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Thema: Alliierte Besetzung SBZ: Brief über London nach China kam nicht an
Christian Am: 11.05.2010 23:03:53 Gelesen: 12704# 1 @  
SBZ - Ein Beleg der Fragen aufwirft

Hallo zusammen!

Heute mal ein Beleg, der für meine Verhältnisse doch eher "modern" ist. Die SBZ gehört nicht zu meinen Hauptsammelgebieten, daher fehlt mir das notwendige Wissen.



Vielleicht können wir ja gemeinsam die Fragen klären.

Warum wurde der Brief an den Absender zurückgesandt? Das Porto stimmt meines Erachtens. Ich gehe weiter davon aus, dass der Beleg China nie gesehen hat. Es befindet sich keinerlei Vermerk der chinesischen Post auf dem Brief. Kann es sein, dass England keine eingeschrieben Briefe für China akzeptierte? Warum wurde der Brief über London geschickt?

Wie ihr seht eine Reihe von Fragen. Jetzt hoffe ich mal auf Antworten bzw. Erläuterungen.

Herzliche Grüße

Christian
 
AfriKiwi Am: 11.05.2010 23:46:44 Gelesen: 12689# 2 @  
@ Christian [#1]

Hallo Christian,

ich meine daß der Brief gutglaubig erst nach LONDON ging weil die Postler ja sahen daß der Brief über LONDON gehen soll.

In dieser Zeit hatten wenige schon Fehrnseher um sich über die Strapazen von Mao in China zu kümmern (mehr könnte Lacplesis schildern). Alles vom Westen war für China ein Unheil und dann hatte er Chiang Kai-shek und Sun Yat-sen auch noch auf dem Teller.

Also weil China praktisch sich selber abgeschnitten hat war kein Postdienst nach China möglich via LONDON die dann denn Rückmarsch auf dem Brief stempelten.

Der Brief würde besser befördert via eine Ostroute von Dresden via Indien da es sowie nicht per Luftpost ging.

Also reiner unzustellbaren Brief wegen politische Untertöne.

Erich
 
DerLu Am: 12.05.2010 07:43:45 Gelesen: 12667# 3 @  
@ Christian [#1]

Der unterste der vier Kastenstempel besagt "NO REGISTERED SERVICE", nach China waren also zu diesem Zeitpunkt keine Einschreibesendungen möglich.
 
petzlaff Am: 12.05.2010 11:44:17 Gelesen: 12646# 4 @  
@ DerLu [#3]

Völlig korrekt - man sollte auf der Suche nach vermeintlichen Raritäten immer den Blick auf die postgeschichtlichen Tatsachen bewahren. Die Briten haben absolut korrekt gehandelt, ebenso wie die Post der SBZ, die ja (oh Wunder) den Brief tatsächlich nach London geleitet hatte. Warum auch nicht - unabhängig davon, ob die Briten den Brief weiter nach China leiten würden hatte die Deutsche Post ihren Dienstleistungsanteil bezahlt bekommen.

Mit Zensur oder "kalten Krieg" hat dieser wunderschöne Beleg m.E. überhaupt nichts zu tun, eher mit "preussischer Genauigkeit" gepaart mit dem Unwissen über die Postbestimmungen eines ehemaligen Feindeslandes.

LG, Stefan
 
BD Am: 12.05.2010 12:15:38 Gelesen: 12636# 5 @  
Hallo,

der Beleg hat, auser das die Marken noch in der SBZ gedruckt wurden, mit der sowjetischen Besatzungszone nichts zu tun. Es ist mit dem Datum 11.4.1950 ein Beleg aus der DDR.

Ab dem 1.3.1950 konnten Briefe und Karten nach China per Luftpost versendet werden, allerdings mit einem Luftpostzuschlag von 1,50 Mark pro 5 Gramm. Über den Luftweg habe ich keine Informationen.

Beste Grüsse Bernd
 
petzlaff Am: 12.05.2010 12:34:35 Gelesen: 12626# 6 @  
@ BD [#5]

Die DDR wurde seitens der sowjetischen Besatzungsmacht erst am 25.03.1954 in die eigenstaatliche Unabhängigkeit entlassen:

http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Souver%E4nit%E4t

Aber was soll's - hier zählt die Philatelie und nicht der politische Streit um Kaisers Bart, wie lange die SBZ als solche existierte, bzw. seit wann vorher bereits "Deutsche Demokratische Republik" auf den Briefmarken stand. Der Absender hat damals sehr wohl gewusst, warum er "Russ. Zone" unter den Aufgabeort geschrieben hat.

LG, Stefan
 
AfriKiwi Am: 13.05.2010 00:20:12 Gelesen: 12570# 7 @  
@ petzlaff [#4]

Hallo Stefan,

wenn man nur den Brief betrachtet ist es schon ein Brief von Dresden nach London und anscheinend zurück - RETOUR mit Stempeln was andeutet daß kein Dienst für Weiterleitung zu diesem ZEITPUNKT bestand, gut das sehen wir alle.

Es war ein normaler Einschreibebrief, nicht Luftpost von Dresden was wohl in Sachsen liegt.

Die Tante bei der Post war möglicherweise von Preußen die mit ihre "preussischer Genauigkeit" vielleicht mit der Adressierung behilflich war.

Natürlich ist da keine direkte Spur warum der Brief nur bis London ging und nicht nach China und damit hat's sich !

Ich wollte nur kürzlich schildern warum China nicht erreichbar war gerade über London.

Diejenige die solche Belege als Exponat zeigen möchten, geben gerne ein bischen Hintergrund für Ihre Belege was man gerade nicht sieht. Nicht alles is x=x dazu kommt auch x=y+z und es bleibt (ohne Streit) nur ein Brief aus der ehemaligen DDR.

Erich
 
petzlaff Am: 13.05.2010 09:18:34 Gelesen: 12558# 8 @  
@ AfriKiwi [#7]

Steht doch deutlich drauf, warum China nicht erreichbar war: "NO REGISTERED SERVICE" - also "keine Beförderung für Einschreiben möglich" - die Betonung liegt auf EINSCHREIBEN.

Um jegliche Irritationen auszuschließen - ich finde die Stempelkombinationen auf diesem Beleg einfach Klasse, und ich akzeptiere auch, dass im philatelistischen Sinne die DDR schon 1950 existiert hat. Die staats- oder gar völkerrechtliche Angelegenheit ist dabei sicherlich Nebensache - schließlich wurde auch die BRD erst am 5. Mai 1955 im staatsrechtlichen Sinn in die Souveränität entlassen (übrigens für den Preis der Wiederbewaffnung im Rahmen der NATO) und war vorher Besatzungszone(n). Der "Warschauer Pakt" wurde unter Beteiligung der DDR übrigens erst zwei Wochen später gegründet, unter anderem als Antwort auf die vorwiegend militärisch basierte neue Eigenständigkeit der Westzonen als BRD. Immerhin waren die Westzonen zur damaligen Zeit philatelistisch gesehen so ehrlich, "Deutsche Bundespost" statt z.B. "Bundesrepublik Deutschland" auf ihre Briefmarken zu drucken, was man von der "SBZ" nicht behaupten kann - die hatte die Legende "Deutsche Post" schon längst entsorgt.

Aber genug der Politik - obwohl sich der Mai für derartige Diskussionen geradezu anbietet.

LG, Stefan
 
AfriKiwi Am: 13.05.2010 10:08:46 Gelesen: 12547# 9 @  
@ petzlaff [#8]

Hallo Stefan

Mir ist gut bewußt was auf dem Brief steht und es ist wirklich ein schöner Beleg was Christian uns zeigte.

Seine Frage >>Kann es sein, dass England keine eingeschrieben Briefe für China akzeptierte? Warum wurde der Brief über London geschickt? <<

Ohne herrschende Politische Gründe zu suchen in der DDR oder sonst in dieser Zeit ging der Beleg nach London. Es steht garnicht fest daß der Beleg wieder zurück geschickt wurde nach Dresden, oder ! Die Stempel sagen uns - kein Dienst/Laufweg und Retour wohin - kein Stempel - Transit ! Ankunft !

Nun der zweite Teil, warum meinte der Sender über London zu schicken wollen ?

Diese Frage ist noch offen.

Erich
 
petzlaff Am: 13.05.2010 11:10:43 Gelesen: 12537# 10 @  
@ AfriKiwi [#9]

Ich denke schon, dass der Brief zurück ging, obwohl es sich nicht beweisen lässt. Immerhin wurde China handschriftlich durchgestrichen und Deutschland draufgeschrieben.

Des weiteren gibt es sowohl den "Return to sender" als auch den "Retour" Stempel.

Laufwege wurden meines Wissens zu der damaligen Zeit nicht mehr durch zusätzliche Transit- oder Ankunftsstempel belegt.

LG, Stefan
 
doktorstamp Am: 13.05.2010 11:28:46 Gelesen: 12530# 11 @  
Die Englische Post hat richtig nach den WPV Verordnung gehandelt.

Wäre der Brief als einfache Sendung ohne jegliche Zusatzleistung, hätte er den Adressat erreicht. Da aber ein Bestand auf den Zusatz "Einschreiben" war, und diese Beförderungsmöglichkeit zu jener Zeit nicht nachzukommen, bzw zu gewähren war, ging er mit den (Stempel)-Vermerken retour.

Durch die politischen Unrühen zu der Zeit in China, die so 48/49 anfingen, war die Postbeförderung nach China erheblich beschränkt.

Man wird es nie wissen ob der/die Absender(in) es nochmals gewagt hat.

Aus den 50er Jahren sind Briefe mit Bauten Frankaturen nach China bekannt, leider nicht in meiner Sammlung.

mfG

Nigel
 
ligneN Am: 13.05.2010 16:58:24 Gelesen: 12498# 12 @  
Hallo,

Shekki (heutige amtliche Lesung "Shiqui") ist die Bezirkshauptstadt von Chungshan (haL "Zhongshan") in der Provinz Kwantung (haL "Guangdong"). Das ist die Provinz nördlich von Hong Kong mit der bekannten Hauptstadt Canton/Kanton (eigentlich Kwangchow, haL "Guangzhou").

1949/50 herrsche in China Bürgerkrieg. Von Oktober-Dezember 1949 wurden die meisten Gebiete Zentral- und Südchinas von den Kommunisten erobert. Canton in der Nähe des Bestimmungsorts fiel am 14.10.1949.

Im April 1950 waren die Kampfhandlungen mit Ausnahme weniger Gebiete in Szechuan, Yunnan und Inseln vor der Küste zu Ende. Die Eroberung von Hainan (10.4.-1.5.1950) war die letzte große Aktion. -- Der Ausbruch des Koreakriegs im Juni 1950 brachte ein erneutes US-Engagement in Ostasien und machte eine Eroberung Taiwans durch die VR unwahrscheinlich.

Hainan liegt südlich der Provinz Kwangdong, Shekki kann man also noch als Kriegszone betrachten.

Sendungen nach China wurden mit der fortschreitenden Besetzung von Gebieten der Erklärung zur Kriegszone und der Unterbrechung von Verkehrsverbindungen unmöglich.

Meine Daten Auslandsverkehr nach China ab Japan* sind:

1949.3.- nach Nord- und Ostchina eingestellt
1949.5.- nach China (Festland) und Taiwan, Gesamtgebiet eingestellt
1949.6.- nach Taiwan wiederaufgenommen, nur Landweg, keine R-Briefe.
1949.11.- nach China wiederaufgenommen (ausser Taiwan, Kwangtung, Kwangsi, Fukien = Südchina). Nur Landweg. Nur über Hong Kong. Keine R-Briefe.
1950.4.- Luftpost bis Hong Kong nach China und Taiwan wieder möglich, keine R-Briefe.

Sendungen in Kriegszonen waren schon seit 1946/47 nicht mehr möglich.
Seit 1949 wurden die Sendungen in die Kriegsgebiete China ("Festland" und "Taiwan") nur noch unter dem Vorbehalt "auf Gefahr des Absenders" versandt.
Eine Haftung der Post war ausgeschlossen: demzufolge waren Einschreiben (mit Ersatzleistungen durch Postverwaltungen) nicht zulässig.

Und das war bei diesem Brief der Fall.

*Die Unterbrechnung internationaler Postverbindungen wurde vom Int. Büro des Weltposvereins an die Mitgliedsstaaten mitgeteilt. (Grundlage: Mitteilung von Austauschtpostämtern für den Auslandsverkehr über Unmöglichkeit der Weiterleitung von Post/Unterbrechung von Verkehrsverbindungen).

Vermutlich stand das auch im DDR-Postamtsblatt. Der annehmende Postler wusste es aber nicht bzw. das Austauschamt leitete es auf "gut Glück" weiter.

Gruß
ligneN
 
AfriKiwi Am: 14.05.2010 06:03:40 Gelesen: 12464# 13 @  
@ ligneN [#12]

Prima Beitrag.

Man sieht es geht auch ohne philatelistischen Kalten Krieg.

Erich
 
Christian Am: 14.05.2010 21:26:35 Gelesen: 12431# 14 @  
@ ligneN [#12]

Gut für uns, dass der "Postler" seine Vorschriften nicht kannte. :-)

Allen herzlichen Dank für die anregende Diskussion.

Grüße

Christian
 
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