022 18:05:49 Gelesen: 523# 9 @  
@ Heinz 7 [#3]

Eine andere Möglichkeit liegt beim "Zweithaus" Köhler. Ein zweites Auktionshaus "Köhler Berlin" eröffnete nach "der Wende" in Berlin ein neues Auktionshaus. Vermutlich wurden Namensrechte gekauft; meines Wissens hat Köhler Berlin (2) nichts zu tun mit Köhler Wiesbaden 1949-heute.

Der "Berliner Köhler" ab 1992 ging aus der früheren (Briefmarken-) Staatsauktion "Berliner Auktion" hervor. Das war eines der fünf zugelassenen staatlichen Briefmarkenauktionshäuser* der DDR (ähnlich Dresdner). Nach der Wende betrieben die ehemaligen Staatsangestellten die Firma als Privatbetrieb weiter, u.a. Burmeister und Büll.

1992 übernahm dann Volker Parthen die Firma wobei Burmeister und Büll vor Ort in den gleichen Funktionen tätig blieben usw. siehe unten. Die Namensrechte besaß V. Parthen schon seit 1970, als er H. Köhler von Schwenn erwarb.

* Sie gehörten wie drei Münzauktionshäuser zum Staatlichen Kunsthandel der DDR (SKH), einer 1974 gegründeten volkseigenen Handelsorganisation (HO).
 
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